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Finanzstrafgesetz Österreich

siehe auch: Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz – FAGG

siehe auch : Konsumentenschutzgesetz Österreich

siehe auch: E-Commerce-Gesetz Österreich

Teil 2 Einkommensteuerrichtlinien2000

Einkommensteuerrichtlinien2000

https://findok.bmf.gv.at/findok/resources/pdf/3542ec67-6764-4cbe-9b4d-f6a633d49b07/19973.10.X.X.pdf

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
© Bundesministerium für Finanzen 1 - 1
BMF - VI/6 (VI/6)
22. März 2005
06 0104/9-IV/6/00
An
Bundesministerium für Finanzen
Steuer- und Zollkoordination
Finanzämter
Großbetriebsprüfungen
unabhängigen Finanzsenat
Einkommensteuerrichtlinien 2000
Die Einkommensteuerrichtlinien 2000 (EStR 2000) stellen einen Auslegungsbehelf zum
Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988 idF vor dem Budgetbegleitgesetz 2001
und dem Kapitalmarktoffensive-Gesetz dar, der im Interesse einer einheitlichen
Vorgangsweise mitgeteilt wird. Über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehende Rechte
und Pflichten können aus den Richtlinien nicht abgeleitet werden. Bei Erledigungen haben
Zitierungen mit Hinweisen auf diese Richtlinien zu unterbleiben.
Die EStR 2000 sind ab der Veranlagung 2000 generell anzuwenden. Bei
abgabenbehördlichen Prüfungen für vergangene Zeiträume und auf offene Veranlagungsfälle
(insbesondere Veranlagung 1999) sind die EStR 2000 anzuwenden, soweit nicht für diese
Zeiträume andere Bestimmungen in Gesetzen oder Verordnungen Gültigkeit haben oder
andere Erlässe für diese Zeiträume günstigere Regelungen vorsehen. Rechtsauskünfte des
Bundesministeriums für Finanzen in Einzelfällen sind - sofern sie den EStR 2000 nicht
widersprechen - weiterhin zu beachten.
Die EStR 2000 sind als Zusammenfassung des geltenden Einkommensteuerrechts und damit
als Nachschlagewerk für die Verwaltungspraxis und die betriebliche Praxis anzusehen. In die
EStR 2000 wurden die weiter anwendbaren Teile der EStR 1984 und GER 1989 sowie die
Mehrzahl der übrigen Erlässe zur Einkommensteuer übernommen. Neben den EStR 2000 sind
folgende Erlässe weiter zu beachten:

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
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. Erlass des BMF vom 14. Juni 1984, 21 5006/1-IV/6/84, betr. einkommensteuerliche
Behandlung von ärztlichen Praxisgemeinschaften, AÖF Nr. 155/1984.
. Erlass des BMF vom 12. Jänner 1990, 06 0930/1-IV/6/90, betr. die Absetzbarkeit von
Aufwendungen zur Wohnraumschaffung und Wohnraumsanierung im Zusammenhang
mit land- und forstwirtschaftlich genutzten Gebäuden, AÖF Nr. 72/1990.
. Erlass des BMF vom 28. November 1990, 06 0453/1-IV/6/90, betr. die steuerliche
Behandlung von Besserungsvereinbarungen, AÖF Nr. 19/1991.
. Durchführungsrichtlinien zur Vorsorge für Pensionen im Bereich der Gewinnermittlung,
des Gewerbeertrages und des Einheitswertes des Betriebsvermögens, Erlass des BMF
vom 30. April 1992, 06 0557/2-IV/6/92, AÖF Nr. 216/1992.
. Erlass des BMF vom 16. Juli 1992, 06 1202/1-IV/6/92, betr. die Auslegung des Begriffs
"Unternehmensberater" iSd § 22 EStG 1988, AÖF Nr. 265/1992.
. Erlass des BMF vom 23. Jänner 1995, 06 0950/21-IV/6/94, betr. die steuerliche
Behandlung von Wohnbaubanken, AÖF Nr. 72/1995.
. Richtlinien zur Liebhabereibeurteilung (Liebhabereirichtlinien 1997), Erlass des BMF vom
23. Dezember 1997, 14 0661/1-IV/14/97, AÖF Nr. 47/1998.
. Erlass des BMF vom 31. März 1998, 06 0257/1-IV/6/98, betr. die steuerliche Behandlung
von Einlagenrückzahlungen iSd § 4 Abs. 12 und § 15 Abs. 4 EStG 1988,
AÖF Nr. 88/1998.
. Erlass des BMF vom 20. Mai 1998, 14 0602/1-IV/14/98, betreffend die gesetzlichen
Neuerungen bei der steuerlichen Behandlung von Verlusten, AÖF Nr. 125/1998.
. Erlass des BMF vom 24. November 1999, 07 2501/1-IV/7/99, betr. die
prämienbegünstigte Pensionsvorsorge gemäß §§ 108a und 108b EStG 1988,
AÖF Nr. 252/1999.
Im Folgenden werden stichwortartig die Schwerpunkte der EStR 2000
dargestellt:
1 Persönliche Steuerpflicht (§ 1 EStG 1988)
. Der herrenlose Nachlass wird zur Körperschaftsteuer herangezogen (Rz 7).
. Maßgeblichkeit österreichischer Vorschriften auch bei der Ermittlung der ausländischen
Einkünfte (Rz 17).
. Doppelbesteuerung: Drei-Stufen-Methode bei der DBA-Anwendung (Rz 33).

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. Grenzpendler: Antragsmöglichkeit auf unbeschränkte Steuerpflicht (Rz 36 bis 38).
2 Einkommen (§ 2 EStG 1988)
. Zurechnung von Einkünften und Wirtschaftsgütern: Weitgehende Übernahme der EStR
1984 (Rz 104 ff).
. Zurechnung der Einkunftsquelle nur an den unternehmerisch Tätigen (Rz 104).
. Unentgeltliche Betriebsübertragung, Erbfall: Zeitanteilige Zurechnung der Einkünfte an
Übergeber (Erblasser) und Übernehmer (Erben, Rz 108).
. Fruchtgenuss allgemein: Steuerliche Anerkennung bei abgesicherter Position (in der
Regel bei mindestens 10-jähriger Fruchtgenussdauer, Rz 108).
. Vorbehaltsfruchtgenuss: Substanzabgeltung in Höhe der bisherigen AfA abzugsfähig
(Rz 112).
. Zuwendungsfruchtgenuss an einem bereits angelegten Kapital (zB Sparbuch): Keine
Zurechnungsänderung (Rz 118).
. Leasing: Keine Zurechnungsänderung bei Leistungen bis zu 75% der Herstellungskosten
(ohne Umsatzsteuer) während der Grundmietzeit durch Leasingnehmer (in diesem
Rahmen sind bis zu 30% Mietvorauszahlungen zulässig, sonst einzubeziehen sind
Darlehen, Einmalkaution oder laufende Kautionszahlungen, Rz 146).
. Allgemeine Verlustausgleichsverbote: Übernahme des Erlasses AÖF Nr. 268/1999
(Rz 163 bis 177).
. Wechsel des Bilanzstichtages: Antragstellung vor neuem Bilanzstichtag erforderlich
(Rz 180).
3 Steuerbefreiungen (§ 3 EStG 1988)
. Ergänzende Aussagen zu den LStR 1999 (Rz 18 bis 22) zB betreffend Hilfsbedürftigkeit
(Rz 301).
. Subventionen: Keine Subvention bei Gegenleistungscharakter (Rz 304).
. Aussagen zur steuerfreien Kapitalberichtigung (Rz 306 bis 313).
. Aktuelle Darstellung der Einkommensteuerbefreiungen außerhalb des EStG 1988
(Rz 314 bis 335).
4 Gewinnermittlung - allgemeine Vorschriften (§§ 4 und 5 EStG 1988)
. Gewinnermittlungsarten: Systematische Darstellung (Rz 414 bis 431).

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. Darstellung und Bedeutung der Allgemeinen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
(Rz 419 bis 425).
. Wechselbeziehungen zwischen Handels- und Steuerrecht: Maßgeblichkeitsfälle (keine
Maßgeblichkeit für § 4 Abs. 1-Ermittler, Rz 432 bis 434).
. Sofortabschreibung eingelegter geringwertiger Wirtschaftsgüter (Rz 441).
. ABC der Wirtschaftsgüter des notwendigen Betriebsvermögens (Rz 482 bis 556).
. Gemischte Nutzung von Gebäuden: Aufteilung nach Nutzfläche (Regelfall) oder Kubatur
oder nach zeitlichem Nutzungsausmaß; 80/20%-Regel (Rz 557 bis 573).
. Gebäude im Miteigentum: Aktualisierung der EStR 1984 (Rz 574 bis 576).
. Grund und Boden: Feldinventar und stehende Ernte gehören nicht zum Grund und
Boden. Bei Veräußerung des Grund und Bodens entfallen 10.000 S pro Hektar bei
einjährigen Feldfrüchten auf Feldinventar und stehende Ernte (Rz 579).
. Einzelfälle der Wirtschaftsgüter des gewillkürten Betriebsvermögens (Rz 596 bis 601).
. Unkörperliche Wirtschaftsgüter: Aktualisierung der GER 1989; Bestimmungen im EStG,
die das Aktivierungsverbot verdrängen (Einlage, unentgeltlicher Erwerb, Rz 623 bis 636).
. Übergangsgewinn: Aktualisierung der EStR 1984 und GER 1989 (Rz 690 bis 730).
. Gewerbliche GmbH & Co EEG und freiberufliche Wirtschaftstreuhänder-GmbH & Co KEG:
Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zulässig (Rz 661 und 662).
. Auswirkungen des Umsatzsteuerrechts auf die Einkommensteuer: Aktualisierung der EStR
1984 (Rz 731 bis 762).
5 Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben (§ 4 EStG 1988)
. Bewertung von Betriebseinnahmen: (Subsidiäre) Heranziehung der (Sachbezugs-)
Verordnung BGBl. Nr. 642/1992 (Rz 1002).
. Teilweise Nichterhebung der Steuer auf Sanierungsgewinne: Übernahme des Erlasses
AÖF Nr. 180/1999 (Rz 1007 bis 1023).
. ABC der Einnahmen (Rz 1030 bis 1078).
. Empfängerbenennung nach § 162 BAO, Auslandsprovisionen (Rz 1109 bis 1183).
. Systematische Aufbereitung der Rechtsprechung zu den nahen Angehörigen (Rz 1233).
. Freiwillige Beiträge an eine gesetzliche Krankenversicherung und an Einrichtungen der
Krankenvorsorge: Aktualisierung des Erlasses AÖF Nr. 146/1995 (Rz 1245 bis 1250).

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. Freiwillige Beiträge zu einer Gruppenkrankenversicherung (Opting Out): Übernahme des
Erlasses AÖF Nr. 262/1999 (Rz 1251 bis 1266).
. Forschungsfreibetrag: Aktualisierung der EStR 1984 und Übernahme des Erlasses
AÖF Nr. 269/1999. Kein Forschungsfreibetrag für Forschungsumlagen. Prototyp und
Pilotanlagen sind begünstigt. Bei auftragsbedingter Fertigung Forschungsfreibetrag für
Auftragnehmer (Rz 1298 bis 1329).
. Spendenbegünstigung: Aktualisierung der EStR 1984 und GER 1989 (Rz 1330 bis 1349).
. Bildungsfreibetrag: Übernahme des Erlasses AÖF Nr. 270/1999 (Rz 1352 bis 1377).
. Beiträge in angemessener Höhe an Berufs- und Wirtschaftsverbände: Betriebsausgaben
liegen auch dann vor, wenn die Verbände politischen Parteien nahe stehen (Rz 1420).
. Zinsen: Zinsen sind auch dann Betriebsausgaben, wenn den Betriebsverbindlichkeiten
Privatentnahmen im Ausmaß der angemessenen regelmäßigen persönlichen
Aufwendungen des Unternehmers gegenüberstehen (Rz 1423).
. Darstellung des Zweikonten-Modells (Rz 1433 und 1434).
. Lehrlingsfreibetrag: Aktualisierung des Erlasses AÖF Nr. 273/1999 (Rz 1440 bis 1456,
Ausbildungsversuche begründen einen Anspruch auf den Lehrlingsfreibetrag, Rz 1446).
. ABC der Betriebsausgaben: Abwehrkosten (Zuwendungen an den Zwangsarbeiter-
Versöhnungsfonds sind Betriebsausgaben, Rz 1464), Übernahme des
Kultursponsoringerlasses AÖF Nr. 310/1987 (Rz 1643), Kilometergelder (bei betrieblichen
Fahrten mit dem eigenen KFZ von nicht mehr als 30.000 km können Kilometergelder an
Stelle der tatsächlichen Kosten geltend gemacht, wenn das KFZ nicht dem
Betriebsvermögen zuzurechnen ist, Rz 1613).
. Pauschalierung der Tagesmüttereinkünfte unabhängig von der Kinderanzahl mit 70% der
Einnahmen, maximal 8.400 S pro Monat der Tätigkeit (Rz 1653).
6 Bewertung (§ 6 EStG 1988)
. Darstellung der Inventurmethoden (Rz 2111 bis 2123) und Bewertungsgrundsätze
(Rz 2124 bis 2152).
. Zeitpunkt der Gewinnverwirklichung (Rz 2153 bis 2162).
. Anschaffungskosten: Aktivierungsverbot der Finanzierungsaufwendungen (Ausnahme:
Aktivierungswahlrecht für Vorfinanzierungskosten im Zusammenhang mit Neuanlagen
von längerer Bauzeit; Rz 2171).

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. Herstellungskosten: Nicht zu den Herstellungskosten zählen Leerkosten (= nicht
ausgelastete Fixkosten bei Unterbeschäftigung), weiters Verwaltungs- und
Vertriebskosten (Rz 2199; Aktivierungswahlrecht im Zusammenhang mit Fertigungen von
mehr als 12 Monaten, wenn Kostenrechnung vorliegt und keine Verluste drohen).
Aktivierungswahlrecht für Bauzeitzinsen (Rz 2201), für Aufwendungen für
Sozialeinrichtungen des Betriebes, für freiwillige Sozialleistungen und für betriebliche
Altersversorgung und Abfertigungen (Rz 2199).
. Teilwertabschreibung: Ein Ansatz von Zwischenwerten zwischen Buchwert und
niedrigerem Teilwert ist nicht zulässig (Rz 2280 und Rz 2265).
. Firmenwert: Aktualisierung der GER 1989; Abgrenzung von firmenwertähnlichen
Wirtschaftsgütern (zB Apothekenkonzession; Rz 2292); Ermittlung des Firmenwertes bei
Betriebserwerb nach Verhältnismethode (kein negativer Firmenwert; Rz 2288).
. Vorräte: Darstellung der Bewertungsverfahren (Identitätspreisverfahren, gewogenes und
gleitendes Durchschnittspreisverfahren, Verbrauchsabfolgeverfahren, FIFO - LIFO - HIFO
Bewertung; Rz 2313 bis 2323).
. Festwerte: Überprüfung und Anpassung alle 5 Jahre (Rz 2324).
. Forderungen: Aktualisierung des Erlasses AÖF Nr. 126/1995 (Rz 2371 bis 2378).
. Besserungsvereinbarungen: Aktualisierung des Erlasses AÖF Nr. 19/1991 (Rz 2382 bis
2391).
. Darstellung der Rechnungsabgrenzungsposten (Rz 2395 bis 2417).
. Bewertung von Verbindlichkeiten: Zwingendes Höchstwertprinzip für protokollierte
Kaufleute (Rz 2439); Wahlrecht für Ansatz des gesunkenen Teilwertes nach höherem
Teilwert (Rz 2441); Rentenbarwert bei Rentenverbindlichkeiten (Rz 2453).
. Ausweis unversteuerter Rücklagen: Zwingender (zB Investitionsfreibetrag) bzw.
möglicher (zB Forschungsfreibetrag, Bildungsfreibetrag, Lehrlingsfreibetrag)
Bilanzausweis (Rz 2469 und 2470).
. Teilwert von Entnahmen: Speisen und Getränken im Gastgewerbe (Sachbezugswerte laut
Verordnung; Rz 2483); Mietrecht (Differenz zwischen Alt- und Neumiete; Rz 2480);
Selbstgeschaffene Wirtschaftsgüter (angefallene Kosten und Ertragsaussichten; Rz 2481).
. Entnahme fremdfinanzierte Wirtschaftsgüter: Entnahme auch der Verbindlichkeit
(Rz 2482).

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. Einlagen: Aktualisierung der GER 1989; Bloße Nutzungen sind nicht als Wirtschaftsgüter
anzusehen (Bewertung des § 6 Z 5 EStG 1988 nicht anwendbar, einlagefähig sind die
anteiligen Kosten wie zB AfA; Rz 2496).
. Überführung von Wirtschaftsgütern ins Ausland, Betriebs- und Betriebsstättenverlegung:
Nachrang gegenüber den speziellen Normen des UmgrStG (Rz 2506), Geltung des OECDKommentars
und der OECD-Verrechnungspreisgrundsätze (Rz 2511).
. Subventionen aus öffentlichen Mitteln und EU-Förderungen: Aktualisierung der EStR 1984
(Rz 2539 bis 2561).
. Zuschreibungen: Rücklagenauflösung; Aufwertung von (nicht)abnutzbaren Anlagegütern
und geringwertigen Wirtschaftsgütern; Wertaufholungsgebot für bestimmte Anteile an
Körperschaften (Übernahme des Erlasses AÖF Nr. 27/2000; Rz 2583 bis 2587).
. Darstellung der Bewertungsgrundsätze bei Tausch (Rz 2590 bis 2593).
. (Verdeckte) Einlage in Körperschaften: Beurteilung des Verzichtes auf eine nur teilweise
werthaltige Forderung des Gesellschafters gegenüber der Kapitalgesellschaft (Rz 2599).
. Bewertung von (bebauten) Liegenschaften im Anlagevermögen: Anwendung der
Verhältnismethode bei Aufteilung der Anschaffungskosten einer bebauten Liegenschaft in
Grund und Gebäude sowie Gebäude (Rz 2613); Anschaffungsnebenkosten (so genannte
Opfertheorie hinsichtlich Abbruchkosten und Restbuchwert von Gebäuden, Ansatz des
niedrigeren Teilwertes unter Umständen möglich; Rz 2618 und 2619); Anschaffungsnahe
(nachgeholte) Erhaltungsaufwendungen sind grundsätzlich zu aktivieren (Rz 2620).
. Teilwert des Grundstücks: Einheitstheorie im Bereich des § 5 EStG 1988 (eine durch den
Wertverlust des Gebäudes begründete Teilwertabschreibung ist nicht zulässig, wenn
Werterhöhungen des Grund und Bodens diesen Wertverlust ausgleichen; Rz 2633).
. Veräußerung und Entnahme von Liegenschaften: Aufteilung des Veräußerungserlöses
vorrangig nach der Verhältnismethode (Rz 2635). Die Entnahme ist mit dem nach
anerkannten Bewertungsmethoden zu ermittelnden Teilwert zu bewerten (Rz 2636).
7 Absetzung für Abnutzung (§§ 7 und 8 EStG 1988)
. Buchwertfortführung: Aliquote Berücksichtigung der Jahres-AfA beim Rechtsvorgänger
und Rechtsnachfolger (Rz 3132).
. Betriebliche Gebäudeinvestition des Mieters: Schätzungsmöglichkeit der Nutzungsdauer
in Anlehnung an § 8 EStG 1988 (Rz 3124).
. Nichtabnutzbarer Praxiswert: Abschreibung auf 15 Jahre (Rz 3190).

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. Teilwertabschreibung des Firmenwertes: Nachweis der Wertminderung durch
entsprechende Tatsachen (Rz 3192); Einheitstheorie (keine Teilwertabschreibung, wenn
an die Stelle des erworbenen (derivativen) Firmenwertes ein selbstgeschaffener
(originärer) getreten ist und der Teilwert des Firmenwertes in seiner Gesamtheit nicht
unter dem gemäß § 8 Abs. 3 EStG 1988 anzusetzenden Buchwert liegt; Rz 3193).
. Verpachtung eines nichtbetrieblichen Bodenschatzes (zB Schotter; Rz 3204):
Berücksichtigung sämtlicher Werbungskosten (einschließlich Absetzung für
Substanzverringerung) in Höhe von 50% der Bruttoerlöse (einschließlich Umsatzsteuer).
. KFZ-Nutzungsdauer und KFZ-Leasing: Übernahme des Erlasses AÖF Nr. 184/1998
(Rz 3208 bis 3249).
8 Rückstellungen (§§ 9 und 14 EStG 1988)
. Pauschalrückstellungen (Rz 3302 und 3319) und Aufwandsrückstellungen (Rz 3327) sind
nicht zulässig.
. § 4 Abs. 1 EStG-Ermittler muss die Rückstellung in der gleichen Höhe bilden wie der
§ 5 EStG-Ermittler (Rz 3306); Umstände, die eine Änderung der gebildeten Rückstellung
rechtfertigen, sind auch beim § 4 Abs. 1 EStG-Ermittler Bilanzberichtigung (Rz 3312).
. Verbindlichkeitsrückstellungen: Konkrete Verpflichtungsgrundlage am Bilanzstichtag
(keine Werterhellung dem Grunde nach, aber Drei-Monats-Regel; Rz 3315 bis 3318).
. Drohende Verluste aus schwebenden Geschäften: Erfolgsmäßig miteinander verknüpfte
Geschäfte sind als Einheit zu bewerten (Bewertungseinheit; Rz 3322); Rückstellungen im
Zusammenhang mit beschaffungsorientierten Dauerrechtsverhältnissen sind idR nicht
zulässig (Rz 3326).
. Vorsorge für Abfertigungen (Rz 3329 bis 3371): Aktualisierung der EStR 1984 und GER
1989 sowie des Erlasses AÖF Nr. 296/1995; Präsenzdienst und Karenzzeit sind
anrechenbare Vordienstzeiten (Rz 3331); Fortführung der Abfertigungsrückstellung, wenn
steuerrechtlich kein Dienstnehmer mehr, arbeitsrechtlich jedoch schon (Rz 3334). Keine
Rückstellungen für Abfertigungen außerhalb von gesetzlichen (kollektivvertraglichen)
Verpflichtungen (auch keine allgemeine Verbindlichkeitsrückstellung nach § 9 EStG 1988;
einzige Ausnahme: Dienstverhältnis wurde zum Bilanzstichtag bereits gekündigt und es
ist nur die Kündigungsfrist abzuwarten; Rz 3332).
. Wertpapierdeckung: Bei Unternehmerwechsel Ausweis der Wertpapierdeckung in der
ersten Schlussbilanz nach dem Übergang der Abfertigungsansprüche, bei rückwirkenden

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Umgründungen spätestens an jenem Tag, an dem sie ohne rückwirkende Umgründung
beim Übertragenden hätte vorliegen müssen (Rz 3359).
. Vorsorge für Abfertigungen bei der Basis-, Individual- und Drogistenpauschalierung
neben dem Betriebsausgabenpauschale zulässig (Rz 3365), nicht aber bei der
Pauschalierung für Gaststätten- und Beherbergungsbetriebe sowie für Lebensmitteleinzelund
Gemischtwarenhändler (Rz 3366).
. Vorsorge für Pensionen (Rz 3370 bis 3421): Aktualisierung der EStR 1984 und des
Erlasses AÖF Nr. 216/1992. Die Bildung einer Rückstellung ist auch im Falle einer
Pensionszusage ohne Aktivlohn bzw. bei einem unangemessen niedrigen Aktivlohn
zulässig; in diesem Fall ist für die 80%-Begrenzung ein fiktiver angemessener Lohn
heranzuziehen (Rz 3387); Firmen- und Sozialversicherungspension dürfen nicht mehr als
100% des letzten Aktivbezuges des Gesellschafter-Geschäftsführers betragen (Rz 3393).
Bei einer darüber hinausgehenden Pensionszusage ist die Rückstellungsbildung nur
hinsichtlich des unangemessenen Teiles zu versagen, hinsichtlich des angemessenen
Teiles jedoch anzuerkennen (Rz 3393).
. Vorsorge für Jubiläumsgelder: Übernahme des Durchführungserlasses AÖF Nr. 261/1999
(Rz 3422 bis 3446).
. ABC der Rückstellungen (Rz 3447 bis 3532).
9 Besondere Gewinnermittlungsvorschriften (§§ 10 bis 13 EStG 1988)
. Investitionsfreibetrag: Aktualisierung der in den GER 1989 und diversen Erlässen
enthaltenen Aussagen (Rz 3701 bis 3818).
. Verzinsung des Eigenkapitalzuwachses: Übernahme des Erlasses AÖF Nr. 271/1999
(Rz 3819 bis 3860).
. Übertragung stiller Reserven, Übertragungsrücklage und steuerfreier Betrag:
Aktualisierung der GER 1989 und diverser Erlässe (Rz 3861 bis 3892);
. Unzulässigkeit der Bildung einer Übertragungsrücklage aus der Hälfte der Einkünfte aus
Waldnutzungen infolge höherer Gewalt (nur die Übertragung im Jahr des Anfallens
entspricht dem EStG 1988; Rz 3889).
. Geringwertige Wirtschaftsgüter: Aktualisierung der EStR 1984 (Rz 3893 bis 3900).
10 Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten (§§ 15 und 16
EStG 1988)

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. Schadenersatzleistungen sind Einnahmen, wenn sie in Zusammenhang mit einer
steuerrelevanten Tätigkeit stehen und nicht der Vermögenssphäre zuzurechnen sind
(Rz 4014).
. Annehmlichkeiten, Gelegenheitsgeschenke stellen keine Einnahmen dar (Rz 4025).
. Bewertung geldwerter Vorteile (Rz 4027 bis 4029).
11 Gewinn- bzw. Überschussermittlung nach Durchschnittssätzen (§ 17
EStG 1988)
. Aktualisierung des Basispauschalierungserlasses AÖF Nr. 287/1994 (Rz 4101 bis 4138).
. Übernahme des Pauschalierungserlasses AÖF Nr. 36/2000 (Rz 4251 bis 4354).
. Ausführungen zur Handelsvertreter-Verordnung BGBl. II Nr. 95/2000 (Rz 4355 bis 4360).
. Pauschalierung der Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (Verordnung
BGBl. II Nr. 430/1997, idF BGBl. II Nr. 30/1998 und BGBl. II Nr. 448/1999):
Aktualisierung der Erlässe AÖF Nr. 71/1998 und AÖF Nr. 157/1977 (Rz 4140 bis 4250).
Aufzählung von Betriebseinnahmen, die zusätzlich zur Pauschalierung zu erfassen sind
(Rz 4176 bis 4185). Über das laufende Jahr hinausgehende Einmalentschädigungen für
Ertragsausfälle und Wirtschaftserschwernisse sind dann gesondert anzusetzen, wenn es
aus diesem Grund zu einer Verminderung des Einheitswertes gekommen ist (Rz 4182);
Veräußerung von Forstflächen: Schätzung der historischen Anschaffungskosten mit dem
anteiligen Einheitswert zum 1. Jänner 1989 (Rz 4197);
Aussagen und Beispiele zum land- und forstwirtschaftlichen Nebenerwerb bzw. zur
Nebentätigkeit (Rz 4201 bis 4208);
Aussagen und Beispiele zum land- und forstwirtschaftlichen Nebenbetrieb (Rz 4209 bis
4241); Produktkatalog zur Abgrenzung der abpauschalierten Urproduktion von der
gesondert zu erfassenden Be- und Verarbeitung (Rz 4220);
Abgrenzung des landwirtschaftlichen Most- oder Weinbuschenschanks zum
Gewerbebetrieb (Rz 4233 bis 4239).
12 Sonderausgaben (§ 18 EStG 1988)
. Verweis auf die LStR 1999 (Rz 4501).
. Verlustvortrag: Ordnungsmäßigkeit der Buchführung (Anpassung der EStR 1984 an die
Judikatur; Rz 4509 bis 4515); Verlustvortragsübergang im Erbweg (Einbau der Erlässe

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AÖF Nr. 183/1987 und Nr. 347/1988; Rz 4535 bis 4537); Aussagen zu Anlaufverlusten
(Rz 4529 bis 4532).
13 Zeitliche Zuordnung von Einnahmen und Ausgaben (§ 19 EStG 1988)
. Maßgeblichkeit der Erlangung bzw. des Wegfalls der Verfügungsmacht (Rz 4601 und
4620).
. Scheck: Zufluss bzw. Abfluss im Zeitpunkt der Übergabe (Rz 4617 und 4624).
. Kreditkarte: Zufluss bzw. Abfluss im Zeitpunkt der kontenmäßigen Gutschrift bzw.
Abbuchung (Rz 4617 und 4624).
. Zinsen für Kontokorrentkredit: Abfluss im Zeitpunkt der Kontobelastung (Rz 4626).
. Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen bzw. Ausgaben: Zeitraum bis zu 15 Tagen gilt
als kurze Zeit (Rz 4631).
14 Nichtabzugsfähige Ausgaben (§ 20 EStG 1988)
. Verhältnis des § 20 EStG 1988 zu Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten und zu
Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen (Rz 4701).
. Darstellung des Aufteilungsverbotes (Rz 4707 bis 4709).
. ABC der nicht abzugsfähigen Kosten der Lebensführung (Rz 4710 bis 4758).
. Angemessenheitsprüfung: Aktualisierung des Erlasses AÖF Nr. 55/1991
(Rz 4761 bis 4807); Angemessenheitsgrenze von 467.000 S für PKW und Kombi bleibt
unverändert (Rz 4771); Ausscheiden der unangemessenen Kosten bei mehr als 25-
prozentigem Überschreiten der Vergleichswerte (Luftfahrzeuge - Rz 4786, Boote -
Rz 4789, Antiquitäten - Rz 4799).
. Repräsentationsaufwendungen: Einzelfälle zu nicht abzugsfähigen Geschenken
(Rz 4813); Geschäftsfreundebewirtung (Beispiele zu vom Abzugsverbot nicht betroffenen
Aufwendungen, zu Aufwendungen, die unter die 50-prozentige Kürzung fallen, zu
Aufwendungen, die zur Gänze nicht abzugsfähig sind; Rz 4814 bis 4826).
. Freiwillige Zuwendungen und Zuwendungen an Unterhaltsberechtigte: Spenden mit
Werbecharakter (zB Sachspenden in Katastrophenfällen; Rz 4836 bis 4838) und
Kulanzleistungen (Rz 4839) sind abzugsfähig.
. Bestechungs- und Schmiergelder: Übernahme des Erlasses AÖF Nr. 162/1999
(Rz 4840 bis 4846).

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. Nicht abzugsfähige Steuern und Nebenansprüche (zB Umsatzsteuer und
Normverbrauchsabgabe im Zusammenhang mit Eigenverbrauch; Rz 4849 und 4850).
. Aufwendungen im Zusammenhang mit steuerfreien oder endbesteuerten Einnahmen:
ABC diverser Anwendungsfälle (Rz 4856 bis 4871; werden zB aus der Veräußerung einer
endbesteuerten Kapitalanlage steuerpflichtige Einkünfte erzielt, ist ein
Finanzierungsaufwand insoweit abzugsfähig, als er die angefallenen endbesteuerten
Kapitalerträge übersteigt; Rz 4863).
15 Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (§ 21 EStG 1988)
. Behandlung der Agrargemeinschaften (Anteilsrecht ist einem Substanzgenussrecht
vergleichbar, Ausschüttungen unterliegen der Kapitalertragsteuer; Rz 5031).
. Grund und Boden: Abgrenzung zu Wirtschaftsgütern, die nicht zum Grund und Boden
gehören (Rz 5038 bis 5044).
Die eigenständige Berücksichtigung von Bodenschätzen setzt nicht nur die Kenntnis um
die Existenz des Vorkommens, sondern auch die wirtschaftliche Nutzung im Rahmen des
land- und forstwirtschaftlichen (Neben)Betriebes voraus (Rz 5042).
. Zukauf im Rahmen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes: Abgrenzung zum
Gewerbebetrieb (Rz 5045 bis 5055).
. Abgrenzung zu Einkünften aus Vermietung und Verpachtung (Rz 5070 bis 5074):
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sind zB die Vermietung eines nicht (mehr)
der Landwirtschaft dienenden Gebäudes an Urlauber, weiters die Vermietung von Grund
und Boden für die Aufstellung von Handy- oder Sendemasten, wenn der Grund und
Boden dadurch nicht mehr land- und forstwirtschaftlich nutzbar ist (Rz 5072).
Ausführungen zur saisonalen Privatzimmervermietung (Rz 5073) und Urlaub am
Bauernhof (Rz 5074).
. Ausführungen zur Jagd (Rz 5124 bis 5133; ua. Bewertung von Wildabschüssen,
Rz 5130 bis 5133).
. Land- und forstwirtschaftlicher Nebenerwerb und Nebentätigkeit (Rz 5150).
. Behandlung der Verpachtung der Landwirtschaft an nahe Angehörige (Rz 5156).
. Besondere Kriterien für die Betriebsaufgabe (Rz 5152 und 5153).
. Beurteilung der Entschädigungen für Wirtschaftserschwernisse (Rz 5170 und 5171).
16 Einkünfte aus selbständiger Arbeit (§ 22 EStG 1988)

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. Aktualisierung der EStR 1984 (Rz 5201 bis 5303).
. Darstellung der Auswirkungen der Abgrenzung der Einkünfte aus selbständiger Arbeit von
jenen aus Gewerbebetrieb (Rz 5202).
17 Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 23 EStG 1988)
. Aktualisierung der EStR 1984 (Rz 5401 bis 5453).
. ABC - Abgrenzung Gewerbebetrieb von anderen Einkunftsarten (Rz 5417).
. Aussagen zur Abgrenzung der Vermögensverwaltung zum Gewerbebetrieb (Rz 5418 bis
5453; insbesondere Wertpapiergeschäfte, Rz 5426 bis 5432, und Grundstücksgeschäfte,
Rz 5440 bis 5453).
18 Veräußerungsgewinne (§ 24 EStG 1988)
. ABC der wesentlichen Betriebsgrundlagen (Rz 5509 bis 5562) und des Teilbetriebes
(Rz 5585 bis 5628).
. Übertragung eines real überschuldeten Betriebes unter nahen Angehörigen: Übernahme
der EStR 1984 (Rz 5681).
. Stichtagsbezogener Aufgabegewinn (Rz 5670).
. In Raten zufließender Veräußerungserlös: Barwertberechnung (Abzinsung; Rz 5678).
. Übertragungsrücklage: Bei Veräußerung oder Aufgabe eines Teilbetriebes Weiterführung
im Restbetrieb (Rz 5688).
. Grund und Boden-Rücklage: Auflösung zu Gunsten des Veräußerungsgewinnes
(Rz 5689).
. Klarstellungen zur Gebäudebegünstigung (Rz 5698 bis 5713).
19 Mitunternehmerschaften; vermögensverwaltende
Personengesellschaften
. Formen der Mitunternehmerschaft (Rz 5809 bis 5830), Unterbeteiligung
(Rz 5824 bis 5827).
. Beteiligung einer Kapitalgesellschaft: Die an sich freiberufliche Tätigkeit der
Mitunternehmerschaft bleibt dann freiberuflich, wenn die Kapitalgesellschaft nicht
berufsfremd ist (zB Wirtschaftstreuhänder-GmbH & Co KEG; Rz 5844); die GmbH erzielt
jedenfalls gewerbliche Einkünfte.

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. Unternehmenseinheit: Beteiligungsidente Mitunternehmerschaften können einen
einheitlichen Betrieb bilden (Rz 5834).
. Zweistufigkeit der Gewinnermittlung (Rz 5853 bis 5859).
. Beurteilung von Leistungsvergütungen: Aktualisierung der EStR 1984 (Rz 5860 bis 5882).
. Angemessene Gewinnverteilung (Rz 5888 bis 5893), Haftungsentschädigung (Rz 5891),
Rückwirkung (Rz 5894 bis 5897).
. Gewinnfeststellung (Rz 5898 bis 5906).
. Darstellung des Gesellschaftsvermögens (Rz 5907 bis 5911), Mitunternehmeranteils
(Rz 5912 bis 5925) und (gewillkürten) Sonderbetriebsvermögens (Rz 5914).
. Veräußerung von Privatvermögen durch einen Gesellschafter in das
Gesellschaftsvermögen und Veräußerung von Gesellschaftsvermögen in das
Privatvermögen eines Gesellschafters: Wiederanwendung der so genannten
Bilanzbündeltheorie (Rz 5927).
. Überführungen von Sonderbetriebsvermögen in Gesellschaftsvermögen und umgekehrt:
Entnahme-, Einlagevorgang (Rz 5929).
. Unentgeltliche Übertragung des Gesellschaftsanteils samt Sonderbetriebsvermögen:
Beurteilung von Gestaltungen (Rz 5934 bis 5937).
. Das Sonderbetriebsvermögen als Teilbetrieb: Darstellung von Sonderfällen (Rz 5938 bis
5942).
. Investitionsfreibetrag und Übertragung stiller Rücklagen: Aktualisierung der EStR 1984
und GER 1989 (Rz 5946 bis 5963).
. Veräußerung von Mitunternehmeranteilen (Rz 5964 bis 6005), Bar- und Sachabfindung
(Rz 5974 und 5975), Abfindung zum oder unter Buchwert (Rz 5976 bis 5978),
Erbauseinandersetzung (Aktualisierung der EStR 1984; Rz 5980 bis 5983).
. Ausscheiden mit negativem Kapitalkonto: Ausgleichsposten beim Erwerber (Rz 5994).
. Behandlung von Wartetasten- und Sonderverlusten (Rz 5995 bis 5997).
. Vermögensverwaltende Personengesellschaft: Beurteilung von Vergütungen (Rz 6017),
Übertragungsvorgängen (Rz 6019 bis 6021) und Spekulationsgeschäften (Rz 6022),
Feststellungsverfahren (Rz 6023 und 6024).
20 Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 27 EStG 1988)

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. Aktualisierung der EStR 1984 und Übernahme der Erlässe zur Kapitalertragsteuer und
Endbesteuerung betreffend die Definition der einzelnen Tatbestände (Rz 6101 bis 6227).
. Aufnahme der zu in- und ausländischen Kapitalerträgen und Erträgen aus
Investmentfonds ergangenen Erlässe (Rz 6228 bis 6302).
. Beurteilung der gängigen Anlageformen (Rz 6132 bis 6227).
21 Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (§ 28 EStG 1988)
. Aktualisierung der EStR 1984, der Vermietungsrichtlinien AÖF Nr. 172/1991
(Rz 6401 bis 6534).
. Bloße Rechengrößen sind keine Werbungskosten (zB Investitionsprämie nach § 20 Abs. 1
Z 2 MRG, Rz 6419).
. Für vor 1915 erbaute Gebäuden AfA-Satz von 2% (Rz 6444).
. Bei Gebäuden mit einem AfA-Satz von 1,5% bzw. 2% Anerkennung des angesetzten
Anteiles für Grund und Boden, wenn er mindestens 20% beträgt (Rz 6447).
. Die Vermietung der gemeinsamen Ehewohnung an einen Ehegatten ist unbeachtlich
(Rz 6523).
. Vermietung an Miteigentümer: Gebrauchsüberlassung begründet noch kein
Mietverhältnis; Benützungsregelung ist keine entgeltliche Gebrauchsüberlassung
(Rz 6529 bis 6534).
22 Sonstige Einkünfte (§ 29 bis 31 EStG 1988)
. Beispiele für wiederkehrende Bezüge (Leistungen an Pflegemütter als weiterverrechneter
Unterhalt nicht steuerbar, Rz 6606).
. Einkünfte aus Leistungen: Aktualisierung der EStR 1984 (Rz 6607 bis 6612).
. Funktionsgebühren: Aktualisierung der EStR 1984 (Rz 6613 bis 6619).
. Einkünfte aus Spekulationsgeschäften: Aktualisierung der Spekulationsrichtlinien
AÖF Nr. 162/1991 (Rz 6620 bis 6665); Erwerb eines Dachbodens zum Ausbau einer
Wohnung (Berücksichtigung der Herstellungskosten, Rz 6647); Berücksichtigung von
Schuldzinsen, wenn das Spekulationsobjekt keiner anderen Einkunftsquelle und keinen
abzugsschädlichen Zwecken gemäß § 20 Abs. 1 EStG 1988 gedient hat (zu letzteren zählt
die private Nutzung und die Liebhaberei-Vermietung, Rz 6662).

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. Einkünfte aus Veräußerung von Beteiligungen: Aktualisierung der EStR 1984
(Rz 6666 bis 6683); Wegzugsbesteuerung und Beteiligung im Falle des Zuzuges
(Rz 6677 bis 6683).
23 Gemeinsame Vorschriften bezüglich der Einkünfte iSd
§ 2 Abs. 3 EStG 1988 (§ 32 EStG 1988)
. Entschädigungen: Begriff und Abgrenzung zum Gegenleistungscharakter; Abgrenzung
zum Entgelt für ein Unterlassen iSd § 29 Z 3 EStG 1988 (Rz 6804 bis 6809).
. Aufgabe einer Tätigkeit bzw. Nichtausübung einer Tätigkeit: Definition der Begriffe;
Verhältnis des § 24 zu § 32 EStG 1988 (Rz 6815 bis 6819).
. ABC der Entschädigungen für entgangene oder entgehende Einnahmen bzw. die Aufgabe
oder Nichtausübung einer Tätigkeit (Rz 6820 bis 6888).
. Entschädigungen für die Aufgabe von Bestandrechten (Rz 6889 bis 6894).
. Nachträgliche betriebliche Einkünfte: Einkünfteermittlung nach den Regeln des
Betriebsvermögensvergleiches oder der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung; Feststellung
gemäß § 188 BAO, wenn nachträgliche Einkünfte noch gemeinsam erzielt werden
(Rz 6895 bis 6906).
. Kapitalerhöhung (Kapitalberichtigung): Erfolgt innerhalb von 10 Jahren nach einer
Kapitalberichtigung eine Rückzahlung, ist diese als Beteiligungsertrag zu erfassen
(Rz 6908 bis 6911).
24 Rentenbesteuerung
. Übernahme des Durchführungserlasses AÖF Nr. 272/1999 (Rz 7001 bis 7056).
. Zeitrenten: Keine Aufteilung in Raten und Renten (Rz 7006).
. Zinsen für Fremdkapital, das für den Erwerb eines Rentenstammrechtes aufgenommen
wurde, stellen Werbungskosten dar (Rz 7018).
25 Privatstiftungen
. Erstmalige zusammenfassende Darstellung (Rz 7101 bis 7138).
26 Tarif, außergewöhnliche Belastung (§§ 33 bis 35 EStG 1988)
. Verweis auf LStR 1999.
27 Progressionsermäßigung (§§ 37 und 38 EStG 1988)
. Einkünfte auf Grund von Beteiligungen:

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Keine Halbsatzbegünstigung für ausländische Beteiligungserträge und Zuwendungen
(Rz 7301).
Eine Beteiligung kann im Falle der Betriebsveräußerung als Teil des
Veräußerungsgewinnes auch dann der Progressionsermäßigung unterliegen, wenn die
Beteiligung selbst in die Spekulationsfrist fällt (Rz 7305).
Keine Halbsatzbegünstigung für Veräußerungs- und Liquidationsgewinne aus
betrieblichen Beteiligungen an ausländischen Körperschaften (Rz 7307).
Halbsatzbegünstigung für Einkünfte aus der Veräußerung von privaten in- oder
ausländischen Beteiligungen außerhalb der Spekulationsfrist auch bei Zufließen des
Veräußerungserlöses in Form mehrjähriger Raten oder von Renten (Rz 7308).
. Erwerbsunfähigkeit ist betriebsbezogen zu sehen (Rz 7315).
. Erwerbstätigkeit: Toleranzklausel für die nichtbegünstigungsschädliche Erwerbstätigkeit
(300.000 S Umsatz und 10.000 S Einkünfte, Rz 7317).
. Übergangsgewinn: Hälftesteuersatz, wenn Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mehr als ein
Jahr beibehalten wurde (Rz 7323).
. Einkünfte aus besonderen Waldnutzungen: Nicht begünstigte Nutzungen auf Grund
typischer Betriebsgefahr und begünstigte Nutzungen aufgrund höherer Gewalt
(Kalamitätsnutzung, Rz 7335 und 7336); Ermittlung der Kalamitätseinkünfte (Aufzählung
der abzugsfähigen Betriebsausgaben die mit der Kalamität in unmittelbarem
Zusammenhang stehen, Rz 7338) und Vorgangsweise beim Verlustausgleich (Rz 7342).
. Einkünfte aus der Verwertung von Patentrechten: Nur nach dem PatG geschützte
Erfindungen sind begünstigt (daher nicht Gebrauchsmustergesetz 1994, Rz 7343);
Ansonsten Aktualisierung der EStR 1984 (Rz 7343 bis 7363).
. Progressionsermäßigung:
Verteilungsregel oder Hälftesteuersatz nur dann, wenn in einem Veranlagungszeitraum
der Veräußerungsgewinn entstanden ist oder die gesamten Entschädigungen zugeflossen
sind (Rz 7366).
Keine Ermäßigung für auch nur zum Teil mit dem festen Steuersatz des § 67 EStG 1988
versteuerte Einkünfte (Rz 7366).
Anwendung des Hälftesteuersatzes nach horizontalem und vertikalem Verlustausgleich
(Rz 7367).

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Einkünfteverteilung auf 3 bzw. 5 Jahre stets vor Vornahme eines Verlustausgleiches
(Rz 7368).
. Verteilung von Einkünften und stillen Reserven auf drei bzw. fünf Jahre: Keine Verteilung
des Auflösungsbetrages aus einer Übertragungsrücklage (Rz 7373).
. Sieben-Jahres-Klausel: Übernahme aus Erlass AÖF Nr. 122/1992 (Rz 7374 bis 7377).
. Verteilung der Einkünfte selbständiger Künstler und Schriftsteller: Drei-Jahres-Verteilung
wirkt auch auf die Anrechnung von ausländischer (Abzugs)Steuern und hinsichtlich eines
allfälligen Progressionsvorbehaltes (Rz 7386); Inanspruchnahme der Drei-Jahres-
Verteilung neben einer Drei-Jahres-Verteilung (§ 37 Abs. 2 EStG 1988) oder eine Fünf-
Jahres-Verteilung (§ 37 Abs. 3 EStG 1988, Rz 7387).
28 Veranlagung (§§ 39 bis 46 EStG 1988)
. Zwei Veranlagungen beim Wechsel der unbeschränkten zur beschränkten Steuerpflicht
und umgekehrt (Rz 7503).
. Steuererklärung: Für Zeiträume ab 1999 in Euro möglich (Rz 7534).
Steuererklärungspflicht trifft im Todesfall die Erben, im Konkurs den Masseverwalter.
Auch Eltern und Sachwalter haben Vertretungsfunktion (Rz 7546 und 7547).
. Einnahmen-Ausgaben-Rechner, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und sonstige
Einkünfte: Aufstellung mit gruppenweiser Gliederung der Ausgaben (Werbungskosten,
Rz 7554).
. Veranlagung gemäß § 41 Abs. 1 Z 2 und 5 EStG 1988: Abgabe der Erklärung jeweils bis
30. September des Folgejahres (Rz 7538); Keine inländische Einkommensteuererklärung
der kraft inländischen Zweitwohnsitz unbeschränkt Steuerpflichtigen bei bestimmten
Voraussetzungen (Rz 7548).
. Abschlusszahlungen: Günstigkeitsvergleich bei kapitalertragsteuerpflichtigen Einkünften
(Rz 7577); Vom Arbeitgeber getragene Lohnsteuer nur bei Ersatz durch den
Arbeitnehmer bei diesem anrechenbar (Rz 7581); Anrechnung ausländischer Steuern nur
auf jene Einkommensteuer, die auf die begünstigten Auslandseinkünfte entfällt und nur
bis zur Höhe des anrechenbaren Höchstbetrages; Höchstbetragsberechung "per country
limitation" oder "per item limitation", nicht aber Mischmethode; Kein Anrechnungsvortrag
bei Höchstbetragsüberschreitung (Rz 7583 bis 7587).
. Progressionsvorbehalt: Aktualisierung der Aussagen zum positiven und negativen
Progressionsvorbehalt (Rz 7588 bis 7610).

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29 Kapitalertragsteuer (§§ 93 bis 97 EStG 1988)
. Aufnahme der zur Kapitalertragsteuer bzw. Endbesteuerung ergangenen Erlässe
(Rz 7701 bis 7833).
. Aufnahme der zur Kapitalertragsteuer der Investmentfonds ergangenen Erlässe
(Rz 7718 bis 7722 und Rz 7803 bis 7805).
30 Beschränkte Steuerpflicht (§§ 98 bis 102 EStG 1988)
. Umfang, Subsidiarität und isolierende Betrachtungsweise (Rz 7901 bis 7908).
. Einfluss des zwischenstaatlichen Steuerrechtes und des OECD-Musterabkommens:
Verwertungstatbestand (Rz 7909 bis 7923).
. Aussagen zur Betriebsstätte, zum ständigen Vertreter und zu
betriebsstättenunabhängigen Tätigkeiten (Rz 7924 bis 7950).
. Einkunftsarten (Rz 7951 bis 7990).
. Gewinnaufteilung, Verrrechnungspreise (Rz 7991 bis 7993).
. Erhebung der Einkommensteuer durch Steuerabzug: Bruttobesteuerung,
Künstlerdurchgriff (Rz 7994 bis 8015).
. Entlastung steuerabzugspflichtiger Einkünfte (zB keine Steuerpflicht nach § 98 EStG 1988
oder Entlastung nach DBA): Entlastung an der Quelle; Erstattung nach § 240 BAO;
Entlastung bei Veranlagung nach § 102 EStG 1988 (Rz 8016 bis 8031).
. Erhebung der Einkommensteuer durch Veranlagung: Pflicht- und Antragsveranlagung
(Rz 8032 bis 8039).
. ABC der Veranlagung bei beschränkter Steuerpflicht. Verlustabzug: Primäre
Verlustverwertung durch den Ansässigkeitsstaat (Rz 8040 bis 8060).
31 Zuzugsbegünstigung (§ 103 EStG 1988)
. Zuzugsbegünstigung idF des StRefG 1993, BGBl. Nr. 818/1993: Begünstigung von
Personen, deren Zuzug aus dem Ausland der Förderung von Wissenschaft und Forschung
dient und aus diesem Grund im öffentlichen Interesse gelegen ist (Rz 8202 bis 8205).
. Zuzugsbegünstigung idF des BGBl. I Nr. 29/2000: Ab 1. Juni 2000 Begünstigung auch
von Personen, deren Zuzug aus dem Ausland der Förderung der Kunst dient und aus
diesem Grund im öffentlichen Interesse gelegen ist (Rz 8206).
Bundesministerium für Finanzen, 22. März 2005

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1 Persönliche Steuerpflicht (§ 1 EStG 1988)
1.1 Unbeschränkte und beschränkte Steuerpflicht
1
Unbeschränkt steuerpflichtig sind alle natürlichen Personen, die im Inland einen Wohnsitz
oder gewöhnlichen Aufenthalt haben, mit ihrem Welteinkommen. Dieser uneingeschränkte
Besteuerungsanspruch kann zB durch zwischenstaatliche Vereinbarungen (Abkommen zur
Vermeidung einer Doppelbesteuerung) oder innerstaatliche Maßnahmen (§ 48 BAO)
eingeschränkt werden. Die unbeschränkte Steuerpflicht besteht unabhängig davon, ob
steuerpflichtige Einkünfte vorliegen (Wohnsitzprinzip).
2
Fehlen die Anknüpfungspunkte für eine unbeschränkte Steuerpflicht, unterliegt die natürliche
Person mit den in § 98 EStG 1988 taxativ aufgezählten Einkünften (Territorialitätsprinzip),
von Ausnahmen abgesehen (zB Auslandsbeamte), der beschränkten Steuerpflicht.
3
Beim Eintritt in die unbeschränkte Steuerpflicht kann unter bestimmten Voraussetzungen
eine Zuzugsbegünstigung gemäß § 103 EStG 1988 (siehe Rz 8201) gewährt werden.
4
Es ist im Allgemeinen sowohl verfassungs- (VfGH 27.6.1960, B 390/59; VfGH 15.3.1990,
B 758/88; VfGH 16.6.1995, G 191/94) als auch gemeinschaftsrechtlich (EuGH 14.2.1995,
Rs C-279/93) unbedenklich, unbeschränkt und beschränkt Steuerpflichtige unterschiedlichen
Besteuerungsregeln zu unterwerfen.
1.1.1 Steuerpflicht der natürlichen Person (§ 1 Abs. 1 EStG 1988)
1.1.1.1 Kreis der unbeschränkt Steuerpflichtigen
5
Die persönliche Steuerpflicht bezieht sich auf die einzelne natürliche Person
(Individualbesteuerung).
6
Die Einkünfte von Personengesellschaften werden den Gesellschaftern (physischen oder
juristischen Personen) direkt zugerechnet; sie unterliegen bei diesen der Einkommens- oder
Körperschaftsbesteuerung. Die Gesellschafter einer ausländischen Gesellschaft werden bei
Vorliegen der sonstigen Voraussetzungen mit den von der Gesellschaft erzielten Einkünften
zur Einkommens- oder Körperschaftsbesteuerung erfasst, sofern die ausländische

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Gesellschaft nach den Regeln des inländischen Steuerrechts einer Personengesellschaft
vergleichbar ist.
7
Juristische Personen werden zur Körperschaftsteuer herangezogen. Der ruhende Nachlass ist
idR kein Steuersubjekt (zur Zurechnung der Einkünfte siehe Rz 9 ff). Nur wenn der Nachlass
"herrenlos" ist, kann Steuerpflicht gegeben sein (VwGH 13.3.1997, 96/15/0102). In einem
solchen Fall ist der ruhende Nachlass als nicht rechtsfähiges Zweckvermögen gemäß
§ 1 Abs. 2 Z 3 KStG 1988 zu behandeln; ebenso das Massevermögen im
Verlassenschaftskonkurs.
1.1.1.2 Beginn und Ende der Einkommensteuerpflicht
8
Die Steuerpflicht beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Staatsbürgerschaft,
Geschäftsfähigkeit, Minder- oder Volljährigkeit sind für die Steuerpflicht ohne Belang. Im Fall
der Konkurseröffnung bleibt der Steuerpflichtige Abgabenschuldner. Während des
Konkursverfahrens sind Abgaben mit an den Masseverwalter zuzustellenden Bescheiden
festzusetzen.
1.1.1.3 Erbfolge
9
Mit dem Todestag des Erblassers treten die Erben - im Verhältnis ihrer Erbansprüche -
ertragsteuerlich in die Rechtsstellung des Erblassers ein (VwGH 13.3.1997, 96/15/0102) und
bilden zusammen eine Miteigentumsgemeinschaft bzw. Mitunternehmerschaft
(Gesamtrechtsnachfolge). Steuerschulden des Erblassers zählen zu den
Nachlassverbindlichkeiten.
10
Bei Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 und § 5 EStG 1988 ist grundsätzlich zum
Todeszeitpunkt eine Schlussbilanz aufzustellen. Erfolgt dies nicht, so bestehen keine
Bedenken, anstelle der Aufstellung einer Bilanz zum Todeszeitpunkt die Einkünfte auf den
Erblasser und die Erben zeitanteilig zuzuordnen. Eine für erbschaftssteuerliche Zwecke
errichtete Todfallsbilanz hat für die Einkommensbesteuerung keine Bedeutung. Im Rahmen
einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermittelte Einkünfte bzw. außerbetriebliche Einkünfte,
die noch vom Erblasser erwirtschaftet worden sind, aber erst nach seinem Tod zufließen,
sind nach dem Zuflussprinzip den Erben zuzurechnen; es bestehen aber keine Bedenken, die
Einkünfte bei Fortsetzung der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zeitanteilig zuzuordnen (siehe
Rz 109).
11

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Der Übergang eines (Teil-)Betriebes oder Mitunternehmeranteiles verpflichtet den (die)
Erben zur Fortführung der Buchwerte gemäß § 6 Z 9 lit. a EStG 1988.
12
Sind mehrere Personen zu Erben eines Betriebes berufen, wird der Betrieb aber nur von
einem Erben gegen fremdübliche Abfindung an die Miterben weitergeführt, erzielen die
weichenden Erben hinsichtlich der Unterschiedsbeträge zwischen den auf sie entfallenden
Betriebsvermögensanteilen und den erhaltenen (höheren) Abfindungen
Veräußerungsgewinne (VwGH 26.5.1998, 93/14/0191). Eine Nachlassteilung durch
Wertausgleich mit nicht zur Erbmasse zählenden Wirtschaftsgütern und/oder Bargeld bewirkt
jedoch so lange keine Gewinnverwirklichung, als der gemeine Wert der für die Übertragung
des Betriebes erhaltenen Quote der Nachlassgegenstände die einzelne Ausgleichszahlung
übersteigt (zur unentgeltlichen Teilbetriebsübertragung siehe Rz 5566 ff, zur
Erbauseinandersetzung siehe Rz 5980 ff).
13
Miterben bleibt es grundsätzlich unbenommen, Abmachungen darüber, wem die Einkünfte
aus der Verlassenschaft bis zur Einantwortung zufließen sollen, zu treffen
(VwGH 11.12.1990, 90/14/0079).
14
Vermächtnisnehmern (Einzelrechtsnachfolgern) sind Wirtschaftsgüter sowie damit erzielte
Einkünfte ab dem Zeitpunkt der Übertragung zuzurechnen (VwGH 6.6.1978, 2913/76).
1.1.2 Unbeschränkte Steuerpflicht (§ 1 Abs. 2 EStG 1988)
1.1.2.1 Wesen und Umfang
15
Die unbeschränkte Steuerpflicht beginnt mit der Begründung eines Wohnsitzes oder des
gewöhnlichen Aufenthaltes im Inland und endet mit dem Tod, der Aufgabe des Wohnsitzes
und/oder des gewöhnlichen Aufenthaltes im Inland. Durch die Begründung eines bloßen
Zweitwohnsitzes tritt jedoch ab 1. Jänner 2004 dann keine unbeschränkte Steuerpflicht ein,
wenn die hiefür erforderlichen Voraussetzungen der Verordnung des Bundesministers für
Finanzen betreffend inländische Zweitwohnsitze BGBl. II Nr. 528/2003
(Zweitwohnsitzverordnung) erfüllt sind.
16
Die unbeschränkte Steuerpflicht erfasst grundsätzlich das gesamte Einkommen des
Steuerpflichtigen, unabhängig davon, ob es sich um inländische oder ausländische Einkünfte
handelt oder Einkünfte bereits im Ausland besteuert worden sind.
17

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Weichen die Einkommensermittlungsvorschriften des ausländischen Steuerrechts von jenen
des österreichischen Rechts ab, müssen Einkünfte, die im Ausland erzielt bzw. dort einem
ausländischen Besteuerungsverfahren unterzogen werden, bei Ermittlung der
österreichischen Besteuerungsgrundlage an die österreichischen Vorschriften angepasst
werden. Anpassungserfordernisse dieser Art ergeben sich beispielsweise bei im
österreichischen Recht nicht vorgesehenen Steuerbefreiungen, Abschreibungsmöglichkeiten,
Rückstellungsbildungen, fiktiven Betriebsausgaben und anderen Steuerbegünstigungen oder
bei Anwendungsfällen der Liebhabereiverordnung und "Wartetastenverlusten".
18
Die Einkommensteuerpflicht besteht abstrakt. Steuererstattungen für Bausparen
(§ 108 EStG 1988), für Pensionsvorsorgesparen (§ 108a EStG 1988) oder die Gewährung von
Kinderabsetzbeträgen (§ 33 Abs. 4 Z 3 EStG 1988) setzen keine Einkünfte voraus.
19
Einkünfte, die vor Begründung der unbeschränkten Steuerpflicht erzielt wurden, sind nicht zu
erfassen, außer sie fließen danach zu (VwGH 17.5.1963, 0871/62). Insoweit kommt das
Zuflussprinzip (§ 19 EStG 1988) zum Tragen. Bei Anwendung von
Doppelbesteuerungsabkommen kann dem Kausalitätsprinzip (Grundsatz der wirtschaftlichen
Zuordnung) Vorrang vor dem Zuflussprinzip zukommen (zur Doppelbesteuerung
siehe Rz 32 ff).
20
Tritt ein beschränkt Steuerpflichtiger während des Kalenderjahres in die unbeschränkte
Steuerpflicht ein (und umgekehrt), sind zwei Steuerabschnitte gegeben, die - allenfalls unter
Zugrundelegung einer Zwischenbilanz - zu zwei getrennten Veranlagungsverfahren und
somit zu zwei Steuerbescheiden führen (VwGH 26.9.1990, 86/13/0104; vgl. Rz 7503).
1.1.2.2 Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt
21
Für die Auslegung der Begriffe "Wohnsitz" und "gewöhnlicher Aufenthalt" ist § 26 BAO
maßgebend.
Unter "Wohnung" sind Räume zu verstehen, die nach den Verhältnissen des
Steuerpflichtigen ein seinen Bedürfnissen angemessenes Wohnen regelmäßig zulassen.
Maßgebend ist die tatsächliche und nicht die rechtliche Verfügungsmacht über die Wohnung
(VwGH 26.11.1991, 91/14/0041). Eine vorübergehende (notdürftige) Unterkunft stellt keine
Wohnung dar. Der Steuerpflichtige muss die Wohnung unter objektiv erkennbaren
Umständen innehaben, also für den eigenen Wohnbedarf tatsächlich nützen können (VwGH
16.9.1992, 90/13/0299). Eine leer stehende (unmöblierte) Wohnung erfüllt nicht diese

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Voraussetzungen. Einfach eingerichtete Zweitwohnungen, zB für den Wochenendaufenthalt
sowie Ferien- bzw. Urlaubswohnungen können hingegen einen Wohnsitz begründen, es sei
denn, es liegen die Voraussetzungen der Zweitwohnsitzverordnung, BGBl. II Nr. 528/2003,
vor. Nicht ortsfeste Unterkünfte (zB mobile Camping- oder Wohnwagen) stellen keinen
Wohnsitz dar.
22
Ein im Ausland vorübergehend tätiger Ehegatte behält bei aufrechter Ehe idR den Wohnsitz
der Familie im Inland bei.
Arbeitet ein Steuerpflichtiger überwiegend im Ausland, leben aber seine Ehegattin und seine
minderjährige Tochter in Österreich und wird die inländische Wohnung der Ehegattin vom
Steuerpflichtigen anlässlich von Österreich-Aufenthalten benutzt, verfügt dieser über einen
inländischen Wohnsitz.
Minderjährige Kinder haben einen von den Eltern abgeleiteten Wohnsitz. Dies gilt nicht für
Kinder von Gastarbeitern, die nur in den Ferien deren Eltern besuchen. Volljährige Kinder mit
eigenem Hausstand haben jedenfalls einen eigenen Wohnsitz, auch wenn ihnen die Eltern an
deren Wohnsitz ein Zimmer zur Verfügung stellen; gegebenenfalls besteht bei den Eltern ein
weiterer Wohnsitz. Am Studienort wohnhafte Studenten, die wirtschaftlich vom Elternhaus
abhängig sind, behalten bei fortdauernder Wohnmöglichkeit bei den Eltern den Wohnsitz der
Eltern als abgeleiteten Wohnsitz bei.
23
Eine natürliche Person kann zwar mehrere Wohnsitze haben, jedoch nur einen gewöhnlichen
Aufenthalt. Dieser verlangt die körperliche Anwesenheit des Betreffenden sowie eine
sachlich-räumliche Beziehung zum Aufenthaltsort (VwGH 31.3.1992, 87/14/0096). Die
unbeschränkte Steuerpflicht tritt (rückwirkend) ein, wenn der Aufenthalt im Inland länger als
sechs Monate andauert.
24
Der Aufenthalt muss nicht freiwillig sein (zB bei Aufenthalten in Gefängnis, Krankenanstalt,
Kaserne). Ein Aufenthalt am selben Ort ist nicht erforderlich, der länger andauernde
Aufenthalt im Inland (auch an verschiedenen Orten) genügt. Kehrt ein Grenzgänger täglich
zu seinem Wohnsitz im Ausland zurück, hat er keinen inländischen Aufenthalt, übernachtet
er hingegen an den Arbeitstagen am Arbeitsort, begründet dies einen inländischen
Aufenthalt. Mehrere vorübergehende (isolierte) Aufenthalte sind zusammenzurechnen, sofern
der Wille erkennbar ununterbrochen auf Fortsetzung des Aufenthaltes gerichtet ist
(VwGH 5.7.1983, 82/14/0178).
25

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Ausländische Arbeitnehmer, die eine Arbeitserlaubnis für die Dauer von mehr als sechs
Monaten aufweisen, sich demnach nicht nur vorübergehend im Inland aufhalten, haben ab
Beginn ihrer tatsächlichen Anwesenheit im Bundesgebiet hier den gewöhnlichen Aufenthalt.
Vorübergehende Anwesenheiten im Inland zu Besuchs- oder Erholungszwecken begründen
keinen gewöhnlichen Aufenthalt. Der gewöhnliche Aufenthalt endet im Zeitpunkt seiner
tatsächlichen Aufgabe.
26
Die Aufgabe des inländischen Wohnsitzes löst gemäß § 31 Abs. 2 Z 2 EStG 1988 die
Wegzugsbesteuerung aus, wenn dadurch abkommensrechtlich der Verlust des inländischen
Besteuerungsrechtes bewirkt wird. Im Falle des Eintrittes in das Besteuerungsrecht der
Republik Österreich im Verhältnis zu anderen Staaten gilt für Beteiligungen iSd
§ 31 EStG 1988 der gemeine Wert als Anschaffungskosten
(§ 31 Abs. 3 letzter Satz EStG 1988).
Zu den Folgen eines Doppelwohnsitzes siehe Rz 32 ff und 7593 ff.
1.1.3 Beschränkte Steuerpflicht (§ 1 Abs. 3 EStG 1988)
1.1.3.1 Voraussetzungen, Beginn, Ende
27
Steuerpflichtige, die im Inland weder über einen Wohnsitz noch über einen gewöhnlichen
Aufenthalt verfügen, sind beschränkt steuerpflichtig, wenn sie Inlandseinkünfte iSd § 98
EStG 1988 erzielen. Die beschränkte Steuerpflicht beginnt mit dem Erzielen inländischer
Einkünfte iSd § 98 EStG 1988 oder der Aufgabe des inländischen Wohnsitzes bzw.
gewöhnlichen Aufenthaltes bei weiterem Erzielen von Inlandseinkünften. Die (beschränkte)
Steuerpflicht endet mit dem Wegfall der inländischen Einkünfte, dem Eintritt in die
unbeschränkte Steuerpflicht oder dem Tod des beschränkt Steuerpflichtigen. Zu den
§§ 98 bis 102 EStG 1988 siehe Rz 7901 ff.
1.1.3.2 Wesen und Umfang
28
Die beschränkte Steuerpflicht umfasst nur die in § 98 EStG 1988 erschöpfend aufgezählten
Einkünfte. Das weitere Welteinkommen unterliegt nicht der beschränkten Steuerpflicht. Die
Einkommensteuer wird entweder durch Steuerabzug (§§ 70 und 99 EStG 1988) oder im
Veranlagungsweg nach der Regelung des § 102 EStG 1988 erhoben.
29
Bei beschränkt Steuerpflichtigen bleiben außer Betracht:
. Allgemeiner Absetzbetrag nach § 33 Abs. 3 EStG 1988,

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. Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag nach § 33 Abs. 4 EStG 1988,
. Verkehrs-, Arbeitnehmer- bzw. Grenzgängerabsetzbetrag nach § 33 Abs. 5 EStG 1988,
. Pensionistenabsetzbetrag nach § 33 Abs. 6 EStG 1988,
. außergewöhnliche Belastungen im Sinne der §§ 34 und 35 EStG 1988,
. die Tarifbegünstigung nach § 38 EStG 1988,
. die Veranlagungsbestimmungen gemäß § 41 EStG 1988,
. Freibeträge für Inhaber von Amtsbescheinigungen und Opferausweisen gemäß
§ 105 EStG 1988,
. die Mietzinsbeihilfe iSd § 107 EStG 1988,
. das Bausparen nach § 108 EStG 1988 und
. die Pensionsvorsorge nach § 108a EStG 1988.
Die nach § 70 Abs. 2 EStG 1988 im Lohnsteuerabzugsverfahren angesetzten Absetzbeträge
gehen bei der Veranlagung nicht verloren. Sonderausgaben beschränkt Steuerpflichtiger sind
gemäß § 102 Abs. 2 Z 2 EStG 1988 nur dann abzugsfähig, wenn sie einen Inlandsbezug
aufweisen. Zur Veranlagung beschränkt Steuerpflichtiger Arbeitnehmer siehe auch
Rz 1241a ff LStR 2002.
30
Fließen Einnahmen zu, die ihre Ursache während des Bestehens der zuvor gegebenen
unbeschränkten Steuerpflicht haben und nicht unter § 98 EStG 1988 fallen, entsteht keine
Steuerpflicht.
31
Ausgaben, die vor Eintritt in die unbeschränkte Steuerpflicht abfließen, sind nur gemäß
§ 102 Abs. 2 Z 1 EStG 1988 als Betriebsausgaben (Werbungskosten) abzugsfähig
(VwGH 26.9.1990, 86/13/0104).
1.1.4 Besondere Fälle
1.1.4.1 Doppelbesteuerung
32
Ertragsteuerliche Vorschriften ausländischer Staaten knüpfen die Besteuerungsansprüche
teilweise an idente Kriterien wie das EStG 1988 an. Der Vermeidung einer mehrfachen
Besteuerung ein und derselben Einkünfte dienen einerseits zahlreiche zwischenstaatliche
Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung (siehe Anhang 1) andererseits

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Maßnahmen gemäß § 48 BAO. Zum Einfluss des zwischenstaatlichen Rechts auf
§ 98 EStG 1988 siehe auch Rz 7901 ff.
33
Werden von unbeschränkt Steuerpflichtigen Einkünfte aus Staaten bezogen, mit denen ein
DBA bestehen, ist bei der Besteuerung in drei Schritten vorzugehen:
1. Zunächst ist der Bestand der Steuerpflicht nach österreichischem innerstaatlichem
Steuerrecht zu beurteilen.
2. Ergibt sich aus dem innerstaatlichen Steuerrecht eine Steuerpflicht, ist in einem zweiten
Schritt zu beurteilen, ob das Besteuerungsrecht durch das DBA eingeschränkt wird
(VwGH 25.9.2001, 99/14/0217).
3. Die weitere Vorgangsweise bei der Erhebung der abkommensgemäß Österreich
zustehenden Steuern richtet sich wieder nur nach innerstaatlichem Steuerrecht
(allerdings unter Beachtung von DBA-Diskriminierungsverboten).
34
Zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung kommen grundsätzlich zwei Methoden in Frage.
Nach der Befreiungsmethode gewährt der Wohnsitzstaat - regelmäßig unter
Progressionsvorbehalt (siehe Rz 7588 ff) - für jene Einkünfte, die nach dem Abkommen im
anderen Staat ("Quellenstaat") besteuert werden, eine Steuerbefreiung. Wird die
Anrechnungsmethode angewendet, besteuert der Wohnsitzstaat das gesamte Einkommen,
rechnet jedoch jene Steuer, die im anderen Staat erhoben wird, auf seine eigene Steuer an.
Zur Anrechnung ausländischer Steuern siehe Rz 7583 ff.
1.1.4.2 Gastarbeiter, Saisonarbeiter, einpendelnde Grenzgänger
35
Siehe dazu auch LStR 2002 Rz 4 bis 6. Ausländische Arbeitnehmer mit Arbeitserlaubnis oder
Dienstvertrag von mehr als sechs monatiger Dauer sind ab Beginn des Inlandsaufenthaltes
unbeschränkt steuerpflichtig. Ausländische Saisonarbeiter haben ihren gewöhnlichen
Aufenthalt grundsätzlich nicht im Inland. Dauert der Aufenthalt im Inland länger als sechs
Monate, tritt die unbeschränkte Steuerpflicht rückwirkend ein (§ 26 Abs. 2 BAO).
Einpendelnde Grenzgänger unterliegen lediglich der beschränkten Steuerpflicht.
1.2 Beantragte unbeschränkte Steuerpflicht
(§ 1 Abs. 4 EStG 1988)
36
Siehe LStR 2002 Rz 7 bis Rz 12.

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Randzahlen 37 bis 100: derzeit frei

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Anhang I
Abkommen, Verordnungen und Erlassregelungen zur
Vermeidung einer Doppelbesteuerung
E = Steuern vom Einkommen; V = Steuern vom Vermögen; Erb = Erbschaftssteuer; Sch =
Schenkungssteuer; WB = Wirksamkeitsbeginn.
Allgemein:
Verordnungen:
. Verordnung betreffend die Entlastung von der Abzugsbesteuerung auf Grund von
Doppelbesteuerungsabkommen (DBA-Entlastungsverordnung), BGBl III Nr. 92/2005
. Verordnung über die Änderung der DBA-Entlastungsverordnung, BGBl II Nr. 44/2006
Erlässe:
. Erlass vom 23. August 2004, 04 0101/31-IV/4/04, AÖF Nr. 230/2004, Entlastung
steuerpflichtiger Auslandseinkünfte in Österreich ansässiger Steuerpflichtiger auf Grund
von Doppelbesteuerungsabkommen; Verwendung von Ansässigkeitsbestätigungen
. Erlass vom 6. Februar 2006, GZ BMF-010221/0020-IV/4/2006, AÖF Nr. 62/2006,
Erteilung von Ansässigkeitsbescheinigungen an Personengesellschaften
. Erlass vom 31. Oktober 2005, GZ BMF-010221/0684-IV/4/2005, AÖF Nr. 256/2005, Keine
Einbehaltung der Abzugsteuer gemäß § 99 EStG in besonders gelagerten Fällen
(Künstler-Sportler-Erlass)
. Erlass vom 21. Dezember 2005, GZ BMF-010221/0789-IV/4/2005, AÖF Nr. 69/2006,
Steuerliche Behandlung von international tätigen Gastlehrern
. Erlass vom 10. März 2006, GZ BMF-010221/0101-IV/4/2006, AÖF Nr. 127/2006,
Anwendung von Doppelbesteuerungsabkommen auf steuerabzugspflichtige Einkünfte
(Erläuterungen zur Anwendung der DBA-Entlastungsverordnung)
Algerien:
Abkommen vom 1. Dezember 2006, BGBl II Nr. 176/2006
Argentinien:
Abkommen (E, V) vom 13. September 1979, BGBl. Nr. 11/1983, AÖF Nr. 149/1983.
Armenien:

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Abkommen (E, V) abgeschlossen am 10. April 1981 mit der Sowjetunion, BGBl. Nr.
411/1982, AÖF Nr. 230/1982. Gemäß Erlass vom 1. Juni 1992, 04 4382/6-IV/4/92, AÖF Nr.
202/1992, abgeändert durch Erlass vom 29. September 1994, 04 4382/2-IV/4/94, AÖF Nr.
317/1994, vom 10. März 1995, AÖF Nr. 119/1995, vom 22. Februar 1995, AÖF Nr. 44/1996,
vom 3. Oktober 1997, 04 4382/10-IV/4/97, AÖF Nr. 245/1997 und vom 16. Juli 1999,
04 4382/16-IV/4/99, AÖF Nr. 178/1999 bis auf weiteres weiterhin anzuwenden. Bezüglich
Durchführungsregelungen siehe "Sowjetunion".
Abkommen (E,V) vom 27. Februar 2002, BGBl III Nr. 29/2004, AÖF Nr. 156/2004 (WB 1.
Jänner 2005)
Aserbaidschan:
Abkommen (E,V) vom 4. Juli 2000, BGBl. III Nr. 176/2001, AÖF Nr. 183/2001 (WB 1. Jänner
2002)
Australien:
Abkommen (E) vom 8. Juli 1986, BGBl. Nr. 480/88, AÖF Nr. 318/1988.
Belize:
Abkommen (E,V) vom 8. Mai 2002, BGBl. III Nr. 132/2003, AÖF Nr. 36/2004 (WB 1. Jänner
2004)
Belarus:
Abkommen (E, V) abgeschlossen am 10. April 1981 mit der Sowjetunion, BGBl. Nr.
411/1982, AÖF Nr. 230/1982. Gemäß Erlass vom 1. Juni 1992, 04 4382/6-IV/4/92, AÖF Nr.
202/1992, abgeändert durch Erlass vom 29. September 1994, 04 4382/2-IV/4/94, AÖF Nr.
317/1994, vom 10. März 1995, AÖF Nr. 119/1995, vom 22. Februar 1995, AÖF Nr. 44/1996,
vom 3. Oktober 1997, 04 4382/10-IV/4/97, AÖF Nr. 245/1997 und vom 16. Juli 1999,
04 4382/16-IV/4/99, AÖF Nr. 178/1999 bis Ende 2002 weiterhin anzuwenden. Bezüglich
Durchführungsregelungen siehe "Sowjetunion".
Abkommen (E,V) vom 16. Mai 2001, BGBl. III Nr. 69/2002, AÖF Nr.128/2002, (In-Kraft-
Treten 9. März 2002, WB 1. Jänner 2003)
Belgien:
Abkommen (E, V) vom 29. Dezember 1971, BGBl. Nr. 415/1973, AÖF Nr. 249/1973.
Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 19. März 1974, BGBl. Nr. 216/1974, AÖF Nr. 139/1974.
Brasilien:

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Abkommen (E, V) vom 24. Mai 1975, BGBl. Nr. 431/1976, AÖF Nr. 218/1976.
Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 27. Oktober 1976, BGBl. Nr. 633/1976, AÖF Nr. 286/1976.
Bulgarien:
Abkommen (E, V) vom 20. April 1983, BGBl. Nr. 425/1984, AÖF Nr. 242/1984
China:
Abkommen (E, V) vom 10. April 1991, BGBl. Nr. 679/1992, AÖF Nr. 343/1992
Deutschland:
Abkommen (E, V) vom 4. Oktober 1954, BGBl. Nr. 221/1955, AÖF Nr. 280/1955 idF des
Änderungsabkommens vom 8. Juli 1992, BGBl. Nr. 361/1994, AÖF Nr. 188/1994 (WB des
Änderungsabkommens 1. Jänner 1992). Durchführungsregelungen:
. Durchführungsverordnung vom 24. Mai 1994, BGBl. Nr. 426/1994, AÖF Nr. 200/1994,
und Verordnung vom 19. Dezember 1996, BGBl. Nr. 735/1996, AÖF Nr. 19/1997, (betr.
Art. 8 Abs. 2 DBA)
. Verordnung vom 31. Jänner 2001 betreffend Berücksichtigung von inländischen
Betriebstättenverlusten deutscher Unternehmen (BGBl. II Nr. 97/2001, AÖF Nr. 72/2001)
. Erlass vom 3. September 1957, Z 94.826-8/57, AÖF Nr. 235/1957 (Ausdehnung auf das
Saarland)
. Erlass vom 1. Oktober 1959, Z 120.121-8/59 betr. Progressionsvorbehalt bei
Doppelwohnsitz
. Erlass vom 26. April 1965, Z 22.036-8/65, AÖF Nr. 119/1965 (kein Progressionsvorbehalt
für Kriegs- und Opferrenten)
. Erlass vom 14. März 1967, Z 200.295-8/67, AÖF Nr. 106/1967 (Rückerstattung der
deutschen Kuponsteuer)
. Kundmachung vom 13. März 1972, Z 251.132-8/72, AÖF Nr. 114/1972
(Zuständigkeitsänderungen für Rückerstattungsanträge in der BRD)
. Erlass vom 11. Februar 1974, Z 260.244-8/73, AÖF Nr. 105/1974 (Bühnen- und
Kostümbildner)
. Erlass vom 2. September 1974, 260.812-8/74, betr. Anerkennung der von der deutschen
Steuerverwaltung bereits anerkannten Entgeltaufteilung

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. Erlass vom 14. Juli 1977, 04 1482/5-IV/4/77 betr. steuerliche Behandlung von deutschem
Konkursausfallgeld, Schlechtwettergeld und Wintergeld
. Erlass vom 22. Februar 1984, W 766/2/1-IV/4/84, AÖF Nr. 61/1984 (Kassenstaatsregel
gilt auch im gewerblichen Bereich)
. Erlass vom 24. Juli 1984, A 525/1/2-IV/4/84, AÖF Nr. 184/1984 (freiberufliche
Gastlehrer)
. Erlass vom 7. Oktober 1986, 04 0101/72-IV/4/86, AÖF Nr. 283/1986
(Grenzgängerregelung)
. Erlass vom 22. Dezember 1986, G 1246/1/3-IV/4/86, AÖF Nr. 32/1987 (wesentlich
beteiligte Gesellschafter-Geschäftsführer)
. Erlass vom 12. Feber 1987, H 2009/1/3-IV/4/86, AÖF Nr. 91/1987 und vom 12. Juni
1996, 04 1482/28-IV/4/96, AÖF Nr. 107/1996 (deutsche Ferialpraktikanten)
. Erlass vom 24. April 1989, B 643/1/1-IV/4/89, AÖF Nr. 152/1989 (Auslegung der "183-
Tage-Klausel" bei mehrjähriger Auslandsentsendung)
. Erlass vom 24. Juli 1989, 04 1482/8-IV/4/89, AÖF Nr. 240/1989 (Gewinnausschüttungen
deutscher Kapitalgesellschaften)
. Erlass vom 8. August 1989, 04 1482/6-IV/4/89, AÖF Nr. 267/1989 (Auslegung der
"Künstler- und Sportlerklausel"); abgeändert durch AÖF Nr. 88/1997
. Erlass vom 2. März 1995, 04 0610/246-IV/4/95 AÖF Nr. 112/1995 (steuerliche
Behandlung deutscher Orchester)
. Erlass vom 20. November 1990, 04 1482/27-IV/4/90, AÖF Nr. 301/1990 (Ausdehnung
des Geltungsbereiches der DBA auf die Gebiete der ehemaligen DDR ab 1. Jänner 1991)
. Erlass vom 23. März 1993, 04 4702/8-IV/4/92, AÖF Nr. 143/1993, betr. Berechnung der
Baustellenfrist
. Erlass vom 9. Mai 1994, 04 1482/13-IV/4/94 (Vorausinformation über das
Änderungsabkommen vom 8. Juli 1992 zum DBA)
. Erlass vom 16. Dezember 1994, 04 1482/27-IV/4/94, AÖF Nr. 10/1995, betr. Anwendung
der Grenzgängerreglung auf Berufskraftfahrer
. Erlass vom 11. Februar 1997, 04 1482/5-IV/4/97, betr. Auslegung der "Künstler- und
Sportlerklausel" des Art. 8 Abs. 2 letzter Satz (AÖF Nr. 88/1997)

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. Erlass vom 16. Feber 1998, 04 1482/6-IV/4/98, AÖF Nr. 70/1998, betr. internationale
Personalentsendung
. Ergebnisprotokoll vom 29. Jänner 1999; DBA-Auslegungsfragen, AÖF Nr. 62/1999
. Ergebnisprotokoll vom 14. Mai und vom 23. Juni 1999; DBA-Auslegungsfragen, AÖF Nr.
134/1999
. Ergebnisprotokoll vom 19. August 1999, DBA-Auslegungsfragen, AÖF Nr. 206/1999
. Ergebnisprotokoll vom 3. März 2000, DBA-Auslegungsfragen, AÖF Nr. 103/2000
. Ergebnisprotokoll vom 16. Juni 2000, DBA-Auslegungsfragen, AÖF Nr.200/2000
Abkommen (E/V) vom 24. August 2000, BGBl. III Nr. 182/2002, AÖF Nr. 214/2002 (WB 1.
Jänner 2003).
Abkommen (Erb) vom 4. Oktober 1954, BGBl. Nr. 220/1955, AÖF Nr. 281/1955.
Durchführungsregelungen:
. Erlass vom 21. Jänner 1964, Z 132.389-8/63, AÖF Nr. 87/1964 (Vorschenkungen)
Zusatzabkommen (Erb) vom 15. Oktober 2003, BGBl. Nr. 125/2004 (WB Artikel 2; 1. Jänner
2003)
Amtshilfevertrag vom 4. Oktober 1954, BGBl. Nr. 249/1955, AÖF Nr. 173/1956.
Durchführungsregelungen:
. Durchführungserlass vom 29. Juni 1956, 35.672-8/56, AÖF Nr. 174/1956
. Erlass vom 4. Juli 1956, 93.074-20/56, AÖF Nr. 175/1956 (Gebarungs- und
Verrechnungsbestimmungen / Vollstreckungshilfe)
. Erlass vom 14. Jänner 1958, 163.762-8/57 (Vollstreckungshilfe/Ersatz der Barauslagen
des Exekutionsverfahrens)
. Erlass vom 15. Jänner 1960, 2401-7a/1960 (Amtshilfeweg bei Auskunftsersuchen)
. Erlass vom 22. März 1974, 252.263-8/74 (Vollstreckbarerklärung mittels Bescheid)
. Erlass vom 14. August 1981, 04 1483/20-IV/4/81, AÖF Nr. 232/1981 (Vollstreckungshilfe;
Bagatellgrenzen bis 1989)
. Erlass vom 14. August 1981, 04 1483/21-IV/4/81, AÖF Nr. 241/1981 (Postzustellung,
deutsches Bundesamt für Finanzen)
. Erlass vom 11. Oktober 1985, 03 0340/1-IV/3/83, (Auskunftsersuchen in
Vollstreckungsangelegenheiten an das deutsche Ausländermeldeamt in Köln)

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. Erlass vom 20. Oktober 1986, 04 1483/7-IV/4/86, (keine Anwendbarkeit des
Amtshilfevertrages auf Ortstaxen, Pflichtbeiträge zu Fremdenverkehrsförderungsfonds)
. Erlass vom 12. Dezember 1986, 04 1483/10-IV/4/86, (Einbringung von
Drittschuldnerklagen)
. Erlass vom 24. November 1989, 04 1483/9-IV/4/89, (Vollstreckungshilfe; Bagatellgrenzen
ab 1989)
. Erlass vom 7. April 1994, 03 0340/1-IV/3/94, betr. Einwendungen gegen deutsche
Exekutionstitel
. Erlass vom 4. Mai 1994, 04 1483/117-IV/4/94, betr. Direktanfragen österreichischer
Finanzämter beim deutschen Bundesverwaltungsamt-Ausländerzentralregister
. Erlass vom 14. Juni 1994, 04 1483/192-IV/4/94, AÖF Nr. 220/1994, betr.
Forderungsanmeldungen im Konkursverfahren
. Erlass vom 15. Jänner 1998, 04 1483/159-IV/4/97, betr. Vorrang des Amtshilfevertrages
gegenüber der EG-Beitreibungsrichtlinie
. Erlass vom 25. Februar 1998, 04 1483/6-IV/4/98, betr. Vorrang des Amtshilfevertrages
gegenüber der EU-Amtshilferichtlinie
. Erlass vom 24. März 2000, 04 1483/3-IV/4/00, betr. Frage des Verhältnisses zwischen
EG-Beitreibungsrichtlinie und bilateralen Amtshilfeverträgen.
Dänemark
Abkommen (E, V) vom 23. Oktober 1961, BGBl. Nr. 126/1962, AÖF Nr. 136/1962, in der
Fassung des Protokolls vom 29. Oktober 1970, BGBl. Nr. 20/1972, AÖF Nr. 70/1972.
Notenwechsel vom 11. bzw. 14. Juli 1967, BGBl. Nr. 340/1968, AÖF Nr. 254/1968.
Durchführungsregelungen:
. Vereinbarung vom 25. Jänner bzw. 25. Februar 1972, BGBl. Nr. 172/1972, AÖF Nr.
168/1972.
Estland:
Abkommen (E, V) vom 5. April 2001, BGBl. III Nr. 11/2003, AÖF Nr. 52/2003 (WB 1. Jänner
2003)
Finnland:

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Abkommen (E, V) vom 8. Oktober 1963, BGBl. Nr. 55/1964, AÖF Nr. 79/1964, in der Fassung
des Protokolls vom 21. September 1970, BGBl. Nr. 110/1972, AÖF Nr. 135/1972.
Durchführungsregelungen:
. Vereinbarung vom 17. November 1972 bzw. 1. Februar 1973, BGBl. Nr. 277/1973, AÖF
Nr. 182/1973
Abkommen (E, V) vom 26. Juli 2000, BGBl. III Nr. 42/2001, AÖF Nr. 62/2001 (WB 1. Jänner
2002)
Frankreich:
Abkommen (E, V ) samt Protokoll vom 26. März 1993, BGBl. Nr. 613/1994, AÖF Nr.
243/1994, WB 1. Jänner 1995. Durchführungsregelungen:
. Dienstanweisung vom 28. Feber 1968, 204.777-8/68, betr. Vollstreckungshilfe (die zum
alten DBA ergangene Dienstanweisung gilt sinngemäß für die unverändert in das neue
Abkommen übernommene Vollstreckungshilfe)
. Erlass vom 17. Mai 1968, Z 207.763-8/68, AÖF Nr. 168/1968 betr. vereinfachte
Steuerentlastung bei Zinsen (die zum alten DBA ergangene Erlassregelung informiert
über eine vereinfachte Steuerentlastung bei Zinsen auf französischer Seite; diese
Information ist weiterhin von Bedeutung)
. Verordnung vom 14. Juni 1973, BGBl. Nr. 387/1973, AÖF Nr. 237/1973 (die Verordnung
ist formell zum alten DBA ergangen und damit außer Kraft getreten; das darin
vorgesehene Entlastungsverfahren wird aber bis auf weiteres weiterhin angewendet).
Abkommen (Erb, Sch) vom 26. März 1993, BGBl. Nr. 614/1994, AÖF. Nr. 244/1994, WB 1.
September 1994.
Georgien:
Abkommen (E, V) abgeschlossen am 10. April 1981 mit der Sowjetunion, BGBl. Nr.
411/1982, AÖF Nr. 230/1982. Gemäß Erlass vom 1. Juni 1992, 04 4382/6-IV/4/92, AÖF Nr.
202/1992, abgeändert durch Erlass vom 29. September 1994, 04 4382/2-IV/4/94, AÖF Nr.
317/1994 vom 10. März 1995, AÖF Nr. 119/1995, vom 22. Februar 1995, AÖF Nr. 44/1996,
vom 3. Oktober 1997, 04 4382/10-IV/4/97, AÖF Nr. 245/1997 und vom 16. Juli 1999,
04 4382/16-IV/4/99, AÖF Nr. 178/1999 bis auf weiteres weiterhin anzuwenden. Bezüglich
Durchführungsregelungen siehe "Sowjetunion".
Abkommen (E, V) vom 11. April 2005, BGBl. III Nr. 60/2006 (WB 1. Jänner 2007).
Griechenland:

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Abkommen (E, V) vom 22. September 1970, BGBl. Nr. 39/1972, AÖF Nr. 79/1972.
Großbritannien:
Abkommen (E) vom 30. April 1969, BGBl. Nr. 390/1970, AÖF Nr. 230/1970 in der Fassung
des Protokolls vom 17. November 1977, BGBl. Nr. 585/1978, AÖF Nr. 91/1979 und des
Protokolls vom 18. Mai 1993, BGBl. Nr. 835/1994, AÖF Nr. 307/1994 (WB 1. Jänner 1994).
Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 30. Oktober 1979, BGBl. Nr. 505/1979, AÖF Nr. 9/1980
. Erlass vom 8. Oktober 1979, 04 2182/15-IV/4/78, ZS 100, betr. die Behandlung der
britischen Körperschaftsteuergutschrift
Indien:
[Abkommen (E) vom 24. September 1963, BGBl. Nr. 99/1965, AÖF Nr. 128/1965]
Abkommen (E) vom 8. November 1999, BGBl. III Nr. 231/2001, AÖF Nr. 237/2001 (WB 1.
Jänner 2002)
Indonesien:
Übereinkommen (E, V) vom 24. Juli 1986, BGBl. Nr. 454/1988, AÖF Nr. 303/1988, wirksam
ab 1989.
Iran
Abkommen (E, V) vom 11. März 2002 (20 Esfand 1380), BGBl. III Nr. 81/2004, WB 1. Jänner
2005.
Irland:
Abkommen (E) vom 24. Mai 1966, BGBl. Nr. 66/1968, AÖF Nr. 97/1968 in der Fassung des
Protokolls vom 19. Juni 1987, BGBl. Nr. 12/1989, AÖF Nr. 77/1989.
Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 28. April 1970, BGBl. Nr. 154/1970, AÖF Nr. 97/1970.
Israel:
Abkommen (E, V) vom 29. Jänner 1970, BGBl. Nr. 85/1971, AÖF Nr. 87/1971.
Italien:
Abkommen (E, V) vom 29. Juni 1981, BGBl. Nr. 125/1985, AÖF Nr. 111/1985;
Ergänzungsprotokoll vom 25. November 1987, BGBl. Nr. 129/1990; AÖF Nr. 103/1990.
Durchführungsregelungen:

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. Erlass vom 20. November 1984, 04 2541/3-IV/4/84, AÖF Nr. 261/1984
(Ansässigkeitsbescheinigungen für Bezieher italienischer Sozialversicherungspensionen)
. Erlass vom 12. April 1985, 04 2542/7-IV/4/85, AÖF Nr. 119/1985 (zeitlicher
Anwendungsbereich)
. Erlass vom 12. April 1985, 04 2542/8-IV/4/85, AÖF Nr. 120/1985
(Sozialversicherungspensionen)
. Erlass vom 14. März 1988, 04 2542/7-IV/4/88, AÖF Nr. 169/1988 (Entlastung von der
italienischen Quellenbesteuerung)
. Erlass vom 14. Mai 1997, 04 2541/2-IV/4/97, AÖF Nr. 140/1997, betr. Aufhebung des
Erlasses vom 24. November 1952, Z 86 257-8a/52 betr. Anrechnung italienischer
Erbschaftssteuern
. Erlass vom 3. Juni 1996, 04 2547/4-IV/4/96 (Entlastung von der italienischen
Quellensteuer auf Staatsanleihen)
. Erlass vom 5. November 1999, 04 2542/12-IV/4/99, AÖF Nr. 255/1999, betr. DBAAnwendung
auf die IRAP (Imposta regionale sulle attivitá produttive).
Japan:
Abkommen (E) vom 20. Dezember 1961, BGBl. Nr. 127/1963, AÖF Nr. 158/1963.
Kanada:
Abkommen (E, V) vom 9. Dezember 1976, BGBl. Nr. 77/1981, AÖF Nr. 107/1981 idF des
Revisionsprotokolls vom 15. Juni 1999, BGBl. III Nr. 2/2001, AÖF Nr. 51/2001 (WB der
Revision: Abzugssteuern: 1. März 2001, veranlagte Steuern: 1. Jänner 2002).
Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 6. Mai 1982, BGBl. Nr. 318/1982, AÖF Nr. 189/1982.
Kasachstan:
Abkommen (E, V) vom 10. September 2004, BGBl. III Nr. 69/2006 (WB 1. Jänner 2007).
Kirgisistan:
Abkommen (E, V) vom 18. September 2001, BGBl. III Nr. 89/2003 (WB 1. Jänner 2004)
Korea (Süd):
Abkommen (E, V) vom 8. Oktober 1985, BGBl. Nr. 486/1987, AÖF Nr. 275/1987 idF des
Revisionsprotokolls vom 28. Mai 2001, BGBl. III 68/2002, AÖF Nr. 127/2002 (WB 1. Jänner
2003).

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
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Kroatien:
Abkommen (E, V) vom 21. September 2000, BGBl. III Nr. 119/2001, AÖF Nr. 137/2001 (WB
1. Jänner 2002).
Kuba:
Abkommen (E, V) vom 12. September 2006, BGBl III Nr. 149/2006.
Kuwait:
Abkommen (E, V) vom 13. Juni 2002, BGBl. III Nr. 30/2004, AÖF Nr. 157/2004 (WB 1.
Jänner 2005).
Liechtenstein:
Abkommen (E, V) vom 5. November 1969, BGBl. Nr. 24/1971, AÖF Nr. 40/1971.
Vereinbarung vom 27. September bzw. 12. Oktober 1971, BGBl. Nr. 437/1971, AÖF Nr.
276/1971. Durchführungsregelungen:
. Erlass vom 19. September 1989, 04 3202/2-IV/4/89, AÖF Nr. 281/1989 (Bezüge aus
öffentlichen Kassen; Abgrenzung zwischen Hoheitsverwaltung und
Wirtschaftsverwaltung); VfGH-Aufhebung BGBl. Nr. 486/1993, AÖF Nr. 255/1993
. Erlass vom 18. Feber 1991, 04 3202/2-IV/4/91, (Finanzlandesdirektion für Vorarlberg und
Tirol) betr. Vermeidung einer Doppelbesteuerung gemäß § 48 BAO für im öffentlichen
Sektor tätige Grenzgänger
. Verordnung BGBl. II Nr. 192/1997, AÖF Nr. 168/1997, betr. Bezüge aus öffentlichen
Kassen aus Liechtenstein.
. Verwaltungsübereinkommen vom 11. und 23. Dezember 1998 über die Sicherung der
steuerlichen Gleichbehandlung österreichischer Grenzgänger, AÖF Nr.55/1999
. Verordnung BGBl. II Nr. 215/2001, AÖF Nr. 140/2001, betr. Gesellschafter-
Geschäftsführer (WB 1. Juli 2001).
. Verordnung BGBl. II Nr. 437/2005, betreffend Besteuerung von Einkünften von
Unternehmensberatern (WB Veranlagung 2006).
. Erlass vom 24. August 2006, GZ BMF-010221/0479-IV/4/2006, betreffend Umsetzung der
Ergebnisse von Verständigungsverfahren ungeachtet der innerstaatlichen
Verjährungsfristen.
Abkommen (E, V, Erb; gilt aber nur mehr für Erb) vom 7. Dezember 1955, BGBl. Nr.
214/1956, AÖF Nr. 253/1956 und Teilkündigung BGBl. Nr. 325/1968, AÖF Nr. 242/1968.

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Litauen:
Abkommen (E, V) vom 6. April 2005, BGBl. III Nr. 209/2005 (WB 1. Jänner 2006).
Luxemburg:
Abkommen (E, V) vom 18. Oktober 1962, BGBl. Nr. 54/1964, AÖF Nr. 78/1964, idF des
Protokolls vom 21. Mai 1992, BGBl. Nr. 835/93, AÖF Nr. 371/1993 (wirksam ab 1995).
Durchführungsregelungen:
. Vereinbarung vom 23. März bzw. 10. April 1964, BGBl. Nr. 143/1964, AÖF Nr. 152/1964
. Erlass vom 6. Juni 1991, AÖF Nr. 184/1991, betr. DBA-Anwendung auf steuerfreie und
nicht steuerbare Einrichtungen
. Erlass vom 31. Jänner 2000, AÖF Nr. 54/2000, betr. Steuerbefreiung für luxemburgische
Orchester.
Malaysien:
Abkommen (E) vom 20. September 1989, BGBl. Nr. 664/1990, AÖF Nr. 285/1990.
Malta:
Abkommen (E, V) vom 29. Mai 1978, BGBl. Nr. 294/1979, AÖF Nr. 211/1979.
Marokko:
Abkommen vom 12. November 2006, BGBl II Nr. 168/2006.
Mexiko:
Abkommen (E, V) vom 13. April 2004, BGBl. III Nr. 142/2004 (WB 1. Jänner 2006).
Moldau (Moldawien):
Abkommen (E, V) vom 29. April 2004, BGBl. III Nr. 160/2004 (WB 1. Jänner 2006).
Mongolei:
Abkommen (E, V) abgeschlossen am 10. April 1981 mit der Sowjetunion, BGBl. Nr.
411/1982, AÖF Nr. 230/1982. Gemäß Erlass vom 1. Juni 1992, 04 4382/6-IV/4/92, AÖF Nr.
202/1992, abgeändert durch Erlass vom 29. September 1994, 04 4382/2-IV/4/94, AÖF Nr.
317/1994, vom 10. März 1995, AÖF Nr. 119/1995, vom 22. Februar 1995, AÖF Nr. 44/1996,
vom 3. Oktober 1997, 04 4382/10-IV/4/97, AÖF Nr. 245/1997 und vom 16. Juli 1999, 04
4382/16-IV/4/99, AÖF Nr. 178/1999 bis auf weiteres weiterhin anzuwenden. Bezüglich
Durchführungsregelungen siehe "Sowjetunion".
Abkommen (E, V) vom 3. Juli 2003, BGBl. III Nr. 92/2004 (WB 1. Jänner 2005).

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
© Bundesministerium für Finanzen 19 - 12
Nepal:
Abkommen (E, V) vom 15. Dezember 2000, BGBl. III Nr. 26/2002, AÖF Nr. 110/2002 (WB 1.
Jänner 2003)
Niederlande:
Abkommen (E, V) vom 1. September 1970, BGBl. Nr. 191/1971, AÖF Nr. 159/1971, idF des
Revisionsprotokolls vom 18. Dezember 1989, BGBl. Nr. 18/1991, AÖF Nr. 24/1991, und des
Revisionsprotokolls vom 26. November 2001, BGBl. III Nr. 14/2003 (WB 1. Jänner 2004 und
teilweise 1. Jänner 1997).
Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 4. Februar 1972, BGBl. Nr. 83/1972, AÖF Nr. 119/1972
. Erlass vom 28. Dezember 1990, AÖF Nr. 50/1991, betr. zeitlicher Anwendungsbeginn des
Revisionsprotokolls
. Feststellung der Gegenseitigkeit betreffend Steuerfreiheit von Schachteldividenden bei
10-prozentiger Mindestbeteiligung (AÖF Nr. 245/2003) WB 1. Jänner 2003.
Abkommen (Erb, Sch) vom 26. November 2001, BGBl. III Nr. 13/2003, AÖF Nr. 62/2003 (WB
1. Jänner 2003).
Norwegen:
Abkommen (E, V) vom 28. November 1995, BGBl. III Nr. 1/1997, AÖF Nr. 54/1997 (WB:
1997). Durchführungsregelungen:
. Vereinbarung vom 1. bzw. 25. Februar 1974, BGBl. Nr. 245/1974, AÖF Nr. 155/1974 (die
Durchführungsvereinbarung ist zum Abkommen vom 25. Februar 1960 ergangen und
formell außer Kraft getreten; das darin vorgesehene Durchführungsverfahren wird aber
derzeit weiterhin angewendet).
. Abänderungsprotokoll zum DBA Norwegen vom 1.12.2006, BGBl III Nr. 181/2006.
Pakistan:
Abkommen (E) vom 6. Juli 1970, BGBl. Nr. 297/1971, AÖF Nr. 278/1971.
Philippinen:
Abkommen (E) vom 9. April 1981, BGBl. Nr. 107/1982, AÖF Nr. 104/1982.
Polen:
Abkommen (E, V) vom 2. Oktober 1974, BGBl. Nr. 384/1975, AÖF Nr. 203/1975.
Durchführungsregelungen:

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. Verordnung vom 24. August 1977, BGBl. Nr. 472/1977, AÖF Nr. 234/1977.
Portugal:
Abkommen (E, V) vom 29. Dezember 1970, BGBl. Nr. 85/1972, AÖF Nr. 120/1972.
Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 12. August 1975, BGBl. Nr. 469/1975, AÖF Nr. 240/1975
. Erlass vom 3. März 1995, AÖF Nr. 118/1995 betr. portugiesischer Anleihezinsen.
Rumänien:
Abkommen (E, V) vom 30. September 1976, BGBl. Nr. 6/1979, AÖF Nr. 36/1979.
Abkommen (E, V) vom 30. März 2005, BGBl. III Nr. 29/2006 (WB 1. Jänner 2007).
Russland:
Abkommen (E, V) abgeschlossen am 10. April 1981 mit der Sowjetunion, BGBl. Nr.
411/1982, AÖF Nr. 230/1982. Gemäß Erlass vom 1. Juni 1992, 04 4382/6-IV/4/92, AÖF Nr.
202/1992, abgeändert durch Erlass vom 29. September 1994, 04 4382/2-IV/4/94, AÖF Nr.
317/1994, vom 10. März 1995, AÖF Nr. 119/1995, vom 22. Februar 1995, AÖF Nr. 44/1996,
vom 3. Oktober 1997, 04 4382/10-IV/4/97, AÖF Nr. 245/1997, und vom 16. Juli 1999,
04 4382/16-IV/4/99, AÖF Nr. 178/1999 bis Ende 2002 weiterhin anzuwenden. Bezüglich
Durchführungsregelungen siehe "Sowjetunion".
Abkommen (E, V) vom 13. April 2000, BGBl. III Nr. 10/2003, AÖF Nr. 51/2003 (WB 1. Jänner
2003).
San Marino:
Abkommen (E, V) vom 24. November 2004, BGBl. III Nr. 208/2005 (WB 1. Jänner 2006).
Schweden:
Abkommen (E, V) vom 14. Mai 1959, BGBl. Nr. 39/1960, AÖF Nr. 175/1960, in der Fassung
des Protokolls vom 6. April 1970, BGBl. Nr. 341/1970, AÖF Nr. 208/1970 (AÖF Nr. 49/1971)
und des Protokolls (WB 1. Jänner 1994) vom 5. November 1991, BGBl. Nr. 132/1993, AÖF
Nr.93/1993. Durchführungsregelungen:
Vereinbarung vom 17. April 1972, BGBl. Nr. 298/1972, AÖF Nr. 265/1972.
Abkommen (Erb) vom 21. November 1962, BGBl. Nr. 212/1963, AÖF Nr. 196/1963.
Schweiz:
Abkommen (E, V) vom 30. Jänner 1974, BGBl. Nr. 64/1975, AÖF Nr. 72/1975, idF
Änderungsprotokoll vom 18. Jänner 1994, BGBl. Nr. 161/1995, AÖF Nr. 99/1995 (WB: 1.

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Jänner 1996) sowie des Änderungsprotokolls vom 20. Juli 2000, BGBl. III Nr. 204/2001, AÖF
Nr. 190/2001. Durchführungsregelungen:
. Vereinbarung vom 5. bzw. 6. Dezember 1974, BGBl. Nr. 65/1975, AÖF Nr. 73/1975
. Erlass vom 10. Dezember 1962, 109.552-8/62, betr. Zustellung von Erledigungen der
Abgabenbehörden in der Schweiz
. Erlass vom 11. Jänner 1989, AÖF Nr. 67/1989, (erwerbswirtschaftliche Betätigung von
öffentlich-rechtlichen Körperschaften)
. Erlass vom 19. März 1992, AÖF Nr. 153/1992 betr. Gesellschafterdienstnehmer
. Verwaltungsübereinkommen über die Sicherung der steuerlichen Gleichbehandlung
österreichischer Grenzgänger, AÖF Nr. 84/1998
. Erlass vom 18. Jänner 2000, AÖF Nr. 34/2000, betr. Auslegungsfragen zum DBA.
Abkommen (Erb) vom 30. Jänner 1974, BGBl. Nr. 63/1975, AÖF Nr. 71/1975.
Singapur:
Abkommen (E, V) vom 30. November 2001, BGBl. III Nr. 248/2002, AÖF Nr. 263/2002 (In
Kraft getreten 22. Oktober 2002, WB 1. Jänner 2003).
Slowakei:
Abkommen (E, V) abgeschlossen am 7. März 1978 mit der Tschechoslowakei, BGBl. Nr.
34/1979, AÖF Nr. 71/1979. Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 20. November 1979, BGBl. Nr. 484/1979, AÖF Nr. 4/1980
. Erlass vom 27. Jänner 1993, 04 4702/1-IV/4/93, AÖF Nr. 100/1993, betr. Weitergeltung
des Abkommens für Tschechien und die Slowakei
. Notenwechsel betr. Weiteranwendung des DBA-CSSR im Verhältnis zur Slowakei, BGBl.
Nr. 1046/1994, AÖF Nr. 6/1995
. Erlass vom 23. März 1993, 04 4702/8-IV/4/92, AÖF Nr. 143/1993, betr. Berechnung der
Baustellenfrist.
Slowenien:
Abkommen (E, V) vom 1. Oktober 1997, BGBl. III Nr. 4/1999, AÖF Nr.22/1999. (WB: 1.
Jänner 1999)
. Erlass vom 28. August 2006, GZ BMF-010221/0477-IV/4/2006, betr. Besteuerung von
Lizenzgebühren.

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Sowjetunion:
Abkommen (E, V) vom 10. April 1981, BGBl. Nr. 411/1982, AÖF Nr. 230/1982.
Durchführungsregelungen:
. Erlass vom 2. März 1995, 04 0610/246-IV/4/95, AÖF Nr. 112/1995 (sowjetische
Orchester)
. Erlass vom 9. April 1987, 04 4382/3-IV/4/87, AÖF Nr. 140/1987 (urheberrechtliche und
gewerbliche Lizenzgebühren an WAAP und LIZENTINTORG)
. Erlass vom 18. April 1988, 04 4382/1-IV/4/88, AÖF Nr. 193/1988 (Bauausführungen und
Montagen)
. Erlass vom 1. Juni 1992, 04 4382/6-IV/4/92, AÖF Nr. 202/1992, abgeändert durch Erlass
vom 29. September 1994, 04 4382/2-IV/4/94, AÖF Nr. 317/1994, vom 10. März 1995,
AÖF Nr. 119/1995, vom 22. Februar 1995, AÖF Nr. 44/1996, vom 3. Oktober 1997, 04
4382/10-IV/4/97, AÖF Nr. 245/1997 und vom 16. Juli 1999, 04 4382/16-IV/4/99, AÖF
Nr. 178/1999, betr. Weiteranwendung des DBA-UdSSR gegenüber Armenien, [Belarus],
Georgien, Moldovia, [Russische Föderation], Tadschikistan, Turkmenistan, [Ukraine],
[Usbekistan].
. Notenwechsel mit der Russischen Föderation über die DBA-Weitergeltung, BGBl. Nr.
257/1994.
Spanien:
Abkommen (E, V) vom 20. Dezember 1966, BGBl. Nr. 395/1967, AÖF Nr. 8/1968;
abgeändert durch Art. VII BGBl. Nr. 21/1995, AÖF Nr. 36/1995 und idF BGBl. Nr. 709/1995,
AÖF Nr. 273/1995 (WB 1. Jänner 1995). Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 27. April 1973, BGBl. Nr. 266/1973, AÖF Nr. 180/1973.
Südafrika:
Abkommen (E, V) vom 4. März 1996, BGBl. III Nr. 40/1997, AÖF Nr. 102/1997 (WB:
Abzugsbesteuerung: 1. Mai 1997; Veranlagung: 1998).
Tadschikistan:
Abkommen (E, V) abgeschlossen am 10. April 1981 mit der Sowjetunion, BGBl. Nr.
411/1982, AÖF Nr. 230/1982. Gemäß Erlass vom 1. Juni 1992, 04 4382/6-IV/4/92, AÖF Nr.
202/1992, abgeändert durch Erlass vom 29. September 1994, 04 4382/2-IV/4/94, AÖF Nr.
317/1994, vom 10. März 1995, AÖF Nr. 119/1995, vom 22. Februar 1995, AÖF Nr. 44/1996,
vom 3. Oktober 1997, 04 4382/10-IV/4/97, AÖF Nr. 245/1997 und vom 16. Juli 1999,

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04 4382/16-IV/4/99, AÖF Nr. 178/1999 bis auf weiteres weiterhin anzuwenden. Bezüglich
Durchführungsregelungen siehe "Sowjetunion".
Thailand:
Abkommen (E, V) vom 8. Mai 1985, BGBl. Nr. 263/1986, AÖF Nr. 162/1986.
. Erlass vom 8. Jänner 2001, 04 4622/4-IV/4/2000; betr. Anerkennung der Export-Import
Bank of Thailand als Geldinstitut im Sinne des Art. 11 Abs. 3 lit. i (AÖF Nr. 68/2001).
Tschechien:
Abkommen (E, V) abgeschlossen am 7. März 1978 mit der Tschechoslowakei, BGBl. Nr.
34/1979, AÖF Nr. 71/1979. Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 20. November 1979, BGBl. Nr. 484/1979, AÖF Nr. 4/1980
. Erlass vom 27. Jänner 1993, 04 4702/1-IV/4/93, AÖF Nr. 100/1993, betr. Weitergeltung
des Abkommens für Tschechien und die Slowakei
. Notenwechsel betr. Weiteranwendung des DBA-CSSR im Verhältnis zur Slowakei, BGBl.
Nr. 1046/1994, AÖF Nr. 6/1995
. Erlass vom 23. März 1993, 04 4702/8-IV/4/92, AÖF Nr. 143/1993, betr. Berechnung der
Baustellenfrist.
Abkommen (Erb) vom 19. Sept. 1996, BGBl. III Nr. 17/2000, AÖF Nr. 183/2000 (WB 1. März
2000).
Tschechoslowakei:
Abkommen (E, V) vom 7. März 1978, BGBl. Nr. 34/1979, AÖF Nr. 71/1979.
Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 20. November 1979, BGBl. Nr. 484/1979, AÖF Nr. 4/1980
. Erlass vom 27. Jänner 1993, 04 4702/1-IV/4/93, AÖF Nr. 100/1993, betr. Weitergeltung
des Abkommens für Tschechien und die Slowakei
. Notenwechsel betr. Weiteranwendung des DBA-CSSR im Verhältnis zur Slowakei, BGBl.
Nr. 1046/1994, AÖF Nr. 6/1995
. Erlass vom 23. März 1993, 04 4702/8-IV/4/92, AÖF Nr. 143/1993, betr. Berechnung der
Baustellenfrist.
Turkmenistan:
Abkommen (E, V) abgeschlossen am 10. April 1981 mit der Sowjetunion, BGBl. Nr.
411/1982, AÖF Nr. 230/1982. Gemäß Erlass vom 1. Juni 1992, 04 4382/6-IV/4/92, AÖF Nr.

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202/1992, abgeändert durch Erlass vom 29. September 1994, 04 4382/2-IV/4/94, AÖF Nr.
317/1994, vom 10. März 1995, AÖF Nr. 119/1995, vom 22. Februar 1995, AÖF Nr. 44/1996,
vom 3. Oktober 1997, 04 4382/10-IV/4/97, AÖF Nr. 245/1997, und vom 16. Juli 1999,
04 4382/16-IV/4/99, AÖF Nr. 178/1999 bis auf weiteres weiterhin anzuwenden. Bezüglich
Durchführungsregelungen siehe "Sowjetunion".
Tunesien:
Abkommen (E, V) vom 23. Juni 1977, BGBl. Nr. 516/1978, AÖF Nr. 279/1978.
Türkei:
Abkommen (E, V) vom 3. November 1970, BGBl. Nr. 595/1973, AÖF Nr. 331/1973:
. Erlass vom 26. Mai 1948, 34.896-8/48, betr. Rechtshilfeverkehr mit der Türkei durch
Zustellung von Steuerbescheiden.
Ukraine:
Abkommen (E,V ) samt Protokoll vom 16. Oktober 1997, BGBl. III Nr. 113/1999, AÖF Nr.
233/1999 (WB: 1. Jänner 2000); Durchführungsregelungen:
. Erlass vom 16.Juli1999, AÖF Nr. 178/1999, betr. Anwendungsende des DBA-UdSSR im
Verhältnis zur Ukraine.
Ungarn:
Abkommen (E, V) vom 25. Februar 1975, BGBl. Nr. 52/1976, AÖF Nr. 55/1976.
Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 24. Jänner 1978, BGBl. Nr. 101/1978, AÖF Nr. 89/1978
. Erlass vom 11. Jänner 2002, AÖF Nr.74/2002, betr. Post graduate Stipendien
Abkommen (Erb) vom 25. Februar 1975, BGBl. Nr. 51/1976, AÖF Nr. 54/1976.
Usbekistan:
Abkommen (E, V) vom 14. Juni 2000, BGBl. III Nr. 150/2001, AÖF Nr. 182/2001 (WB: 1.
Jänner 2002).
Vereinigte Arabische Emirate:
Abkommen (E, V) vom 22. September 2003, BGBl. III Nr. 88/2004 (WB 1. Jänner 2005).
Vereinigte Arabische Republik (Ägypten):
Abkommen (E, V) vom 16. Oktober 1962, BGBl. Nr. 293/1963, AÖF Nr. 48/1964.
Vereinigte Staaten von Amerika:

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Abkommen (E) vom 25. Oktober 1956, BGBl. Nr. 232/1957, AÖF Nr. 262/1957.
Durchführungsregelungen:
. Verordnung vom 11. Jänner 1961, BGBl. Nr. 31/1961, AÖF Nr. 60/1961
. Erlass vom 20. Jänner 1971, Z 7.375-8/61, AÖF Nr. 61/1961 idF Erlass vom 20. Oktober
1977, AÖF Nr. 257/1977
. Erlass vom 17. Oktober 1990, 04 4987/169-IV/4/90, betr. vereinfachte Übersendung der
erledigten Rückerstattungsanträge R-USA an das BMF
. Erlass vom 27. Jänner 1993, 04 4983/54-IV/4/92, AÖF Nr. 62/1993, betr. steuerliche
Behandlung betrieblicher Anteilsveräußerungen; im Hinblick auf die nachstehend zitierte
Verordnung mit Erlass vom 28. Dezember 1993, 04 4983/43-IV/4/93 aufgehoben
. Verordnung BGBl. Nr. 878/1993, AÖF Nr. 28/1994, über die Besteuerung von Gewinnen
bei Anteilsveräußerungen durch amerikanische Unternehmen
. Kundmachung des BMF vom 5. März 2003 betr. DBA-1956 und nachträglich zufließende
Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit nach Wohnsitzverlegung, AÖF. Nr. 109/2003.
Abkommen (Erb, Sch) vom 21. Juni 1982, BGBl. Nr. 269/1983, AÖF Nr. 156/1983.
Abkommen (E) vom 31. Mai 1996, BGBl. III Nr. 6/1998; WB: Abzugssteuern 1. April 1998,
Veranlagung 1999.
Durchführungsregelungen:
. Erlass vom 12. Jänner 1998, 04 4982/1-IV/4/98, AÖF Nr. 34/1998, betr. den
Wirksamkeitsbeginn des neuen Abkommens
. Erlass vom 9. Juni 1998, 04 4982/16-IV/4/98, AÖF Nr. 117/1998, betr. die Auslegung des
Ausdruckes "Einnahmen" in Artikel 16.
Zypern:
Abkommen (E, V) vom 20. März 1990, BGBl. Nr. 709/1990, AÖF Nr. 298/1990.

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2 Einkommen (§ 2 EStG 1988)
2.1 Einkünfte (§ 2 Abs. 3 EStG 1988)
101
Die Aufzählung der Einkunftsarten in § 2 Abs. 3 EStG 1988 ist erschöpfend.
Vermögenszugänge, die von dieser Bestimmung nicht umfasst sind oder die ausdrücklich als
nicht steuerbar bezeichnet werden (zB die Leistungen gemäß § 26 EStG 1988), unterliegen
nicht der Einkommensteuer, wie beispielsweise:
. Erbschaften;
. Schenkungen, soweit sie nicht belohnende Schenkungen innerhalb einer Einkunftsquelle
darstellen;
. Gewinne aus Glückspielen und Wetten;
. Bestimmte Preise (siehe dazu Rz 101a);
. Finderlohn;
. Schmerzengeld, ausgenommen in Rentenform, siehe Rz 1061;
. Zeugengebühren (VwGH 14.2.1986, 86/17/0023);
. Private Schadensversicherungen, sofern nicht in Rentenform;
. Veräußerung von Privatvermögen außerhalb der §§ 29, 30 und 31 EStG 1988.
101a
Nicht steuerbar sind:
. Lotteriegewinne und Gewinne aus Preisausschreiben, bei denen für die Vergabe der
Preise die Auslosung der Gewinner unter zahlreichen richtigen Einsendungen maßgebend
ist (Kreuzworträtsel usw.);
. Preise, die durch den Einsatz von Allgemeinwissen erzielt werden (zB bei einem
Fernsehquiz wie "Millionenshow");
. Preise, die außerhalb eines Wettbewerbes in Würdigung der Persönlichkeit oder einer
bestimmten Haltung des Steuerpflichtigen oder seines (Lebens-)Werkes gewährt werden
(zB Nobelpreis, Literatur- oder Journalistenpreis in Würdigung des gesamten Werkes).
Steuerbar sind:
. Preise, die den Preisträgern im Rahmen eines Wettbewerbes durch eine Jury für eine
konkrete Einzelleistung zuerkannt werden, darunter können zB Preise im Rahmen eines

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Architekten- oder Musikwettbewerbes, Literaturpreise, Journalistenpreise oder Filmpreise
fallen (Einnahmen im Rahmen des jeweiligen Betriebes). Gemäß § 3 Abs. 3
Kunstförderungsgesetz sind jedoch Staats-, Würdigungs-, und Förderungspreise sowie
Prämien und Preise für hervorragende künstlerische Leistungen von der
Einkommensteuer befreit. Dies gilt auch für dem Grunde und der Höhe nach
vergleichbare Leistungen auf Grund von landesgesetzlichen Vorschriften sowie für
Stipendien und Preise, die unter vergleichbaren Voraussetzungen von nationalen oder
internationalen Förderungsinstitutionen vergeben werden;
. Preise von Berufsportlern;
. Preisgelder für Teilnahme an Unterhaltungsdarbietungen (zB "Dancing Stars",
"Starmania"). Diese stellen – sofern sie nicht als Ausfluss einer betrieblichen oder
beruflichen Tätigkeit anzusehen sind – subsidiär Einnahmen im Rahmen des § 29 Z 3
EStG 1988 dar;
. Preise, die nur eigenen Arbeitnehmern oder Geschäftspartnern, wenn auch durch
Verlosung, als Incentive zuerkannt werden.
2.2 Liebhaberei
102
Aus der positiven Umschreibung der Einkünfte als Gewinn bzw. als Überschuss der
Einnahmen über die Werbungskosten in § 2 Abs. 4 EStG 1988 ist abzuleiten, dass nur jene
Einkunftsquellen einkommensteuerrechtlich zu berücksichtigen sind, die auf Dauer gesehen
zu einem Gesamtgewinn bzw. Gesamtüberschuss führen. Andernfalls ist Liebhaberei
(Voluptuar) gegeben. Die damit verbundenen Verluste (bzw. Verlustanteile) sind steuerlich
weder ausgleichs- noch vortragsfähig. Allfällige “Zufallsgewinne" werden nicht besteuert.
103
Seit 1990 wurden zwei Liebhabereiverordnungen erlassen (Verordnung BGBl 1990/322 und
Verordnung BGBl 1993/33). Auf Basis des VfGH-Erkenntnisses vom 12. Dezember 1991,
V 53/91 war jedoch die erste Liebhabereiverordnung ab 1990 anzuwenden. Hinsichtlich der
Vorjahre ist nach wie vor die hiezu ergangene Rechtsprechung maßgeblich. Die Verordnung
BGBl 1993/33 ersetzt seit 1. Jänner 1993 die erste Liebhabereiverordnung. Beide
Verordnungen werden durch die Richtlinien zur Liebhabereibeurteilung (LRL 1997,
AÖF 1998/47) näher erläutert. Im Weiteren wird auf diese Richtlinien, die als Bestandteil der
EStR 2000 anzusehen sind, verwiesen.

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
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2.3 Persönliche Zurechnung von Einkünften
2.3.1 Allgemeines
104
Einkünfte iSd § 2 Abs. 3 EStG 1988 sind demjenigen zuzurechnen, dem die Einkunftsquelle
zuzurechnen ist. Die Zurechnung von Einkünften muss sich nicht mit dem wirtschaftlichen
Eigentum an der Einkunftsquelle decken (VwGH 25.02.1997, 92/14/0039; VwGH 09.07.1997,
95/13/0025; VwGH 21.07.1998, 93/14/0149). Die Einkunftsquelle kann sich auf das
wirtschaftliche Eigentum, auf ein Mietrecht, auf ein Recht zur Weiter- oder Untervermietung,
auf ein Nutzungsrecht oder eine bloße Tätigkeit gründen. Zurechnungssubjekt ist derjenige,
der aus der Tätigkeit das Unternehmerrisiko trägt, der also die Möglichkeit besitzt, die sich
ihm bietenden Marktchancen auszunützen, Leistungen zu erbringen oder zu verweigern. Die
rechtliche Gestaltung ist dabei nur maßgebend, wenn sich in wirtschaftlicher
Betrachtungsweise nichts anderes ergibt.
Für Zeiträume ab dem 1.1.2010 gelten für "zwischengeschaltete", unter dem Einfluss des
Steuerpflichtigen oder seiner nahen Angehörigen (Rz 1129) stehende Kapitalgesellschaften
folgende Grundsätze für die Einkünftezurechnung:
Eine Zurechnung der Einkünfte unmittelbar an die natürliche Person erfolgt insbesondere
dann, wenn die Kapitalgesellschaft
1. in Hinblick auf die betreffende Tätigkeit selbst Marktchancen nicht nutzen kann und
2. über keinen eigenständigen, sich von der natürlichen Person abhebenden geschäftlichen
Betrieb verfügt.
Zu 1.: Marktchancen kann eine zwischengeschaltete Kapitalgesellschaft nicht nutzen, wenn
die betreffende Tätigkeit entweder aufgrund eines gesetzlichen oder statutarischen Verbots
nur von natürlichen Personen erbracht werden kann (zB "Drittanstellung" von Vorständen,
Stiftungsvorständen und Aufsichtsräten, siehe dazu insbesondere Rz 5266g) oder in
typisierender Betrachtungsweise nach der Verkehrsauffassung eine höchstpersönliche
Tätigkeit darstellt (zB Schriftsteller, Vortragende, Sportler, Künstler).
Zu 2.: Für das Vorliegen eines eigenständigen, sich von der natürlichen Person abhebenden
geschäftlichen Betriebes spricht insbesondere die Beschäftigung von Mitarbeitern, wobei es
auf die rechtliche Ausgestaltung des Beschäftigungsverhältnisses nicht ankommt. Bloße
Hilfstätigkeiten in der Kapitalgesellschaft (zB Sekretariat) führen jedoch zu keinem
eigenständigen, sich abhebenden geschäftlichen Betrieb. Ist die Tätigkeit der natürlichen
Person bloßer Ausfluss der eigenbetrieblichen Tätigkeit der Kapitalgesellschaft, erfolgt keine
Zurechnung zur natürlichen Person.

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Beispiele:
1. Ein Vorstand gründet eine GmbH und wickelt sein Anstellungsverhältnis über seine
GmbH ab.
Die Vergütungen für die Vorstandstätigkeit sind unmittelbar der natürlichen Person
zuzurechnen, da die GmbH die Marktchancen selbst nicht nutzen kann und auch kein
eigenständiger, sich von der Vorstandstätigkeit abhebender Betrieb der GmbH vorliegt.
2. Ein Rechtsanwalt, der Gesellschafter-Geschäftsführer einer Rechtsanwalts-GmbH ist,
wird als Stiftungsvorstand in der von einem seiner Klienten errichteten Privatstiftung
tätig. Sein Dienstvertrag mit der Rechtsanwalts-GmbH sieht vor, dass er die
Vergütungen für seine Tätigkeit als Stiftungsvorstand an die Rechtsanwalts-GmbH
abführen muss.
Als Stiftungsvorstand kommt nur eine natürliche Person in Betracht, die Rechtsanwalts-
GmbH kann daher die Marktchancen nicht nutzen. Da die Rechtsanwalts-GmbH jedoch
über einen eigenständigen, sich abhebenden geschäftlichen Betrieb verfügt und die
Tätigkeit als Stiftungsvorstand Ausfluss dieser eigenbetrieblichen Tätigkeit der GmbH
ist, kommt es zu keiner abweichenden Zurechnung.
3. Ein Vorstand eines technischen Unternehmens wickelt sein Anstellungsverhältnis
über seine operativ tätige Wertpapierhandels-GmbH ab.
Zwar verfügt die Wertpapierhandels-GmbH über einen eigenständigen, sich von der
Tätigkeit des Vorstands abhebenden Betrieb; da die Vorstandstätigkeit nicht Ausfluss
dieses Betriebs ist, kommt es zu einer Zurechnung der Vergütungen an die natürliche
Person.
4. Ein Universitätsprofessor rechnet Honorare für seine Gutachtenstätigkeit über eine
ihm und seiner Ehefrau gehörende GmbH ab. Einzige Arbeitnehmerin in der GmbH ist
seine Ehefrau, die als Sekretärin beschäftigt wird.
Es liegt in typisierender Betrachtungsweise eine Tätigkeit vor, die höchstpersönlich zu
erbringen ist; die GmbH kann daher nicht die Marktchancen nutzen. Da die GmbH auch
nicht über einen eigenständigen, sich abhebenden Betrieb verfügt, werden die
Honorare der natürlichen Person zugerechnet.
5. Ein Gärtner entschließt sich, sein Einzelunternehmen künftig in der Rechtsform einer
GmbH fortzuführen. Mitarbeiter beschäftigt er nicht.
Da es sich in typisierender Betrachtungsweise um keine höchstpersönliche Tätigkeit
handelt, kann die GmbH die Marktchancen nutzen. Es kommt daher zu keiner
abweichenden Zurechnung.
6. Ein Mitarbeiter der Konzernmutter wird als Aufsichtsrat in die Tochtergesellschaft
entsandt. Die Vergütung für diese Tätigkeit ist in seiner Gesamtvergütung, die er von
der Konzernmutter erhält, enthalten. Die Konzernmutter verrechnet der
Tochtergesellschaft eine Umlage für diese Konzerngestellung.
Da es sich bei der Konzernmutter nicht um eine unter dem Einfluss des
Steuerpflichtigen oder seiner nahen Angehörigen (Rz 1129) stehende
Kapitalgesellschaft handelt und die Konzernmutter überdies idR über einen
eigenständigen, sich abhebenden Betrieb verfügen wird, kommt es zu keiner
abweichenden Zurechnung. Die von der Tochtergesellschaft geleistete Umlage für die
Konzerngestellung unterliegt, ungeachtet der Zurechnung zur Konzernmutter, bei der
Tochtergesellschaft § 12 Abs. 1 Z 7 KStG 1988.
7. Eine Steuerberaterin wird als Vortragende an einer Fachhochschule tätig. Sie
rechnet ihre Honorare aus der Vortragstätigkeit über ihre Steuerberatungs-GmbH ab.

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Als Vortragende an Fachhochschulen kommen nur natürliche Personen in Betracht, die
Steuerberatungs-GmbH kann daher die Marktchancen nicht nutzen. Die
Steuerberatungs-GmbH verfügt zwar über einen eigenständigen, sich abhebenden
geschäftlichen Betrieb. Da die Tätigkeit als Vortragende jedoch nicht Ausfluss dieser
eigenbetrieblichen Tätigkeit der GmbH ist, sind die Vergütungen aus der
Vortragstätigkeit unmittelbar der Steuerberaterin als nichtselbständige Einkünfte (§ 25
Abs. 1 Z 5 EStG 1988) zuzurechnen (vgl. LStR 2002 Rz 992c).
Um eine von der zivilrechtlichen Gestaltung abweichende Einkünftezurechnung ab dem
1.1.2010 zu vermeiden, können bis zum Stichtag 31.12.2009 Umwandlungen gemäß Art. II
UmgrStG vorgenommen werden. Dabei ist davon auszugehen, dass am Tag des
Umwandlungsbeschlusses das Betriebserfordernis erfüllt ist.
105
So etwa werden die von einem Handelsvertreter erbrachten Leistungen diesem und nicht auf
Grund eines internen Rechtsverhältnisses seiner Ehegattin zugerechnet (VwGH 18.10.1995,
95/13/0176). Die Zurechnung der Einkünfte aus einem Bordell etwa erfolgt an denjenigen,
der dort als Geschäftsführer auftritt und Verträge über Getränkelieferungen abschließt
(VwGH 15.12.1998, 98/14/0192). Für sich allein nicht entscheidend ist, auf wessen Konto die
Zahlungen überwiesen wurden (VwGH 15.12.1994, 93/15/0097). Auch wenn während der
Strafhaft eines Steuerpflichtigen sämtliche Geschäfte von seiner Ehefrau geführt werden,
hindert dies die Zurechnung der Einkünfte an ihn nicht (VwGH 3.8.2004, 2001/13/0128).
106
Einkünfte aus Kapitalvermögen und aus Vermietung und Verpachtung sind demjenigen
zuzurechnen, der zur Nutzung der Vermögenswerte berechtigt ist. Die Durchführung oder
Verhinderung von Reparaturarbeiten an einem Gebäude kennzeichnet typischerweise auch
die vorzunehmende Zurechnung der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
(VwGH 5.8.1993, 93/14/0031). Für die Zurechnung von Einkünften (aus der Vermietung
einer Liegenschaft) ist es entscheidend, ob das Zurechnungssubjekt über die Einkunftsquelle
verfügt, also wirtschaftlich über diese disponieren und so die Art ihrer Nutzung bestimmen
kann. In Zweifelsfällen ist darauf abzustellen, wer über die dem Tatbestand entsprechende
Leistung verfügen kann, daher vor allem die Möglichkeit besitzt, Marktchancen zu nutzen
oder die Leistung zu verweigern (vgl. VwGH 29.11.1994, 93/14/0150). Bei der Zurechnung
von Einkünften kommt es dabei auf die wirtschaftliche Dispositionsbefugnis über die
Einkünfte und nicht auf eine allenfalls nach § 24 BAO zu lösende Zurechnung von
Wirtschaftsgütern an (VwGH 26.9.2000, 98/13/0070, VwGH 19.11.1998, 97/15/0001).
107
Bei Verpachtung eines Betriebes sind die Einkünfte dem Pächter zuzurechnen. Bei freiwilliger
wie auch zwangsweiser Abtretung der Einkünfte an einen Dritten bleibt der ursprüngliche

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Bezieher einkommensteuerpflichtig (VwGH 20.7.1999, 93/13/0178, betreffend Einkünfte aus
der Duldung der Automatenaufstellung, die der Ehefrau zugute kamen). So etwa bleibt bei
Lohnpfändung der Arbeitnehmer steuerpflichtig oder sind die Einkünfte eines insolventen
Unternehmens dem Gemeinschuldner (VwGH 29.9.1976, 1387/76) zuzurechnen. Überträgt
der Sportler nicht die Verwertungsrechte an seinem Namen, sondern tritt er gegen Entgelt
die Einnahmen aus den Werbeverträgen ab, dann sind diese Einnahmen (zunächst) weiterhin
ihm zuzurechnen (VwGH 23.1.1996, 95/14/0139).
108
Einkünfte aus einem Nachlassvermögen sind ab dem Todestag dem oder den Erben
(allenfalls im Verhältnis der Erbquoten) zuzurechnen, wobei anderweitige Vereinbarungen
steuerrechtlich anerkannt werden können (VwGH 11. 12. 1990, 90/14/0079;
VwGH 20.4.2004, 2003/13/0160).
Da der ruhende Nachlass einkommensteuerrechtlich nicht als Empfänger von Einkünften in
Frage kommt, sondern die Einkünfte unmittelbar dem Erben zugerechnet werden, bedeutet
dies, dass die zeitliche Zuordnung von Einnahmen und Ausgaben gemäß § 19 EStG 1988
beim Erben als dem Abgabepflichtigen so erfolgt, als ob die für die zeitliche Zuordnung
maßgeblichen Sachverhaltselemente bei ihm selbst und nicht beim ruhenden Nachlass
verwirklicht worden wären. Die vom ruhenden Nachlass erwirtschafteten Überschüsse
werden auch in zeitlicher Hinsicht unmittelbar beim Erben erfasst und bei diesem der
Einkommensteuer unterworfen (VwGH 29.6.2005, 2002/14/0146).
109
In den Fällen der unentgeltlichen Übertragung der Einkunftsquelle gilt Folgendes:
. Im Rahmen einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermittelte Einkünfte bzw.
außerbetriebliche Einkünfte, die noch vom Erblasser (Rechtsvorgänger) erwirtschaftet
worden sind, aber erst nach seinem Tod (der Übertragung der Einkunftsquelle) zufließen,
sind nach dem Zuflussprinzip dem/den Erben (dem/den Rechtsnachfolger/n)
zuzurechnen. Es bestehen aber keine Bedenken, die Einkünfte zeitanteilig zuzuordnen.
. Bei Gewinnermittlung nach §§ 4 Abs. 1 und 5 EStG 1988 ist grundsätzlich zum Ablauf des
Todestages (Übergabetages) eine Schlussbilanz aufzustellen. Erfolgt dies nicht, bestehen
keine Bedenken, anstelle der Aufstellung einer Bilanz zum Todeszeitpunkt
(Übergabezeitpunkt) die Einkünfte auf den Erblasser (Rechtsvorgänger) und die Erben
(Rechtsnachfolger) zeitanteilig zuzuordnen.

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. In den Fällen der Voll- oder Teilpauschalierung bestehen keine Bedenken, die Einkünfte
zwischen Übergeber und Übernehmer zeitanteilig zuzuordnen; zur Land- und
Forstwirtschaft siehe Rz 5154.
110
Der ruhende Nachlass wird nur dann als Körperschaftsteuersubjekt angesehen, wenn keine
Erben vorhanden sind oder diese die Erbschaft ausschlagen (vgl. VwGH 13.3.1997,
96/15/0102; VwGH 26.5.1998, 93/14/0191).
Zur Aufteilung der Einkünfte bei ehelicher Gütergemeinschaft siehe Rz 1224.
2.3.2 Fruchtgenuss
2.3.2.1 Allgemeines
111
Einkünfte aus einem Fruchtgenuss iSd ABGB sind dem Fruchtgenussberechtigten als eigene
Einkünfte zuzurechnen (VwGH 25.6.1969, 1430/68), wenn er auf die Einkünfteerzielung
Einfluss nimmt, indem er am Wirtschaftsleben teilnimmt und die Nutzungsmöglichkeiten nach
eigenen Intentionen gestaltet (VwGH 4.3.1986, 85/14/0133). Dazu gehört, dass der
Fruchtgenussberechtigte die Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gegenstand des
Fruchtgenusses trägt (insbesondere Erhaltungsaufwand, Abgaben und Zinsen). Dem
Fruchtgenussberechtigten bleibt daher nur der Nettoertrag (Einnahmen abzüglich
Aufwendungen). Außerdem muss der Fruchtgenuss für eine gewisse Dauer bei rechtlich
abgesicherter Position bestellt sein. Ein Zeitraum von 10 Jahren kann üblicherweise als
ausreichend angesehen werden.
Die Zurechnung der Einkünfte muss nicht mit der Zurechnung der zur Einkunftserzielung
eingesetzten Wirtschaftsgüter zusammenfallen. Die Eigentumsverhältnisse an einem
Wirtschaftsgut allein sagen noch nichts darüber aus, wem die Einkünfte zuzurechnen sind
(VwGH 14.6.1972, 0770/70, betreffend Zimmervermietung durch einen Ehegatten im
Gebäude, das im Eigentum des anderen Ehegatten steht). AfA kann aber im Allgemeinen nur
der wirtschaftliche Eigentümer, somit im Falle eines Fruchtgenusses regelmäßig nur der
Fruchtgenussbesteller, geltend machen, sofern bei ihm überhaupt eine Einkunftsquelle
anzunehmen ist (VwGH 6.11.1991, 91/13/0074).
112
Leistet im Falle des Vorbehaltsfruchtgenusses (siehe Rz 114 f) der Fruchtnießer dem
Fruchtgenussbesteller eine Zahlung für Substanzabgeltung in Höhe der bisher geltend
gemachten AfA, dann ist diese Zahlung beim Fruchtnießer abzugsfähig. Der

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Fruchtgenussbesteller wiederum erzielt eine Einnahme in dieser Höhe, der die AfA als
Ausgabe gegenübersteht.
113
Eine Feststellung der Einkünfte gemäß § 188 BAO ist vorzunehmen, wenn an den Einkünften
mehrere Personen beteiligt sind (vgl. VwGH 27.10.1976, 0491/76 betreffend Fruchtgenuss
an einem Miteigentumsanteil). Besteht der Fruchtgenuss am ganzen Betrieb, Mietobjekt oder
sonstigen Vermögen, dann ist mangels gemeinsamer Einkunftserzielung eine Feststellung der
Einkünfte von Fruchtnießer und Eigentümer idR nicht durchzuführen. Die sich beim
wirtschaftlichen Eigentümer infolge Geltendmachung der AfA ergebenden negativen
Einkünfte sind idR nicht ausgleichsfähig (vgl. Rz 102 f).
2.3.2.2 Vorbehaltsfruchtgenuss
114
Die unentgeltliche Übereignung eines Betriebes, eines Mietobjektes oder sonstigen
Vermögens unter gleichzeitiger Zurückbehaltung des Fruchtgenussrechtes
(Vorbehaltsfruchtgenuss) hat idR keine Änderung in der bisherigen Zurechnung der
Einkünfte zur Folge (VwGH 3.12.1965, 2276/64; VwGH 14.9.1972, 0054/72; etwa bei
unentgeltlicher Übertragung landwirtschaftlichen Vermögens unter Zurückbehaltung des
Fruchtgenussrechtes; VwGH 25.6.1969, 1430/68, betreffend unentgeltliche Übertragung
eines Anteiles an einer Personengesellschaft unter Vorbehalt des Fruchtgenussrechtes).
Voraussetzung der Einkünftezurechnung an den Fruchtnießer ist, dass diesem die Disposition
über die Einkünfte möglich ist (vgl. Rz 118).
114a
Bei entgeltlicher Übertragung eines Wirtschaftsgutes unter Vorbehalt des Nutzungsrechtes
wird das um den Wert des Nutzungsrechtes verminderte Wirtschaftsgut übertragen (so
genannte Nettomethode). Der Vorgang kann nicht in die Übertragung des unbelasteten
Wirtschaftsgutes einerseits und die entgeltliche Einräumung eines Nutzungsrechtes durch
den neuen Eigentümer andererseits zerlegt werden (so genannte Bruttomethode).
115
Verbleiben dem Fruchtnießer die Bruttoeinnahmen und trägt der Fruchtgenussbesteller die
mit der Fruchtgenusssache verbundenen Aufwendungen (Bruttofruchtgenuss), dann ist der
Fruchtnießer nicht unternehmerisch tätig. Es liegt bloß eine Verfügung über Einnahmen vor,
die dem Fruchtgenussbesteller zuzurechnen sind. Bei Übereignung eines Vermögens unter
Zurückbehaltung des lebenslänglichen Bruttofruchtgenusses sind die Einkünfte daher dem
neuen Eigentümer zuzurechnen. Auf die geleisteten bzw. erhaltenen Bruttoerträge sind idR
die Grundsätze über die Behandlung von Unterhaltsrenten anzuwenden (Rz 7047 ff).

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115a
Fassung bis zur Veranlagung 2007:
Wird das Fruchtgenussrecht veräußert oder vom Eigentümer abgelöst, ergeben sich
Steuerfolgen aus diesbezüglichen Erlösen nur bei den betrieblichen Einkunftsarten. Bei
außerbetrieblichen Einkünften unterliegt die Entschädigung - ausgenommen zB bei
Spekulation - nicht der Einkommensteuer (VwGH 16.9.1986, 83/14/0123, VwGH 10.2.1987,
86/14/0125).
Fassung ab Veranlagung 2008:
Wird das Fruchtgenussrecht veräußert, ergeben sich Steuerfolgen aus diesbezüglichen
Erlösen nur bei den betrieblichen Einkunftsarten. Bei außerbetrieblichen Einkünften unterliegt
die Entschädigung - ausgenommen zB bei Spekulation - nicht der Einkommensteuer (VwGH
16.9.1986, 83/14/0123, VwGH 10.2.1987, 86/14/0125). Dies gilt auch dann, wenn das
Fruchtgenussrecht vom Eigentümer abgelöst wird, es sei denn, die Übertragung des
Wirtschaftsgutes und die Ablöse des Fruchtgenusses sind in wirtschaftlicher
Betrachtungsweise ein einheitlicher Übertragungsvorgang.
Ein einheitlicher Vorgang liegt insbesondere dann vor, wenn
. ein privates Wirtschaftsgut (zB eine Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft) unter
Vorbehalt des Fruchtgenussrechtes übertragen wird und
. nach dem 31. Mai 2008 das vorbehaltene Fruchtgenussrecht vom Erwerber des
Wirtschaftsgutes abgelöst wird und
. diese Ablösezahlung innerhalb von zehn Jahren nach Übertragung des Wirtschaftsgutes
erfolgt.
Bei der Beurteilung, ob ein einheitlicher Vorgang vorliegt, ist auf die Angehörigenjudikatur
(vgl. Rz 1127 ff) Bedacht zu nehmen.
Der einheitliche Vorgang stellt eine Veräußerung dar, wenn der Betrag für die Ablöse des
Fruchtgenussrechtes und ein allfälliges Entgelt für das übertragene Wirtschaftsgut insgesamt
mehr als 50% des gemeinen Wertes des nicht um den Fruchtgenuss verminderten
übertragenen Wirtschaftsgutes zum Zeitpunkt der Ablöse des Fruchtgenussrechtes beträgt.
Bei einer zum Zeitpunkt der Übertragung bestehenden mindestens 1-prozentigen Beteiligung
an einer Kapitalgesellschaft liegt eine Beteiligungsveräußerung nach § 31 EStG 1988 vor.
Betragen die Ablöse des Fruchtgenussrechtes und das allfällige Entgelt für das übertragene
Wirtschaftsgut insgesamt nicht mehr als 50% des gemeinen Wertes, liegt eine unentgeltliche
Übertragung vor.

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2.3.2.3 Zuwendungsfruchtgenuss
116
Die Einkünfte aus einem durch letztwillige Verfügung eingeräumten Fruchtgenuss sind
grundsätzlich dem Fruchtnießer zuzurechnen. Ein testamentarischer Fruchtnießer einer
Liegenschaft ist idR nicht wirtschaftlicher Eigentümer (VwGH 28.11.2002, 2001/13/0257).
Hat der Erbe die mit der Fruchtgenusssache verbundenen Aufwendungen zu tragen, sodass
dem Fruchtnießer die Bruttoerträge verbleiben (Bruttofruchtgenuss), dann sind die Einkünfte
nicht dem Fruchtnießer, sondern dem Erben zuzurechnen (VwGH 18.12.1964, 0439/64). Die
vom Erben aus dem Rechtsgrund der Annahme der Erbschaft an den Fruchtnießer
geleisteten Bruttoerträge stellen beim Erben sofort Sonderausgaben gemäß § 18 Abs. 1 Z 1
EStG 1988 und gleichzeitig beim Berechtigten sonstige Einkünfte gemäß § 29 Z 1 EStG 1988
dar (vgl. Rz 6602 ff).
117
Bei unentgeltlicher Fruchtgenussbestellung unter Lebenden sowie gegenüber
unterhaltsberechtigten Personen ohne gleichzeitige Übereignung der dienstbaren Sache
(Zuwendungsfruchtgenuss) sind die Einkünfte dem Fruchtnießer zuzurechnen, wenn er
unternehmerisch tätig wird, dh. auf die Einkünfteerzielung Einfluss nimmt und
Aufwendungen trägt. Das Nutzungsrecht muss für eine gewisse Dauer bei rechtlich
abgesicherter Position des Berechtigten bestellt sein. Der Fruchtgenuss ist dem Fruchtnießer
auch dann zuzurechnen, wenn er in Erfüllung einer gesetzlichen Unterhaltspflicht eingeräumt
wird (VwGH 4.3.1986, 85/14/0133). Hingegen sind die Einkünfte im Zusammenhang mit
einem Fruchtgenuss dem Besteller zuzurechnen, wenn in der Einräumung die Weitergabe
von Einkommensteilen bzw. die Überlassung erzielter Einkünfte iSd § 20
Abs. 1 Z 4 EStG 1988 zu erblicken ist (VwGH 27.10.1961, 0802/61; VwGH 28.4.1982,
3251/80); dies wird bei Zuwendung des Bruttofruchtgenusses idR der Fall sein, sodass die
Bruttobeträge beim Empfänger nicht einkommensteuerpflichtig (auch nicht nach
§ 29 Z 1 EStG 1988) und beim Geber nicht abzugsfähig sind (auch nicht nach § 18
Abs. 1 Z 1 EStG 1988).
118
Die Zurechnung eines Fruchtgenusses bei Einkünften aus Kapitalvermögen beim
Fruchtnießer setzt voraus, dass diesem die Disposition über die Einkünfteerzielung überhaupt
möglich und auch überlassen ist (etwa bei Dividenden, nicht hingegen zB bei Spareinlagen).
Bei unentgeltlicher Bestellung des Fruchtgenusses an einem bereits angelegten Kapital
(§ 510 ABGB) sind die Einkünfte grundsätzlich daher weiterhin dem Fruchtgenussbesteller

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zuzurechnen (Überlassung künftiger Einkünfte, vgl. VwGH 12.2.1965, 1767/64;
VwGH 19.2.1992, 91/14/0216).
119
Wird das Fruchtgenussrecht veräußert oder vom Eigentümer abgelöst, ergeben sich
Steuerfolgen aus diesbezüglichen Erlösen nur bei den betrieblichen Einkunftsarten. Bei
außerbetrieblichen Einkünften unterliegt die Entschädigung - ausgenommen zB bei
Spekulation - nicht der Einkommensteuer (VwGH 16.9.1986, 83/14/0123, VwGH 10.2.1987,
86/14/0125).
2.3.2.4 Fruchtgenuss zwischen nahen Angehörigen
120
Bei der Beurteilung der Fruchtgenussbestellung zwischen nahen Angehörigen sind die von
der Rechtsprechung zu den Verträgen zwischen nahen Angehörigen entwickelten Kriterien zu
beachten (VwGH 18.12.1978, 2790/77); siehe Rz 1127 ff, zur Gütergemeinschaft im
Besonderen Rz 1224.
2.4 Persönliche Zurechnung der Wirtschaftsgüter
2.4.1 Allgemeines
121
Wirtschaftsgüter, die zum Zweck der Sicherung übereignet worden sind, werden demjenigen
zugerechnet, der die Sicherung einräumt (Sicherungsgeber, § 24 Abs. 1 lit. a BAO).
Wirtschaftsgüter, die zu treuen Handen übereignet oder für einen Treugeber erworben
worden sind, werden dem Treugeber zugerechnet (§ 24 Abs. 1 lit. b und c BAO).
Wirtschaftsgüter, über die jemand die Herrschaft gleich einem Eigentümer ausübt, werden
diesem zugerechnet (§ 24 Abs. 1 lit. d BAO).
122
IdR ist dem zivilrechtlichen Eigentümer dieses Wirtschaftsgut auch steuerlich zuzurechnen.
Ein Auseinanderfallen von zivilrechtlichem und wirtschaftlichem Eigentum ist dann
anzunehmen, wenn ein anderer als der zivilrechtliche Eigentümer die positiven Befugnisse,
die Ausdruck des zivilrechtlichen Eigentums sind, nämlich Gebrauch, Verbrauch,
Veränderung, Belastung, Veräußerung, auszuüben in der Lage ist, und wenn er zugleich den
negativen Inhalt des Eigentumsrechts, nämlich den Ausschluss Dritter von der Einwirkung
auf die Sache, auch gegenüber dem Eigentümer auf Dauer, dh. auf die Dauer der
voraussichtlichen wirtschaftlichen Nutzung, geltend machen kann (VwGH 24.11.1982,
81/13/0021).

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2.4.2 Einzelheiten zum wirtschaftlichen Eigentum
123
Bloße Verwaltungs- und Nutzungsrechte bewirken noch nicht, dass der zivilrechtliche
Eigentümer sein wirtschaftliches Eigentum an der mit Nutzungsrechten belasteten Sache
verliert. Dem zivilrechtlichen Eigentümer ist aber eine Sache dann steuerlich nicht
zuzurechnen, wenn besondere Umstände hinzukommen, die es dem Nutzungsberechtigten
ermöglichen, mit der Sache wie ein Eigentümer zu schalten und zu walten (VwGH 29.6.1982,
81/14/0093; VwGH 29.6.1982, 82/14/0054).
124
Fassung für Übertragungsvorgänge bis 31. Dezember 2007:
Bei unentgeltlicher Übereignung einer Liegenschaft unter lebenslänglicher Zurückbehaltung
des Nutzungsrechtes mit Veräußerungs-, Belastungs- und Bauverbot zu Gunsten des
Fruchtnießers erfolgt die Zurechnung beim Fruchtnießer (VwGH 7.5.1969, 1814/68; VwGH
14.9.1972, 0054/72); ein Hotel etwa ist den Fruchtgenussberechtigten zuzurechnen, wenn
diese den Kauf finanzieren, die Hoteleinrichtung erwerben und das Hotel selbst
bewirtschaften (VwGH 17.9.1996, 92/14/0054).
Fassung für Übertragungsvorgänge ab 1. Jänner 2008:
Bei unentgeltlicher Übereignung eines Gebäudes unter lebenslänglicher Zurückbehaltung des
Nutzungsrechtes mit Veräußerungs-, Belastungs- und Bauverbot zu Gunsten des
Fruchtnießers kann die Zurechnung beim Fruchtnießer erfolgen. Die Einräumung und
Verbücherung eines Veräußerungs- und Belastungsverbotes zugunsten des
Fruchtgenussberechtigten kann aber alleine kein wirtschaftliches Eigentum des Fruchtnießers
begründen, es handelt sich um ein Indiz und es sind stets die Gesamtumstände zu
berücksichtigen (VwGH 28.11.2007, 2007/14/0021). Ein Hotelgebäude etwa ist den
Fruchtgenussberechtigten zuzurechnen, wenn diese den Kauf finanzieren, die
Hoteleinrichtung erwerben und das Hotel selbst bewirtschaften (VwGH 17.9.1996,
92/14/0054).
In Anbetracht der zeitlich praktisch unbegrenzten Nutzungsdauer eines Grundstückes (Grund
und Boden) können auf Lebenszeit eingeräumte Rechte (zB Vorkaufsrecht,
Fruchtgenussrecht) kein wirtschaftliches Eigentum am Grund und Boden vermitteln; für die
Frage des wirtschaftlichen Eigentums kommt insbesondere dem Umstand, wer die Chance
von Wertsteigerungen bzw. das Risiko von Wertminderungen trägt, besonderes Gewicht zu
(VwGH 12.12.2007, 2006/15/0123).
125

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Ein Nutzungsrecht an einem GmbH-Anteil auf unbestimmte Zeit mit Veräußerungs- und
Belastungsverbot sowie Ausübung des Stimmrechts zu Gunsten des Nutzungsberechtigten
wird diesem zugerechnet (VwGH 11.11.1975, 0434/75; VwGH 26.6.1984, 83/14/0258).
126
Gebäude auf fremdem Grund und Boden (VwGH 13.9.1973, 0495/72) und Mieter-(Pächter-)
investitionen (VwGH 4.2.1976, 1338/75; VwGH 17.5.1977, 1934/76; VwGH 19.3.2002,
99/14/0286) werden den Nutzungsberechtigten zugerechnet, es sei denn, das Gebäude bzw.
die Investition gehen auf Grund der tatsächlichen und rechtlichen Gestaltung in das
wirtschaftliche Eigentum des Liegenschaftseigentümers über (VwGH 25.2.1970, 1794/68).
127
Ein Miet- oder Pachtverhältnis begründet im Allgemeinen selbst dann nicht wirtschaftliches
Eigentum des Mieters (Pächters), wenn dieser die Gefahr der Verschlechterung und
Ersatzbeschaffung trägt. Dieser Gesichtspunkt könnte allenfalls von Bedeutung sein, wenn
zwischen Vermieter (Verpächter) und Mieter (Pächter) ein angemessener von vornherein
festgesetzter Preis für den künftig vorgesehenen Verkauf vereinbart wird, den der Mieter
(Pächter) auch bei allfälliger Wertminderung entrichten muss (vgl. VwGH 25.9.1984,
81/14/0167).
128
Wirtschaftlicher Eigentümer abnutzbarer Gegenstände ist grundsätzlich derjenige, der auf
Dauer - das ist auf die Zeit der möglichen Nutzung - die tatsächliche Herrschaftsmacht
auszuüben in der Lage und imstande ist, andere von der Verfügungsgewalt und der Nutzung
auszuschließen (VwGH 16.3.1989, 88/14/0055).
129
Das Fehlen einer schriftlichen Treuhandvereinbarung und die jahrzehntelange
Nichtentlohnung des behaupteten Treuhandverhältnisses lassen die Annahme des
wirtschaftlichen Eigentums des angeblichen Treuhänders schlüssig erscheinen
(VwGH 24.6.1997, 95/14/0030).
130
Wer über Bankkonten und Wertpapierdepots eigentümerähnlich verfügt, dem sind diese
auch zuzurechnen (VwGH 26.5.1993, 90/13/0155).
131
Das im zivilrechtlichen Eigentum des einen Ehegatten stehende Gebäude(teil) ist insoweit
dem anderen zuzurechnen, als dieser auf eigene Kosten umfangreiche Investitionen
durchführt und fremdübliche Nutzungsvereinbarungen fehlen (VwGH 30.6.1976, 0622/75;

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VwGH 21.4.1971, 1804/69; VwGH 20.9.1983, 83/14/0007). Diese Zurechnung erstreckt sich
nicht auf den Grund und Boden.
132
Mit der Anschaffung eines Wirtschaftsgutes wird der Erwerber zumindest wirtschaftlicher
Eigentümer mit der Folge, dass das Wirtschaftsgut ihm und nicht dem Veräußerer
zuzurechnen ist. Der Erwerber einer Liegenschaft (zB einer Eigentumswohnung) wird noch
vor der Eintragung im Grundbuch mit der tatsächlichen Übergabe wirtschaftlicher Eigentümer
der Liegenschaft. Die dingliche Berechtigung muss somit nur noch durch ein einseitiges
Gestaltungsrecht erzwingbar sein (VwGH 9.6.1986, 84/15/0229).
133
Der Käufer einer Sache unter Eigentumsvorbehalt ist idR wirtschaftlicher Eigentümer
(VwGH 3.5.1983, 82/14/0243; VwGH 20.9.1988, 88/14/0105).
134
Für die Zurechnung von Wirtschaftsgütern bei Verträgen mit Elementen einer Anschaffung
und einer bloßen Nutzungsüberlassung ist entscheidend, ob die Merkmale eines
Anschaffungs-(Veräußerungs-)geschäftes oder einer bloßen Nutzungsüberlassung
überwiegen (VwGH 16.11.1954, 1512/52, betreffend Leibrentenvertrag im rechtlichen Kleide
eines Pachtvertrages; VwGH 20.10.1967, 0269/67, betreffend Verpachtung mit Kaufoption).
2.5 Leasing (§ 2 EStG 1988)
2.5.1 Allgemeines
135
Mit "Leasing" werden Verträge bezeichnet, die von den üblichen Mietverträgen des ABGB
("Operating-Leasing") bis zu verdeckten Ratenkaufverträgen reichen. Die Abgrenzungsfrage
stellt sich in erster Linie bei den Finanzierungs-Leasingverträgen. Diese ersetzen die
herkömmliche Form der Investitionsfinanzierung. Die Finanzierungs-Leasingverträge sind
entweder Vollamortisationsverträge (Full-Pay-Out-Leasing), dh. während der Mietdauer
(= Grundmietzeit) hat der Leasingnehmer für die Investitionskosten und einen Gewinn des
Leasinggebers aufzukommen, oder Teilamortisationsverträge (Non-Full-Pay-Out-Leasing oder
Restwertleasing), dh. während der Grundmietzeit hat der Leasingnehmer nicht die gesamten
Aufwendungen des Leasinggebers abzudecken.
Beim Sale-and-lease-back-Vertrag verkauft ein Steuerpflichtiger ein Anlagegut entweder
unmittelbar nach der Anschaffung (Herstellung) oder nach Nutzung zu einem späteren
Zeitpunkt und mietet es gleichzeitig vom Erwerber im Wege des Finanzierungsleasings
wieder zurück.

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Für die Finanzierungsleasingverträge ist weiters typisch die für beide Seiten grundsätzlich
unkündbare Grundmietzeit und die Verlagerung der Gefahr des zufälligen Unterganges und
der zufälligen Beschädigung des Gegenstandes auf den Leasingnehmer.
2.5.2 Zurechnung des Leasinggutes
136
Für die Lösung der Frage, ob Leasinggüter dem Leasinggeber oder dem Leasingnehmer
zuzurechnen sind, kommt es maßgebend darauf an, ob die entgeltliche Überlassung des
Leasinggutes an den Leasingnehmer gleich einer "echten" Vermietung als bloße
Nutzungsüberlassung zu sehen ist oder ob sich die Überlassung wirtschaftlich bereits als
Kauf (Ratenkauf) darstellt. Es geht letztlich darum, ob der Leasingnehmer mit der
Überlassung des Leasinggutes bereits dessen wirtschaftlicher Eigentümer iSd § 24
Abs. 1 lit. d BAO geworden ist (VwGH 17.8.1994, 91/15/0083, mit weiteren Hinweisen;
VwGH 17.2.1999, 97/14/0059). Hierzu ist die Vertragsgestaltung in wirtschaftlicher
Betrachtungsweise zu würdigen (VwGH 5.12.1972, 2391/71). Danach ist das Leasinggut idR
dem Leasinggeber zuzurechnen. Abweichend davon sind insbesondere in folgenden Fällen
die Leasinggüter von Anfang an dem Leasingnehmer zuzurechnen:
2.5.2.1 Vollamortisationsvertrag
137
Varianten:
1. Grundmietzeit und betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer stimmen annähernd überein.
Dies kann angenommen werden, wenn die Grundmietzeit mehr als 90% der
betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer beträgt.
2. Die Grundmietzeit beträgt weniger als 40% der betriebsgewöhnlichen
Nutzungsdauer.
3.1 Für Vertragsabschlüsse bis 30.4.2007: Der Leasingnehmer hat bei einer
Grundmietzeit von mindestens 40% und höchstens 90% der betriebsgewöhnlichen
Nutzungsdauer nach Ablauf der Grundmietzeit das vertraglich vereinbarte
Optionsrecht, gegen Leistung eines wirtschaftlich nicht ausschlaggebenden Betrages
den Gegenstand zu erwerben oder den Leasingvertrag zu verlängern (siehe Rz 3223).
Da bei Vorliegen eines solchen Optionsrechtes das Leasinggut dem Leasingnehmer
zuzurechnen ist, hat bei diesem eine Aktivierung des Optionsrechtes zu unterbleiben.
3.2 Für Vertragsabschlüsse ab 1.5.2007: Der Leasingnehmer hat bei einer Grundmietzeit
von mindestens 40% und höchstens 90% der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer

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nach Ablauf der Grundmietzeit das vertraglich vereinbarte Optionsrecht, gegen
Leistung eines wirtschaftlich nicht angemessenen Betrages den Gegenstand zu
erwerben oder den Leasingvertrag zu verlängern (siehe Rz 3223). Da bei Vorliegen
eines solchen Optionsrechtes das Leasinggut dem Leasingnehmer zuzurechnen ist,
hat bei diesem eine Aktivierung des Optionsrechtes zu unterbleiben.
4. Das Leasinggut ist speziell auf die individuellen Bedürfnisse des Leasingnehmers
zugeschnitten und kann nach Ablauf der Vertragsdauer nur noch bei diesem eine
wirtschaftlich sinnvolle Verwendung finden (Spezialleasing). Eine nur beim
Leasingnehmer wirtschaftlich sinnvolle Verwendung kann angenommen werden,
wenn die Verwertung oder Nutzung des Leasinggegenstandes aus tatsächlichen oder
rechtlichen Gründen nur dem Leasingnehmer möglich ist.
138
Liegt Spezialleasing vor, dann sind das Verhältnis der Mietdauer zur betriebsgewöhnlichen
Nutzungsdauer sowie eine Kauf- oder Mietverlängerungsoption für die Zurechnung
unerheblich.
139
Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer richtet sich nach den Verhältnissen beim
Leasingnehmer. Bei gesetzlich vorgegebenen betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauern
(§ 8 EStG 1988) sind diese heranzuziehen, da sie auf allgemeinen der betriebsgewöhnlichen
Nutzungsdauer des § 7 EStG 1988 entsprechenden Erfahrungssätzen beruhen. Wird im Zuge
von abgabenbehördlichen Prüfungen die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer neu ermittelt,
so bleibt für die Zurechnung weiterhin die ursprünglich angenommene Nutzungsdauer
bestehen, es sei denn, sie wurde willkürlich festgelegt.
140
Geleaste nichtabnutzbare bewegliche Gegenstände, wie zB Kunstgegenstände, sind von
Anfang an dem Leasingnehmer zuzurechnen, wenn die Vertragsgestaltung mehr für eine
Anschaffung (Veräußerung) als für eine bloße Gebrauchsüberlassung spricht. Dies ist unter
anderem immer dann der Fall, wenn die Leasingrate im Wesentlichen nicht bloß
Finanzierungskosten enthält.
2.5.2.2 Teilamortisationsvertrag
141
Beim Teilamortisationsvertrag (Restwertleasing) werden innerhalb der Grundmietzeit nicht
die Gesamtkosten des Leasinggebers amortisiert; der kalkulierte Restwert (die

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Restamortisation) ist der während der Grundmietzeit nicht amortisierte Teil der
Gesamtkosten des Leasinggebers. Bei einem Teilamortisationsvertrag sind die Leasinggüter
insbesondere in folgenden Fällen dem Leasingnehmer von Anfang an zuzurechnen (VwGH
17.10.1989, 88/14/0189; VwGH 21.10.1993, 92/15/0085; VwGH 28.5.2002, 99/14/0109):
1. Grundmietzeit und betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer stimmen annähernd überein
(siehe Rz 137).
2. Der Leasingnehmer hat sowohl das Risiko der Wertminderung als auch die Chance
der Wertsteigerung; dies kann ua. angenommen werden, wenn bei Veräußerung des
Leasinggegenstandes der Leasingnehmer einerseits für die Differenz zwischen
Restwert und niedrigerem Veräußerungserlös aufzukommen hat und andererseits
mehr als 75% des den Restwert übersteigenden Teiles des Veräußerungserlöses
erhält.
3.1 Für Vertragsabschlüsse bis 30.4.2007: Im Falle einer Kaufoption des Leasingnehmers
zum Restwert, wenn dieser erheblich niedriger ist als der voraussichtliche
Verkehrswert (siehe Rz 3225).
3.2 Für Vertragsabschlüsse ab 1.5.2007: Im Falle einer Kaufoption des Leasingnehmers
zum Restwert, wenn dieser niedriger ist als der voraussichtliche Verkehrswert (siehe
Rz 3225).
4. Spezialleasing (siehe Rz 138).
2.5.2.3 Finanzierungsleasing von unbeweglichen Wirtschaftsgütern
142
Beim Finanzierungsleasing von unbeweglichen Wirtschaftsgütern sind Gebäude und Grund
und Boden jeweils getrennt zu beurteilen. Bei der Zurechnung des Gebäudes ist iSd in den
vorstehenden Absätzen angeführten Kriterien vorzugehen.
143
Der Grund und Boden ist grundsätzlich dem zivilrechtlichen Eigentümer zuzurechnen. Nicht
im zivilrechtlichen Eigentum des Leasingnehmers stehender Grund und Boden wird dann von
Anfang an dem Leasingnehmer zuzurechnen sein, wenn für Grund und Boden eine
Kaufoption besteht und bereits das Gebäude dem Leasingnehmer zugerechnet wird.
144

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Wird das Gebäude vom Leasinggeber auf dem im zivilrechtlichen und wirtschaftlichen
Eigentum des Leasingnehmers stehenden Grund und Boden errichtet und diesem im Wege
des Finanzierungsleasing überlassen, so kann das Gebäude dem Leasinggeber zugerechnet
werden, wenn neben den übrigen Zurechnungskriterien folgende Voraussetzungen vorliegen:
. Es liegt kein Vollamortisationsvertrag bzw. nicht Spezialleasing vor.
. Die vertragliche Nutzungsvereinbarung über Grund und Boden ist erheblich länger als die
Grundmietzeit des Teilamortisationsvertrages (im Falle des Vollamortisationsvertrages ist
das Gebäude dem Leasingnehmer zuzurechnen) und
. Der Leasinggeber ist zivilrechtlich in der Lage, das Gebäude nach Ablauf der Mietdauer
gegebenenfalls ohne weiteres an eine vom Leasingnehmer verschiedene Person zu
vermieten oder zu verkaufen.
2.5.2.4 Steuerliche Würdigung von Vorleistungen
145
Vorleistungen des Leasingnehmers, wie eine erhöhte erste Leasingrate oder ein
Einmalbetrag, der während der Grundmietzeit mit den Leasingraten verrechnet wird, ändern
idR an der Zurechnung zum Leasinggeber nichts, wenn die Vorleistungen 30% der
Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Leasinggutes nicht übersteigen.
Bei Übersteigen dieser Grenze kann das Gesamtbild der Verhältnisse wirtschaftliches
Eigentum des Leasingnehmers von Anfang an anzeigen, insbesondere, wenn ein Gebäude
auf dem Grund und Boden des Leasingnehmers errichtet wird.
146
Für Vertragsabschlüsse bis 30.4.2007:
Das Leasinggut ist jedenfalls dem Leasingnehmer zuzurechnen, wenn er während der
Grundmietzeit - neben den laufenden Leasingraten - zusätzliche Leistungen von insgesamt
mehr als 75% der Herstellungskosten (ohne USt) erbringt.
Für Vertragsabschlüsse ab 1.5.2007:
Das Leasinggut ist jedenfalls dem Leasingnehmer zuzurechnen, wenn er während der
Grundmietzeit - neben den laufenden Leasingraten - zusätzliche Leistungen von insgesamt
mehr als 50% der Herstellungskosten (ohne USt) erbringt.
Zu den zusätzlichen Leistungen zählen Mietvorauszahlungen bis zu 30% der
Herstellungskosten, Kautionen (Einmalkaution oder laufende Kautionszahlungen), Darlehen
sowie andere Zahlungen in welcher Bezeichnung auch immer. Zu den zusätzlichen
Leistungen gehört weiters eine von einem Bundesland an die Gemeinde gewährte und von

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dieser als Leasingnehmer an den Leasinggeber weitergegebene Subvention (vgl. VwGH
17.8.94, 91/15/0083). Gleiches gilt in Fällen, in denen die dem Leasingnehmer gewährte
Subvention vom Subventionsgeber direkt an den Leasinggeber geleistet wird. Hat der
Leasinggeber Anspruch auf steuerfreie Subventionen, sind die gekürzten Herstellungskosten
maßgebend.
2.5.2.5 Sale and lease back
147
Beim Sale and lease back-Vertrag ist das Wirtschaftsgut insbesondere dann dem Verkäufer
und Leasingnehmer zuzurechnen, wenn einer der folgenden Fälle vorliegt:
. In den Zurechnungsfällen der Rz 137 ff: Bei bereits genutzten Wirtschaftsgütern ist zur
Berechnung des Prozentsatzes die neu zu ermittelnde Restnutzungsdauer der
Grundmietzeit gegenüberzustellen.
. Der Kaufpreis weicht erheblich vom gemeinen Wert des Wirtschaftsgutes ab
(VwGH 12.8.1994, 90/14/0145).
. Es liegt ein Missbrauch gemäß § 22 BAO vor (vgl. VwGH 4.10.1983, 82/14/0317;
VwGH 24.3.1983, 2721/79). Sale-and-lease-back-Verträge sind übliche
Vertragsgestaltungen und daher für sich noch nicht missbrauchsverdächtig
(VwGH 16.12.1998, 93/13/0257). Wird jedoch eine Gestaltung mit unüblichen
Vertragsbedingungen in Form einer Sale-and-lease-back-Konstruktion gewählt, um
Steuervorteile zu lukrieren (etwa wegen des Aktivierungsverbotes für unkörperliche
Wirtschaftsgüter), liegt Missbrauch vor.
Wird beim Sale-and-lease-back wie in den beispielhaft angeführten Fällen das Wirtschaftsgut
dem Verkäufer und Leasingnehmer zugerechnet, so sind der Verkauf und die Rückmiete
wirtschaftlich betrachtet ein Darlehensvertrag, zu dessen Sicherung das Wirtschaftsgut dem
Leasinggeber übereignet wird.
2.5.2.6 Steuerliche Auswirkungen der Zurechnung des Wirtschaftsgutes an den
Leasinggeber
148
Wird der Leasinggegenstand dem Leasinggeber zugerechnet, dann sind die Leasingraten bei
ihm Betriebseinnahmen und bei betrieblicher oder beruflicher Verwendung des Leasinggutes
beim Leasingnehmer Betriebsausgaben oder Werbungskosten. Ist das Leasinggut ein
Kraftfahrzeug, dann sind Leasingraten und laufende Betriebskosten unter Berücksichtigung
der Angemessenheitsgrenze (siehe Rz 4761 ff), eines allfällig auszuscheidenden
Privatanteiles (siehe Rz 1079 ff) sowie eines allfälligen Leasing-Aktivpostens (siehe Rz 3226

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ff) abzugsfähig. Die amtlichen Kilometergelder können dann an Stelle der tatsächlichen
Aufwendungen geltend gemacht werden, wenn das Fahrzeug nicht im Wege des
Finanzierungsleasing, sondern nur kurzfristig, das ist nicht länger als einen Monat, gemietet
wird. Beim Kautionsleasing (einer Form des Restwertleasing) hat der Leasingnehmer
zusätzlich Zahlungen an den Leasinggeber zu leisten. Kautionszahlungen mit
Rückzahlungsanspruch des Leasingnehmers sind beim Leasingnehmer als
Darlehensforderung zu aktivieren und beim Leasinggeber als Darlehensverbindlichkeit zu
passivieren.
2.5.2.7 Steuerliche Auswirkungen der Zurechnung des Wirtschaftsgutes an den
Leasingnehmer
149
Wird der Gegenstand dem Leasingnehmer zugerechnet, so hat dieser den Gegenstand mit
den Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu aktivieren. Als Anschaffungs- oder
Herstellungskosten können jene des Leasinggebers angesetzt werden. In gleicher Höhe ist
eine Verbindlichkeit an den Leasinggeber zu passivieren. Beim Leasinggeber tritt an die Stelle
der Anschaffungs- oder Herstellungskosten in gleicher Höhe die Kaufpreisforderung an den
Leasingnehmer. Die Leasingraten sind in einen für beide Vertragspartner sich ständig
erhöhenden erfolgsneutralen Tilgungsanteil und in einen entsprechend sich ständig
verringernden erfolgswirksamen Teil (Betriebsausgabe bzw. Werbungskosten beim
Leasingnehmer und Betriebseinnahme beim Leasinggeber) aufzuspalten; dabei kann die
Zinsstaffelmethode angewendet werden. Anschaffungs- oder Herstellungskosten des
Leasingnehmers, die nicht in den Leasingraten enthalten sind, wie zB Montagekosten, sind
vom Leasingnehmer zusätzlich zu aktivieren.
150
Wird beim Sale-and-lease-back das Wirtschaftsgut dem Verkäufer und Leasingnehmer
zugerechnet und ist damit von einem Darlehensvertrag auszugehen (siehe Rz 147), so hat
der Leasingnehmer den Rückzahlungsbetrag zu passivieren; der Unterschiedsbetrag zum
niedrigeren Verfügungsbetrag ist zu aktivieren und auf die Mietdauer degressiv verteilt
abzuschreiben. Entsprechend umgekehrt hat der Leasinggeber zu verfahren.
2.6 Verlustausgleich und Verlustausgleichsverbote
2.6.1 Horizontaler und vertikaler Verlustausgleich
151
Der Verlustausgleich ist Teil der Einkommensdefinition nach § 2 Abs. 2 EStG 1988
(Gesamtbetrag der Einkünfte nach Ausgleich mit Verlusten und nach Abzug von
Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen).

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Verluste sind negative Einkünfte und vermindern grundsätzlich die Bemessungsgrundlage.
Sofern sie außerhalb der Einkunftsarten (zB ein Spielverlust, Verlust von Privatvermögen)
oder im Rahmen einer Liebhaberei anfallen, sind sie einkommensteuerrechtlich unbeachtlich.
152
Unter horizontalem Verlustausgleich versteht man die Saldierung von positiven mit negativen
Einkünften innerhalb der jeweiligen Einkunftsart. Es ist zunächst ein innerbetrieblicher
Verlustausgleich für jeden einzelnen Betrieb vorzunehmen (zB laufender Verlust und
Veräußerungsgewinn). Es ist dem Steuerpflichtigen freigestellt, in welcher Reihenfolge er
den innerbetrieblichen Verlustausgleich vornimmt (VwGH 24.2.2004, 99/14/0250). Sodann
werden im Rahmen des horizontalen Verlustausgleiches die positiven und negativen
Einkünfte innerhalb der jeweiligen Einkunftsarten ausgeglichen.
153
Verbleibt nach Vornahme des horizontalen Verlustausgleiches bei einer Einkunftsart ein
Verlust, so ist dieser im Rahmen des vertikalen Verlustausgleichs mit den positiven
Ergebnissen anderer Einkunftsarten auszugleichen. Sind in einer Einkunftsart begünstigte
Einkünfte enthalten, erfolgt der vertikale Verlustausgleich zunächst mit Einkunftsarten ohne
begünstigte Einkünfte.
154
Ein horizontaler Verlustausgleich ist insbesondere auch bei Einkünften vorzunehmen, die
dem ermäßigten Steuersatz (§ 37 EStG 1988) unterliegen. Verluste reduzieren den dem
ermäßigten Steuersatz unterliegende Betrag (VwGH 22.3.1995, 95/15/0005), da die
begünstigt besteuerten Einkünfte nie höher sein können als die insgesamt aus der
betreffenden Einkunftsart erzielten Einkünfte (VwGH 6.11.1991, 90/13/0081).
155
Der Verlustausgleich wird durch allgemeine (§ 2 Abs. 2a EStG 1988) und besondere (im EStG
1988 verteilte) Bestimmungen ausgeschlossen oder eingeschränkt.
2.6.2 Allgemeine Verlustausgleichsverbote
2.6.2.1 Begriffsbestimmung
156
Gemäß § 2 Abs. 2a EStG 1988 besteht ein Verlustausgleichs- und Vortragsverbot
(§ 18 Abs. 6 und 7 EStG 1988) für negative Einkünfte erstens aus der Beteiligung an
Gesellschaften oder Gemeinschaften, wenn das Erzielen steuerlicher Vorteile im Vordergrund
steht (= beteiligungsbezogenes Verlustausgleichsverbot) sowie zweitens aus Betrieben,
deren Unternehmensschwerpunkt(e) im Verwalten unkörperlicher Wirtschaftsgüter oder in

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der gewerblichen Vermietung von Wirtschaftsgütern gelegen ist (= branchenbezogenes
Verlustausgleichsverbot).
157
Verluste aus solchen negativen Einkünften sind in den Folgejahren mit positiven Einkünften
frühestmöglich zu verrechnen. Eine zu Unrecht unterbliebene Verlustverrechnung kann nicht
in einem späteren Jahr nachgeholt werden (VwGH 21.1.2004, 2003/13/0093).
Bei der Verrechnung handelt es sich um einen nachgeholten Verlustausgleich, der zeitlich
und umfänglich vom Anfallen von Gewinnen (Überschüssen) abhängig ist. Sollte eine frühere
Verrechnung nicht möglich sein, ist sie im höchstmöglichen Ausmaß (= verbleibender
Verrechnungsverlust) mit dem letzten (Veräußerungs-)Gewinn (Überschuss) vorzunehmen;
soweit eine solche Verrechnung nicht möglich ist, sind verbleibende Verluste mit anderen
Einkünften zu verrechnen. Bei unentgeltlicher Übertragung einer Beteiligung sowie bei
Umgründungen nach dem Umgründungssteuergesetz gehen diese Verrechnungsfolgen bei
Buchwertfortführung auf den Rechtsnachfolger über.
157a
Ab dem Veranlagungsjahr 2001 wird die Verlustverrechnung durch die Regelung des § 2
Abs. 2b Z 1 EStG 1988 eingeschränkt, und zwar durch eine Verrechnungsgrenze von
grundsätzlich 75%. Diese Einschränkung bezieht sich nur auf Wartetastenverluste im Sinne
des § 2 Abs. 2a EStG 1988 sowie § 10 Abs. 8 EStG 1988, nicht hingegen auf andere
Sonderverluste (Siebentelverluste nach § 4 Abs. 10 Z 1 EStG 1988, Siebentelverluste nach
§ 12 Abs. 3 Z 2 KStG 1988, Wartetastenverluste nach § 23a EStG 1972).
Die Verrechnungsgrenze leitet sich von der Höhe der positiven Einkünfte ab, mit denen die
Verrechnung vorzunehmen ist. Die Verrechnungsgrenze kommt daher nur dann zur Wirkung,
wenn der verrechenbare Verlust mehr als die Verrechnungsgrenze (grundsätzlich 75% der
positiven Einkünfte des betreffenden Betriebes oder der betreffenden außerbetrieblichen
Einkunftsquelle) ausmacht.
Beispiel 1:
Es ist ein verrechenbarer Verlust von 500.000 S vorhanden. Die positiven Einkünfte aus
der Einkunftsquelle betragen im Jahr 2001 600.000 S. Es sind 75% von 600.000 S zu
ermitteln. Die Verrechnungsgrenze beträgt daher 450.000 S. Der verrechenbare Verlust
kommt daher nur mit einem Betrag von 450.000 S zu Verrechnung.
Beispiel 2:
Es ist ein verrechenbarer Verlust von 500.000 S vorhanden. Die positiven Einkünfte aus
der Einkunftsquelle betragen im Jahr 2001 900.000 S. Es sind 75% von 900.000 S zu
ermitteln. Die Verrechnungsgrenze beträgt somit 675.000 S. Der verrechenbare Verlust
kommt daher mit dem gesamten Betrag von 500.000 S zur Verrechnung.

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157b
Gemäß § 2 Abs. 2b Z 3 EStG 1988 in der ab 2006 anzuwendenden Fassung ist die
Verrechnungsgrenze insoweit nicht anzuwenden, als in den positiven Einkünften enthalten
sind:
1. Gewinne aus einem Schulderlass gemäß § 36 Abs. 2 EStG 1988 (gerichtlicher Ausgleich,
Zwangsausgleich, Erfüllung eines Zahlungsplanes oder Erteilung einer Restschuldbefreiung
nach Durchführung eines Abschöpfungsverfahrens im Privatkonkurs). § 2 Abs. 2b Z 3 erster
Teilstrich EStG 1988 gilt nur für Einkommensteuerpflichtige, nicht hingegen für
Körperschaften, für die § 36 EStG 1988 nicht anwendbar ist. Bei Körperschaften sind
Gewinne aus einem gerichtlichen Ausgleich oder Zwangsausgleich nur dann im Rahmen des
§ 2 Abs. 2b EStG 1988 begünstigt, wenn sie einen "Sanierungsgewinn" (§ 2 Abs. 2b Z 3
vierter Teilstrich EStG 1988; § 23a KStG 1988) darstellen.
2. Gewinne, die in Veranlagungszeiträumen anfallen, die von einem Konkursverfahren oder
einem gerichtlichen Ausgleichsverfahren betroffen sind. Damit sind sämtliche Gewinne
erfasst, die in Kalenderjahren anfallen, in denen ein derartiges Verfahren anhängig ist.
Anhängig ist ein Konkursverfahren bzw. ein gerichtliches Ausgleichsverfahren mit Eintritt der
Rechtswirkungen der Konkurs- bzw. Ausgleichseröffnung. Die Wirkungen treten gemäß § 2
Abs. 1 KO bzw. § 7 Abs. 1 AO mit Beginn des Tages ein, der der öffentlichen
Bekanntmachung des Inhaltes des (Konkurs-)Ediktes folgt. Das Verfahren endet mit der
Aufhebung des Konkurses bzw. mit der Aufhebung des Ausgleichsverfahrens bzw. mit der
Einstellung. Ist ein Konkurs- oder gerichtliches Ausgleichsverfahren aufrecht, sind Gewinne,
die diesem Kalenderjahr (Veranlagungszeitraum) zuzuordnen sind, von der 75%-Begrenzung
ausgenommen, wobei es unerheblich ist, ob diese Gewinne, vor oder nach Eröffnung bzw.
Beendigung des Verfahrens entstanden sind.
3. Veräußerungsgewinne und Aufgabegewinne, das sind Gewinne aus der Veräußerung
sowie der Aufgabe von Betrieben, Teilbetrieben und Mitunternehmeranteilen. Veräußerungsund
Aufgabegewinne sind im Bereich der Einkommensteuerpflichtigen und der
Körperschaften, die nicht unter § 7 Abs. 3 KStG 1988 fallen, Gewinne im Sinne des § 24 EStG
1988. Bei Körperschaften, die dem § 7 Abs. 3 KStG 1988 unterliegen, zählen dazu Gewinne
aus der Veräußerung und Aufgabe von Betrieben, Teilbetrieben und Mitunternehmeranteilen,
ungeachtet dessen, dass § 24 EStG 1988 nicht anzuwenden ist.
4. Sanierungsgewinne, das sind Gewinne, die durch Vermehrung des Betriebsvermögens
infolge eines gänzlichen oder teilweisen Erlasses von Schulden zum Zwecke der Sanierung
entstanden sind (siehe auch Rz 7250). Zu den Voraussetzungen für das Vorliegen eines
Sanierungsgewinnes siehe Rz 7254 bis Rz 7264, zum Entstehungszeitpunkt siehe Rz 7251.

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Damit sind Gewinne aus außergerichtlichen Ausgleichen, die Sanierungsgewinne darstellen,
sowohl bei Einkommen- als auch bei Körperschaftsteuerpflichtigen begünstigt. Der Begriff
"Sanierungsgewinn" hat im Einkommensteuerrecht außerhalb des Anwendungsbereiches des
§ 2 Abs. 2b EStG 1988 keine Bedeutung mehr.
5. Liquidationsgewinne iSd § 19 KStG 1988.
157c
Die Begrenzung führt nicht zu einem Untergehen der nicht verrechenbaren Verlustteile,
sondern zu einer Verrechnung dieser Beträge in späteren Jahren. Eine Verrechnung in
späteren Jahren kommt allerdings nur insoweit in Betracht, als die aufgeschobenen
Verrechungsbeträge in der jeweiligen Verrechnungsgrenze der späteren Jahre Deckung
finden.
Die Fälle des Übergehens von Verrechnungsverlusten auf Rechtsnachfolger (vor allem
Übergang der Einkunftsquelle durch Erbschaften und Schenkungen, betriebsbezogener
Übergang von Verrechnungsverlusten in Umgründungssteuerfällen mit Buchwertfortführung)
werden durch die Einführung der Verrechnungsgrenze nicht tangiert. In derartigen Fällen
geht der Verrechnungsverlust einschließlich des durch die Verrechnungsgrenze
rückgestauten Betrages über. Sollten nach einer Veräußerung (Aufgabe) des gesamten
Betriebes noch Verrechnungsverluste vorhanden sein, die weder mit laufenden Gewinnen
noch mit einem Veräußerungs- bzw. Aufgabegewinn verrechnet werden konnten, werden
diese Verluste sodann in vollem Umfang - also auch hinsichtlich der rückgestauten Beträge -
zu 100% mit anderen Einkünften ausgleichsfähig. Sollte dann noch ein Verrechnungsverlust
verbleiben, wandelt sich dieser zum vortragsfähigen Verlust.
Beispiel:
In einem Betrieb fällt im Jahr 2001 ein nichtausgleichsfähiger Verlust von 2 Mio. S an.
Im Jahr 2002 ergibt sich ein Gewinn von 1,5 Mio. S. Der Verrechnungsverlust wird auf
Grund der Verrechnungsgrenze mit 75% dieses Gewinnes, also mit 1,125.000 S
angesetzt. Die restlichen 875.000 S (diese setzen sich aus 500.000 S echtem
Verlustüberhang sowie aus 375.000 S Verlustrückstau auf Grund der
Verrechnungsgrenze zusammen) bleiben auf Wartetaste.
. Im Jahr 2003 fällt ein weiterer Gewinn von 800.000 S an. Von den auf Wartetaste
befindlichen Verlusten von 875.000 S dürfen 600.000 S verrechnet werden,
275.000 S verbleiben für spätere Jahre auf der Wartetaste.
. Im Jahr 2004 wird der Betrieb aufgegeben. Es fällt in diesem Jahr ein laufender
Gewinn von 40.000 S und ein Aufgabegewinn von 160.000 S an. Die
Verrechnungsgrenze ist nur auf den laufenden Gewinn anzuwenden, sie beträgt
also 30.000 S. Gegen den laufenden Gewinn können also 30.000 S, gegen den
Aufgabegewinn 160.000 S aus der Wartetaste verrechnet werden. Die restlichen
85.000 S werden zu einem ausgleichsfähigen Verlust. Sind im betreffenden Jahr
weitere Einkünfte von 60.000 S vorhanden, werden diese mit dem ausgleichsfähig

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gewordenen Verlust verrechnet. Der dann noch verbleibende Betrag von 25.000 S
wandelt sich in einen vortragsfähigen Verlust.
157d
Zum Verhältnis der Verrechnungsgrenze zur Verlustvortragsgrenze siehe Rz 4533f
und 4533g.
158
Das Verlustausgleichsverbot des § 2 Abs. 2a EStG 1988 betrifft den Verlustausgleich
innerhalb der jeweiligen Einkunftsquelle (= innerbetrieblicher Verlustausgleich; zB kein
Verlustausgleich zwischen laufenden Gewinn eines Einzelunternehmens mit dem Verlustanteil
einer im Betriebsvermögen gehaltenen Beteiligung gemäß § 2 Abs. 2a EStG 1988), den
Verlustausgleich innerhalb der einzelnen Einkunftsarten (= horizontaler Verlustausgleich; wie
letztgenanntes Beispiel, wenn Beteiligung nicht im Betriebsvermögen gehalten wird) und den
Verlustausgleich zwischen den Einkunftsarten (vertikaler Verlustausgleich; zB kein
Verlustausgleich zwischen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit und einer betrieblichen
Tätigkeit, deren Unternehmensschwerpunkt im Verwalten unkörperlicher Wirtschaftsgüter
gelegen ist).
159
Bei Anwendung des § 2 Abs. 2a EStG 1988 sind vorliegende Investitionsfreibetragsverluste
nicht herauszurechnen, weshalb diese Verlustausgleichsbeschränkung dem
§ 10 Abs. 8 EStG 1988 vorgeht. Auch geht die Verrechnung gemäß § 2 Abs. 2a letzter Satz
EStG 1988 als nachgeholter Verlustausgleich dem Verlustabzug nach
§ 18 Abs. 6 und 7 EStG 1988 vor. Innerhalb des § 2 Abs. 2a EStG 1988 gehen die
branchenbezogenen Verlustausgleichsverbote (Unternehmensschwerpunkt im Verwalten
unkörperlicher Wirtschaftsgüter, gewerbliche Vermietung von Wirtschaftsgütern) dem
Verlustausgleichsverbot für primäres Erzielen steuerlicher Vorteile vor. Letzteres kommt
daher nicht mehr zum Tragen, wenn bereits die branchenbezogenen
Verlustausgleichsverbote Anwendung finden.
2.6.2.2 Verwalten unkörperlicher Wirtschaftsgüter
160
Darunter versteht man nach Verordnung vom 10.12.1996, BGBl. Nr. 734/1996 sowohl das
Verwalten von Anlagevermögen, als auch das Verwalten von Umlaufvermögen, worunter
insbesondere der gewerbliche Handel mit unkörperlichen Wirtschaftsgütern zu verstehen ist
(VwGH 22.5.2002, 99/15/0119). Die Verordnung ist verfassungskonform (VfGH 2.10.1998, B
553/98). Ob der Unternehmensschwerpunkt im Verwalten unkörperlicher Wirtschaftsgüter
(beispielsweise Verwalten von Beteiligungen, von Forderungen und selbsthergestellten
Rechten) bzw. in der gewerblichen Vermietung gelegen ist, muss nach dem Gesamtbild der

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wirtschaftlichen Verhältnisse (Relation der wirtschaftlichen Erfolge oder Vermögenswerte
zueinander) beurteilt werden. Verwalten von unkörperlichen Wirtschaftsgütern liegt
beispielsweise bei einem über Kreditinstitute laufenden (gewerblichen) Wertpapierhandel
vor. Ob das Verwalten als Einzelperson oder mittels einer Personengemeinschaft, vom Inland
oder vom Ausland aus betrieben wird (VwGH 29.7.1997, 96/14/0115; VwGH 26.5.1998,
98/14/0044), ist nicht ausschlaggebend.
Beispiele für das Verwalten von unkörperlichen Wirtschaftsgütern:
. Wertpapierhandel, insbesondere wenn er über Kreditinstitute läuft;
. Herstellen von Filmen, um die Filmrechte im Wege der Nutzungsüberlassung zu
verwerten. Dies gilt nicht für Filme, mit deren tatsächlicher Produktion (Drehbeginn) vor
2006 begonnen worden ist.
2.6.2.3 Gewerbliche Vermietung von Wirtschaftsgütern
161
Dieses branchenbezogene Verlustausgleichsverbot zielt insbesondere auf
Leasingpersonengesellschaften ab. Der Begriff "gewerbliche Vermietung von
Wirtschaftsgütern" stellt auf die Art der Betätigung ab. Ein in Relation zur gewerblichen
Vermietung deutlich überwiegender Kapitaleinsatz im Bereich der vermögensverwaltenden
Vermietung sowie ein deutliches Überwiegen der aus der vermögensverwaltenden
Vermietung erzielten Mieteinnahmen spricht für einen Unternehmensschwerpunkt im
Betätigungsfeld der vermögensverwaltenden Vermietung. Zu prüfen ist, ob dieses
Überwiegen auch im Bereich der Wertschöpfung gegeben ist.
162
Liegt der Unternehmensschwerpunkt bei der vermögensverwaltenden Vermietung, so kommt
es nicht zur Anwendung der Verlustklausel des § 2 Abs. 2a EStG 1988. Der Betrieb einer
Sport- und Freizeitanlage fällt nach der Verkehrsauffassung ebenso wenig unter den Begriff
der gewerblichen Vermietung von Wirtschaftsgütern wie die Vermietung und Verpachtung
von Anlagenteilen an Gewerbetreibende (zB Kantinenverpachtung, Überlassung eines
Raumes an einen Masseur), das eigenverantwortliche Betreiben eines Beherbungsbetriebes
sowie die Verpachtung eines Gewerbebetriebes selbst.
2.6.2.4 Im Vordergrund-Stehen des Erzielens steuerlicher Vorteile bei
Beteiligungen
2.6.2.4.1 Grundsätzliches
163

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Die Spezialbestimmung des § 2 Abs. 2a EStG 1988 ist - soweit sie auf Beteiligungen abzielt -
ab der Veranlagung 2000 (§ 124b Z 39 EStG 1988) unabhängig vom Zeitpunkt des Erwerbes
bzw. Eingehens der Beteiligung anzuwenden. Sie hat bei der Einkommensteuer, und zwar bei
allen Einkunftsarten und alle dem EStG 1988 unterliegenden Rechtsformen
(Personengesellschaften aller Art, Miteigentumsgemeinschaften, Risikogemeinschaften im
Bereich von Versicherungen) Bedeutung. Zur Anwendung im Rahmen des KStG 1988 siehe
KStR 2001 Rz 299.
164
Verluste aus Beteiligungen an Gesellschaften oder Gemeinschaften sind nicht mehr
ausgleichsfähig, wenn der Steuervorteil aus der Beteiligung dominiert. Dies ist iSd
§ 2 Abs. 2a EStG 1988 insbesondere dann der Fall, wenn Beteiligungsmodelle mit
Steuervorteilen aus Verlustzuweisungen beworben werden oder wenn bei einer allgemein
angebotenen Beteiligung die Rendite nach Steuern (das ist jene unter Berücksichtigung des
Renditevorteils aus einem Verlustausgleich) die Rendite vor Steuern (das ist jene ohne
Berücksichtigung des Renditevorteils aus einem Verlustausgleich) um mehr als das Doppelte
übersteigt. Die Haftung des Kapitalgebers, ob beschränkt oder unbeschränkt, ist für die
Anwendung des § 2 Abs. 2a EStG 1988 ebenso unbeachtlich wie ein Abstellen auf das
Ausmaß des zur Verfügung gestellten Kapitals (zB geleistete Einlage).
165
Von einem im Vordergrund stehenden steuerlichen Vorteil ist jedenfalls dann auszugehen,
wenn das Eingehen der Beteiligung ab 1. Jänner 2000 mit Steuervorteilen aus einem zu
erwartenden Beteiligungsverlust beworben wird. Der lediglich aus zivilrechtlichen Gründen
zur Abwendung eines Haftungsrisikos ("Prospekthaftung") allgemein gegebene Hinweis auf
die Möglichkeit von Beteiligungsverlusten stellt keine Bewerbung von Steuervorteilen dar.
Dieser Hinweis darf nicht über jenes Ausmaß hinausgehen, das zur Abwendung des
zivilrechtlichen Haftungsrisikos angebracht ist. Steht danach der steuerliche Vorteil aus der
Beteiligung im Vordergrund, sind weitere Überprüfungen des allgemeinen Angebotes der
Beteiligung sowie des Verhältnisses von "Rendite vor Steuern" und "Rendite nach Steuern"
nicht mehr anzustellen (siehe Rz 175 ff). Es liegt dann jedenfalls eine Beteiligung vor, die
unter den Anwendungsbereich des § 2 Abs. 2a EStG 1988 fällt.
166
Wird die Beteiligung nicht mit steuerlichen Vorteilen beworben, steht der steuerliche Vorteil
dann nicht im Vordergrund, wenn es sich um eine Beteiligung mit einem hohen
außersteuerlichen Risiko handelt. In derartigen Fällen überlagert das hohe außersteuerliche

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Risiko den steuerlichen Vorteil. Ein hohes außersteuerliches Risiko ist anzunehmen, wenn die
Beteiligung sämtliche der folgenden Merkmale aufweist:
. Das Beteiligungsunternehmen ist nach seinem Unternehmensschwerpunkt in einer
besonders risikoreichen Branche (Wachstumstechnologie, Hochtechnologie, Forschung
und Entwicklung) tätig.
. Die Zuweisung von Verlusten und Gewinnen orientiert sich ausschließlich am Ausmaß der
Beteiligung und ist betraglich nicht limitiert.
. Der für den Fall des Ausscheidens des Gesellschafters vorgesehene Abschichtungserlös
ist betraglich weder nach oben noch nach unten begrenzt und bestimmt sich
ausschließlich nach dem Anteil am Unternehmenswert.
. Es gibt keine Vereinbarungen, die auf eine von vornherein beabsichtigte zeitliche
Begrenzung der Beteiligung schließen lassen.
167
Sollte eine Beteiligung nicht nach den letzten zwei Absätzen eingestuft werden können, ist
eine weitere Überprüfung iSd "Insbesondere-Voraussetzungen" des § 2 Abs. 2a EStG 1988
anzustellen. Die gesetzlich vorgegebenen Auslegungsmerkmale des Erwerbes oder Eingehens
der Beteiligung auf der Grundlage eines allgemeinen Angebots sowie des Vergleichs
zwischen "Rendite vor Steuern" und "Rendite nach Steuern" müssen beide gemeinsam, also
kumulativ vorliegen.
2.6.2.4.2 Allgemeines Angebot
168
Ein allgemeines Angebot liegt dann vor, wenn es für derartige Beteiligungen typischerweise
einen allgemeinen Anlegermarkt gibt. Das Ausmaß des angesprochenen Personenkreises ist
nicht von Bedeutung. Eine allgemein angebotene Beteiligung dieser Art ist daher
beispielsweise auch dann gegeben, wenn sie nur den "guten Kunden" eines Kreditinstituts
oder bestimmten qualifizierten Mitarbeitern eines Kreditinstituts angeboten werden. Ein
öffentliches Angebot iSd allgemeinen Bewerbung durch Prospekte, in Medien oder durch
Aushang in Form von Werbeplakaten oder in einem Kreditinstitut ist nicht erforderlich.
169
Kein allgemeines Angebot liegt vor, wenn es auf einen bestimmten Personenkreis
ausgerichtet ist und andere beachtliche Motive als bloß jenes einer Kapitalbeteiligung
gegeben sind. Dies ist allgemein anzunehmen, wenn das Kapitalengagement über eine bloß
kapitalistische Beteiligung hinausgeht. Weiters spricht eine Kapitalbeteiligung im Kreis naher

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Angehöriger sowie im Kreise von Geschäftspartnern (zB Beteiligung aus Sanierungsgründen
zur Sicherung von Absatzchancen) gegen ein allgemeines Angebot.
2.6.2.4.3 Renditevergleich
170
Der in § 2 Abs. 2a EStG 1988 vorgesehene Renditevergleich ist auf der Grundlage des
allgemein angebotenen Gesamtkonzeptes der Beteiligung anzustellen. Die konkreten
Verhältnisse der einzelnen Gesellschafter sind daher nicht von Bedeutung.
Beim Renditevergleich ist auf die "erreichbaren" Renditen abzustellen. Es sind darunter jene
Renditen zu verstehen, die abstrakt bei Eintritt bestmöglicher Steuereffekte und unter
optimaler Ausnutzung der steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten erzielt werden können. Dies
bedeutet:
. Die generelle Annahme eines Grenzsteuersatzes von 50%, also unabhängig vom
konkreten Grenzsteuersatz des einzelnen Anlegers.
. Die Annahme der bestmöglichen Nutzung von Steuervorteilen bei Besteuerung des
Abschichtungsgewinnes. Das ist idR die "Dreijahresverteilung" nach
§ 37 Abs. 2 EStG 1988. Unbeachtet bleibt der halbe Steuersatz nach
§ 37 Abs. 5 EStG 1988, weil dieser von konkreten persönlichen Verhältnissen des
Gesellschafters abhängig ist.
. Die Annahme der Beteiligungsfinanzierung aus Eigenmitteln, es sei denn, die
Gesamtkonzeption beinhaltet eine Fremdfinanzierung als allgemeines
Konzeptionselement.
. Die Annahme des Abschichtungserlöses im Falle einer "Erlösbandbreite" im Ausmaß des
höchstmöglichen Abschichtungsbetrages. Ist keine Erlösbandbreite vereinbart, ist auf den
wahrscheinlichen Abschichtungserlös im Sinne einer Wertentwicklungsprognose
abzustellen.
171
Der Renditevergleich ist für den voraussichtlichen Zeitraum des Bestehens der Beteiligung
anzustellen (vgl. dazu auch Tz 21.4.1. LRL 1997). Es ist dabei auch das zu erwartende
Verhalten des Kapitalnehmers in Bezug auf eine Kündigung der Beteiligung zu
berücksichtigen. Ist eine Kündigung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu erwarten, ist
die Renditeberechnung für diesen Zeitraum aufzustellen.
172
Kann eine Kündigung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nicht abgesehen werden oder
ist die Beteiligung nach ihrer Gesamtkonzeption als dauerhafte Kapitalveranlagung (zB

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Beteiligungen an Immobilienprojekten "zur Altersvorsorge") einzustufen, wird auf den
voraussichtlichen Zeitraum der "Nutzbarkeit" der Beteiligung abgestellt. Liegen keine
besonderen Kriterien vor, die einen anderweitigen Schluss zulassen, ist dies die
Nutzungsdauer der hinter der Beteiligung stehenden Vermögenssubstanz. Dies gilt auch
dann, wenn bei einer Beteiligung an einer Immobilie nach einer bestimmten Zeit (zB 25
Jahren) die Möglichkeit besteht, Wohnungseigentum zu begründen.
173
Die mathematische Berechnung der Rendite ist auf der Grundlage der Zahlungsströme
vorzunehmen. Als Zinssatz ist nicht der unternehmensinterne Zinssatz, sondern ein
modifizierter Zinssatz (marktüblicher Anlegerzinssatz) unter Abzug der bei derartigen Zinsen
anfallenden Kapitalertragsteuer heranzuziehen. Es ist bei den gegebenen Marktverhältnissen
von einem Zinssatz von 3,5% (abzüglich 25% Kapitalertragsteuer) auszugehen.
174
In den Renditevergleich ist nur die Einkommensteuer einzubeziehen; andere Steuern wie die
Umsatzsteuer oder die Grunderwerbsteuer bleiben hingegen unberücksichtigt.
2.6.2.4.4 Vergleich "Rendite vor Steuern" zu "Rendite nach Steuern"
175
Der Renditevergleich ist zwischen der "Rendite vor Steuern" und der "Rendite nach Steuern"
anzustellen. Beträgt die "Rendite nach Steuern" mehr als das Doppelte der "Rendite vor
Steuern", fällt die Beteiligung - bei Vorliegen eines allgemeinen Angebots - in den
Anwendungsbereich des § 2 Abs. 2a EStG 1988 (Beispiel: Als Rendite vor Steuern ergeben
sich 2%, als Rendite nach Steuern 5%). Ist die Fremdfinanzierung der Kapitalanlage als
allgemeines Konzeptionselement miteinzubeziehen, umfasst der dem Renditevergleich
zugrundezulegende Kapitaleinsatz das Eigenkapital zuzüglich das zum modifizierten Zinssatz
(3,5%) abgezinste Fremdkapital.
176
Die "Rendite vor Steuern" ist die unter gedachter Anwendung des § 2 Abs. 2a EStG 1988
errechnete Rendite. Diese Rendite ergibt sich daher aus der Differenz zwischen
hingegebenem Kapital (einschließlich als steuerliches Kapital zu wertenden
Gesellschafterdarlehen) ohne steuerlichen Effekt des Verlustausgleichs einerseits und den
steuerpflichtigen Gewinnanteilen (Überschussanteilen) und einem steuerpflichtigen
Abschichtungserlös andererseits. Die (gedachte) Einkommensteuer ist von den
Gewinnanteilen (Überschussanteilen) und dem Abschichtungsgewinn - jeweils nach Abzug
eines Wartetastenverlustes abzuziehen.
177

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Die "Rendite nach Steuern" ist die ohne Anwendung des § 2 Abs. 2a EStG 1988 errechnete
Rendite. Es ist daher von einem gedachten Verlustausgleich auszugehen. Zur "Rendite vor
Steuern" tritt die Rendite aus gedachten Kapitalerträgen einer Kapitalveranlagung der aus
dem Verlustausgleich resultierenden Einkommensteuergutschrift. Es ist dabei von einer
Gutschrift im Ausmaß von 50% der zugewiesenen Verluste auszugehen.
Beispiel:
Kapitaleinsatz von 100.000 S als Kommanditist, Verlustzuweisung 200%, Abschichtung
zwischen 90% und 113% nach 8 Jahren, modifizierter Zinssatz nach KESt 3,5%. Aus
Vereinfachungsgründen werden keine Zwischengewinne angenommen.
"Vor-Steuer-Rendite" (= bei Anwendung des § 2 Abs. 2a EStG 1988):Einzahlung einer
Einlage von 100.000 S im Jahr 1; Verlustausgleich für 200.000 S; Verlustzuweisung ist
bei Anwendung des § 2 Abs. 2a EStG 1988 nicht zulässig; daher keine steuerlichen
Auswirkungen in den Jahren 1 bis 8. Im Jahr 8 wird mit 113.000 S abgeschichtet. Der
Veräußerungsgewinn beträgt 213.000 S, davon wird ein Wartetastenverlust von
200.000 S abgezogen, sodass 13.000 S steuerpflichtig bleiben. Zur Renditeermittlung
macht die darauf entfallende Steuer bei einem 50-prozentigen Spitzensteuersatz
6.500 S aus, was auf drei Jahre verteilt - und auf diesen Zeitraum mit 3,5% abgezinst -
wie folgt abzuziehen und zu berechnen ist:
Kapitaleinsatz
Abschichtungserlös
abzügl. Barwert Steuerdrittel Jahr 1 (6.500 : 3 : 1,0350)
abzügl. Barwert Steuerdrittel Jahr 2 (6.500 : 3 : 1,0351)
abzügl. Barwert Steuerdrittel Jahr 3 (6.500 : 3 : 1,0352)
-100.000 S
113.000 S
-2.167 S
-2.094 S
-2.022 S
Rendite absolut
Rendite in Prozent (nach Formel, Ende 8. Jahr, siehe unten)
6.717 S
0,8159%
Nach-Steuer-Rendite" (= ohne Anwendung des § 2 Abs. 2a EStG 1988):
Einzahlung einer Einlage von 100.000 S im Jahr 1; Verlustzuweisung 200.000 S; daraus
resultiert eine Einkommensteuerersparnis von 100.000 S. Diese
Einkommensteuerersparnis wird nunmehr mit einem Zinssatz von 3,5% (ab dem Jahr
2) verzinst. Dies ergibt im Jahr 8 ein Gesamtkapital von 127.228 S (= 100.000 x
1,0357). Im Jahr 8 wird mit 113.000 S abgeschichtet. Der Veräußerungsgewinn beträgt
213.000 S und wird - mangels Wartetastenverlustes - voll versteuert. Bei einem 50-
prozentigen Spitzensteuersatz fallen 106.500 S an Steuer an, die auf drei Jahre verteilt
(und mit 3,5% abgezinst) werden.
Kapitaleinsatz
aufgezinste Einkommensteuerersparnis (100.000 x 1,0357)
Abschichtungserlös
abzügl. Barwert Steuerdrittel Jahr 1 (106.500 : 3 : 1,0350)
abzügl. Barwert Steuerdrittel Jahr 2 (106.500 : 3 : 1,0351
abzügl. Barwert Steuerdrittel Jahr 3 (106.500 : 3 : 1,0352)
-100.000 S
127.228 S
113.000 S
-35.500 S
-34.300 S
-33.140 S

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Rendite absolut (inkl. Steuerersparnis)
Rendite in Prozent (nach Formel, Ende 8. Jahr, siehe unten)
37.288 S
4,0409%
In diesem Beispiel ergibt sich eine Nachsteuerrendite von mehr als dem Doppelten der
Vorsteuerrendite, sodass § 2 Abs. 2a EStG 1988 anzuwenden ist. Die Rendite ermittelt
sich nach folgender finanzmathematischer Formel:
Formel in Worten: Rendite in Prozent ist gleich (Klammer auf) achte Wurzel aus
(Klammer auf) eins plus Quotient aus Rendite durch Kapitaleinsatz (Klammer zu) minus
eins (Klammer zu) mal Hundert.
2.6.3 Besondere Verlustausgleichsverbote und
Verlustausgleichsbeschränkungen
178
Außer den vorgenannten Verlusten gemäß § 2 Abs. 2a EStG 1988 sind folgende nicht
ausgleichsfähig:
. Entstehen oder erhöhen sich Verluste durch die Inanspruchnahme des
Investitionsfreibetrages, so sind sie weder ausgleichs- noch gemäß § 18 Abs. 6 und 7
EStG 1988 vortragsfähig. Ein solcher Verlust ist mit späteren Gewinnen (Gewinnanteilen)
aus diesem Betrieb frühestmöglich zu verrechnen (§ 10 Abs. 8 EStG 1988; VwGH
5.11.1991, 91/14/0099).
. Verlustanteile eines echten stillen Gesellschafters (stille Beteiligung im Privatvermögen)
sind gemäß § 27 Abs. 1 Z 2 EStG 1988 nicht zu berücksichtigen. Sie sind jedoch mit
späteren Gewinnen zwecks Auffüllung bis zur Höhe der Einlage zu verrechnen.
. Verluste aus Leistungen gemäß § 29 Z 3 EStG 1988 unterliegen einem Ausgleichsverbot
(insbesondere Vermietung beweglicher Gegenstände und gelegentliche Vermittlungen,
darunter fallen auch Privatgeschäftsvermittler mit Umsätzen von (ab 2002) weniger als
900 Euro jährlich (bis 2001:- weniger als 12.000 S jährlich).
. Verluste aus Spekulationsgeschäften sind nur mit allenfalls vorhandenen anderen
Spekulationsüberschüssen, nicht hingegen mit anderen Einkünften ausgleichsfähig (§ 30
Abs. 4 EStG 1988).
. Ebenso sind Verluste aus der Veräußerung von Beteiligungen iSd § 31 EStG 1988 an
Körperschaften nur mit Überschüssen aus anderen derartigen Beteiligungsveräußerungen
ausgleichsfähig.

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. Bei beschränkter Steuerpflicht sind nicht ausgleichsfähig die Verluste aus Einkunftsarten,
die nicht unter § 98 EStG 1988 fallen (Inlandsverluste sind nach § 18 Abs. 6 und 7 EStG
1988 in Verbindung mit § 102 Abs. 2 Z 2 EStG 1988 abzugsfähig) sowie ausländische
Verluste vor Begründung der unbeschränkten Steuerpflicht. Bei Wechsel von der
beschränkten in die unbeschränkte Steuerpflicht ist der nach § 102 Abs. 2 Z 2 EStG 1988
ermittelte Restverlust als Sonderausgabe nach § 18 EStG 1988 im nächsten Kalenderjahr
abzugsfähig.
. Die Verordnung des BMF über die Aufstellung von Durchschnittsätzen für die Ermittlung
des Gewinnes aus Land- und Forstwirtschaft (BGBl. Nr. 430/1997 in Verbindung mit § 17
EStG 1988) sieht gewinnmindernde Beträge vor, die vom pauschaliert ermittelten Gewinn
aus Land- und Forstwirtschaft abgezogen werden dürfen. Dabei handelt es sich um
Ausgedingslasten, Sozialversicherungsbeiträge, die vom Steuerpflichtigen selbst
gegenüber der Sozialversicherungsanstalt der Bauern geleistet werden, Beiträge des
Steuerpflichtigen zum Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen sowie um bezahlte
Pachtzinse und Schuldzinsen (§ 13 Verordnung BGBl. Nr. 430/1997). Diese Abzugsposten
dürfen zu keinem negativen Ergebnis führen (BMF vom 27. Februar 1998, AÖF Nr.
71/1998).
. Eine Rückgängigmachung von in Vorjahren ausgeglichenen Verlusten ergibt sich bei
Ausscheiden eines Mitunternehmers mit negativem Kapitalkonto, welcher als
Veräußerungsgewinn jedenfalls den Betrag seines negativen Kapitalkontos, den er nicht
auffüllen muss, versteuern muss (§ 24 Abs. 2 letzter Satz EStG 1988). Ausgenommen
hievon ist die unentgeltliche Übertragung zu Buchwerten mit Schenkungsabsicht.
2.7 Gewinnermittlungszeitraum (§ 2 Abs. 5 bis 7 EStG 1988)
179
Rechnungslegungspflichtige Gewerbetreibende (§ 5 Abs. 1 und 2 EStG 1988) und
buchführende Land- und Forstwirte können ihre Einkünfte aus Gewerbebetrieb bzw. aus
Land- und Forstwirtschaft nach einem vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahr
ermitteln. Machen Gewerbetreibende, die nicht nach § 189 UGB rechnungslegungspflichtig
sind (siehe dazu Rz 430e), Abschlüsse auf einen anderen Zeitpunkt als den Schluss des
Kalenderjahres, ist das Ergebnis dieses abweichenden Wirtschaftsjahres für die steuerliche
Gewinnermittlung nicht maßgebend. In einem solchen Fall ist auch bei ordnungsmäßiger
Buchführung der Gewinn für das Kalenderjahr zu schätzen, wobei nach § 184 BAO
sachgerecht in Anlehnung an die vorhandenen Unterlagen der Buchführung vorzugehen ist.
180

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Jeder Wechsel des Bilanzstichtages bedarf der vorherigen bescheidmäßigen Zustimmung des
Finanzamtes. Vor der Erteilung der Zustimmung ist ein Übergang auf einen anderen
Bilanzstichtag unzulässig. Die Zustimmung des Finanzamtes muss nicht bereits vor dem neu
gewählten Abschlussstichtag, sondern erst vor der tatsächlichen Bilanzerstellung vorliegen;
der Antrag muss vor dem neuen Bilanzstichtag gestellt werden (VwGH 15.2.1978, 2628/77;
VwGH 1.3.1989, 88/13/0113).
181
Das Erfordernis eines gewichtigen betrieblichen Grundes liegt insbesondere dann vor, wenn
der Übergang der erleichterten Bilanzerstellung (Inventarisierung) dient. Bei nur geringem
Umfang des zu inventierenden Bestandes liegt ein gewichtiger betrieblicher Grund nicht vor
(VwGH 24.5.1977, 2185/76).
182
Über den Antrag auf Wechsel des Bilanzstichtages ist ungesäumt abzusprechen. Gegen den
Bescheid ist ein abgesondertes Rechtsmittel zulässig.
183
Wird ein Betrieb neu eröffnet und in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft oder
„verdeckten“ Kapitalgesellschaft (§ 189 Abs. 1 Z 1 UGB, siehe Rz 430j) geführt, kann auf
Grund der Rechungslegungspflicht kraft Rechtsform bereits das erste Wirtschaftsjahr ein
abweichendes Wirtschaftsjahr sein. Mangels eines Überganges auf einen anderen
Bilanzstichtag ist eine Zustimmung des Finanzamtes in derartigen Fällen nicht erforderlich.
Gleiches gilt
. beim Zusammenschluss zu einer gewerblichen Mitunternehmerschaft, wenn einer der
Zusammenschlusspartner bisher bereits rechnungslegungspflichtig war sowie beim
Zusammenschluss zu einer bisher nicht bestehenden Mitunternehmerschaft iSd § 189
Abs. 1 Z 1 UGB („verdeckte“ Kapitalgesellschaft, zB GmbH & Co KG), die nicht Einkünfte
aus selbständiger Arbeit erzielt und
. hinsichtlich des aus einer Realteilung hervorgehenden Betriebes, wenn der
Nachfolgeunternehmer gemäß § 189 Abs.2 Z 2 UGB als Rechtsnachfolger
rechnungslegungspflichtig ist.
Steuerpflichtige, die nicht unter § 189 Abs. 1 Z 1 UGB fallen und auch nicht als Einzel- oder
Gesamtrechtsnachfolger eines bisher schon rechnungslegungspflichtigen Unternehmers nach
§ 189 Abs. 2 Z 2 UGB rechnungslegungspflichtig sind, werden erst nach Überschreiten des
Schwellenwertes nach § 189 Abs. 1 Z 2 UGB rechnungslegungspflichtig (siehe Rz 430k) und
können daher vor Eintritt der Rechnungslegungspflicht den Gewinn nicht nach einem
abweichenden Wirtschaftsjahr ermitteln.

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Ein zustimmungsbedürftiger Vorgang liegt vor, wenn die Wahl des vom Kalenderjahr
abweichenden Wirtschaftsjahres im Rahmen des Überganges zur Gewinnermittlung nach § 5
EStG 1988 erfolgt.
Randzahl 184: entfällt
185
Fällt die Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB weg, kann das Wirtschaftsjahr, für das
keine Rechnungslegungspflicht mehr besteht, nur ein Regelwirtschaftsjahr zum
31. Dezember eines Jahres sein, sofern nicht die Fortführungsoption nach § 5 Abs. 2
EStG 1988 (siehe Rz 430b und Rz 430c) in Anspruch genommen wird.
Beispiel:
Der rechnungslegungspflichtige Einzelunternehmer bilanziert auf den 31.3. In den
Geschäftsjahren 01/02 und 02/03 betragen die Umsatzerlöse jeweils weniger
400.000 €, sodass für das folgende Geschäftsjahr keine Rechnungslegungspflicht mehr
besteht. Mangels Rechnungslegungspflicht muss das am 1.4.03 beginnende
Wirtschaftsjahr ein Rumpfwirtschaftsjahr auf den 31.12.03 sein.
Fallen Steuerpflichtige, die bisher nach § 189 Abs. 1 Z 1 UGB (umsatzunabhängig)
rechnungslegungspflichtig waren, aus der Anwendung des § 189 Abs. 1 Z 1 UGB heraus, weil
. eine Kapitalgesellschaft in eine nicht unter Z 1 fallende Personengesellschaft oder ein
Einzelunternehmen umgewandelt wird oder
. eine „verdeckte“ Kapitalgesellschaft (GmbH & Co KG) zu einer solchen wird, an der eine
natürliche Person unbeschränkt haftender Gesellschafter ist (zB Ausscheiden der GmbH
aus der bisherigen GmbH & Co KG, die als KG mit natürlichen Personen weiter bestehen
bleibt)
gilt Folgendes:
Gemäß § 189 Abs. 2 Z 2 UGB ist bei Einzel- oder Gesamtrechtsnachfolge in den (Teil)Betrieb
eines Unternehmens, bei dem der Rechtsvorgänger rechnungslegungspflichtig war, der
Rechtsnachfolger ebenfalls rechnungslegungspflichtig, es sei denn, dass der Schwellenwert
für den übernommenen Betrieb oder Teilbetrieb in den letzten zwei aufeinanderfolgenden
Geschäftsjahren nicht erreicht worden ist.
Besteht danach die Rechnungslegungspflicht weiter, ist ein abweichendes Wirtschaftsjahr so
lange weiterzuführen, als nicht wegen Unterschreiten des Schwellenwertes (§ 189 Abs. 2
UGB) die Rechnungslegungspflicht wieder entfällt und auch kein Antrag auf Fortführung der
Gewinnermittlung nach § 5 Abs. 2 EStG 1988 gestellt wird (siehe Rz 430b und Rz 430c) oder
die Umstellung auf ein Regelwirtschaftsjahr erfolgt (§ 2 Abs. 7 EStG 1988).

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Besteht nach § 189 Abs. 2 Z 2 UGB die Rechnungslegungspflicht nicht weiter, muss zum
31.12. bilanziert werden.
Beispiel:
An der ABC GmbH & Co KG sind die A-GmbH als Komplementärin und B und C als
Kommanditisten beteiligt. Die KG bilanziert auf den 30.6. Mit 31.3.01 veräußert die AGmbH
ihren gesamten Anteil dem B, der Komplementär wird, C verbleibt als
Kommanditist in der nunmehrigen BC-KG. Die Umsatzerlöse der ABC GmbH & Co KG
haben in den Geschäftsjahren 01/02 und 02/03 betragen:
Variante a:
01/02: 550.000 Euro
02/03: 750.000 Euro
Variante b:
01/02: 350.000 Euro
02/03: 200.000 Euro
In der Variante a besteht auch für die BC-KG für das auf das Geschäftsjahr 02/03
folgende Geschäftsjahr Rechnungslegungspflicht, daher ist das abweichende
Wirtschaftsjahr weiter zu führen, so lange die Rechnungslegungspflicht kraft
Schwellenwertes besteht.
In der Variante b besteht für die BC-KG für das auf das Geschäftsjahr 02/03 folgende
Geschäftsjahr keine Rechnungslegungspflicht mehr, daher muss das am 1.7.03
beginnende Wirtschaftsjahr ein Rumpfwirtschaftsjahr auf den 31.12.03 sein.
Die Bildung einer atypischen stillen Gesellschaft mit einem rechnungslegungspflichtigen
Gewerbetreibenden schließt im Hinblick auf § 5 Abs. 1 letzter Satz EStG 1988, wonach der
Gewinn einer solchen Gesellschaft gleichfalls nach § 5 EStG 1988 zu ermitteln ist, ein
abweichendes Wirtschaftsjahr nicht aus.
Randzahl 186: entfällt
2.8 Ausländische Einkünfte (§ 2 Abs. 8 EStG 1988)
2.8.1 Allgemeine Grundsätze
187
Natürliche Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Österreich sind in
Österreich unbeschränkt einkommensteuerpflichtig (vgl. Rz 15 ff). Die unbeschränkte
Steuerpflicht erfasst das gesamte "Welteinkommen". Die unbeschränkte Steuerpflicht
erstreckt sich daher zB auch auf ausländische Betriebsstätten/Betriebe österreichischer
Unternehmer. Ausländische Betriebsstätten/Betriebe unterliegen aber auch im Ausland der
Besteuerung.
188

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Zur Vermeidung von Mehrfachbesteuerungen in mehreren Staaten dienen
Doppelbesteuerungsabkommen (DBA); DBA teilen die Besteuerungsrechte zwischen den
Staaten auf. Die von Österreich abgeschlossenen DBA verwenden dabei überwiegend die
"Befreiungsmethode". Die "Anrechnungsmethode" kommt insbesondere mit Italien,
Schweden, Japan und Ländern des angloamerikanischen Rechtkreises (USA, Großbritannien,
Irland, Kanada) zu Anwendung. Bei der Anrechnungsmethode besteuert der
Ansässigkeitsstaat (Wohnsitzstaat) das gesamte Welteinkommen, rechnet aber die
ausländischen Quellensteuern an (siehe dazu Rz 7583 ff).
189
Bei der überwiegend verwendeten Befreiungsmethode werden ausländische Einkünfte (die
dem Quellenstaat zugeteilt sind) im Ansässigkeitsstaat steuerfrei gestellt. Dennoch sind die
ausländischen Einkünften auch im Ansässigkeitsstaat von Bedeutung; denn die
Befreiungsmethode ist regelmäßig mit einem Progressionsvorbehalt verbunden. Der
Ansässigkeitsstaat darf die ausländischen (positiven) Einkünfte zwar nicht unmittelbar in die
Besteuerung einbeziehen, aber - bei progressivem Tarifverlauf - bei der Ermittlung des auf
inländische Einkünfte anzuwendenden Steuersatzes berücksichtigen. Der im innerstaatlichen
Recht normierten Verpflichtung, die Auslandseinkünfte für die Steuersatzermittlung
heranzuziehen, wird daher durch die Abkommen nicht derogiert. Der österreichische Tarif
wird auf das gesamte Welteinkommen angewandt, der sich daraus ergebende
Durchschnittsteuersatz auf die Inlandseinkünfte (vgl. Rz 7588 ff).
Beispiel (Befreiungsmethode mit Progressionsvorbehalt):
Inlandseinkünfte: 20.000 Euro
Auslandseinkünfte: 5.000 Euro
Welteinkommen: 25.000 Euro
Da sich nach § 33 Abs. 1 EStG 1988 idF StRefG 2005 bei einem Jahreseinkommen von
25.000 Euro (ohne Berücksichtigung von Sonderausgaben und sonstigen
Absetzbeträgen) ein Durchschnittssteuersatz von 23% ergibt, ist dieser
Durchschnittssteuersatz von 23% auf die Inlandseinkünfte in Höhe von 20.000 Euro
anzuwenden. Daraus ergibt sich eine österreichische Einkommensteuer von
4.600 Euro.
2.8.2 Berücksichtigung ausländischer Einkünfte
190
Die Behandlung von Verlusten aus ausländischen (DBA-befreiten) Betriebsstätten ist vom
VwGH entschieden worden (VwGH 25.9.2001, 99/14/0217). § 2 Abs. 8 EStG 1988 idF StRefG

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2005 trägt einerseits dieser Rechtsprechung des VwGH Rechnung, regelt zudem aber auch,
wie ausländische Einkünfte in Österreich allgemein zu berücksichtigen sind.
191
Ausländische Einkünfte sind bei der Berücksichtigung in Österreich stets nach
österreichischem Steuerrecht zu ermitteln. Für die Berücksichtigung in Österreich hat daher
eine "Umrechnung" (Adaptierung) vom ausländischen (Steuer)Recht auf das österreichische
Steuerrecht stattzufinden. Dabei bleiben zB nur im ausländischen Steuerrecht vorgesehene
Steuerbefreiungen oder Investitionsbegünstigungen unbeachtlich. Es obliegt dem
Abgabenpflichtigen, im Rahmen der ihn bei Auslandssachverhalten treffenden erhöhten
Mitwirkungspflichten darzutun, dass eine Umrechnung (Adaptierung) auf österreichisches
Steuerrecht vorgenommen worden ist. Die bloße Vorlage von ausländischen
Steuerbescheiden ist nicht ausreichend. Sofern die umgerechneten (adaptierten)
ausländischen Einkünfte nicht ohnedies in Euro ermittelt wurden, sind sie nach dem
Umrechnungskurs des Tages, zu dem sie bezogen wurden, in Euro anzugeben. Bezugstag ist
bei außerbetrieblichen Einkünften stets der 31. Dezember eines Kalenderjahres, ansonsten
der unter Berücksichtigung des § 2 Abs. 8 Z 2 EStG 1988 maßgebliche Abschlussstichtag.
192
Die Berücksichtigung ausländischer Einkünfte gilt sowohl für betriebliche als auch für
außerbetriebliche Einkünfte. Es sind daher auch zB ausländische Einkünfte aus Vermietung
und Verpachtung in Österreich zu berücksichtigen; daher hat auch die Überschussermittlung
nach österreichischem Steuerrecht zu erfolgen (zB Zehntelabsetzung bei
Instandsetzungsaufwendungen). Ebenso richtet sich eine allfällige Liebhabereibeurteilung
nach österreichischem Steuerrecht.
2.8.3 Betriebliche Einkunftsermittlung
193
Hat ein in Österreich unbeschränkt Steuerpflichtiger einen ausländischen Betrieb ohne
inländische Betriebsstätte, ist für Zwecke der österreichischen Gewinnermittlung
(Umrechnung) der Gewinn immer nach jener Gewinnermittlungsart zu ermitteln, die sich
ergäbe, wenn der Betrieb im Inland gelegen wäre (Inlandsfiktion; § 2 Abs. 8 Z 2 EStG 1988).
Hinsichtlich der Gewinnermittlungsart ist daher zu unterstellen, dass der Betrieb im Inland
liegt.
194
Rechtslage bis zur Veranlagung 2006:
Ergibt sich (bei Inlandsfiktion) für den Betrieb (ohne inländische Betriebsstätte) eine
Buchführungspflicht nach § 124 BAO oder nach § 125 BAO, ist der Gewinn durch

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Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 zu ermitteln. Eine Gewinnermittlung
nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 ist für einen ausländischen Betrieb nicht möglich, weil die formale
Eintragung in das (österreichische) Firmenbuch nicht fingiert werden kann. Auch ein
ausländischer Betrieb, der nicht im inländischen Firmenbuch, wohl aber in einem
vergleichbaren ausländischen Register eingetragen ist, hat daher den Gewinn nach § 4 Abs.
1 EStG 1988 zu ermitteln. Der ausländische Betrieb kann daher nur notwendiges
Betriebsvermögen haben; ist beispielsweise eine in Österreich ansässige natürliche Person an
einer deutschen Kommanditgesellschaft beteiligt, in deren Betriebsvermögen nach
deutschem Recht eine Beteiligung im gewillkürten Betriebsvermögen gehalten wird, ist diese
Beteiligung dem Privatvermögen des österreichischen Personengesellschafters zuzurechnen.
Dadurch verursachte Qualifikationskonflikte sind auf Grundlage einer OECD-konformen
Auslegung des österreichisch-deutschen Doppelbesteuerungsabkommens zu lösen. Eine
Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 hat auch bei freiwilliger Buchführung
stattzufinden.
Rechtslage ab Veranlagung 2007:
Für die Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 ist die Eintragung in das österreichische
Firmenbuch nicht mehr erforderlich. Für einen ausländischen Betrieb hat die
Gewinnermittlung daher nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 zu erfolgen, wenn im Rahmen der
Inlandsfiktion aufgrund des Überschreitens der Buchführungsgrenzen des § 189 UGB
Buchführungspflicht gegeben wäre. Aufgrund der Inlandsfiktion für ausländische Betriebe
sind auch die unternehmensrechtlichen Übergangsregeln nach § 907 Abs. 16 und 17 UGB
anzuwenden (siehe dazu Rz 430n). Dementsprechend ist auch die Aufschub-Option
anwendbar (siehe Rz 430p).
Ist eine in Österreich ansässige natürliche Person an einer deutschen Kommanditgesellschaft
beteiligt, in deren Betriebsvermögen nach deutschem Recht eine Beteiligung im gewillkürten
Betriebsvermögen gehalten wird, war diese Beteiligung nach der bis zur Veranlagung 2006
geltenden Rechtslage dem Privatvermögen des österreichischen Personengesellschafters
zuzurechnen. Mit einem Wechsel zur Gewinnermittlung nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 erfolgt
eine Einlage dieser Beteiligung in das gewillkürte Betriebsvermögen. Die Beteiligung ist dabei
mit dem Teilwert zum Einlagezeitpunkt zu bewerten. Ein dadurch eintretender Wegfall des
Besteuerungsrechtes Österreichs kann den Tatbestand des § 31 Abs. 2 Z 2 EStG 1988
erfüllen.
195
Wird der Gewinn des Betriebes (ohne inländische Betriebsstätte) im Ausland nach einem vom
Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahr ermittelt, ist dies auch für das Inland

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maßgebend (§ 2 Abs. 8 Z 2 EStG 1988). Ein im Ausland abweichendes Wirtschaftsjahr ist
daher aus Gründen der Vereinfachung beizubehalten. Dies gilt unabhängig von der
Gewinnermittlungsart. Es kann daher zB auch eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mit
abweichendem Wirtschaftsjahr in Betracht kommen.
196
Die Gewinnermittlung für eine Betriebsstätte richtet sich nach der für den gesamten Betrieb
maßgebenden Gewinnermittlung. Betrieb und Betriebsstätte sind gedanklich zu vereinigen
(Einheitsbetrachtung). Ergibt sich nach dieser Vereinigung Buchführungspflicht
(insbesondere - bis 2006 - wegen Überschreitens der Buchführungsgrenzen des § 125 BAO
bzw. – ab 2007 - wegen Überschreitens der Umsatzgrenzen des UGB), haben Betrieb und
Betriebsstätte den Gewinn durch Bilanzierung zu ermitteln. Die Gewinnermittlung der
Betriebsstätte kann nicht vom Betrieb abweichen (einheitliche Gewinnermittlung). Auf Grund
der einheitlichen Gewinnermittlung ist es daher zB nicht möglich, dass der umsatzschwache
inländische Betrieb den Gewinn nach einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (§ 4 Abs. 3 EStG
1988) und die umsatzstarke ausländische Betriebsstätte nach § 5 EStG 1988 ermittelt;
Betrieb und Betriebsstätte haben den Gewinn bei Überschreiten des Schwellenwertes des §
189 UGB einheitlich nach § 5 EStG 1988 zu ermitteln. Besteht für den Betrieb
umsatzunabhängig Rechnungslegungspflicht (§ 189 Abs. 1 Z 1 UGB), ist der Gewinn für die
inländische Betriebsstätte nach § 5 EStG 1988 zu ermitteln.
Beispiele:
1. Ist der inländische Betrieb im Firmenbuch eingetragen, haben Betrieb und
ausländische Betriebsstätte den Gewinn bis 2006 (nach der Rechtslage vor dem
StruktAnpG 2006) nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 zu ermitteln. Ist eine inländische
Betriebsstätte nicht im Firmenbuch eingetragen, wird aber zusammen mit dem
ausländischen Betrieb die Umsatzgrenze nach § 125 BAO überschritten, haben die
inländische Betriebsstätte und der ausländische Betrieb den Gewinn nach § 4 Abs. 1
EStG 1988 zu ermitteln. Ist eine inländische Betriebsstätte im Firmenbuch eingetragen,
haben Betriebsstätte und ausländischer Betrieb den Gewinn nach § 5 Abs. 1 EStG 1988
zu ermitteln.
2. Ab 2007 (nach der Rechtslage nach dem StruktAnpG 2006) haben in Fällen, in
denen die inländische Betriebsstätte zusammen mit dem ausländischen Betrieb die
Umsatzgrenze nach § 189 UGB überschreitet, die inländische Betriebsstätte und der
ausländische Betrieb den Gewinn nach § 5 EStG 1988 zu ermitteln.
Weichen die Wirtschaftsjahre der inländischen und ausländischen Betriebsstätte voneinander
ab, prägt das Wirtschaftsjahr der inländischen Betriebsstätte.
197
Ein Anteil eines unbeschränkt Steuerpflichtigen an einer ausländischen Personengesellschaft
(Mitunternehmerschaft) ist im Bezug auf § 2 Abs. 8 Z 2 EStG 1988 (unabhängig von einer

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allfälligen inländischen Betriebsvermögenszugehörigkeit) als ausländischer Betrieb zu
behandeln.
2.8.4 Ausländische Verluste
198
Nach § 2 Abs. 8 Z 3 EStG 1988 idF StRefG 2005 sind im Ausland nicht berücksichtigte
Verluste bei Ermittlung des Einkommens anzusetzen. Dies gilt in Fällen, in denen eine
Entlastung von der Doppelbesteuerung nach der Befreiungsmethode (DBA-mit
Befreiungsmethode, Anwendung der in der VO zu Vermeidung von Doppelbesteuerung,
BGBl. II Nr. 474/2002, vorgesehenen Befreiungsmethode, Maßnahme nach § 48 BAO mit
Befreiungsmethode) erfolgt (zur Anrechnungsmethode siehe Rz 198a). Daher sind in
derartigen Fällen zB ausländische Betriebsstättenverluste im Verlustentstehungsjahr mit
inländischen positiven Einkünften auszugleichen. Ausländische Verluste, die im
Verlustentstehungsjahr im Ausland bereits mit anderen positiven Einkünften ausgeglichen
werden, sind nicht zu berücksichtigen. Sollte ein - nach österreichischem Recht
ausgleichsfähiger - Verlust im Ausland nach dortigem Recht nicht ausgeglichen werden
können, ist der gesamte ausländische Verlust im Inland zu berücksichtigen und unterliegt
nicht der Nachversteuerung.
Hinsichtlich der Gewinn- bzw. Verlustermittlung gibt es bei den Verlusten keine
Besonderheiten: Auch der ausländische Verlust ist nach innerstaatlichem (österreichischem)
Einkommensteuerrecht zu ermitteln (Umrechnung auf österreichisches Recht, siehe Rz 191);
hinsichtlich der Gewinnermittlungsart und des Gewinnermittlungszeitraumes gilt die
Einheitsbetrachtung von Betrieb und Betriebsstätte (siehe Rz 196 f). Die Berücksichtung
ausländischer Verluste hat nach § 2 Abs. 8 Z 3 EStG 1988 zwingend zu erfolgen (Ausnahme
siehe Rz 210 sowie unten). Sollte jedoch eine Berücksichtigung ausländischer Verluste zu
Unrecht unterblieben sein, kann die Verlustberücksichtigung in einem späteren Jahr nicht
nachgeholt werden; in diesem Fall findet aber auch keine Nachversteuerung statt, wenn die
Verluste im Ausland verwertet werden.
Die angesetzten Verluste sind in der Steuererklärung an der dafür vorgesehenen Stelle
auszuweisen. Wird die Eintragung ausländischer Verluste an der vorgesehenen Stelle
vorsätzlich unterlassen, hat dies auf die Berücksichtigungsfähigkeit der ausländischen
Verluste keine Auswirkung, kann aber bei Vorsatz eine Finanzordnungswidrigkeit iSd § 51
Abs. 1 lit. a Finanzstrafgesetz darstellen.
Es bestehen keine Bedenken, wenn bis zur Veranlagung 2004 Auslandsverluste bei
Ermittlung der inländischen Besteuerungsgrundlage nicht berücksichtigt werden. Eine
Anwendung des "negativen Progressionsvorbehaltes" kommt in derartigen Fällen nicht in

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Betracht. Im Falle der Nichtberücksichtigung derartiger Auslandsverluste hat eine
Nachversteuerung zu unterbleiben.
198a
Bei Anwendung der Anrechnungsmethode (DBA-mit Anrechnungsmethode, Anwendung der
in der VO zu Vermeidung von Doppelbesteuerung, BGBl II Nr. 2002/474, vorgesehene
Anrechnungsmethode, Maßnahme nach § 48 BAO mit Anrechnungsmethode) wird in der
Regel kein Anwendungsfall einer Nachversteuerung im Sinn von § 2 Abs. 8 Z 3 EStG 1988
eintreten. Denn wird ein im Verlustentstehungsjahr in Österreich berücksichtigter
Auslandsverlust in einem Folgejahr von positiven Einkünften im ausländischen Staat
abgezogen, so wird sich dadurch die in Österreich in diesem Folgejahr anzurechnende
ausländische Steuer kompensierend vermindern. Auf österreichischer Seite ist allerdings
darauf zu achten, dass in diesem Folgejahr nicht die der ausländischen Besteuerung
zugeführten Einkünfte, sondern die um den Verlustvortrag erhöhten ausländischen Einkünfte
der inländischen Besteuerung unterzogen werden.
199
Ausgangspunkt für die Verlustberücksichtigung waren die ausländischen
Betriebsstättenverluste (VwGH-Rechtsprechung, siehe Rz 190), die Verlustberücksichtigung
ist aber nicht auf ausländische Betriebsstättenverluste eingeschränkt und gilt für alle
"ausländischen Verluste" (daher für alle betrieblichen und außerbetrieblichen Verluste).
Daher sind zB auch ausländische Verluste aus Vermietung und Verpachtung in Österreich zu
berücksichtigen (Verlustermittlung und Liebhabereibeurteilung haben nach österreichischem
Steuerrecht zu erfolgen).
200
Bei Doppelbesteuerungsabkommen mit Befreiungsmethode und Progressionsvorbehalt ergibt
sich für ausländische Gewinne (positive Einkünfte) und Verluste folgender Unterschied:
Ausländische Gewinne werden im anzuwendenden Steuersatz berücksichtigt (siehe Rz 189),
ausländische Verluste vermindern hingegen das Einkommen; sie können daher keinen Anlass
für einen negativen Progressionsvorbehalt bieten.
2.8.5 Nachversteuerung ausländischer Verluste
201
Verluste dürfen nur einmal verwertet werden. Um Doppelverlustverwertungen (in Österreich
und später im Ausland) auszuschließen, erfolgt in jenem Folgejahr, in dem der Verlust im
Ausland verwertet wird oder verwertet hätte werden können, eine Nachversteuerung in
Österreich. Kann daher der ausländische Verlust im Ausland vorgetragen und sodann (ganz
oder teilweise) verwertet werden, kommt es in Österreich zur entsprechenden

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"Nachversteuerung" durch Zurechnung des Nachversteuerungsbetrages zur
Bemessungsgrundlage. Insoweit werden ausländische Gewinne im Rahmen des positiven
Progressionsvorbehaltes nicht (nochmals) berücksichtigt.
202
Die Nachversteuerung hat dann zu erfolgen, wenn der in Österreich ausgeglichene
ausländische Verlust im Ausland im Wege eines Verlustvortrages verwertet wird. Eine
Nachversteuerung hat auch dann zu erfolgen, wenn die Auslandsverlustverwertung
antragsabhängig ist, der Steuerpflichtige die Antragstellung aber - aus welchen Gründen
auch immer - unterlässt. Es kommt daher zB auch dann zur Nachversteuerung, wenn der
Steuerpflichtige die Antragstellung deshalb unterlässt, weil mit der Verlustverwertung im
Ausland nur vergleichsweise geringe steuerliche Vorteile verbunden sind.
Wann die Verlustverwertung im Ausland erfolgt oder erfolgen hätte können, richtet sich nach
den Vorschriften des ausländischen Rechts. Sollten im Verlustvortrag vorrangig zu
berücksichtigende (ältere) Verluste vorliegen, die im Inland weder nach § 2 Abs. 8
EStG 1988 noch auf Grund VwGH 25.9.2001, 99/14/0217 ausgeglichen worden sind, sind
diese nicht nachzuversteuern. Die Nachversteuerung hat in jenem Jahr zu erfolgen, in dem
der jeweilige konkrete, im Inland verwertete Verlust nach Maßgabe des ausländischen
Steuerrechts dort im Wege des Verlustvortrages verwertet wird (verwertet hätte werden
können).
203
Die Nachversteuerung erfolgt höchstens im Ausmaß der Doppelverlustberücksichtigung. Sie
ist daher einerseits auf das Ausmaß der Verlustberücksichtigung in Österreich eingeschränkt.
Mehr als in Österreich an Verlusten berücksichtigt wurde, kann daher nicht nachversteuert
werden. Andererseits sind hinsichtlich der ausländischen Verlustberücksichtigung die
ausländischen Ergebnisse nicht auf österreichisches Recht umzurechnen, weil die
Nachversteuerung im Inland nur auf die Verlustverwertung im Ausland abstellt. Das Ausmaß
der Doppelverlustberücksichtigung wird somit durch die Höhe des berücksichtigten
(umgerechneten) inländischen Verlustes einerseits und die Höhe des (nicht umgerechneten)
ausländischen Verlustes andererseits begrenzt (siehe auch Rz 206).
Der Nachversteuerungsbetrag ergibt sich somit folgendermaßen:
1.
Gesamtausmaß des im Inland
berücksichtigten (berücksichtigungsfähigen)
noch nicht nachversteuerten umgerechneten
ausländischen Verlustes
1. zu 2.: der niedrigere Betrag bestimmt
das Ausmaß der Doppelverlustberücksichtigung
und den
Nachversteuerungsbetrag

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2.
Ausmaß des im betreffenden Jahr im Ausland
verwerteten (verwertungsfähigen) nicht
umgerechneten ausländischen Verlustes
Die Nachversteuerung ist von der Höhe der im jeweiligen Jahr im Ausland erzielten
umgerechneten Einkünfte unabhängig; liegen die Voraussetzungen für die Nachversteuerung
vor, erhöht der Nachversteuerungsbetrag den Gesamtbetrag der Einkünfte. Dabei gilt
Folgendes:
. Sollten die im Ausland erzielten positiven umgerechneten Einkünfte höher sein, als der
Nachversteuerungsbetrag, sind diese DBA-steuerfrei. In jenem Umfang, in dem sie den
Nachversteuerungsbetrag übersteigen, sind sie progressionserhöhend anzusetzen. Der
Nachversteuerungsbetrag erhöht den Gesamtbetrag der Einkünfte.
. Sollten die im Ausland erzielten positiven umgerechneten Einkünfte niedriger sein als der
Nachversteuerungsbetrag, ist der Nachversteuerungsbetrag in Höhe des im Ausland
verwerteten Verlustes (unabhängig von den umgerechneten niedrigeren Einkünften) voll
anzusetzen und erhöht den Gesamtbetrag der Einkünfte.
. Sollten die nach ausländischem Recht positiven Einkünfte umgerechnet einen Verlust
ergeben, ist dieser ausgleichsfähig. Der Nachversteuerungsbetrag erhöht den
Gesamtbetrag der Einkünfte.
Beispiele:
1. Im Jahr 1 wurde ein ausländischer Verluste von 50 mit inländischen Einkünften
ausgeglichen. Im Jahr 2 wird ein ausländischer Gewinn von 40 erzielt, der in dieser
Höhe im Ausland zur Verwertung des Verlustes des Jahres 1 führt. Der ausländische
Gewinn von 40 beträgt umgerechnet
a) 55
b) 30
c) – 10.
Im Fall a) sind 40 nachzuversteuern und 15 als progressionserhöhende Einkünfte
anzusetzen. 10 (des im Jahr 1 ausgeglichen Verlustes) bleiben weiter
nachversteuerungshängig.
Im Fall b) sind 40 nachzuversteuern. 10 (des im Jahr 1 ausgeglichen Verlustes) bleiben
weiter nachversteuerungshängig.
Im Fall c) sind 40 nachzuversteuern, der umgerechnete ausländische Verlust von 10 ist
mit dem Nachversteuerungsbetrag oder anderen Einkünften auszugleichen. 10 (das
sind 10 des im Jahr 1 ausgeglichenen Verlustes) bleiben weiter
nachversteuerungshängig.
2. DBA mit Befreiungsmethode:
Jahr 01:

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inländisches Betriebsergebnis 100
ausländisches Betriebsstättenergebnis (nicht umgerechnet) - 80
ausländisches Betriebsergebnis (umgerechnet) - 70
Welteinkommen 30
in Österreich angesetzt 30
Nachversteuerungshängig ist der im Inland verwertete Verlust von 70.
Jahr 02 – Variante 1: Volle Verwertung des Verlustes aus 01 durch Verlustabzug im
Ausland
inländisches Betriebsergebnis 100
ausländisches Betriebsstättenergebnis (nicht umgerechnet) 90
ausländisches Betriebsstättenergebnis (umgerechnet) 80
Welteinkommen 180
in Österreich angesetzt 170
progressionserhöhende ausländische Einkünfte des Jahres 2 10
Der ausländische Verlust des Jahres 1 (80) wird im Ausland zur Gänze mit dem Gewinn
des Jahres 2 (90) verrechnet. Im Ausland wurde somit der Verlust des Jahres 1 im
vollen Umfang verwertet. Da dieser im Inland nur im Ausmaß von 70 ausgeglichen
wurde, ist in diesem Umfang eine Doppelverlustverwertung eingetreten. Die
umgerechneten ausländischen Einkünfte des Jahres 2 betragen 80. 70 sind
nachzuvesteuern, der Rest (10) ist als progressionserhöhende Einkünfte anzusetzen.
Jahr 02 – Variante 2: Volle Verwertung des Verlustes aus 01 durch Verlustabzug im
Ausland
inländisches Betriebsergebnis 100
ausländisches Betriebsstättenergebnis (nicht umgerechnet) 90
ausländisches Betriebsstättenergebnis (umgerechnet) 65
Welteinkommen 165
in Österreich angesetzt 170
Der ausländische Verlust des Jahres 1 (80) wird im Ausland zur Gänze mit dem Gewinn
des Jahres 2 (90) verrechnet. Im Ausland wurde somit der Verlust des Jahres 1 in
vollem Umfang verwertet. Da dieser im Inland nur im Ausmaß von 70 ausgeglichen
wurde, ist in diesem Umfang eine Doppelverlustverwertung eingetreten. Es sind daher
70 nachzuversteuern, sodass der Gesamtbetrag der Einkünfte 170 beträgt.
Jahr 02 – Variante 3: Teilweise Verwertung des Verlustes aus 01 durch Verlustabzug
im Ausland
inländisches Betriebsergebnis 100
ausländisches Betriebsstättenergebnis (nicht umgerechnet) 30
ausländisches Betriebsstättenergebnis (umgerechnet) 30

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Welteinkommen 130
in Österreich angesetzt 130
Der ausländische Verlust des Jahres 1 (80) wird im Ausland im Umfang von 30 mit dem
Gewinn des Jahres 2 verrechnet. In diesem Umfang ist eine Doppelverlustverwertung
eingetreten. Dem inländischen Betriebsergebnis von 100 ist daher das (auf
österreichisches Recht umgerechnete) ausländische Betriebsstättenergebnis von 30 als
Nachversteuerungsbetrag zuzuzählen; aus 01 verbleibt sodann noch ein
Nachversteuerungsbetrag von 40 (70 – 30), der ab den Jahren 03 nachzuversteuern
sein kann.
Jahr 02 – Variante 4: Eine Verwertung des Verlustes aus 01 durch Verlustabzug ist
trotz positiver Auslandseinkünfte nach ausländischem Recht nicht oder noch nicht
zulässig.
inländisches Betriebsergebnis 100
ausländisches Betriebsstättenergebnis (nicht umgerechnet) 90
ausländisches Betriebsstättenergebnis (umgerechnet 80
Welteinkommen 180
in Österreich angesetzt 100
progressionserhöhende Einkünfte des Jahres 2 80
Da im Jahr 02 eine Verlustverwertung im Ausland nicht (oder noch nicht) zulässig ist,
hat keine Doppelverlustverwertung stattgefunden, sodass auch keine
Nachversteuerung zu erfolgen hat. Die umgerechneten ausländischen befreiten
Einkünfte sind daher nur im Rahmen des Progressionsvorbehaltes zu berücksichtigen.
Aus 01 verbleibt weiter ein Nachversteuerungsbetrag von 70, der ab den Jahren 03
insoweit nachzuversteuern ist, als der Verlust des Jahres 1 im Ausland verwertet wird.
203a
Entsteht oder erhöht sich bei der Umrechnung von Auslandsergebnissen unter Anwendung
des inländischen Steuerrechts durch eine zeitlich verschobene spätere Berücksichtigung von
Ausgaben in Folgejahren ein Verlust, hat eine Berücksichtigung im Inland nur insoweit zu
erfolgen, als nicht bereits im Ausland eine Verwertung dieser aus der Umrechnung
entstandenen Verluste erfolgt ist, da es sonst zu einer doppelten Verlustverwertung käme.
Beispiel:
Ein in Österreich unbeschränkt Steuerpflichtiger erzielt neben seinen inländischen
Einkünften Vermietungseinkünfte in Deutschland und tätigt im Jahr 01
Instandsetzungsaufwendungen von 200, die er in Deutschland im Jahr der
Verausgabung zur Gänze absetzen kann, aber nach österreichischem
Einkommensteuerrecht auf 10 Jahre zu verteilen hat; VuV-Verluste sind in Deutschland
vortragsfähig.
BRD Jahr 01 Jahr 02 Jahr 03 Jahr 04 Jahr 05
Ergebnis VuV (im Jahr 01 -205 15 190 1) 5 7

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enthaltener
Instandsetzungsaufwand
200)
Verlustausgleich -15 -190 0 0
Besteuerungsgrundlage
BRD
-205 0 0 5 7
Österreich
Adaptierung deutsches
VuV-Ergebnis auf österr.
Recht
(10-tel-Verteilung)
+180
(200-20)
-20 -20 -20 -20
deutsches VuV-Ergebnis
adapiert
-25 -5 3) 170 2) -15 3) -13 3)
österreichische Einkünfte 10 20 40 60 65
Einkünfte gesamt -15 20 40 60 65
steuerhängig gemäß
§ 2 Abs 8 Z 3 EStG
10
Nachversteuerung 10
zu versteuernde
Einkünfte
0 30 40 60 65
1) Der hohe Überschuss resultiert aus einer Mietvorauszahlung
2) Die deutschen positiven Einkünfte von 170 sind im Rahmen des
Progressionsvorbehaltes anzusetzen.
3) Der adaptierte deutsche Verlust der Jahre 02, 04 und 05 resultiert allein aus der
zeitlich späteren Berücksichtigung der Instandsetzungsausgaben und ist in Deutschland
bereits in den Jahren 02 und 03 zur Gänze verwertet worden. Ein Ansatz in Österreich
hat nicht zu erfolgen, da es sonst zu einer doppelten Verlustverwertung käme.
Soweit in den Jahren 06 bis 10 bei Adaptierung des deutschen VuV-Ergebnisses auf
österreichisches Recht durch die Geltendmachung der Instandsetzungszehntel Verluste
entstehen oder sich erhöhen, sind sie infolge der vollständigen Verlustverwertung in
Deutschland bei der Ermittlung des österreichischen Einkommens nicht zu
berücksichtigen.
2.8.6 Einzelheiten zu ausländischen Verlusten
204
Fällt der ausländische Verlust in einem Besteuerungszeitraum an, in dem er nicht oder nicht
vollständig mit positiven inländischen Einkünften ausgeglichen werden kann, steht für den
ausländischen Verlust insoweit ein inländischer Verlustvortrag zu. Dies gilt nur dann, wenn
die (umgerechneten) ausländischen Verluste grundsätzlich vortragsfähig sind (§ 18 Abs. 6
und 7 EStG 1988). Daher können ausländische Verluste aus Vermietung und Verpachtung -

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wie die entsprechenden österreichischen - zwar ausgeglichen, aber nicht vorgetragen
werden. Können die ausländischen Verluste in Österreich nicht verwertet (ausgeglichen oder
vorgetragen) werden, kommt es auch nicht zu einer späteren Nachversteuerung in
Österreich.
Geht der ausländische Verlust mangels positiver inländischer Einkünfte in den inländischen
Verlustvortrag ein und kommt es in einem späteren Jahr auf Grund von ausländischen
Gewinnen zur Nachversteuerung, erfolgt diese Nachversteuerung unabhängig davon, ob die
zuvor zugerechneten ausländischen Verluste im Inland bereits berücksichtigt wurden oder
sich noch im Verlustvortrag befinden. Befinden sich die ausländischen Verluste noch im
Verlustvortrag, erhöht der Nachversteuerungsbetrag den Gesamtbetrag der Einkünfte und es
kann unter Berücksichtigung des § 2 Abs. 2b EStG 1988 zu einem Verlustabzug kommen.
Ein Verlustausgleich ist auch vorzunehmen, wenn die Verluste in Staaten eingetreten sind,
mit denen kein DBA besteht und daher die Doppelbesteuerungsverordnung, BGBl. II Nr.
474/2002, angewendet wird.
Können die ausländischen Verluste hingegen im Ausland sogleich, zB im Wege eines
Verlustrücktrages, verwertet werden, liegt eine Berücksichtigung im Ausland iSd § 2 Abs. 8
Z 3 erster Satz EStG 1988 vor und es kann daher im Inland keine Verlustberücksichtigung
und Nachversteuerung stattfinden.
205
Fallen die ausländischen Verluste unter das Verlustverwertungsverbot nach § 2 Abs. 2a EStG
1988, sind sie nicht ausgleichsfähig. Diese ausländischen Verluste können aber mit späteren
Gewinnen aus dieser Betätigung verrechnet werden, sodass insoweit keine
Progressionsverschärfung im Weg des Progressionsvorbehalts in späteren Jahren eintritt.
206
Da der ausländische Verlust (ebenso wie ein ausländischer Gewinn) umzurechnen ist, können
sich Abweichungen vom Ergebnis im ausländischen Quellenstaat ergeben: Ergibt sich nach
dem Steuerrecht des Quellenstaates ein höherer Verlust als nach österreichischem Recht,
bleibt dieser in Österreich insoweit unberücksichtig und kann zu keiner Nachversteuerung
führen. Ergibt sich im Quellenstaat hingegen ein niedrigerer Verlust als nach
österreichischem Recht, ist der nach österreichischem Steuerrecht ermittelte (höhere) Verlust
zu berücksichtigen, nachversteuert werden kann aber nur der niedrigere ausländische
Verlust. Denn in Österreich wird nicht mehr nachversteuert, als der Quellenstaat an
Verlustvortrag zulässt; hinsichtlich der Differenz ist keine Doppelverlustverwertung gegeben
und es kommt zu keiner Nachversteuerung in Österreich (siehe auch Rz 203).

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207
Die Nachversteuerung in Österreich hängt nicht davon ab, ob der Abgabepflichtige die
Auslandsverlustverwertung selbst veranlasst. Wird daher zB die ausländische Betriebsstätte
unter Übernahme des Verlustvortragsrechtes steuerneutral in eine ausländische
Kapitalgesellschaft umgegründet und verwertet nun diese Kapitalgesellschaft die in
Österreich bereits berücksichtigten Verluste, kommt es ebenfalls zur Nachversteuerung in
Österreich. Die Nachversteuerung (Zurechnung) erfolgt bei jenem Steuerpflichtigen, bei dem
die Verluste seinerzeit einkommensmindernd angesetzt worden sind, oder bei seinem
Gesamtrechtsnachfolger (bzw. "Umgründungsrechtsnachfolger"). Im Zeitpunkt der
Veräußerung einer umgründungsbezogenen ausländischen bzw. inländischen Beteiligung hat
jedenfalls eine Nachversteuerung zu erfolgen.
208
Ausländische Verluste, die bei einem beschränkt Steuerpflichtigen anfallen, können durch
eine Wohnsitzverlegung nach Österreich und der damit eintretenden unbeschränkten
Steuerpflicht weder ausgeglichen noch vorgetragen werden. Verlegt der Steuerpflichtige
umgekehrt seinen Wohnsitz von Österreich ins Ausland und wurden während des Bestehens
der unbeschränkten Steuerpflicht ausländische Verluste im Inland berücksichtigt, kommt es
bei Verwertung dieser Verluste im Ausland zur Nachversteuerung im Inland; denn die
Nachversteuerung hängt nicht davon ab, ob sich die persönliche Steuerpflicht nachträglich
ändert oder ob der Steuerpflichtige nach der Wohnsitzverlegung ins Ausland in Österreich
beschränkt steuerpflichtig bleibt.
209
Da die zu berücksichtigenden ausländischen Verluste ebenso wie inländische Verluste den
Gesamtbetrag der "anderen", nicht-lohnsteuerpflichtigen Einkünfte im Sinne des § 41 Abs. 1
Z 1 EStG 1988 vermindern, sind sie auch für die Veranlagung und den
Veranlagungsfreibetrag in Höhe von 730 Euro von Bedeutung (vgl. auch Rz 7603).
Reduzieren die ausländischen Verluste die anderen, nicht-lohnsteuerpflichtigen Einkünfte auf
730 Euro oder darunter, sind sie zur Gänze steuerfrei und es besteht keine
Veranlagungspflicht. Eine spätere Nachversteuerung der berücksichtigten ausländischen
Verluste kann nur dann und insoweit eintreten, als sich die ausländischen Verluste
steuerwirksam ausgewirkt haben. Die steuerliche Auswirkung des Verlustausgleichs ist bei
Wirksamkeit des Veranlagungsfreibetrages folgendermaßen zu ermitteln:
Summe der nicht lohnstpfl. Einkünfte ohne ausländische Verluste (unter
Berücksichtigung des Veranlagungsfreibetrages)
Summe der nicht lohnstpfl. Einkünfte mit ausländischen Verlusten (unter
Berücksichtigung des Veranlagungsfreibetrages)

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Bemessungsgrundlagendifferenz
Nachversteuerungshängig ist der ausländische Verlust, soweit er in der
Bemessungsgrundlagendifferenz gedeckt ist. Die Nachversteuerung hat nach Maßgabe der
ausländischen Verlustverwertung zu erfolgen.
Beispiele:
1. Im Jahr 1 betragen die inländischen nicht-lohnsteuerpflichtigen Einkünfte 1.000 Euro
und es liegt ein ausländischer Verluste in Höhe von 500 Euro vor. Die
Bemessungsgrundlagendifferenz ist wie folgt zu ermitteln:
Summe der nicht lohnstpfl. Einkünfte ohne ausländische Verluste 540
- Summe der nicht lohnstpfl. Einkünfte mit ausländischen Verlusten 0
Bemessungsgrundlagendifferenz 540
Nachversteuerungshängig ist der gesamten ausländischen Verluste von 500. Wird
davon im Jahr 3 im Ausland 200 Euro im Wege des Verlustvortrages durch
Verrechnung mit positiven Einkünften in dieser Höhe verwertet, sind 200 Euro
nachzuversteuern und es bleiben 300 Euro weiter nachversteuerungshängig.
2. Im Jahr 4 betragen die inländischen nicht-lohnsteuerpflichtigen Einkünfte 1.000 Euro
und es liegen ausländische Verluste in Höhe von 600 Euro vor. Die
Bemessungsgrundlagendifferenz ist wie folgt zu ermitteln:
Summe der nicht lohnstpfl. Einkünfte ohne ausländische Verluste 540
- Summe der nicht lohnstpfl. Einkünfte mit ausländischen Verlusten 0
Bemessungsgrundlagendifferenz 540
Nachversteuerungshängig sind von den ausländischen Verlusten 540 Euro. Werden
davon im Jahr 5 im Ausland 300 Euro im Wege des Verlustvortrages durch
Verrechnung mit positiven Einkünften in dieser Höhe verwertet, sind 300 Euro
nachzuversteuern und es bleiben 240 Euro weiter nachversteuerungshängig.
3. Im Jahr 5 betragen die inländischen nicht-lohnsteuerpflichtigen Einkünfte 1.000 Euro
und es liegen ausländische Verluste in Höhe von 200 Euro vor. Die
Bemessungsgrundlagendifferenz ist wie folgt zu ermitteln:
Summe der nicht lohnstpfl. Einkünfte ohne ausländische Verluste 540
- Summe der nicht lohnspfl. Einkünfte mit ausländischen Verlusten 140
Bemessungsgrundlagendifferenz 400
Nachversteuerungshängig sind von den ausländischen Verlusten 200 Euro. Werden
davon im Jahr 6 im Ausland 150 Euro im Wege des Verlustvortrages durch
Verrechnung mit positiven Einkünften in dieser Höhe verwertet, sind 150 Euro
nachzuversteuern und es bleiben 50 Euro weiter nachversteuerungshängig.
210

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Werden ausländische Einkünfte eines in Österreich ansässigen Abgabepflichtigen in einem
ausländischen Staat nicht durch Gegenüberstellung der tatsächlich erzielten Erträge und der
tatsächlich geleisteten Aufwendungen, sondern in pauschalierter Form der Besteuerung
unterzogen (zB durch Erhebung einer Quellensteuer von den Zahlungen an einen
inländischen Bauunternehmer mit verlust- und gewinnbringenden Baustellen oder durch
Besteuerung fiktiv angesetzter Einnahmen oder Ausgaben), dann wird davon auszugehen
sein, dass mit der Pauschalierung ausgleichend nicht nur die aus der Auslandstätigkeit
erzielten Gewinne, sondern auch die hierbei erlittenen Verluste berücksichtigt werden. Auch
bei einem ausländischen Besteuerungsregime, das anerkanntermaßen insgesamt als
Begünstigung des Abgabepflichtigen einzustufen ist (zB ausländische
"Tonnagenbesteuerung"), wird davon auszugehen sein, dass auftretende Verlustsituationen
mitberücksichtigt werden.
Wurden in Fällen einer ausländischen Pauschalbesteuerung nach österreichischem
Steuerrecht ermittelte ausländischer Verluste in Österreich berücksichtigt, hat idR eine
Nachversteuerung stattzufinden, sobald nach österreichischem Steuerrecht ausländische
Gewinne erzielt werden. Für die Nachversteuerung ist hier österreichisches Steuerrecht
maßgebend, weil mit der Pauschalierung das (positive und das negative) wirtschaftliche
Gesamtergebnis in vereinfachter Form der Besteuerung unterzogen wird und daher geradezu
automatisch auch ausländische Verluste berücksichtigt werden.
Nur dann, wenn der Abgabepflichtige nachweisen kann, dass die Pauschalbesteuerung in
seinem Fall nicht zur Verlustdoppelverwertung führt (zB weil die betrieblichen Aktivitäten in
dem betreffenden ausländischen Staat insgesamt einer Steuerbelastung ausgesetzt sind, die
jener nach österreichischem Recht im Fall der Verweigerung der Verlustberücksichtigung
zumindest gleichkommt), ist die DBA-Freistellungsverpflichtung in den Jahren der Erzielung
der ausländischen Betriebstättengewinne ungekürzt gegeben.
In Fällen ausländischer Pauschalbesteuerung bestehen keine Bedenken, wenn die
ausländischen Verluste in Österreich unberücksichtigt bleiben. Dementsprechend kommt es
dann auch nicht zu einer Nachversteuerung.
Randzahlen 211 bis 299: derzeit frei

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3 Steuerbefreiungen (§ 3 EStG 1988)
3.1 Allgemeines zu den einzelnen Steuerbefreiungen
Siehe LStR 2002 Rz 18 bis 22.
3.2 Die einzelnen Steuerbefreiungen
3.2.0 Beihilfen des Arbeitsmarktservices (§ 3 Abs. 1 Z 5 lit. d EStG 1988)
300
Gemäß § 3 Abs. 1 Z 5 lit. d EStG 1988 sind Beihilfen nach dem
Arbeitsmarktförderungsgesetz, BGBl. Nr. 31/1969, Beihilfen nach dem
Arbeitsmarktservicegesetz, BGBl. Nr. 313/1994, Beihilfen nach dem Berufsausbildungsgesetz,
BGBl. Nr. 142/1969, sowie das Altersteilzeitgeld gemäß § 27 des
Arbeitslosenversicherungsgesetzes, BGBl. Nr. 609/1977, steuerfrei. Der Umstand, dass für
diese Beihilfen Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Co-Finanzierung herangezogen
werden, ist für die Steuerfreiheit dieser Beihilfen unschädlich.
3.2.1 Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln (§ 3 Abs. 1 Z 6 EStG 1988)
3.2.1.1 Öffentliche Mittel
301
Öffentliche Mittel sind Mittel öffentlich-rechtlicher Körperschaften, die durch Pflichtbeiträge
auf Grund gesetzlicher Anordnung aufgebracht werden (VwGH 7.2.1989, 88/14/0228). Dazu
zählen auch Zuschüsse von Institutionen der Europäischen Union. Die Körperschaft kann sich
bei der Vergabe der Mittel auch eines Treuhänders bedienen (zB BÜRGES-Kredite). Bei
Opfern von Naturkatastrophen ist Hilfsbedürftigkeit unabhängig von der Einkommens- und
Vermögenssituation der Betroffenen anzunehmen. Leistungen aus dem Katastrophenfonds
sind daher regelmäßig nach § 3 Abs. 1 Z 3 lit. a EStG 1988 steuerfrei (VwGH 10.9.1998,
96/15/0272, Entschädigung für einen Ernteausfall). Zuwendungen aus dem Sozialfonds der
Literarischen Verwertungsgesellschaft sind keine öffentlichen Mittel
(VwGH 17.9.1997, 95/13/0034). Es bestehen aber keine Bedenken, diese Zuwendungen iSd
der Hilfsbedürftigkeit gemäß § 3 Abs. 1 Z 3 lit. a EStG 1988 zu beurteilen (siehe LStR 2002
Rz 30).
301a
Bedarfszuweisungen des Landes an eine Gemeinde stellen keine Zuwendungen aus
öffentlichen Mitteln iSd § 3 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 an die Gemeinde dar. Bei
Bedarfszuweisungen handelt sich um Ertragsanteile der Gemeinden an gemeinschaftlichen
Bundesabgaben (§ 12 Abs. 1 FAG 2008). Diesen Mitteln kommt daher der Charakter von

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Eigenmitteln von Gemeinden zu. Verwendet eine Gemeinde Mittel aus Bedarfszuweisungen
des Landes für Anlageninvestitionen, führt dies zu keiner Kürzung der Anschaffungskosten
iSd § 6 Z 10 EStG 1988 (VwGH 04.03.2009, 2007/15/0303).
3.2.1.2 Zuwendungen
302
Der Begriff "Zuwendungen" im Sinne dieser Vorschrift umfasst Geldzuwendungen und
Sachzuwendungen (zB Grundstücke zur Herstellung von Gebäuden), soweit sie für die
Anschaffung (Herstellung) oder Instandsetzung von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens
gewährt werden. Der Begriff "Zuwendungen" setzt nicht voraus, dass der Steuerpflichtige
auch eigene Mittel zur Anschaffung (Herstellung) oder Instandsetzung der Anlagegüter
einsetzt. Unmaßgeblich ist, ob die Anschaffungs- oder Herstellungskosten der
Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens unter ein Aktivierungsverbot fallen.
3.2.1.3 Zinsenzuschuss
303
Die Steuerbefreiung erstreckt sich auf die Zuwendungen einschließlich Zinsenzuschüsse,
wobei es nicht erforderlich ist, dass ein Zinsenzuschuss neben einem Kapitalzuschuss
gewährt wird. Die den Zinsenzuschüssen gegenüberstehenden Zinsenzahlungen sind gemäß
§ 20 Abs. 2 EStG 1988 nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig (VwGH 17.5.1978, 1650/77).
3.2.1.4 Zweckwidmung, Leistungsaustausch
304
Die Mittel müssen mit einer entsprechenden Zweckwidmung versehen und dementsprechend
verwendet werden. Eine (teilweise) zweckwidrige Verwendung schließt die Steuerfreiheit
(insoweit) aus (VwGH 9.11.2004, 2000/15/0153). Die Steuerfreiheit ist jedenfalls
ausgeschlossen, wenn die Zuwendungen mit Leistungen des Empfängers in der Weise
verknüpft sind, dass sie die Gegenleistung für dessen Leistung darstellen, wenn sie also
Entgeltcharakter haben. Eine derartige Verknüpfung liegt vor, wenn die Leistung erbracht
wird, um die Gegenleistung zu erhalten. Keine entgeltliche Leistung wird erbracht, wenn eine
Zuwendung ohne jeden Zusammenhang mit einem Leistungsaustausch gegeben wird.
Beispiel:
Einem Arzt wird auf Grund eines Gemeinderatsbeschlusses von der Gemeinde ein
Grundstück zum Zweck der Errichtung eines Arzthauses geschenkt gegen die
Verpflichtung, mindestens 15 Jahre lang die Arztpraxis in der Gemeinde zu betreiben.
Eine Verletzung dieser Obliegenheit führt zur Verpflichtung, der Gemeinde die
Anschaffungskosten und die Grunderwerbssteuer zu ersetzen. Die Leistung der
Gemeinde steht demnach mit der Führung der Arztpraxis während der vereinbarten
Zeitdauer in der beschriebenen Wechselbeziehung. Eine unentgeltliche Zuwendung iSd
§ 3 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 liegt nicht vor, sodass diese Gesetzesstelle nicht anwendbar
ist (VwGH 26.3.1996, 95/14/0071).

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Zur Bewertung von mit Hilfe steuerfreier Zuwendungen angeschaffter (hergestellter oder
instandgesetzter) Anlagegüter siehe Rz 2539 ff.
3.2.1.5 Nachträgliche Gewährung
305
Auch in jenen Fällen, in denen eine Zuwendung iSd § 3 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 nicht in jenem
Wirtschaftsjahr gewährt wird, in dem die betreffende Anschaffung (Herstellung oder
Instandsetzung) erfolgt, sondern erst in einem der folgenden Wirtschaftsjahre, kann die
Befreiungsbestimmung Anwendung finden. Der Steuerpflichtige muss nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen, dass für die betreffende Investition - gegebenenfalls
vorbehaltlich der Erfüllung einer bestimmten Bedingung - tatsächlich eine Zuwendung iSd
§ 3 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 zugesagt wurde und für diese zugesagte Zuwendung die im § 3
Abs. 1 Z 6 EStG 1988 genannten Voraussetzungen gegeben sind. Siehe Rz 2539 ff.
3.2.1.6 Überförderung
305a
Der Begriff "Herstellung" in § 3 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 ist im Sinne des steuerlichen
Herstellungskostenbegriffes zu verstehen. Soweit die steuerlichen Herstellungskosten nicht
zu aktivierende Eigenleistungen enthalten, fehlt es an der Grundlage für die Steuerfreiheit
jenes über die steuerlichen Herstellungskosten hinausgehenden Subventionsteiles, der auf
die nicht zu aktivierenden Eigenleistungen entfällt (ebenso Rz 6508 zu § 28 Abs. 6
EStG 1988).
3.2.2 Erwerb von Anteilsrechten auf Grund einer Kapitalerhöhung aus
Gesellschaftsmitteln (§ 3 Abs. 1 Z 29 EStG 1988)
3.2.2.1 Kapitalerhöhung
306
Eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln auf Grund des Kapitalberichtigungsgesetzes,
BGBl. Nr. 171/1967, wäre steuerlich dem Grunde nach als Ausschüttung an die
Gesellschafter mit nachfolgender Wiedereinlage zu werten (Doppelmaßnahme). Um die
damit im Jahr der Kapitalberichtigung verbundene Besteuerung natürlicher Personen gemäß
§ 97 EStG 1988 (Endbesteuerung) zu vermeiden, ist diese Ausschüttung gemäß § 3 Abs. 1 Z
29 EStG 1988 steuerfrei. Eine mitbeteiligte Körperschaft ist davon nicht betroffen, da die
Ausschüttung unter die Beteiligungsertragsbefreiung des § 10 Abs. 1 KStG 1988 fällt. Der
Kapitalberichtigungsbeschluss ist innerhalb von neun Monaten nach dem Bilanzstichtag beim
Firmenbuch anzumelden und wird mit der Eintragung im Firmenbuch wirksam. Die
Gratisaktien bzw. Freianteile wachsen den Aktionären/Gesellschaftern im Verhältnis ihrer
Beteiligungsquote zu.

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Zu den umwandlungsfähigen Rücklagen iSd § 2 Abs. 3 Kapitalberichtigungsgesetz gehören:
Offene freie und offene gebundene versteuerte Gewinnrücklagen unter Einbeziehung von
Reingewinn- oder Reinverlust; Investitionsfreibeträge nach Ablauf der vierjährigen
Behaltefrist; Investitionsprämien; stille Rücklagen, soweit sie durch unternehmensrechtliche
Zuschreibungen realisiert wurden.
Nicht umwandlungsfähig sind ua. folgende Bilanzpositionen: Noch nicht realisierte stille
Rücklagen; Übertragungsrücklagen nach § 12 EStG 1988; Investitionsfreibeträge innerhalb
der (vier) Behaltejahre; Wertberichtigungen und Rückstellungen; Gesellschafterdarlehen, die
nur abgabenrechtlich als Einlagen (verdecktes Grund- oder Stammkapital) behandelt werden.
Die Erfüllung der gesellschaftsvertraglichen Einzahlungsverpflichtung durch die Gesellschafter
einer Kapitalgesellschaft stellt auch dann keine Kapitalerhöhung iSd
Kapitalberichtungsgesetzes dar, wenn die dafür erforderlichen Mittel aus den
(ausgeschütteten) Gewinnen der Gesellschaft stammen.
Ein bei einer Kapitalerhöhung nach dem Kapitalberichtigungsgesetz aus dem
Kapitalrücklagen-Evidenzsubkonto in das Nennkapital-Evidenzsubkonto übertragener Betrag
fällt nicht unter die Doppelmaßnahme, § 3 Abs. 1 Z 29, § 6 Z 15 und § 32 Z 3 EStG 1988
sind darauf nicht anwendbar; es kann im Jahr der Kapitalberichtigung zu keiner
Einlagenrückzahlung kommen.
Siehe dazu weiters Rz 2608 f und 6907 ff.
307
Wird die Forderung auf Grund eines Ausschüttungsbeschlusses zu einer Kapitalerhöhung
verwendet, liegt keine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln vor. Der Vorgang stellt bei
natürlichen Personen als Gesellschafter eine Ausschüttung mit Endbesteuerung und einen
nachfolgenden Einlagevorgang iSd § 6 Z 14 EStG 1988 dar.
3.2.2.2 Ausländische Körperschaften
308
Die Steuerfreiheit erstreckt sich auch auf die Kapitalerhöhung vergleichbarer ausländischer
Kapitalgesellschaften. Der Erwerber der neuen Anteile hat den Nachweis zu führen, dass die
ausländische Gesellschaft einer inländischen Kapitalgesellschaft entspricht und die neuen
Anteilsrechte nicht nur den inländischen Gratisaktien (GmbH-Anteilen) ähnlich sind, sondern
auch auf einer der nominellen Kapitalerhöhung vergleichbaren Maßnahme beruhen.
3.2.2.3 Beschränkte Steuerpflicht
309

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Die Steuerfreiheit erstreckt sich nicht nur auf unbeschränkt steuerpflichtige natürliche
Personen und Körperschaften iSd KStG 1988, sondern wirkt als sachliche Steuerbefreiung
auch für beschränkt (Einkommen-) Steuerpflichtige.
3.2.2.4 Kapitalanteilscheine
310
Die Bestimmung des § 3 Abs. 1 Z 29 EStG 1988 ist auch auf die Ausgabe neuer
Kapitalanteilscheine (aktienähnliche Genussrechte iSd § 8 Abs. 3 Z 1 2. Teilstrich KStG 1988)
im Zuge der Kapitalberichtigung anwendbar.
3.2.2.5 Investmentfonds
Randzahl 311: entfällt
3.2.2.5.1 Neue Anteile
312
Der Befreiungstatbestand ist jedoch nicht erfüllt, wenn Ausschüttungen des Investmentfonds
selbst automatisch in neuen Anteilen angelegt werden. Dies gilt auch dann, wenn der
Investmentfonds nach ausländischem Recht in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft
geführt wird, und wenn auf Grund der Fondsbedingungen dieser Erwerb von neuen Anteilen
für den Anteilsinhaber zwingend ist. Die Tatsache, dass unmittelbar darauf eine Re-
Veranlagung in einen neuen Anteil vorgenommen wird, stellt lediglich die
Einkommensverwendung einer steuerpflichtigen Ausschüttung dar.
3.2.2.6 Genossenschaften
313
Die Befreiungsbestimmung ist auf den Erwerb von Anteilsrechten auf Grund einer
Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln bei Genossenschaften nicht anwendbar, da die
Kapitalerhöhung bei Genossenschaften nicht vom Kapitalberichtigungsgesetz geregelt wird.
3.2.2.7 Bewertung
Zur Bewertung von Anteilsrechten und allfälligen Nachversteuerung siehe Rz 2608 f und
6907 ff.
3.2.3 Übrige Steuerbefreiungen
Stipendien iSd § 3 Abs. 1 Z 5 Kunstförderungsgesetz (insbesondere von Studienaufenthalten
im Ausland) und Preise iSd § 3 Abs. 1 Z 7 Kunstförderungsgesetz (Vergabe von Staats-,
Würdigungs- und Förderungspreisen sowie Prämien und Preise für hervorragende
künstlerische Leistungen) sind von der Einkommensteuer befreit. Dies gilt auch für im
Grunde und der Höhe nach vergleichbare Leistungen auf Grund von landesgesetzlichen
Vorschriften sowie für Stipendien und Preise, die unter vergleichbaren Voraussetzungen von

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nationalen und internationalen Förderungsinstitutionen vergeben werden (§ 3 Abs. 3
Kunstförderungsgesetz).
Hinsichtlich der übrigen Steuerbefreiungen siehe LStR 2002 Rz 23 bis 111.
3.3 Hochrechnung steuerfreier Bezugsteile (§ 3 Abs. 2 und
3 EStG 1988)
Siehe LStR 2002 Rz 113 bis 119.
3.4 Einkommensteuerbefreiungen außerhalb des EStG 1988
3.4.1 Diverse Staatsverträge (Abkommen, Übereinkommen),
Bundesgesetze und Verordnungen
Siehe Anhang (Rz 335).
3.4.2 Einkommensteuerbefreiung der Angehörigen der ausländischen
diplomatischen und berufskonsularischen Vertretungen in Österreich
3.4.2.1 Wiener Übereinkommen
314
Nach dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen vom 18. April 1961,
BGBl. Nr. 66/1966, gilt für die Mitglieder ausländischer diplomatischer Missionen in
Österreich sowie für die Familienangehörigen und privaten Hausangestellten von Mitgliedern
solcher Missionen auf dem Gebiet der Einkommensteuer Folgendes:
3.4.2.1.1 Diplomaten, Familienangehörige
315
Diplomaten einer ausländischen Mission (ausgewiesen durch einen roten Lichtbildausweis
des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten - "rote Legitimationskarte") sind
von der Einkommensteuer befreit, wenn sie weder österreichische Staatsbürger noch in
Österreich ständig ansässig sind. Die Einkommensteuerbefreiung erstreckt sich jedoch nicht
auf die privaten Einkünfte aus Quellen in Österreich (steuerpflichtig sind demnach die
inländischen Einkünfte iSd § 98 EStG 1988 mit Ausnahme der Dienstbezüge vom
Entsendestaat). Das Gleiche gilt für die Familienangehörigen eines Diplomaten, wenn sie zu
seinem Haushalt gehören und nicht österreichische Staatsbürger sind.
3.4.2.1.2 Verwaltungs- und technisches Personal
316
Mitglieder des Verwaltungs- und technischen Personals einer ausländischen Mission
(ausgewiesen durch einen blauen Lichtbildausweis des Bundesministeriums für auswärtige

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Angelegenheiten - "blaue Legitimationskarte") und die zu ihrem Haushalt gehörenden
Familienmitglieder genießen, wenn sie weder österreichische Staatsbürger noch in Österreich
ständig ansässig sind, Befreiung von der Einkommensteuer in gleichem Umfang wie
Diplomaten.
3.4.2.1.3 Dienstliches Hauspersonal
317
Mitglieder des dienstlichen Hauspersonals einer ausländischen Mission genießen, wenn sie
weder österreichische Staatsbürger noch in Österreich ständig ansässig sind, Befreiung von
der Einkommensteuer hinsichtlich ihrer vom Entsendestaat empfangenen Dienstbezüge.
3.4.2.1.4 Private Hausangestellte
318
Private Hausangestellte von Mitgliedern einer ausländischen Mission genießen, wenn sie
weder österreichische Staatsbürger noch in Österreich ständig ansässig sind, Befreiung von
der Einkommensteuer hinsichtlich der auf Grund ihres Arbeitsverhältnisses empfangenen
Dienstbezüge.
3.4.2.2 Nicht-Vertragsstaaten
319
Abschn. 3.4.2.1 findet im Hinblick darauf, dass das Wiener Übereinkommen über
diplomatische Beziehungen vom 18. April 1961 als Kodifikation des Völkergewohnheitsrechts
auf dem Gebiet der diplomatischen Beziehungen anzusehen ist, auch im Verhältnis zu
Staaten Anwendung, die nicht Vertragsstaaten des genannten Übereinkommens sind
(Art. 9 B-VG).
3.4.2.3 Konsularische Vertretung
320
Bestimmungen über die einkommensteuerrechtliche Behandlung der Mitglieder der von
Berufskonsuln (ausgewiesen durch einen gelben Lichtbildausweis des Bundesministeriums für
auswärtige Angelegenheiten - "gelbe Legitimationskarte") geleiteten ausländischen
konsularischen Vertretungen in Österreich und der Honorarkonsuln sind im Wiener
Übereinkommen über konsularische Beziehungen, BGBl. Nr. 318/1969, sowie in bilateralen
Konsularverträgen und in Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsverträgen enthalten (vgl.
zB die in Rz 335 angeführten Konsularverträge). Demnach ergibt sich für die Besteuerung
Folgendes:
3.4.2.3.1 Berufskonsuln, Verwaltungs- oder technisches Personal,
Familienangehörige
321

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Berufskonsuln und Bedienstete des Verwaltungs- oder technischen Personals einer
ausländischen, von einem Berufskonsul geleiteten konsularischen Vertretung sowie die mit
diesen Personen im gemeinsamen Haushalt lebenden Familienangehörigen sind unter der
Voraussetzung der Gegenseitigkeit von der Einkommensteuer befreit, wenn sie weder
österreichische Staatsbürger noch in Österreich ständig ansässig sind. Die
Einkommensteuerbefreiung erstreckt sich jedoch nicht auf die privaten Einkünfte aus Quellen
in Österreich; steuerpflichtig sind demnach die inländischen Einkünfte iSd § 98 EStG 1988
mit Ausnahme der Dienstbezüge vom Entsendestaat.
3.4.2.3.2 Dienstliches Hauspersonal
322
Mitglieder des dienstlichen Hauspersonals einer ausländischen, von einem Berufskonsul
geleiteten konsularischen Vertretung sind unter der Voraussetzung der Gegenseitigkeit von
der Einkommensteuer hinsichtlich ihrer vom Entsendestaat empfangenen Dienstbezüge
befreit, wenn sie weder österreichische Staatsbürger noch in Österreich ständig ansässig
sind.
3.4.2.3.3 Honorarkonsul
323
Ein Honorarkonsul ist unter der Voraussetzung der Gegenseitigkeit von der Einkommensteuer
hinsichtlich der Bezüge, die er vom Entsendestaat für die Wahrnehmung konsularischer
Aufgaben erhält, befreit, wenn er weder österreichischer Staatsbürger noch in Österreich
ständig ansässig ist.
3.4.2.4 Ständig ansässig
324
Für die Beurteilung der Frage, ob eine der in den vorstehenden Absätzen bezeichneten
Personen in Österreich "ständig ansässig" ist, sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des
Dienstantrittes bzw. der Funktionsübernahme maßgebend (VwGH 20.2.1996, 92/13/0153).
3.4.2.5 Doppelbesteuerungsabkommen
325
Ergibt sich unter Bedachtnahme auf die Rz 314 ff, dass für bestimmte Einkünfte oder für das
Gesamteinkommen in Österreich Einkommensteuerpflicht gegeben ist, so ist in jedem Fall die
weitere Prüfung erforderlich, ob nicht eine abweichende Regelung in einem anzuwendenden
DBA getroffen wurde.
3.4.2.6 Beschränkte Steuerpflicht
326

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Die in Rz 315 f und Rz 321 genannten Personen sind wie beschränkt Steuerpflichtige zu
behandeln (VwGH 29.1.1965, 0202/63). Bei diesen Personen ist daher § 102 EStG 1988 zu
beachten. Ein Progressionsvorbehalt hinsichtlich der durch die Wiener Diplomatenkonvention
oder die Wiener Konsularkonvention (bzw. durch ein Amtssitzabkommen) befreiten Einkünfte
ist jedoch nur zulässig, wenn er in der Wiener Diplomatenkonvention oder der Wiener
Konsularkonvention (bzw. im Amtssitzabkommen) ausdrücklich vorgesehen ist, was jedoch
idR nicht der Fall ist.
3.4.2.7 Ortskräfte
Zur einkommensteuerlichen Behandlung völkerrechtlich nicht privilegierter Arbeitnehmer, wie
zB der so genannten Ortskräfte ("sur-place-Personal"), siehe LStR 2002 Rz 124 bis 126.
3.4.3 Einkommensteuerbefreiung auf Grund von Amtssitzabkommen
zwischen der Republik Österreich und internationalen Organisationen
3.4.3.1 Begünstigungen
327
Die in den von Österreich abgeschlossenen Amtssitzabkommen enthaltenen steuerlichen
Begünstigungen bewegen sich üblicherweise innerhalb eines bestimmten Privilegienumfangs.
Im Einzelfall ist zur Berücksichtigung der jeweiligen Besonderheiten auf die Bestimmungen
des jeweiligen Amtssitzabkommens Bedacht zu nehmen (siehe Rz 335). Im Folgenden wird
der "übliche" Privilegienumfang am Beispiel des Abkommens zwischen der Republik
Österreich und der Organisation der Vereinten Nationen für Industrielle Entwicklung über
den Amtssitz der Organisation der Vereinten Nationen für Industrielle Entwicklung (UNIDO),
BGBl. III Nr. 100/1998, dargestellt.
3.4.3.1.1 Befreiung
328
Die Organisation, ihre Vermögenswerte, Einkünfte und anderes Eigentum sind von jeder
Form der Besteuerung (persönlich) befreit (Abschnitt 24 des Abkommens).
3.4.3.1.2 Privilegien
329
Die bei der Organisation beglaubigten Ständigen Vertretungen (nicht aber ständige
Beobachtermissionen) und deren höherrangige Mitglieder genießen Privilegien wie die in
Österreich akkreditierten Ständigen Vertretungen und deren Mitglieder vergleichbaren
Ranges (Abschnitt 31 f UNIDO-Abkommen; siehe Rz 315 f).
3.4.3.1.3 Tagungen
330

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Vertreter der Mitgliedstaaten bei von der Organisation einberufenen Tagungen genießen die
Begünstigung, dass der durch die Tagungsteilnahme bedingte Aufenthaltszeitraum in
Österreich nicht als Aufenthalt iSd § 26 Abs. 2 BAO gilt und dass ihre Gehälter und Bezüge
während eines solchen Zeitraumes von der Einkommensteuer befreit sind (Abschnitt 33
UNIDO-Abkommen).
3.4.3.1.4 Angestellte der Organisation
331
Angestellte der Organisation (auch österreichische Staatsbürger) genießen die Befreiung von
der Einkommensteuer hinsichtlich der Dienstbezüge (einschließlich der Ruhebezüge) der
Organisation. Weiters genießen die nichtösterreichischen Angestellten die Befreiung von der
Einkommensteuer hinsichtlich aller Einkünfte, die aus Quellen außerhalb Österreichs
stammen. Dies gilt sinngemäß auch für die Einkünfte der im gemeinsamen Haushalt
lebenden Familienangehörigen (Abschnitt 37 und 39 UNIDO-Abkommen).
3.4.3.1.5 Höhere Angestellte
332
Bestimmte höhere Angestellte der Organisation (zB Generaldirektor) genießen Privilegien wie
die in Österreich akkreditierten Diplomaten vergleichbaren Ranges (Abschnitt 38 UNIDOAbkommen;
siehe auch Rz 315 f).
3.4.3.1.6 Sachverständige
333
Sachverständige genießen die Begünstigung, dass der durch die Erfüllung ihrer Aufgaben
bedingte Aufenthaltszeitraum in Österreich nicht als Aufenthalt iSd § 26 Abs. 2 BAO gilt und
dass ihre von der Organisation empfangenen Gehälter und Bezüge während eines solchen
Zeitraumes von der Einkommensteuer befreit sind (Abschnitt 43 UNIDO-Abkommen). Unter
diese Steuerbefreiung fallen somit nicht die Gehälter und Bezüge, die ein in Österreich
Ansässiger erhält, der als Sachverständiger der Organisation im Ausland tätig ist.
3.4.3.1.7 Österreichische Staatsbürger und Staatenlose
334
Österreichische Staatsbürger und Staatenlose mit Wohnsitz in Österreich genießen, wenn sie
Angestellte der Organisation sind, lediglich Befreiung von der Einkommensteuer hinsichtlich
der von der Organisation erhaltenen Dienstbezüge (einschließlich der Ruhebezüge). Alle
übrigen Einkommensteuerprivilegien des Abkommens finden auf österreichische Staatsbürger
und auf Staatenlose mit Wohnsitz in Österreich keine Anwendung (Abschnitt 39 UNIDOAbkommen).
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Wohnsitz in Österreich vorliegt, sind die
Verhältnisse im Zeitpunkt der Funktionsübernahme bzw. des Dienstantrittes maßgebend. Der

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Begriff "Angestellte der Organisation" umfasst nicht die von der Organisation an Ort und
Stelle aufgenommenen und nach Stundenlohn bezahlten Arbeitnehmer ("sur-place-
Personal"). Solche Arbeitnehmer sind mit den Vergütungen, die sie von der Organisation für
ihre Dienstleistungen erhalten, im Wege der Veranlagung zur Einkommensteuer zu erfassen.
In Zweifelsfällen bezüglich der Angestellteneigenschaft einer Person ist eine Stellungnahme
der Organisation einzuholen.
3.4.3.2 Bedienstete der Europäischen Union
Zur einkommensteuerrechtlichen Behandlung von Bediensteten der Europäischen Union
siehe LStR 2002 Rz 127 bis 137.
Anhang (zu Abschnitt 3.4.1)
335
. Asiatische Entwicklungsbank, BGBl. Nr. 13/1967;
. Aushilfegesetz, BGBl. Nr. 712/1976 (§ 17 Abs. 1);
. Auslandsanleihengesetz, BGBl. Nr. 239/1958 (§ 4);
. Besatzungsschädengesetz, BGBl. Nr. 126/1958 (§ 29);
. Donaukommission, BGBl. Nr. 249/1965 (Art. V);
. Energieanleihegesetz 1955, BGBl. Nr. 58/1955 (§ 2 Abs. 2);
. Energieanleihegesetz 1959, BGBl. Nr. 176/1959 (§ 4);
. Entschädigungsgesetz CSSR, BGBl. Nr. 452/1975 idF BGBl. I Nr. 125/1997 (§ 44 Abs. 1);
. Europarat, BGBl. Nr. 127/1957 (Art. 18) und BGBl. Nr. 242/1965 (Art. 1);
. Europäische Freihandelsassoziation, BGBl. Nr. 142/1961 (Art. 13, 14 und 17 lit. d);
. Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Russischen Föderation über den
Handel und die wirtschaftliche Zusammenarbeit, BGBl. Nr. 567/1995 (Art. 17);
. Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), BGBl. Nr. 82/1958 (Abschnitt 29, 30 bis
35, 38, 39, 43, 48) und BGBl. Nr. 40/1965;
. Internationales Institut für angewandte Systemanalyse, BGBl. Nr. 219/1981 und
441/1979 (§ 3);
. Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz, BGBl. I Nr. 142/2000 (§ 10);
. Kriegs- und Verfolgungssachschädengesetz, BGBl. Nr. 127/1958 (§ 19);
. Kulturabkommen mit Frankreich, BGBl. Nr. 220/1947 (Art. 3);

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. Künstler-Sozialversicherungsfondsgesetz (K-SVFG), BGBl. Nr. 131/2000 (§ 14 Abs. 3);
. Liga der Arabischen Staaten und deren Büro in Österreich, BGBl. Nr. 514/1982 (§ 7);
. Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OEL), BGBl. Nr. 382/1974 (Art. 22);
. OPEC-Fonds für internationale Entwicklung, BGBl. Nr. 248/1982;
. Organisation der Vereinten Nationen, BGBl. Nr. 126/1957 (Art. V) und BGBl. Nr.
217/1957;
. Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO), BGBl. III Nr.
100/1998 (näheres siehe Abschn. 3.4.3.1);
. Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), BGBl. Nr.
248/1961 und 164/1955;
. Abkommen zwischen Österreich und Ägypten auf den Gebieten der Kultur, Wissenschaft
und Erziehung, BGBl. Nr. 198/1992 (Art. 54);
. Rat für die Zusammenarbeit auf dem Gebiete des Zollwesens, BGBl. Nr. 165/1955 (Art.
VI);
. Ständige Beobachtermission der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, BGBl.
Nr. 277/1979 (§ 2);
. Ständige Beobachtermissionen bei internationalen Organisationen, BGBl. Nr. 614/1978 (§
8);
. Elftes Staatsvertragsdurchführungsgesetz, BGBl. Nr. 195/1962 idF BGBl. Nr. 91/1993 (§
35);
. Umsiedler- und Vertriebenen- Entschädigungsgesetz, BGBl. Nr. 177/1962 (§ 19);
. Unabhängige Kommission für Fragen der Abrüstung und der Sicherheit, BGBl. Nr.
293/1981 (§ 2);
. Erstes Verstaatlichungs-Entschädigungsgesetz, BGBl. Nr. 189/1954 (§ 17);
. Zweites Verstaatlichungs-Entschädigungsgesetz, BGBl. Nr. 3/1960 (§ 9);
. Verteilungsgesetz Bulgarien, BGBl. Nr. 129/1964 (§ 37);
. Verteilungsgesetz Polen, BGBl. Nr. 75/1974 (§ 45);
. Zwischenstaatliches Komitee für die Auswanderung aus Europa, BGBl. Nr. 530/1980;
. Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen, BGBl. Nr. 66/1966 (näheres
siehe Abschnitt 3.4.2.1);

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. Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen, BGBl. Nr. 318/1969 (näheres
siehe Abschnitt 3.4.2.3);
. Protokoll über die Vorrechte und Befreiungen der Europäischen Gemeinschaften, ABl. Nr.
L 152 vom 13.7.1967;
. Bundesgesetz vom 14.12.1977 über die Einräumung von Privilegien und Immunitäten an
internationale Organisationen, BGBl. Nr. 677/1977 idF BGBl. I Nr. 2/1997;
. UNO (Vereinte Nationen, Amtssitz Wien), BGBl. III Nr. 99/1998 (Art. XII);
. CTBTO-PREPCOM (Vorbereitende Kommission für die Organisation des Vertrages über
das umfassende Verbot von Nuklearversuchen), BGBl. III Nr. 188/1997 (Art. XIV, XV,
XVI);
. JVI (Joint Vienna Institute), BGBl. III Nr. 187/1997 (Art. 14, 15, 18);
. Internationales Registeramt der Weltorganisation für geistiges Eigentum für audiovisuelle
Werke, BGBl. Nr. 405/1992 (Art. 13, 14, 15);
. Internationales Zentrum für Migrationspolitikentwicklung (ICMPD), BGBl. III Nr. 127/1997
(Art. 2);
. Sekretariat des Wassenaar Arrangements, BGBl. Nr. 661/1996 (§ 2);
. Vorläufiges Sekretariat des Donauschutzübereinkommens, BGBl. Nr. 501/1995 (§ 3);
. Dienststelle Wien des Europäischen Patentamts, BGBl. Nr. 672/1990 (Art. 16);
. Einrichtungen der OSZE in Österreich, BGBl. Nr. 511/1993;
. Amerikanische Internationale Schule in Wien, BGBl. Nr. 665/1991 (Art. 2);
. Internationales Register audiovisueller Werke in Klosterneuburg der Weltorganisation für
geistiges Eigentum, BGBl. Nr. 674/1990;
. Lycée Francais, BGBl. Nr. 44/1983;
. ESA (Europäische Weltraumorganisation), BGBl. Nr. 95/1987 (Anlage I, Art. XVIII) und
BGBl. Nr. 757/1988 (Art. I);
. Konsularvertrag Ungarn, BGBl. Nr. 146/1977 (Art. 24);
. Konsularvertrag Polen, BGBl. Nr. 383/1975 (Art. 24);
. Konsularvertrag Bulgarien, BGBl. Nr. 342/1976 (Art. 41);
. Konsularvertrag Rumänien, BGBl. Nr. 317/1972 (Art. 44);
. Konsularvertrag Großbritannien, BGBl. Nr. 19/1964 (Art. 21);

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. UN-Spezialorganisationen, BGBl. Nr. 40/1955 idgF (§ 1) in Verbindung mit dem
Übereinkommen über die Privilegien und Immunitäten der Spezialorganisationen, BGBl.
Nr. 248/1950 idgF (das sind zB: Internationale Zivilluftfahrtsorganisation, Internationaler
Währungsfonds, Internationale Bank für Wiederaufbau und Wirtschaftsförderung,
Weltgesundheitsorganisation, Weltpostverein, Internationale Entwicklungsorganisation,
Weltorganisation für geistiges Eigentum);
. Kunstförderungsgesetz, BGBl. Nr. 146/1988 (§ 3 Abs. 3);
. Filmförderungsgesetz, BGBl. Nr. 557/1980 (§ 17 Abs. 2);
. Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, BGBl. Nr. 222/1991 (Art. 53);
. Europäische Fernmeldesatellitenorganisation (EUTELSAT), BGBl. Nr. 176/1989 (Art. 9);
. Europäische Organisation für Kernforschung (CERN), BGBl. Nr. 26/1990 (Art. 1);
. Entschädigung von Vermögensverlusten in Jugoslawien, BGBl. Nr. 500/1980 (§ 13);
. Finanzielle Hilfeleistungen an Spätheimkehrer, BGBl. Nr. 128/1958 (§ 5 Abs. 1);
. Konsularvertrag Russische Föderation, BGBl. Nr. 21/1960 (Art. 9);
. Konsularvertrag Jugoslawien, BGBl. Nr. 378/1968 (Art. 10).
Randzahlen 336 bis 400: derzeit frei

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4 Gewinnermittlung - Allgemeine Vorschriften
(§§ 4 und 5 EStG 1988)
4.1 Gewinn, Betriebsvermögen, Betriebsvermögensvergleich
4.1.1 Gewinn
401
Der Begriff Gewinn umfasst sowohl ein positives als auch ein negatives Jahresergebnis. Alle
Bestimmungen, die sich auf die Gewinnermittlung beziehen, gelten grundsätzlich auch für die
Ermittlung von Verlusten.
4.1.1.1 Allgemeines
402
Die formellen Vorschriften, insbesondere über die für die Zwecke der Gewinnermittlung zu
führenden Aufzeichnungen sind zum Teil in unternehmensrechtlichen Bestimmungen, zum
Teil in der Bundesabgabenordnung (§§ 124 bis 132 BAO) enthalten. Die Periode, für die der
Gewinn zu ermitteln ist, ist das Wirtschaftsjahr. Das Wirtschaftsjahr umfasst zwölf Monate,
sofern sich nicht aus § 2 Abs. 5 bis 7 EStG 1988 ein kürzerer Zeitraum ergibt (siehe
Rz 179 ff). Die Methode, nach der der Gewinn zu ermitteln ist, ist grundsätzlich jene des
Betriebsvermögensvergleiches.
4.1.1.1.1 Buchführungspflicht nach Unternehmensrecht
403
Die Buchführungspflicht nach Unternehmensrecht ergibt sich aus § 189 UGB; siehe dazu
Rz 430e ff.
Randzahlen 404 bis 406: entfallen
4.1.1.1.2 Buchführungspflicht nach Steuerrecht
407
Wer nach unternehmensrechtlichen Vorschriften zur Buchführung verpflichtet ist, muss
gemäß § 124 BAO auch für steuerliche Zwecke Bücher führen. Für land- und
forstwirtschaftliche Betriebe und land- und forstwirtschaftliche wirtschaftliche
Geschäftsbetriebe besteht steuerlich Buchführungspflicht, wenn eine der beiden Grenzen des
§ 125 BAO überschritten wird.
408
Die Verpflichtung zur Führung von Büchern besteht unabhängig von der Ordnungsmäßigkeit
und Vollständigkeit der vorhandenen Aufzeichnungen (VwGH 25.6.1997, 93/15/0141).
Werden freiwillig oder nach § 124 oder 125 BAO Bücher geführt, ist ein

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Betriebsvermögensvergleich auf Basis einer doppelten Buchführung vorzunehmen
(VwGH 31.7.1996, 92/13/0015; vgl. auch § 4 Abs. 1 EStG 1988).
4.1.1.2 Betrieb
409
Allgemein kann der Begriff Betrieb als die Zusammenfassung menschlicher Arbeitskraft und
sachlicher Produktionsmittel in einer organisatorischen Einheit verstanden werden. Aus
ertragsteuerlicher Sicht ist ein Betrieb aber nur gegeben, wenn er der Erzielung von
Einkünften iSd § 2 Abs. 3 Z 1 bis 3 EStG 1988 (betriebliche Einkunftsarten) dient. Der
Gewinnbegriff des Einkommensteuergesetzes bezieht sich jeweils auf den einzelnen Betrieb.
Ein Betrieb kann zwar mehrere Teilbetriebe (Betriebszweige) oder Betriebsstätten umfassen;
der Gewinn ist dennoch einheitlich zu ermitteln (VwGH 5.2.1974, 1511/73).
410
Unterhält der Steuerpflichtige mehrere Betriebe, die nicht als einheitlicher Betrieb anzusehen
sind, ist der Gewinn oder Verlust für jeden Betrieb gesondert zu ermitteln, und zwar
unabhängig davon, ob die Betriebe der gleichen oder verschiedenen Einkunftsarten
angehören.
4.1.1.3 Einheitlicher Betrieb
411
Ob Tätigkeiten mehrere Betriebe oder einen einheitlichen Betrieb (mit Teilbetriebsbereichen)
begründen, ist nach objektiven Grundsätzen iSd Verkehrsauffassung zu beurteilen
(VwGH 22.11.1995, 94/15/0154). Dabei ist auf das Ausmaß der organisatorischen,
wirtschaftlichen und finanziellen Verflechtung zwischen den einzelnen Betriebsbereichen
abzustellen.
Für einen einheitlichen Betrieb (mit Teilbetriebsbereichen) sprechen insbesondere folgende
Umstände (VwGH 28.11.2007, 2005/15/0034):
. Wirtschaftliche Über- und Unterordnung zwischen den Betrieben (zB Herstellungs- und
Handelsbetrieb sind weitgehend miteinander verflochten).
. Hilfsfunktion eines Betriebes gegenüber dem anderen.
. Einheitliche Betriebsaufschrift sowie räumliche Verflechtung.
. Verwendung gleicher Rohstoffe, gleicher Anlagen und desselben Personals.
. Einheitliches Leistungsprogramm sowie räumliche Nähe.

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Auch nicht gleichartige Tätigkeiten können einen einheitlichen Betrieb bilden, wenn sie
geeignet sind, einander zu ergänzen (VwGH 27.05.2003, 98/14/0072; VwGH 21.05.1990,
88/15/0038).
412
Als einheitliche Betriebe wurden zB angesehen:
. Handel mit Kraftfahrzeugen und Reparatur von Kraftfahrzeugen (VwGH 25.11.1965,
1940/64)
. Weinbau und Weinhandel (VwGH 6.11.1968, 0051/67)
. Taxiunternehmen und Frühstückspension mit gemischtem Personal (VwGH 19.9.1973,
0261/72)
. Konzertpianistin und Klavierlehrerin (VwGH 30.9.1992, 90/13/0033)
. Werbeagentur und Unternehmensberatung (VwGH 22.11.1995, 94/15/0154).
4.1.1.4 Mehrere selbständige Betriebe eines Steuerpflichtigen
413
Als selbständige Betriebe wurden zB angesehen:
. Kinobetrieb und Filmverleihvertretung (VwGH 5.2.1960, 0953/57)
. Neonröhrenerzeugung und Münzwäscherei (VwGH 18.2.1971, 1727/69)
. Ein selbstgeführter Betrieb stellt eine andere Organisationseinheit und Betätigung dar als
ein gleichartiger Betrieb, der in seiner Gesamtheit verpachtet ist (VwGH 18.7.1995,
91/14/0217)
. Praxis als Facharzt für Psychiatrie und Neurologie und Betrieb eines Kosmetiksalons
(VwGH 23.5.2000, 99/14/0311).
. Luftverkehrsunternehmen bzw. Luftfahrzeug-Vermietungsunternehmen und ein Betrieb
für Computertechnik (VwGH 25.10.2001, 98/15/0133).
. Betreiben eines Einzelhandelsgeschäftes für Jagdtextilien und Vermittlung von Aufträgen
zwischen Unternehmern für die Lohnveredlung anderer Textilien (VwGH 17.12.2002,
2002/14/0135).
. Tätigkeit als Psychotherapeut (Maltherapie) und Ausübung der Malerei (VwGH 25.2.2003,
98/14/0088).
Die zu Einkünften gemäß § 22 Z 1 lit. b EStG 1988 führende Behandlung von
Sonderklassepatienten im Krankenhaus durch einen nichtselbständig tätigen Arzt erfolgt im
Rahmen der Erfüllung des Dienstvertrages mit dem Krankenhausträger mit den

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Betriebsmitteln des Krankenhauses; sie ist sachverhaltsbezogen – unter Ausklammerung der
Fiktion des § 22 Z 1 lit. b EStG 1988 – steuerlich dem Dienstverhältnis (§ 47 EStG 1988) des
Arztes zuzuordnen und stellt daher mit einer vom selben Arzt geführten Ordination keinen
einheitlichen Betrieb dar. Siehe auch Rz 5223.
4.1.1.5 Mitunternehmerschaft
Siehe Rz 5801 ff.
4.1.2 Arten der Gewinnermittlung im EStG 1988
414
Das Einkommensteuergesetz kennt vier Arten der Gewinnermittlung:
. Betriebvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 (siehe Rz 417 ff)
. Betriebsvermögensvergleich nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 (siehe Rz 426 ff)
. Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben nach
§ 4 Abs. 3 EStG 1988 (siehe Rz 658 ff)
. Besteuerung nach Durchschnittssätzen nach § 17 EStG 1988 (siehe Rz 4101 ff)
Die dem Verlangen des Prüfers entsprechende Vorlage einer Einnahmen-Ausgaben-
Rechnung im Rahmen einer abgabenbehördlichen Prüfung stellt keine Ausübung des
Wahlrechtes betreffend einer bestimmten Gewinnermittlungsart dar (VwGH 28.1.2005,
2002/15/0110).
4.1.3 Unterschied zwischen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
(§ 4 Abs. 3 EStG 1988) und Gewinnermittlung durch
Betriebsvermögensvergleich
415
Die Einnahmen-Ausgaben-Rechung ist eine vereinfachte Form der Gewinnermittlung. Es wird
ihr nicht ein Betriebsvermögensvergleich zu Grunde gelegt, sondern eine Gegenüberstellung
der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben, und zwar grundsätzlich im Sinne einer
Geldflussrechnung (näheres siehe Rz 658 ff).
4.1.4 Unterschiede zwischen Bestandsvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG 1988
und § 5 EStG 1988
416
Unterschiede:

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. Bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 bleiben Gewinne oder Verluste aus
der Veräußerung oder Entnahme und sonstige Wertschwankungen von Grund und Boden
außer Ansatz, bei der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 hingegen nicht.
. Bei der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 sind Rückstellungen und
Rechnungsabgrenzungsposten anzusetzen, während bei der Gewinnermittlung nach
§ 4 Abs. 1 EStG 1988 dafür ein Wahlrecht besteht.
. Bei der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 sind zusätzlich zu den steuerlichen Ansatzund
Bewertungsvorschriften die (unternehmensrechtlichen) Grundsätze ordnungsmäßiger
Buchführung (siehe Rz 431) zu beachten.
. Bei der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 kann ein vom Kalenderjahr abweichendes
Wirtschaftsjahr gewählt werden, bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 ist
dies nur buchführenden Land- und Forstwirten möglich.
. Bei der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 kann gewillkürtes Betriebsvermögen
angesetzt werden, bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 nicht.
Unterschiede zwischen den beiden Gewinnermittlungsarten sind sachlich gerechtfertigt
(VfGH 13.12.1972, B 145/72, und VfGH 20.6.1994, B 473/92).
4.1.5 Betriebvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG 1988
4.1.5.1 Allgemeines
417
Der Gewinn ist insbesondere nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 zu ermitteln, wenn
. die Voraussetzungen der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 nicht vorliegen, aber
freiwillig Bücher geführt werden;
. die Voraussetzungen der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 vorliegen, aber die
Aufschuboption nach § 124b Z 134 EStG 1988 (siehe Rz 430p) ausgeübt worden ist und
nach § 125 BAO idF vor dem StruktAnpG 2006 Buchführungspflicht besteht;
. bei Land- und Forstwirten die Buchführungsgrenzen des § 125 BAO überschritten sind;
. bei Einkünften aus selbständiger Arbeit, die unternehmensrechtlich keinen freien Beruf
darstellen, die Grenzen des § 189 Abs. 2 UGB überschritten werden.
418
Für die Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 gelten sowohl in formeller als auch in
materieller Hinsicht die allgemeinen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung.

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4.1.5.2 Allgemeine Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
419
Die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung gründen sich auf gesetzliche Bestimmungen,
die zum Gewohnheitsrecht gewordene allgemeine anerkannte Übung der kaufmännischen
Praxis und auf Gutachten der Kammer der Wirtschaftstreuhänder sowie der Vertreter der
Kaufleute. Die im UGB enthaltenen Bestimmungen über die Ordnungsmäßigkeit der
Buchführung lassen sich einteilen in
. im Wesentlichen formell (siehe Rz 420) ausgerichtete und
. im Wesentlichen materiell ausgerichtete(siehe Rz 421 ff) Bestimmungen.
4.1.5.2.1 Formelle Grundsätze nach Unternehmensrecht und Steuerrecht
420
Auf Grund der Bestimmung des § 190 Abs. 1 und Abs. 3 UGB müssen sich die Geschäftsfälle
in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen (Nachvollziehbarkeitsregel). Dazu ist es
notwendig, dass die Eintragungen in den Büchern
. vollständig
. richtig
. zeitgerecht und
. geordnet
vorgenommen werden.
Zur Führung von Büchern und Aufzeichnungen siehe §§ 131 und 132 BAO.
4.1.5.2.2 Materielle Grundsätze
421
Nach § 195 UGB hat der Jahresabschluss den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung zu
entsprechen. Wesentliche Erfordernisse ordnungsmäßiger Bilanzierung sind erfüllt, wenn bei
der Aufstellung des Jahresabschlusses folgende Grundsätze beachtet werden:
422
Bilanzzusammenhang (Bilanzidentität)
Die Bilanzidentität verlangt die Identität der Schlussbilanz eines Geschäftsjahres mit der
Eröffnungsbilanz des folgenden Geschäftsjahres. Keinen Verstoß gegen den Grundsatz der
Bilanzidentität stellt die Erstellung der Eröffnungsbilanz in Euro anlässlich der Umstellung des
Rechnungswesens auf den Euro dar.
423

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Bilanzkontinuität
Die formelle Bilanzkontinuität ieS fordert die Beibehaltung der einmal gewählten Gliederung
und Bezeichnung der Positionen in den Bilanzen sowie den Gewinn- und Verlustrechnungen.
Unter der materiellen Bilanzkontinuität ist die Bewertungsstetigkeit (§ 201 Abs. 2 Z 1 UGB)
zu verstehen. Danach sind die auf den vorhergehenden Jahresabschluss angewendeten
Bewertungsmethoden beizubehalten. Ein Abweichen von gewählten Bewertungsmethoden ist
nur bei Vorliegen von besonderen Umständen erlaubt (siehe Rz 2126 ff).
424
Bilanzwahrheit
Der Grundsatz der Bilanzwahrheit verlangt einen den tatsächlichen Verhältnissen
entsprechenden Ausweis des Vermögens und der Schulden des Unternehmens. Der
Grundsatz der Bilanzwahrheit ist dann als erfüllt anzusehen, wenn dem Grundsatz der
Bilanzvollständigkeit (§ 196 Abs. 1 UGB) und jenem der Einhaltung der gesetzlichen
Bewertungsvorschriften entsprochen wird. Liegt ein beabsichtigter Verstoß dagegen vor, wird
von Bilanzfälschung gesprochen.
425
Bilanzklarheit
Der Grundsatz der Bilanzklarheit verlangt eine klare und übersichtliche Gestaltung der Bilanz
und der Gewinn- und Verlustrechnung. Das Gebot der Klarheit ist erfüllt, wenn die einzelnen
Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung eindeutig aussagekräftig bezeichnet
werden. Die Bezeichnung der Posten richtet sich dabei nach dem allgemeinen Verständnis
eines kundigen Bilanzlesers. Die einmal gewählte Bezeichnung ist, sofern keine wesentliche
Änderung in der Zusammensetzung des Postens eintritt, beizubehalten.
Das Gebot der Klarheit verlangt weiters eine ausreichend detaillierte Gliederung des
Jahresabschlusses, die auf die Besonderheiten des Unternehmens Rücksicht nimmt.
Die Einzelposten sind klar von einander abzugrenzen. Aktiva und Passiva dürfen miteinander
nicht verrechnen sowie Aufwände und Erträge nicht saldiert werden. Werden Aktiven und
Schulden unklar und unübersichtlich bezeichnet bzw. wird unzulässigerweise saldiert, wird
von Bilanzverschleierung gesprochen.
4.1.6 Betriebsvermögensvergleich nach § 5 EStG 1988
4.1.6.1 Rechtslage bis 2006
426
Die Anwendung des § 5 EStG 1988 setzt grundsätzlich voraus, dass

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. die Firma im Firmenbuch eingetragen ist und
. der Steuerpflichtige aus dieser Tätigkeit Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 23 EStG 1988)
bezieht.
427
Eingetragene Erwerbsgesellschaften haben den Gewinn nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 zu
ermitteln, wenn sie Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielen und darüber hinaus eine
Verpflichtung zur Buchführung nach § 125 BAO besteht (§ 5 Abs. 2 EStG 1988).
428
Die Gewinnermittlung gemäß § 5 EStG 1988 gilt weiters für sämtliche Gesellschaften, bei
denen sich ein Gesellschafter als Mitunternehmer am Betrieb eines protokollierten
Gewerbetreibenden beteiligt. Neben der Beteiligung als atypisch stiller Gesellschafter kommt
auch eine Beteiligung in Form einer GesBR in Betracht. In allen Fällen muss der Betrieb des
protokollierten Gewerbetreibenden Gegenstand der Mitunternehmerschaft sein. Die
Beteiligung eines § 5-Ermittlers an einem nicht protokollierten Betrieb einer
Mitunternehmerschaft bewirkt hingegen für sich allein nicht, dass der Gewinn für den Betrieb
der Mitunternehmerschaft gemäß § 5 EStG 1988 zu ermitteln wäre.
Beispiel 1:
Am Betrieb des protokollierten Gewerbetreibenden A beteiligt sich der Gesellschafter B.
Der Betrieb des protokollierten Gewerbetreibenden A wird in der neu gegründeten OHG
A/B weitergeführt. Der Gewinn für den Betrieb der OHG A/B wird nach § 5 EStG 1988
ermittelt.
Beispiel 2:
Der protokollierte Gewerbetreibende C gründet mit D eine GesBR. Gegenstand der
GesBR ist ein neu gegründeter Betrieb, C führt seinen eigenen Betrieb neben der
Beteiligung gesondert weiter. Der Gewinn für den Betrieb der GesBR C/D ist nach
§ 4 Abs. 1 EStG 1988 (ggf. § 4 Abs. 3 EStG 1988), jener für den Betrieb des
protokollierten Gewerbetreibenden C nach § 5 EStG 1988 zu ermitteln.
429
Der Vermögensvergleich nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 hat nicht bloß nach den allgemeinen
Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung, sondern nach den unternehmensrechtlichen
Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung, jedoch unter Berücksichtigung der zwingenden
steuerlichen Gewinnermittlungsvorschriften zu erfolgen.
429a
Zum Übergangsrecht aufgrund des Unternehmensgesetzbuches siehe Rz 430m.
430
Für die Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 ist gleichgültig, ob die Firma zu Recht oder zu
Unrecht im Firmenbuch eingetragen ist oder ob ihre Eintragung zu Recht oder zu Unrecht

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unterblieben ist (VwGH 7.9.1990, 89/14/0286). Ein zu Unrecht protokollierter
Minderkaufmann hat daher seinen Gewinn ebenfalls gemäß § 5 EStG 1988 zu ermitteln. Ist
hingegen die Firma eines Vollkaufmannes nicht im Firmenbuch eingetragen, so hat er seinen
Gewinn nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 zu ermitteln. Wurde eine Erbengemeinschaft, die ein
Unternehmen fortführt, für dessen verstorbenen Inhaber eine Firma im Firmenbuch
eingetragen ist, nicht im Firmenbuch registriert, so ist deren Gewinn nicht nach
§ 5 EStG 1988 zu ermitteln, sondern nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 (VwGH 7.9.1990,
89/14/0286).
4.1.6.2 Rechtslage ab 2007
4.1.6.2.1 Allgemeines
430a
Mit 2007 ist an die Stelle des Handelsgesetzbuches das Unternehmensgesetzbuch (UGB)
getreten. Die steuerliche Gewinnermittlung knüpft dabei an die neu definierte, idR
umsatzabhängige unternehmensrechtliche Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB an. Die
neuen Rechnungslegungsvorschriften gelten grundsätzlich ab dem ersten im Jahr 2007
beginnenden Geschäftsjahr. Es bestehen jedoch sowohl nach dem UGB als auch nach dem
EStG bis zum Jahr 2010 reichende Übergangsregelungen.
Der bisherige Begriff „Handelsrecht“ wurde generell durch den Begriff „Unternehmensrecht“
ersetzt, aus dem „Kaufmann“ wird der „Unternehmer“.
HGB UGB
Handelgewerbe Unternehmen
Handelsrecht Unternehmensrecht
handelsrechtlich unternehmensrechtlich
kaufmännisch unternehmerisch
Einzelkaufmann Einzelunternehmer
Handelsbilanz UGB-Bilanz
Die wichtigsten Änderungen im Überblick:
bis 2006 ab 2007
Handelsgesetzbuch (HGB)
Unternehmensgesetzbuch
(UGB)

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Gilt für Kaufleute (Rz 403) Unternehmer (Rz 430f)
Handelsrechtliche
Buchführungspflicht,
gilt über § 124 BAO
auch steuerlich
für Vollkaufleute iSd HGB
(Rz 403 f)
für Unternehmer bei
Rechnungslegungspflicht iSd
§ 189 UGB (Rz 430e bis Rz
430k)
Steuerliche
Buchführungspflicht
nach § 125 BAO (ist
immer Gewinnermittlung
nach § 4
Abs. 1 EStG 1988,
siehe dazu unten)
für Land- und Forstwirte:
wenn Umsatz > 400.000 Euro
oder Einheitswert >
150.000 Euro
für Gewerbetreibende:
wenn Umsatz > 400.000 Euro,
bei Lebensmitteleinzel- und
Gemischtwarenhändlern >
600.000 Euro
für Land- und Forstwirte:
wenn Umsatz > 400.000 Euro
oder Einheitswert > 150.000
Euro
für Gewerbetreibende:
entfällt (ausgenommen bei
Aufschub-Option iSd § 124b
Z 134 EStG 1988, siehe
Rz 430p)
Steuerliche
Gewinnermittlung nach
§ 5 EStG 1988
zwingend für im Firmenbuch
protokollierte Gewerbetreibende
zwingend für rechnungslegungspflichtige
Gewerbetreibende
freiwillig zur Beibehaltung der
§ 5-Ermittlung für nicht
(mehr)
rechnungslegungspflichtige
Gewerbetreibende, Rz 430b
und Rz 430c
§ 125 BAO bezieht sich für 2007 beginnende Wirtschaftsjahre hinsichtlich der steuerlichen
Buchführungspflicht bei Übersteigen der Umsatz- oder Einheitswertgrenze nur auf land- und
forstwirtschaftliche Betriebe und land- und forstwirtschaftliche wirtschaftliche
Geschäftsbetriebe (§ 31 BAO). Außerhalb der Einkunftsart Land- und Forstwirtschaft hat
§ 125 BAO hinsichtlich der steuerlichen Buchführungspflicht keinen Anwendungsbereich. Die
Umsatzdefinition ist als Anknüpfung im Bereich von Pauschalierungen (zB § 17 EStG 1988,
Gaststättenpauschalierung) weiterhin bedeutsam.

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4.1.6.2.2 Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 idF StruktAnpG 2006 ab 2007
430b
Nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 in der Fassung des Strukturanpassungsgesetzes 2006 sind zur
Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 verpflichtet („zwingende § 5-Ermittlung“)
Steuerpflichtige
. mit Einkünften aus Gewerbebetrieb,
. die der Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB oder nach anderen bundesgesetzlichen
Vorschriften (zB Vereinsgesetz 2002; siehe dazu auch Rz 430g) unterliegen.
Mit der Änderung der Anwendungsvoraussetzungen des § 5 Abs. 1 kann insbesondere in
folgenden Fällen ein Wechsel der Gewinnermittlung von oder auf § 5 EStG 1988 verbunden
sein:
. Trotz Protokollierung und gewerblichen Einkünften entfällt künftig die § 5- Ermittlung für
Einzelunternehmer, offene Gesellschaften und Kommanditgesellschaften, bei denen
natürliche Personen unbeschränkt haften, wenn sie die Umsatzgrenze von 400.000 Euro
unterschreiten (Rz 430k, siehe aber Fortführungsoption in § 5 Abs. 2 EStG 1988).
. Bisher nicht protokollierte Gewerbetreibende ermitteln künftig bei Überschreiten der
Umsatzgrenze von 400.000 Euro den Gewinn nach § 5 (siehe aber Aufschub-Option in
§ 124b Z 134 EStG 1988, Rz 430l).
Freiwillige § 5-Ermittlung (Fortführungsoption):
Nach § 5 Abs. 2 EStG 1988 in der Fassung des Strukturanpassungsgesetzes 2006 sind zur
Gewinnermittlung nach § 5 berechtigt („freiwillige § 5-Ermittlung“) Steuerpflichtige
. mit Einkünften aus Gewerbebetrieb,
. die im Wirtschaftsjahr 2007 oder in einem späteren Wirtschaftsjahr aus der
Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 herausfallen würden, aber freiwillig auf
Fortführung der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 optieren (so genannte
„Fortführungsoption“)
Zweck dieser Bestimmung ist es, Nachteile zu vermeiden, die aus einem Wechsel der
Gewinnermittlung von § 5 EStG 1988 auf eine andere Gewinnermittlung resultieren würden,
sowie um ein gehäuftes Wechseln der Gewinnermittlungsart durch Über- und Unterschreiten
des Umsatzschwellenwertes gemäß § 189 UGB (siehe Rz 430k) hintan zu halten. Siehe dazu
weiter Rz 430c.
Inkrafttreten:

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§ 5 Abs. 1 und § 5 Abs. 2 EStG 1988 idF StruktAnpG 2006 gelten – ebenso wie die
Regelungen über die unternehmensrechtliche Rechnungslegungspflicht selbst - erstmals für
Wirtschaftsjahre, die ab 1. Jänner 2007 beginnen, bei abweichendem Wirtschaftsjahr daher
erstmals für das Wirtschaftsjahr 2007/2008. Das abweichende Wirtschaftsjahr 2006/2007 ist
von protokollierten Gewerbetreibenden daher jedenfalls auch dann nach § 5 EStG 1988 zu
Ende zu führen, wenn die Rechnungslegungspflicht iSd § 189 UGB wegfällt und keine
Fortführungsoption nach § 5 Abs. 2 EStG 1988 ausgeübt wird. Diese Option ist sowohl für §
5-Ermittler kraft Firmenbucheintragung (also nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 idF vor StruktAnpG
2006) als auch für § 5-Ermittler kraft bereits eingetretener aber wieder weggefallener
Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB (also nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 idF StruktAnpG
2006) möglich.
430c
Die Fortführungsoption ist für das Jahr auszuüben, in dem das Wirtschaftsjahr endet, für das
erstmals die Pflicht zur Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 wegfällt. Der Entfall der
Rechnungslegungspflicht kann sich - zB auf Grund einer Wiederaufnahme des Verfahrens im
Rahmen einer abgabenbehördlichen Prüfung - auch erst nach Einreichung einer
Steuererklärung ergeben. Daher kann der Antrag bis zur Rechtskraft des Bescheides gestellt
werden. Ein bis dahin nicht gestellter Antrag kann nicht nachgeholt werden.
Im Fall einer Gewinnfeststellung (§ 188 BAO) ist der Antrag in der Feststellungserklärung für
alle Beteiligten einheitlich zu stellen.
Mit der Fortführungsoption unterwirft sich der Steuerpflichtige allen Besonderheiten der
Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988. Wird bei Entfall der zwingenden Gewinnermittlung
nach § 5 EStG 1988 keine Fortführungsoption ausgeübt,
. gilt gewillkürtes Betriebsvermögen mit Beginn des Wirtschaftsjahres, für das erstmals
keine Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 erfolgt, als entnommen (§ 4 Abs. 10 Z 3 lit.
b EStG 1988),
. sind die stillen Reserven aus nacktem Grund und Boden im Übergangsgewinn zu
versteuern oder - wenn der Grund und Boden zum notwendigen Betriebsvermögen
gehört - bis zu seinem Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen in eine Rücklage (einen
steuerfreien Betrag) einzustellen (§ 4 Abs. 10 Z 3 lit. b EStG 1988),
. entfällt die Bindung an die unternehmensrechtlichen Grundsätze ordnungsmäßiger
Buchführung, bei Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 kann sich aber aus dem
Grundsatz der Bewertungsstetigkeit (Rz 431 und Rz 2126 ff) eine Bindung an die bisher
angewendeten Bewertungsgrundsätze ergeben.

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. entfällt für Gewerbetreibende die Berechtigung zur Gewinnermittlung nach einem
abweichenden Wirtschaftsjahr. In diesem Fall wirkt das Nichtausüben der
Fortführungsoption insoweit zurück, als zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres ein
Rumpfwirtschaftsjahr eingeschaltet werden muss.
Der Antrag bindet den Steuerpflichtigen so lange, als er nicht in einer Steuerklärung für das
jeweils zu veranlagende Wirtschaftsjahr mit Wirkung für dieses und die folgenden
Wirtschaftsjahre widerrufen wird. Ein bloß vorübergehender Widerruf ist nicht vorgesehen.
Im Fall einer Gewinnfeststellung (§ 188 BAO) ist der gestellte Antrag in der
Feststellungserklärung für alle Beteiligten einheitlich zu widerrufen.
Sollte der Steuerpflichtige nach erfolgter Option wegen Überschreitung des Schwellenwerts
des § 189 UGB wieder in die verpflichtende Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988
"hineinwachsen", erlischt damit der Antrag. Im Falle eines sodann eintretenden neuerlichen
Unterschreitens der Umsatzschwelle des § 189 UGB kann neuerlich in die Gewinnermittlung
nach § 5 optiert werden.
430d
Die ab 2007 für alle Einzelunternehmer (auch für Kleinunternehmer, Freiberufler, Land- und
Forstwirte) mögliche Protokollierung (§ 8 Abs. 1 UGB) ist für die Art der Gewinnermittlung
grundsätzlich nicht mehr maßgeblich. Nach dem Jahr 2006 ist die Protokollierung noch in
folgenden Fällen für die Gewinnermittlung bedeutsam:
. Für zum 1. Jänner 2007 protokollierte Betriebe (protokollierte Einzelunternehmen und
Personengesellschaften) ist ein Antrag nach § 124b Z 134 EStG 1988 auf Beibehaltung
der bisherigen Gewinnermittlung bis zum ersten im Jahr 2010 beginnenden
Wirtschaftsjahr (so genannte Aufschub-Option) nicht zulässig, siehe dazu Rz 430n.
. Für bis zum Ende des letzten im Jahr 2006 beginnenden Wirtschaftsjahres protokollierte
Betriebe kann hinsichtlich des/der darauf folgenden Wirtschaftsjahre/s nach § 5 Abs. 2
EStG 1988 in der Fassung des Strukturanpassungsgesetz 2006 die Option auf
Beibehaltung der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 (so genannte
Fortführungsoption) ausgeübt werden, siehe Rz 430b und Rz 430c.
4.1.6.2.3 Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB
4.1.6.2.3.1 Allgemeines
430e
Unter die Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB können nur
. Unternehmer (Rz 430f) fallen,

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. kraft Rechtsform (§ 189 Abs. 1 Z 1 UGB, Rz 430j) oder
. kraft Schwellenwertüberschreitung (§ 189 Abs. 1 Z 2 und Abs. 2 UGB, Rz 430k),
. wenn sie nicht nach § 189 Abs. 3 oder Abs. 4 UGB von der Anwendung ausgenommen
sind (Rz 430g und Rz 430h).
Zur Gewinnermittlung von Betrieben mit ausländischer Betriebsstätte bzw. von inländischen
Betriebsstätten ausländischer Betriebe siehe Rz 196.
430f
Unternehmer ist, wer ein Unternehmen betreibt (§ 1 Abs. 1 UGB). Unternehmen ist eine auf
Dauer angelegte Organisation selbständiger wirtschaftlicher Tätigkeit, mag sie auch nicht auf
Gewinn gerichtet sein (§ 1 Abs. 2 UGB). Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit
beschränkter Haftung, Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, Versicherungsvereine auf
Gegenseitigkeit, Sparkassen und bestimmte EU-Gesellschaftsrechtsformen (Europäische
wirtschaftliche Interessenvereinigungen/EWIV, Europäische Gesellschaften/SE und
Europäische Genossenschaften/SCE) gelten - unabhängig davon, ob der Unternehmerbegriff
des § 1 UGB erfüllt wird - kraft Rechtsform als Unternehmer (§ 2 UGB). Zu Unrecht im
Firmenbuch eingetragene Steuerpflichtige gelten kraft Eintragung ebenfalls als Unternehmer
(§ 3 UGB). Im Übrigen liegt Unternehmenseigenschaft iSd § 1 UGB vor, wenn planmäßig
unter zweckdienlichem Einsatz materieller und immaterieller Mittel, in der Regel unter
Mitwirkung einer arbeitsteilig kooperierenden Personengruppe, auf einem Markt laufend
wirtschaftlich werthaltige Leistungen gegen Entgelt angeboten und erbracht werden
("organisierte Erwerbsgelegenheit"). Es entspricht somit grundsätzlich jeder selbständig
Erwerbstätige, der betriebliche Einkünfte erzielt, dem weiten Unternehmerbegriff des UGB.
Auch das Erzielen von Überschusseinkünften (zB von Einkünften aus Vermietung und
Verpachtung) kann die Unternehmereigenschaft begründen. Ungeachtet einer allenfalls
bestehenden unternehmensrechtlichen Rechnungslegungspflicht (zB für eine
vermögensverwaltende GmbH & Co KG gemäß § 189 Abs. 1 und 4 UGB) ist für Einkünfte, die
steuerlich aus einer vermögensverwaltenden Tätigkeit resultieren, stets eine
Überschussermittlung vorzunehmen (vgl. zu vermögensverwaltenden Personengesellschaften
Rz 6015 ff).
Geschäftsführer von Personengesellschaften, die an der Gesellschaft beteiligt sind und
außerhalb eines Dienstverhältnisses Geschäftsführungsleistungen für die Gesellschaft
erbringen, sind keine Unternehmer, weil ihre Tätigkeit in der Wahrnehmung von
gesellschaftsrechtlichen Mitgliedsrechten besteht.

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Der Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH (§ 22 Z 2 zweiter Teilstrich EStG 1988) ist als
selbständig und somit als Unternehmer anzusehen, wenn aufgrund der Höhe seines
Geschäftsanteils (50% oder mehr) oder aufgrund gesellschaftsrechtlicher
Sonderbestimmungen (Sperrminorität) Gesellschafterbeschlüsse gegen seinen Willen nicht
zustande kommen können (siehe zB VwGH 9.12.1980, 1666/79, 2223/79, 2224/79, und
VwGH 18.9.1996, 96/15/0121 zur USt). Aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung kann
jedoch auch ein Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH als Nichtunternehmer behandelt
werden.
Da die Gewinnorientierung keine Voraussetzung für professionelles Auftreten im
Geschäftsverkehr ist, können auch Non-Profit-Organisationen Unternehmen iSd § 1 UGB
betreiben.
Nicht unter den Unternehmerbegriff fallen hingegen juristische Personen (Körperschaften)
öffentlichen Rechts als solche, wohl aber deren Betriebe gewerblicher Art (§ 2 KStG 1988).
430g
Rechnungslegungsrechtliche Sonderbestimmungen (insbesondere nach dem Vereinsgesetz,
Genossenschaftsgesetz, Versicherungsaufsichtsgesetz, Bankwesengesetz) gehen der
Anwendung des UGB vor (§ 189 Abs. 3 UGB).
Im Übrigen sind vom Kreis der Unternehmer iSd § 1 bis 3 UGB von der Anwendung des
Drittes Buch des UGB (§§ 189 bis 283) und damit der Rechnungslegungsbestimmungen kraft
Schwellenwerts (UGB) ausgenommen (§ 189 Abs. 4 UGB):
. Angehörige der freien Berufe (siehe Rz 430h),
. Land- und Forstwirte (siehe Rz 430i),
. Unternehmer mit Überschusseinkünften iSd § 2 Abs. 4 Z 2 EStG 1988 (siehe Rz 430i),
es sei denn, es liegt in diesen Fällen Rechnungslegungspflicht kraft Rechtsform (§ 189 Abs. 1
Z 1 UGB) vor (Rz 430j).
430h
Der Kreis der „Angehörigen der freien Berufe“ iSd § 189 Abs. 4 UGB ist nach der
Verkehrsauffassung zu beurteilen. Es sind darunter vor allem solche Berufe zu verstehen, die
überwiegend wissenschaftlichen, künstlerischen, religiösen, sozialen, lehrenden, heilenden
und rechtswahrenden Charakter haben und in der Regel, jedoch nicht zwingend, eine
gewisse höhere Bildung voraussetzen. Es handelt sich um Erwerbstätigkeiten, bei denen die
persönlichen Kenntnisse und Fähigkeiten des Steuerpflichtigen im Vordergrund stehen, eine
Vertretung grundsätzlich ausgeschlossen ist und die betriebliche Organisationsstruktur

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tendenziell in den Hintergrund tritt. Unter diese Personengruppe fallen im Rahmen der
Einkünfte aus selbständiger Arbeit jedenfalls nur Freiberufler iSd § 22 Z 1 EStG 1988, nicht
aber Steuerpflichtige mit Einkünften aus sonstiger selbständiger Arbeit iSd § 22 Z 2 EStG
1988 (vermögensverwaltende Tätigkeit wie zB Hausverwalter oder Aufsichtsräte); hinsichtlich
der Gesellschafter-Geschäftsführern iSd § 22 Z 2 zweiter Teilstrich EStG 1988 siehe Rz 430f.
Der Kreis der Angehörigen der freien Berufs iSd UGB einerseits und der Freiberufler iSd § 22
Z 1 EStG 1988 andererseits decken sich nicht. Keine freien Berufe sind nach der
Verkehrsauffassung beispielsweise:
. Unterrichtende Tätigkeiten, die einen höheren Grad an betrieblicher
Organisationsstruktur erfordern und bei denen nicht der persönliche Kontakt mit dem
Lernenden im Vordergrund steht, wie zB Fahrschulen, Tanzschulen, Schischulen,
Lernstudios mit Gruppenunterricht
. Erzieherische Tätigkeiten, die einen höheren Grad an betrieblicher Organisationsstruktur
erfordern (zB Privatkindergärten)
. Bilanzbuchhalter iSd Bilanzbuchhaltungsgesetzes (BiBuG, BGBl. I Nr. 161/2006)
. Vermögensberater; Unternehmensberater sind als Angehörige freier Berufe anzusehen
. Übersetzungsbüros
. Versicherungsmathematiker, sofern nicht wissenschaftlich.
Soweit demnach Steuerpflichtige mit Einkünften aus selbständiger Arbeit nach § 22 EStG
1988 unternehmensrechtlich nicht als freie Berufe gelten, kann es zu einer
unternehmensrechtlichen Rechnungslegungspflicht kommen, die über § 124 BAO auch
steuerlich beachtlich ist. Die Gewinnermittlung ist aber mangels gewerblicher Einkünfte eine
solche nach § 4 Abs. 1 EStG 1988. Frühester Zeitpunkt ist - bei einem Umsatz von mehr als
600.000 Euro im Wirtschaftsjahr 2007 - das Wirtschaftsjahr 2008 (siehe Rz 430k).
Tätigkeiten, die nach dem EStG 1988 als gewerblich einzustufen sind, können umgekehrt
nach der Verkehrsauffassung und damit für das UGB als freie Berufe gelten, wie
beispielsweise
. Heilpraktiker und andere medizinische Tätigkeiten, die kein ärztliches Studium erfordern
(zB alternative Begleittherapien zur Schulmedizin)
. Artisten
. Garten- und Landschaftsarchitekten.

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Soweit in derartigen Fällen bis 2006 eine steuerliche Buchführungspflicht (idR über § 125
BAO) bestanden hat, entfällt diese ab 2007.
430i
Als Land- und Forstwirte iSd § 189 Abs. 4 UGB gelten Steuerpflichtige mit Einkünften aus
Land- und Forstwirtschaft iSd § 21 EStG 1988. Für sie gelten die Grenzen des § 125 BAO
unverändert weiter.
Der weite Unternehmerbegriff umfasst ferner auch Personen und Personengesellschaften mit
Überschusseinkünften (zB Vermietung und Verpachtung), auch sie unterliegen aber nicht der
Rechnungslegungspflicht kraft Schwellenwerts nach § 189 Abs. 1 Z 2 UGB.
4.1.6.2.3.2 Rechnungslegungspflicht nach § 189 Abs. 1 Z 1 UGB kraft Rechtsform
430j
Eine größen- und tätigkeitsunabhängige (also auch für land- und forstwirtschaftliche
Tätigkeit, freie Berufe und bei Erzielung von Überschusseinkünften geltende)
Rechnungslegungspflicht nach § 189 Abs. 1 Z 1 UGB besteht für
. Kapitalgesellschaften (AG, GmbH, SE; keine inhaltliche Änderung gegenüber bisher)
. unternehmerisch (Rz 430f) tätige Personengesellschaften, bei denen kein unbeschränkt
haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist (insbesondere GmbH & Co KG, so
genannte „verdeckten Kapitalgesellschaften“).
4.1.6.2.3.3 Rechnungslegungspflicht nach § 189 Abs. 1 Z 2 und Abs. 2 UGB kraft
Schwellenwertüberschreitung
430k
Rechnungslegungspflichtig nach § 189 Abs. 1 Z 2 UGB sind alle anderen Unternehmer (als
jene mit Rechnungslegungspflicht kraft Rechtsform lt Rz 430j), ausgenommen die in § 189
Abs. 4 UGB genannten (Land- und Forstwirte, freie Berufe, Unternehmer mit
Überschusseinkünften), wenn sie mit dem jeweiligen Betrieb mehr als 400.000 Euro
Umsatzerlöse (siehe dazu Rz 430l) im Geschäftsjahr erzielen (so genannter Schwellenwert).
Der Schwellenwert gilt somit für
. Einzelunternehmer und
. Personengesellschaften, bei denen mindestens eine natürliche Person unbeschränkt
haftet (also OG, KG, GesbR).
Für den Eintritt der Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB muss der Schwellenwert
überschritten werden entweder

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. nachhaltig = in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren und gilt dann – analog zur
bisherigen Regelung des § 125 BAO - nach einem „Pufferjahr“ ab dem übernächsten
Geschäftsjahr oder
. erheblich (qualifiziert) = in einem Geschäftsjahr um mehr als die Hälfte (also über
600.000 Euro) und gilt dann bereits ab dem folgenden Geschäftsjahr.
Die Rechnungslegungspflicht entfällt bei zweimaliger, aufeinander folgender Unterschreitung
des Schwellenwerts ab dem nächsten Jahr. Ein Entfall wegen einmaliger erheblicher
Unterschreitung ist grundsätzlich nicht vorgesehen (Ausnahme: Bei Teilbetriebsaufgabe
sowie - in analoger Anwendung - bei Teilbetriebsveräußerung und Rest-Umsatz unter
200.000 Euro, § 189 Abs. 2 Z 2 UGB).
Bei einem Rumpfgeschäftsjahr ist der Schwellenwert (monatsweise, angefangene Monate
gelten als ganze Monate) zu aliquotieren (Erläuterungen zur Regierungsvorlage zu
§ 189 UGB).
Bei Übernahme (Einzel- oder Gesamtrechtsnachfolge) eines bisher
rechnungslegungspflichtigen Betriebes oder Teilbetriebes gilt die Rechnungslegungspflicht
grundsätzlich zur Wahrung der Bilanzkontinuität weiter (§ 189 Abs. 2 Z 2 UGB).
Eintritt der
Rechnungslegungspflicht
Umsatz in 01 und 02 > 400.000 Euro ab 04
Umsatz in 01 > 600.000 Euro ab 02
Wegfall der
Rechnungslegungspflicht
Umsatz in 01 und 02 < 400.000 Euro ab 03
Aufgabe (Veräußerung) eines Teilbetriebs in 01
und Umsatz des Restbetriebes < 200.000 Euro
ab 02
Weitergeltung der
Rechnungslegungspflicht
Übernahme eines bereits (kraft Rechtform oder kraft
Schwellenwerts) rechnungslegungspflichtigen (Teil)Betriebs,
es sei denn, dass der Schwellenwert für den
übernommenen Betrieb oder Teilbetrieb in den letzten zwei
aufeinanderfolgenen Geschäftsjahren nicht überschritten
wurde.
430l
Der für den Schwellenwert maßgebende Begriff der „Umsatzerlöse“ ist nicht deckungsgleich
mit der Definition des Umsatzes in § 125 BAO. Die Umsatzerlöse enthalten zum Unterschied
vom Umsatz iSd § 125 BAO keine Umsätze aus Eigenverbrauch und generell keine Umsätze

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aus dem Verkauf von Anlagevermögen und sind daher tendeziell geringer als die Umsätze
iSd § 125 BAO.
Umsatzerlöse sind die für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit des Unternehmens typischen
Erlöse aus dem Verkauf und der Nutzungsüberlassung von Erzeugnissen und Waren sowie
aus Dienstleistungen abzüglich Erlösschmälerungen und USt (§ 232 Abs. 1 UGB).
Umsatzerlöse sind jene Erlöse, die für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit des Unternehmens
in Bezug auf den Leistungsaustausch mit Dritten typisch sind; es darf sich nicht bloß um
Gelegenheitsumsätze handeln.
Umsatzerlöse sind zB:
. Umsätze aus Warenverkäufen bei Handelsunternehmen,
. Umsätze aus produzierten Produkten bei Produktionsunternehmen,
. Miet- und Pachtumsätze bei Leasing- oder Wohnungsverwaltungsunternehmen.
Umsatzerlöse sind zB nicht:
. Umsätze aus dem Verkauf von Anlagevermögen,
. Umsätze aus einer Betriebskantine, Werksküche oder einem betrieblichen Erholungsheim,
. eine einmalige Lohnveredelung und andere vom jeweiligen Unternehmer normalerweise
am Markt nicht angebotene Dienstleistungen.
Erlösschmälerungen sind von den Erlösen abzuziehen. Erlösschmälerungen sind
insbesondere Skonti, Rabatte, Preisminderungen (etwa infolge eines
Gewährleistungsanspruches) und Boni, nicht aber Verpackungskosten und
Vertreterprovisionen.
4.1.6.2.3.4 Übersicht über Rechungslegungspflicht
430m
Kapitalgesellschaften,
unternehmerisch tätige
Personengesell-schaften
ohne natürliche Personen
als unbeschränkt Haftende
(verdeckte KapGes,
insbes. GmbH & CoKG)
alle anderen Unternehmer (Einzelunternehmer, „normale“
Personengesellschaften = mit natürlichen Personen als
unbeschränkt Haftende)
Einkünfte aus Gewerbebetrieb,
Einkünfte nach § 22
ausgenommen Freiberufler
Einkünfte aus Land- und
Forstwirtschaft,
freiberufliche Einkünfte,
Überschusseinkünfte

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unabhängig von Größe
und Tätigkeit
Umsatz >
400.000
Umsatz <
400.000
unabhängig von Größe
Rechnungslegungspflicht keine Rechnungslegungspflicht
4.1.6.2.3.5 Unternehmensrechtliche Übergangsregelung (§ 907 Abs. 16 und
Abs. 17 UGB)
430n
Gemäß § 907 Abs. 16 UGB sind für Unternehmer, die vor dem 1. Jänner 2007 nicht zur
Rechnungslegung verpflichtet waren, ab diesem Stichtag die Beobachtungszeiträume des §
189 Abs. 2 UGB für den Eintritt der Rechtsfolgen des § 189 Abs. 1 Z 2 UGB maßgeblich. Für
Unternehmer, die vor dem 1. Jänner 2007 rechnungslegungspflichtig waren, sind für den
Eintritt und den Entfall der Rechtsfolgen des § 189 Abs. 1 Z 2 UGB auch
Beobachtungszeiträume maßgeblich, die vor dem 1. Jänner 2007 liegen. Für die Beurteilung
der Rechnungslegungspflicht vor dem 1. Jänner 2007 sind im Zweifel die Umsatzgrenzen des
§ 125 Abs. 1 lit. a BAO in der bis 31. Dezember 2006 anzuwendenden Fassung
heranzuziehen.
Maßgebend nach § 907 Abs. 16 UGB ist somit, ob bereits vor 2007 Rechnungslegungspflicht
bestanden hat, wobei im Zweifel die Umsatzgrenzen des § 125 BAO (allgemein 400.000 Euro
Umsatz, für Lebensmitteleinzel- und Gemischtwarenhändler 600.000 Euro Umsatz)
heranzuziehen sind. "Zweifel" werden immer dann bestehen, wenn keine Protokollierung
oder nur eine solche als OEG oder KEG gegeben war.
. Bestand bis 2006 keine Rechnungslegungspflicht, ist das Geschäftsjahr 2007 erstes
Beobachtungsjahr für die Umsatzschwelle.
. Bestand bis 2006 bereits Rechnungslegungspflicht, zählen auch das/die
Vorgeschäftsjahr/e als Beobachtungsjahr/e mit.
Bestand vor 2007 - wenn auch zu Unrecht - eine Protokollierung im Firmenbuch, sind diese
Geschäftsjahre jedenfalls als Beobachtungsjahre heranzuziehen. Bestand keine
Protokollierung, ist nach der bis 2006 geltenden handelsrechtlichen Rechtslage die
Vollkaufmannseigenschaft maßgebend. Anders als die Rechnungslegungspflicht nach § 189
UGB setzte die Vollkaufmannseigenschaft nicht erst nach nachhaltigem oder qualifiziertem
Überschreiten eines Schwellenwerts ein, sondern im ersten Geschäftsjahr, in dem der
Rahmen eines Minderhandelsgewerbes iSd § 4 UGB überschritten worden ist. Für die Frage,
ob Vollkaufmannseigenschaft und damit handelsrechtliche Rechungslegungspflicht vor 2007

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bestanden hat, ist im Zweifel auf die Umsatzgrenzen der BAO (400.000 Euro bzw. 600.000
Euro bei Lebensmitteleinzel- und Gemischtwarenhändlern) abzustellen. Dabei ist nicht
maßgebend, dass § 125 BAO den Eintritt der Buchführungspflicht erst nach zweimaligem
Überschreiten des Grenzwertes für das übernächste Wirtschaftsjahr vorsieht, sodass der
Eintritt der Vollkaufmannseigenschaft in (irgend)einem Geschäftsjahr vor 2007 bereits eine
Einbeziehung der Jahre vor 2007 iSd § 907 Abs. 16 UGB auslöst.
Aus Vereinfachungsgründen bestehen keine Bedenken, vor dem Jahr 2004 begonnene
Geschäftsjahre außer Betracht zu lassen. Wurde in einem der Geschäftsjahre 2004 bis 2006
die Umsatzgrenze des § 125 BAO idF vor dem StruktAnpG 2006 überschritten (dadurch
Eintritt der handelsrechtlichen Rechnungslegungspflicht), sind die Jahre ab diesem
Überschreiten auch Beobachtungszeiträume für den Eintritt der Rechtsfolgen des § 189 Abs.
1 Z 2 UGB. Die Beurteilung der Rechnungslegungspflicht anhand dieser Bestimmung ist
somit in Zeiträume ab 2004 rückzuprojizieren.
Für 2007 liegt Rechnungslegungspflicht vor, wenn der Schwellenwert des § 189 Abs. 1 Z 2
UGB von 400.000 Euro 2004 und 2005 überschritten (und das Pufferjahr 2006 konsumiert)
oder der qualifizierte Schwellenwert von 600.000 Euro nach § 189 Abs. 2 Z 2 UGB (ohne
Pufferjahr) mindestens einmal in 2004, 2005 oder 2006 überschritten worden ist; die
Rechnungslegungspflicht entfällt in diesem Fall wegen zweimaligem Unterschreiten des
Schwellenwerts (2005 und 2006) frühestens 2007 wieder. Bei Erwerb eines Betriebes in den
Wirtschaftsjahren 2004 bis 2006 sind die Umsätze des Rechtsvorgängers in die Beurteilung
einzubeziehen.
Beispiele (keine Lebensmitteleinzel- oder Gemischtwarenhändler):
1. Für eine aus zwei natürlichen Personen bestehende gewerblich tätige OEG (ab 2007
OG) mit einem Umsatz iSd § 125 BAO größer 400.000 Euro in den Jahren 2005 und
2006 besteht (nach dem Pufferjahr 2007) ab 2008 die Pflicht zur Gewinnermittlung
nach § 5 EStG 1988.
2. Ein nicht protokollierter Kaufmann erzielte im Jahr 2006 erstmals einen Umsatz (iSd
§ 125 BAO) von mehr als 400.000 Euro. Sofern die Umsatzgrenze (Umsatzerlöse nach
§ 232 UGB) auch 2007 überschritten ist, tritt ab 2009 Rechnungslegungspflicht nach §
189 UGB ein (siehe aber Aufschub-Option bis 2010, Rz 430p). Ein Umsatz 2006
(gemäß § 125 BAO) oder 2007 (gemäß § 232 UGB) von mehr als 600.000 Euro führt
zur Rechnungslegungspflicht ab dem jeweils folgendem Jahr (siehe aber wiederum
Aufschub-Option bis 2010).
3. Sind die Umsätze 2005 und 2006 eines (protokollierten) Gewerbetreibenden jeweils
unter 400.000 Euro geblieben, entfällt ab 2007 die Rechnungslegungspflicht. Der
Steuerpflichtige hat ab 2007 folgende Möglichkeiten der Gewinnermittlung:
- nach § 4 Abs. 3 EStG 1988
- nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 bei freiwilliger Buchführung

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- nach § 5 EStG 1988 bei Ausübung der Fortführungsoption des § 5 Abs. 2 EStG 1988
idF StruktAnpG 2006.
Gemäß § 907 Abs. 17 UGB sind vor dem 1. Jänner 2007 eingetragene offene
Erwerbsgesellschaften und Kommanditerwerbsgesellschaften, bei denen kein unbeschränkt
haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist (GmbH & Co KEG), erstmals für
Geschäftsjahre rechnungslegungspflichtig, die nach dem 31. Dezember 2007 beginnen.
430o
Übersicht – unternehmensrechtliche Übergangsregelungen
Keine Rechnungslegungspflicht vor 2007
GmbH & Co KEG
§ 907 Abs. 17 UGB: ab dem ersten in 2008
beginnenden Geschäftsjahr
andere Unternehmer (OEG, KEG, GesbR,
Einzelunternehmer als Minderkaufleute)
unter Berücksichtigung erst der ab 2007
beginnenden Geschäftsjahre
Rechnungslegungspflicht vor 2007
Kapitalgesellschaften, GmbH & Co KG Keine Änderung
andere Unternehmer (OHG, KG,
Einzelunternehmer als Vollkaufleute)
unter Berücksichtigung der vor 2007
beginnenden Geschäftsjahre
4.1.6.2.4 Steuerliche Übergangsregelung - Aufschub-Option nach § 124b Z 134
EStG 1988
430p
Nach § 124b Z 134 EStG 1988 ist bei Unternehmern, deren Betrieb vor dem 1. Jänner 2007
eröffnet wurde, folgendermaßen vorzugehen: Für Betriebe, die bis zu diesem Stichtag nicht
im Firmenbuch eingetragen waren, ist der Gewinn für Geschäftsjahre, die vor dem 1. Jänner
2010 beginnen, auf Antrag unbeschadet der Bestimmungen des § 124 BAO hinsichtlich der
Gewinnermittlungsart nach den vor dem 1. Jänner 2007 geltenden abgabenrechtlichen
Bestimmungen zu ermitteln (so genannte Aufschub-Option). Eine zwischen 1. Jänner 2007
und 31. Dezember 2009 erfolgende Firmenbucheintragung löst für den Gewerbetreibenden
aber keinen Wechsel zur Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 aus.
Voraussetzungen für die Weitergeltung der bisherigen Gewinnermittlungsvorschriften sind

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
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. Betriebseröffnung vor dem 1. Jänner 2007
. Keine Firmenbucheintragung bis 1. Jänner 2007, daher nicht anzuwenden auf
protokollierte Einzelunternehmer und Personengesellschaften (insbesondere auch nicht
auf eine OEG oder KEG, wohl aber auf eine GesbR)
Der Gesetzgeber entbindet durch die Aufschub-Option Betriebe, die aufgrund der
Größenkriterien eigentlich bereits ab 2007 in die Gewinnermittlung nach § 5 wechseln
müssten, bis 2009 (Wirtschaftsjahre, die vor dem 1. Jänner 2010 beginnen) von dieser
Rechtsfolge. Der Antrag ist in der (ersten) Steuererklärung zu stellen. Es bestehen keine
Bedenken, einen dort nicht gestellten Antrag bis zur Rechtskraft des Bescheides
nachzuholen. Es bestehen keine Bedenken, Anträge, die für die Veranlagung 2007
(spätestens bis zur Rechtskraft) gestellt werden, auch bei Eintritt der
Rechnungslegungspflicht erst 2008 oder 2009 als wirksame Optionsausübung für diese Jahre
anzusehen. Ein Antrag, der für ein späteres Jahr gestellt wird, kann aber nicht als
Optionsausübung für ein früheres Jahr gewertet werden.
Für die Veranlagung 2007 ist im Fall der Inanspruchnahme der Gastwirtepauschalierung
(BGBl. II Nr. 227/1999) oder der Pauschalierung für Lebensmitteleinzel- und
Gemischtwarenhändler (BGBl. II Nr. 228/1999) auch ein nicht in der Steuerklärung gestellter
formloser Antrag wirksam.
Die Antragstellung bewirkt insbesondere (vorübergehend bis spätestens 2009):
. Kein Eintritt der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 (ungeachtet einer allfälligen
späteren Protokollierung).
. Weitergeltung des § 125 BAO idF vor StruktAnpG (einschließlich der besonderen
Buchführungsgrenze von 600.000 Euro für Lebensmitteleinzel- und
Gemischtwarenhändler).
Im Fall eines Zusammenschlusses nach Art. IV UmgrStG wirkt eine von einem
Zusammenschlusspartner ausgeübte Aufschub-Option für die Mitunternehmerschaft weiter;
dies gilt nur dann nicht, wenn einer der Zusammenschlusspartner bisher § 5-Ermittler war
(vgl. § 5 Abs. 1 letzter Satz).
Beispiele:
1. A (gewerblicher Einzelunternehmer, § 4 Abs. 1 EStG 1988) schließt sich mit B im
Jahr 2008 zur gewerblichen AB-OG zusammen. B beteiligt sich mit einer Geldeinlage. A
hat 2007 einen Antrag nach § 124b Z 134 EStG 1988 gestellt. Die AB-OG ermittelt für
Wirtschaftsjahre, die vor dem 1.1.2010 beginnen, auf Grund dieses Antrages den
Gewinn nach § 4 Abs. 1 EStG 1988.

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2. C (gewerblicher Einzelunternehmer, § 4 Abs. 1 EStG 1988) und D (gewerblicher
Einzelunternehmer, § 5 EStG 1988) schließen sich zum 31.12.2008 zur gewerblichen
CD-OG zusammen. C hat 2007 einen Antrag nach § 124b Z 134 EStG 1988 gestellt. Die
CD-OG ermittelt den Gewinn nach § 5 EStG 1988. Für C kommt es daher im Jahr 2009
zum Wechsel der Gewinnermittlungsart zu jener nach § 5 EStG 1988.
3. E (gewerblicher Einzelunternehmer, § 4 Abs. 1 EStG 1988) schließt sich mit der EGmbH
zum 31.12.2008 als Komplementärin und künftige Arbeitsgesellschafterin zu
einer GmbH&CoKG zusammen. E hat 2007 einen Antrag nach § 124b Z 134 EStG 1988
gestellt. Da die übernehmende KG auf Grund der Rechtsform
rechnungslegungspflichtig ist („verdeckte Kapitalgesellschaft“), besteht ab 2009
Rechnungslegungspflicht und daher der Wechsel zur Gewinnermittlung gemäß § 5
EStG 1988.
4.1.6.2.5 Unternehmensrechtliche Besonderheiten bei Personengesellschaften
430q
Das Recht der Personengesellschaften wurde mit dem UGB ebenfalls grundlegend neu
geregelt: Die bisherigen Rechtsformen der „Offenen Handelsgesellschaft“ (OHG) iSd § 105ff
HGB (muss „Handelsgewerbe“ betreiben, ist immer Vollkaufmann) und der „Offenen
Erwerbsgesellschaft“ (OEG) gemäß Erwerbsgesellschaftengesetz (für Minderhandelsgewerbe
oder sonstige Tätigkeit wie freier Beruf) werden zur „Offenen Gesellschaft“ (OG) iSd § 105 ff
UGB zusammengefasst. Die bisherigen Kommanditgesellschaft (§ 161 ff HGB, immer
Vollkaufmann) wird mit der bisherigen „Kommanditerwerbsgesellschaft“ (gemäß
Erwerbsgesellschaftengesetz) zur einheitlichen Rechtsform der „Kommanditgesellschaft“ (KG)
nach § 161 UGB vereinigt. OG und KG dürfen für jeden erlaubten Zweck (vgl. zB „Erlaubnis“
für OG, KG, GmbH und AG in § 66 WTBG) einschließlich freiberuflicher und land- und
forstwirtschaftlicher Tätigkeit errichtet werden.
Bis 2006 als OHG, OEG oder KEG protokollierte Gesellschaften gelten ab 2007 automatisch
als OG bzw. KG (§ 907 Abs. 2 UGB). Eingetragene OEGs und KEGs haben spätestens ab
2010 ihrer Firma die Rechtsformzusätze „OG“ bzw. „KG“ beizufügen, OHGs dürfen aber den
Rechtsformzusatz „OHG“ weiterführen (§ 907 Abs. 4 Z 2 UGB). Das
Erwerbsgesellschaftengesetz ist mit 2007 außer Kraft getreten, sodass
unternehmensrechtliche Besonderheiten für die Rechnungslegungspflicht von
Erwerbsgesellschaften nicht mehr bestehen. Der bisherige § 5 Abs. 2 EStG 1988 (idF vor
StruktAnpG 2006) entfiel daher.
bis 2006 ab 2007 Zweckoffenheit
OHG, OEG -> OG Ab 2007: Für jeden erlaubten Zweck
einschließlich freiberuflicher und land- und
KG, KEG -> KG forstwirtschaftlicher Tätigkeit.

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Für die Rechnungslegungspflicht ist – ausgenommen für verdeckte Kapitalgesellschaften ab
2008 (Rz 430j) – der Schwellenwert des § 189 UGB maßgebend.
Gesellschaften nach bürgerlichem Recht (GesbR), die den Schwellenwert nach § 189 UGB
überschreiten, sind ab 2007 verpflichtet, sich als offene Gesellschaft oder als
Kommanditgesellschaft eintragen zu lassen (§ 8 Abs. 3 UGB). Die Rechnungslegungspflicht
ist von der Eintragung im Firmenbuch unabhängig und entsteht nach nachhaltigem oder
qualifiziertem Überschreiten des Schwellenwerts. Eine Rechnungslegungspflicht ist für solche
Gesellschaften bürgerlichen Rechts nicht anzunehmen, deren Zusammenschluss lediglich zur
Durchführung eines konkreten Projektes erfolgt (zB Bau-ARGE), da sie typischerweise nicht
auf Dauer als Marktanbieter auftreten.
4.1.6.3 Unternehmensrechtliche Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
431
Neben den "allgemeinen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung" (siehe Rz 419 ff),
haben § 5-Ermittler auch folgende - auf Grund des Rechnungslegungsgesetzes im § 201 UGB
festgelegten - Bewertungsgrundsätze zu beachten:
. Die bei Erstellung des vorhergehenden Jahresabschlusses angewendeten
Bewertungsgrundsätze sind beizubehalten (siehe Rz 2126 ff).
. Bei der Bewertung ist von der Fortführung des Unternehmens auszugehen ("goingconcern-
Prinzip"). Die Vermögensgegenstände sind einzeln zu bewerten (siehe
Rz 2135 ff). Der Grundsatz der Vorsicht ist einzuhalten.
. Entsprechend dem Vorsichtsprinzip dürfen gemäß § 201 Abs. 1 Z 4 UGB nicht realisierte
Gewinne nicht ausgewiesen werden. Nicht realisierte Verluste müssen hingegen
ausgewiesen werden ("Imparitätisches Realisationsprinzip").
4.1.7 UGB-Bilanz – Steuerbilanz
4.1.7.1 Allgemeines
432
Die UGB-Bilanz ist jene Bilanz, die auf Grundlage der Vorschriften des Unternehmensrechts
erstellt wird. Die Steuerbilanz ist die Bilanz, die den Vorschriften des
Einkommensteuerrechtes entspricht; sie ist die den abweichenden steuerrechtlichen
Vorschriften angepasste UGB-Bilanz. Die steuerlichen Abweichungen können auch in einer
gesonderten Aufstellung zur UGB-Bilanz (Mehr-Weniger-Rechnung) dargestellt werden.
4.1.7.2 Grundsatz der Maßgeblichkeit der UGB-Bilanz für die Steuerbilanz
433

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Gemäß § 5 Abs. 1 EStG 1988 sind die unternehmensrechtlichen Grundsätze
ordnungsmäßiger Buchführung nur insoweit für die steuerliche Gewinnermittlung
maßgeblich, als nicht das EStG 1988 zwingende abweichende Regelungen vorsieht
(Grundsatz der Maßgeblichkeit der UGB-Bilanz für die Steuerbilanz). Maßgeblich ist der
konkrete Ansatz in der UGB-Bilanz, soweit nicht zwingende Vorschriften des EStG 1988
entgegenstehen.
434
Folgende Fälle einer "Konkurrenz" zwischen unternehmens- und steuerrechtlichen
Vorschriften sind denkbar:
. Bloß eine der beiden Vorschriften ist zwingend, die andere nachgiebig: Es gilt die
zwingende Norm.
Zwingendes Steuerrecht, nachgiebiges Unternehmensrecht.
Beispiele:
1. Für den entgeltlich erworbenen (derivativen) Firmenwert besteht
unternehmensrechtlich nach § 203 Abs. 5 UGB ein Aktivierungswahlrecht, steuerlich
hingegen Aktivierungspflicht.
2. Für Abgelder besteht nach § 198 Abs. 7 UGB ein Aktivierungswahlrecht,
steuerrechtlich immer Aktivierungspflicht. Für die Steuerbilanz des § 5-Ermittlers gehen
die zwingenden steuerrechtlichen Bestimmungen vor.
Zwingendes Unternehmensrecht, nachgiebiges Steuerrecht.
Beispiel:
Bei der Bewertung des Anlagevermögens müssen nach § 204 Abs. 2 UGB "bei
voraussichtlicher dauernder Wertminderung" außerplanmäßige Abschreibungen
vorgenommen werden (bedingtes Niederstwertprinzip). Nach dem Steuerrecht kann
(muss nicht) der niedrigere Teilwert angesetzt werden (§ 6 Z 1 und 2 lit. a EStG 1988).
Das Unternehmensrecht geht vor.
. Sowohl Steuerrecht als auch Unternehmensrecht enthalten zwingende Normen, die
einander widersprechen; für steuerliche Zwecke ist die zwingende Norm des
Steuerrechtes maßgeblich.
Beispiel:
Unternehmensrechtlich sind Abfertigungsrückstellungen zwingend zu bilden (§ 198
Abs. 8 Z 4 lit. a UGB), steuerlich ist die Rückstellungsbildung ausgeschlossen, wenn in
2002 oder 2003 eine steuerneutrale Auflösung erfolgt ist (§ 124b Z 68 lit. b EStG
1988). Das Steuerrecht geht vor.
. Sowohl Unternehmensrecht als auch Steuerrecht enthalten nachgiebiges Recht; der in
der UGB-Bilanz vorgenommene Ansatz ist für die steuerliche Gewinnermittlung bindend.
Beispiel:

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Unternehmensrechtlich dürfen bei Finanzanlagen des Anlagevermögens bei
Wertminderungen, die voraussichtlich nicht von Dauer sind, außerplanmäßige
Abschreibungen vorgenommen werden (§ 204 Abs. 2 UGB). Da das Steuerrecht (§ 6
Z 2 lit. a EStG 1988) in diesem Fall ebenfalls eine Wahlrecht vorsieht, ist die
unternehmensrechtliche Vorgangsweise auch für das Steuerrecht maßgebend.
. Für die Inanspruchnahme steuerlicher Investitionsbegünstigungen ist Voraussetzung,
dass diese in der UGB-Bilanz ausgewiesen werden (so genanntes umgekehrtes
Maßgeblichkeitsprinzip, siehe Rz 2472).
Beispiel:
Will ein rechnungslegungspflichtiger Gewerbetreibender stille Reserven übertragen
oder eine Rücklage nach § 12 EStG 1988 bilden, muss bereits in der
Unternehmensbilanz eine Bewertungsreserve (unversteuerte Rücklage) nach § 205
UGB gebildet worden sein.
. Die Bilanzierung ist im Unternehmensrecht geregelt, während im Steuerrecht eine eigene
Bestimmung fehlt. Widerspricht der in der UGB-Bilanz zulässig gewählte Ansatz nicht
steuerlichen Grundsätzen, ist er iSd der ergänzenden Maßgeblichkeit auch für die
Steuerbilanz bindend.
Beispiel:
Ingangsetzungs- und Erweiterungskosten (siehe Rz 2413)
4.1.8 Entnahmen
4.1.8.1 Allgemeines
435
Entnahmen sind alle nicht betrieblich veranlassten Abgänge von Werten (zB von Bargeld,
Waren, Erzeugnissen und anderen Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens, von Leistungen,
von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens oder von Nutzungen solcher Wirtschaftsgüter;
§ 4 Abs. 1 dritter Satz EStG 1988).
4.1.8.2 Einzelfälle
Hinsichtlich Einzelfälle von Entnahmen in Zusammenhang mit Mitunternehmerschaften siehe
Rz 5926 ff.
436
Weitere Einzelfälle:
. Kaufvertrag und späterer Aufhebungsvertrag einer Liegenschaft wegen des Verbotes
rückwirkender Rechtsgeschäfte kein einheitliches Rechtsgeschäft, sondern Entnahme und
nachfolgend Einlage (VwGH 25.3.1999, 96/15/0079).

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. Nutzt ein Gesellschafter einer Personengesellschaft eine der Gesellschaft gehörende
Liegenschaft für private Wohnzwecke, so liegt im gesamten Ausmaß der Nutzung eine
Entnahme aus dem Betriebsvermögen vor. Die den Beteiligungsverhältnissen
entsprechenden Quoten an der Liegenschaft, die den übrigen Gesellschaftern
zuzurechnen sind, können bei diesen kein gewillkürtes Betriebsvermögen sein
(VwGH 13.5.1992, 90/13/0057).
. Bringt ein Steuerpflichtiger Brennholz aus seinem (pauschalierten) landwirtschaftlichen
Betrieb in seinen Gewerbebetrieb ein, so liegt eine Entnahme und nachfolgende Einlage
zum Teilwert vor (VwGH 15.4.1997, 95/14/0147).
. Ist ein im Alleineigentum stehendes Gebäude iSd 80/20-Prozent-Regel (siehe Rz 566 ff)
teils Betriebsvermögen teils Privatvermögen, bewirkt eine innerhalb der 20/80-Prozent-
Rahmens stattfindende nachhaltige Nutzungsänderung eine Entnahme bzw. eine Einlage.
Eine Entnahme kann auch nicht deshalb verhindert werden, weil die Nutzungsänderung
weniger als 20% des betrieblich genutzten Gebäudes ausmacht.
. Wird auf Grund einer nachhaltigen Nutzungsänderung die 20% betriebliche Nutzung
einer Liegenschaft unterschritten, so muss die gesamte Liegenschaft entnommen
werden.
. Die Entnahme von Wirtschaftsgebäuden bei Land- und Forstwirten ist nicht durch die
pauschale Gewinnermittlung abgegolten.
. Der Erbe tätigt eine Entnahme, wenn er in Erfüllung des Testamentes einem
Vermächtnisnehmer Wirtschaftsgüter des Betriebsvermögens überträgt. Der Erbe tritt
schon mit dem Todestag unter Buchwertfortführung in die Rechtsstellung des Erblassers
ein, sodass es im Zeitpunkt der Entnahme zu einer Gewinnrealisierung kommt
(VwGH 20.11.1990, 89/14/0156).
. Die Übertragung von betriebszugehörigen Wirtschaftsgütern von einem Betrieb des
Steuerpflichtigen in einen anderen Betrieb desselben Steuerpflichtigen stellt eine
Entnahme mit nachfolgender Einlage dar. Für abnutzbares Anlagevermögen gilt die
Teilwertfiktion (Teilwert = seinerzeitige Anschaffungs- oder Herstellungskosten
vermindert um die laufende AfA, vgl. Rz 2232).
. Eine ausdrücklich als Bilanzberichtigung bezeichnete Ausbuchung eines Grundstückes
(ein Abgabepflichtiger war der Ansicht, dass statt gewillkürtem Betriebsvermögen
notwendiges Privatvermögen vorliege) kann nicht in eine freiwillige Entnahme
umgedeutet werden. Stellt es sich heraus, dass die Bilanzberichtigung zu Unrecht erfolgt

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ist, so ist diese rückgängig zu machen und nicht eine freiwillige Entnahme zu unterstellen
(VwGH 17.2.1993, 88/14/0097).
. Gemischte Schenkung von Betriebsvermögen mit überwiegendem Schenkungscharakter:
Es ist eine Entnahme des Wirtschaftsgutes und eine Einlage in Höhe des Entgeltes
anzunehmen (entspricht der Differenz zwischen Teilwert und Entgelt unter
Berücksichtigung des Buchwertes).
. Ein Forderungsverzicht aus persönlichen (nichtbetrieblichen) Gründen ist eine Entnahme.
. Eine unentgeltliche Vergabe von Wildabschüssen bei einer Eigenjagd aus
außerbetrieblichen Gründen ist eine Entnahme.
. Eine betrieblich veranlasste Werbeeinnahme (zB Incentive Reise), die privat genutzt wird,
stellt zuerst eine Betriebseinnahme und anschließend eine Entnahme dar.
. Die private Verwendung von betrieblich erworbenen Bonusmeilen stellt eine Entnahme
dar. Die Bewertung hat dabei grundsätzlich mit dem Teilwert zu erfolgen. Es bestehen
keine Bedenken, den Entnahmewert pauschal mit 1,5% der vom Steuerpflichtigen
getragenen betrieblichen Aufwendungen, die die entnommenen Bonuswerte vermitteln
(zB Flüge, Hotelunterkünfte), zu schätzen (siehe dazu auch LStR 2002 Rz 222d).
4.1.9 Einlagen
4.1.9.1 Allgemeines
437
Einlagen sind alle Zuführungen von Wirtschaftsgütern aus dem außerbetrieblichen Bereich
(§ 4 Abs. 1 EStG 1988).
Zu den Nutzungseinlagen siehe Rz 2496 ff und 2595 ff.
4.1.9.2 ABC der Einlagen
Anschaffung
438
Wird ein Wirtschaftsgut angeschafft, zunächst im Privatvermögen gehalten und erst später
dem Betriebsvermögen zugeführt wird, so liegt eine Einlage vor.
Bürgschaftsverpflichtung
439
Wird die Bürgschaftsverpflichtung aus der Stellung als Mitunternehmer und nicht aus
Gründen eines eigenen Betriebes des Mitunternehmers eingegangen, so stellt die
Bürgschaftszahlung keine Betriebsausgabe, sondern vielmehr eine Einlage dar. Durch die aus
der Bürgschaftszahlung resultierende Einlage hat sich das Kapitalkonto des Mitunternehmers

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um die Einlage erhöht, was Auswirkung bei der Berechnung des
Veräußerungsgewinnes(verlustes) hat. Eine drohende Inanspruchnahme darf nicht durch
eine Rückstellung (im Sonderbetriebsvermögen) berücksichtigt werden (VwGH 20.11.1996,
96/15/0004; VwGH 17.12.1998, 97/15/0122).
Bei der Abdeckung betrieblicher Verbindlichkeiten durch die als Bürgen haftenden
Personengesellschafter handelt es sich um Gesellschaftereinlagen, für welche auch dann
keine Rückstellung für Haftungsverpflichtungen gebildet werden dürfen, wenn die Einlagen
auf den Ausfall erwarteter Einnahmen aus Dauerrechtsverhältnissen zurückzuführen sind.
Einlagen (ebenso wie Entnahmen) haben beim Betriebsvermögensvergleich erfolgsneutral zu
bleiben (VwGH 3.2.1993, 92/13/0069).
Einbringung von Brennholz
440
Bringt ein Steuerpflichtiger Brennholz aus seinem (pauschalierten) landwirtschaftlichen
Betrieb in seinen Gewerbebetrieb ein, liegt eine Entnahme aus dem land- und
forstwirtschaftlichen Betrieb und eine Einlage in den Gewerbebetrieb vor (VwGH 15.4.1997,
95/14/0147).
Einlage von geringwertigen Wirtschaftsgütern
441
Bei zunächst privat erworbenen Wirtschaftsgütern (zB Einrichtungsgegenständen) bestehen
keine Bedenken, im Zeitpunkt der Einlage eine Sofortabschreibung vorzunehmen, wenn der
Grenzbetrag nach § 13 EStG 1988 im Umwidmungszeitpunkt nicht überschritten wird.
Einlage von Verbindlichkeiten
442
Bei einer Einlage von Wirtschaftsgütern, die in einem engen Zusammenhang mit
Verbindlichkeiten für deren Anschaffung oder Herstellung stehen, werden auch die
Verbindlichkeiten eingelegt (VwGH 30.9.1999, 99/15/0106; VwGH 22.10.1996, 95/14/0018).
Entnahme und anschließende Einlage
443
Zur Entnahme und anschließenden Einlage im Zuge eines Zusammenschlusses nach Art. IV
UmgrStG siehe UmgrStR 2002 Rz 1444 ff.
Erlass einer Betriebsschuld
444
Der Erlass einer Betriebsschuld aus außerbetrieblichen (privaten) Gründen ist eine Einlage.
Tritt ein für einen Schuldnachlass kausaler Umstand erst ein, wenn zwischen dem Schuldner

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und dem Gläubiger kein Gesellschaftsverhältnis mehr besteht, stellt der Nachlass keine
Einlage, sondern einen steuerlich wirksamen Vorgang dar. Eine vormals als Einlage zu
wertende Zahlung wird nach dem Ausscheiden des Gesellschafters zu einer
Fremdverbindlichkeit, weil davon auszugehen ist, dass mit dem Ausscheiden eine
umfassende vermögensmäßige Auseinandersetzung erfolgt ist (VwGH 21.7.1993,
91/13/0109).
Grundstückshandel
445
Siehe Rz 5451 f.
Nutzungseinlagen
446
Siehe Rz 632 f und 2496 ff.
Überführung von Wirtschaftsgütern
447
Bei Überführung von Wirtschaftsgütern von einem inländischen Betrieb in einen anderen
inländischen Betrieb desselben Abgabepflichtigen ist eine Entnahme und Einlage.
Veruntreuung
448
Veruntreut ein Dienstnehmer Waren und verwertet diese sodann auf eigene Rechnung, so ist
ihm die Veruntreuung zunächst als Vorteil aus dem Dienstverhältnis zuzurechnen. Die
anschließende Verwertung bedeutet eine (laufende) Einlage in einen Gewerbebetrieb. Die
Einlage stellt bei diesem Betrieb (Einnahmen-Ausgaben-Rechner) eine Betriebsausgabe dar,
die Verwertungserlöse Betriebseinnahmen (VwGH 25.2.1997, 95/14/0112)
4.1.10 Betriebsvermögen
4.1.10.1 Allgemeines
449
Betriebsvermögen iSd § 4 Abs. 1 EStG 1988 ist das Reinvermögen des Betriebes, dh. der
Saldo zwischen Aktiven und Passiven. Für die richtige Gewinnermittlung ist nicht nur eine
vollständige Erfassung des Betriebsvermögens, sondern auch die richtige ziffernmäßige
Bewertung Voraussetzung.
450
Die Bestandsaufnahme, dh. die körperliche Erfassung und die Bewertung (siehe Rz 2101 ff)
erstrecken sich dabei grundsätzlich auf die einzelnen Wirtschaftsgüter des

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Betriebsvermögens. In der Bilanz werden die Bilanzposten zu einzelnen Gruppen
zusammengefasst:
. Anlagevermögen, Umlaufvermögen und Aktive Rechnungsabgrenzungsposten auf der
Aktivseite
. Eigenkapital und Schulden auf der Passivseite
451
Zum Betriebsvermögen gehören alle positiven und negativen Wirtschaftsgüter im weitesten
Sinne, die im wirtschaftlichen Eigentum (siehe Rz 123 ff) des Betriebsinhabers stehen und
betrieblich veranlasst, entgeltlich oder unentgeltlich erworben, hergestellt oder eingelegt
worden sind.
4.1.10.2 Wirtschaftsgüter
4.1.10.2.1 Begriff - Allgemeines
452
Wirtschaftsgüter sind alle im wirtschaftlichen Verkehr nach der Verkehrsauffassung
selbständig bewertbaren Güter jeder Art, und zwar nicht nur körperliche Gegenstände,
sondern auch rechtliche und tatsächliche Zustände (VwGH 12.1.1983, 82/13/0174;
VwGH 28.2.1989, 89/14/0035; VwGH 22.1.1992, 90/13/0242; VwGH 5.8.1992, 90/13/0138).
Selbständige Bewertungsfähigkeit wird dann angenommen, wenn für ein Gut im Rahmen des
Gesamtkaufpreises des Unternehmens ein besonderes Entgelt angesetzt wird
(VwGH 18.9.1964, 1226/63). Es kommt nicht darauf an, ob auch nach Zivilrecht ein
selbständiges Gut vorliegt.
453
Beispiele für steuerrechtlich selbständige Wirtschaftsgüter:
. der stehende Wald, ein Holzbezugsrecht oder ein Eigenjagdrecht (zivilrechtlich Zubehör
zum Grundstück) (VwGH 21.10.1960, 0113/60; VwGH 16.11.1993, 90/14/0077)
. Aufwendungen für Zu- und Umbauten an gemieteten Liegenschaften
(Mieterinvestitionen), die zum eigenen geschäftlichen Vorteil des Unternehmers (nicht zu
Gunsten des Eigentümers) vorgenommen werden, im Besonderen, wenn der
Bauaufwand in der Steuerbilanz zu aktivieren ist (VwGH 14.11.1960, 0355/57;
VwGH 6.11.1969, 1733/68; VwGH 24.4.1996, 94/13/0054)
. Kapitalhingaben auf Grund so genannter Besserungsvereinbarungen (Vereinbarungen,
nach denen ein Not leidender Kapitalnehmer nur im Besserungsfall zur
Kapitalrückzahlung verpflichtet ist)

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4.1.10.2.2 Arten von Wirtschaftsgütern
454
Im Bilanzsteuerrecht unterscheidet man folgende Arten von Wirtschaftsgütern:
. Abnutzbare (zB Gebäude) - nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter (Grund und Boden,
Bankguthaben, Bargeld usw.)
. Aktive Wirtschaftsgüter (Besitzposten) - passive Wirtschaftsgüter (Schuldposten)
. Angeschaffte - hergestellte - eingelegte Wirtschaftsgüter
. Bewegliche - unbewegliche Wirtschaftsgüter
. Gebrauchte - ungebrauchte Wirtschaftsgüter
. Geringwertige Wirtschaftsgüter - Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten von mehr als
400 Euro
. Körperliche (zB Gebäude, Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung usw.) -
unkörperliche Wirtschaftsgüter (zB Patentrechte, Rezepte, Firmenwert, Finanzanlagen
usw.)
. Selbständige Wirtschaftsgüter - nichtselbständige Teile von Wirtschaftsgütern
. Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens - Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens.
Die Aufteilung hat Bedeutung für die Bilanzierung, die Bewertung, die Abschreibung und die
Inanspruchnahme von Begünstigungen.
4.1.10.2.3 Unkörperliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens
Siehe Rz 623 ff.
4.1.10.3 Unterscheidung Betriebsvermögen - Privatvermögen
4.1.10.3.1 Allgemeines
455
In die Gewinnermittlung dürfen nur Wirtschaftsgüter des Betriebsvermögens einbezogen
werden. Wirtschaftsgüter des Privatvermögens dürfen nicht berücksichtigt werden.
4.1.10.3.2 Wirtschaftliches Eigentum
456
Für die Zugehörigkeit eines Wirtschaftsgutes zum Betriebsvermögen ist nicht das
zivilrechtliche Eigentum, sondern das wirtschaftliche Eigentum maßgebend (siehe Rz 123 ff).
4.1.10.3.3 Beginn der Zugehörigkeit zum Betriebsvermögen
457

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Die Zugehörigkeit zum Betriebsvermögen beginnt idR mit (entgeltlichem oder
unentgeltlichem) Betriebserwerb, Anschaffung, Herstellung, Einlage oder unentgeltlichem
Erwerb eines einzelnen Wirtschaftsgutes.
Eine bloß vorübergehende Nichtverwendung eines Wirtschaftsgutes vor Beginn der
tatsächlichen betrieblichen Nutzung steht der Beurteilung als (notwendiges)
Betriebsvermögen nicht entgegen. Von einer solchen vorübergehenden Nichtverwendung des
Wirtschaftsgutes kann aber jedenfalls nur dann die Rede sein, wenn der Abgabepflichtige
ernsthaft darum bemüht ist, das aus betrieblichen Gründen augenblicklich nicht betrieblich
verwendbare Wirtschaftsgut so bald als möglich der nach Art des Wirtschaftsgutes in
Betracht kommenden betrieblichen Nutzung zuzuführen (VwGH 13.9.1988, 87/14/0162;
VwGH 22.4.1999, 94/15/0173).
458
Bei einer bloß kurzfristigen betrieblichen Nutzung von Wirtschaftsgütern des Privatvermögens
werden diese noch nicht zum notwendigen Betriebsvermögen. Wird ein Zubau mehrere Jahre
allein für betriebliche Zwecke (als Lagerraum und Werkstätte) genutzt, so gehört dieser
Zubau zum notwendigen Betriebsvermögen, auch wenn ursprünglich geplant war, den Zubau
(privat) als Pferdestall zu nutzen und diese Absicht - nach mehrjähriger betrieblicher Nutzung
- in die Tat umgesetzt wurde (VwGH 25.2.1997, 96/14/0022).
459
Auch ein noch nicht fertig gestelltes und daher noch nicht benutzbares Wirtschaftsgut kann
zum notwendigen Betriebsvermögen eines Unternehmens gehören (zB im Bau befindliches
Fabriksgebäude, im Bau befindlicher Hochofen). In Zweifelsfällen kommt es auf die Absicht
des Betriebsinhabers an (VwGH 11.10.1957, 1176/54).
4.1.10.3.4 Folgen der Zugehörigkeit von Wirtschaftsgütern zum
Betriebsvermögen
460
Ist ein Wirtschaftsgut dem Betrieb zuzuordnen, so sind die mit diesem Wirtschaftsgut in
Zusammenhang stehenden Einnahmen und Ausgaben steuerlich zu erfassen
(Betriebseinnahmen bzw. Betriebsausgaben).
461
Einer teilweisen privaten Verwendung des Wirtschaftsgutes ist in Form der Entnahme
Rechnung zu tragen (Nutzungsentnahme), ohne dass das Wirtschaftsgut selbst aus dem
Betriebsvermögen ausscheidet.
462

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Bei Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens stehen - auch bei teilweise privater
Verwendung - alle steuerlichen Begünstigungen zu, die die Betriebsvermögenseigenschaft
voraussetzen (zB der Investitionsfreibetrag), es sei denn, dass Sonderbestimmungen wie
§ 10 Abs. 5 EStG 1988 oder § 12 Abs. 3 EStG 1988 dies ausschließen.
463
Eine Folge der Zugehörigkeit zum Betriebsvermögen ist auch, dass Wertänderungen von
Wirtschaftsgütern steuerwirksam werden, zB durch Vornahme der Absetzung für Abnutzung
(§§ 7 und 8 EStG 1988) bzw. bei Teilwertabschreibung (§ 6 Z 1 und 2 EStG 1988).
464
Eine bloß vorübergehende Nutzung eines Wirtschaftsgutes des Betriebsvermögens für
Zwecke eines anderen Betriebes (und auch für private Zwecke) nimmt diesem Wirtschaftsgut
grundsätzlich nicht die Eigenschaft als Wirtschaftsgut des Betriebsvermögens dieses
Betriebes (VwGH 6.5.1980, 0442/79). Umgekehrt werden jeweils nur kurzfristig gewerblich
verwendete Wirtschaftsgüter dadurch noch nicht Betriebsvermögen des Gewerbebetriebes
(VwGH 27.4.1977, 0936/76; VwGH 21.10.1986, 84/14/0054). Bei einer 3,5-jährigen privaten
Verwendung einer Eigentumswohnung kann von einer bloß vorübergehenden oder
kurzfristigen nichtbetrieblichen Nutzung grundsätzlich nicht mehr gesprochen werden. Eine
anders lautende Beurteilung käme allenfalls beim Vorliegen besonderer Begleitumstände in
Betracht, wenn etwa die Durchführung der Umbauarbeiten seitens des ausführenden
Unternehmens vereinbarungswidrig und wesentlich verzögert wurden und bereits von
vornherein die Absicht der weiteren betrieblichen Verwendung als Dienstwohnung nach
Fertigstellung der Bauarbeiten eindeutig feststand.
4.1.10.3.5 Ausscheiden von Wirtschaftsgütern aus dem Betriebsvermögen
465
Die Zugehörigkeit zum Betriebsvermögen endet durch (entgeltliche oder unentgeltliche)
Betriebsübertragung, Betriebsaufgabe, weiters durch Veräußerung, Zerstörung, Diebstahl,
Unterschlagung oder durch Entnahme eines einzelnen Wirtschaftsgutes und zwar
unabhängig davon, ob der Buchwert ausgebucht wird.
466
Wird die betriebliche Nutzung von Wirtschaftsgütern vorübergehend oder auf Dauer
eingestellt, dann bleibt das Wirtschaftsgut bis zu seinem tatsächlichen Ausscheiden dennoch
notwendiges Betriebsvermögen, solange es nicht privat genutzt und damit entnommen wird
(VwGH 28.3.1990, 86/13/0182). Daher bleiben unbrauchbar gewordene, bereits völlig
abgeschriebene oder veraltete Wirtschaftsgüter oder nicht genutzte Konzessionen bis zur

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Entnahme bzw. Veräußerung Betriebsvermögen (VwGH 25.4.1952, 0928/51;
VwGH 28.9.1976, 1356/76; VwGH 28.3.1990, 86/13/0182).
467
Wird ein Wirtschaftsgut des Betriebsvermögens veräußert, so ist dieser Vorgang zur Gänze
steuerpflichtig, auch wenn eine anteilige Privatnutzung vorliegt (VwGH 29.1.1975, 1919/74;
VwGH 10.7.1996, 96/15/0124; VwGH 10.7.1996, 96/15/0125).
4.1.10.3.6 Zugehörigkeit zum Betriebsvermögen bei mehreren Betrieben eines
Steuerpflichtigen
468
Besitzt ein Steuerpflichtiger mehrere Betriebe, so gehört ein Wirtschaftsgut zum
Betriebsvermögen jenes Betriebes, dem es dient oder dem es zu dienen bestimmt ist. Dient
es mehreren Betrieben desselben Steuerpflichtigen, so ist es dem Betriebsvermögen jenes
Betriebes zuzurechnen, dem es überwiegend dient. Das Wirtschaftsgut kann daher in einem
solchen Fall nur dem Betriebsvermögen eines der mehreren Betriebe zugerechnet werden
(VwGH 26.11.1991, 91/14/0188).
Beispiel:
Ein Lastkraftwagen dient dem Betrieb A zu 40%, dem Betrieb B zu 30% und dem
Betrieb C zu 30%. Der Lastkraftwagen gehört zum Betriebsvermögen des Betriebes A.
Dort stehen auch die Investitionsbegünstigungen zu.
Bei gleichmäßiger Nutzung in verschiedenen Betrieben (ein Lastkraftwagen wird in zwei
Betrieben zu jeweils 50% verwendet) hat der Steuerpflichtige ein Zurechnungswahlrecht. AfA
und laufende Aufwendungen sind entsprechend der Nutzung in den einzelnen Betrieben dort
Betriebsausgaben. Bei jenem Betrieb, dem das Wirtschaftgut zuzurechnen ist, wird eine AfA
vermindert um eine Nutzungsentnahme im Ausmaß der in anderen Betrieben erfolgten
Nutzung angesetzt.
4.1.10.4 Notwendiges Betriebsvermögen
469
Man unterscheidet notwendiges Betriebsvermögen, gewillkürtes Betriebsvermögen und
notwendiges Privatvermögen. Der Umfang des Betriebsvermögens bestimmt sich
ausschließlich nach steuerlichen Vorschriften (VwGH 27.1.1998, 93/14/0166).
470
In die Gewinnermittlung gemäß § 4 Abs. 1 und 3 EStG 1988 kann nur notwendiges
Betriebsvermögen einbezogen werden (VwGH 13.9.1988, 88/14/0072; VwGH 20.9.1988,
87/14/0168; VwGH 13.6.1989, 86/14/0129; VwGH 3.4.1990, 87/14/0122 - Judikatur zu

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§ 4 Abs. 1 EStG 1988; VwGH 24.1.1996, 93/13/0004; VwGH 22.10.1997, 93/13/0267;
VwGH 19.11.1998, 96/15/0051).
471
Notwendiges Betriebsvermögen sind jene Wirtschaftsgüter, die objektiv erkennbar zum
unmittelbaren Einsatz im Betrieb bestimmt sind und ihm auch tatsächlich dienen.
Maßgebend für die Zuordnung zum Betriebsvermögen sind
. die Zweckbestimmung des Wirtschaftsgutes,
. die Besonderheit des Betriebes und des Berufszweiges, sowie
. die Verkehrsauffassung.
472
Die Art der Nutzung eines Wirtschaftsgutes ist für die Zugehörigkeit zum Privatvermögen
oder zum Betriebsvermögen entscheidend (VwGH 10.4.1997, 94/15/0211). Der Unternehmer
hat bei notwendigem Betriebsvermögen kein Wahlrecht, ob er es in sein steuerliches
Betriebsvermögen einbezieht oder nicht. Ein zB für Lagerzwecke des Betriebes tatsächlich
genutztes Grundstück des Unternehmers ist auch dann steuerliches Betriebsvermögen, wenn
dieses Grundstück nicht in der Bilanz erfasst ist.
Wenn der Einsatz eines Wirtschaftsgutes im Betrieb als möglich in Betracht kommt, aber
noch nicht sicher ist, fehlt es grundsätzlich an dem für die Eigenschaft als notwendiges
Betriebsvermögen erforderlichen Zusammenhang (VwGH 22.10.1997, 93/13/0267;
VwGH 20.2.1998, 96/15/0192).
473
Auch wenn es dem Unternehmer überlassen ist, welche betrieblichen Mittel und
Einrichtungen er einsetzt, so können einem Betrieb doch nur Gegenstände dienstbar
gemacht werden, die in einem objektiven Zusammenhang mit dem Betrieb stehen und
geeignet sind, eine Funktion im Betriebsgeschehen zu erfüllen. Für die Zuordnung von
Wirtschaftsgütern sind nicht betriebswirtschaftliche, sondern bloß steuerliche Gesichtspunkte
entscheidend (VwGH 27.1.1998, 93/14/0166).
474
Notwendiges Privatvermögen wird nicht schon deswegen zu Betriebsvermögen, weil es der
Besicherung von Betriebsschulden dient (VwGH 10.4.1997, 94/15/0211).
475
Notwendiges Betriebsvermögen ist in die Steuerbilanz aufzunehmen. Ein Wirtschaftsgut, das
nicht ins Betriebsvermögen aufgenommen wurde, verliert nicht die Eigenschaft des
notwendigen Betriebsvermögens (VwGH 16.12.1966, 0780/65; VwGH 24.11.1967, 0283/67;

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VwGH 12.3.1969, 1435/68; VwGH 25.2.1970, 1099/68; VwGH 26.11.1985, 85/14/0076). Die
buchmäßige Behandlung ist daher bei Vorliegen eines notwendigen Betriebsvermögens
unbeachtlich.
476
Die im Geschäft des Steuerpflichtigen veräußerten Waren zählen im Zeitpunkt des Verkaufes
selbst dann zum notwendigen Betriebsvermögen, wenn sie aus dem Privatvermögen des
Steuerpflichtigen stammen (VwGH 13.5.1975, 0835/74). Die Entnahme von notwendigem
Betriebsvermögen für Zwecke des Verkaufes ist unwirksam, der Verkauf ist als betrieblicher
Vorgang zu besteuern (VwGH 4.12.1959, 0718/56); dies gilt auch für Personengesellschaften
(VwGH 16.12.1966, 0780/65). Bei notwendigem Betriebsvermögen kann eine Entnahme nur
durch Zweckentfremdung (Verwendung zu anderen als betrieblichen Zwecken) oder
unentgeltliche Übertragung auf Dritte bewirkt werden; die bloße Schenkungsabsicht
(Schenkungsversprechen) genügt aber nicht (VwGH 23.9.1970, 1237/68).
477
Subjektive Momente, wie zB der Anschaffungsgrund, sind für die Qualifikation nicht
entscheidend (VwGH 20.2.1998, 96/15/0192):
. Bloß innere, nicht in der Außenwelt zum Ausdruck kommende Überlegungen des
Steuerpflichtigen sind für die Zuordnung nicht maßgeblich (VwGH 25.10.1994,
94/14/0115).
. Die bloße Absicht, ein betrieblich genutztes Wirtschaftsgut in ferner Zukunft
ausschließlich privat zu nutzen, ist als bloß subjektives Moment für die Frage, ob ein
Wirtschaftsgut zum notwendigen Betriebsvermögen oder zum Privatvermögen gehört,
nicht entscheidend (VwGH 25.2.1997, 96/14/0022).
. Die Absicht, ein Wirtschaftsgut betrieblich zu nutzen, stellt einen inneren Vorgang
(Willensentschluss) dar, der erst dann zu einer steuerlich erheblichen Tatsache wird,
wenn er durch seine Manifestation in die Außenwelt tritt. Es genügt daher nicht, dass die
Absicht besteht, ein Wirtschaftsgut betrieblich zu nutzen (VwGH 21.6.1994, 93/14/0217).
Vielmehr muss diese Absicht innerhalb eines angemessenen Zeitraumes zu einer
tatsächlichen betrieblichen Nutzung eines Wirtschaftsgutes führen (VwGH 25.11.1997,
93/14/0159).
478
Notwendiges Betriebsvermögen kann bei Beendigung der betrieblichen Nutzung als
gewillkürtes Betriebsvermögen belassen werden, wenn das Wirtschaftsgut weiter in den
Büchern eines Steuerpflichtigen, der den Gewinn nach § 5 EStG 1988 ermittelt, aufscheint
(VwGH 25.10.1994, 94/14/0115) und nicht zum notwendigem Privatvermögen wird.

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4.1.10.4.1 Gemischt genutzte bewegliche Wirtschaftsgüter (Aufteilungsverbot bei
beweglichen Wirtschaftsgütern)
479
Die Frage, ob ein Wirtschaftsgut zum notwendigen Betriebsvermögen zählt, ist im
Allgemeinen für das Wirtschaftsgut als Ganzes zu beurteilen; es ist entweder zur Gänze dem
Betriebsvermögen oder zur Gänze dem Privatvermögen zuzurechnen (VwGH 29.7.1997,
93/14/0062). Wird ein Wirtschaftsgut sowohl betrieblich als auch privat genutzt, führt
überwiegende betriebliche Nutzung grundsätzlich zu notwendigem Betriebsvermögen,
überwiegende private Nutzung grundsätzlich zu Privatvermögen (VwGH 19.11.1998,
96/15/0051).
Ist im Falle einer Mischnutzung kein Überwiegen feststellbar (betriebliches und privates
Nutzungsausmaß sind gleich), steht die Zuordnung zum Betriebsvermögen bzw. zum
Privatvermögen in der Wahl des Steuerpflichtigen.
480
Ist ein Wirtschaftsgut auf Grund der überwiegend betrieblichen Nutzung dem notwendigen
Betriebsvermögen zuzurechnen, so sind sämtliche Aufwendungen zunächst
Betriebsausgaben. Die private Nutzung ist als Entnahme zu berücksichtigen
(Nutzungsentnahme), wobei die Bewertung der Nutzungsentnahme mit dem entsprechenden
Anteil an den Betriebsausgaben erfolgt. Es sind daher die auf die Privatnutzung entfallenden
Beträge an AfA, Reparaturen, Betriebskosten sowie Finanzierungsaufwendungen als
Entnahmewert anzusetzen (VwGH 18.2.1999, 98/15/0192).
Bei der Veräußerung eines überwiegend betrieblich genutzten Wirtschaftsgutes stellt der
Veräußerungserlös zur Gänze eine Betriebseinnahme dar (kein Ausscheiden eines
Privatanteiles). Dies gilt auch für einen Verlust (VwGH 16.2.1962, 1777/61; VwGH 5.2.1965,
1392/64; VwGH 29.1.1975, 1919/74; VwGH 10.7.1996, 96/15/0124; VwGH 10.7.1996,
96/15/0125).
481
Betrieblich genutzte bewegliche Wirtschaftsgüter
Betriebliche Nutzung 0 - 50% 50 - 100%
Zurechnung zum Betriebsvermögen 0% 100%
Erfassung stiller Reserven bei Verkauf oder Entnahme 0% 100%

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Absetzung für Abnutzung, sonstige nicht zurechenbare
Aufwendungen
0 - 50% 100%
davon Privatanteil 0% 0 - 50%
Investitionsfreibetrag 0% 100%1)
1) Bei Kraftfahrzeugen ist nur in bestimmten Fällen ein Investitionsfreibetrag möglich.
4.1.10.4.2 ABC der Wirtschaftsgüter des notwendigen Betriebsvermögens
Anzahlung
482
Wird zum Erwerb eines Wirtschaftsgutes des notwendigen Betriebsvermögens eine
Anzahlung geleistet, gehört die Forderung auf Lieferung des Wirtschaftsgutes, die sich aus
der Anzahlung ergibt, zum notwendigen Betriebsvermögen.
Arbeitszimmer
483
Siehe LStR 2002 Rz 324 bis 336.
Bankkonto
484
Ein Bankkonto gehört dann zum Betriebsvermögen, wenn, abgesehen von gelegentlichen
Einlagen und Abhebungen, nur Gut- oder Lastschriften enthalten sind, die sich aus der
Führung des Betriebes selbst ergeben (VwGH 9.2.1951, 1116/50; VwGH 28.6.1988,
87/14/0118).
Bargeld, Sparbuch
485
Notwendiges Betriebsvermögen liegt vor:
. beim laufenden Einsatz einer Kapitaleinlage für die Abwicklung betrieblicher
Geschäftsfälle,
. beim Übertragen von Betriebseinnahmen auf ein Sparbuch, soweit dieses nicht
außerbetrieblichen Zwecken dient (VwGH 11.5.1993, 89/14/0284; VwGH 16.12.1998,
96/13/0046),
. hinsichtlich des Bargeldes, das aus Betriebseinnahmen stammt, solange es nicht dem
betrieblichen Kreis entnommen wird (maßgebend ist dabei nur die buchmäßige
Behandlung, nicht hingegen, ob das Bargeld in näherer Zukunft tatsächlich betrieblich
verwendet wird).

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Erst wenn die Widmung zum privaten Bereich nach außen hin klar dokumentiert ist, und
zwar insbesondere durch die buchmäßige Behandlung (Erfassung als Privatentnahme) oder
allenfalls durch die tatsächliche private Verwendung der Geldmittel, liegt Privatvermögen vor.
Der Umstand, dass ein Sparbuch der Besicherung eines betrieblichen Kredites dient, lässt es
noch nicht zum notwendigen Betriebsvermögen werden (VwGH 16.9.1992, 90/13/0299).
Baukostenzuschüsse
486
Baukostenzuschüsse, die bei Anschlüssen an das Strom-, Gas-, Fernwärme- sowie Kabel-TVNetz
geleistet werden, sind als eigene Wirtschaftsgüter zu aktivieren (VwGH 5.6.1961,
2485/60), die nicht zum Gebäude gehören.
Baurecht
487
Der Abschluss eines Baurechtsvertrages führt nur dann bzw. insoweit zu einem
aktivierungsfähigen Wirtschaftsgut Baurecht, als Aufwendungen zur Erlangung des Rechtes
getätigt werden. Der kapitalisierte Wert der Verpflichtung zur Bezahlung des Bauzinses ist
jedenfalls nicht zu aktivieren (VwGH 19.9.1995, 92/14/0008).
Werden für die Erlangung des Baurechtes Aufwendungen (zB Ablösezahlungen) getätigt, so
stellt das Baurecht ein eigenständiges unbewegliches Wirtschaftsgut dar, welches abnutzbar
ist. Die Bestimmungen für Grund und Boden gemäß § 4 Abs. 1 EStG 1988 kommen daher
nicht zur Anwendung.
Ansonsten hat es in einkommensteuerrechtlicher Hinsicht sein Bewenden damit, dass die
laufenden Baurechtszinszahlungen jeweils Betriebsausgaben darstellen, die sonstigen Rechte
und Pflichten aus dem Baurechtsverhältnis aber weder auf der Aktiv- noch auf der
Passivseite der Bilanz Berücksichtigung finden (VwGH 26.2.1975, 0936/74; VwGH 19.9.1995,
92/14/0008).
Beiträge zur Errichtung öffentlicher Interessentenwege und
Aufschließungsbeiträge
488
Siehe Rz 2626 ff
Belieferungsrecht
489
Das Belieferungsrecht (zB für Bier) ist mit dem Betrag des hingegebenen Zuschusses bei der
Brauerei zu aktivieren und gleichmäßig auf die Zeit der zeitlich begrenzten
Bierbezugsverpflichtung der Gaststätte abzuschreiben.

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Eine Abweichung von diesem Grundsatz ist jedoch bei Belieferungsverträgen, die einen
ausdrücklichen Rabattverzicht des Gastwirtes hinsichtlich der zukünftigen
Getränkelieferungen beinhalten, notwendig. In diesem Fall wird ein Teil des bereits
gewährten Zuschusses als Bevorschussung dieser Rabatte gewertet. Diese Bevorschussung
wird als Kreditgewährung angesehen, wobei zu unterstellen ist, dass der "Kredit" während
der Zeit der Bierabnahmeverpflichtung durch die "Zahlung" der nichtgewährten Rabatte
rückerstattet wird. Bei gemischten Verträgen ist daher zu trennen in einen Teil, der
Darlehenscharakter aufweist und in einen Teil, der ausschließlich als Gegenleistung für die
vom Getränkekunden übernommene Getränkeabnahmepflicht anzusehen ist
(VwGH 29.9.1987, 87/14/0086; VwGH 13.9.1994, 90/14/0172). Nur vom letzten Teil werden
daher auch Investitionsbegünstigungen geltend gemacht werden können.
Bereitstellungsrecht
490
Die rechtsverbindliche Zusage, nach Maßgabe eines künftigen Bedarfs das Nutzungsrecht an
bestimmten Wirtschaftsgütern einzuräumen, ist für sich noch kein bewertbares
Wirtschaftsgut (VwGH 11.3.1992, 90/13/0230).
Besserungsansprüche
491
Forderungen aus Besserungsvereinbarungen sind grundsätzlich als Wirtschaftsgut
anzusehen.
Beteiligungen
492
Beteiligungen an Kapitalgesellschaften und (echte) stille Beteiligungen sind nichtabnutzbare
Wirtschaftsgüter. Einer Beteiligung an einer Mitunternehmerschaft kommt nicht der
Charakter eines Wirtschaftsgutes zu.
Stammanteile an einer GmbH weisen ihrer Art nach eindeutig weder in den privaten noch in
den betrieblichen Bereich (VwGH 8.11.1977, 1054/75 und 2175/77).
Eine Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft gehört dann zum notwendigen
Betriebsvermögen, wenn sie den Betriebszweck des Beteiligten fördert oder wenn zwischen
diesem und der Kapitalgesellschaft enge wirtschaftliche Beziehungen bestehen. Ist zB Zweck
der Kapitalgesellschaft der Vertrieb der Produkte des Erzeugerunternehmens und entspricht
die Geschäftstätigkeit zumindest überwiegend diesem Zweck, gehört die Beteiligung zum
notwendigen Betriebsvermögen des Erzeugerunternehmens. Kann die wirtschaftliche
Verbindung zur Kapitalgesellschaft durch eine gleichartige Verbindung zu einem anderen
Unternehmer ersetzt werden, liegt ein besonderer Vorteil der konkreten Kapitalgesellschaft

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nicht vor. Synergieeffekte durch die Nutzung von Einrichtungen der Kapitalgesellschaft
(Buchführung usw.) für das Erzeugungsunternehmen allein stellen im Hinblick auf die
notwendige Verrechnung zu Fremdvergleichsgrundsätzen noch keinen besonderen, die
Betriebsvermögenseigenschaft der Beteiligung begründenden Vorteil dar.
Die Beteiligung eines Handelsunternehmers an einer Einkaufsgenossenschaft, deren Zweck
es ist, den Mitgliedern günstige Konditionen beim Wareneinkauf zu bieten, gehört zum
notwendigen Betriebsvermögen (VwGH 18.3.1975, 1301/74).
Eine Beteiligung an einer Sessellift-GmbH, deren Zweckbestimmung nicht das Erzielen von
unmittelbar daraus fließenden Kapitalerträgen, sondern die durch den Bau eines Sesselliftes
bewirkte Hebung des Fremdenverkehrs ist, gehört bei einem Fremdenverkehrsbetrieb
(Fremdenheim, Mietwagen- und Taxigewerbe) zum notwendigen Betriebsvermögen, weil sie
objektiv geeignet ist, dem Betrieb zu dienen und ihn zu fördern (VwGH 26.5.1971, 0150/71).
Die Beteiligung eines Landwirtes an einer Milchgenossenschaft ist auch dann als
Betriebsvermögen des landwirtschaftlichen Betriebes anzusehen, wenn der Landwirt die
Milchproduktion nicht betreibt (VwGH 28.3.1990, 86/13/0182).
Die Beteiligung des selbständigen Gesellschafter-Geschäftsführers an der GmbH führt nicht
zu notwendigem Betriebsvermögen der unter die selbständigen Einkünfte fallenden
Geschäftsführertätigkeit (VwGH 25.10.1994, 94/14/0071).
Zum Sonderbetriebsvermögen siehe Rz 5913 ff.
Betriebsanlagen
493
Betriebsanlagen sind idR als eigenständiges Wirtschaftsgut und nicht als Teil des Gebäudes
anzusehen.
Betriebs- und Geschäftsausstattung
494
Gegenstände, die dem Betrieb objektiv zu dienen bestimmt sind, wie die Betriebs- und
Geschäftsaustattung sind Betriebsvermögen (VwGH 13.12.1957, 0192/56).
Bilanzierungshilfen
495
Bilanzierungshilfen sind keine Wirtschaftsgüter, sondern bloße Periodisierungsinstrumente.
Bürgschaft
496
Siehe Rz 1511, "Bürgschaft".

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Computer
497
Siehe Rz 1512, "Computer".
Darlehensforderung
498
Siehe Rz 1514, "Darlehen".
Deponierecht
499
Der Erwerb des als Deponie zu nutzenden Grundstückes unter Vereinbarung der zwingenden
Rückgabe an den Veräußerer nach Erschöpfung der Deponie bzw. Aufgabe des
Deponiebetriebes zu einem im Voraus vereinbarten symbolischen Preis ist wirtschaftlich mit
einem Pachtverhältnis vergleichbar. Unter dieser Voraussetzung liegt der Erwerb eines
abnutzbaren Deponierechtes vor.
Bei den zum Betrieb der Deponie erforderlichen baulichen Investitionen auf dem
Deponiegrundstück (vor allem Sicherungsbrunnen, Abdichtungsmaßnahmen usw.) handelt es
sich nicht um Gebäude im steuerlichen Sinn, sondern um Betriebsanlagen. Nicht davon
betroffen ist die erforderliche maschinelle Ausstattung (Waagen, Förder- und
Zerkleinerungsanlagen usw.), die gesondert zu beurteilen sein wird.
Unter den oben angeführten Voraussetzungen ist der Deponiebetrieb mit einem
Substanzbetrieb vergleichbar. Die Abschreibung des Kaufpreises des Grundstückes
(Deponierechtes) und der baulichen Investitionen nach dem Grad der Befüllung, bezogen auf
das gesamte zur Verfügung stehende Deponievolumen, iSd § 8 Abs. 5 EStG 1988
(Substanzabschreibung) ist zulässig.
Dienstnehmerwohnung
500
Stellt der Betriebsinhaber einem seiner Dienstnehmer für dessen Wohnzwecke eine
Eigentumswohnung zur Verfügung, so dient diese dann betrieblichen Zwecken, wenn für die
Einräumung der Nutzungsmöglichkeit ausschließlich oder zumindest überwiegend
betriebliche Erwägungen maßgebend sind (VwGH 17.9.1990, 89/15/0019). Der Umstand,
dass Eltern häufig bestrebt sind, ihren Kindern eine vom ursprünglich gemeinsamen Haushalt
getrennte Wohnmöglichkeit zu beschaffen, und dass dafür idR Beweggründe maßgebend
sind, die im familiären Bereich wurzeln, schließt noch nicht aus, dass in einzelnen Fällen der
Wohnungsbeschaffung die familiären Beweggründe in den Hintergrund treten
(VwGH 12.11.1985, 83/14/0217).

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Die betriebliche Veranlassung für die Anschaffung einer Eigentumswohnung, die in der Folge
einem Angehörigen des Betriebsinhabers zur Nutzung überlassen wird, kann sich aus dem
Dienstverhältnis des Benutzers der Wohnung zum Betriebsinhaber ergeben. Ist nach der
Verkehrsauffassung die Überlassung von Dienstwohnungen an Arbeitnehmer bei Betrieben
vergleichbarer Art üblich, dann ist auch im Falle einer persönlichen Nahebeziehung eine
betriebliche Veranlassung anzunehmen (VwGH 17.10.1989, 88/14/0204, siehe auch Rz 1161
ff). Es ist dabei im Allgemeinen auf die Verkehrsauffassung und nicht auf jene der
Vertragsparteien abzustellen. Andererseits kommt der Üblichkeit einer Gestaltung
maßgebliche Bedeutung zu, weshalb durchaus auch eine vergleichende Betrachtung
anzustellen ist (VwGH 14.6.1988, 88/14/0015).
Die Schaffung von Werkswohnungen (Dienstwohnungen) ist bei Betrieben kleinerer und
mittlerer Größe nicht üblich (VwGH 10.10.1978, 0195/78; VwGH 1.2.1980, 0732/79,
1535/79; VwGH 17.10.1989, 88/14/0204; VwGH 22.9.1992, 88/14/0058; VwGH 25.1.1995,
93/15/0003), wenn sich nicht aus den besonderen Umständen des Einzelfalles Anderes
ergibt (VwGH 10.7.1996, 94/15/0013; VwGH 20.10.1992, 88/14/0178, VwGH 30.9.1999,
98/15/0005). Eine andere Beurteilung ist denkbar, wenn sich die Wohnung im
Betriebsgebäude oder in dessen unmittelbarer Nähe befindet und insbesondere wegen
häufiger Nachtdienste die Benützung durch einen Arbeitnehmer erforderlich ist
(VwGH 17.10.1989, 88/14/0204).
Es entspricht nicht den allgemeinen praktischen Gegebenheiten, dass ein in einer Großstadt
praktizierender Arzt einem bei ihm teilzeitbeschäftigten ledigen Studenten eine
Dienstwohnung im Gesamtausmaß von 98 Quadratmeter zur Verfügung stellt.
Eine von einem Steuerberater einer Buchhalterin zur Verfügung gestellte Wohnung zählt
jedenfalls dann nicht zu seinem notwendigen Betriebsvermögen, wenn die Buchhalterin nur
5 bis 10 Stunden im Monat für ihn tätig ist (VwGH 9.3.1979, 3512/78).
Die entgeltliche Überlassung einer Wohnung an die Ehegattin des (Mit)Unternehmers als
Dienstwohnung ändert nichts daran, dass die Wohnung objektiv nach ihrem
Verwendungszweck zum gemeinsamen Wohnen der Familie des (Mit-)Unternehmers dient
und daher zum notwendigen Privatvermögen gehört. (VwGH 28.11.1978, 1951/76;
VwGH 27.11.1984, 82/14/0337).
Die einer Arbeitnehmerin einer OHG und Ehefrau eines Mitunternehmers entgeltlich oder
unentgeltlich überlassene Wohnung, die zum gemeinsamen Wohnen der Familie bestimmt
ist, kann nicht als Dienstwohnung der Ehefrau angesehen werden. Für eine Hinzurechnung

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von Sachbezugswerten bei der Lohnsteuerbemessung bleibt damit kein Raum
(VwGH 27.11.1984, 82/14/0337; VwGH 19.10.1982, 82/14/0056).
Domain-Adresse
500a
Die Domain-Adresse ist ein immaterielles Wirtschaftsgut, das sofern sie nicht
zeitraumbezogen ist (zB www.xy-meisterschaft200x.at) oder Modetrends unterliegt nicht
abnutzbar ist. Anschaffungsaufwendungen für eine Domain sind zu aktivieren. Laufende
Aufwendungen aus der Benützung der Domain sind sofort abzugsfähig. Zur Homepage siehe
Rz 516a.
Einbaumöbel
501
Einbaumöbel sind keine Gebäudebestandteile, sondern selbständige Wirtschaftsgüter.
Einrichtungsgegenstände und technische Geräte
502
Siehe Rz 1519 und 4702 ff.
Erweiterungskosten
503
Sie stellen kein Wirtschaftsgut dar; siehe Rz 2413.
Filmrecht, Filme
504
Bei der Verfilmung eines Werkes entsteht ein neues besonderes Urheberrechtsgut, das so
genannte Filmrecht. Der Filmhersteller darf es aber nicht aktivieren
(§ 4 Abs. 1 vorletzter Satz EStG 1988). Ein entgeltlich erworbenes Filmrecht ist zu aktivieren.
Firmenwert
505
Der Firmenwert stellt ein einheitlich zu bewertendes Wirtschaftsgut dar (VwGH 21.9.1983,
82/13/0248; VwGH 5.3.1986, 84/13/0062). Ein selbst geschaffener (originärer) Firmenwert
ist nicht aktivierbar (§ 4 Abs. 1 vorletzter Satz EStG 1988). Siehe Rz 2287 und 3187.
Fischereirecht
506
Das unbefristete Fischereirecht ist ein selbständiges nicht abnutzbares Wirtschaftsgut.
Forderung
507

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Forderungen, die sich aus der betrieblichen Tätigkeit ergeben, gehören zum notwendigen
Betriebsvermögen (VwGH 13.12.1957, 0192/56). Das gilt für Forderungen auf Lieferungen
und Leistungen, auf Garantieleistungen, Gewährleistungen, Schadenersatz und auf den Erlös.
Bei Angehörigen der freien Berufe gehören die Forderungen aus vollendeten Werkverträgen
zum Betriebsvermögen. Die aus den Leistungen entstehenden Ansprüche sind daher
selbständig bewertbar, auch wenn die Leistungen im Rahmen eines weiter gehenden
Auftrages, der auch den Rechnungsabschluss und die Verfassung der Abgabenerklärungen
umfasst, verrichtet werden (VwGH 1.12.1981, 81/14/0017).
Forschungszuschuss
508
Forschungszuschüsse an ein anderes Unternehmen stellen nur dann ein (selbständig) zu
aktivierendes unkörperliches Wirtschaftsgut dar, wenn den Zuschüssen ein konkretes
Nutzungsrecht des Zuschießenden an den Forschungsergebnissen gegenübersteht und nicht
das Aktivierungsverbot nach § 4 Abs. 1 vorletzter Satz EStG 1988 (§ 197 Abs. 2 UGB)
gegenübersteht. Steht den Zuschüssen kein konkretes Nutzungsrecht gegenüber und ist der
Zuschießende Gesellschafter der empfangenden Kapitalgesellschaft, liegt eine den
Beteiligungswert des Gesellschafters erhöhende Einlage vor (§ 6 Z 14 lit. b EStG 1988).
Garage
509
Fassung ab Veranlagung 2002:
Ist das vom Steuerpflichtigen bewohnte Einfamilienhaus (die Wohnung) zur Gänze
Privatvermögen, ist die Garage am Wohnort unabhängig vom Ausmaß der betrieblichen
Nutzung des Fahrzeuges durch den Wohnort und damit privat veranlasst (VwGH 25.4.2001,
99/13/0221).
Ist das vom Steuerpflichtigen bewohnte Einfamilienhaus (die Wohnung) nicht zur Gänze
Privatvermögen, sind die Garagierungskosten am Wohnort im prozentuellen Ausmaß der
betrieblichen Nutzung des Fahrzeuges höchstens jedoch im prozentuellen Ausmaß der
betrieblichen Nutzung des (übrigen) Gebäudes (unabhängig von dessen
Betriebsvermögenszugehörigkeit) als Betriebsausgaben abzugsfähig.
Kosten für die Garagierung am vom Wohnsitz verschiedenen Betriebsort sind ungeachtet der
Betriebsvermögenszugehörigkeit des Fahrzeuges abzugsfähig.
Fassung bis Veranlagung 2001:
Wurden zwei Personenkraftwagen als zum Betriebsvermögen gehörig behandelt, sind auch
die dafür verwendeten Garagenabstellplätze (im Privathaus des Steuerpflichtigen)

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grundsätzlich dem Betriebsvermögen zuzuordnen (VwGH 16.12.1998, 96/13/0046). Wird
eine Garage im Wohnungsverband auch privat mitbenützt (zB Lagerung von Schiern,
Getränkekisten usw.) ist eine solcherart gemischt genutzte Garage durch den Wohnort
bedingt und sind auf Grund des Aufteilungsverbotes damit im Zusammenhang stehende
Kosten nicht absetzbar. Wird eine Hälfte einer Doppelgarage weder für ein zweites
betrieblich genutztes Fahrzeug noch für andere betriebliche Zwecke des Steuerpflichtigen
überwiegend benutzt, ist diese Hälfte dem Privatvermögen zuzurechnen (VwGH 12.11.1985,
85/14/0114).
Geringwertige Wirtschaftsgüter
510
Ungeachtet des Aktivierungswahlrechtes liegt ein Wirtschaftsgut vor (siehe Rz 3893 ff).
Goldvorrat eines Zahnarztes
511
Siehe Rz 1551.
Grundstück
512
Grundstücksankäufe und -verkäufe eines Realitätenhändlers sind nicht dem Bereich seiner
privaten Tätigkeit zuzurechnen, es sei denn, dass besondere Gründe hiefür vorliegen
(VwGH 23.9.1970, 1237/68).
Hat jemand einen Lagerplatz und die darauf untergebrachten Baumaschinen und Geräte
erworben, um sie an eine Baugesellschaft zu vermieten, steht die Vermietung des
Lagerplatzes in engem wirtschaftlichem Zusammenhang mit der Vermietung der
Baumaschinen und Geräte; der Lagerplatz gehört daher zum notwendigen Betriebsvermögen
(VwGH 12.3.1975, 1477/73).
Der Erwerb und die Veräußerung von Grundstücken im eigenen Namen ohne Vorliegen eines
Treuhandverhältnisses gehören nach der Verkehrsauffassung nicht zu den Tätigkeiten eines
Rechtsanwaltes. Der Erwerb eines Grundstückes auf Grund eines einem Rechtsanwalt von
einem Klienten erteilten Auftrages führt nicht dazu, ein so erworbenes Grundstück als
notwendiges Betriebsvermögen eines Rechtsanwaltes anzusehen (VwGH 23.9.1997,
93/14/0094).
Ein von einem Steuerberater angeschafftes Gebäude, das für die erklärte Absicht, darin
künftige Personalwohnungen und Büroräume unterzubringen, wegen seines schlechten
Bauzustandes ungeeignet ist, gehört nicht zum notwendigen Betriebsvermögen, weil es nicht
objektiv geeignet ist, dem behaupteten Zweck zu dienen (VwGH 19.11.1979, 1378/78).

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Grundstück und Gebäude
513
Beim Grundstück und Gebäude handelt es sich um ein je eigenes einheitliches Wirtschaftsgut
(siehe Rz 2610 ff).
Gründungskosten
514
Gründungskosten sind keine Wirtschaftsgüter (siehe Rz 1553 und 2413).
Halbfertige Bauten
515
Bei halbfertigen Bauten handelt es sich um aktivierungspflichtige Positionen. Beim
Auftraggeber (Bauherrn) sind auf seinem Grund und Boden errichtete halbfertige Bauten mit
den bisher aufgelaufenen Herstellungskosten zu aktivieren. Zum Auftragnehmer siehe
Rz 2153 ff.
Holzbezugsrecht
516
Ein mit einer Liegenschaft als Realrecht verbundenes Holzbezugsrecht gehört unabhängig
von seiner Entstehungsgeschichte zum Betriebsvermögen, wenn es objektiv dem Betrieb zu
dienen bestimmt ist (VwGH 21.10.1960, 0113/60).
Homepage
516a
Die Internet-Homepage des Betriebes stellt bei einer vorgesehenen längeren (zumindest
einjährigen) Nutzung ein immaterielles Wirtschaftsgut des Anlagevermögens dar. Soweit sie
nicht selbst erstellt wurde (Aktivierungsverbot gemäß § 4 Abs. 1 vorletzter Satz EStG 1988),
liegt aktivierungspflichtiger Aufwand für ein abnutzbares Anlagegut vor. Die Nutzungsdauer
kann insbesondere im Hinblick auf Aktualisierungserfordernisse und den technischen
Fortschritt mit drei Jahren angenommen werden. Die laufende Wartung der Homepage stellt
Erhaltungsaufwand dar, eine wesentliche Verbesserung oder Erweiterung führt zu
aktivierungspflichtiger Herstellungsaufwand, der ebenfalls auf drei Jahre abzuschreiben ist.
Zur Domain-Adresse siehe Rz 500a.
Ingangsetzungskosten
517
Sie stellen kein Wirtschaftsgut dar (siehe Rz 2413).
Jagd
518

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Siehe Rz 1566.
Jagdrecht
519
Das Jagdrecht ist im rechtlichen Verkehr selbständig bewertbar und daher ein selbständiges
Wirtschaftsgut, auch wenn es ein Ausfluss des Eigentumsrechtes am Grundstück ist, von
diesem nicht getrennt werden kann und somit stets dem rechtlichen Schicksal des Eigentums
am Grund und Boden folgen muss (VwGH 11.12.1990, 90/14/0199; VwGH 16.11.1993,
90/14/0077).
Klientenstock
520
Einem Klientenstock einer Wirtschaftstreuhandkanzlei kommt die Eignung eines
selbständigen, auch durch entgeltliche Übertragung verwertbaren Vermögensobjektes zu,
dessen Wert sich idR an dem durch die betreffenden Klienten bewirkten Jahresumsatz
orientiert (VwGH 28.1.1998, 95/13/0285).
Konzession
521
Eine Konzession stellt ein eigenes Wirtschaftsgut dar (ist nicht bloß Firmenwertbestandteil).
Sie gehört immer zum Betriebsvermögen, und zwar auch (noch) dann, wenn sie
vorübergehend oder auf Dauer ungenützt bleibt (VwGH 28.3.1990, 86/13/0182).
Know-how
522
Es handelt sich dabei um Spezialwissen über bestimmte betriebliche oder berufliche
Erfahrungen (keine Erfindung, da kein Patentschutz). Know-how ist ein unkörperliches
Wirtschaftsgut.
Kundenstock
523
Aufwendungen für den Erwerb eines Kundenstockes, der einen Teil des Geschäfts- oder
Firmenwertes darstellt, sind zu aktivieren (VwGH 23.2.1972, 0699/71).
Küche
524
Für die Zuordnung der zur Wohnung eines Bäckerei-, Konditorei- und Kaffeehausbetriebes
gehörenden Küche zum Betriebsvermögen ist nicht allein das Verhältnis der Zahl der zum
Haushalt gehörenden Personen zur Zahl der betriebszugehörigen Personen, für die Speisen
in dieser Küche zubereitet werden, entscheidend, sondern, ob die Anzahl der täglich

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zubereiteten Speisen für eine überwiegend private oder betriebliche Nutzung der Küche
spricht (VwGH 18.10.1982, 3748/80).
Leasing
525
Siehe Rz 135 ff.
Mietereinbauten
526
Investitionen und Adaptierungen in gemieteten Räumlichkeiten führen im Bereich des
Bilanzsteuerrechtes zu bewertungsfähigen Wirtschaftsgütern. Der Umstand, dass die
Gegenstände bürgerlich-rechtlich dem Gebäudeeigentum des Vermieters zuwachsen, spielt
dabei keine Rolle (VwGH 17.5.1977, 1934/76), der Zuwachs erfolgt erst bei Beendigung des
Bestandsverhältnisses.
Mietrecht - Nutzungsrecht
527
Ein entgeltlich erworbenes Mietrecht (das auch vom Vormieter eingeräumt werden kann) ist
ein aktivierungsfähiges Wirtschaftsgut; zur Abgrenzung Mietrecht - Mietvorauszahlung (siehe
VwGH 15.7.1998, 97/13/0076; VwGH 21.12.1999, 94/14/0125).
Das Mietrecht an betrieblich genutzten Räumen gehört zum Betriebsvermögen, auch wenn in
der Bilanz kein Wertansatz dafür aufscheint. Betriebliche Mietrechte werden nämlich idR
nicht bilanziert, weil sich die gegenseitigen Forderungen und Schulden wechselseitig
ausgleichen. Wird jedoch von einer Seite eine Vorleistung erbracht, so hat dieser Vorgang in
den Bilanzen seinen Niederschlag zu finden (VwGH 20.11.1968, 1685/67).
Die Nutzungsrechte an betrieblich benötigten Büroräumen gehören zum notwendigen
Betriebsvermögen des Unternehmens, das sie ausschließlich betrieblich nutzt. Welcher Art
die Nutzungsrechte sind (Hauptmietrechte, Rechte aus einem Untermietverhältnis oder auf
Grund anderer zivilrechtlicher Titel) ist hiebei ohne Bedeutung. Ob die Nutzungsrechte als
Aktivpost in der Bilanz auszuweisen sind, hängt davon ab, ob hiefür entsprechende
Aufwendungen getätigt worden sind. Es ist dabei ohne Bedeutung, ob die Zahlung als Ablöse
oder als Umzugskostenvergütung an den Vormieter geleistet wurde. Entscheidend ist
nämlich nicht, aus welchem Grund dem bisher Berechtigten eine Zahlung geleistet wird,
sondern, dass sie wirtschaftlich mit dem Übergang der Berechtigung zusammenhängt
(VwGH 6.5.1975, 1703/74).
Optionsrecht
528

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Es handelt sich um ein eigenständiges Wirtschaftsgut, das als solches zu aktivieren ist. Bei
Erwerb des Wirtschaftsgutes ist das Aktivum als Teil der Anschaffungskosten auf das durch
Optionsausübung erworbene Wirtschaftsgut zu übertragen.
Parkplatz
529
Ein Parkplatz stellt ein eigenständiges unbewegliches abnutzbares Wirtschaftsgut dar
(VwGH 9.6.1986, 84/15/0128).
Patentrecht
530
Ein im Betrieb entwickeltes Patentrecht stellt ungeachtet der fehlenden
Aktivierungsmöglichkeit notwendiges Betriebsvermögen dar (VwGH 29.10.1969, 0178/68).
Personenkraftwagen
531
Für die Zugehörigkeit zum Betriebsvermögen ist nicht die Bauart oder äußere
Erscheinungsform eines Kraftfahrzeuges maßgebend, sondern ausschließlich die
überwiegende betriebliche Nutzung. Die Frage der Beurteilung des Fahrzeuges als "Fiskal-
LKW" hat damit nichts zu tun (VwGH 6.4.1988, 84/13/0124).
Werden mehrere Personenkraftwagen mit Wechselkennzeichen betrieben, dann zählt jeder
bzw. nur jener von ihnen zum notwendigen Betriebsvermögen, der seinem Wesen nach dem
Betrieb zu dienen bestimmt ist und tatsächlich überwiegend betrieblich verwendet wird
(VwGH 29.5.1985, 83/13/0136). Der Umstand, dass ein für betriebliche Zwecke
angeschaffter Personenkraftwagen bereits nach kurzer Zeit wieder veräußert wurde, ändert
nichts daran, dass er ab der Anschaffung zum Betriebsvermögen gehörte (VwGH 24.6.1986,
83/14/0174).
Nach den Erfordernissen einer Tabak-Trafik und Kurzwarenhandlung im Stadtzentrum kann
ein Personenkraftwagen keineswegs von vornherein als notwendiges Betriebsvermögen
angesehen werden. In einem solchen Fall muss die überwiegend betriebliche Verwendung
des Kraftwagens nachgewiesen werden, um ihn als Betriebsvermögen behandeln zu können
(VwGH 19.1.1962, 2641/59).
Auch wenn ein Rechtsanwalt über einen weiteren Personenkraftwagen verfügt, der sich im
Privatvermögen befindet, widerspricht es der Erfahrung des täglichen Lebens, dass zwei im
Betriebsvermögen befindliche Kraftfahrzeuge - bei Fehlen von Fahrtenbüchern -
ausschließlich betrieblich verwendet werden (VwGH 20.4.1972, 2228/71; VwGH 11.7.1995,
91/13/0145). Die Behauptung eines Rechtsanwaltes, er nütze allein drei Kraftfahrzeuge

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überwiegend betrieblich, widerspricht den Erfahrungen des täglichen Lebens
(VwGH 25.11.1997, 93/14/0159).
Rechnungsabgrenzungen
532
Rechnungsabgrenzungen sind (noch) keine Wirtschaftsgüter, sondern Bilanzpositionen
eigener Art (siehe Rz 2395 ff).
Regalrecht
533
Bei einem Regalrecht, mit dem insbesondere die Nachfüllgarantie der eigenen Produkte beim
Vertragspartner (Händler) erworben wird, handelt es sich um ein selbständig bewertbares
Wirtschaftsgut.
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
534
Gegenstände, die dem Betrieb objektiv zu dienen bestimmt sind, wie Roh-, Hilfs- und
Betriebsstoffe, gehören zum Betriebsvermögen (VwGH 13.12.1957, 0192/56).
Sanitärräume
535
Kleinere Räumlichkeiten wie sanitäre Einrichtungen und Teeküchen sind betrieblich genutzte
Räumlichkeiten, wenn sie nicht im Wohnungsverband liegen und sie sowohl der
Betriebsinhaber als auch Kunden (und Geschäftspartner) benützen können. Die
Beschäftigung betriebseigener Arbeitskräfte ist nicht Voraussetzung der Abzugsfähigkeit
(VwGH 20.11.1996, 89/13/0259).
Schilifte
536
Lifttrassen samt Stützen und Wasserableitungsanlagen sind ein eigenständiges
unbewegliches Wirtschaftsgut. Die maschinellen Anlagen wie der Liftmotor, das Zugseil,
Schleppliftbügel sind bewegliche Wirtschaftsgüter (VwGH 15.2.1983, 82/14/0067).
Schwebende Geschäfte
537
Solange ein schwebendes Geschäft noch keinen wirtschaftlichen Niederschlag gefunden hat
(noch von keiner Seite erfüllt wurde), ist es nicht auszuweisen (VwGH 19.4.1963, 2255/61;
VwGH 28.4.1970, 1296/68). Es liegen bereits während des Schwebezustandes
Wirtschaftsgüter (Forderungen, Verbindlichkeiten) vor, die aber (noch) nicht bilanziert
werden dürfen.

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Schwebende Dauerverträge
538
Im Fall von schwebenden Dauerverträgen (zB Bestandverträge oder Arbeitsverträge) liegen
zwar Wirtschaftsgüter (Rechte, Verpflichtungen) vor, die aber nicht bilanziert werden dürfen
(VwGH 26.2.1975, 0936/74). Eine Bilanzierung käme erst auf Grund einer Vorleistung
(zB Mietvorauszahlung, Mietrechtserwerb) in Betracht.
Schwimmbad, Sauna, Solarium
539
Ein Hallenbad samt Sauna und Solarium sowie dessen Einrichtung gehört dann nicht zum
Betriebsvermögen eines praktischen Arztes, der sein Wohnhaus auch zu Ordinationszwecken
benutzt, wenn der Nachweis der tatsächlichen überwiegenden Nutzung misslingt
(VwGH 12.11.1985, 85/14/0074; VwGH 16.12.1986, 84/14/0111; VwGH 23.2.1994,
92/15/0025).
Notwendiges Privatvermögen ist auch das Schwimmbad eines Installateurs im eigenen
Wohnhaus, auch wenn es als Musterbad genutzt wird (VwGH 17.11.1981, 81/14/0086).
Seilbahnanlagen
540
Die Seilbahnstützen einschließlich eines gegebenenfalls montierten Tragseiles sind der
Seilbahntrasse zuzurechnen und somit (Trasse samt Stützen) als einheitliches
(unbewegliches) Wirtschaftsgut zu behandeln. Wird eine Liftanlage einschließlich der Stützen
zu Beginn der Saison montiert und am Ende der Saison demontiert, so kann diese
(einschließlich Fundamentierung, jedoch ohne Trasse) insgesamt als bewegliches
Wirtschaftsgut behandelt werden. Die technischen Einrichtungen wie Beförderungsmittel
(Wagen bei Standseilbahnen, geschlossene Kabinen, Sessel, Schleppliftbügel usw.), das
Zugseil und die maschinelle Ausstattung (Motor) werden als bewegliche Wirtschaftsgüter zu
beurteilen sein. Davon eigenständig zu behandeln sind Stationsgebäude als unbewegliche
Wirtschaftsgüter.
Sozialeinrichtung
541
Ein Wirtschaftsgut, das der Belegschaft des Betriebes als soziale Einrichtung kostenlos zur
Verfügung gestellt (zB ein Reitstall) wird und überwiegend, fast ausschließlich von den
Dienstnehmern benützt wird, ist im Hinblick auf seine Zweckbestimmung und tatsächliche
Verwendung notwendiges Betriebsvermögen. Dies auch dann, wenn es nur von einem Teil
der Dienstnehmer tatsächlich benützt wird. Die Benützung durch die überwiegende Zahl der
Betriebsangehörigen ist nicht erforderlich (VwGH 30.10.1974, 1724/72).

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Sozialversicherungsbeiträge
542
Rückständige Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitnehmer sind notwendiges negatives
Betriebsvermögen und jedenfalls zu passivieren (VwGH 26.11.1985, 85/14/0076).
Stehendes Holz, stehender Wald
543
Siehe Rz 2304.
Straßen
544
Bei Straßen handelt es sich um eigene, selbständig bewertbare Wirtschaftsgüter
(VwGH 15.2.1983, 82/14/0067, VwGH 9.6.1986, 84/15/0128).
Termin- und Optionsgeschäfte
545
Branchenuntypische Termin- und Optionsgeschäfte sind dem betrieblichen Bereich
regelmäßig auch dann nicht zuzuordnen, wenn generell die Möglichkeit besteht, damit
Gewinne zu erzielen. Branchenuntypische Termingeschäfte sind nur betrieblich veranlasst,
wenn sie der Absicherung unternehmensbedingter Kursrisiken dienen und nach Art, Inhalt
und Zweck ein Zusammenhang mit dem Betrieb besteht, wobei das einzelne Termingeschäft
nach den im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bekannten Umständen geeignet und dazu
bestimmt sein muss, das Betriebskapital tatsächlich zu verstärken. Unbedingte
Termingeschäfte und Optionsgeschäfte scheiden auch unter dem Gesichtspunkt einer
betrieblichen Liquiditätsreserve im Falle branchenfremder Betätigungen als gewillkürtes
Betriebsvermögen aus, da sie auf Grund ihres spekulativen Charakters in die Nähe von Spiel
und Wette zu rücken sind.
Verbindlichkeiten
546
Siehe Rz 2418 ff
Verlagsrechte, Bücher und Druckwerke
547
Bei einem Verlag sind Druckwerke, Bücher und Verlagsrechte als notwendiges
Betriebsvermögen anzusehen (VwGH 16.12.1966, 0780/65).
Vermietete Wirtschaftsgüter
548

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Diese gehören zunächst dann zum notwendigen Betriebsvermögen, wenn die Vermietung
zumindest einer von mehreren Hauptzwecken der betrieblichen Tätigkeit ist (zB bei
gewerblicher Vermietung oder Leasing). Bildet die Vermietung hingegen nicht den
Hauptzweck der betrieblichen Tätigkeit, so gehören vermietete Wirtschaftsgüter nur dann
zum notwendigen Betriebsvermögen des Betriebes des Vermieters, wenn die Vermietung
diesem Betrieb dient, somit im wirtschaftlichen Zusammenhang mit jenen Aktivitäten steht,
die den Betriebsgegenstand bilden. Dies ist dann der Fall, wenn die Vermietung der
eigentlichen betrieblichen Tätigkeit des Vermieters förderlich ist (VwGH 13.12.1989,
85/13/0041; VwGH 3.4.1990, 87/14/0122; VwGH 9.5.1995, 94/14/0151; VwGH 19.11.1998,
96/15/0051).
Ein solcher wirtschaftlicher Zusammenhang ist gegeben, wenn über die Vermietung hinaus
enge wirtschaftliche Beziehungen zwischen Vermieter und Mieter bestehen. Im konkreten
Fall wurden bis zu 40% der vom Vermieter erzeugten Waren im Betrieb des Mieters - der
Ehegattin - verkauft und Arbeitnehmer in beiden Betrieben eingesetzt sowie bestimmte
betriebliche Aufwendungen wie Kosten für Wasser, Müll, Beheizung, Feuerversicherung,
Büro, Kraftfahrzeug gemeinsam getätigt. Es bestand seitens des Vermieters ein betriebliches
Interesse, dass unmittelbar neben seinem Erzeugungsbetrieb ein diesen ergänzender
Handelsbetrieb geführt wird (VwGH 3.4.1990, 87/14/0122).
Ferienwohnungen sind idR nicht dazu bestimmt, dem Betrieb einer Bäckerei zu dienen.
Selbst wenn sich die bis zu 14 Personen, die in den Ferienwohnungen nächtigen können,
jeweils dazu entschlossen haben sollten, Lebensmittel in der Bäckerei zu kaufen bzw. das
Frühstück einzunehmen, kann dieser Umstand auf den Umsatz der Bäckerei nur eine völlig
untergeordnete Auswirkung haben. Da die Ferienwohnungen zur Erzielung von Einnahmen
aus Vermietung und Verpachtung, nicht jedoch unmittelbaren betrieblichen Zwecken der
Bäckerei, insbesondere dem Verkauf dienen, sind die Ferienwohnungen auch nicht als zum
notwendigen Betriebsvermögen der Bäckerei gehörend anzusehen (VwGH 25.2.1997,
93/14/0196).
Versicherungen
549
Versicherungen gehören dann zum Betriebsvermögen, wenn sie betrieblich veranlasst sind
(siehe Rz 1234 ff).
Vorkaufsrecht
550
Bei einem Baumaterialgroßhändler, der auch eine Ziegelei und ein Betonwerk betreibt,
gehört das Vorkaufsrecht für ein Gipswerk zum Betriebsvermögen. Ein Verzicht auf die

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Geltendmachung dieses Vorkaufsrechtes ist ein Betriebsvorgang (VwGH 25.2.1970,
1099/68).
Waren
551
Rechtsgeschäfte über Waren, die zum Unternehmen des Betriebsinhabers gehören, sind
stets Betriebsvorfälle, auch wenn der Betriebsinhaber einen gegenteiligen Willen bekundet
und sie als private Geschäfte behandelt hat (VwGH 12.3.1969, 0304/68; VwGH 25.2.1970,
1099/68).
Geschäfte eines Steuerpflichtigen in dem Bereich, in dem er üblicherweise sein Gewerbe
ausübt, sind - von besonders gelagerten Einzelfällen abgesehen - solche der Betriebs- und
nicht der Privatsphäre (VwGH 13.5.1975, 0835/74). Im Zweifel gelten die von einem
Unternehmer vorgenommenen Rechtsgeschäfte als zum Betrieb seines Unternehmens
gehörig (§ 344 UGB). Da ein Gewerbetreibender neben der betrieblichen auch eine private
Sphäre hat, ist die Aussonderung privater Geschäftsvorfälle aus ständig im Gewerbebetrieb
vorkommenden Geschäften nicht generell ausgeschlossen.
Für die betriebliche oder private Zuordnung von Veräußerungen, die üblicherweise in den
Bereich eines Gewerbebetriebes fallen, aber auch im Rahmen einer privaten
Vermögensverwaltung getätigt werden können, kommt es darauf an, wie der Steuerpflichtige
die Geschäfte tatsächlich abgewickelt hat. Verkauft der Steuerpflichtige, zB ein Bilderhändler,
ein Bild, das er anlässlich der Matura von einem nahen Angehörigen erhalten und danach
ständig zur Ausschmückung der Wohnung verwendet hat, könnte der Verkauf bei
einwandfreier Trennung vom Betrieb durchaus einen nicht in die betriebliche Sphäre
reichenden, besonders gelagerten Einzelfall darstellen.
Wassernutzungsrecht
552
Ein Nutzungsrecht, zB ein Wasserrecht (Wasserbenutzungsrecht iSd Wasserrechtsgesetzes)
ist ein Wirtschaftsgut (VwGH 4.11.1980, 3332/79).
Wegerecht
553
Ein unbefristetes Wegerecht stellt keinen Teil des Grund und Bodens des herrschenden
Grundstückes dar, sondern ist als gesondert bewertbares, nicht der Abnutzung
unterliegendes Wirtschaftsgut anzusehen (VwGH 27.10.1976, 1418/74; VwGH 29.03.2007,
2006/15/0112).

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Wertpapiere
554
Wertpapiere gehören dann zum notwendigen Betriebsvermögen, wenn sie zur Deckung von
Abfertigungsrückstellungen (VwGH 11.7.1995, 91/13/0145; VwGH 15.9.1999, 94/13/0098)
oder Pensionsrückstellungen erforderlich sind, bzw. den unmittelbaren Betriebsgegenstand
bilden (zB bei einem Wertpapierhändler). Sind die Wertpapiere nicht aus Betriebsmitteln
angeschafft bzw. nicht unmittelbar für Zwecke des Betriebes (zB Verpfändung für
Betriebsschulden) eingesetzt worden, können sie nicht zum notwendigen Betriebsvermögen
gerechnet werden (VwGH 17.4.1974, 0732/72).
Erwirbt ein Abgabepflichtiger Aktien an einer Gesellschaft, die unter Umständen in späteren
Jahren Anteile an möglicherweise in der Zukunft zu gründenden Vertriebsgesellschaften
erwerben (bzw. halten) wird, so erwirbt er Wirtschaftsgüter, deren künftige betriebliche
Nutzung in keiner Weise feststeht. Diese Aktien sind daher nicht objektiv erkennbar zum
unmittelbaren Einsatz im Betrieb bestimmt und stellen daher kein Betriebsvermögen dar
(VwGH 20.2.1998, 96/15/0192).
Privat gehaltene Wertpapiere werden nicht schon wegen der aus betriebswirtschaftlicher
Sicht ansonsten gegebenen Unterkapitalisierung des (Einzel-)Unternehmens zu notwendigem
Betriebsvermögen. Erfüllen die Wertpapiere auch sonst keine Funktion im
Betriebsgeschehen, kommt eine Zuordnung zum notwendigen Betriebsvermögen nicht in
Betracht (VwGH 27.1.1998, 93/14/0166).
Wohnung
555
Zum Betriebsvermögen zählen auch ausschließlich beruflich genutzte Wohnungen
(VwGH 6.10.1970, 0007/69; VwGH 14.1.1992, 91/14/0198), bspw. Kanzlei oder Praxisräume
eines Freiberuflers.
Aufwendungen für eine Kleinwohnung, die nahezu ausschließlich auf durch den Betrieb
veranlassten Reisen als Unterkunft dient, sind Betriebsausgaben (VwGH 12.12.1978,
0025/75). Private Zwecke für das Halten der Wohnung - so etwa als Aufenthalt bei
Privatreisen, als zweiter Haushalt oder als private Vermögensanlage - müssen praktisch
ausscheiden. Private Vermögensanlage wird im Allgemeinen nicht anzunehmen sein, wenn
die ausschließlich als Unterkunft auf betrieblich veranlassten Reisen oder als Büro
verwendete eigene Wohnung auf längere Sicht geringere Aufwendungen verursacht als eine
Fremdunterkunft (VwGH 16.9.1986, 86/14/0017; VwGH 14.1.1992, 91/14/0198).

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Eine Wohnung, die einem Steuerpflichtigen oder Mitunternehmer und seiner Ehefrau zur
gemeinsamen Haushaltsführung dient, gehört nicht zum Betriebsvermögen; sie bildet
notwendiges Privatvermögen (VwGH 19.10.1982, 82/14/0056; VwGH 27.11.1984, 2270/79;
VwGH 13.5.1992, 90/13/0057). Dies gilt auch dann, wenn die Wohnung Geschäftsfreunden
(VwGH 21.10.1986, 84/14/0054) oder Betriebsangehörigen (VwGH 13.9.1988, 87/14/0162)
als Unterkunft dient.
Die Überlassung einer Wohnung an einen (Urlaubs-)Vertreter eines praktischen Arztes kann
als weder berufstypisch noch üblich beurteilt werden, weil es gerade in der Berufsgruppe der
Ärzte üblich ist, in solchen Fällen einen in der Nähe ordinierenden Arzt als Vertreter zu
bestimmen. Die Vertreterwohnung gehört daher nicht zum Betriebsvermögen
(VwGH 22.10.1997, 93/13/0267).
Zertifizierung
556
Eine Zertifizierung zB nach "ISO 9000" über die Qualität der Produktionsorganisation eines
Unternehmens schafft kein eigenständiges Wirtschaftsgut.
4.1.10.4.3 Gebäude
4.1.10.4.3.1 Gemischt genutzte Liegenschaften bzw. Gebäude
557
Von dem in Rz 479 ff beschriebenen Grundsatz der Nichtaufteilbarkeit von beweglichen
Wirtschaftsgütern besteht bei Liegenschaften und Gebäuden eine Ausnahme, wobei folgende
Fälle zu unterscheiden sind:
4.1.10.4.3.2 Unterschiedliche Verwendung einzelner Grundstücksteile (zB ein Teil
des Gebäudes dient dem Betrieb, der andere Teil als Wohnung)
558
Bei gemischt genutzten Liegenschaften bzw. Gebäuden kann hingegen eine anteilsmäßige
Zurechnung zum Betriebs- bzw. Privatvermögen Platz greifen. Werden einzelne bestimmt
abgegrenzte Grundstücks(Gebäude-)Teile betrieblich, andere hingegen privat genutzt, ist das
Grundstück (Gebäude) in einen betrieblichen und in einen privaten Teil aufzuteilen
(VwGH 9.5.1995, 94/14/0151; VwGH 29.6.1995, 93/15/0110; VwGH 19.11.1998,
96/15/0051). Dabei ist das Gebäude als bauliche Einheit zu sehen (VwGH 26.9.1990,
86/13/0104).
559
Die Aufteilung hat grundsätzlich nach der Nutzfläche der unterschiedlich (betrieblich und
nicht betrieblich) genutzten Gebäudeteile zu erfolgen. Ergibt diese Ermittlungsmethode auf
Grund der besonderen Verhältnisse des Einzelfalles keine sachgerechten Ergebnisse, so kann

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auch ein anderer Aufteilungsmaßstab (insbesondere nach der Kubatur) herangezogen
werden (VwGH 26.07.2007, 2005/15/0133).
560
Für die Ermittlung des Nutzungsverhältnisses ist bei bestimmt abgegrenzten Räumlichkeiten
und Flächen in erster Linie der betriebliche oder private Charakter für sich zu untersuchen.
Lässt sich nach der Art der Räumlichkeit (Fläche) und ihrer Nutzung konkret feststellen, dass
die betriebliche Verwendung überwiegt, so ist die Räumlichkeit (Fläche) als betrieblicher Teil
des Gebäudes in die Berechnung des Nutzungsverhältnisses einzubeziehen. Gebäudeteile,
die gemeinschaftlichen Zwecken (wie Stiegenhaus, Gang, Heizraum, Keller, Abstellräume
usw.) dienen, beeinflussen nicht das Aufteilungsverhältnis, sondern sind entsprechend dem
Verhältnis der anderen Räumlichkeiten aufzuteilen (schlüsselmäßige Aufteilung)
(VwGH 19.9.1989, 88/14/0172; VwGH 5.7.1994, 91/14/0110; VwGH 25.1.1995,
93/15/0003).
561
Entsprechend diesem Aufteilungsschlüssel ist die Aufteilung eines betrieblich und privat
verwendeten Vorzimmers bei größerer Kunden- oder Klientenzahl vorzunehmen (VwGH
7.7.2004, 99/13/0197, Vorzimmer einer Rechtsanwaltskanzlei), während bei sehr geringer
Kunden- oder Klientenzahl das Vorzimmer dem Privatvermögen zuzurechnen ist (VwGH
30.11.1962, 1268/61, Privatvermögen des Vorzimmers eines Restaurators mit sehr kleinem
Kundenkreis; VwGH 3.7.1991, 90/14/0066, Privatvermögen des Vorraumes eines
Einfamilienhauses mit einem Notordinationsraum).
562
Ein unausgebauter Dachboden, wenn auch mit ebenem Boden und Beleuchtung, aber ohne
jede Isolierung und Verkleidung der Dachhaut, lässt schon mangels Schutzfunktion
hinsichtlich Wärme, Kälte, Feuchtigkeit und Verschmutzung nur eine so geringfügige private
oder betriebliche Nutzung zu, dass die Nutzfläche dieses Dachbodens für die Frage nach der
privaten oder betrieblichen Nutzung von Gebäudeteilen vernachlässigt werden kann
(VwGH 29.7.1997, 93/14/0062).
563
Ein nicht genutzter Raum zählt in einem gemischt genutzten Gebäude zum Privatvermögen
(VwGH 13.6.1989, 86/14/0129). Auch die Zufahrt zum Gebäude ist nach dem
Nutzungsverhältnis des Gebäudes aufzuteilen, wobei es auf die Anzahl der Einzelbegehungen
der Zufahrt nicht ankommt (VwGH 25.1.1995, 93/15/0003). Die Gartenfläche ist bei der
Feststellung der (betrieblichen oder privaten) Nutzung des Gebäudes auszuscheiden
(VwGH 19.9.1989, 88/14/0172).

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564
Die Frage, ob ein einheitliches Gebäude oder mehrere Gebäude vorliegen, ist nicht nach
Gesichtspunkten der wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit, sondern nach bautechnischen
Kriterien zu lösen (VwGH 19.2.1991, 91/14/0031; VwGH 27.1.1994, 93/15/0161). Eines der
bautechnischen Kriterien ist die Frage, ob Gebäude unmittelbar aneinander grenzend
angebaut bzw. ineinander integriert bzw. aufeinander oder mit entsprechendem räumlichen
Abstand voneinander errichtet sind (VwGH 20.1.1981, 1345/80, in dem auf eine ebenerdige
Halle ein Wohngebäude aufgesetzt wurde; VwGH 1.3.1983, 82/14/0222, 82/14/0223, in
welchem Bauwerke nach der Art von Reihenhäusern unmittelbar aneinander grenzend
errichtet wurden; VwGH 19.2.1991, 91/14/0031, in dem ein Betriebsgebäude um 5 Meter
abgesetzt vom Wohngebäude errichtet wurde).
Als weitere wesentliche Kriterien für die Beurteilung dieser Frage sind folgende zu nennen:
Errichtung der Bauwerke auf verschiedenen Grundstücken mit identen oder verschiedenen
Eigentümern; Ineinandergreifen der einzelnen Räumlichkeiten; Bestehen eigener Eingänge
und Stiegenaufgänge, wobei ein Wohnhaus und ein Werkstättengebäude, die baulich
unterschiedlich gestaltet sind, selbst dann nicht notwendigerweise eine bauliche Einheit
bilden, wenn sie aneinanderstoßen und das Wohngebäude nur durch einen im
Werkstättengebäude liegenden Vorraum betreten werden kann (VwGH 27.1.1994,
93/15/0161).
565
Bei der Beurteilung des Ausmaßes der betrieblichen bzw. außerbetrieblichen Nutzung eines
Grundstückes (Gebäudes) ist auf die tatsächlichen Verhältnisse im Wirtschaftsjahr und nicht
auf erst danach geschaffene Verhältnisse abzustellen (VwGH 29.6.1995, 93/15/0110).
4.1.10.4.3.3 Untergeordnete Bedeutung der betrieblichen bzw. privaten Nutzung
eines Gebäudeteiles (80/20-Prozent-Regel)
566
Eine Aufteilung im Sinne der Rz 558 ff ist jedoch nicht vorzunehmen, wenn ein entweder der
betrieblichen oder der privaten Nutzung dienender Gebäudeteil im Verhältnis zum
Gesamtgebäude nur von untergeordneter Bedeutung ist. In einem solchen Fall ist eine
einheitliche Betrachtung geboten. Von einer untergeordneten Nutzung ist dann zu sprechen,
wenn diese weniger als 20% der Nutzung der Gesamtnutzfläche beträgt (VwGH 18.1.1983,
82/14/0100; VwGH 19.9.1989, 88/14/0172; VwGH 10.4.1997, 94/15/0211; VwGH 29.7.1997,
93/14/0062).
Ist die - aus der Sicht des zu beurteilenden Betriebes - betrieblich genutzte Fläche
mindestens 20% der Gesamtnutzfläche, hat eine Aufteilung zu erfolgen, andernfalls stellt der

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betrieblich genutzte Gebäudeteil, weil er aus der Sicht des zu beurteilenden Betriebes in
Bezug auf die Gesamtnutzfläche von untergeordneter Bedeutung ist, kein Betriebsvermögen
dar.
567
Betrieblich genutzte Eigentumswohnungen sind als eigenes Wirtschaftsgut und damit als
Bestandteil des Betriebsvermögens anzusehen, und zwar auch dann, wenn der
Miteigentumsanteil und das Ausmaß der betrieblichen Nutzung - bezogen auf das
Gesamtobjekt - weniger als 20% betragen.
568
Die Anwendung der 80/20-Prozent-Regel hat dergestalt zu erfolgen, dass die Nutzfläche des
Gebäudeteiles, die es hinsichtlich der Betriebsvermögenszugehörigkeit zu beurteilen gilt, mit
der Gesamtnutzfläche in Beziehung gesetzt wird.
Entsprechendes gilt für die Beurteilung einer untergeordneten nichtbetrieblichen Nutzung: Ist
die - aus der Sicht des zu beurteilenden Betriebes - nicht betrieblich genutzte Fläche
mindestens 20% der Gesamtnutzfläche, hat eine Aufteilung zu erfolgen, andernfalls stellt der
nicht betrieblich genutzte Gebäudeteil (weil er aus der Sicht des zu beurteilenden Betriebes
in Bezug auf die Gesamtnutzfläche von untergeordneter Bedeutung ist) zur Gänze
Betriebsvermögen dar.
Beispiel:
Wird ein Gebäude nach seiner Nutzfläche zu 60% für Zwecke des Betriebes I, zu 15%
für Zwecke des Betriebes II und zu 25% privat genutzt, ergibt sich somit Folgendes:
Der für Zwecke des Betriebes I (60% der Nutzfläche) genutzte Gebäudeteil gehört zum
Betriebsvermögen des Betriebes I. Eine Anwendung der Regel vom untergeordneten
Ausmaß hat in diesem Fall zu unterbleiben, weil die aus Sicht des Betriebes I anders
geartete Nutzung (15% Betrieb II und 25% privat) mehr als 20% ausmacht.
Der für Zwecke des Betriebes II (15% der Nutzfläche) genutzte Gebäudeteil gehört
nicht zum Betriebsvermögen des Betriebes II. Die Anwendung der Regel vom
untergeordneten Ausmaß bewirkt in diesem Fall, dass der lediglich zu 15% genutzte
Gebäudeteil nicht Betriebsvermögen des Betriebes II darstellt, weil die aus Sicht des
Betriebes II anders geartete Nutzung (60% Betrieb I und 25% privat, sohin 85%)
mehr als 20% ausmacht. Die untergeordnete betriebliche Nutzung führt jedoch zu
einer Nutzungseinlage in Höhe der anteiligen AfA.
569
Ist ein im Alleineigentum stehendes Gebäude iSd 80/20-Prozent-Regel teils
Betriebsvermögen und teils Privatvermögen, bewirkt eine innerhalb des 80/20-Prozent-
Rahmens stattfindende nachhaltige Nutzungsänderung idR entweder eine Entnahme oder
Einlage. Sind zB 60% des Gebäudes Betriebsvermögen und wird die betriebliche Nutzung
durch nachhaltige Vermietung auf zB 50% vermindert, liegt insoweit eine Entnahme vor; das

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40-prozentige-Privatvermögen erhöht sich auf 50%. Erhöht sich die betriebliche Nutzung
nachhaltig auf zB 70%, liegt insoweit eine Einlage vor; das Privatvermögen sinkt auf 30%.
Auf derartige Verschiebungen ist die 80/20-Prozent-Regel nicht anwendbar.
Eine Entnahme kann demnach nicht deshalb verhindert werden, weil die Nutzungsänderung
weniger als 20% des betrieblich genutzten Gebäudes ausmacht. Eine Entnahme würde nur
dann nicht vorliegen, wenn der vermietete Teil entweder dem gewillkürten (setzt
Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 voraus) oder dem notwendigen Betriebsvermögen
zuzurechnen ist (VwGH 9.5.1995, 94/14/0151).
570
Wird auf Grund einer nachhaltigen Nutzungsänderung die 20% betriebliche Nutzung einer
Liegenschaft unterschritten, so muss die gesamte Liegenschaft entnommen werden.
Beispiel:
Bei einer Liegenschaft sind 30% Betriebsvermögen und 70% Privatvermögen. Wird in
der Folge das Gebäude nur mehr zu 15% betrieblich genutzt, so muss das gesamte
Betriebsvermögen (also 30%) entnommen werden.
571
Die 80/20-Prozent-Regel führt zu folgenden Konsequenzen:
. Bei untergeordneter Bedeutung des betrieblich genutzten Teiles des Gebäudes oder der
Eigentumswohnung, welche zur Gänze zum Privatvermögen gehören, bilden die auf den
betrieblichen Teil entfallende AfA sowie die anteiligen Finanzierungskosten
Betriebsausgaben (Nutzungseinlage, VwGH 13.12.1989, 85/13/0041; VwGH 3.6.1992,
91/13/0115; VwGH 21.11.1995, 92/14/0160; VwGH 18.3.1997, 93/14/0235).
Investitionen und Einbauten in betrieblich genutzten Räumen gehören auch dann zur
Gänze zum Betriebsvermögen, wenn das Gebäude wegen bloß untergeordneter
betrieblicher Nutzung zur Gänze Privatvermögen darstellt (VwGH 13.12.1989,
85/13/0041).
Die betrieblich genutzten Gebäudeteile gehören im Falle einer untergeordneten betrieblichen
Nutzung nicht zum Betriebsvermögen, sodass Investitionsbegünstigungen nicht geltend
gemacht werden können.
Da die betrieblichen Gebäudeteile nicht dem Betriebsvermögen angehören, stellt auch die
Veräußerung des Gebäudes keinen betrieblichen Vorgang dar. Die Beendigung der
betrieblichen Nutzung führt mangels Betriebsvermögens auch zu keiner Entnahme.
. Ist infolge untergeordneter privater Nutzung das gesamte Gebäude Betriebsvermögen, so
bilden die durch das Gebäude veranlassten Aufwendungen zur Gänze Betriebsausgaben.

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Der Privatnutzung ist durch Ansatz einer Nutzungsentnahme Rechnung zu tragen, deren
Bewertung sich mit dem entsprechenden Anteil an den Betriebsausgaben bemisst. Es
sind daher die auf den privat genutzten (wegen seines untergeordneten Ausmaßes zum
Betriebsvermögen zählenden) Gebäudeteil entfallenden Beträge an AfA, Reparaturen,
Betriebskosten sowie Finanzierungsaufwendungen als Entnahmewert anzusetzen
(VwGH 18.2.1999, 98/15/0192).
Obwohl der privat genutzte Gebäudeteil als zum Betriebsvermögen zugehörig angesehen
wird, steht der Investitionsfreibetrag dennoch nur für den betrieblich genutzten Teil zu
(VwGH 14.9.1993, 93/15/0135).
Die Zurechnung eines privat genutzten Gebäudeteiles zum Betriebsvermögen hat zur Folge,
dass die Entnahme und die Veräußerung des Gebäudes zur Gänze als betrieblicher Vorgang
zu erfassen sind (VwGH 18.1.1983, 82/14/0100; VwGH 21.2.1984, 83/14/0159).
572
Betrieblich genutzte Gebäude
Betriebliche Nutzung 0% bis weniger
als 20%
20% -
80%
Mehr als 80% bis
100%
Zurechnung zum (notwendigen)1)
Betriebsvermögen
0% 20 - 80% 100%
Erfassung stiller Reserven
bei Verkauf oder Entnahme
0% 20 - 80% 100%
Absetzung für Abnutzung,
sonstige nicht zuordenbare
Aufwendungen
0% bis weniger als
20%
20 - 80% 100%
davon Privatanteil 0% 0% 0% bis weniger als
20%
Investitionsfreibetrag (soweit
unmittelbarer Betriebszweck)
0% 20 - 80% Mehr als 80% bis
100%
Soweit § 5 EStG-Ermittler "neutrale" Gebäudeteile "willkürt", sind diese ebenso
Betriebsvermögen.
4.1.10.4.3.4 Dieselben Grundstücksteile werden zeitlich abwechselnd oder
gleichzeitig teils privat, teils betrieblich genutzt
573
Werden dieselben Grundstücks-(Gebäude-)Teile zeitlich abwechselnd teils betrieblich, teils
privat genutzt, ist auf das Überwiegen abzustellen (VwGH 12.11.1985, 85/14/0114;

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VwGH 19.9.1989, 88/14/0172; VwGH 5.7.1994, 91/14/0110; VwGH 19.11.1998,
96/15/0051). Die betriebliche bzw. private Nutzung ist als Nutzungseinlage bzw.
Nutzungsentnahme zu berücksichtigen.
4.1.10.4.4 Gebäude im Miteigentum
574
Bei einer betrieblichen Nutzung von im Miteigentum stehenden Liegenschaften durch einen
Miteigentümer sind folgende Fälle zu unterscheiden:
. Zwischen den Miteigentümern wurde keine Vereinbarung über eine Entgeltzahlung
geschlossen. Findet der betrieblich genutzte Liegenschaftsteil in der Miteigentumsquote
des Betriebsinhabers Deckung, dann ist der betrieblich genutzte Teil zur Gänze dem
Betriebsvermögen zuzurechnen. Bei höherer betrieblicher Nutzung liegt nur bis zur
Miteigentumsquote Betriebsvermögen vor (VwGH 12.4.1972, 1356/70;
VwGH 21.11.1973, 0538/72; VwGH 12.3.1975, 1294/74; VwGH 15.1.1991, 87/14/0123).
Beispiel:
Eine Gastwirtschaft wird in einem Gebäude betrieben, das je zur Hälfte im
zivilrechtlichen und wirtschaftlichem Eigentum des Gastwirtes und seiner Gattin steht.
Der Gastwirt hat mit der aus den beiden Eheleuten gebildeten Hausgemeinschaft
keinen Mietvertrag abgeschlossen.
Das Gebäude wird zu 45% betrieblich verwendet: Das Gebäude gehört mit 45% zum
notwendigen Betriebsvermögen.
Das Gebäude wird zu 75% betrieblich verwendet: Das Gebäude gehört mit 50% (nicht
75%) zum notwendigen Betriebsvermögen.
. Ein Miteigentümer nutzt einen Gebäudeteil auf Grund eines mit der Hausgemeinschaft
abgeschlossenen Mietvertrages. Im Ausmaß der auf den gemieteten Gebäudeteil
angewandten Miteigentumsquote liegt Betriebsvermögen vor (VwGH 1.2.1980, 0643/79;
VwGH 29.6.1982, 1347/78, 82/14/0171). Dieser Mietvertrag wird (nur) hinsichtlich der
rechnerisch auf die anderen Miteigentümer entfallenden Miteigentumsquote steuerlich
anerkannt. Die in Höhe des eigenen Miteigentumsanteils gezahlte Miete stellt daher keine
Betriebsausgabe, sondern eine Entnahme dar. Die Miete, die auf den Miteigentumsanteil
der anderen Eigentümer entfällt, ist Betriebsausgabe und bei diesen als Einkünfte aus
Vermietung und Verpachtung zu versteuern.
Fortsetzung des Beispiels:
Der Gastwirt hat mit der Hausgemeinschaft einen formellen Mietvertrag abgeschlossen
und bezahlt an diese Hausgemeinschaft einen angemessenen Mietzins. Das Gebäude
zählt in diesem Fall im Ausmaß von 22,5% (also nur mit der Hälfte der betrieblichen
Nutzung) zum Betriebsvermögen. Nur in diesem Umfang kommen
Investitionsbegünstigungen in Betracht. Auch der mit der Hausgemeinschaft
vereinbarte Mietzins ist nur zur Hälfte beim Gastwirt Betriebsausgabe und in diesem

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Ausmaß beim anderen Miteigentümer Einnahme (in der Einkunftsart Vermietung und
Verpachtung).
Ergibt sich bei einem Miteigentümer ein Ausmaß des Betriebsvermögens unter 20% (der
Hälfteeigentümer nutzt zB auf Grund eines Mietvertrages 30% des Hauses betrieblich,
Betriebsvermögen liegt daher nur im Ausmaß von 15% vor), ist das untergeordnete Ausmaß
des Betriebsvermögens nach der betrieblichen Nutzung insgesamt (30%) und nicht nach
dem davon dem Betriebsvermögen zuzurechnenden Teil (50% von 30% = 15%) zu
beurteilen.
575
Wird in einem zunächst im Alleineigentum stehenden teilweise betrieblich genutzten
Gebäude durch Schenkung eines Teiles Miteigentum begründet, so gehört - sofern eine
Vereinbarung über eine Entgeltszahlung nicht getroffen wurde - der betrieblich genutzte Teil
insoweit zum Betriebsvermögen des (Miteigentum besitzenden) Steuerpflichtigen, als er in
der Miteigentumsquote Deckung findet.
Beispiel:
In einem im Alleineigentum stehenden teilweise (60%) betrieblich genutzten Gebäude
wird durch Schenkung eines Anteiles von 40% des Gebäudes an die Ehegattin
Miteigentum begründet.
Im Fall der betrieblichen Nutzung von im Miteigentum stehenden Gebäude gehört der
betrieblich genutzte Teil insoweit zum Betriebsvermögen des Steuerpflichtigen, als er in
der Miteigentumsquote Deckung findet.
Ist die Schenkung mit keiner Verringerung des Umfanges der betrieblichen Nutzung
verbunden, hat die Schenkung auf die Frage der Betriebsvermögenszugehörigkeit des
Gebäudes keine Auswirkung, da der betrieblich genutzte Teil (60%) in der
Miteigentumsquote (60%) Deckung findet. Eine Entnahme iSd § 6 Z 4 EStG 1988
kommt daher nicht in Betracht.
Eine Entnahme iSd § 6 Z 4 EStG 1988 läge nur dann und insoweit vor, als der
betrieblich genutzte Teil nach der Schenkung in der Miteigentumsquote keine Deckung
mehr fände. Dies wäre zB der Fall, wenn 50% des zu 60% betrieblich genutzten
Gebäudes verschenkt werden. In einem derartigen Fall würde die Schenkung in jenem
Umfang, in dem der betrieblich genutzte Gebäudeteil (60%) in der Miteigentumsquote
(50%) nicht mehr gedeckt ist, das sind 10%, zu einer Entnahme führen.
576
Wurde ein Gebäude vom Hälfteeigentümer zu 45% betrieblich genutzt und veräußert er den
Betrieb ohne diesen Miteigentumsanteil an den anderen Hälfteeigentümer, der diesen Betrieb
in den vom anderen Hälfteeigentümer ehemals benutzten Geschäftsräumlichkeiten fortführt,
so liegt damit eine Entnahme des bisher betrieblich genutzten Teiles durch den Veräußerer
und eine Einlage des anderen Hälfteeigentümers in das Betriebsvermögen vor
(VwGH 15.1.1991, 87/14/0123). Wird im Zuge eines Scheidungsvergleiches die
Verfügungsgewalt über ein betrieblich genutztes Gebäude dem Ehegatten zugesprochen, der

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das Gebäude betrieblich nutzt, dann stellt das Gebäude ab diesem Zeitpunkt zur Gänze
Betriebsvermögen dar (VwGH 25.1.1993, 92/15/0024).
4.1.10.4.5 Grund und Boden
577
Im Bilanzsteuerrecht (§ 4 Abs. 1 letzter Satz EStG 1988) wird unter Grund und Boden nur
der nackte Grund und Boden verstanden. Selbständig bewertungsfähige Wirtschaftsgüter
sind, auch wenn sie mit Grund und Boden fest verbunden und zivilrechtlich Zubehör der
Liegenschaft sind, einkommensteuerlich nicht zu Grund und Boden zu rechnen. Diese sind als
besondere Wirtschaftsgüter nach den üblichen Bewertungsgrundsätzen bewertet anzusetzen.
Dazu gehören Gebäude (VwGH 11.4.1958, 1314/56; VwGH 14.1.1986, 84/14/0019; VwGH
30.6.1987, 86/14/0195), Betriebsanlagen (zB Hochöfen, Silos), Glashäuser, Glasbeete,
Brücken, Drainagen, Pumpenanlagen, Wege, Zäune usw., aber auch Baumschulanlagen.
Nicht zum Grund und Boden gehören weiters das Wegerecht am Nachbargrundstück (VwGH
27.10.1976, 1418/74), das Holzbezugsrecht (VwGH 21.10.1960, 0113/60), das Fischereirecht
(Rz 5122), das Jagdrecht (VwGH 11.12.1990, 90/14/0199; VwGH 16.11.1993, 90/14/0077),
das Teilwaldrecht (VwGH 19.9.1995, 92/14/0005) oder das Baurecht. Auch die Anteilsrechte
an einer Argrargemeinschaft können nicht mit Grund und Boden iSd § 4 Abs. 1 EStG 1988
gleichgesetzt werden. Bei ausgearbeiteten Schottergruben, die zum Zweck der Errichtung
einer Bauschuttdeponie als Deponieraum erworben wurden, handelt es sich um kein von
Grund und Boden gesondert zu betrachtendes Wirtschaftsgut (VwGH 11.12.1996,
94/13/0179). Veräußert aber ein Grundeigentümer mit dem Grundstück verbundene Rechte
(zB zur Nutzung als Mülldeponie) so ist insoweit eine gesonderte (immaterielle)
Wirtschaftsguteigenschaft nicht ausgeschlossen (VwGH 18.2.1999, 97/15/0015).
578
Beiträge zur Errichtung öffentlicher Interessentenwege und Aufschließungsbeiträge für den
Ausbau einer Ortsstraße zählen zu den Anschaffungskosten des Grund und Bodens. Dies gilt
ebenso für solche Aufwendungen einer Gemeinde für die Errichtung einer Gemeindestraße,
welche die Gemeinde als Eigentümerin eines Grundstückes im Rahmen des Kaufvertrages
dem Käufer anlastet (VwGH 25.11.1999, 99/15/0169).
579
Nicht zum nackten Grund und Boden gehören das Feldinventar (im Boden befindliche Saat,
Dünger, Aufwand für Feldbestellung usw.), die stehende Ernte und das stehende Holz (vgl.
VwGH 11.4.1958, 1514/56; VwGH 16.9.1960, 0550/57). Hinsichtlich der Bewertung siehe Rz
2301. Es bestehen keine Bedenken, im Falle der Veräußerung des Grund und Bodens bei
einjährigen Feldfrüchten für Feldinventar und stehende Ernte ab der Veranlagung 2002 730

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Euro pro Hektar (bis einschließlich der Veranlagung 2001: 10.000 S pro Hektar) anzusetzen;
im Fall der Vollpauschalierung sind diese Erlöse bereits mit der Pauschalierung abgegolten.
Bei der Veräußerung von Waldgrundstücken ist daher der auf das stehende Holz entfallende
Veräußerungserlös steuerlich zu erfassen. Buchführende Land- und Forstwirte können das
stehende Holz in den Betriebsvermögensvergleich einbeziehen (§ 125 Abs. 5 BAO), also den
Holzzuwachs in Form einer Teilwertzuschreibung aktivieren (§ 6 Z 2 lit. b EStG 1988).
4.1.10.4.5.1 Grund und Boden bei der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988
580
Bei der Gewinnermittlung nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 sind Wertänderungen, die Veräußerung
und die Entnahme von Grund und Boden voll gewinnwirksam. Hinsichtlich der Protokollierung
und Entprotokollierung von Gewerbetreibenden siehe Rz 702 ff.
4.1.10.4.5.2 Grund und Boden bei der Gewinnermittlung nach
§ 4 Abs. 1 EStG 1988
581
Bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 bleiben alle Wertänderungen,
einschließlich der Gewinne oder Verluste aus der Veräußerung oder Entnahme, des zum
Anlagevermögen gehörenden Grund und Bodens unberücksichtigt. Gewinne aus einem
Grundstückshandel sind in Folge der Zugehörigkeit zum Umlaufvermögen auch nach
§ 4 Abs. 1 EStG 1988 steuerpflichtig. Die Regelung des § 4 Abs. 1 EStG 1988 ändert nichts
daran, dass der Grund und Boden als Betriebsvermögen in der Bilanz auszuweisen ist
(VwGH 2.4.1979, 3429/76; VwGH 23.10.1990, 90/14/0102). Verbindlichkeiten in
Zusammenhang mit dem Erwerb von Grund und Boden sind daher gleichfalls in die Bilanz
aufzunehmen. Lediglich Wertschwankungen von Grund und Boden bleiben unberücksichtigt.
582
Ausgaben sind, soweit sie zu den Anschaffungskosten der bloßen Grundfläche gehören, als
Teil der Anschaffungskosten zu aktivieren und bleiben daher bei der laufenden
Gewinnermittlung unberücksichtigt. Alle anderen Ausgaben jedoch, die zwar mit dem Grund
und Boden im Zusammenhang stehen, aber mit einer Wertänderung nichts zu tun haben,
sind Betriebsausgaben (zB laufende Betriebskosten, Grundsteuer, Zinsen für Schulden, die
zum Erwerb eines Wirtschaftsgutes aufgenommen wurden). Dies gilt auch für Anwalts- und
Prozesskosten, die zur Verteidigung des Eigentums am Grund und Boden aufgewendet
werden (VwGH 2.4.1979, 3429/78). Nicht abzugsfähig sind aber alle mit dem Kauf oder
Verkauf des nackten Grund und Bodens unmittelbar zusammenhängenden Aufwendungen,
die zu den Anschaffungskosten gehören bzw. den Veräußerungspreis mindern; dies trifft auf

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Prozesskosten für einen Streit um die Höhe der Anschaffungskosten oder des
Veräußerungspreises oder des Wertes des Grundstücks zu.
583
Bei einer Teilwertabschreibung auf bebaute Grundstücke ist der auf den nackten Grund und
Boden entfallende Anteil zu schätzen und aus dem steuerlichen Aufwand auszuscheiden.
584
Veräußerungen von Grund und Boden sind ggf. als Spekulationsgeschäfte zu behandeln
(siehe Abschn. 22.4.3). Im Falle einer Veräußerung von Grund und Boden gegen Leibrente
sind die Renten - sofern kein Spekulationsgeschäft vorliegt - als wiederkehrende Bezüge
nach § 29 Z 1 EStG 1988 zu behandeln (VwGH 15.4.1980, 3259/79; VwGH 13.3.1991,
90/13/0077).
585
Bei Entschädigungen und Abfindungen, die mit der Aufgabe oder der Inanspruchnahme des
Grund und Bodens durch Dritte zusammenhängen, muss zwischen solchen, die für die
Wertminderung am Grund und Boden selbst, und solchen, die für den Verlust, die
Beschädigung oder die Aufgabe anderer Wirtschaftsgüter gezahlt werden, unterschieden
werden.
586
Entschädigungen für Wertminderungen am Grund und Boden (zB anlässlich der Einräumung
einer Stromleitungsdienstbarkeit oder einer Dienstbarkeit für den Zugang zu einer
Fußgängerunterführung oder einer U-Bahn-Station) bleiben bei der Gewinnermittlung nach
§ 4 Abs. 1 EStG 1988 außer Ansatz (VwGH 28.9.1962, 0588/63; VwGH 18.3.1970, 0501/69).
Entschädigungen für den Verzicht auf eine bestimmte Nutzung eines Betriebsgrundstückes
bilden eine Betriebseinnahme (VwGH 15.12.1967, 1839/65). Entschädigungen für den
Verzicht auf Nachbarrechte (zB auf Einspruch bei der Bauverhandlung) zählen, wenn die
Liegenschaft des Verzichtenden zum Betriebsvermögen gehört, zu den Betriebseinnahmen
(VwGH 28.1.1997, 96/14/0012). Erhält ein Steuerpflichtiger, auf dessen Grundstück
irrtümlich eine Mauer errichtet wurde, dafür eine Entschädigung in Höhe des
Grundstückspreises, so liegt dabei eine wirtschaftliche Entschädigung für Grund und Boden
vor.
587
Entschädigungen für Wertminderungen und Ertragseinbußen in der Ernte (Feldinventar) und
aus dem stehenden Holz (Wald) sowie für Erschwernisse in der Bewirtschaftung einer Landund
Forstwirtschaft (längere Wege, unrationellere Grundstücksgestaltung) bilden
steuerpflichtige Betriebseinnahmen (VwGH 28.9.1962, 0588/63). Buchführende

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Steuerpflichtige können in Höhe der Entschädigung für die Wirtschaftserschwernisse einen
Passivposten bilden, der verteilt auf die Jahre der Wirtschaftserschwernis abzuschreiben ist
(siehe Rz 5170 f).
588
Da bei der Veräußerung eines bebauten Grundstückes im Rahmen der Gewinnermittlung
nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 nur der auf das Gebäude entfallende Gewinn der Steuerpflicht
unterliegt, ist der Veräußerungserlös auf Grund und Boden sowie auf das Gebäude
aufzuteilen. Die Aufteilung erfolgt im Schätzungsweg (VwGH 15.3.1988, 87/14/0067), wobei
der Sachwertmethode der Vorrang zukommt (VwGH 23.4.1998, 96/15/0063). Nach dieser
Methode ist der Verkehrswert des Bodens einerseits und jener des Gebäudes andererseits zu
ermitteln. Im Verhältnis dieser Verkehrswerte ist der auf die Gesamtliegenschaft entfallende
tatsächliche Veräußerungserlös auf Boden und auf Gebäude zu verteilen (VwGH 30.6.1987,
86/14/0195). Die Ermittlung eines auf das Gebäude entfallenden Differenzwertes ist nur
dann zulässig, wenn der Wert des Grund und Bodens festgestellt werden kann und der
Kaufpreis weitestgehend dem Verkehrswert entspricht (VwGH 23.4.1998, 96/15/0063).
4.1.10.5 Gewillkürtes Betriebsvermögen
4.1.10.5.1 Allgemeines
589
Gewerbetreibende, deren Firma im Firmenbuch eingetragen ist (Gewinnermittlung gemäß
§ 5 EStG 1988), können auch Gegenstände, die nicht notwendiges Betriebsvermögen
darstellen, dem Betrieb widmen und in ihre Bilanz aufnehmen (gewillkürtes
Betriebsvermögen). Zum gewillkürten Betriebsvermögen können Wirtschaftsgüter gehören,
die weder notwendiges Privatvermögen noch notwendiges Betriebsvermögen darstellen. Bei
diesen Wirtschaftsgütern steht es in der Entscheidung des Steuerpflichtigen, ob er sie in die
Bücher aufnimmt und als Betriebsvermögen behandelt (VwGH 10.7.1959, 0956/57;
VwGH 16.1.1973, 0629/72), wobei die Entscheidung auch schon vom Rechtsvorgänger
getroffen worden sein kann (VwGH 4.5.1971, 0347/70). Gewillkürtes Betriebsvermögen ist
immer zum Anlagevermögen zu zählen.
590
Die Widmung zum Betriebsvermögen erfolgt durch Aufnahme in die Bücher
(VwGH 13.6.1989, 86/14/0129; VwGH 12.12.1995, 94/14/0091), ebenso durch Belassen in
den Büchern, wenn ein bisher notwendiges Betriebsvermögen nicht mehr betrieblich aber
auch nicht privat genutzt wird (VwGH 25.10.1994, 94/14/0115). Die Zuordnung eines
Wirtschaftsgutes zum gewillkürten Betriebsvermögen ist weiters nur dann rechtens, wenn die
dementsprechende Buchung zeitfolgerichtig als laufender Geschäftsfall erfolgt ist

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(VwGH 21.11.1995, 92/14/0152). Unzulässig ist jedenfalls die rückwirkende Einbuchung
gewillkürten Betriebsvermögens (VwGH 14.1.1986, 84/14/0038, VfGH 12.3.1982, B 299/79).
591
Die Ausbuchung eines Gegenstandes des gewillkürten Betriebsvermögens auf einen in der
Vergangenheit liegenden Zeitpunkt bewirkt nicht die Entnahme zu diesem zurückliegenden
Stichtag. Die Entnahme wird erst im Zeitpunkt des Ausbuchens bewirkt (VwGH 26.4.1994,
91/14/0030; VwGH 25.10.1994, 94/14/0115). Nimmt ein Steuerpflichter in der Annahme, ein
bisher als gewillkürtes Betriebsvermögen behandeltes Wirtschaftsgut sei notwendiges
Privatvermögen, eine Bilanzberichtigung (Ausbuchung des Wirtschaftsgutes) vor, so kann
diese Bilanzberichtigung keinesfalls als Entnahme gewertet werden. In solchen Fällen kann
auch dann keine Entnahme angenommen werden, wenn sich nachträglich herausstellt, dass
das betreffende Wirtschaftsgut gar nicht dem notwendigen Privatvermögen, sondern
ohnedies - wie zuvor angenommen - dem gewillkürten Betriebsvermögen zuzurechnen ist
(VwGH 17.2.1993, 88/14/0097).
592
Wird gewillkürtes Betriebsvermögen in die Bücher aufgenommen, dann ist dieses
Betriebsvermögen nicht anders zu behandeln als notwendiges Betriebsvermögen
(VwGH 13.9.1988, 88/14/0072).
593
Wirtschaftsgüter müssen, um dem gewillkürten Betriebsvermögen zugerechnet zu werden,
dem Betrieb in irgendeiner Weise - etwa durch ein betriebliches Interesse an einer fundierten
Kapitalausstattung - förderlich sein können. Als gewillkürtes Betriebsvermögen kommen nur
solche Wirtschaftsgüter in Betracht, die ihrer Beschaffenheit nach auch Betriebsvermögen
sein können. Gegenstände, bei denen ein Zusammenhang mit dem Betrieb offensichtlich
nicht bestehen kann, sind als gewillkürtes Betriebsvermögen ausgeschlossen
(VwGH 20.11.1990, 90/14/0139).
594
Von der Entscheidungsfreiheit kann kein so weitgehender Gebrauch gemacht werden, dass
in der Bilanz gewillkürtes Betriebsvermögen ausschließlich deshalb aufgenommen wird, um
einen steuerlichen Vorteil zu erreichen, zB um eine bevorstehende Wertminderung oder
einen drohenden Verlust von der einkommensteuerlich unbeachtlichen Privatsphäre in den
steuerwirksamen betrieblichen Bereich zu verlagern (VwGH 8.11.1977, 1054/75, 2175/77;
VwGH 21.11.1995, 92/14/0152; VwGH 28.5.1997, 92/13/0273).
Beispiele:

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
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Kursverlust bei Wertpapieren; eine bereits wertlose Darlehensforderung; eine mit
Fruchtgenuss belastete Beteiligung (VwGH 20.11.1990, 90/14/0139); Wertverfall von
Silber (VwGH 21.11.1995, 92/14/0152); Film-Verwertungsrechte, die zu keiner
Förderung des Betriebes geeignet sind (VwGH 13.10.1999, 93/13/0200).
595
Soweit gewillkürtes Betriebsvermögen erst durch eine Einlage dem Betrieb gewidmet wird,
ist eine schon früher eingetretene Wertminderung bereits im Rahmen der Einlagenbewertung
zu berücksichtigen (VwGH 8.11.1977, 1054/75).
4.1.10.5.2 Einzelfälle
Bauernhof
596
Die Wirtschaftsgüter eines Bauernhofes (Erbhofes nach dem Kärntner Höfegesetz) können
gewillkürtes Betriebsvermögen einer OHG sein, die Holzhandel und Sägewerke betreibt; auch
wenn der Gesellschafter den Hof nur als Vorerbe in gemäß § 613 ABGB beschränktem
Eigentum hat (VwGH 13.9.1988, 88/14/0072).
Beteiligung
597
Ein Stammanteil an einer branchengleichen GmbH kann sowohl im privaten als auch im
betrieblichen Bereich gehalten werden. Es bleibt daher dem Steuerpflichtigen überlassen, in
welchem Bereich er den Stammanteil führen will (VwGH 8.11.1977, 1054/75). Haben die
Gesellschafter einer Personengesellschaft von ihnen erworbene Anteile an einer auf einem
völlig anderen Wirtschaftsgebiet tätigen Kapitalgesellschaft, nachdem diese große Verluste
ausgewiesen hatte, zum Nominalwert in das Betriebsvermögen eingebracht, ist der Schluss
zu ziehen, dass die Übertragung und die Aufnahme ins Betriebsvermögen nur in der
überwiegenden Identität der Gesellschafter ihre Erklärung finden kann und die Anteile nicht
als gewillkürtes Betriebsvermögen zu behandeln sind (VwGH 16.1.1973, 0629/72).
Für die Eigenschaft der Beteiligung als gewillkürtes Betriebsvermögen spricht das Beitragen
ihrer Gewinne zum Betriebserfolg (VwGH 5.10.1993, 90/14/0121).
Grundstück, Gebäude
598
Liegenschaften können grundsätzlich gewillkürtes Betriebsvermögen darstellen (VwGH
17.1.1995, 94/14/0077; VwGH 12.12.1995, 94/14/0091; VwGH 28.5.1997, 92/13/0273;
VwGH 25.11.1997, 93/14/0180).
Der Vollkaufmann kann ein Grundstück, das ursprünglich infolge seiner betrieblichen
Nutzung zum notwendigen Betriebsvermögen gehörte, nachdem es nicht mehr betrieblich

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genutzt wird, als gewillkürtes Betriebsvermögen behandeln. Hat der Vollkaufmann ein
solches Grundstück auch nach Aufhören der betrieblichen Nutzung in seinen Büchern als zum
Betriebsvermögen gehörig weiter geführt, hat er zu erkennen gegeben, dass er es als
gewillkürtes Betriebsvermögen ansieht (VwGH 8.5.1964, 2103/63). Erscheint ein
Wirtschaftsgut (unbebautes Grundstück) als Aktivpost in der Bilanz auf und werden die damit
zusammenhängenden Aufwendungen und Erträge auf Verlust- und Gewinnkonto gebucht, so
geht der Wille des Kaufmannes erkennbar dahin, das Wirtschaftsgut als Teil des
Betriebsvermögens zu behandeln (VwGH 4.5.1971, 0347/70).
Ein unbebautes Grundstück, das an ein vom Unternehmen betrieblich genutztes Gebäude
angrenzt und für eine Betriebserweiterung besonders geeignet ist und vom Betriebsinhaber,
dessen Firma im Firmenbuch eingetragen ist, in die Bilanzen aufgenommen wurde, stellt
gewillkürtes Betriebsvermögen dar (VwGH 23.12.1975, 1367/74).
Entscheidet sich der Eigentümer eines bebauten Grundstückes, einen bestimmten Teil des
Gebäudes als gewillkürtes Betriebsvermögen aufzunehmen, führt dies zwingend dazu, dass
auch die entsprechenden ideellen Anteile des Bodens gewillkürtes Betriebsvermögen werden
(VwGH 18.12.2001, 98/15/0019).
Mietgebäude
599
Ein Mietgebäude kann als gewillkürtes Betriebsvermögen behandelt werden
(VwGH 15.1.1960, 1585/57).
Vermietetes Einfamilienhaus
600
Kann ein Grundstück nur eingeschränkt, etwa mit einem Einfamilienhaus, bebaut werden, so
weist dies allein nicht auf eine objektiv erkennbare Widmung dieses Grundstückes für private
Zwecke hin (VwGH 17.1.1995, 94/14/0077).
Wohnung
601
Eine freistehende Wohnung kann nach der Verkehrsauffassung als gewillkürtes
Betriebsvermögen behandelt werden (VwGH 25.11.1997, 93/14/0180).
4.1.10.6 Notwendiges Privatvermögen
4.1.10.6.1 Allgemeines
602
Ein Wirtschaftsgut, das objektiv erkennbar privaten Zwecken dient oder objektiv erkennbar
für private Zwecke bestimmt ist, stellt notwendiges Privatvermögen dar (VwGH 17.1.1995,

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94/14/0077); siehe Rz 4701 ff. Die buchmäßige Behandlung ist bei Vorliegen eines
notwendigen Privatvermögens unmaßgeblich.
4.1.10.6.2 Konsequenzen aus der Einstufung als Privatvermögen
603
Wirtschaftsgüter, die nicht zum Betriebsvermögen gehören, sind nicht zu bilanzieren und
bleiben beim Betriebsvermögensvergleich unberücksichtigt, auch wenn sie teilweise (nicht
überwiegend) betrieblich genutzt werden. Ihre Anschaffung führt bei keiner Form der
Gewinnermittlung zu einer AfA oder zu Investitionsbegünstigungen. Ihre Veräußerung
bewirkt keinen Veräußerungsgewinn oder Veräußerungsverlust, die sich aus der Differenz
zwischen Veräußerungserlös und Buchwert ergeben. Damit zusammenhängende
Aufwendungen führen grundsätzlich zu keinen Betriebsausgaben. Eine Ausnahme davon
besteht für Nutzungseinlagen außerhalb des Aufteilungsverbotes (zB nicht überwiegend
betrieblich genutztes Kraftfahrzeug - siehe Abschn. 5, Gebäude im Falle der untergeordneten
betrieblichen Nutzung - siehe Rz 566 ff, siehe weiters Rz 2496 ff).
Gehört ein betrieblich genutztes Wirtschaftsgut nicht zum Betriebsvermögen, so ist seine
Veräußerung zur Gänze kein betrieblicher Vorgang. Die Erfassung stiller Reserven ist
allenfalls nach § 30 oder § 31 EStG 1988 möglich.
4.1.10.7 Betriebsvermögen von Personengesellschaften
Siehe Rz 5907 ff

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4.2 Anlage- und Umlaufvermögen
4.2.1 Abgrenzung
4.2.1.1 Allgemeines
604
Das UGB unterscheidet zwischen Anlagevermögen und Umlaufvermögen. Da die einzelnen
Vermögenskategorien unterschiedlichen Bewertungsvorschriften unterliegen, ist die
Zuordnung der Wirtschaftsgüter zu diesen Kategorien für deren konkrete Bewertung
bedeutsam.
605
Entscheidend ist die Zuordnung aber auch für:
. die Inanspruchnahme steuerlicher Begünstigungen wie Investitionsfreibetrag (nur bei
abnutzbarem Anlagevermögen) und Übertragung stiller Reserven (nur bei - abnutzbarem
und nichtabnutzbarem - Anlagevermögen),
. die Zulässigkeit einer AfA und einer Sofortabschreibung für geringwertige
Wirtschaftsgüter (nur bei abnutzbarem Anlagevermögen),
. das Außeransatzlassen von Grund und Boden außerhalb der Gewinnermittlung gemäß
§ 5 EStG 1988 (nur bei Anlagevermögen),
. das Aktivierungsverbot unkörperlicher nicht entgeltlich erworbener Wirtschaftsgüter (nur
bei Anlagevermögen).
606
Für die Zuordnung der Wirtschaftsgüter zum Anlagevermögen bzw. zum Umlaufvermögen ist
deren wirtschaftliche Zweckbestimmung in Verbindung mit der Zeitkomponente
entscheidend. Alleine aus der Eigenschaft eines Wirtschaftsgutes lässt sich die Zuordnung
nicht ableiten. Je nach der betrieblichen Funktion gehört das gleiche Wirtschaftsgut in einem
Betrieb zum Umlaufvermögen, in einem anderen Betrieb zum Anlagevermögen. Maßgeblich
sind nicht die Verhältnisse am Bilanzstichtag, sondern die grundsätzliche Widmung. Die
Zuordnung in der UGB-Bilanz gilt mangels eigener steuerrechtlicher Vorschriften auch für die
Steuerbilanz (VwGH 17.12.1993, 93/15/0094).
Die für die Zuordnung maßgebende Zweckbestimmung wird häufig bereits aus der
objektiven Eigenschaft des Vermögensgegenstandes, aus der Natur des Gegenstandes, aus
der tatsächlichen Nutzung und aus dem Geschäftszweig des Unternehmens abzuleiten sein.
Wenn aber eine solche objektive Funktionsbestimmung nicht mit Sicherheit möglich ist, ist
die subjektive Widmung als letztlich entscheidendes Abgrenzungskriterium heranzuziehen

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(VwGH 13.4.2005, 2001/13/0028; VwGH 22.12.2004, 2001/15/0095; VwGH 22.9.2000,
96/15/0207, 0208).
4.2.1.2 Anlagevermögen
4.2.1.2.1 Definition Anlagevermögen, Allgemeines
607
Das UGB definiert als Anlagevermögen Gegenstände, die bestimmt sind, dauernd dem
Geschäftsbetrieb zu dienen (§ 198 Abs. 2 UGB). Dauernd heißt, dass ein Wirtschaftsgut
während seiner betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer oder zumindest eines größeren
Zeitraumes davon dem Geschäftsbetrieb dient. Gegenstände des Anlagevermögens sind zum
Gebrauch bestimmt. Im Zweifelsfall kann eine tatsächlich längere Verweildauer im Betrieb
ein Indiz für Anlagevermögen sein. Wirtschaftsgüter, deren betriebsgewöhnliche
Nutzungsdauer erfahrungsgemäß nicht länger als ein Jahr ist, können nicht zum
Anlagevermögen gerechnet werden. (VwGH 25.6.1998, 96/15/0251). Bei Beteiligungen ist
die Zweckwidmung im Zeitpunkt des Erwerbs der Beteiligung maßgebend (VwGH 22.9.2000,
96/15/0207).
4.2.1.2.2 Einteilung des Anlagevermögens
608
Gemäß § 224 Abs. 2 UGB wird das Anlagevermögen in folgende Vermögensgegenstände
unterteilt:
. Immaterielle Vermögensgegenstände
. Sachanlagen
. Finanzanlagen
609
Sowohl immaterielle Vermögensgegenstände als auch Finanzanlagen fallen unter den
steuerlichen Begriff der unkörperlichen Wirtschaftsgüter (siehe Rz 623 ff).
610
Zu den Sachanlagen zählen Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten
einschließlich der Bauten auf fremdem Grund, technische Anlagen und Maschinen, andere
Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung und Anlagen in Bau.
611
Das Einkommensteuerrecht unterscheidet zwischen abnutzbaren und nichtabnutzbaren
Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens.
4.2.1.2.3 Nichtabnutzbares Anlagevermögen
612

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
© Bundesministerium für Finanzen 42 - 3
Nichtabnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens sind solche, die keinem Wertverzehr
unterliegen. Zum nichtabnutzbaren Anlagevermögen zählen zB der dauernd genutzte Grund
und Boden, stehendes Holz (VwGH 21.10.1986, 86/14/0021), Antiquitäten (VwGH 24.9.1996,
94/13/0240), Kunstwerke und Werke der Gebrauchskunst (VwGH 5.7.1994, 91/14/0110),
Gemälde, Skulpturen, wertvolle Gefäße uÄ, Wandteppiche und Tapisserien, im Regelfall
Beteiligungen als echter stiller Gesellschafter, weiters entgeltlich erworbene unbefristete
Rechte und Konzessionen, zeitlich unbegrenzte Namensrechte oder Markenrechte, soweit sie
nicht Bestandteile des Firmenwertes sind (zum Markenrecht siehe Rz 3195, zur Domain-
Adresse siehe Rz 500a).
612a
Erwirbt eine Kapitalgesellschaft von "ihrem" Anteilsinhaber ein Fruchtgenussrecht an den
eigenen Anteilen, ist eine steuerwirksame Abschreibung dieses Fruchtgenussrechtes
unzulässig (VwGH 25.1.2000, 2000/15/0172).
4.2.1.2.4 Abnutzbares Anlagevermögen
613
Abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens sind solche, die einem regelmäßigen
Wertverzehr unterliegen. Der Wertverzehr kann technisch, wirtschaftlich oder zeitlich bedingt
sein. Abnutzbar sind Wirtschaftsgüter dann, wenn sie wegen technischen Verschleißes,
wegen einer Minderung der Gebrauchsfähigkeit oder wegen Zeitablaufs (insbesondere bei
Rechten) nur eine beschränkte Zeit genutzt werden können (VwGH 27.11.1963, 0790/73).
Der Umstand, dass bei Wirtschaftsgütern Erhaltungsaufwand anfällt, macht sie für sich allein
noch nicht abnutzbar (VwGH 20.12.1963, 2125/62).
Zum abnutzbaren Anlagevermögen gehören vor allem Sachgüter wie Gebäude,
Einrichtungsgegenstände, Maschinen, Werkzeuge, Filme (bei Filmproduktions- oder
Filmverleihunternehmen), aber auch Rechte und andere immaterielle Wirtschaftsgüter wie
Patente, Wettbewerbsverbote, Belieferungsrechte, betriebliche Erfahrungen, Mietrechte an
Geschäftsräumen, die durch ihre zeitliche Begrenzung auch einem Wertverzehr unterliegen.
Eine Musterküche gehört zum abnutzbaren Anlagevermögen, wenn sie dazu bestimmt ist,
nicht wie eine Ware veräußert zu werden, sondern längerfristig dem Betrieb zu dienen. Das
Baurecht ist zwar unbeweglich, aber abnutzbar. Spezialersatzteile, die nur bei bestimmten
Anlagen verwendet werden können, sind mit der Anlage gemeinsam zu aktivieren und
gehören daher zum abnutzbaren Anlagevermögen (VwGH 26.4.1977, 0671/75).
614
Zur Frage, ob der Firmenwert abnutzbar oder nichtabnutzbar ist, siehe Rz 2287 ff. Andere
immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nicht als "Firmenwert" anzusehen

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sind, sind nach den allgemeinen Bewertungsregeln entweder als abnutzbar oder als nicht
abnutzbar zu behandeln.
4.2.1.3 Umlaufvermögen
4.2.1.3.1 Allgemeines
615
§ 198 Abs. 4 UGB definiert als Umlaufvermögen Gegenstände, die nicht bestimmt sind,
dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen. Zur Bedeutung des Begriffes "dauernd" siehe
Rz 607. Umlaufvermögen ist nach objektiv erkennbaren Kriterien zum Verbrauch bzw. Absatz
im Betrieb bestimmt.
616
Ein Grundstück, bei dem nach dem objektivem Gesamtbild der Verhältnisse die
Vermögensumschichtung bzw. Vermögensverwertung (zB bei einem gewerblichen
Grundstückshändler) und nicht die Vermögensnutzung im Vordergrund steht, gehört auch
bei längerer betrieblicher Zugehörigkeit nicht zum Anlage-, sondern zum Umlaufvermögen.
Dies gilt auch dann, wenn es während der Zeit bis zur tatsächlichen Veräußerung wie ein
Anlagegut vermietet wird, aber gemessen an der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer nicht
dazu bestimmt ist, dem Betrieb dauernd zu dienen (VwGH 31.5.1983, 82/14/0188).
617
Umlaufvermögen kann bei Unterbleiben der beabsichtigten Veräußerung und Aufnahme
einer betrieblichen Dauerwidmung in Anlagevermögen umgewidmet werden
(VwGH 7.6.1983, 82/14/0318). Betriebsvermögen, das nicht Anlagevermögen darstellt, muss
Umlaufvermögen sein und umgekehrt. Wirtschaftsgüter mit einer Nutzungsdauer von
weniger als einem Jahr gehören zum Umlaufvermögen (VwGH 17.12.1993, 93/15/0094).
4.2.1.3.2 Einteilung
618
Gemäß § 224 Abs. 2 UGB gehören folgende Vermögensgegenstände zum Umlaufvermögen:
. Vorräte, das sind Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige Erzeugnisse, fertige
Erzeugnisse und Waren, noch nicht abrechenbare Leistungen und geleistete
Anzahlungen;
. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Forderungen gegenüber verbundenen
Unternehmen, Forderungen gegenüber Unternehmen, mit denen ein
Beteiligungsverhältnis besteht, sonstige Forderungen und Vermögensgegenstände;
. Anteile an verbundenen Unternehmen, sonstige Wertpapiere und Anteile;
. Kassenbestand, Schecks und Guthaben bei Kreditinstituten.

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Zum Umlaufvermögen zählen auch Gebäude und Wohnungen, die ein Bauunternehmer zur
nachfolgenden Veräußerung errichtet (VwGH 7.6.1983, 82/14/0318), der Vorführwagen beim
KFZ-Händler (VwGH 2.7.1975, 2306/74), Musterhäuser und ähnliche Ausstellungszwecken
dienende Wirtschaftsgüter, geschlägertes Holz (VwGH 16.6.1987, 86/14/0188), Forderungen
aus Dienstnehmerdarlehen, Gewährleistungsansprüchen, Schadenersatzansprüchen uÄ sowie
Optionsrechte. Ein Bodenschatz (zB Schottergrube) gehört bei Abbaubetrieben auch vor dem
Abbau zum Umlaufvermögen (VwGH 12.2.1998, 94/15/0184).
4.2.1.4 Abgrenzung Anlagevermögen - Umlaufvermögen bei unkörperlichen
Wirtschaftsgütern
619
Die Abgrenzung Anlagevermögen - Umlaufvermögen bei unkörperlichen Wirtschaftsgütern ist
vor allem in Hinblick auf das in § 4 Abs. 1 EStG 1988 normierte Aktivierungsverbot von
Bedeutung; siehe Rz 623.
620
Optionsrechte, die zur Veräußerung bestimmt sind oder die eine Laufzeit von unter einem
Jahr haben, gehören jedenfalls zum Umlaufvermögen. Nur bei langfristigen Optionen, die
dauerhaft im Betriebsvermögen gehalten werden sollen, kann die Zuordnung zum
Anlagevermögen gerechtfertigt sein.
621
Software, die von einem Betriebsinhaber entwickelt und anschließend seinen Kunden zur
Nutzung überlassen wird, gehört zum Anlagevermögen. Eine Beurteilung als
Umlaufvermögen kommt nicht in Betracht, weil die Einräumung von Nutzungsrechten nichts
daran ändert, dass das Vollrecht an der Software dem verbleibt, der es (urheberrechtlich
geschützt) entwickelt hat, daher dauerhaft seinem Betrieb dient und somit Anlagevermögen
darstellt (VwGH 25.6.1998, 96/15/0251). Soweit Individual-Software für einen bestimmten
Auftraggeber erstellt und an diesen veräußert wird, handelt es sich beim Hersteller um
Umlaufvermögen. Näheres zur Software siehe Rz 627.
622
Beteiligungen gehören im Allgemeinen zum Anlagevermögen, andere Wertpapiere nur dann,
wenn sie bestimmt sind, dauernd dem Betrieb zu dienen (zB Wertpapierdeckung nach
§ 14 Abs. 5 EStG 1988; VwGH 15.09.1999, 94/13/0098). Stellen sie nur eine kurzfristige
Liquiditätsreserve dar, gehören sie zum Umlaufvermögen. Einzelne Aktien sind keine
Beteiligungen, sie gehören zum Umlaufvermögen. Forderungen gehören zum
Umlaufvermögen, soweit es sich nicht um Ausleihungen handelt. Ausleihungen sind

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langfristige Forderungen, die aus der Hingabe von Kapital entstanden sind. Sie gehören
jedenfalls bei einer Laufzeit von mindestens fünf Jahren zum Anlagevermögen (§ 227 UGB).
4.2.2 Unkörperliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens
4.2.2.1 Sachlicher Geltungsbereich
623
Das Aktivierungsverbot des § 4 Abs. 1 vorletzter Satz EStG 1988 gilt sowohl für die
Gewinnermittlung durch Bilanzierung als auch durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.
Die Ergebnisse von im Auftrag durchgeführten Forschungen und Entwicklungen, die zum
Zwecke der Veräußerung durchgeführt wurden, sowie Auftragssoftware zählen zum
Umlaufvermögen und fallen nicht unter diese Bestimmung. Soweit Software lediglich
mietweise überlassen wird, zählt sie hingegen zum Anlagevermögen (VwGH 25.6.1998,
96/15/0251).
4.2.2.2 Begriff "Unkörperliches Wirtschaftsgut"
624
Der Begriff der unkörperlichen Wirtschaftsgüter umfasst sowohl immaterielle
Wirtschaftsgüter als auch Finanzanlagen.
4.2.2.2.1 Immaterielle Wirtschaftsgüter
625
Als immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens kommen insbesondere in Betracht:
Gewerbliche Schutzrechte wie Patente, Lizenzen, Marken-, Urheber- und Verlagsrechte,
Konzessionen, Warenzeichen, Erfindungen, Rezepturen, Know-how, ferner Nutzungsrechte
(Mietrechte, Fruchtgenussrechte, usw.) und Optionsrechte aber auch Werte ohne
Rechtscharakter, wie etwa der Firmenwert.
626
Forschungszuschüsse an ein anderes Unternehmen haben den Charakter eines
Wirtschaftsgutes, wenn ihnen ein konkretes Nutzungsrecht des Zuschießenden an den
Forschungsergebnissen gegenübersteht. Derartige Zuschüsse sind aktivierungspflichtig, es
sei denn, dass ihnen das Aktivierungsverbot nach § 4 Abs. 1 vorletzter Satz EStG 1988
entgegensteht. Dies wäre dann der Fall, wenn kein entgeltlicher Erwerb vorläge, was etwa
bei einem auffallenden Missverhältnis zwischen der Höhe des Zuschusses und dem
Nutzungswert der Forschungsergebnisse zuträfe (siehe dazu Rz 629). Steht den Zuschüssen
kein konkretes Nutzungsrecht gegenüber und ist der Zuschießende Gesellschafter der
empfangenden Körperschaft, liegt eine den Beteiligungswert des Anteilsinhabers erhöhende
Einlage vor, soweit der Zuschuss auf Grund der Gesellschafterstellung erfolgt.

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627
EDV-Programme (sowohl Individual- als auch Standardsoftware) sind als unkörperliche
Wirtschaftsgüter anzusehen. Bloße Datenträger sind hingegen ebenso wie die Computer-
Hardware körperliche Wirtschaftsgüter. Soweit auf Disketten oder Festplatten sowohl
Programme als auch bloße Daten gespeichert sind, wird idR einheitlich von einem
unkörperlichen Wirtschaftsgut auszugehen sein.
4.2.2.2.2 Finanzanlagen
628
Zu den Finanzanlagen zählen Beteiligungen an Körperschaften, echte stille Beteiligungen und
Wertpapiere.
4.2.2.3 Entgeltlicher Erwerb
629
Ein entgeltlicher Erwerbsvorgang setzt die Änderung der Zurechnung eines bereits
bestehenden Wirtschaftsgutes oder die Neubegründung eines Rechtsverhältnisses gegen
eine nach kaufmännischen Grundsätzen angemessene Gegenleistung voraus (Kauf, Tausch
usw.). Nicht erworben und damit in erster Linie vom Aktivierungsverbot umfasst sind
unkörperliche Wirtschaftsgüter, die der Steuerpflichtige selbst herstellt oder herstellen lässt.
4.2.2.3.1 Abgrenzung Anschaffung und Herstellung
630
Ob eine Anschaffung oder eine Herstellung vorliegt, ist danach zu unterscheiden, ob der
Auftraggeber oder der Auftragnehmer die Herstellerinitiative und das Herstellerrisiko trägt.
Dabei liegt das Schwergewicht auf dem Herstellerrisiko (der Hersteller trägt das Kostenrisiko
bei gestiegenen Kosten bzw. das Risiko der Nichtabnahme eines Werksgegenstandes).
Werden unkörperliche Wirtschaftgüter (insbesondere Software) durch Dritte zu einem
Fixpreis hergestellt, so liegt eine Anschaffung und damit ein entgeltlicher Erwerb vor.
4.2.2.3.2 Kombination Anschaffung und Herstellung
631
Werden unkörperliche Wirtschaftsgüter in für Zwecke des Unternehmens noch nicht
einsetzbarem (halbfertigem) Zustand von einem Dritten angeschafft und in der Folge vom
Unternehmen weiter bearbeitet, so ist insgesamt (somit auch hinsichtlich des erworbenen
Teiles) ein nicht aktivierungsfähiger Herstellungsvorgang gegeben, wenn die Aufwendungen
für die Fertigstellung die Anschaffungskosten des halbfertigen Produktes übersteigen.
Andernfalls sind die Anschaffungskosten des Halbfertigprodukts zu aktivieren, die
Aufwendungen zur Fertigstellung sind als Betriebsausgaben abzusetzen.

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4.2.2.4 Einlage
4.2.2.4.1 Einlage in Einzelunternehmen und Personengesellschaft
632
Werden unkörperliche Wirtschaftsgüter in das Anlagevermögen eines Einzelunternehmens
oder einer Mitunternehmerschaft eingelegt, so sind sie unabhängig davon, ob sie vor der
Einlage vom Steuerpflichtigen entgeltlich erworben wurden oder nicht, stets zu aktivieren.
§ 6 Z 5 EStG 1988 geht § 4 Abs. 1 vorletzter Satz EStG 1988 vor.
Beispiel:
Ein Angestellter hat im Privatbereich eine Erfindung gemacht. In der Folge eröffnet er
einen Gewerbebetrieb und verwendet die Erfindung im Rahmen dieses Betriebes als
Anlagegut. Die Erfindung ist mit dem Teilwert bzw. im Falle der Fertigstellung innerhalb
des letzten Jahres mit den Herstellungskosten in die Eröffnungsbilanz (ins
Anlageverzeichnis) aufzunehmen.
633
Die bloße Nutzungsüberlassung begründet kein Wirtschaftsgut (VwGH 18.2.1999,
98/15/0192). Die Überlassung zB eines Grundstücks an einen Dritten zur betrieblichen
Nutzung führt daher bei diesem nicht zur Einlage eines Nutzungsrechts. Die Einlage eines
Nutzungsrechtes kommt dann in Betracht, wenn ein Steuerpflichtiger ein privates
Nutzungsrecht, für das Anschaffungskosten angefallen sind, für seinen Betrieb verwendet,
oder dieses unentgeltlich auf einen Dritten für dessen betriebliche Zwecke überträgt.
Eine Nutzungseinlage setzt voraus, dass der Steuerpflichtige ein in seinem wirtschaftlichen
Eigentum stehendes Wirtschaftsgut in seinem Betrieb verwendet (siehe Rz 2496 ff).
4.2.2.4.2 Einlage in Kapitalgesellschaft
634
Einlagen in Kapitalgesellschaften gelten gemäß § 6 Z 14 letzter Satz EStG 1988 grundsätzlich
als Tausch und damit als entgeltlicher Vorgang (siehe Rz 2589).
4.2.2.5 Verhältnis zu anderen Bestimmungen des EStG 1988
635
Die Bestimmungen
. zur Fortführung der Buchwerte des letzten vor dem 1. Jänner 1989 liegenden
Bilanzstichtages (§ 113 Abs. 1 EStG 1988),
. zum unentgeltlichen Erwerb eines Betriebes, Teilbetriebes oder Mitunternehmeranteils
(§ 6 Z 9 lit. a EStG 1988),
. zum betrieblich veranlassten unentgeltlichen Erwerb einzelner unkörperlicher
Wirtschaftsgüter (§ 6 Z 9 lit. b EStG 1988),

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. zur Einlage (§ 6 Z 5 EStG 1988),
. zum Tausch (§ 6 Z 14 EStG 1988).
gehen dem Aktivierungsverbot des § 4 Abs. 1 vorletzter Satz EStG 1988 vor.
636
Für unter das Aktivierungsverbot fallende Wirtschaftgüter darf kein IFB geltend gemacht
werden (VwGH 22.6.2001, 2001/13/0021).
4.3 Bilanzberichtigung und Bilanzänderung
(§ 4 Abs. 2 EStG 1988)
4.3.1 Allgemeines
637
Bis zum Einreichen beim Finanzamt kann die Bilanz durch den Steuerpflichtigen - innerhalb
allfälliger unternehmensrechtlicher Schranken - jederzeit geändert werden. Nach dem
Einreichen beim Finanzamt muss unterschieden werden, ob eine Bilanzberichtigung oder eine
Bilanzänderung vorliegt (VwGH 22.03.1993, 91/13/0134, 91/13/0135).
638
Für Steuerpflichtige, die ihren Gewinn gemäß § 4 Abs. 3 EStG 1988 ermitteln, gelten die
Bestimmungen über Bilanzberichtigungen und Bilanzänderungen schon begrifflich nicht
(VwGH 31.3.1976, 0402/76). Sie können Irrtümer in Abgabenerklärungen bis zur
rechtskräftigen Abgabenfestsetzung berichtigen (VwGH 23.6.1982, 3666/80).
4.3.2 Bilanzberichtigung
4.3.2.1 Definition des Begriffes Bilanzberichtigung
639
Unter Bilanzberichtigung versteht man
. die Berichtigung eines in der Bilanz vorhandenen, unrichtigen und daher unzulässigen
Bilanzansatzes durch einen zulässigen Bilanzansatz,
. die Aufnahme eines fehlenden (zwingend aufzunehmenden) Bilanzansatzes, oder
. das Ausscheiden eines unzulässigen Bilanzansatzes.
4.3.2.2 Formell - materiell unrichtiger Bilanzansatz
640
Formelle Mängel, die die Bilanz materiell nicht unrichtig machen, sind nicht im Wege der
Bilanzberichtigung zu beheben.
641

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Materielle Mängel liegen vor, wenn in der Bilanz nicht alle tatsächlichen Umstände
berücksichtigt sind, die der Steuerpflichtige im Zeitpunkt ihrer Erstellung kannte oder ein
sorgfältiger und gewissenhafter Kaufmann bei Anwendung der nötigen Sorgfalt kennen und
nach der zutreffenden Gewinnermittlungsmethode berücksichtigen musste.
642
Hat der Steuerpflichtige die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung eingehalten, dann
bleibt die Bilanz auch dann richtig, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass sie objektiv
unrichtig ist.
4.3.2.3 Pflicht zur Bilanzberichtigung
643
Bei einem Verstoß gegen die allgemeinen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (zB
Bilanzwahrheit, Bilanzvollständigkeit, Bewertungsstetigkeit) oder gegen zwingende
Gewinnermittlungsvorschriften des EStG 1988 muss sowohl bei der Gewinnermittlung nach
§ 4 Abs. 1 EStG 1988 als auch bei jener nach § 5 EStG 1988 eine Bilanzberichtigung
vorgenommen werden. Bei der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 ist eine
Bilanzberichtigung überdies bei einem Verstoß gegen zwingende unternehmensrechtliche
Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (zB Niederstwertprinzip) durchzuführen, sofern
nicht zwingende abweichende Vorschriften des EStG 1988 bestehen.
Beispiele für gebotene Bilanzberichtigungen:
. Nachholung einer gebotenen Aktivierung;
. Berücksichtigung bisher nicht bilanzierter betrieblicher Verbindlichkeiten;
. Berichtigung einer unrichtig angesetzten Betriebsschuld, Vornahme unterlassener
AfA bzw. Korrektur von zu geringer oder überhöhter AfA;
. Herausnahme notwendigen Privatvermögens aus der Bilanz oder Einbeziehung
notwendigen Betriebsvermögens in die Bilanz;
. Rückgängigmachung der Aktivierung von Erhaltungsaufwand.
644
Eine Bilanzberichtigung muss in jedem Stadium des Besteuerungsverfahrens durchgeführt
werden, ggf. auch von Amts wegen (VfGH 7.6.1984, B 401/79).
Die Berichtigungspflicht betrifft grundsätzlich alle Bilanzen, die sich als unrichtig erweisen,
selbst dann, wenn Feststellungs- oder Abgabenbescheide, die auf einer unrichtigen Bilanz
beruhen, endgültig in Rechtskraft erwachsen sind (VwGH 29.10.2003, 2000/13/0090; VwGH
17.2.1993, 88/14/0097).
4.3.2.4 Steuerliche Auswirkungen der Bilanzberichtigung
645

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Hinsichtlich der steuerlichen Auswirkungen der Bilanzberichtigung ist zu unterscheiden, ob
die Veranlagung bereits rechtskräftig ist oder nicht.
4.3.2.4.1 Steuerliche Auswirkungen bis zur Rechtskraft der Veranlagung
646
Bis zur Rechtskraft der Veranlagung führt die Bilanzberichtigung – ggf. im Wege eines
Rechtsmittelverfahrens - auch zu einer Berichtigung der Veranlagung (VwGH 17.10.1952,
1837/50; VwGH 25.6.1954, 1473/53).
4.3.2.4.2 Steuerliche Auswirkungen nach Rechtskraft der Veranlagung
647
Ist die Veranlagung rechtskräftig, kann die Bilanzberichtigung nur dann zu einer Abänderung
der Veranlagung führen, wenn dies verfahrensrechtlich möglich ist (zB Wiederaufnahme des
Verfahrens gemäß § 303 BAO).
4.3.2.5 Berichtigung eines unrichtigen Bilanzansatzes
648
Ein unrichtiger Bilanzansatz ist bis zum Jahr des erstmaligen fehlerhaften Ausweises zurück
zu berichtigen (VwGH 14.12.1993, 90/14/0034). Es kommt jedoch deswegen zu keiner
Durchbrechung des Bilanzzusammenhanges.
4.3.2.6 Frist
649
Die Vornahme von Bilanzberichtigungen im Wege der Mitteilung an das Finanzamt ist an
keine Frist gebunden.
4.3.2.7 Nachholverbot
650
Die Auswirkungen eines auf Grund vernachlässigter Sorgfalt unrichtigen Bilanzansatzes
können nicht mit steuerlicher Wirkung für ein späteres Wirtschaftsjahr nachgeholt werden:
. So können zB weder unterlassene Abschreibungen uneinbringlicher Forderungen in
einem späteren Wirtschaftsjahr gewinnmindernd (VwGH 3.7.1968, 1067/66) noch
unterlassene Aktivierungen von Forderungen in einem späteren Wirtschaftsjahr
gewinnerhöhend (VwGH 21.10.1966, 0349/66) nachgeholt werden.
. "Jubiläumsgeldrückstellung" und “Urlaubsrückstellung": Geht der Steuerpflichtige vom
"deckungslosen Verfahren" zur Rückstellungsbildung über, so muss er eine
Bilanzberichtigung durchführen. Die Eröffnungsbilanz ist entsprechend zu berichtigen,
sodass sich nur der auf das Wirtschaftsjahr entfallende Teil der Rückstellung auf den
Gewinn auswirkt (siehe Rz 3329, sowie VwGH 17.1.1995, 94/14/0110).

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4.3.2.7.1 Grundsatz von Treu und Glauben
651
Weder die Grundsätze des Bilanzzusammenhanges und der Bilanzierungsgleichmäßigkeit
noch der Grundsatz von Treu und Glauben besagen, dass die Abgabenbehörde
Aufwandsposten, die sie einmal zum Abzug zuließ, rechtswidrigerweise auch weiterhin
steuerlich berücksichtigen müsste (VwGH 14.2.1978, 0913/75); vielmehr ist in solchen Fällen
eine Berichtigung der entsprechenden Vorjahresbilanzen durchzuführen.
652
Hat die Behörde eine bestimmte Vorgangsweise durch Jahre hindurch in Übereinstimmung
mit dem Abgabepflichtigen in vertretbarer Weise beurteilt, so darf es auf Grund einer
anderen Vorgangsweise nicht zu einer Doppelbesteuerung (und auch zu keiner
Doppelnichtbesteuerung) kommen (VfGH 30.1.1980, B 29/77).
4.3.3 Bilanzänderung
4.3.3.1 Begriff
653
Unter Bilanzänderung versteht man das Ersetzen des gewählten, zulässigen Bilanzansatzes
durch einen anderen, ebenfalls zulässigen Bilanzansatz (VwGH 22.3.1993, 91/13/0134;
91/13/0135).
Sind steuerrechtlich und unternehmensrechtlich verschiedene Ansätze zulässig und hat der
Steuerpflichtige daher die Möglichkeit, zwischen den zulässigen Ansätzen zu wählen, hat der
Steuerpflichtige mit dem Einreichen der Steuererklärung beim Finanzamt seine Entscheidung
getroffen.
Eine nachträgliche Änderung der UGB-Bilanz stellt einen Anwendungsfall der Bilanzänderung
dar, wenn die Änderung die steuerliche Gewinnermittlung beeinflussen kann (zB Bildung
einer unversteuerten Rücklage nach § 205 UGB für eine Rücklage nach § 12 EStG 1988).
4.3.3.2 Zustimmung der Abgabenbehörde
654
Nach der Einreichung der Bilanz beim Finanzamt bedarf eine Bilanzänderung der
Zustimmung des Finanzamtes (bzw. im Rechtsmittelverfahren der zur Entscheidung über das
Rechtsmittel zuständigen Abgabenbehörde). Die Zustimmung muss von der Behörde erteilt
werden, wenn die Bilanzänderung wirtschaftlich begründet ist.
4.3.3.3 Wirtschaftliche Gründe
655

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Wirtschaftlich begründet ist eine Bilanzänderung dann, wenn im Unternehmen, das den
Gegenstand der Bilanzierung bildet, stichhaltige, wirtschaftliche Gründe vorliegen
(vgl. VwGH 21.9.1988, 87/13/0176).
Beispiel:
Im Falle einer Aktivierung der Aufwendungen für ein Wirtschaftsgut durch das
Finanzamt ist die Bilanzänderung hinsichtlich der erstmaligen Geltendmachung der in
Betracht kommenden Investitionsbegünstigung wirtschaftlich begründet.
656
Wirtschaftlich unbegründet ist eine Bilanzänderung vor allem dann, wenn sie bloß der
Erlangung zunächst nicht erkannter steuerlicher Vorteile oder dem Ausgleich steuerlicher
Nachteile dient oder wenn damit Steuernachforderungen (auf der Basis entsprechender
Berichtigung der Besteuerungsgrundlagen durch die Abgabenbehörde) ausgeglichen werden
sollen (VwGH 25.10.1995, 94/15/0035).
4.3.3.4 Keine Rückwirkung
657
Die Bilanzänderung kann im Unterschied zur Bilanzberichtigung nicht rückwirkend auf die
Vorjahre vorgenommen werden.
4.4 Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (§ 4 Abs. 3 EStG 1988)
4.4.1 Allgemeines
658
Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ist eine vereinfachte Form der Gewinnermittlung. Es
wird ihr nicht ein Betriebsvermögensvergleich zu Grunde gelegt, sondern eine
Gegenüberstellung der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben, und zwar grundsätzlich im
Sinne einer Geldflussrechnung. Aus dem System der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
ergeben sich gegenüber jenem des Betriebsvermögensvergleiches unterschiedliche
Periodenergebnisse. Der Totalgewinn muss aber grundsätzlich ident sein.
659
Bei der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung besteht in einem gewissen Rahmen die Möglichkeit
der bewussten Steuerung des Zahlungszeitpunktes, willkürliche Zahlungen sind nicht zu
berücksichtigen (VwGH 22. 1. 1992, 91/13/0114).
4.4.2 Voraussetzungen
660

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Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ist ausgeschlossen, wenn gesetzliche
Buchführungspflicht besteht (§§ 124 und 125 BAO) oder freiwillig Bücher geführt werden
(siehe Rz 402 ff).
661
Bei einer gewerblichen GmbH & Co EEG (ab 2007: KG oder OG, siehe Rz 430q), die ihren
Gewinn durch Betriebseinnahmen-Betriebsausgaben-Rechnung ermittelt, kann bis 2007 auch
der Gewinnanteil der Kapitalgesellschaft aus der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung abgeleitet
werden. Die Aufstellung einer eigenen "anteiligen" Steuerbilanz ist nicht erforderlich. Da bei
einer gewerblich tätigen EEG alle Gesellschafter betriebliche Einkünfte erzielen, kann der
Gewinnanteil der Kapitalgesellschaft im Rahmen der Feststellung erfasst werden. Die für
Kapitalgesellschaften geltenden besonderen Vorschriften (zB Gewinne aus der Veräußerung
von Grund und Boden) sind durch Sonderbetriebseinnahmen und Sonderbetriebsausgaben
zu berücksichtigen. Gemäß § 189 Abs. 1 Z 1 UGB ist eine unternehmerisch tätige GmbH & Co
KG (umsatzunabhängig) rechnungslegungspflichtig. Gemäß § 907 Abs. 17 UGB sind vor dem
1. Jänner 2007 eingetragene Erwerbsgesellschaften und Kommanditerwerbsgesellschaften,
bei denen kein unbeschränkt haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist (GmbH & Co
KEG), erstmals für Geschäftsjahre gemäß § 189 Abs. 1 Z 1 UGB rechnungslegungspflichtig,
die nach dem 31. Dezember 2007 beginnen.
662
Ermittelt eine freiberufliche Mitunternehmerschaft, an der eine nach berufsrechtlichen
Vorschriften zugelassene Kapitalgesellschaft beteiligt ist (zB Wirtschaftstreuhänder-GmbH &
Co KEG, ab 2007: KG), ihren Gewinn durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, bestehen keine
Bedenken, wenn die auf die Kapitalgesellschaft entfallenden, in einer Beilage zur
Feststellungserklärung offengelegten Einkünfte als gewerbliche Einkünfte der
Körperschaftsteuerveranlagung zugrundegelegt werden. Die Kapitalgesellschaft hat die für
sie geltenden besonderen Vorschriften (zB Gewinne aus der Veräußerung von Grund und
Boden) zu berücksichtigen, nicht aber Posten, die eine Bilanzierung voraussetzen. Die
Kapitalgesellschaft nimmt am Feststellungsverfahren nicht teil. Zur Rechtslage nach dem
UGB siehe Rz 661.
4.4.3 Zeitpunkt der Gewinnverwirklichung
4.4.3.1 Zufluss-Abfluss-Prinzip
663
Bei der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung werden Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben
nicht im Zeitpunkt des Entstehens, sondern im Zeitpunkt ihrer Vereinnahmung bzw.
Verausgabung erfasst (Zufluss-Abfluss-Prinzip). Soweit daher der Geldfluss eine bereits

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früher entstandene Forderung oder Verbindlichkeit betrifft, kommt es zu einer Erfassung von
Betriebseinnahmen oder Betriebsausgaben erst im Zeitpunkt des Geldflusses.
Beispiel:
Ein Lebensmittelhändler bleibt im Jahr 1999 infolge Geldknappheit Miete für sein
Geschäftslokal schuldig. Er hat 1999 (im Unterschied zum Bilanzierer) noch keine
Betriebsausgabe. Er bezahlt im Jahre 2000. Es liegt im Jahre 2000 eine
Betriebsausgabe vor.
664
Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben sind aufzuzeichnen und zum Ende eines Jahres
zusammenzurechnen, wobei § 19 EStG 1988 für die zeitliche Zuordnung maßgeblich ist.
Betriebsausgaben müssen in einer Beilage zur Steuererklärung gruppenweise gegliedert
dargestellt werden (siehe Rz 7554).
Bei Hausapotheken führenden Ärzten sind grundsätzlich sämtliche vereinnahmte
Rezeptgebühren als Betriebseinnahmen zu erfassen (Ausnahmen siehe
Barbewegungsverordnung, BGBl II Nr. 441/2006).
Eine davon abweichende Vorgangsweise, wonach die Betriebseinnahmen nicht einzeln
aufgezeichnet werden, sondern indirekt aus der Abrechnung mit dem
Sozialversicherungsträger ermittelt werden, widerspricht den Grundsätzen einer
ordnungsgemäßen Kassenführung und ist nicht zulässig. Ebenso wenig ist in einem
derartigen Fall eine pauschale Kürzung der indirekt ermittelten Betriebseinnahmen um nicht
vereinnahmte Rezeptgebühren zulässig.
664a
Bei Betriebsübertragungen mit Buchwertfortführung (§ 6 Z 9 lit. a EStG 1988) außerhalb der
Anwendung des UmgrStG sind bei fortgesetzter Einnahmen-Ausgaben-Rechnung die
Einkünfte nach dem Zuflussprinzip zu erfassen; eine auf Grundlage einer Bilanz (Status)
vorzunehmende wirtschaftlich exakten Einkünftezuordnung ist nicht vorzunehmen (vgl.
VwGH 27.6.2000, 99/14/0281, siehe Rz 10, 108). Von dieser Aussage sind jene Fälle nicht
berührt, die eine exakte stichtagsbezogene Einkünftezurechnung zum Gegenstand haben.
Dazu zählen insb. Zusammenschlüsse nach Art. IV UmgrStG und Realteilungen nach Art. V
UmgrStG bei fortgesetzter Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (siehe UmgrStR 2002 Rz 1398 f,
1579 ff).
4.4.3.2 Einzelfälle
Anschaffung oder Herstellung
665

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Aufwendungen zur Anschaffung oder Herstellung von abnutzbaren und nichtabnutzbaren
Anlagegütern dürfen nicht im Zeitpunkt der Bezahlung als Betriebsausgaben abgesetzt
werden (VwGH 16.6.1987, 86/14/0190). Sie sind im Anlagenverzeichnis zu erfassen und bei
Abnutzbarkeit im Wege der AfA abzusetzen. Bei Nichtabnutzbarkeit stellen sie bloß einen
"Merkwert" für ein späteres Ausscheiden dar. Für die Geltendmachung der AfA sind die
Formvorschriften des § 7 Abs. 3 EStG 1988 zu berücksichtigen.
Anzahlungen
666
Erhaltene Anzahlungen sind Betriebseinnahmen, gegebene Anzahlungen sind (außer sie
betreffen Anlagevermögen) Betriebsausgaben (VwGH 31.3.1992, 92/14/0025), ebenso
werden Vorschüsse und à conto-Zahlungen behandelt.
Auflösung steuerfreier Beträge
667
Die Auflösung steuerfreier Beträge (§§ 12 Abs. 7 und 14 Abs. 6 EStG 1988) erhöht den
Gewinn.
Betriebserwerb gegen Renten
668
Kommt es nach Betriebserwerb gegen Renten zum vorzeitigen Wegfall der Rentenschuld
infolge Todes des Rentenberechtigten, sind die auf das Anlagevermögen entfallenden
anteiligen Rentenverbindlichkeiten zur Herstellung der Totalgewinngleichheit als
Betriebseinnahmen zu berücksichtigen.
Darlehen
669
Weder die Hingabe noch der Empfang noch die Rückzahlung eines Gelddarlehens führen
beim Darlehensnehmer bzw. Darlehensgeber zu Betriebseinnahmen bzw. Betriebsausgaben
(VwGH 22.4.1998, 95/13/0148). Zinsen hiefür sind hingegen Betriebseinnahmen bzw.
Betriebsausgaben. Der Verlust eines betriebsbedingt gewährten Darlehens ist
Betriebsausgabe (VwGH 15.2.1984, 83/13/0150). Der Erlass eines aus betrieblichen Gründen
aufgenommenen Darlehens führt trotz mangelndem Geldzufluss zu einer Betriebseinnahme.
Geringwertige Wirtschaftsgüter
670
Bei der Anschaffung und Herstellung von geringwertigen Wirtschaftsgütern kommt es auf die
Verausgabung an (Rz 3896).

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Kursgewinne/Konvertierung
671
Kursgewinne bei Geschäften in ausländischer Währung wirken sich beim Zahlungsvorgang
(Tilgung) in Form einer höheren Einnahme/geringeren Ausgabe aus.
Bei Konvertierung eines Fremdwährungsdarlehens kommt es sowohl bei Einnahmen-
Ausgaben-Rechnung als auch bei Bilanzierung in folgenden Fällen zu einer
Gewinnverwirklichung:
. Bei Konvertierung von einer Fremdwährung in Euro oder in eine über fixe Wechselkurse
zum Euro gebundene Währung im Konvertierungszeitpunkt,
. bei nachfolgender Tilgung des Fremdwährungsdarlehens im Zeitpunkt und Ausmaß der
Tilgung.
Die Konvertierung eines Fremdwährungsdarlehens in ein anderes wechselkurslabiles
Fremdwährungsdarlehen stellt keinen Tausch dar; erst die Konvertierung eines
Fremdwährungsdarlehens in ein Euro-Darlehen oder in ein wechselkursstabiles
Fremdwährungsdarlehen stellt einen steuerrelevanten Tausch dar (VwGH 15.01.2008,
2006/15/0116; VwGH 27.08.2008, 2008/15/0127).
Beispiel 1 (Kursgewinn):
Im Jahr 1 erfolgt die Aufnahme einer Fremdwährungsschuld in Höhe von 100.000 USDollar
(Wechselkurs US-Dollar/Euro: 1,20).
Im Jahr 3 wird von US-Dollar in Schweizer Franken konvertiert. Bis zur Konvertierung
erfolgten keine Tilgungen, (Zinsen werden vernachlässigt). Der Wechselkurs zum
Zeitpunkt der Konvertierung: US-Dollar/Euro: 1,30; Schweizer Franken/Euro: 1,45.
Im Jahr 5 erfolgt eine Tilgung von SFR 30.000. Wechselkurs zum Zeitpunkt der
Tilgung: Schweizer Franken/Euro: 1,50.
Im Jahr 6 erfolgt eine Konvertierung der Fremdwährungsschuld in Euro.
Wechselkurs zum Zeitpunkt der Konvertierung: Schweizer Franken/Euro: 1,60.
Jahr 1: Euro Steuerlicher Buchwert in Euro
Aufnahme US-Dollar-Schuld
100.000 zum Kurs von 1,20
83.333 83.333
Jahr 3:
Konvertierung in Schweizer
Franken: Tilgung der US-Dollar-
Schuld 100.000 zum Kurs von
1,30
76.923
Konvertierungsgewinn (nicht
steuerpflichtig)
6.410

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Aufnahme Schweizer Franken-
Schuld zum Kurs von 1,45
(entspricht der US-Dollar-Schuld
von 100.000)
SFR Steuerlicher Buchwert in Euro
111.538 83.333
Jahr 5: Euro Steuerlicher Buchwert in Euro
Tilgung der SFR-Schuld in Höhe
von SFR 30.000 = 26,9% der
gesamten Schuld von SFR
111.538
60.917
SFR 30.000 zum Wechselkurs
von 1,50 =
20.000
26,9% der im Jahr 1
aufgenommenen
Fremdwährungsschuld in Euro
22.416
steuerpflichtiger
Konvertierungsgewinn im
Zeitpunkt und Ausmaß der
Tilgung im Jahr 5:
2.416
Jahr 6: Euro Steuerlicher Buchwert in Euro
Konvertierung in Euro: Tilgung
der Schweizer Franken-Schuld
81.538 zum Kurs von 1,60
50.961 60.917
Steuerpflichtiger
Konvertierungsgewinn
gegenüber der verbliebenen
Restschuld in Euro (Euro
60.917)
Euro
9.956
Beispiel 2 (Kursverlust)
Angaben wie Beispiel 1, im Jahr 6 erfolgt allerdings die Konvertierung der
Fremdwährungsschuld in Euro zum Wechselkurs: Schweizer Franken/Euro = 1,30 : 1.
Jahr 1: Euro Steuerlicher Buchwert in Euro
Aufnahme US-Dollar-Schuld
100.000 zum Kurs von 1,20
83.333 83.333
Jahr 3:
Konvertierung in Schweizer
Franken: Tilgung der US-Dollar-
Schuld 100.000 zum Kurs von
1,30
76.923
Konvertierungsgewinn (nicht
steuerpflichtig)
6.410

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Aufnahme Schweizer Franken-
Schuld zum Kurs von 1,45
(entspricht der US-Dollar-Schuld
von 100.000)
SFR Steuerlicher Buchwert in Euro
111.538 83.333
Jahr 5: Euro Steuerlicher Buchwert in Euro
Tilgung der SFR-Schuld in Höhe
von SFR 30.000 = 26,9% der
gesamten Schuld von SFR
111.538
60.917
SFR 30.000 zum Wechselkurs
von 1,50 =
20.000
26,9% der im Jahr 1
aufgenommenen
Fremdwährungsschuld in Euro
22.416
Steuerpflichtiger
Konvertierungsgewinn im
Zeitpunkt und Ausmaß der
Tilgung im Jahr 5:
2.416
Jahr 6: Euro Steuerlicher Buchwert in Euro
Konvertierung in Euro: Tilgung
der Schweizer Franken-Schuld
81.538 zum Kurs von 1,30
62.722 60.917
Steuerwirksamer
Konvertierungsverlust
1.805
Tausch, Wirtschaftsgüter des Umlauvermögens
672
Werden Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens getauscht, kommt es zu einer
Gewinnrealisierung. Der Betriebseinnahme in Höhe des gemeinen Wertes des hingegebenen
Wirtschaftsgutes steht eine Betriebsausgabe in gleicher Höhe gegenüber.
Umlaufvermögen
673
Für den Bereich des Umlaufvermögens gilt allgemein § 19 EStG 1988; es besteht somit
weder eine Aktivierungspflicht noch ein Aktivierungswahlrecht.
Veräußerung von Anlagegütern
674
Wird ein Anlagegut veräußert, so ist der Veräußerungserlös als Betriebseinnahme zu erfassen
und der Restbuchwert nach Abzug der AfA für das Jahr der Veräußerung als Betriebsausgabe

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abzusetzen. Zur Vorgangsweise bei der Erfassung stiller Reserven aus der Veräußerung von
Anlagegütern, wenn der Veräußerungspreis erst in einem späteren Jahr oder ratenweise
vereinnahmt wird, siehe Rz 3888.
Veräußerung (Aufgabe) des Betriebes
675
Im Veräußerungs(Aufgabe)zeitpunkt erfolgt ein Übergang zum Betriebsvermögensvergleich
mit Ermittlung eines Übergangsgewinnes(verlustes); siehe Rz 5664 ff und 695 ff. Bei der
Veräußerung (Aufgabe) des Betriebes entsteht der Veräußerungsgewinn im Zeitpunkt der
Veräußerung (Aufgabe) und nicht im Zeitpunkt des Zufließens des Veräußerungserlöses
(siehe Rz 5669 ff).
Vorauszahlungen
676
Werden Vorauszahlungen gemäß § 4 Abs. 6 EStG 1988 bzw. § 19 Abs. 3 EStG 1988 geleistet
und betreffen sie nicht nur das laufende und das folgende Jahr, so sind sie auf den
Vorauszahlungszeitraum verteilt abzusetzen. Auf empfangene Vorauszahlungen sind diese
Ausführungen nicht anwendbar.
Warendiebstahl, Verderb von Waren
677
Warendiebstahl und Verderb von Waren, sowie der Ausfall von Warenforderungen sind
steuerlich unbeachtlich. Geldverluste führen zu Betriebsausgaben bei klarer Trennung von
betrieblichen und privaten Geldzugängen (VwGH 28. 6. 1988, 87/14/0118).
Warenschulden, sonstige Schulden
678
Warenschulden und sonstige Schulden aus rückständigen Betriebsausgaben sind im
Augenblick der Bezahlung Betriebsausgaben. Dabei ist es unerheblich, ob sie mit Eigen- oder
Fremdmitteln getätigt werden, denn die Bezahlung der Warenschuld führt zu
Betriebsausgaben und nicht erst die spätere Rückzahlung des Geldkredites. Wird eine
Warenschuld oder eine sonstige Verbindlichkeit für rückständige Betriebsausgaben aus
betrieblichen Gründen erlassen, dann führt dieser Vorgang zu keiner Betriebseinnahme, da
bisher noch keine Betriebsausgabe geltend gemacht wurde.
Wertsicherungsbeträge
679
Wertsicherungsbeträge, die vereinbarungsgemäß dem Kapital zuzuschreiben sind, fließen in
diesem Zeitpunkt und nicht erst bei der tatsächlichen Auszahlung zu (VwGH 14.12.1988,
87/13/0030).

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4.4.3.3 Behandlung von Entschädigungen im Zusammenhang mit
Katastrophenschäden bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern
679a
1. Die Entschädigungen fallen dem Grund nach unter § 3 Abs. 1 Z 16 EStG 1988:
Entschädigungen zur Beseitigung von Katastrophenschäden sind gemäß § 3 Abs. 1 Z 16
EStG 1988 bis zur Höhe des eingetretenen Schadens steuerfrei. Gemäß § 20 Abs. 2
EStG 1988 sind (nach Rz 4855) nicht aktivierungspflichtige Ausgaben zur
Schadensbeseitigung bis zur Höhe der steuerfreien Entschädigung nicht steuerwirksam. Im
Fall einer Ersatzbeschaffung von Wirtschaftsgütern kommt im Umfang der Steuerfreiheit der
Entschädigung § 6 Z 10 EStG 1988 zur Anwendung. Im Fall einer Unterdeckung (Schaden ist
höher als die Entschädigung) sind nicht aktivierungspflichtige Ausgaben zur
Schadensbeseitigung nach Maßgabe des Abflusses steuerwirksam, sobald sie die steuerfreie
Entschädigung übersteigen. Im Fall einer Überdeckung (Entschädigung ist höher als der
Schaden) ist die Entschädigung bis zur Höhe des Schadens steuerfrei, im darüber
hinausgehenden Ausmaß steuerpflichtig. Fällt die Schadensbeseitigung (nicht
aktivierungspflichtige Ausgaben oder Ersatzanschaffung oder -herstellung von
Wirtschaftgütern) einerseits und die Entschädigungen andererseits in verschiedene
Veranlagungszeiträume, hat gegebenenfalls eine Abänderung schon rechtskräftiger
Bescheide gemäß § 295a BAO dahingehend zu erfolgen, dass die steuerfreie Entschädigung
dem Wirtschaftsjahr der Schadensbeseitigung zugeordnet wird.
Beispiele:
1. Im Jahr 1 tritt ein Katastrophenschaden an einem Gebäude in Höhe von 100 ein. Für
die Wiederinstandsetzung des Gebäudes werden in diesem Jahr 100 bezahlt. Im Jahr 2
fließt ein steuerfreier Ersatz von 80 zu. Das Jahr 1 ist bereits veranlagt, wobei die
Ausgaben zur Schadensbeseitigung in Höhe von 100 als Betriebsausgaben behandelt
wurden.
Der Zufluss des steuerfreien Ersatzes im Jahr 2 führt zu einer Abänderung des ESt-
Bescheides gemäß § 295a BAO für das Jahr 1, bei der nur 20 als Betriebsausgaben
anzusetzen sind.
2. Im Jahr 3 tritt ein Katastrophenschaden an einem Gebäude in Höhe von 80 ein. Für
die Wiederinstandsetzung des Gebäudes werden in diesem Jahr 80 bezahlt. Im Jahr 4
fließt ein Ersatz von 30, im Jahr 5 ein Ersatz von 60 zu. Das Jahr 3 ist bereits
veranlagt, wobei die Ausgaben zur Schadensbeseitigung in Höhe von 80 als
Betriebsausgaben behandelt wurden.
a) Auswirkung des Zuflusses von 30 im Jahr 4: Der Ersatz im Jahr 4 führt zu
einer Abänderung des ESt-Bescheides gemäß § 295a BAO für das Jahr 3, bei
dem nur 50 als Betriebsausgaben anzusetzen sind.
b) Auswirkung des Zuflusses von 60 im Jahr 5 auf den schon rechtskräftigen
Bescheid für das Jahr 3: Der Ersatz im Jahr 5 führt zu einer Abänderung des
ESt-Bescheides gemäß § 295a BAO für das Jahr 3, bei dem keine

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Betriebsausgaben anzusetzen sind. Im Jahr 5 sind von der Entschädigung 10
als Einkünfte anzusetzen.
3. Im Jahr 6 tritt ein Katastrophenschaden an einer Maschine ein (Buchwert 10). Der
Teilwert der Maschine vor Zerstörung betrug 20. Im Jahr 7 wird eine neue Maschine
mit Anschaffungskosten von 45 angeschafft. Im Jahr 8 fließt ein Ersatz für die
katastrophenbedingte Maschinenanschaffung in Höhe von 30 zu. Das Jahr 6 ist bereits
veranlagt, wobei der Buchwertabgang in Höhe von 10 als Betriebsausgaben behandelt
wurden.
a) Auswirkung der im Jahr 8 zufließenden Ersatzleistung von 30 auf das
Jahr 7: Von der Ersatzleistung sind 20 steuerfrei und 10 steuerpflichtig. Der
steuerfreie Teil der Ersatzleistung führt zu einer Abänderung des ESt-
Bescheides gemäß § 295a BAO für das Jahr 7: Die Ersatzbeschaffung der
Maschine ist nur mit 25 zu aktivieren und davon die AfA des Jahres 7 zu
bemessen.
b) Auswirkung der im Jahr 8 zufließenden Ersatzleistung von 30 auf das
Jahr 8: Im Jahr 8 ist der steuerpflichtige Teil der Entschädigung in Höhe von
10 als Einkünfte anzusetzen.
2. Die Entschädigungen fallen dem Grunde nach nicht unter § 3 Abs. 1 Z 16
EStG 1988 (zB Versicherungsentschädigungen):
Derartige Entschädigungen und die damit zusammenhängenden Ausgaben sind grundsätzlich
nach Maßgabe des Zu- und Abflusses steuerlich zu erfassen. Fließt die Entschädigung zeitlich
erst in Jahren nach dem Anfallen der Ausgaben zur Schadensbeseitigung zu, bestehen keine
Bedenken schon rechtskräftige Bescheide gegebenenfalls gemäß § 295a BAO dahingehend
abzuändern, dass der Zufluss der steuerpflichtigen Entschädigung in Höhe der
schadensbedingten Ausgaben dem Wirtschaftsjahr des Anfallens dieser Ausgaben
zugeordnet wird.
Beispiele:
1. Ausgaben zur Schadensbeseitigung im Jahr 1 in Höhe von 100. Im Jahr 2 fließt eine
steuerpflichtige Versicherungsentschädigung in Höhe von 80 zu. Das Jahr 1 ist bereits
veranlagt, wobei die Ausgaben zur Schadensbeseitigung in Höhe von 100 als
Betriebsausgaben behandelt wurden.
Der Zufluss der Versicherungsentschädigung im Jahr 2 führt zu einer Abänderung des
ESt-Bescheides für das Jahr 1, bei dem nur 20 als Betriebsausgaben anzusetzen sind.
Im Jahr 2 führt die Versicherungsentschädigung zu keinen Einnahmen.
2. Ausgaben zur Schadensbeseitigung im Jahr 1 in Höhe von 80. Im Jahr 2 fließt eine
Rate der Versicherungsentschädigung in Höhe von 30, im Jahr 3 eine weitere Rate der
Versicherungsentschädigung in Höhe von 60 zu. Das Jahr 1 ist bereits veranlagt, wobei
die Ausgaben zur Schadensbeseitigung in Höhe von 80 als Betriebsausgaben behandelt
wurden.
a) Auswirkung des Zuflusses im Jahr 2 (30): Der Versicherungsersatz im
Jahr 2 führt zu einer Änderung des ESt-Bescheides gemäß § 295a BAO für das
Jahr 1, in dem nur 50 als Betriebsausgaben anzusetzen sind. Im Jahr 2 führt
die Versicherungsentschädigung zu keinen Einnahmen.

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b) Auswirkung des Zuflusses im Jahr 3 (60) auf den schon rechtskräftigen
Bescheid für das Jahr 1: Der Ratenzufluss im Jahr 3 führt zu einer Änderung
des ESt-Bescheides gemäß § 295a BAO für das Jahr 1, bei dem keine
Betriebsausgaben anzusetzen sind. Im Jahr 3 sind von der
Versicherungsentschädigung 10 als Einkünfte anzusetzen.
Sollte bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern durch Ausgaben, die aus Katastrophenfällen
resultieren, ein Verlust eintreten oder sich vergrößern und kann dieser Verlust weder mit
anderen Einkünften ausgeglichen noch als Verlust vorgetragen werden (§ 18 Abs. 7 EStG
1988), kommt auf Antrag eine Nichtfestsetzung an Einkommensteuer nach Maßgabe des
§ 206 lit. a BAO in Betracht. Dafür gilt Folgendes:
a) Es ist zu prüfen, inwieweit der Jahresverlust durch steuerwirksame Ausgaben aus dem
Katastrophenschaden bedingt oder erhöht wird (Betrag 1).
b) Der Betrag 1 ist gedanklich als vortragsfähig (§ 18 Abs. 6 und 7 EStG 1988) anzusehen.
c) In Folgejahren ist die Differenz zwischen der Einkommensteuer und der
Einkommensteuer, die sich ergäbe, wenn der Betrag 1 im Wege eines Verlustvortrages
berücksichtigt hätte werden können, gemäß § 206 lit. a BAO nicht festzusetzen.
Die Ermittlung dieses Betrages ist dem Antrag auf Nichtfestsetzung anzuschließen.
Beispiel:
Es werden nur Einkünfte aus Gewerbebetrieb als Einnahmen-Ausgaben-Rechner erzielt.
Jahr 1:
Verlust auf Grund steuerwirksamer Ausgaben aus Katastrophenschaden 10
Jahr 2:
Gewinn (= Gesamtbetrag der Einkünfte) 8
Im Jahr 2 ist die Steuerdifferenz, die sich aus der Gegenüberstellung der
Einkommensteuer auf Basis einer Bemessungsgrundlage von 8 (Sonderausgaben
werden vernachlässigt) und einer Steuer auf Basis von 2 ergibt (Verlust von 10 aus
dem Jahr 1, davon gedanklich als Verlustvortrag gemäß § 2 Abs. 2b EStG 1988
verwertbar 6), nicht festzusetzen (4 bleiben weiter berücksichtigungsfähig für eine
Nichtfestsetzung in Folgejahren).
4.4.4 Entnahmen und Einlagen
4.4.4.1 Geldentnahmen/Geldeinlagen
680
Da die Geldflüsse auf Grund von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben bereits
unmittelbar die Basis für die Gewinnermittlung darstellen, sind Geldentnahmen und
Geldeinlagen irrelevant.

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4.4.4.2 Sachentnahmen/Sacheinlagen
681
Sachentnahmen führen zu Betriebseinnahmen:
. Bei der Entnahme von Umlaufvermögen, weil die Bezahlung des Umlaufvermögens
bereits als Betriebsausgabe Berücksichtigung gefunden hat.
. Auch die Entnahme von Anlagevermögen führt zu einer Gewinnverwirklichung und zwar
in Höhe der Differenz zwischen Buchwert und dem Entnahmewert/Teilwert.
682
Behandlung von Sacheinlagen:
. Sacheinlagen von Umlaufvermögen sind als Betriebsausgaben abzusetzen,
. Sacheinlagen von Anlagevermögen sind zu aktivieren und bei Abnutzbarkeit im Wege der
AfA abzuschreiben. Zur Einlage geringwertiger Wirtschaftsgüter siehe Rz 441,
. Bei Eröffnung eines Betriebes ist dem Betriebsvermögen zugeführtes Umlaufvermögen
als Sacheinlage zu behandeln.
4.4.5 Durchlaufende Posten
683
Durchlaufende Posten liegen vor,
. wenn im Namen und für Rechnung eines Anderen Beträge vereinnahmt und verausgabt
werden,
. wenn nach Art des abgewickelten Geschäftes von einer Besorgung für eine andere
Person auszugehen ist und
684
Durchlaufende Posten sind ertragsteuerlich unbeachtlich.
Beispiele:
Gerichtsgebühren, Stempelkosten, Vollzugskosten oder Fremdgelder eines
Rechtsanwalts, auch dann wenn sie nicht gesondert verwahrt werden, Einnahmen
eines Hausverwalters für den Hauseigentümer.
685
Vorgestreckte durchlaufende Posten, wie zB Stempelmarken, führen im Falle der
Uneinbringlichkeit beim Klienten, des Diebstahls, Verlustes oder Verbrauchs für eigene
betriebliche Zwecke zu Betriebsausgaben (VwGH 29.6.1995, 93/15/0106).
Bezüglich geschuldeter Umsatzsteuerbeträge bzw. abziehbarer Vorsteuerbeträge als
durchlaufende Posten siehe Rz 753 ff.

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4.4.6 Gegenüberstellung Einnahmen-Ausgaben-Rechner und Bilanzierer
gemäß § 4 Abs. 1 EStG 1988
4.4.6.1 Gemeinsamkeiten
686
. Aktivierungsverbot für unkörperliche Wirtschaftsgüter nach § 4 Abs. 1 EStG 1988.
. Nur notwendiges Betriebsvermögen ist in die Gewinnermittlung einzubeziehen.
. Grund und Boden des Anlagevermögens bleibt wie bei der Gewinnermittlung nach
§ 4 Abs. 1 EStG 1988 außer Ansatz. Gewinne (Verluste) aus der Veräußerung oder
Entnahme von Grund und Boden bzw. Wertschwankungen diesbezüglich bleiben
unberücksichtigt.
. Der besondere Verlustabzug nach §§ 2 Abs. 2a und 10 Abs. 8 EStG 1988 gilt auch für
den Einnahmen-Ausgaben-Rechner.
. Der Anspruch gegenüber einem Versicherungsunternehmen aus einer
Rückdeckungsversicherung für Abfertigungen ist als nichtabnutzbares Wirtschaftsgut des
Anlagevermögens zu aktivieren. Die gleiche Beurteilung ist auf die
Rückdeckungsversicherung für eine Pensionszusage anzuwenden. Auch wenn ein
Einnahmen-Ausgaben-Rechner für Pensionszusagen nicht durch Bildung eines
steuerfreien Betrages Vorsorge treffen kann, bleibt der Versicherungsanspruch ein
nichtabnutzbares Wirtschaftsgut des Anlagevermögens und ist damit aktivierungspflichtig
(gleiche Behandlung für Pensionszusage).
687
Folgende Bestimmungen des EStG 1988 sind anzuwenden:
. § 4 Abs. 4 Z 4 Forschungsfreibetrag
. § 4 Abs. 4 Z 4a Forschungsfreibetrag
. § 4 Abs. 4 Z 8 Bildungsfreibetrag
. § 4 Abs. 4 Z 10 Bildungsfreibetrag
. § 4 Abs. 12 Bestimmungen über die Einlagenrückzahlungen
. § 6 Bewertung
. § 7 Abschreibung
. § 8 Sonderformen der Abschreibung
. § 10 Investitionsfreibetrag (grundsätzlich bis einschließlich 2000)

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. § 10a Abs. 3 konjunkturbedingte vorzeitige Gebäudeabschreibung
. § 10c Katastrophenbedingte vorzeitige Abschreibung
. § 12 Abs. 7 Übertragung stiller Rücklagen
. § 13 Geringwertige Wirtschaftsgüter
. § 14 Abs. 6 steuerfreier Betrag für künftige Abfertigungen
. § 108c Forschungsprämie, Bildungsprämie
. § 108e Investitionszuwachsprämie
. § 108f Lehrlingsausbildungsprämie
. § 124b Z 31 Lehrlingsfreibetrag.
4.4.6.2 Abweichungen
688
. Rechnungsabgrenzungsposten können, da Betriebsausgaben erst im Zeitpunkt des
Abflusses gewinnwirksam werden, nicht gebildet werden.
. Rückstellungen können nicht gebildet werden. Eine Ausnahme bildet die
Abfertigungsrückstellung in Form eines steuerfreien Betrages (§ 14 Abs. 6 EStG 1988).
Bei den zur Deckung der Abfertigungsrückstellung (steuerfreien Betrages) angeschafften
Wertpapieren handelt es sich um (nichtabnutzbares) Anlagevermögen, dessen
Anschaffungskosten auch beim Einnahmen-Ausgaben-Rechner nicht nach Maßgabe der
Verausgabung als Aufwand abgesetzt werden können, sondern zu aktivieren sind
(VwGH 15.9.1999, 94/13/0098).
. Eine Teilwertabschreibung gemäß § 6 EStG 1988 ist nicht zulässig (VwGH 16.12.1998,
96/13/0007), wohl aber eine Absetzung für außergewöhnliche technische und
wirtschaftliche Abnutzung. Eine Wertminderung ohne Verkürzung der Nutzungsdauer
führt zu keiner "vorzeitigen Abschreibung".
Im Falle des Übergangs auf den Betriebsvermögensvergleich ist, wenn der Teilwert eines
Wirtschaftsgutes während der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG 1988 gesunken ist,
die Teilwertabschreibung in der Eröffnungsbilanz (mindert also den Übergangsgewinn) und
nicht erst in der ersten auf den Wechsel der Gewinnermittlungsart folgenden Schlussbilanz
nachzuholen (§ 4 Abs. 10 Z 2 EStG 1988).
. Es ist kein Verlustvortrag möglich (außer Anlaufverluste, siehe Rz 4526 ff).
. Die einschränkenden Bestimmungen des § 4 Abs. 2 EStG 1988 sind auf den Einnahmen-
Ausgaben-Rechner nicht anwendbar. In der Abgabenerklärung unterlaufene Irrtümer

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können daher bis zur Rechtskraft des Abgabenbescheides berichtigt werden. Zu beachten
ist aber bei der Geltendmachung von Investitionsbegünstigungen - mit Ausnahme bei
nachträglicher Aktivierungen von Anlagegütern - die rechtzeitige Vorlage der gesetzlich
vorgesehenen Verzeichnisse mit der Ersterklärung. Auch die Pauschalierung nach
§ 17 Abs. 2 EStG 1988 muss bereits mit der Erklärung beantragt werden.
4.5 Wechsel der Gewinnermittlung
4.5.1 Allgemeine Grundsätze
689
Durch § 4 Abs. 10 Z 1 EStG 1988 wird der Grundsatz, dass sich sämtliche Geschäftsvorfälle
steuerlich nur einmal auswirken dürfen bzw. müssen, gesetzlich verankert. Es sind alle
Vorgänge, die sich in einem bestimmten Besteuerungszeitraum ereignen, lückenlos zu
erfassen. Bei einer Aufeinanderfolge mehrerer Steuerzeiträume darf daher ein steuerlicher
Vorgang weder doppelt erfasst werden, noch endgültig unberücksichtigt bleiben. (VwGH
10.10.1952, 0156/50; VwGH 16.11.1956, 0612/53).
Der Totalgewinn aus der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 und aus jener nach
§ 4 Abs. 3 EStG 1988 muss ident sein. Der Totalgewinn aus der Gewinnermittlung nach § 5
EStG 1988 darf nur auf Grund der für diese Gewinnermittlungsart bestehenden
Besonderheiten hinsichtlich des Grund und Bodens und des gewillkürten Betriebsvermögens
von den Ergebnissen der Gewinnermittlungen nach § 4 Abs. 1 oder 3 EStG 1988 abweichen.
Zum Zusammenschluss gemäß Art. IV UmgrStG und zur Realteilung gemäß Art. V UmgrStG
siehe UmgrStR 2002 Rz 1393 ff und 1579 ff.
4.5.2 Übergangsgewinn
690
Die Totalgewinngleichheit wird bei einem Wechsel der Gewinnermittlungsart durch die
Ermittlung eines Übergangsgewinnes hergestellt. Der Übergangsgewinn soll die
Besonderheiten der einzelnen Gewinnermittlungsarten ausgleichen und zu einem,
unabhängig von der Art der Gewinnermittlung, gleichen Totalgewinn führen. Der Übergang
eines Betriebes von Todes wegen oder aufgrund schenkungsweiser Übertragung erfordert
keinen Wechsel der Gewinnermittlung und keine Erstellung einer (Todfalls-, Schluss-)Bilanz
(VwGH 27.06.2000, 99/14/0281). Dem Übernehmer steht es aber auch bei unterjährigem
unentgeltlichen Betriebsübergang frei, die Gewinnermittlungsart zu wechseln, sofern ein
Wahlrecht nicht gesetzlich ausgeschlossen ist (zB Buchführungspflicht nach § 189 Abs. 2 Z 2
UGB). Voraussetzung für einen solchen Wechsel der Gewinnermittlung von der Einnahmen-
Ausgaben-Rechnung (oder einer Pauschalierung, die einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung

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entspricht) zur Bilanzierung ist die Erstellung einer Todfalls- bzw. Schlussbilanz, ein dabei
entstehender Übergangsgewinn oder -verlust ist dem Übernehmer zuzurechnen.
690a
Bei Betriebsveräußerung oder -aufgabe durch einen Einnahmen-Ausgaben-Rechner ist ein
Übergang auf die Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich zu unterstellen. Der
Veräußerungsgewinn ist nach § 4 Abs. 1 zu ermitteln (§ 24 Abs. 2 EStG 1988). Der
Veräußerer hat einen Übergangsgewinn oder -verlust im letzten Gewinnermittlungszeitraum
vor der Veräußerung oder Aufgabe zu berücksichtigen (vgl. § 4 Abs. 10 Z 1 EStG 1988).
Der Erwerber eines als Einzelunternehmen geführten Betriebes kann die
Gewinnermittlungsart frei wählen, sofern steuerliche oder unternehmensrechtliche
Vorschriften nicht zur Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich verpflichten. Aus
dem Umstand, dass der Veräußerer eines Betriebes mit Einnahmen-Ausgaben-Rechnung aus
Anlass der Veräußerung zur Gewinnermittlung durch Betriebvermögensvergleich wechseln
muss, kann nicht abgeleitet werden, dass der Erwerber des Betriebes seine betriebliche
Tätigkeit zwingend als Bilanzierer beginnt und - sollte er die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
bevorzugen - sodann zu dieser Gewinnermittlung wechselt. Ein allfällig vom Veräußerer zu
ermittelnder Übergangsgewinn hat daher beim erwerbenden Einzelunternehmer nicht
zwangsläufig einen korrespondierenden Übergangsverlust beim Erwerber zur Folge.
Der Erwerber eines Einzelunternehmens mit Einnahmen-Ausgaben-Rechnung hat den
Kaufpreis aufzuteilen in einen Anteil, der auf das Umlaufvermögen entfällt, und einen Anteil,
der auf das Anlagevermögen inklusive Firmenwert entfällt. Der Anteil, der auf das
Umlaufvermögen entfällt, ist sofort als Betriebsausgabe abzugsfähig, der auf das
Anlagevermögen und den Firmenwert entfallende Anteil ist zu aktivieren. Da der
Kaufpreisanteil für das Umlaufvermögen als Betriebsausgabe abgesetzt wird, bleibt kein
Raum für den Ansatz eines Übergangsverlustes.
Entsprechendes gilt beim Erwerb eines Mitunternehmeranteils bei Gewinnermittlung gemäß
§ 4 Abs. 3 EStG 1988 (vgl. Rz 6002).
4.5.2.1 Gewinnermittlung - Unterschiede
691
Unterschiede in der Gewinnermittlung, die zur Ermittlung eines Übergangsgewinnes führen,
entstehen jedenfalls bei:
. Übergang von der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG 1988 auf die
Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 und umgekehrt,

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. Übergang von der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG 1988 auf die
Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 und umgekehrt,
. Übergang von der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 auf die
Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 und umgekehrt,
. Übergang von der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 oder § 5 EStG 1988 auf
die Gewinnermittlung nach § 17 Abs. 1 EStG 1988 und umgekehrt,
. Übergang von der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 oder § 5 EStG 1988 auf
die Gewinnermittlungen nach den Pauschalierungsverordnungen BGBl. II Nr. 227/1999
(für das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe), BGBl. II Nr. 228/1999 (für
Lebensmitteleinzel- oder Gemischtwarenhändler), BGBl. II Nr. 229/1999 (für Drogisten)
und BGBl. II Nr. 230/1999 idF BGBl. II Nr. 500/1999 (Individualpauschalierung) - und
umgekehrt.
692
Bei den nicht angeführten Gewinnermittlungsarten nach Durchschnittssätzen ist bei jedem
Wechsel der Gewinnermittlungsart die entsprechende Durchschnittssatzverordnung
heranzuziehen. Dabei ist auf den Grundsatz der Totalgewinngleichheit nach
§ 4 Abs. 10 Z 1 EStG 1988 Bedacht zu nehmen.
4.5.2.2 Totalgewinngleichheit
693
Die Totalgewinngleichheit wird bei der Übergangsgewinnermittlung durch Zu- und Abschläge
hergestellt. Durch Zu- und Abschläge soll somit ausgeschlossen werden, dass Veränderungen
des Betriebsvermögens sich überhaupt nicht oder doppelt auswirken.
4.5.2.2.1 Zu- und Abschläge
694
Zu- und Abschläge ergeben sich:
. aus der unterschiedlichen zeitlichen Erfassung von Veränderungen des
Betriebsvermögens (Betriebseinnahmen, Betriebsausgaben) - § 4 Abs. 10 Z 1 EStG 1988,
. aus einer Änderung der Gewinnermittlungsgrundsätze - § 4 Abs. 10 Z 2 EStG 1988,
. aus stillen Reserven des zum Betriebsvermögen zählenden Grund und Bodens bzw. des
gewillkürten Betriebsvermögens im Falle der Entprotokollierung eines
Gewerbetreibenden, sofern keine Antragstellung auf Rücklagenbildung erfolgt (betrifft die
stillen Reserven des zum notwendigen Betriebsvermögens zählenden Grund und Bodens)
- § 4 Abs. 10 Z 3 lit. b EStG 1988.

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4.5.2.2.2 Übergang von der Gewinnermittlung durch Einnahmen-Ausgaben-
Rechnung zur Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich
695
Beim Übergang von der Gewinnermittlung durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
(§ 4 Abs. 3 EStG 1988) zur Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich sind die
Unterschiede, die sich bei der zeitlichen Erfassung der Geschäftsvorfälle bei Bilanzierern und
Einnahmen-Ausgaben-Rechnern ergeben, durch Zu- und Abschläge auszugleichen
(VwGH 16.12.1998, 93/13/0307). Der bei der vereinfachten Gewinnermittlungsart bisher
nicht erfasste Zuwachs an Besitzposten - mit Ausnahme der so genannten Geldkonten
(Bargeld, Guthaben) - ist als Zuschlag zu erfassen.
Im System der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind Einnahmen erst mit ihrem tatsächlichen
Eingang zu erfassen. Im System des Betriebsvermögensvergleiches ist bereits das Entstehen
der Forderung gewinnwirksam, sodass der spätere Eingang der Forderung den Gewinn nicht
mehr berührt.
696
Es ist daher dann, wenn die Umsatzsteuer bisher nach dem Bruttosystem behandelt wurde,
der Wert der Warenbestände (ohne Umsatzsteuer) und der Warenforderungen (einschließlich
Umsatzsteuer) abzüglich des Wertes der Warenschulden (einschließlich Umsatzsteuer) zum
Anfang des Kalenderjahres (Wirtschaftsjahres), für das der Gewinn erstmals durch
Betriebsvermögensvergleich ermittelt wird, dem erstmals durch Betriebsvermögensvergleich
ermittelten Gewinn hinzuzurechnen oder von diesem Gewinn abzusetzen. Wurden die zu
Beginn der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung vorhandenen Warenbestände nicht (zB als
Sacheinlage) gewinnmindernd berücksichtigt, dann ist der Zuschlag entsprechend zu
vermindern. Für die Berechnung des Zuschlages bzw. Abschlages kommen weiters alle
sonstigen Bilanzpositionen in Betracht, die sich bei Weiterführung der Einnahmen-Ausgaben-
Rechnung als Betriebseinnahme bzw. Betriebsausgabe ausgewirkt hätten, beim Bilanzierer
aber nur mehr eine Vermögensumschichtung darstellen, zB Verbindlichkeiten für
rückständige Betriebssteuern.
Außerdem sind die in der Eröffnungsbilanz enthaltenen Bilanzpositionen, betreffend die
Umsatzsteuer (der Saldo aus Vorsteuerforderungen und Umsatzsteuerverbindlichkeiten mit
Ausnahme der gemäß § 20 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 nicht abzugsfähigen Umsatzsteuer vom
Eigenverbrauch), gleichfalls für die Berechnung des Zu- und Abschlages heranzuziehen.
Dabei sind passivierte Zahllasten für Monate oder Quartale des Vorjahres als Abschläge,
aktivierte Gutschriften als Zuschläge zu berücksichtigen.
697

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Geht der Steuerpflichtige im Zeitpunkt des Überganges von der Einnahmen-Ausgaben-
Rechnung auf die Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich umsatzsteuerlich von
der Versteuerung nach vereinnahmten Entgelten zur Versteuerung nach vereinbarten
Entgelten über, dann sind zusätzlich zu den noch nicht entrichteten Zahllasten die auf Grund
des § 17 Abs. 4 UStG 1994 geschuldeten Umsatzsteuerbeträge als Abschlag zu
berücksichtigen. Hat der Steuerpflichtige die Umsatzsteuerverrechnung nach dem
Nettosystem vorgenommen, dann sind für die Berechnung der Zu- und Abschläge
ausschließlich die Nettowerte anzusetzen (also zB auch die Forderungen ohne Umsatzsteuer
und die Verbindlichkeiten ohne die in ihnen enthaltenen abziehbaren Vorsteuerbeträge);
überdies entfällt eine Korrektur hinsichtlich der in der Eröffnungsbilanz aufscheinenden
Umsatzsteuerpositionen.
698
Eine Hinzurechnung oder Kürzung des Gewinnes wegen des Überganges zur
Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich hat nicht zu erfolgen, wenn der Gewinn
in den Vorjahren griffweise (nach den Grundsätzen des Betriebsvermögensvergleiches)
geschätzt worden ist. Eine Schätzung, bei der von den kalkulatorisch geschätzten Erlösen die
tatsächlichen Betriebsausgaben abgezogen wurden, bei der jedoch die Warenbestände sowie
die Warenforderungen und Warenschulden nicht in die Berechnung einbezogen wurden, hat
auf die Berechnung und Vornahme des Zuschlages oder Abschlages keinen Einfluss
(VwGH 30.11.1965, 1554/65).
699
Rückstellungen, Teilwertabschreibungen sowie Rechnungsabgrenzungsposten sind durch Zuund
Abschläge bei Ermittlung des Übergangsgewinnes nachzuholen.
4.5.2.2.3 Übergang von der Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich
gemäß § 4 Abs. 1 EStG 1988 auf die Gewinnermittlung durch Einnahmen-
Ausgaben-Rechnung
700
Beim Übergang von der Gewinnermittlung gemäß § 4 Abs. 1 EStG 1988 zur
Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG 1988 ist sinngemäß, also seitenverkehrt zum
Übergang von § 4 Abs. 3 EStG 1988 auf § 4 Abs. 1 EStG 1988, vorzugehen.
Bilanzpositionen, die in der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung nicht vorgesehen sind, sind im
Übergangsgewinn aufzulösen (Rückstellungen, Rechnungsabgrenzungsposten) bzw. in
steuerfreie Beträge umzuwandeln (zB Abfertigungsrückstellung).
701

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Während des Betriebsvermögensvergleiches vorgenommene Teilwertabschreibungen bleiben
aufrecht.
4.5.2.2.4 Übergang vom Betriebsvermögensvergleich gemäß § 4 Abs. 1 EStG 1988
bzw. von der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung auf den
Betriebsvermögensvergleich gemäß § 5 EStG 1988
702
Bezogen auf die Gewinnermittlungstechnik ergeben sich zwischen der Gewinnermittlung
nach § 4 Abs. 1 EStG 1988 und jener nach § 5 EStG 1988 keine Probleme. Wurde der
Gewinn bisher nach § 4 Abs. 3 EStG 1988 ermittelt, so ist zunächst ein Übergang auf den
Betriebsvermögensvergleich analog zur Vorgangsweise nach Rz 695 ff zu unterstellen.
Zusätzlich sind beim Übergang von § 4 Abs. 1 EStG 1988 bzw. § 4 Abs. 3 EStG 1988 auf
§ 5 EStG 1988 die in der Folge dargestellten Besonderheiten zu beachten.
4.5.2.2.4.1 Bewertung des Grund und Bodens im Übergangszeitpunkt
703
Rechtslage bis 2006:
Wird eine Firma ins Firmenbuch eingetragen, ist der Buchwert des zum Anlagevermögen
zählenden Grund und Bodens auf den höheren Teilwert steuerneutral aufzuwerten, wenn die
Anschaffung mehr als zehn Jahre zurückliegt. Die Berechnung hat von Tag zu Tag zu
erfolgen. Unmaßgeblich ist, ob die Anschaffung direkt im Betriebsvermögen oder zunächst im
Privatvermögen erfolgte und das Grundstück erst in der Folge eingelegt wurde. Im Falle
zwischenzeitlicher unentgeltlicher Übertragungen sind für die Berechnung der Zehnjahresfrist
die Besitzzeiten zusammenzurechnen. Dies gilt sowohl für unentgeltliche Übertragungen des
Grundstückes als auch für unentgeltliche Übertragungen des Betriebes (Teilbetriebes,
Mitunternehmeranteiles) einschließlich des Grundstücks. Weiters lösen auch Änderungen der
Rechtsform, bei denen die Buchwerte fortgeführt werden, keinen neuen Fristenlauf aus.
Für den Ansatz des Teilwertes von bereits im Eigentum des Unternehmers stehendem Grund
und Boden ist § 6 Z 5 EStG 1988 maßgeblich.
Liegt der Teilwert zum Eintragungsstichtag unter dem Buchwert, so ist gegebenenfalls nach
den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung eine
Teilwertabschreibung vorzunehmen. Diese Maßnahme hat gleichfalls steuerneutral zu
erfolgen, da sie Wertminderungen betrifft, die in einem Zeitraum eingetreten sind, in
welchem sie steuerlich nicht zu erfassen gewesen sind.
704
Rechtslage ab 2007:

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Erfolgt ein Wechsel zur Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988, ist der Buchwert des zum
Anlagevermögen zählenden Grund und Bodens stets steuerneutral auf den Teilwert im
Zeitpunkt des Wechsels der Gewinnermittlung auf- oder abzuwerten.
Kommen im Abgabenverfahren des Jahres des Überganges auf die Gewinnermittlung nach
§ 5 EStG 1988 Zweifel an der Richtigkeit des vom Steuerpflichtigen angesetzten Teilwertes
hervor, kann über die Höhe des Teilwertes auf Antrag oder von Amts wegen ein gesonderter
Feststellungsbescheid gemäß § 92 Abs. 1 lit. b BAO erlassen werden. An einer zeitnahen
bindenden Feststellung des Teilwertes besteht ein öffentliches Interesse, da die
Wertfeststellung in einem späteren Abgabenverfahren durch den Zeitablauf jedenfalls
schwieriger ist.
705
Die aus den handelsrechtlichen /unternehmensrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger
Buchführung/Rechnungslegung resultierenden Konsequenzen sind bei Ermittlung des
Übergangsgewinnes zu berücksichtigen (Teilwertabschreibungen, Rückstellungen,
Rechnungsabgrenzungsposten).
706
Gewillkürtes Betriebsvermögen kann ab dem Wechsel zur Gewinnermittlung nach § 5 EStG
1988 dem Betriebsvermögen zugeführt werden.
4.5.2.2.4.2 Erfassung der stillen Reserven
707
Im Falle des Wechsels von der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 auf eine andere
Gewinnermittlungsart sind die stillen Reserven des Grund und Bodens zu erfassen.
708
Ohne besondere Antragstellung hat die Erfassung der stillen Reserven des zum notwendigen
Betriebsvermögen zählenden Grund und Bodens im Übergangsgewinn zu erfolgen.
709
Auf Antrag des Steuerpflichtigen können die stillen Reserven des Grund und Bodens
zunächst einer steuerfreien Rücklage (einem steuerfreien Betrag) zugeführt werden.
Ab der Veranlagung 2007 ist der Antrag in der Steuererklärung des Jahres des Wechsels der
Gewinnermittlungsart zu stellen; im Falle einer Gewinnfeststellung (§ 188 BAO) ist der
Antrag in der Feststellungserklärung zu stellen. Der Antrag kann nur in der Steuererklärung
(Feststellungserklärung) gestellt werden, die vor Ergehen des betreffenden
Einkommensteuerbescheides eingebracht wurde. Wurde in dieser Steuererklärung kein
Antrag gestellt, kann ein solcher in einer nach Ergehen des Einkommensteuerbescheides (zB

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in einem Berufungsverfahren oder einem wiederaufgenommenen Verfahren) eingereichten
Steuererklärung (Feststellungserklärung) nicht nachgeholt werden. Dies gilt nicht, wenn sich
durch Feststellungen in einem wiederaufgenommenen Verfahren das Jahr des Wechsels der
Gewinnermittlungsart ändert. In diesem Fall behält der für das vermeintliche Jahr des
Wechsels der Gewinnermittlungsart gestellte Antrag seine Wirkung für das nunmehrige Jahr
des Wechsels der Gewinnermittlungsart.
Diese Rücklage ist im Zeitpunkt des Ausscheidens des Grund und Bodens aus dem
Betriebsvermögen (Veräußerung, Entnahme) gewinnerhöhend aufzulösen. Trifft das
Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen mit der Veräußerung oder der Aufgabe des
Betriebes, Teilbetriebes oder Mitunternehmeranteiles zusammen, so erfolgt die
gewinnerhöhende Auflösung im Veräußerungsgewinn. Andernfalls erfolgt die
Rücklagenauflösung zu Gunsten des laufenden Gewinnes. Eine Übertragung gemäß § 12
EStG 1988 ist nicht zulässig. Eine frühere freiwillige Auflösung oder eine Zuschreibung (§ 6
Z 13 EStG 1988) der Rücklage (des steuerfreien Betrages) ist gesetzlich nicht vorgesehen.
709a
Scheidet der Grund und Boden aus dem Betriebsvermögen aus, ist die Grund-und-Boden-
Rücklage grundsätzlich zur Gänze steuerwirksam aufzulösen. Ist im Falle des Ausscheidens
ab 2007 durch Veräußerung (Verkauf, Tausch) der Veräußerungserlös höher als die Summe
aus Anschaffungskosten und Rücklage, ist der Überhang bei Vorliegen der Voraussetzungen
nach § 30 EStG 1988 idF StruktAnpG 2006 (Veräußerung innerhalb von zehn Jahren nach
der Anschaffung) ab 2007 als Spekulationseinkünfte steuerpflichtig.
Sind hingegen die stillen Reserven, die in die Grund-und-Boden-Rücklage eingestellt worden
sind, im Zeitpunkt des Ausscheidens des Grund und Bodens aus dem Betriebsvermögen
gegenüber dem Rücklagenbetrag gesunken, ist die Rücklage insoweit steuerneutral
aufzulösen. Ist die stille Reserve überhaupt nicht mehr vorhanden, ist die gesamte Rücklage
steuerneutral aufzulösen, ein allfälliger Minderbetrag kann im Fall des Ausscheidens ab 2007
durch Veräußerung als negative Einkünfte nach § 30 EStG 1988 zu berücksichtigen sein. Dies
gilt nicht, soweit einer Wertminderung bereits durch eine steuerwirksame
Teilwertabschreibung Rechnung getragen worden ist (siehe Rz 710 Fall 3).
Beispiel:
Ein § 5-Ermittler schafft im Jahr 2001 Grund und Boden um 100 an; im Jahr 2004
erfolgt ein Wechsel auf die Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG 1988, der Teilwert
im Zeitpunkt des Wechsels beträgt 120, der Steuerpflichtige bildet eine Grund und
Boden-Rücklage von 20. Der Grund und Boden wird im Jahr 2007 veräußert um
150 Es ist zunächst die Grund und Boden-Rücklage steuerwirksam

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aufzulösen. Da zudem die auf den Anschaffungszeitpunkt bezogene
Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen ist, liegt in Höhe von 30 ein
Spekulationsgewinn vor.
112 Da die stille Reserve in der Grund und Boden-Rücklage nur teilweise im
Veräußerungsgewinn (bezogen auf den Buchwert vor Wechsel der
Gewinnermittlung) gedeckt ist, ist die Rücklage nur insoweit (in Höhe
von 12) steuerwirksam und der nicht realisierte Restbetrag (in Höhe
von 8) steuerneutral aufzulösen.
90 Es ist die gesamte Rücklage steuerneutral aufzulösen; da zudem die
Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen ist, liegt in Höhe von 10 ein
Spekulationsverlust vor.
710
Rechtslage bis 2006:
Ist der Buchwert von Grund und Boden des Anlagevermögens auf Grund mehrfachen
Wechsels auf die Gewinnermittlung nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 mehrfach steuerneutral
aufzuwerten, so bestehen folgende Möglichkeiten:
. Es ist auf den höheren Teilwert steuerneutral aufzuwerten; eine nach
§ 4 Abs. 10 EStG 1988 gebildete steuerfreie Rücklage (steuerfreier Betrag) bleibt
unverändert bestehen.
. Der Buchwert des Grund und Bodens wird im Ausmaß der bestehenden Rücklage gemäß
§ 4 Abs. 10 EStG 1988 nicht erhöht; die Differenz zwischen Buchwert und Teilwert
vermindert die gebildete steuerfreie Rücklage (steuerfreien Betrag). Übersteigt diese
Differenz den Rücklagenbetrag, so ist insoweit der Buchwert zu erhöhen.
Rechtslage ab 2007:
Ist der Buchwert von Grund und Boden des Anlagevermögens auf Grund mehrfachen
Wechsels auf die Gewinnermittlung nach § 5 Abs. 1 EStG 1988 mehrfach steuerneutral aufoder
abzuwerten, gilt Folgendes:
. Die zwei- oder mehrfache steuerneutrale Auf- oder Abwertung führt immer zu einer
Änderung des Buchwertes des Grund und Bodens. Eine Anpassung einer bereits
vorhandenen Grund- und Boden-Rücklage hat nicht zu erfolgen.

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. Ein Rückwechsel von der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 zur Gewinnermittlung
nach § 4 Abs. 1 oder § 4 Abs. 3 EStG 1988 führt im Fall einer eingetretenen
Wertsteigerung zur Aufstockung der bereits vorhandenen Rücklage.
Im Ergebnis sind daher sämtliche in den Zeiträumen der § 5-Gewinnermittlung
angewachsenen stillen Reserven zu erfassen, soweit sie im Veräußerungsgewinn Deckung
finden; Teilwertabschreibungen sind nicht mit der Rücklage zu verrechnen.
Beispiel:
Mehrfacher Wechsel der Gewinnermittlung, Antragstellung auf Rücklagenbildung
erfolgt.
Jahr 01 § 5 Jahr 03
(W)
§ 4/1 Jahr 07
(W)
§ 5 Jahr 10
(W)
§ 4/1 Jahr 12
§ 5 AK st Res
pfl.
§ 4/1
TW
st Res
frei
§ 5
TW
st Res
pfl
§ 4/1
TW
st Res
frei
VE
1: 100 20 120 16 136 18 154 21 175
2: 100 20 120 -12 108 18 126 21 147
3: 100 20 120 16 136 -12 124 21 145
W = Wechsel, VE = Veräußerungserlös
Fall 1: Im Jahr 07 erfolgt eine steuerneutrale Aufwertung des Grund und Bodens auf
136. Im Jahr 10 ist die bereits vorhandene Rücklage aus 03 um 18 auf 38
aufzustocken. Die Rücklage von insgesamt 38 (=Zuwachs an stillen Reserven in der §
5-Zeit) ist im Jahr 12 steuerwirksam aufzulösen.
Fall 2: Im Jahr 07 erfolgt eine steuerneutrale Abwertung des Grund und Bodens um 12
auf 108. Im Jahr 10 ist die bereits vorhandene Rücklage aus 03 um 18 auf 38
aufzustocken. Die Rücklage(n) von insgesamt 38 (=Zuwachs an stillen Reserven in der
§ 5-Zeit) sind im Jahr 12 steuerwirksam aufzulösen.
Fall 3: Im Jahr 07 erfolgt eine steuerneutrale Aufwertung um 16. Der Wertminderung
in 07 bis 09 ist durch eine (steuerwirksame) Teilwertabschreibung von 12 Rechnung zu
tragen. Der Buchwert beträgt sodann (spätestens ab dem Jahr 10) 124. Die Rücklage
bleibt unverändert 20. Im Jahr 12 ist die Rücklage von 20 steuerwirksam aufzulösen.
Insgesamt sind in der § 5-Zeit (20-12) = 8 an stillen Reserven zugewachsen.
710a
Der Antrag auf Bildung einer Grund-und-Boden-Rücklage kann grundsätzlich bis zur
Rechtskraft des Verfahrens gestellt werden. Bei buchführenden Steuerpflichtigen müssen
nach Einreichung der Bilanz aber die Voraussetzungen für eine Bilanzänderung nach § 4 Abs.
2 EStG 1988 vorliegen.
710b

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Grundstücke des gewillkürten Betriebsvermögens scheiden wie andere Wirtschaftsgüter des
gewillkürten Betriebsvermögens mit dem Zeitpunkt des Wechsels jedenfalls aus dem
Betriebsvermögen aus. Ihre stillen Reserven sind stets im Übergangsgewinn zu erfassen. In
diesem Fall gibt es auch für Grund und Boden keine Möglichkeit zur Bildung einer Rücklage.
Der ermäßigte Steuersatz für die stillen Reserven gelangt nur mehr unter den
Voraussetzungen des § 37 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 5 EStG 1988 zur Anwendung.
Rückstellungen und Rechnungsabgrenzungsposten sind wegen des Grundsatzes der
Bewertungsstetigkeit beim Wechsel von der Gewinnermittlung nach § 5 EStG 1988 auf § 4
Abs. 1 EStG 1988 beizubehalten.
4.5.2.2.5 Übergang auf eine Pauschalierung
711
Nimmt ein bisher buchführender Steuerpflichtiger erstmals die Pauschalierung nach
§ 17 Abs. 1 EStG 1988 oder nach den Pauschalierungsverordnungen für das Gaststättenund
Beherbergungswesen, für Lebensmitteleinzel- oder Gemischtwarenhändler, für
Drogisten oder die Individualpauschalierung in Anspruch, so ist ein Übergangsgewinn
(Übergangsverlust) zu ermitteln. Gleiches gilt, wenn der Steuerpflichtige von der
Gewinnermittlung durch eine dieser Pauschalierungsformen zur Buchführung übergeht.
712
Der Wechsel von der vollständigen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu den genannten
Pauschalierungen oder umgekehrt löst hingegen keinen Übergangsgewinn aus.
713
Ausgaben, die vor dem Wechsel zur Pauschalierung abgeflossen sind und wirtschaftliche
Zeiträume innerhalb der Anwendung der Pauschalierung betreffen, sowie Nachzahlungen für
Aufwendungen im Pauschalierungszeitraum können daher nach Maßgabe des
§ 19 EStG 1988 abgezogen werden. Vorauszahlungen im Pauschalierungszeitraum für
Veranlagungszeiträume danach und Nachzahlungen im Pauschalierungszeitraum für
Veranlagungszeiträume davor sind abpauschaliert und können nicht gesondert abgesetzt
werden.
714
Vor Anwendung der Pauschalierung gebildete Abfertigungsrückstellungen (steuerfreie
Beträge) sind weiterzuführen (siehe Rz 3363 ff).
715
Bei Wechsel von einer Gewinnermittlungsart nach Durchschnittssatzverordnung auf eine
andere Gewinnermittlungsart ist im Einzelfall zu unterscheiden, ob es sich dabei um eine
Gesamtschätzung nach äußeren Betriebsmerkmalen ohne Bedachtnahme auf das

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Betriebsvermögen handelt oder ob (zumindest in Teilbereichen) der Gewinn nach
Grundsätzen des Betriebsvermögensvergleiches oder einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
ermittelt wird. Entsprechend ist ein Übergangsgewinn nach dem Grundsatz der Nicht- bzw.
Doppelerfassung von Betriebsvorfällen zu ermitteln.
Beispiel:
Der Gewinn aus einem Weinbaubetrieb wird gemäß Verordnung BGBl. II Nr. 430/1997
ermittelt; dies entspricht einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Beim späteren
Übergang auf die Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich sind daher die
für die Ermittlung von Übergangsgewinnen bzw. -verlusten maßgeblichen Grundsätze
zu beachten. Dass die Verordnung für die Betriebsausgaben aus Weinbau eine
Pauschalierungsmöglichkeit vorsieht, ändert nichts am Charakter der Einnahmen-
Ausgaben-Rechnung, da ja die tatsächlich erzielten Einnahmen nachzuweisen und
anzusetzen sind. Im Übrigen steht es dem Abgabepflichtigen frei, an Stelle der
pauschalen Ausgaben die tatsächlichen Betriebsausgaben in der nachgewiesenen Höhe
geltend zu machen.
Der in der ersten Eröffnungsbilanz ausgewiesene Weinvorrat ist zur Vermeidung einer
Doppelerfassung von Betriebsausgaben bei der Ermittlung des Übergangsgewinnes als
Zuschlag zu berücksichtigen, weil sich die hierfür aufgewendeten Erzeugungskosten -
allenfalls in Form der pauschalen Ausgaben - im Rahmen der Einnahmen-Ausgaben-
Rechnung gewinnmindernd ausgewirkt haben und weil dieser Aufwand ansonsten beim
späteren Weinverkauf und der damit verbundenen Wareneinsatzermittlung im Rahmen
des Betriebsvermögensvergleiches ein zweites Mal ausgabenwirksam werden würde.
716
Beim Übergang von einem pauschalierten Land- und Forstwirt auf den
Betriebsvermögensvergleich ist bei Ansatz eines gemäß § 6 Z 2 lit. b EStG 1988 höheren
Teilwertes der ansonsten unversteuert bleibende Wertzuwachs als Zuschlag dem
Übergangsgewinn zuzurechnen (VwGH 19.4.1988, 87/14/0080).
4.5.3 Zeitpunkt und Erfassung des Übergangsgewinnes
717
Der Übergangsgewinn ist bei laufendem Betrieb beim Gewinn des ersten
Gewinnermittlungszeitraumes nach dem Wechsel zu erfassen.
718
Bei laufendem Betrieb ist der Wechsel der Gewinnermittlung zwischen den
Gewinnermittlungsarten nach § 4 Abs. 1 und 3 EStG 1988 sowie den pauschalen
Gewinnermittlungsarten nur zu Beginn eines Kalenderjahres zulässig (VwGH 24.11.1993,
92/15/0110). Bei einer unterjährigen entgeltlichen und unentgeltlichen Betriebsübertragung
kann der Übernehmer die Gewinnermittlungsart frei wählen, sofern die gesetzlichen
Voraussetzungen vorliegen (siehe Rz 690). Zum Eintritt bzw. Wegfall der Gewinnermittlung
nach § 5 EStG 1988 siehe Rz 430b.
719

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Der Übergangsgewinn ist stets im Rahmen jenes Wirtschaftsjahres zu erfassen, in dem der
Gewinn erstmals nach der neuen Methode ermittelt wird.
Randzahlen 720 bis 723: entfallen
724
Im Falle der Veräußerung oder Aufgabe eines Betriebes, Teilbetriebes oder
Mitunternehmeranteiles mit Gewinnermittlung nach §§ 4 Abs. 3 und 17 EStG 1988 oder nach
den Pauschalierungsverordnungen für das Gaststätten- und Beherbergungswesen, für
Lebensmitteleinzel- oder Gemischtwarenhändler, für Drogisten oder die
Individualpauschalierung, ist der Gewinn aus dem Übergang zur Gewinnermittlung nach
§ 4 Abs. 1 EStG 1988 beim Gewinn des letzten Gewinnermittlungszeitraumes vor der
Veräußerung oder Aufgabe zu berücksichtigen.
725
Findet in direktem Zusammenhang mit einem Umgründungsvorgang iSd UmgrStG ein
Wechsel der Gewinnermittlungsart (zwingend oder freiwillig) hinsichtlich eines dabei
übertragenen Betriebes statt, gilt Folgendes:
. Der mit einer Umgründung verbundene Wechsel der Gewinnermittlungsart von § 4 Abs. 3
EStG 1988 auf § 4 Abs. 1 EStG 1988 erfolgt am Umgründungsstichtag.
Kommt es im Falle der Einbringung gemäß Art. III UmgrStG (UmgrStR 2002 Rz 818 ff),
eines Zusammenschlusses gemäß Art. IV UmgrStG (UmgrStR 2002 Rz 1394 f) oder einer
Realteilung gemäß Art. V UmgrStG (UmgrStR 2002 Rz 1582) im Anschluss an die letzte
laufende mit dem Umgründungsstichtag endende Gewinnermittlungsperiode zum
Wechsel der Gewinnermittlungsart zu jener nach § 4 Abs. 1 EStG 1988, ist ein
Übergangsgewinn im Jahr, in das der Umgründungsstichtag fällt, zu versteuern.
Hinzuweisen ist auf den ua. mit Einbringungen ggf. verbundenen zweiten Wechsel der
Gewinnermittlungsart von § 4 Abs. 1 EStG 1988 auf § 5 EStG 1988 bei der
übernehmenden Körperschaft mit Beginn des dem Einbringungsstichtag folgenden Tages
(§ 20 Abs. 8 UmgrStG, siehe UmgrStR 2002 Rz 963. Zum Zusammenschluss siehe
UmgrStR 2002 Rz 1394, zur Realteilung siehe UmgrStR 2002 Rz 1621b.
. Der mit der Umgründung verbundene Wechsel der Gewinnermittlungsart von § 4 Abs. 1
(§ 5) EStG 1988 auf § 4 Abs. 3 EStG 1988 erfolgt mit Beginn des dem
Umgründungsstichtag folgenden Tages. Die Steuerwirkungen treten daher im ersten
Wirtschaftsjahr des Rechtsnachfolgers außerhalb der laufenden Gewinnermittlung ein.
Bei einer Umwandlung gemäß Art. II UmgrStG (UmgrStR 2002 Rz 517), einem
Zusammenschluss gemäß Art. IV UmgrStG (UmgrStR 2002 Rz 1398 ff) oder einer

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Realteilung nach Art. V UmgrStG (UmgrStR 2002 Rz 1583) ist ein aus dem Wechsel
resultierender Gewinn im ersten nach dem Umgründungsstichtag endenden
Wirtschaftsjahr zu erfassen.
Randzahlen 726 und 727: entfallen
4.5.4 Übergangsverluste
728
Übergangsverluste sind ausgleichs- und vortragsfähig (VfGH 7.3.1990, B 232/89). Dies gilt
auch für Übergangsverluste aus einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.
Beginnend mit dem ersten Gewinnermittlungszeitraum nach dem Wechsel sind sie zu je
einem Siebentel in den nächsten sieben Gewinnermittlungszeiträumen zu berücksichtigen.
Bei unentgeltlicher Betriebsübertragung mit Buchwertfortführung sind die restlichen
Siebentel vom Übernehmer des Betriebes abzusetzen.
729
Im Falle einer späteren Betriebsaufgabe/Veräußerung sind die (restlichen)
Übergangsverluste sofort zu berücksichtigen. Soweit sie weder mit dem letzten laufenden
Gewinn noch mit einem allfälligen Übergangsgewinn zu verrechnen sind, sind sie im Rahmen
des innerbetrieblichen Verlustausgleiches mit dem Veräußerungsgewinn auszugleichen.
Restbeträge sind sodann mit anderen Einkünften auszugleichen und werden schließlich
vortragsfähig.
730
Siebentelbeträge, die nicht mit laufenden Gewinnen (bzw. Übergangs- oder
Veräußerungsgewinn) aus demselben Betrieb ausgeglichen werden können, sind mit anderen
positiven Einkünften zu verrechnen. Der verbleibende Rest wird vortragsfähig.
4.6 Auswirkungen des Umsatzsteuerrechts auf die
Einkommensteuer
4.6.1 Auswirkungen bei Gewinnermittlung durch
Betriebsvermögensvergleich
4.6.1.1 Umsatzsteuer
731
Die Umsatzsteuer ist innerhalb der Unternehmerkette kein Kostenfaktor und hat
wirtschaftlich gesehen den Charakter eines durchlaufenden Postens. Sie ist daher
grundsätzlich erfolgsneutral. Dies wird durch den Ansatz entsprechender Forderungen und
Verbindlichkeiten erreicht. Der Aktivierung des Forderungsbetrages in Höhe des

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zivilrechtlichen Preises (inklusive Umsatzsteuer) steht die Passivierung der Umsatzsteuer an
das Finanzamt gegenüber.
732
Es gibt jedoch Fälle, in denen die Umsatzsteuer erfolgswirksam ist:
. Der passivierten Verbindlichkeit steht keine Forderung gegenüber (zB bei
tauschähnlichen Umsätzen durch Sachleistungen an Arbeitnehmer),
. Vornahme von "Umsatz-Zuschätzungen" durch das Finanzamt,
. Vornahme der Berichtigung der Vorsteuer gemäß § 12 Abs. 10 UStG 1994, welche nicht
weiterverrechnet werden kann,
. Ausschluss vom Vorsteuerabzug zB bei Vorliegen unecht befreiter Umsätze gemäß
§ 6 Abs. 1 Z 7 bis 28 UStG 1994. In diesen Fällen teilt die Umsatzsteuer die steuerliche
Behandlung des Entgelts (Aktivierung oder Abzug als Betriebsausgabe).
733
Die auf den Eigenverbrauch entfallende Umsatzsteuer ist, soweit der Eigenverbrauch eine
Entnahme darstellt oder in einer nichtabzugsfähigen Aufwendung oder Ausgabe besteht,
keine Betriebsausgabe (§ 20 Abs. 1 Z 6 EStG 1988). Eine Umsatzsteuer, die auf den
Eigenverbrauch entfällt, der keine Entnahme darstellt, kann zB vorliegen, wenn eine
Sachspende an eine Hochschule iSd § 4 Abs. 4 Z 5 EStG 1988 geleistet wird. In diesem Fall
stellt die auf den Eigenverbrauch entfallende Umsatzsteuer eine Betriebsausgabe dar.
4.6.1.2 Vorsteuer
734
Entsprechend dem in Rz 731 aufgezeigten Wesen der Umsatzsteuer gehören die nach
§ 12 Abs. 1 UStG 1994 und nach Art. 12 UStG 1994 abziehbaren Vorsteuerbeträge nicht zu
den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Wirtschaftsgutes, auf dessen Anschaffung
oder Herstellung sie entfallen. Die abziehbaren Vorsteuerbeträge sind im Rahmen der
Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich ohne Rücksicht darauf, ob sie mit der
Anschaffung oder Herstellung von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens oder des
Umlaufvermögens im Zusammenhang stehen, als Forderungen an das Finanzamt zu
aktivieren.
Beispiel:
Ein Unternehmer, der seinen Gewinn durch Betriebsvermögensvergleich ermittelt, kauft
eine Maschine. Es werden ihm 10.000 S als Kaufpreis und 2.000 S Umsatzsteuer in
Rechnung gestellt. Als Anschaffungskosten sind 10.000 S anzusetzen. Die
Umsatzsteuer von 2.000 S ist als Forderung an das Finanzamt auszuweisen.
735

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Nimmt der Unternehmer Skonto und dgl. in Anspruch, dann hat er (ohne Durchführung einer
formellen Rechnungsberichtigung) den Vorsteuerabzug zu berichtigen. Durch die
Inanspruchnahme des Zahlungsabzuges ändern sich auch die Anschaffungs- oder
Herstellungskosten des entsprechenden Wirtschaftsgutes.
Beispiel:
Der Unternehmer erhält eine Maschine um 100.000 S zuzüglich 20.000 S Umsatzsteuer
geliefert, er nimmt infolge rechtzeitiger Zahlung einen Skontoabzug von 3% des
Rechnungsbetrages (3.600 S) in Anspruch. Dadurch verringern sich die
Anschaffungskosten der Maschine von 100.000 S auf 97.000 S und die abziehbare
Vorsteuer von 20.000 S auf 19.400 S.
735a
Wird der Vorsteuerabzug bei ertragsteuerlich nicht abzugsfähigen, umsatzsteuerlich aber
zum Vorsteuerabzug berechtigenden Aufwendungen (zB Arbeitszimmeraufwendungen auf
Grund VwGH 24.9.2002, 98/14/0198) nachträglich geltend gemacht, führt die auf den als
nichtabzugsfähig behandelten Bruttoaufwand (Aufwand inkl. Umsatzsteuer) entfallende
rückverrechnete Vorsteuer zu keiner Betriebseinnahme (vgl. Rz 1001).
4.6.1.3 Anzahlung
736
Das UStG 1994 sieht bei Anzahlungen eine so genannte "Mindest-Ist-Besteuerung" vor
(§ 19 Abs. 2 Z 1 lit. a UStG 1994). Die Umsatzsteuerschuld entsteht in dem Monat der
tatsächlichen Leistung der Anzahlung, wodurch es auch bei einer Sollbesteuerung des
leistenden Unternehmers zu einer Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten kommt. Der
Leistungsempfänger kann bei Vorliegen der Voraussetzungen (tatsächliche Zahlung und
Rechnungslegung) die in Rechnung gestellte Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen. Der
Leistungsempfänger hat daher gegenüber dem Finanzamt eine Forderung auszuweisen. Die
Höhe der geschuldeten Umsatzsteuer beim leistenden Unternehmer richtet sich nicht nach
der vereinbarten Anzahlung, sondern nach der tatsächlich geleisteten Anzahlung, auch wenn
die Rechnung über eine höhere Anzahlung gelegt wurde. Unabhängig von einer
Rechnungsausstellung entsteht beim leistenden Unternehmer für die erhaltene Anzahlung
die Steuerschuld. Dieser hat daher die vereinnahmte (Netto-)Anzahlung gegenüber dem die
Anzahlung leistenden Unternehmer zu passivieren und den auf die Anzahlung entfallenden
Umsatzsteuerbetrag als Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt auszuweisen.
Im Zeitpunkt der tatsächlichen Leistungserbringung entsteht eine Forderung bzw.
Verbindlichkeit nur noch in um die Anzahlung verringerter Höhe. Auch die
Umsatzsteuerschuld entsteht nur noch bezüglich des Differenzbetrages. In der Endrechnung
ist auf die geleistete Anzahlung und die darauf entrichtete Umsatzsteuer in der Form

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hinzuweisen, dass die Anzahlung und die entrichtete Umsatzsteuer offen in der Endrechnung
vom Gesamtentgelt und der darauf entfallenden Umsatzsteuer abzusetzen sind oder dass die
Anzahlung und die darauf geleistete Umsatzsteuer gesondert in der Endrechnung oder in
einem Anhang zur Endrechnung angegeben werden.
4.6.1.4 Nicht abzugsfähige Vorsteuer
737
Soweit die bei Anschaffung oder Herstellung eines Wirtschaftsgutes des Anlage- oder
Umlaufvermögens in Rechnung gestellte Vorsteuer nicht abzugsfähig ist (siehe Rz 732),
gehört sie zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Wirtschaftsgutes, auf das sie
entfällt. Nichtabziehbare Vorsteuerbeträge für aktivierungspflichtige Wirtschaftsgüter sind
nicht sofort als Betriebsausgabe abziehbar, sondern müssen als Teil der Anschaffungs- oder
Herstellungskosten des entsprechenden Wirtschaftsgutes aktiviert werden und teilen ihr
Schicksal (AfA, Investitionsfreibetrag usw.).
Beispiel:
Ein Unternehmer ist mit seinen Umsätzen unecht von der Umsatzsteuer befreit. Er
erwirbt eine neue EDV-Anlage (1,000.000 S) zuzüglich 20% Umsatzsteuer (200.000 S),
die gemäß § 12 UStG 1994 nicht geltend gemacht werden kann. Es ist der gesamte
Rechnungsbetrag von 1.200.000 S zu aktivieren und auf die Restnutzungsdauer verteilt
abzusetzen bzw. ist dieser Betrag die Basis für die Geltendmachung des
Investitionsfreibetrages.
Die nichtabziehbare Vorsteuer für nicht aktivierungspflichtige Wirtschaftsgüter, teilt das
steuerliche Schicksal des Grundaufwandes.
738
Geht ein Vorsteuerabzug verloren, weil der Steuerpflichtige über die empfangene Leistung
auch in der Folge keine Rechnung erhält, ein Rechnungsmangel nicht behoben oder der vom
Steuerpflichtigen geltend gemachte Vorsteuerabzug vom Finanzamt (nachträglich) geändert
wird, dann sind auch die entsprechenden Anschaffungs- oder Herstellungskosten
grundsätzlich zu berichtigen. Eine derartige Berichtigung hat auch in Fällen zu erfolgen, in
denen die Aufteilung der Vorsteuerbeträge in abziehbare und nichtabziehbare gemäß
§ 12 Abs. 5 UStG 1994 im Wege einer Verhältnisrechnung erfolgt und sich das Verhältnis
nachträglich ändert. Es bestehen jedoch in diesen Fällen keine Bedenken, von geringfügigen
Berichtigungen der Anschaffungs- oder Herstellungskosten Abstand zu nehmen, wenn damit
ein unverhältnismäßiger Verwaltungsaufwand verbunden wäre. In solchen Fällen sind
Mehrbeträge an abziehbarer Vorsteuer als Betriebseinnahme und Minderbeträge als
Betriebsausgabe zu verrechnen.
739

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Von den oben dargelegten Änderungen des Vorsteuerabzuges sind die Berichtigungen des
Vorsteuerabzuges gemäß § 12 Abs. 10 und 11 UStG 1994 zu unterscheiden. Bei diesen
Berichtigungen sieht § 6 Z 12 EStG 1988 vor, dass bei solchen Berichtigungen in keinem Fall
eine Änderung der entsprechenden Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu erfolgen hat.
Vielmehr sind die Mehr- bzw. Minderbeträge an abzugsfähiger Vorsteuer stets als
Betriebseinnahmen bzw. Betriebsausgaben zu behandeln, es sei denn, dass noch eine
entsprechende Vorsteuerforderung gegenüber dem Finanzamt besteht, was jedoch idR nicht
der Fall sein wird. Besteht noch eine derartige Forderung, dann ist diese zu berichtigen, und
zwar unter gleichzeitiger Änderung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten des
Wirtschaftsgutes, bei dem die Änderung der für den Vorsteuerabzug maßgebenden
Verhältnisse eingetreten ist.
Beispiel:
Ein Unternehmer erwarb im Jahre 1998 eine neue Büroeinrichtung im Werte von
100.0000 S zuzüglich 20% Umsatzsteuer, das sind 20.000 S, die er als Vorsteuer
geltend gemacht hat.
Ab 1.Jänner 2000 ist der Unternehmer unecht von der Umsatzsteuer befreit. Auf Grund
der ab dem Jahre 2000 bestehenden unechten Steuerbefreiung kommt es in den
Jahren 2000 bis 2002 zu einer Vorsteuerberichtigung (§ 12 Abs. 10 UStG 1994) im
Ausmaß von insgesamt 3/5 (12.000 S) des ursprünglichen Vorsteuerbetrages. Die in
diesen Jahren vorzunehmende Vorsteuerberichtigung beträgt jeweils 4.000 S und ist
als Betriebsausgabe abzugsfähig.
4.6.1.5 Geringwertige Wirtschaftsgüter
740
Soweit Vorsteuerbeträge nach den in den vorstehenden Absätzen genannten Grundsätzen
nicht zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Wirtschaftsgutes gehören, sind sie
auch nicht in die für geringwertige Wirtschaftsgüter maßgebende Wertgrenze von 400 Euro
(§ 13 EStG 1988) einzubeziehen. In Fällen, in denen eine Berichtigung der Anschaffungsoder
Herstellungskosten aus Gründen einer Verwaltungsvereinfachung unterbleibt (Rz 738
und 741), bestehen keine Bedenken, die Begünstigung des § 13 EStG 1988 unberührt zu
belassen.
4.6.1.6 Interimskonto
741
Forderungen aus Lieferungen und sonstigen Leistungen, für die die Umsatzsteuerschuld am
Bilanzstichtag noch nicht entstanden ist, sind einschließlich der auf sie entfallenden
Umsatzsteuer zu bilanzieren und die betreffenden Umsatzsteuerbeträge überdies auf einem
passiven Interimskonto (für noch nicht geschuldete Umsatzsteuer) zu erfassen. Solange für
denjenigen, der die Lieferung oder sonstige Leistung erbracht hat, die Umsatzsteuerschuld

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entsprechend § 19 UStG 1994 noch nicht entstanden ist, können die betreffenden
Umsatzsteuerbeträge nicht als Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt ausgewiesen
werden. Erst wenn gemäß § 19 UStG 1994 die Schuld für diese Steuerbeträge entstanden
ist, sind diese Steuerbeträge von dem Interimskonto abzubuchen und als Verbindlichkeit dem
Finanzamt gegenüber auszuweisen.
Diese Vorgangsweise ist in jenen Fällen geboten, in denen sich im Rahmen der Besteuerung
nach vereinbarten Entgelten der Zeitpunkt der Entstehung der Umsatzsteuerschuld gemäß
§ 19 Abs. 2 Z 1 lit. a UStG 1994 um einen Monat verschiebt, weil die Rechnungsausstellung
erst nach Ablauf des Kalendermonates erfolgt, in dem die Lieferung oder sonstige Leistung
erbracht wurde; weiters ist iSd vorstehenden Ausführungen vorzugehen, wenn im Rahmen
der Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten in den zu bilanzierenden Forderungen
Umsatzsteuerbeträge zu berücksichtigen sind, deren Schuld gemäß
§ 19 Abs. 2 Z 1 lit. b UStG 1994 deshalb noch nicht entstanden ist, weil die Vereinnahmung
der Entgelte für die betreffenden Umsätze noch aussteht.
Beispiel:
Ein Steuerpflichtiger, der die Umsatzversteuerung nach vereinbarten Entgelten
vornimmt und dessen Bilanzstichtag der jeweilige 31. Dezember ist, liefert am
31. Dezember Waren um 100.000 S; die darauf entfallende Umsatzsteuer beträgt 20%
(20.000 S). Die Rechnungsausstellung für diese Lieferung erfolgt erst im Jänner des
folgenden Kalenderjahres. Entsprechend den obigen Ausführungen wäre die Lieferung
per 31. Dezember wie folgt zu buchen:
Soll Haben
Forderungen 120.000 S
Warenerlös 100.000 S
Interimskonto (für noch nicht
geschuldete Umsatzsteuer)
20.000 S
Ende Jänner des Folgejahres, wenn für die betreffende Lieferung die Umsatzsteuer
gemäß § 19 Abs. 2 Z 1 lit. a UStG 1994 dem Finanzamt gegenüber entsteht, ist der
Umsatzsteuerbetrag von 20.000 S vom Interimskonto auf das entsprechende
Verbindlichkeitenkonto umzubuchen.
4.6.1.7 Forderungsabschreibung
742
Sind Forderungen aus Lieferungen und sonstigen Leistungen abzuschreiben, weil die
Forderungen uneinbringlich geworden sind, so ist der Berechnung der
Forderungsabschreibung zwar der gesamte uneinbringlich gewordene Forderungsbetrag
(also einschließlich Umsatzsteuer) zu Grunde zu legen. Es ist aber zu beachten, dass der
leistende Unternehmer in Höhe der auf den Forderungsausfall entfallenden Umsatzsteuer

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eine Berichtigung (Minderung) der Umsatzsteuerverbindlichkeit vorzunehmen hat
(§ 16 Abs. 3 UStG 1994).
Voraussetzung für eine solche Minderung der Umsatzsteuerverbindlichkeit ist jedoch, dass
der Forderungsverlust nachweislich bereits eingetreten ist. Aus § 16 Abs. 3 UStG 1994 in
Verbindung mit § 16 Abs. 1 UStG 1994 kann abgeleitet werden, dass für die Minderung der
Umsatzsteuerverbindlichkeit der Zeitpunkt maßgeblich ist, in dem die Abschreibung der
uneinbringlich gewordenen Forderung vorgenommen wird.
Beispiel:
Eine uneinbringlich gewordene Forderung beträgt 120.000 S (davon 20.000 S
Umsatzsteuer). 100.000 S sind über Aufwand und 20.000 S auf
Umsatzsteuerverbindlichkeit (Soll) zu buchen.
743
Auch bei Wertberichtigungen zu Forderungen, die der Steuerpflichtige für erfahrungsgemäß
zu erwartende, aber noch nicht tatsächlich eingetretene Forderungsverluste vornimmt
(Delkredere), wirkt sich die auf den zu erwartenden Forderungsausfall entfallende
Umsatzsteuer wirtschaftlich betrachtet nicht gewinnmindernd aus (VwGH 23.11.1977,
2400/77). Demnach ist die zu erwartende Minderung der Umsatzsteuerverbindlichkeit aus
dem zu erwartenden Forderungsausfall auf einem Interimskonto im Soll zu erfassen oder
einfachheitshalber bei der Berechnung des Delkredere vom dubiosen Forderungsbetrag ohne
Umsatzsteuer auszugehen.
Beispiel:
Eine dubiose Forderung von 100.000 S zuzüglich 20.000 S Umsatzsteuer = 120.000 S
ist zur Hälfte wertzuberichtigen; diese Wertberichtigung wirkt sich nur in Höhe von
50.000 S (50% von 100.000 S) gewinnmindernd aus. Erfolgt aber im Beispielsfall die
50% betragende Wertberichtigung von der Gesamtforderung von 120.000 S, so sind
50.000 S über Aufwand und 10.000 S über Interimskonto (Soll) zu buchen.
4.6.2 Auswirkungen bei Gewinnermittlung durch Einnahmen-Ausgaben-
Rechnung
4.6.2.1 Allgemeines
744
Bei der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung stehen die Bruttoverrechnung und die
Nettoverrechnung als Möglichkeiten der Umsatzsteuer-Verrechnung zur Verfügung.
4.6.2.2 Das Bruttosystem
745

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Nach den Grundsätzen des § 19 EStG 1988 ist die von einem Einnahmen-Ausgaben-Rechner
in Rechnung gestellte Umsatzsteuer im Zeitpunkt der Vereinnahmung als Betriebseinnahme
und im Zeitpunkt der Abfuhr an das Finanzamt als Betriebsausgabe zu behandeln.
Die dem Einnahmen-Ausgaben-Rechner von seinen Vorlieferanten in Rechnung gestellten
abziehbaren Vorsteuerbeträge sind im Zeitpunkt der Bezahlung Betriebsausgaben und im
Zeitpunkt der Verrechnung mit dem Finanzamt Betriebseinnahmen.
Die Zahllast des Voranmeldungszeitraumes ist somit bei Bezahlung eine Betriebsausgabe,
eine allfällige Gutschrift für einen Voranmeldungszeitraum stellt eine Betriebseinnahme dar.
Da Vereinnahmung und Verausgabung oft in verschiedenen Veranlagungszeiträumen liegen,
kommt es beim Bruttosystem, anders als beim Bilanzierer, praktisch immer zu
Periodenverschiebungen. Die Umsatzsteuer hat daher keinen Durchlaufcharakter.
4.6.2.2.1 Vorsteuer bei Anlagevermögen
746
Die abziehbaren Vorsteuerbeträge gehören nicht zu den Anschaffungs(Herstellungs-)kosten
der Wirtschaftsgüter, auf die sie entfallen und sind entsprechend Rz 745 zu behandeln.
Dieser Grundsatz hat jedoch nur bei der Anschaffung (Herstellung) von
aktivierungspflichtigen Anlagegütern praktische Bedeutung. In diesem Fall werden die
abziehbaren Vorsteuern von den Anschaffungs-(Herstellungs-)Kosten, die nur im Wege der
AfA abgesetzt werden können, getrennt und bei Bezahlung als Betriebsausgabe abgesetzt.
Beispiel:
Eine Unternehmerin, die ihren Gewinn durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermittelt,
kauft eine Maschine. Es werden ihr 10.000 S als Kaufpreis und 2.000 S als
Umsatzsteuer in Rechnung gestellt. Als Anschaffungskosten sind 10.000 S anzusetzen.
Die in Rechnung gestellte Umsatzsteuer von 2.000 S stellt nach Maßgabe der
Bezahlung eine Betriebsausgabe dar. Bei Verrechnung mit dem Finanzamt führt sie zu
einer Verringerung der Umsatzsteuerzahllast und damit zu einer Minderung der
Betriebsausgabe bzw. unter Umständen auch zu einer Gutschrift, die dann als
Betriebseinnahme zu behandeln ist.
Geringwertige Wirtschaftsgüter siehe Rz 740.
4.6.2.2.2 Vorsteuer bei Umlaufvermögen
747
Bei Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens können die Bruttobeträge der
Anschaffungs(Herstellungs-)kosten als Betriebsausgabe abgezogen werden.
4.6.2.2.3 Fälle mit nicht abzugsfähiger Vorsteuer
748

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Soweit die bei Anschaffung oder Herstellung eines Wirtschaftsgutes des Anlagevermögens in
Rechnung gestellte Vorsteuer nicht abzugsfähig ist, gelten die Ausführungen in Rz 737 ff in
gleicher Weise für Einnahmen-Ausgaben-Rechner.
749
Soweit die für Umlaufvermögen in Rechnung gestellte Vorsteuer nicht abziehbar ist, gelten
die Ausführungen in Rz 747; lediglich die Verrechnung der Umsatzsteuer mit dem Finanzamt
unterbleibt, sodass sich daraus keine Betriebseinnahme ergibt.
Beispiel:
Vorsteuern in Zusammenhang mit der Anschaffung, der Miete und dem Betrieb
bestimmter Kraftfahrzeuge: Handelt es sich dabei um ein Anlagegut, kommt es zur
Aktivierung des Gesamtkaufpreises, handelt es sich um Umlaufgüter sowie um
laufende Betriebsausgaben, führt die Bezahlung insgesamt zu Betriebsausgaben.
4.6.2.2.4 Anzahlungen
750
. Anzahlungen oder Vorauszahlungen für Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens sind im
Zeitpunkt der Leistung der Anzahlung voll als Betriebsausgabe absetzbar.
. Die in Anzahlungen und Vorauszahlungen des Anlagevermögens enthaltene
Umsatzsteuer kann (seit 1995) im Zeitpunkt der Leistung der Anzahlung als
Betriebsausgabe abgesetzt werden, wenn über die Anzahlung oder Vorauszahlung eine
ordnungsgemäße Rechnung vorliegt.
. Bei Ratenzahlungen eines bereits gelieferten Wirtschaftsgutes des Anlagevermögens
wäre davon auszugehen, dass in jeder einzelnen Ratenzahlung anteilige
Umsatzsteuerbeträge enthalten sind, sodass der Abzug der Umsatzsteuer jeweils nur
anteilig erfolgen könnte. Aus Vereinfachungsgründen wird es aber zugelassen, mit der
(den) ersten Rate(n) die Umsatzsteuer, wenn eine diesbezügliche Vereinbarung vorliegt
und diese auch eingehalten wird, vorweg zu begleichen und damit bereits in diesem
Zeitpunkt die Umsatzsteuer als Betriebsausgabe abzusetzen.
4.6.2.2.5 Eigenverbrauch
751
Beim Eigenverbrauch sind die Entnahmen ohne Umsatzsteuer zu verrechnen. Die auf die
Entnahmen entfallenden Umsatzsteuerbeträge dürfen nicht als Betriebsausgaben geltend
gemacht werden. Daher sind die Steuerbeträge, die als Zahllast an das Finanzamt bezahlt
werden, bzw. die Umsatzsteuer-Gutschriften, um die auf den Eigenverbrauch entfallende
Umsatzsteuer zu berichtigen.
752

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Dies gilt nicht,
. wenn der Eigenverbrauch Betriebsausgabe ist, bspw. bei den begünstigten Sachspenden
gemäß § 4 Abs. 4 Z 5 EStG 1988 (siehe Rz 732 f),
. in Fällen, in denen die Umsatzsteuer beim Betriebsvermögensvergleich gewinnwirksam
wird, tritt auch beim Einnahmen-Ausgaben-Rechner eine Gewinnwirkung ein, bspw.
Eigenverbrauch durch Auslandsleistungen gemäß § 1 Abs. 1 Z 2 lit. b UStG 1994 (siehe
Rz 732 f).
4.6.2.3 Das Nettosystem
753
Die Umsatzsteuer, die wie ein durchlaufender Posten (§ 4 Abs. 3 dritter Satz EStG 1988)
behandelt wird, bleibt sowohl auf der Einnahmen- als auch auf der Ausgabenseite außer
Ansatz. Alle Einnahmen und Ausgaben werden daher nur netto angesetzt. Das Nettosystem
ist nur bei solchen Steuerpflichtigen zulässig, bei denen die Umsatzsteuer grundsätzlich
Durchlaufcharakter haben kann.
754
Nettoverrechnung ist nicht möglich:
. In Fällen, in denen ein Unternehmer unecht steuerbefreite Umsätze tätigt, die mit nicht
abziehbaren Vorsteuern zusammenhängen.
. In Fällen der Inanspruchnahme einer Vorsteuerpauschalierung (VwGH 21.12.1999,
95/14/0005), ausgenommen, wenn die Vorsteuerpauschalierung nach
§ 14 Abs. 1 Z 1 UStG 1994 in Anspruch genommen und gleichzeitig die Pauschalierung
nach § 17 Abs. 1 bis 3 EStG 1988 angewendet wird.
755
Nebengebühren der Umsatzsteuer, wie Säumniszuschläge und Stundungszinsen, bleiben
auch im Bereich der Nettomethode als Betriebsausgaben abzugsfähig.
4.6.2.3.1 Anlagegüter
756
Anlagegüter sind, wenn die Vorsteuer abzugsfähig ist, mit den Nettowerten zu aktivieren. Ist
die Vorsteuer nicht abzugsfähig (zB bei bestimmten Kraftfahrzeugen), dann ist sie als Teil
der Anschaffungs-(Herstellungs-)Kosten zu aktivieren.
4.6.2.3.2 Umlaufgüter
757
Betriebsausgaben stellen nur die verausgabten Nettobeträge dar, die Umsatzsteuer für
Umlaufgüter ist außer Ansatz zu lassen. Hat die Umsatzsteuer keinen Durchlaufcharakter,

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dann ist sie bei der Verausgabung als Betriebsausgabe abzuziehen. Diese Ausführungen
gelten auch bei den laufenden Betriebsausgaben.
4.6.2.3.3 Anzahlungen
758
Anzahlungen und Ratenzahlungen sind um die darin enthaltenen (abziehbaren)
Vorsteuerbeträge zu bereinigen.
4.6.2.3.4 Umsatzsteuerverrechnung mit dem Finanzamt
759
Alle Einnahmen- und Ausgabenpositionen, die aus der Umsatzsteuerverrechnung mit dem
Finanzamt resultieren, bleiben unberücksichtigt. Umsatzsteuergutschriften sind keine
Einnahmen, die an das Finanzamt entrichteten Zahlungen keine Ausgaben. Letzteres gilt
auch für die Umsatzsteuersondervorauszahlung (VwGH 18.2.1999, 97/15/0211). Entnahmen
sind, wie beim Bruttosystem, netto anzusetzen. Eine Korrektur der Zahllast um die darin
enthaltene Umsatzsteuer ist nicht erforderlich.
4.6.2.4 Wechsel der Verrechnungsmethode
760
Der Steuerpflichtige ist bei der von ihm gewählten Verrechnungsmethode an keinen
Mindestzeitraum gebunden. Ein Wechsel während des laufenden Wirtschaftsjahres ist aber
ausgeschlossen. Beim Übergang von der Bruttoverrechnung zur Nettoverrechnung ist zu
beachten, dass Zahllasten bzw. Gutschriften für den Zeitraum der Bruttoverrechnung, die
erst im Folgejahr zu einer Verausgabung bzw. Vereinnahmung führen (also idR die
Vorauszahlungen bzw. Gutschriften für November und Dezember bzw. für das vierte
Kalenderviertel), als Betriebsausgaben bzw. Betriebseinnahmen anzusetzen sind. Auch später
anfallende Einnahmen und Ausgaben, die sich auf Geschäftsvorfälle vor dem Übergang
beziehen, sind weiterhin brutto zu verrechnen.
761
Daraus ergibt sich insbesondere Folgendes:
. Wird Umsatzsteuer (Vorsteuer), die vor dem Übergangsstichtag bezahlt und als
Betriebsausgabe verrechnet wurde, erst nach dem Übergangsstichtag vom Finanzamt
gutgeschrieben, so ist im Zeitpunkt der Gutschrift ein dieser Umsatzsteuer (Vorsteuer)
entsprechender Betrag als Betriebseinnahme zu verrechnen.
. Wird Umsatzsteuer (Vorsteuer), die vor dem Übergangsstichtag vom Finanzamt
gutgeschrieben und als Betriebseinnahme verrechnet wurde, erst nach dem

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Übergangsstichtag bezahlt, so ist im Zeitpunkt der Bezahlung ein dieser Umsatzsteuer
(Vorsteuer) entsprechender Betrag als Betriebsausgabe zu verrechnen.
. Für die vor dem Übergangsstichtag vereinnahmte und als Betriebseinnahme verrechnete
Umsatzsteuer, die erst nach dem Übergangsstichtag an das Finanzamt entrichtet wird, ist
im Zeitpunkt der Entrichtung an das Finanzamt ein entsprechender Betrag als
Betriebsausgabe zu verrechnen.
. Bei Versteuerung nach vereinbarten Entgelten ist in Höhe der für einen Zeitraum vor dem
Übergangsstichtag an das Finanzamt entrichteten und als Betriebsausgabe verrechneten
Umsatzsteuer, die erst nach dem Übergangsstichtag vereinnahmt wird, im Zeitpunkt der
Vereinnahmung ein entsprechender Betrag als Betriebseinnahme zu verrechnen.
762
Sinngemäß ist beim Übergang von der Nettoverrechnung zur Bruttoverrechnung vorzugehen.
Randzahlen 763 bis 1000: derzeit frei

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5 Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben
5.1 Betriebseinnahmen (inklusive Sanierungsgewinn)
5.1.1 Grundsätzliches
5.1.1.1 Betriebseinnahmen allgemein
1001
Der Begriff der Betriebseinnahmen ist gesetzlich nicht geregelt. Zur Auslegung sind daher die
§§ 4 Abs. 4 und 15 EStG 1988 heranzuziehen. Betriebseinnahmen sind betrieblich
veranlasste Wertzugänge in Geld oder geldwerten Vorteilen (VwGH 17.10.1991,
89/13/0261). Dabei genügt ein mittelbarer Zusammenhang mit den betrieblichen Vorgängen,
auch ein widerrechtlicher Bezug hindert die Einnahmenqualität nicht (VwGH 17.1.1989,
88/14/0010). Einnahmen aus der Veräußerung von Waren, die Gegenstand des
Handelsgewerbes sind, gelten als Betriebseinnahmen (VwGH 4.11.1948, 0241/46:
widerlegbare Vermutung). Ideelle Vorteile und fiktive Einnahmen sind nicht anzusetzen.
Einnahmen, die mit nichtabzugsfähigen Ausgaben (§ 20 EStG 1988) in unmittelbarem
Zusammenhang stehen, stellen - ausgenommen endbesteuerte und mit dem besonderen
Steuersatz von 25% zu versteuernde Kapitalerträge - keine Betriebseinnahmen dar.
1002
§ 15 Abs. 2 EStG 1988 über die Bewertung von Sachbezügen gilt analog für nicht in Geld
bestehende Einnahmen. Die (Sachbezugs-)Verordnung BGBl. II Nr. 416/2001 ist nicht
unmittelbar anwendbar (VwGH 31.3.2005, 2002/15/0029). Sofern keine erheblichen
Abweichungen vom üblichen Mittelpreis des Verbrauchsortes vorliegen, bestehen keine
Bedenken, einer Schätzung des ortsüblichen Mittelpreises die Werte laut (Sachbezugs-
)Verordnung zu Grunde zu legen. § 6 Z 9 lit. b EStG 1988 ist für den unentgeltlichen Erwerb
anwendbar. § 4 Abs. 6 EStG 1988 und § 19 Abs. 3 EStG 1988 gelten für den Bereich der
Betriebseinnahmen nicht (VwGH 24.10.1995, 95/14/0057; vgl. Rz 1392 f). Betriebliche
Wertzugänge müssen nicht Entgelt iSd Umsatzsteuergesetzes sein.
1003
Betrieblich veranlasst sind auch Einnahmen aus
. Hilfsgeschäften (sie kommen im Gefolge von Grundgeschäften vor und ermöglichen
diese) sowie
. Nebengeschäften (sie kommen im Randbereich von Grundgeschäften vor und gehören
eigentlich zu einem anderen Tätigkeitsbereich).
Beispiele für Hilfsgeschäfte:

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Veräußerung von Anlagen (VwGH 26.4.1989, 89/14/0004, betreffend Abverkauf von
Grundstücken bei einem landwirtschaftlichen Betrieb, wenn dessen Erhaltung den
Abverkauf erzwingt); Veräußerung von Fachbüchern eines Rechtsanwaltes;
Veräußerung des Kundenstocks eines Versicherungsvertreters.
Vermietung von Anlagegütern.
Abfindung für Praxisräume eines Arztes.
Beispiele für Nebengeschäfte:
Kreditvermittlung durch Grundstücksmakler.
Gelegentliche Überlassung des Betriebsfahrzeuges.
5.1.1.2 Einnahmen vor Betriebseröffnung und nach der Betriebsaufgabe
1004
Betriebliche Einnahmen können schon in der Gründungsphase des Betriebes und nach der
Beendigung des betrieblichen Geschehens anfallen. Die Wertzugänge müssen durch den
zukünftigen bzw. beendeten Betrieb veranlasst sein (zB Veräußerung von Betriebsmitteln vor
Aufnahme der werbenden Tätigkeit; Betriebssteuer, die nach der Aufgabe des Betriebes
gutgeschrieben wird - VwGH 17.3.1976, 1534/75).
Siehe dazu auch Rz 6895 ff.
5.1.2 Sanierungsgewinne
Siehe dazu Rz 7250 ff.
Randzahlen 1005 bis 1023: derzeit frei
5.1.3 Betriebseinnahmen und Gewinnermittlung
1024
Der Betriebseinnahmenbegriff hat grundsätzlich bei allen Gewinnermittlungsarten denselben
Inhalt und umfasst sämtliche Einnahmen, die der betrieblichen Sphäre zuzurechnen sind
(VwGH 27.5.1987, 84/13/0265). Es ergeben sich aber unterschiedliche Auswirkungen in
zeitlicher Hinsicht.
5.1.3.1 Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 und § 5 EStG 1988
1025
Betriebseinnahmen sind alle betrieblich veranlassten Betriebsvermögenserhöhungen; sie
liegen nicht beim Zufluss, sondern bei abgeschlossener Leistungserbringung vor. Diese kann
vor oder nach dem Zufluss gegeben sein (Honorarvorschuss und Leistung noch nicht
vollendet, daher keine Einnahme, weil dem Zugang gleichzeitig eine Verbindlichkeit auf
Erbringung der Leistung gegenüber steht).

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5.1.3.2 Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
5.1.3.2.1 Allgemeines
1026
Erfasst sind alle laufenden Einnahmen, Vorschüsse und geldwerten Güter. Forderungen aus
Lieferungen oder Leistungen sind im Zeitpunkt der Vereinnahmung Betriebseinnahme. Bei
einer Aufrechnung fließt der Forderungsbetrag im Zeitpunkt des Wirksamwerdens zu. Bei
einer einseitigen Aufrechnungserklärung (Klient eines Rechtsanwaltes erklärt sich
einverstanden mit der Abdeckung von Honorarforderungen durch Treuhanderläge) tritt im
Zeitpunkt des Zuganges die Tilgung und der Zufluss ein (VwGH 14.9.1993, 93/15/0009).
Bestände werden nicht berücksichtigt. Entnahmen von Waren, Erzeugnissen, Nutzungen und
Leistungen erhöhen wie Betriebseinnahmen den Gewinn (VwGH 5.5.1961, 2497/60 und
VwGH 18.1.1963, 1520/62).
1027
Maßgeblich ist der Geldfluss im Rahmen des Betriebes (VwGH 18.1.1983, 82/14/0076); ein
Geldeingang auf Grund eines "Vorvertrages" ist zunächst Einnahme, auch wenn der Kauf
letztendlich nicht zu Stande kommt.
5.1.3.2.2 Sonderfälle
1028
Hinsichtlich der Vorgangsweise im Bereich verschiedener Sondertatbestände (zB Ansatz der
Umsatzsteuer, Einnahme eines Sachwertes der Umlaufvermögen darstellt, Tausch, Erlass von
Verbindlichkeiten, Kursgewinne aus Fremdwährungsdarlehen) siehe Rz 658 ff und 731 ff.
5.1.3.3 Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen gemäß § 17 EStG 1988
1029
Die Betriebseinnahmen sind wie bei der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung aufzuzeichnen.
Siehe dazu Rz 4101 ff.
5.1.4 ABC der Betriebseinnahmen
Abfindungen
1030
Der Grund für das Entstehen des Anspruches muss in der betrieblichen Sphäre liegen:
Verzicht auf eine Firmenbezeichnung (VwGH 29.3.1978, 0652/77), Entgelt für Verzicht auf
Vorkaufsrecht eines Baumaterialienhändlers, da das Recht notwendiges Betriebsvermögen
darstellt (VwGH 25.2.1970, 1099/68).
Ablösezahlungen
1031

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Die Aufgabe oder Abtretung von Rechten (zB von Mietrechten) oder die Beschaffung von
Ersatzmöglichkeiten gehört zu den Einnahmen (siehe auch Rz 6804 ff).
Beispiele:
Die Absiedlungsbeihilfe einer Gemeinde ist Einnahme (VwGH 29.10.1974, 1141/74);
siehe dazu auch VwGH 12.2.1965, 0575/64 betreffend Freimachung eines Bauareales
durch den Magistrat).
Die Investitionsablöse für die Weitergabe eines angemieteten Werkstättenlokales ist
Einnahme, wenn das Lokal in der Absicht angemietet wurde, es als Werkstätte zu
nutzen (es aber in der Folge nicht in dieser Weise verwendet) und an eine
Nachmieterin abgegeben wird.
Anschlussgebühren bzw. Baukostenzuschüsse
1032
Einmalige Abschlussgebühren bzw. Baukostenzuschüsse, die nicht eine in der Art eines
Dauerschuldverhältnisses zeitraumbezogene Leistung (mit)abgelten, dürfen nicht passiv
abgegrenzt werden (VwGH 18.12.1996, 94/15/0148; VwGH 29.10.2003, 2000/13/0090).
Soweit Anschlussgebühren bzw. Baukostenzuschüsse zum Teil auch das Entgelt für die
Einräumung eines Benützungs- bzw. Bezugsrechtes darstellen, sind sie nicht sofort zur Gänze
als Einnahme zu erfassen, sondern auf den Zeitraum der Einräumung des Nutzungsrechtes
(Vertragsdauer), höchstens jedoch auf 20 Jahre passiv abzugrenzen. Dies gilt insbesondere
für Anschlussgebühren bzw. Baukostenzuschüsse für einen Anschluss an das
Versorgungsnetz eines Energieversorgungsunternehmens, weil der Leistungsempfänger mit
dem Anschluss an das Versorgungsnetz auch ein langfristiges Versorgungsrecht erwirbt
(siehe auch Rz 2404).
Besserungsvereinbarungen
1033
Wurde ein Besserungsanspruch mit seinem niedrigeren Teilwert angesetzt, sind
Rückzahlungen des Besserungskapitals ab dem Überschreiten des niedrigeren Teilwertes
ertragswirksam (siehe Rz 2382 ff).
Betriebssteuern
1034
Rückzahlungen von als Betriebsausgaben abgesetzten Betriebssteuern sind im
Gutschriftszeitraum Betriebseinnahmen (VwGH 20.4.1993, 93/14/0001; nach Beendigung
des Betriebes liegen nachträgliche Einkünfte vor - siehe dazu Rz 6895 ff), ebenso
Gutschriften nach einer Rechtsmittelentscheidung (VwGH 11.5.1976, 0851/76). Bei
nachgesehenen Betriebs- und Personensteuern sind die Betriebssteuern herauszurechnen
(VwGH 26.1.1962, 2628/59 und VwGH 19.6.1962, 1120/60).

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Betriebsunterbrechungsversicherung
1034a
Zahlungen aus einer Betriebsunterbrechungsversicherung (zu Prämienzahlungen siehe Rz
1271) stellen Betriebseinnahmen dar (VwGH 26.07.2007, 2006/15/0263).
Betrügerisch erlangte Vorteile
1035
Fremdwarenbezüge (zB Kosmetika) eines Arztes aus fingierten Rezepten sind als Einnahme
anzusetzen (VwGH 17.1.1989, 88/14/0010).
Brauereivergütung
1036
Die Zuwendung ist ein Darlehen, soweit auf übliche Rabatte verzichtet wird und der Betrag
bei Verletzung des Vertrages rückgefordert werden kann. Nur der nicht als Darlehen
verbleibende Anteil ist als Gegenleistung anzusehen (VwGH 29.9.1987, 87/14/0086
betreffend § 4 Abs. 3 - Ermittler). Ein einmaliger Betrag für eine zehnjährige
Bezugsverpflichtung ist bei einem Einnahmen-Ausgaben-Rechner im Zuflussjahr zu
versteuern (VwGH 24.10.1995, 95/14/0057), sofern kein Darlehen vorliegt. Ein Bilanzierer
kann (§ 4 Abs. 1 - Ermittler) bzw. muss (§ 5 - Ermittler) den Vergütungsbetrag auf die
Laufzeit abgrenzen. Die Überlassung von Stühlen ist geldwerter Vorteil (siehe auch unter
Tausch).
Durchlaufende Posten
1037
sind Beträge, die der Unternehmer im Namen und für Rechnung eines anderen vereinnahmt
und verausgabt. Durchlaufende Posten scheiden aus der Gewinnermittlung aus, und zwar
auch dann, wenn keine gesonderten Konten geführt werden (VwGH 6.11.1991, 89/13/0049).
§ 4 Abs. 3 zweiter Satz EStG 1988 gilt unabhängig von der Gewinnermittlungsart.
Entscheidend ist, dass jemand für Rechnung eines anderen tätig wird. Zur Frage
vereinnahmter Gelder gemäß § 19a Rechtsanwaltsordnung siehe unter "Rechtsanwalt".
Entschädigungen
1038
können Betriebseinnahmen sein, siehe dazu Rz 6804 ff.
Ersatzleistungen
1039
An Stelle vertraglicher Leistungen erbrachte Ersatzleistungen sind Einnahmen: zB Zahlung
eines Pönales für die Nichteinräumung eines vertraglich vereinbarten Vertriebsrechtes
(VwGH 20.5.1970, 0055/69).

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Euro-Einführung
1040
Siehe "Kursgewinne" (siehe Rz 1050).
Fremdgelder
1041
sind grundsätzlich Durchlaufposten. Dies gilt nicht, wenn die Berechtigung besteht, über die
Gelder zu verfügen (VwGH 7.7.1971, 0140/69) oder wenn tatsächlich wie über eigenes Geld
verfügt wird (zB Veruntreuung und Verwendung für Schuldenrückzahlung). Vorschüsse für
künftige Leistungen sind - auch bei späterer Abtretung an einen Substituten - keine
Fremdgelder.
Geschenke
1042
Über bloße Aufmerksamkeiten hinausgehende Zuwendungen von Geschäftsfreunden bzw.
Kunden oder Patienten sind Einnahmen (Urlaubsreisen, Sach- oder Geldzuwendungen).
Siehe weiters Incentive-Reise, Rz 4818.
Gesellschaftsanteile
1043
Siehe unter "Wertpapiere" (siehe Rz 1074).
Gratisflüge und ähnliche Zuwendungen
1044
Werden seitens der Betriebsgesellschaft eines Flughafens Flugtickets unentgeltlich
überlassen (zB Kauf der Tickets, um den Fluglinien einen Rabatt auf die Landegebühren
einzuräumen), so ist die steuerliche Beurteilung dieses Vorganges je nach dem
Empfängerkreis vorzunehmen:
. Bei Aufsichtsräten der Betriebsgesellschaft sind die Flüge Teil der
Aufsichtsratsvergütungen. Bei Personen, die den Aufsichtsräten nahe stehen, sind die
Flüge dem Aufsichtsrat zuzurechnen.
. Bei Dienstnehmern der Betriebsgesellschaft sind die Tickets als Teil des Arbeitslohnes zu
werten und gemäß § 25 EStG 1988 steuerpflichtig. Dem Dienstnehmer sind auch die
Flüge nahe stehender Personen zuzurechnen.
. Bei Personen, die für den Erhalt der Tickets eine Gegenleistung erbracht haben, stellen
die Gratisflüge Werklohn (Honorar) für erbrachte Leistungen dar und sind je nach
Leistungsinhalt unter die Einkunftstatbestände des EStG 1988 zu subsumieren (bei nahe
stehenden Personen gilt dasselbe wie bei Dienstnehmern).

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. Stehen die Personen einem Gesellschafter der Betriebsgesellschaft nahe (in der
Verwaltung der Beteiligung eingesetzte Arbeitnehmer eines Gesellschafters), stellen die
Flüge eine verdeckte Ausschüttung an eine dem Gesellschafter nahe stehende Person
dar. Derartige Ausschüttungen sind dem Gesellschafter zuzurechnen.
. Bei Empfängern, die keine unmittelbare Nahebeziehung zur Betriebsgesellschaft oder
einem ihrer Gesellschafter aufweisen (zB Sportvereine, Freiflüge im Rahmen von
Tombolas), fällt die Zuwendung unter keine Einkunftsart EStG 1988 (freigiebige
Zuwendungen).
Die Gratisflüge sind beim Vorteilsempfänger gemäß § 15 Abs. 2 EStG 1988 mit jenem Wert
anzusetzen, der dem üblichen Mittelpreis des Verbrauchsortes entspricht (keine Bedenken
gegen den Ansatz mit den tatsächlichen Kosten).
Die angeführten steuerlichen Grundsätze sind auch auf ähnliche Zuwendungen im
Wirtschaftsverkehr zwischen Geschäftspartnern beziehungsweise Arbeitnehmern
anzuwenden (zB Zurverfügungstellung von Autos für private Fahrten an Sportjournalisten
durch Autohändler). Siehe auch Stichwort "Unentgeltliche Überlassung von Kraftfahrzeugen".
Hilfsgeschäfte
1045
Siehe Rz 1003.
Inflationsgewinne
1046
Inflationsgewinne stellen Einnahmen dar (siehe auch VwGH 17.9.1975, 0353/75).
Inkassobüros
1047
Die von einem bilanzierenden Inkassobüro dem Schuldner im Falle der Beachtung der
Grundsätze der Bundeswirtschaftskammer in Rechnung gestellten Spesen sind mangels
Rechtsanspruches nicht als Forderung auszuweisen, sondern erst mit dem tatsächlichen
Eingang als Betriebseinnahmen zu erfassen. Dies wird auch in Fällen eines ausdrücklichen
Schuldanerkenntnisses anzunehmen sein, da der Teilwert einer solchen Forderung des
Inkassobüros nach den Erfahrungen in dieser Berufsgruppe mit Null anzusetzen ist. Die dem
Auftraggeber des Inkassobüros sofort nach Auftragserteilung in Rechnung gestellten
Gebühren sind als Forderungen auszuweisen und damit Betriebseinnahmen. Mit dem
Auftraggeber vereinbarte Erfolgsprovisionen können erst mit Eintritt des Erfolges (mit einer
Zahlung seitens des Schuldners) Forderungscharakter annehmen und sind in diesem
Zeitpunkt als Betriebseinnahmen zu erfassen.

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Investmentfondsanteile im Betriebsvermögen
1048
Siehe InvFR 2008 Rz 177 ff
Konventionalstrafen
1049
sind in der betrieblichen Sphäre Betriebseinnahmen.
Randzahl 1050: entfällt
Nachsicht, Nachlass
1051
betrieblicher Schulden ist Einnahme, soweit hierfür nicht private Gründe vorliegen.
Nebengeschäfte
1052
Siehe Rz 1003.
Personensteuern
1053
Gutschriften, Erstattungen und Nachsichten sind keine Einnahmen (Einkommensteuer,
Vermögensteuer, Erbschafts- und Schenkungssteuer usw.), das gilt auch für ausländische
Personensteuern - siehe analog Abzugsverbot des § 20 EStG 1988 (siehe Rz 4847 ff).
Preise
1054
Einnahmen liegen bei von einer Jury verliehenen Preisen im Rahmen eines Wettbewerbes auf
Grund einer Leistungsqualifikation (zB Architektenwettbewerb) vor, auch wenn keine
Gegenleistung vereinbart ist. Gleiches gilt bei Preisausschreiben aus geschäftlichen Motiven
(zB Schaufensterwettbewerb mit Verlosung einer [Incentive-]Reise).
Keine Einnahmen liegen vor bei
. Preisen in Würdigung der Persönlichkeit oder des Schaffens (Literaturpreis, Nobelpreis),
. Preisen durch Einsatz von Allgemeinwissen (Fernsehquiz).
Siehe auch Rz 101.
Hinsichtlich der Steuerbefreiung für Preise nach dem Kunstförderungsgesetz siehe Rz 313.
Rechtsanwalt
1055
Die Einnahme von Beträgen, die auf Eintreibungsmaßnahmen beim Prozessgegner oder
Drittschuldner zurückzuführen sind (§ 19a Rechtsanwaltsordnung), führt zu Einnahmen im

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Zeitpunkt des Einganges, wenn eine Verrechnung mit dem Klienten dergestalt erfolgt, dass
die Rechnungssumme von Honorarabrechnungen um die einbehaltenen Beträge gekürzt
wird. Die bezeichneten Beträge sind keine Fremdgelder.
Reise
1056
Siehe Rz 4818.
Rentenverpflichtung
1057
Siehe Rz 7001 ff.
Rückgängigmachung von Betriebsausgaben
1058
Die Rückgängigmachung bzw. Rückzahlung von Betriebsausgaben führt zu Einnahmen.
Beispiele:
Rückgezahlte Pflichtversicherungsbeiträge (VwGH 23.10.1990, 89/14/0178, betreffend
Werbungskosten);
rückgezahlte Betriebssteuern (VwGH 7.8.1992, 91/14/0087);
gestohlenes, ausgebuchtes und wiederaufgefundenes Betriebsvermögen.
Sanierungsgewinne
1059
Sind grundsätzlich Einnahmen. Näheres siehe Rz 7250 ff.
Schadenersätze
1060
sind Einnahmen, soweit sie mit dem betrieblichen Geschehen im Zusammenhang stehen.
Beispiele:
Versicherung von Wasserschäden in der Ordination eines Facharztes - auch bei
Anmietung und Arbeit an Wänden und Decken (VwGH 17.10.1991, 89/13/0261);
Schadenersätze infolge Beratungsfehler (VwGH 8.10.1998, 97/15/0135, betr. Zahlung
eines Steuerberaters).
Die Behebung des Schadens durch eigene Arbeitsleistung ändert nichts am
Einnahmencharakter des Schadenersatzes (VwGH 20.2.1991, 90/13/0210 betr. KFZ). Der
Schadenersatz eines - mit dem Bauausführer nicht identen - Dritten (Versicherung) für
unfallbedingte Mehrkosten eines Hausumbauses führt zu keiner nachträglichen Minderung
der Anschaffungskosten des Hauses. Der Schadenersatz ist bei entsprechend betrieblicher
Nutzung des Hauses (anteilig) als Betriebseinnahme anzusehen. Dieser Betriebseinnahme

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steht die von den tatsächlichen Anschaffungskosten berechnete (anteilige) AfA als
Betriebsausgabe gegenüber (VwGH 19.3.2002, 96/14/0087, Rz 6173).
Keine Einnahmen sind Krankheits- und Heilungskosten. Weiters siehe unter
"Schmerzengeld".
Schmerzengeld
1061
Das Schmerzengeld für den Betriebsinhaber ist keine Betriebseinnahme, Schmerzengelder in
Form wiederkehrender Bezüge stellen sonstige Einkünfte gemäß § 29 Z 1 EStG 1988 dar.
Schuldnachlass
1062
Der teilweise Nachlass eines im Rahmen der Anschaffungskosten des Betriebsgebäudes
angesetzten Wohnhauswiederaufbaufondsdarlehens mindert nicht die Anschaffungskosten,
sondern ist außerordentlicher Ertrag (VwGH 19.10.1983, 82/13/0190).
Sterbegelder
1063
Sterbegelder, die ein Gesamt- oder Einzelrechtsnachfolger aus Wohlfahrtseinrichtungen der
freiberuflichen Kammern der selbstständig Erwerbstätigen bezieht, sind Einnahmen, die mit
einer ehemaligen betrieblichen Tätigkeit im Zusammenhang stehen, sodass Steuerpflicht
gemäß § 22 Abs. 1 Z 4 EStG 1988 in Verbindung mit § 32 Z 2 EStG 1988 besteht (zum
Sterbegeld aus einer Kassa der Rechtsanwaltskammer siehe VwGH 29.7.1997, 93/14/0117).
Siehe auch Rz 5299.
Stipendien
1064
Siehe LStR 2002 Rz 32 ff.
Subventionen
1065
Subventionen in Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit stellen grundsätzlich
Einnahmen dar. Allenfalls kann die Steuerbefreiung des § 3 Abs. 1 Z 6 EStG 1988 zur
Anwendung kommen.
Beispiele für steuerpflichtige Betriebseinnahmen:
Zuschüsse vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst für Personalkosten und
Investitionen einer Schauspielschule (VwGH 14.1.1981, 1562/80);
Zuschuss vom Fremdenverkehrsverband für eine Tennisanlage gegen begünstigte
Behandlung von Fremdengästen (VwGH 8.9.1992, 88/14/0076);

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"verlorener Zuschuss" von Bund und Land zur Abdeckung betrieblicher
Verbindlichkeiten (VwGH 14.12.1993, 90/14/0034).
Tausch
1066
Beim Tausch kommt § 6 Z 14 EStG 1988 (Rz 2590 ff: Bewertung mit dem gemeinen Wert
des hingegebenen Wirtschaftsgutes) zum Tragen (VwGH 16.3.1989, 88/14/0055 betreffend
Überlassung von Stühlen gegen Bierabnahmeverpflichtung, deren gemeiner Wert den
geldwerten Vorteil bildet, der als Einnahme zu erfassen ist). Das gilt nicht bei der Erbringung
von Sachleistungen gegen Dienstleistungen (GmbH-Anteile an Zahlung statt mit dem
üblichen Mittelpreis des Verbrauchsortes bewertet - VwGH 9.10.1964, 1133/64).
Treueprämie
1067
An eine Arztwitwe (siehe Rz 5301) ausgezahlte Treueprämien zählen nicht zu den
nichtselbstständigen Einkünften, sondern sind entweder als selbstständige Einkünfte oder als
sonstige Einkünfte zu erfassen (VwGH 5.11.1991, 91/14/0055).
Treuhandgelder
1068
Veruntreute Treuhandgelder, über die wie über eigenes Geld verfügt wird, stellen
Betriebseinnahmen dar.
Unentgeltliche Überlassung von Kraftfahrzeugen (zB an selbständig tätige
Vertreter oder Geschäftsführer gemäß § 22 Z 2 EStG 1988).
1069
Wird einem Steuerpflichtigen, der eine (verkaufs)beratende Tätigkeit oder eine Tätigkeit
nach § 22 Z 2 EStG 1988 selbständig ausübt, ein Kraftfahrzeug unentgeltlich überlassen, so
stellt der Vorteil aus der Zurverfügungstellung einen als Betriebseinnahme zu erfassenden
geldwerten Vorteil dar.
Wird das Kraftfahrzeug betrieblich eingesetzt, stehen der Betriebseinnahme im Umfang der
betrieblichen Nutzung Betriebsausgaben gegenüber. Das betragliche Ausmaß dieser
Betriebsausgabenpost entspricht dem Verhältnis, das sich aus der Gegenüberstellung von
betrieblichem Einsatz zum gesamten (auch privaten) Einsatz des überlassenen Fahrzeuges
ergibt. Durch den Abzug des auf die betriebliche Nutzung entfallenden Anteiles wird lediglich
der auf den privat genutzten Teil entfallende Vorteil steuerwirksam.
Die Höhe des geldwerten Vorteiles aus der Überlassung des Fahrzeuges ergibt sich
grundsätzlich aus den für das jeweilige Kraftfahrzeug dem überlassenden Unternehmen
entstandenen Aufwendungen (zB Leasingrate, Versicherung). Die vom Steuerpflichtigen aus

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Anlass von betrieblichen Einsätzen getätigten Ausgaben sind in nachgewiesener Höhe als
Betriebsausgaben zu berücksichtigen (zB Treibstoff, Instandhaltung). Der Ansatz von
Kilometergeld ist nicht zulässig.
Es bestehen keine Bedenken, wenn der (auf die Privatnutzung entfallenden) steuerwirksame
geldwerte Vorteil mit jenem Wert geschätzt wird, der sich gemäß § 4 der
Sachbezugsverordnung, BGBl. II Nr. 416/2001 (ab 2005: idF BGBl. II Nr. 467/2004) ergibt.
Beispiel:
A erhält auf Grund seiner Vertretertätigkeit ein Kraftfahrzeug zur Verfügung gestellt,
das er für betriebliche und private Fahrten verwenden kann. A fährt damit im Jahr
2000 genau 9.750 km betrieblich (das sind 65% der gesamten Jahreskilometerleistung)
und 5.250 km privat (das sind 35% der gesamten Jahreskilometerleistung).
Der betriebliche Einsatz ist durch Berücksichtigung von 65% des als Sachbezugswert
anzusetzenden Wertes als Betriebsausgabe zu berücksichtigen, sodass lediglich der auf
den privat genutzten Teil des Fahrzeuges entfallende Teil (35%) steuerwirksam wird.
Werden die für das Fahrzeug dem überlassenden Unternehmen tatsächlich
entstandenen Aufwendungen nachgewiesen, sind diese Aufwendungen (100%) als
Betriebseinnahme und der auf die betriebliche Nutzung entfallende Teil (65%) als
Betriebsausgaben zu erfassen (effektiv steuerwirksam somit 35% der nachgewiesenen
Aufwendungen).
Werden die für das Fahrzeug dem überlassenden Unternehmen tatsächlich
entstandenen Aufwendungen nicht nachgewiesen, ist der (Jahres-)Wert der (privaten)
Fahrzeugüberlassung mit 9% der tatsächlichen Anschaffungskosten des Fahrzeuges
(das ist der sich aus § 4 Abs. 2 Sachbezugsverordnung bei einer [glaubhaften]
Jahreskilometerleistung von nicht mehr als 6.000 km ergebende Jahreswert)
anzusetzen.
Zur steuerlichen Behandlung bei Inanspruchnahme der gesetzlichen Basispauschalierung
siehe Rz 4109a.
Veräußerungsgewinne
1070
Siehe Rz 5501 ff und 5801 ff.
Verdienstentgang
1071
Eine unter dem Titel Verdienstentgang erhaltene Ersatzleistung ist steuerpflichtige Einnahme
in jener Einkunftsart, die der Ausfall betroffen hätte. Nicht maßgeblich ist, ob tatsächlich ein
Verdienstausfall stattgefunden hat.
Versicherungsentschädigungen
1072
sind Einnahmen, so weit die Versicherung im Interesse des Betriebes abgeschlossen
(VwGH 11.12.1978, 0094/77, betr. Versicherung gegen Einbrüche) oder die Prämie für

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Betriebsvermögen bezahlt worden ist (VwGH 20.2.1991, 90/13/0210, betreffend
Kraftfahrzeuge).
Verzicht auf Einnahmen
1073
Keine Einnahme liegt bei von vornherein unentgeltlicher Tätigkeit vor (kostenlose
Behandlung durch einen Arzt, kostenlose Rechtsberatung durch Rechtsanwälte). Bei
zunächst entgeltlicher Tätigkeit entscheidet das Motiv (Einnahme bei Verzicht aus
außerbetrieblichen Gründen oder bei Vorausverfügung).
Wertpapiere
1074
Wertpapiere, die als Entgelt für eine betriebliche Leistung eingenommen werden, sind
Einnahmen, die mit dem tatsächlichen Wert im Zeitpunkt der Übertragung anzusetzen sind,
falls der Wert nicht mit dem Nennbetrag übereinstimmt. Für Gesellschaftsanteile gilt
dasselbe.
Wertsicherungsbeträge
1075
Werden Wertsicherungsbeträge nur bei Rückzahlung der Darlehensraten ausbezahlt und
sofort wieder dem Darlehensnehmer überlassen, sind sie durch die Vorausverfügung im
Überlassungszeitpunkt als Einnahme zugeflossen (VwGH 14.12.1988, 87/13/0030).
Wertzugänge
1076
Stellt der Wertzugang an einen nahen Angehörigen des Betriebsinhabers das Entgelt für eine
von diesem erbrachte Tätigkeit dar, liegen Betriebseinnahmen des Betriebsinhabers vor
(VwGH 12.4.1972, 2240/71, betreffend Steuerberater, der auf sein Honorar zu Gunsten einer
Beteiligung seiner Ehegattin am Unternehmen des Klienten verzichtet).
Zinsen
1077
Diese stellen Einnahmen dar, wenn sie aus betrieblichen Forderungen, Bankkonten usw.
stammen.
Zuwendungen an Geschäftsfreunde
1078
Siehe "Geschenke" (siehe Rz 1042).

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5.2 Betriebsausgaben - Allgemeines
5.2.1 Allgemeines
5.2.1.1 Begriff der Betriebsausgaben
1079
Betriebsausgaben sind gemäß § 4 Abs. 4 EStG 1988 Aufwendungen oder Ausgaben, die
durch den Betrieb veranlasst sind. Eine betriebliche Veranlassung ist gegeben, wenn die
Aufwendungen oder Ausgaben
. objektiv im Zusammenhang mit einer betrieblichen Tätigkeit stehen und
. subjektiv dem Betrieb zu dienen bestimmt sind oder den Steuerpflichtigen unfreiwillig
treffen und
. nicht unter ein steuerliches Abzugsverbot fallen.
1080
Betriebsausgaben setzen einen endgültigen Wertabgang voraus. Sie können entweder in
Geld oder Geldeswert bestehen. Auch Wertabgänge ohne Zahlung können Betriebsausgaben
sein, zB die AfA.
1081
Der Betriebsausgabenbegriff gilt gleichermaßen für unbeschränkt und beschränkt
Steuerpflichtige (VwGH 25.3.1966, 0536/65).
1082
Zur Abgrenzung sofort abzugsfähiger Betriebsausgaben von aktivierungspflichtigen
Aufwendungen siehe Rz 2186 und 2187.
1083
Zur Abgrenzung der Betriebsausgaben von den nicht abzugsfähigen Aufwendungen und
Ausgaben gemäß § 20 EStG 1988 siehe Rz 4701 ff.
5.2.1.2 Wesentliche Aspekte des Betriebsausgabenabzuges
1084
Ausgaben müssen ausschließlich oder überwiegend aus betrieblichen Gründen anfallen (vgl.
VwGH 2.10.1968, 1345/67); bedeutsam ist die Verkehrsauffassung
(VwGH 20.4.1993, 92/14/0232).
1085
Ein mittelbarer Zusammenhang mit dem Betrieb genügt für eine betriebliche Veranlassung,
ausgenommen ein persönlicher Faktor (vgl. VwGH 18.3.1986, 85/14/0156) tritt hinzu. In

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diesem Fall wird der Veranlassungszusammenhang unterbrochen (vgl.
VwGH 29.6.1995, 93/15/0112).
1086
Für die Abgrenzung zwischen den betrieblichen Kosten und den Aufwendungen der
Lebensführung ist die typisierende Betrachtungsweise maßgebend. Dabei ist von der
Lebenserfahrung, sowie einer Durchschnittseinschätzung und einem üblicherweise zu
vermutenden Geschehensablauf auszugehen (vgl. VwGH 1.2.1980, 0732/79, VwGH
14.1.1981, 2202/79). Die Betätigung und die daraus entstehende Aufwendungen müssen
einem typischen Berufsbild entsprechen (vgl. VwGH 4.4.1990, 86/13/0116, VwGH
19.5.1994, 92/15/0171).
1087
Nicht zu prüfen ist grundsätzlich die Angemessenheit, die Wirtschaftlichkeit, die
Zweckmäßigkeit oder die Notwendigkeit einer Ausgabe (ausgenommen die Regelung des
§ 20 Abs. 1 Z 2b EStG 1988 - siehe Rz 4761 ff). Unangemessenheit kann aber Indiz für eine
private Veranlassung sein (vgl. VwGH 12.1.1983, 81/13/0004).
1088
Nichteintritt des angestrebten wirtschaftlichen Erfolges hindert die Veranlassung nicht
(VwGH 18.6.1965, 0248/65). Ausnahme: Aufwendungen werden ohne Rücksicht auf den
wirtschaftlichen Nutzen getätigt (VwGH 1.12.1982, 81/13/0043). Ein Rechtsanspruch des
Empfängers ist nicht Voraussetzung für die betriebliche Veranlassung (vgl.
VwGH 11.5.1979, 0237/77 - siehe dazu Rz 4839). Freiwillige Zahlungen können betrieblich
veranlasst sein.
1089
Aufwendungen, die gegen gesetzliche oder berufsrechtliche Bestimmungen verstoßen,
können Betriebsausgabe sein (vgl. VwGH 15.12.1987, 87/14/0134); betreffend
Schmiergelder siehe Rz 4840 ff.
1090
Ersparte Ausgaben sind nicht abzugsfähig. Eine irrtümlich geleistete Nichtschuld führt zu
einem Rückforderungsanspruch, sodass (auch beim § 4 Abs. 3 EStG - Ermittler) ein
endgültiger Abgang analog zur Hingabe eines Darlehens nicht anzunehmen ist
(VwGH 1.7.1992, 91/13/0084).
1091
Aufwendungen sind nur bei demjenigen als Ausgabe zu berücksichtigen, der zur Leistung
verpflichtet ist und sie auch leistet (vgl. VwGH 16.12.1986, 85/14/0098).
1092

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Ausgaben, die keiner Einkunftsart zuzuordnen sind oder mit steuerfreien Einnahmen in
einem unmittelbaren Zusammenhang stehen, bleiben bei Ermittlung der Einkünfte außer
Ansatz (Rz 4853 ff). Auch Einnahmen, die auf Grund eines DBA von der Besteuerung im
Inland ausgenommen sind, sind nicht steuerpflichtig iSd § 20 Abs. 2 EStG 1988, damit
zusammenhängende Aufwendungen sind daher nicht abzugsfähig.
5.2.2 Aufwandszuordnung
1093
Grundsätzlich sind Aufwendungen bei dem Betrieb zu berücksichtigen, der zur Leistung
verpflichtet ist und sie auch tatsächlich leistet (VwGH 16.12.1986, 85/14/0098).
Die Ermittlung der Ausgaben erfolgt für jeden einzelnen Betrieb des Unternehmens
gesondert (Ausnahme: mehrere Betriebe sind als einheitlicher Betrieb anzusehen).
Verweigert der Abgabepflichtige die Aufteilung, verstößt er gegen die Verpflichtung, für jede
einzelne Einkunftsquelle getrennte Aufzeichnungen zu führen und verletzt damit seine
Offenlegungsverpflichtung (VwGH 20.11.1996, 89/13/0259). Eine Mischverwendung der als
Dienstnehmerin angestellten Ehegattin, führt zu einer Aufteilung der Aufwendungen auf
beide unternehmerische Tätigkeiten (VwGH 16.12.1998, 96/13/0046 - schriftstellerische
Tätigkeit und Patentanwaltskanzlei).
1094
Hängen Ausgaben sowohl mit einer betrieblichen als auch mit einer beruflichen Tätigkeit
zusammen, sind sie entsprechend aufzuteilen (VwGH 29.5.1996, 93/13/0008;
VwGH 29.5.2001, 2001/14/0090). Die Aufteilung kann sich allenfalls am Einnahmenschlüssel
orientieren (VwGH 29.5.2001, 2001/14/0090; VwGH 30.9.1987, 86/13/0080 betr.
Büromaterial, Mitgliedsbeiträge, Fachliteratur, Tagungen, Fremdleistungen, geringwertige
Wirtschaftsgüter). Ist der Abgabepflichtige mit der Aufteilung nicht einverstanden, liegt es an
ihm, entsprechende Aufteilungen nachzuweisen oder glaubhaft zu machen (VwGH
8.10.1985, 83/14/0237).
Beispiel:
Fortbildungsaufwendungen eines Arztes, der selbstständig und nichtselbstständig tätig
ist, sind im Verhältnis der erzielten Einnahmen aufzuteilen.
5.2.3 Vorweggenommene, vergebliche und nachträgliche
Betriebsausgaben
5.2.3.1 Vorweggenommene Betriebsausgaben
1095

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Aufwendungen können - auch bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern - schon vor der
Betriebseröffnung anfallen. Eine zielstrebige Vorbereitung der Betriebseröffnung muss
erkennbar sein. Dabei genügt es bereits, dass Aufwendungen zur Gewinnung der
notwendigen Betriebsmittel gemacht werden.
Beispiele:
Aufwendungen zur Anschaffung der Betriebsmittel (VwGH 6.5.1980, 3371/79);
Mietzahlungen für ein Geschäftslokal vor der Betriebseröffnung;
vorbereitende Reisen zu potenziellen Kunden.
Die Absicht der Eröffnung des Betriebes ist durch geeignete Unterlagen nachzuweisen (zB
Gewerbeanmeldung, Schriftverkehr mit potenziellen Geschäftspartnern, Einreichpläne,
Kreditvereinbarungen, Kosten-Nutzenrechnung usw.). "Absicht" ist die nach außen hin
erkennbare Manifestation in Verbindung mit der objektiven Eignung, auf Dauer gesehen
positive Ergebnisse zu erzielen.
Vorweggenommene Aufwendungen stellen keine Betriebsausgaben dar, wenn ersichtlich ist,
dass die Ziele nicht auf einen Betrieb als Einkunftsquelle gerichtet waren (VwGH 10.11.1993,
93/13/0108). Siehe weiters Rz 102 f (Liebhaberei).
Die entfernte Möglichkeit, mit den künftigen Mitgliedern eines zu gründenden Vereines in
Geschäftsbeziehungen treten zu können, verleiht den Aufwendungen für die
Vereinsgründung noch nicht die Eigenschaft von Betriebsausgaben (VwGH 27.6.2000,
95/14/0134).
5.2.3.2 Vergebliche Betriebsausgaben
1096
Die tatsächliche Eröffnung des Betriebes ist nicht notwendige Voraussetzung für die
Abzugsfähigkeit der Aufwendungen (VwGH 26.11.1979, 2846/78), das gilt gleichfalls für eine
angestrebte Geschäftsbeteiligung (VwGH 6.5.1980, 3371/79). Der Erwerb eines
Nutzungsrechtes an landwirtschaftlichen Liegenschaften ohne einen Zusammenhang mit
künftigen Einnahmen führt nicht zu abzugsfähigen Ausgaben
(VwGH 12.4.1983, 82/14/0150). Die bloße Möglichkeit der späteren betrieblichen
Verwendung eines Wirtschaftsgutes reicht für einen Abzug als Betriebsausgabe nicht aus
(VwGH 11.10.1972, 0069/72).
5.2.3.3 Nachträgliche Betriebsausgaben
1097

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Aufwendungen, die nach Beendigung des Betriebes anfallen, sind bei Vorliegen eines
Zusammenhanges mit der ehemaligen Tätigkeit als nachträgliche Betriebsausgaben
abzugsfähig. Siehe dazu auch Rz 5501 ff und 6895 ff.
5.3 Nachweis der Betriebsausgaben
5.3.1 Allgemeines (Nachweis oder Glaubhaftmachung)
1098
Der Abgabepflichtige hat dem Finanzamt über Verlangen die geltend gemachten
Aufwendungen nachzuweisen oder, wenn ihm dies nicht zumutbar ist, wenigstens glaubhaft
zu machen (§ 138 Abs. 1 BAO).
5.3.2 Nachweis
1099
Die betriebliche Veranlassung von Aufwendungen ist grundsätzlich von Amts wegen
festzustellen, wobei den Steuerpflichtigen eine Mitwirkungspflicht trifft. Der Steuerpflichtige
hat die Richtigkeit seiner Ausgaben zu beweisen (VwGH 26.9.1990, 86/13/0097).
Im Rahmen der Beweiswürdigung kann das Finanzamt von mehreren Möglichkeiten die als
erwiesen annehmen, die gegenüber allen anderen eine überragende Wahrscheinlichkeit oder
gar Gewissheit für sich hat und alle anderen Möglichkeiten weniger wahrscheinlich
erscheinen lässt. Offenkundig fingierte Ausgaben sind nicht anzuerkennen (VwGH 8.4.1992,
90/13/0132; VwGH 26.9.1990, 89/13/0239). Wer einen den Erfahrungen des täglichen
Lebens widersprechenden Sachverhalt (zB die überwiegende betriebliche Nutzung dreier
Kraftfahrzeuge durch eine Person) behauptet, hat hiefür den Nachweis zu erbringen
(VwGH 31.7.1996, 92/13/0020). Den Steuerpflichtigen trifft für von ihm behauptete
Sachverhalte, die nach dem Gesamtbild der festgestellten Gegebenheiten außergewöhnlich
und daher nicht zu vermuten sind, die Beweislast (VwGH 15.9.1988, 87/16/0165). Es kann
nicht Sache der Behörde sein, weitgehende Ermittlungen über Umstände anzustellen, für
deren Vorhandensein nach der gegebenen Sachlage nur eine geringe Wahrscheinlichkeit
besteht (VwGH 22.6.1967, 0153/65).
5.3.2.1 Belege
1100
Betriebsausgaben sind im allgemeinen durch schriftliche Belege nachzuweisen (vgl.
VwGH 29.1.1991, 89/14/0088). Gemäß § 138 Abs. 2 BAO sind Belege ("Geschäftspapiere,
Schriften und Urkunden") auf Verlangen des Finanzamtes diesem zur Einsicht und Prüfung
vorzulegen.

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Eigenbelege sind idR nur dann als Nachweis anzuerkennen, wenn nach der Natur der
Ausgabe (etwa bei auswärts geführten Telefonaten und Trinkgeldern) kein Fremdbeleg
erhältlich ist. Dies trifft zB bei Postspesen nicht zu (VwGH 7.1.1981, 0418/80). Aus dem
Eigenbeleg müssen Datum, Betrag und Grund der Zahlung, Art und Menge der gelieferten
Ware bzw. der erhaltenen Leistung ersichtlich sein. Der Zahlungsempfänger ist - soweit
möglich - konkret zu bezeichnen.
5.3.2.2 Sonstige Beweismittel
1101
Als Beweismittel kommt neben Belegen alles in Betracht, das geeignet ist, zur
Sachverhaltsermittlung beizutragen und der Erforschung der materiellen Wahrheit dient zB
Aussagen von Zeugen und Auskunftspersonen, Sachverständigengutachten oder
Augenschein.
5.3.3 Glaubhaftmachung
1102
Die Glaubhaftmachung setzt die schlüssige Behauptung aller maßgeblichen Umstände durch
den Steuerpflichtigen voraus (VwGH 26.4.1989, 89/14/0027). Ein Sachverhalt ist glaubhaft
gemacht, wenn die Umstände des Einzelfalles dafür sprechen, der vermutete Sachverhalt
habe von allen anderen denkbaren Möglichkeiten die größte Wahrscheinlichkeit für sich
(VwGH 14.9.1988, 86/13/0150). Für Aufwendungen, über die vom Empfänger auf Grund
allgemeiner Verkehrsübung keine oder meist nur mangelhafte Belege erteilt werden genügt
an Stelle eines belegmäßigen Nachweises, dass die Ausgaben bloß glaubhaft gemacht
werden (VwGH 9.12.1992, 91/13/0094).
5.3.4 Schätzung nach § 184 BAO
1103
Grundlagen für die Abgabenerhebung (zB Betriebsausgaben) sind von der Abgabenbehörde
nur insoweit zu schätzen, als sie diese Grundlagen nicht bzw. nicht genau ermitteln oder
berechnen kann (vgl. zB VwGH 5.7.1999, 98/16/0148). Ein solcher Schätzungsgrund kann
sich insbesondere dann ergeben, wenn der Abgabepflichtige über seine Angaben keine
ausreichenden Aufklärungen zu geben vermag oder weitere Auskunft über Umstände
verweigert, die für die Ermittlung der Bemessungsgrundlagen wesentlich sind.
1104
Es sind alle Umstände zu berücksichtigen, die für die Schätzung von Bedeutung sind.
Die Abgabenbehörde kann die Schätzungsmethode grundsätzlich frei wählen
(VwGH 27.4.1994, 92/13/0011, 94/13/0094; VwGH 15.5.1997, 95/15/0093;
VwGH 22.4.1998, 95/13/0191; VwGH 15.7.1998, 95/13/0286). Die Abgabenbehörde hat jene

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Methode (bzw. jene Methoden kombiniert) zu verwenden, die im Einzelfall zur Erreichung
des Zieles, nämlich der tatsächlichen Besteuerungsgrundlage möglichst nahe zu kommen,
am geeignetsten erscheint (zB VwGH 25.6.1998, 97/15/0218).
1105
Hinsichtlich der Betriebsausgaben oder bestimmter Gruppen davon (zB Reisekosten) kommt
eine Teilschätzung in Betracht. Dies kann an Hand der Werte des Betriebes in anderen
Zeiträumen (innerer Betriebsvergleich) geschehen (VwGH 26.6.1984, 83/14/0251;
VwGH 5.5.1992, 92/14/0018).
1106
Die Abgabenbehörde ist nicht verpflichtet, Aufzeichnungen, die der Abgabepflichtige zu
führen und vorzulegen hatte, zu rekonstruieren (VwGH 6.2.1992, 88/14/0080) muss jedoch
offensichtlich angefallene Ausgaben für "Schwarzarbeit" (VwGH 15.5.1997, 95/15/0093) und
"Schwarzeinkäufe" (VwGH 28.5.1997, 94/13/0200) bei einer Schätzung berücksichtigen.
1107
Der Abgabepflichtige ist auch bei der Schätzung zur Mitwirkung verpflichtet
(VwGH 17.10.1991, 91/13/0090). Im Schätzungsverfahren ist das Recht auf Parteiengehör
vor Bescheiderlassung durch Mitteilung der Basis und Art der Schätzungsmethode,
Schlussfolgerungen und Ergebnisse zu wahren. Der Partei ist ausreichend Zeit zur Äußerung
von Einwendungen zu gewähren. Es liegt am Abgabepflichtigen, sachlich begründete
Argumente gegen die Schätzungsmethode oder einzelne Elemente der Schätzung
vorzubringen (VwGH 7.6.1989, 88/13/0015). Die Abgabenbehörde muss sich mit allen
konkreten für die Schätzung relevanten Behauptungen auch dann auseinander setzen und
eventuell erforderliche ergänzende Erhebungen durchführen (VwGH 24.2.1998, 95/13/0083;
VwGH 27.5.1998, 95/13/0282, 95/13/0283).
1108
Die Begründung (§ 93 Abs. 3 lit. a BAO) hat die für die Schätzungsbefugnis sprechenden
Umstände, die Schätzungsmethode, die der Schätzung zu Grunde gelegten
Sachverhaltsannahmen (Darstellung der Berechnung) darzulegen (zB VwGH 5.7.1999,
98/16/0148).
5.3.5 Empfängerbenennung nach § 162 BAO
1109
Die Abgabenbehörde kann vom Abgabepflichtigen, der Betriebsausgaben geltend macht,
verlangen, den Gläubiger oder Empfänger der abgesetzten Beträge genau zu bezeichnen
(§ 162 Abs. 1 BAO). Die Behauptung, die Aufwendungen seien beim Empfänger nicht

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steuerpflichtig, befreit nicht von der Verpflichtung zur Empfängerbenennung (VwGH
14.5.1974, 0284/73).
Werden an Kunden Waren ohne Rechnungslegung ("Naturalrabatte") und ohne
entsprechende Lagerabgangsbelege, aus denen die Empfänger dieser Lieferungen ersichtlich
sind, geliefert, kann nur jener Wareneinsatz als Aufwand anerkannt werden, der durch
(aufbewahrte) Lagerabgangsbelege ausgewiesen ist (VwGH 31.1.2001, 98/13/0156
betreffend Lieferungen von Waren an Apothekenunternehmungen als "Naturalrabatte").
5.3.5.1 Zweck der Bestimmung
1110
Zweck der Bestimmung ist die Sicherung der Besteuerung jener Beträge beim Empfänger,
die ein anderer steuermindernd als Betriebsausgabe absetzt (VwGH 2.3.1993, 91/14/0144;
VwGH 28.5.1997, 94/13/0230). Eine schätzungsweise Ermittlung der Bemessungsgrundlagen
kommt bei Anwendung des § 162 BAO nicht in Betracht (VwGH 31.1.2001, 98/13/0156).
5.3.5.2 Ermessensübung
1111
Ob eine Aufforderung iSd § 162 BAO ergeht, liegt im Ermessen der Abgabenbehörde
(VwGH 3.6.1987, 86/13/0001). Eine Aufforderung zur Empfängerbenennung wäre
rechtswidrig, wenn der Auftrag unverschuldet (VwGH 29.11.1988, 87/14/0203;
VwGH 11.7.1995, 91/13/0154, 91/13/0186; VwGH 28.5.1997, 94/13/0230) offensichtlich
unerfüllbar (VwGH 2.3.1993, 91/14/0144) ist.
1112
In der Regel muss der Abgabepflichtige seine Geschäftsbeziehungen so einrichten, dass er
die Person des Empfängers oder Gläubigers namhaft machen kann (VwGH 2.3.1993,
91/14/0144; VwGH 28.5.1997, 94/13/0230; VwGH 28.10.1997, 93/14/0073, 93/14/0099).
Bei regelmäßig geringwertigen Einkäufen bei Privatpersonen kann es allerdings unzumutbar
sein, die Verkäufer namentlich festzuhalten, wenn es um viele laufende Geschäfte geht
(VwGH 29.11.1988, 87/14/0203).
1113
Eine Unmöglichkeit zur Empfängerbenennung kann bei Diebstahl (VwGH 10.1.1958,
1176/56) oder unverschuldetem Verlust von Unterlagen vorliegen (VwGH 19.2.1965,
0044/64). Geschäftliche Rücksichtnahmen auf den Empfänger entheben den
Abgabepflichtigen nicht von der Verpflichtung der Empfängerbenennung (zB
VwGH 14.5.1974, 0284/73; VwGH 29.11.1988, 87/14/0203).
5.3.5.3 Förmliche Aufforderung zur Empfängerbenennung
1114

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Die ausdrücklich auf § 162 Abs. 1 BAO zu stützende Aufforderung ist eine verfahrensleitende
Verfügung, die auch noch im Rechtsmittelverfahren erlassen werden kann (Bescheid gemäß
§ 94 in Verbindung mit § 244 BAO, VwGH 16.3.1988, 87/13/0252, 87/13/0253, 87/13/0254,
87/13/0255).
5.3.5.4 Zwingende Versagung der Anerkennung
1115
Kommt der Abgabepflichtige einer gesetzmäßigen Aufforderung nach § 162 Abs. 1 BAO nicht
nach, so dürfen die betreffenden Betriebsausgaben (Aufwendungen) nach § 162 Abs. 2 BAO
nicht anerkannt werden. Dies gilt auch dann, wenn die betriebliche Veranlassung
unbestritten (VwGH 30.9.1998, 96/13/0017) und die Ausgabe tatsächlich getätigt
(VwGH 7.6.1989, 88/13/0115) worden ist.
1116
Die Nennung bloß des Familiennamens (VwGH 25.11.1992, 89/13/0043), einer falschen
(VwGH 30.9.1998, 96/13/0017) oder beliebigen Person (VwGH 17.11.1982, 81/13/0194,
82/13/0036, 82/13/0037), einer Firma in einer Steueroase (VwGH 13.11.1985, 84/13/0127)
oder einer Briefkastengesellschaft (VwGH 11.7.1995, 91/13/0154, 91/13/0186), ohne die an
diesen tatsächlich Beteiligten bekannt zu geben, kann die zwingende Versagung der
Anerkennung nicht verhindern. Die Namhaftmachung einer nicht existenten GmbH bzw.
deren nicht ausforschbare Kontaktperson stellt keine hinreichende Empfängerbenennung dar
(VwGH 8.6.1988, 84/13/0069).
1117
Hat der Steuerpflichtige darauf verzichtet, die Identität des Empfängers festzustellen, oder
hat er falsche Angaben in Kauf genommen, so hat er sich die Versagung der Anerkennung
als Betriebsausgabe selbst zuzuschreiben (VwGH 28.5.1997, 94/13/0230; VwGH 28.10.1997,
93/14/0073).
1118
Die Abgabenbehörde kann in freier Beweiswürdigung trotz Namensnennung den
Betriebsausgabenabzug versagen, wenn wichtige und maßgebliche Gründe dafür sprechen,
dass die genannten Personen nicht die tatsächlichen Empfänger der strittigen Beträge sind
(VwGH 22.10.1991, 91/14/0032).
5.3.6 Nachweis von Tatsachen mit Auslandsbezug
5.3.6.1 Erhöhte Mitwirkungspflicht
1119
Die amtswegige Ermittlungspflicht stößt dort an Grenzen, wo der Behörde weitere
Nachforschungen nicht zugemutet werden können (VwGH 27.7.1994, 92/13/0140).

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1120
Der Abgabepflichtige ist gemäß § 138 BAO verpflichtet, in Erfüllung seiner
Offenlegungspflicht zur Beseitigung von Zweifeln den Inhalt seiner Anbringen zu erläutern
und zu ergänzen, sowie deren Richtigkeit unter Beweis zu stellen bzw. glaubhaft zu machen.
Handelt es sich hiebei um Sachverhalte, die ihre Wurzel im Ausland haben, so erhöht sich die
Mitwirkungs- und Offenlegungspflicht des Abgabepflichtigen nach Maßgabe seiner
Möglichkeiten in dem Maß, als die Pflicht der Behörde zur amtswegigen Erforschung des
Sachverhalts wegen Fehlens der ihr zur Gebote stehenden Mittel abnimmt (VwGH 27.1.1972,
1671/70, VwGH 17.9.1974, 1613/73; VwGH 22.1.1992, 90/13/0200; VwGH 23.2.1994,
92/15/0159).
1121
Allerdings sind auch im Rahmen der erhöhten Mitwirkungspflicht Zumutbarkeitsgrenzen zu
beachten, sodass vom Abgabepflichtigen nichts Unmögliches oder für das Abgabenverfahren
Unerhebliches verlangt werden darf.
1122
Diese erhöhte Mitwirkungspflicht bei Auslandssachverhalten (VwGH 8.4.1970, 1415/68;
VwGH 17.9.1974, 1613/73; VwGH 12.7.1990, 89/16/0069; VwGH 26.9.1990, 86/13/0097;
VwGH 5.11.1991, 91/14/0049, VwGH 25.5.1993, 93/14/0019; VwGH 30.5.1995, 91/13/0248,
91/13/0250) umfasst insbesondere die Beweisvorsorgepflicht (VwGH 25.5.1993, 93/14/0019;
VwGH 7.9.1993, 93/14/0069) und Beweismittelbeschaffungspflicht (VwGH 5.11.1991,
91/14/0049; VwGH 30.5.1995, 91/13/0248). Wer "dunkle Geschäfte" tätigt und das über
diesen Geschäften lagernde Dunkel auch nachträglich gegenüber der Abgabenbehörde nicht
durch lückenlose Beweisführung erhellen kann, muss das damit verbundenen steuerliche
Risiko selbst tragen (VwGH 14.12.2000, 95/15/0129).
1123
Der Abgabepflichtige hat Betriebsausgaben betreffend im Ausland wohnende Zeugen zum
Zweck der Einvernahme stellig zu machen (VwGH 8.4.1970, 1415/68; VwGH 26.9.1985,
85/14/0056) und die im Ausland befindlichen Unterlagen und Bücher vorzulegen
(VwGH 8.4.1970, 1415/68). Im Verhältnis zu Steueroasen sind nur unzweifelhaft als
erwiesen angenommene Aufwendungen abzugsfähig (VwGH 12.9.1978, 1511/75); bloße
Glaubhaftmachung reicht sonach nicht aus.
5.3.6.2 Auslandsprovisionen (§ 162 BAO)
1124
Bei Auslandsgeschäften, bei denen der Abgabenbehörde im Allgemeinen eine genaue
Überprüfung der Angaben des Abgabepflichtigen nur schwer möglich ist, sind für Zahlungen

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an ausländische Provisionsempfänger erhöhte Anforderungen an die Nachweispflicht zu
stellen. In einem solchen Fall tritt die Mitwirkungspflicht des Abgabepflichtigen im Verhältnis
zur Ermittlungspflicht der Behörde in den Vordergrund.
1125
Bei Auslandsprovisionen kann grundsätzlich von der Anwendung des § 162 BAO nicht
abgesehen werden. Den Steuerpflichtigen entbinden weder geschäftliche Rücksichten
(VwGH 21.5.1969, 0538/68; VwGH 16.3.1988, 87/13/0252) noch die Befürchtung von
Schadensfolgen (VwGH 17.2.1961, 1497/59) von der Auskunftspflicht.
Ein Empfängerbenennungsauftrag kann bei Provisionszahlungen (Geld- oder
Sachzuwendungen) an Steuerausländer dann entfallen, wenn einerseits die Tatsache des
Aufwandes und seine betriebliche Veranlassung, das ist ein unmittelbarer Zusammenhang
mit einem ausländischen erteilten oder angestrebten Geschäftsauftrag bzw. -abschluss, als
erwiesen angenommen werden kann und wenn andererseits sichergestellt ist, dass der
wirkliche Empfänger der Zahlungen im Inland nicht steuerpflichtig ist.
Nur unter diesen Voraussetzungen kann auf die Namhaftmachung der Empfänger verzichtet
werden. Die Abgabenbehörde hat den Steuerpflichtigen unter Einbeziehung aller Umstände
des Einzelfalles zur Erbringung entsprechender Nachweise aufzufordern, die eine Beurteilung
iSd obigen Absatzes ermöglichen. Provisionszahlungen können daher nicht unter Anwendung
eines etwa vom Auslandsumsatz abhängigen Durchschnittssatzes berechnet und als
Betriebsausgaben abgesetzt werden.
1126
Besonderer Dokumentations- und Aufklärungsbedarf besteht bei Provisionen, die nicht
branchenüblich sind und in einem kalkulierten Mehrpreis keine Deckung finden sowie
generell in Fällen, in denen hiedurch Verluste oder unüblich niedrige Gewinne anfallen. Die
bloße Behauptung, Provisionen seien im Auslandsgeschäft üblich, reicht nicht aus
(VwGH 18.11.1987, 84/13/0083).
5.4 Rechtsbeziehungen zwischen nahen Angehörigen
5.4.1 Allgemeines
1127
Rechtsbeziehungen zwischen nahen Angehörigen sind darauf hin zu untersuchen, ob
Steuerpflichtige durch eine Art "Splitting" ihre Steuerbemessungsgrundlage mittels
Absetzung von Betriebsausgaben oder Werbungskosten dadurch zu vermindern versuchen,
dass sie nahen Angehörigen Teile ihres steuerpflichtigen Einkommens in Form von in
Leistungsbeziehungen gekleideten Zahlungen zukommen lassen, mit deren Zufluss diese

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jedoch idR entweder gar keiner Steuerpflicht oder bloß einer niedrigeren Progression
unterliegen.
In der Regel fehlt es nämlich bei derartigen Rechtsbeziehungen an dem zwischen Fremden
üblicherweise bestehenden Interessensgegensatz, der aus dem Bestreben der
Vorteilsmaximierung jedes Vertragspartners resultiert (vgl. VwGH 29.10.1985, 85/14/0087;
VwGH 6.4.1995, 93/15/0064; VwGH 27.4.2000, 96/15/0185) und durch rechtliche
Gestaltungen können steuerliche Folgen abweichend von den wirtschaftlichen Gegebenheiten
herbeigeführt werden (VwGH 18.10.1995, 95/13/0176). Daher müssen eindeutige
Vereinbarungen vorliegen, die eine klare Abgrenzung zwischen Einkommenserzielung und -
verwendung zulassen. Zweifel an der steuerlichen Tragfähigkeit einer Vereinbarung und das
Nichterfüllen der entsprechenden Kriterien iSd Rz 1130 ff gehen zu Lasten des
Steuerpflichtigen (VwGH 7.12.1988, 88/13/0099).
Bei Verträgen zwischen nahen Angehörigen muss eine Verlagerung privat motivierter
Geldflüsse in einen steuerlich relevanten Bereich und somit eine sich zu Lasten der
Gleichmäßigkeit der Besteuerung auswirkende willkürliche Herbeiführung (VwGH 6.4.1995,
93/15/0064, VwGH 26.1.1999, 98/14/0095) oder Vortäuschung (VwGH 15.3.1989,
88/16/0225) abgabenrechtlicher Wirkungen vermieden werden.
5.4.2 Tabellarischer Überblick über die Formen der Rechtsbeziehungen
1128
Art der
Rechtsbeziehung
Wesentliche
Erscheinungsformen
Verweis auf
Abschnitt
Mitarbeit im Betrieb Familienhaftes Verhältnis 5.4.6.1 Rz 1142 ff
Dienstverhältnis 5.4.6.2 Rz 1148 ff
Werkvertrag 5.4.6.3 Rz 1177 ff
Beteiligung am Betrieb Mitunternehmerschaft 5.4.7.1 Rz 1181 ff
Echte stille Gesellschaft 5.4.7.2 Rz 1190 ff
Kapitalgesellschaft Gesellschafter 5.4.8.1 Rz 1196 ff
Gesellschafter-Geschäftsführer 5.4.8.2 Rz 1200 ff
Sonstige Rechtsbeziehungen Miet- und Pachtvertrag 5.4.9.1 Rz 1206 ff

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Darlehensvertrag 5.4.9.2 Rz 1214 ff
Treuhandverhältnis 5.4.9.3 Rz 1217
Kaufvertrag 5.4.9.4 Rz 1218 ff
Schenkung 5.4.9.5 Rz 1221 ff
Gütergemeinschaft 5.4.9.6 Rz 1224
5.4.3 Anwenderkreis der Grundsätze
1129
Als "nahe Angehörige", für welche die unten in Abschn. 5.4.4 angeführten Grundsätze
anzuwenden sind, gelten insbesondere:
. die in § 25 BAO aufgezählten Personen,
. andere verwandte oder verschwägerte Personen (zB Schwiegervater, vgl.
VwGH 25.10.1994, 94/14/0067; Schwager, vgl. VwGH 20.11.1990, 89/14/0090),
. sonstige Personen, die untereinander in einem besonderen persönlichen Naheverhältnis
stehen (zB Verlobte oder Lebensgefährten, vgl. VwGH 16.11.1993, 90/14/0179;
VwGH 29.7.1997, 93/14/0056),
. Stiefkinder (VwGH 29.1.1991, 89/14/0088).
. Personengesellschaft und naher Angehöriger eines (insbesondere des beherrschenden)
Gesellschafters,
. Kommanditgesellschaft und die von den Kommanditisten beherrschte Komplementär-
GmbH (VwGH 6.10.1992, 88/14/0045, betr. Privatnutzung eines Firmenautos bzw.
VwGH 24.10.1995, 92/14/0020, betr. Gewinnaufteilung zwischen Komplementär-GmbH
und Kommanditisten),
. GmbH und (beherrschender) Gesellschafter (VwGH 26.5.1999, 99/13/0039),
. GmbH und Gesellschafter-Geschäftsführer (VwGH 13.10.1999, 96/13/0113),
insbesondere bei einer Einmann-GmbH (VwGH 14.12.1993, 90/14/0264),
. Alleingesellschafter (VwGH 20.6.2000, 98/15/0008, betr. durch eine liechtensteinische
Domizilgesellschaft geltend gemachten Vorsteuerabzug aus in Österreich ausgeübten
Umsätzen aus der Vermietung von Bürogeräten und Software an den österreichischen
Alleingesellschafter als einzigem Mieter),

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. eine einem Gesellschafter nahe stehenden Person (VwGH 13.3.1998, 93/14/0023),
. daran beteiligtem stillen Gesellschafter (VwGH 23.6.1998, 93/14/0192),
. Betrieb gewerblicher Art einer Körperschaft öffentlichen Rechts und Trägerkörperschaft
(VwGH 21.10.1999, 94/15/0113),
. Privatstiftung und Stifter bzw. Begünstigter sowie
. Verein und Vereinsmitglied bzw. Vereinsfunktionär (VwGH 24.6.1999, 97/15/0212;
VwGH 24.2.2000, 97/15/0213).
5.4.4 Erfordernisse für die Anerkennung von Vereinbarungen zwischen
nahen Angehörigen
5.4.4.1 Allgemeines
1130
Vereinbarungen zwischen nahen Angehörigen finden - selbst wenn sie den
Gültigkeitserfordernissen des Zivilrechtes entsprechen (vgl. zB VwGH 3.9.1997, 93/14/0095,
VwGH 26.1.1999, 98/14/0095) - im Steuerrecht nur dann Anerkennung, wenn sie
. nach außen ausreichend zum Ausdruck kommen (Publizität),
. einen eindeutigen, klaren und jeden Zweifel ausschließenden Inhalt haben und
. auch zwischen Familienfremden unter den selben Bedingungen abgeschlossen worden
wären (ständige Rechtsprechung; vgl. zB VwGH 22.2.2000, 99/14/0082).
1131
Diese Grundsätze beruhen auf der in § 21 BAO normierten wirtschaftlichen
Betrachtungsweise (VwGH 10.5.1988, 87/14/0084) und haben ihre Bedeutung vor allem im
Rahmen der Beweiswürdigung (VwGH 6.10.1992, 89/14/0078). Allerdings darf ein
Naheverhältnis nicht generell zu Verdachtsvermutungen gegen Angehörigenvereinbarungen
bzw. zu einer steuerlichen Schlechterstellung führen (VfGH 16.6.1987, G 52/87), weil es sich
bei der Berücksichtigung des Naheverhältnisses nicht um ein schematisch anzuwendendes
Beweislastkriterium handelt (vgl. VwGH 17.9.1979, 2223/78; VwGH 27.5.1981, 1299/80).
5.4.4.2 Die Merkmale im Einzelnen
5.4.4.2.1 Publizitätswirkung
5.4.4.2.1.1 Allgemeines
1132
Schriftform des Vertrages ist nicht unbedingt erforderlich; in Ausnahmefällen ist bei
genügend deutlicher Fixierung der wesentlichen Vertragsbestandteile sowie des Beweises
des Abschlusses und der tatsächlichen Durchführung des Vertrages eine steuerrechtliche

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Anerkennung auch ohne Schriftform möglich (VwGH 16.12.1988, 87/14/0036, betr. zunächst
mündlich und in der Folge schriftlich abgeschlossenen Bestandvertrag, dem unbestritten
fremdübliche schriftliche Vereinbarungen zugrundelagen).
1133
Mit welchen Mitteln die Tatbestandserfüllung nachgewiesen wird, steht dem
Abgabepflichtigen zwar frei, der Vertrag(sabschluss) muss aber jedenfalls für Dritte
erkennbar sein. Ist es jedoch nach Art und Inhalt des Vertrages üblich, ihn in Schriftform
abzuschließen, führt die mangelnde Schriftform idR zu seiner Nichtanerkennung
(VwGH 14.9.1977, 0027/77, betr. Darlehensvertrag zwischen Ehegatten).
Die bloße Mitteilung an das FA kann üblicherweise nicht als eine nach außen hin mit
genügender Deutlichkeit in Erscheinung tretende Vereinbarung angesehen werden. Die
(behauptete) Notwendigkeit einer Leistungserbringung durch einen nahen Angehörigen
bewirkt für sich gesehen noch keine Publizität (VwGH 19.5.1993, 91/13/0045, betr.
Schreibarbeiten der Ehegattin).
5.4.4.2.1.2 Schriftform von Verträgen zwischen Ehegatten
1134
Auch wenn die zivilrechtliche Gültigkeit bestimmter Verträge und Rechtshandlungen nach
dem Notariatszwangsgesetz (RGBl. Nr. 76/1871) durch die Aufnahme eines Notariatsaktes
bedingt ist (zB Ehepakte, zwischen Ehegatten abgeschlossene Kauf-, Tausch-, Renten- und
Darlehensverträge sowie Schuldbekenntnisse eines Ehegatten dem anderen gegenüber), ist
sie für die steuerliche Anerkennung deshalb nicht Voraussetzung, weil Rechtsvorgänge nach
der wirtschaftlichen Betrachtungsweise zu beurteilen sind und auch ein wegen Formmangels
nichtiges Geschäft gemäß § 23 Abs. 3 BAO für die Erhebung der Abgaben von Bedeutung
sein kann (VwGH 25.10.1994, 94/14/0067). Im Rahmen der Beweiswürdigung kommt aber
der Schriftform besondere Bedeutung zu (VwGH 14.9.1977, 0027/77, betr. Darlehensvertrag
zwischen Ehegatten).
5.4.4.2.2 Inhalt der Vereinbarung
1135
Allgemein gesehen müssen die für das Zustandekommen des Vertrages wesentlichen
Bestandteile mit genügender Deutlichkeit fixiert sein (VwGH 4.10.1983, 83/14/0034).
1136
Liegt keine schriftliche Vereinbarung vor, müssen zumindest die wesentlichen Punkte der
Vereinbarung (zB bei Bestandverträgen der Bestandgegenstand, der zeitliche
Geltungsbereich des Vertrages, der Bestandzins, bei Gesellschaftsverträgen insbesondere die

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Art und Höhe der Beteiligung und die Höhe des Gewinnanteiles des eintretenden Ehegatten)
nach außen hin dokumentierbar sein.
1137
In Hinblick darauf, dass Beziehungen zwischen nahen Angehörigen auch familienhafter Natur
sein können (vgl. hiezu Rz 1142 ff), muss eine klare und eindeutige Abgrenzung einer auf
einem wirtschaftlichen Gehalt beruhenden Beziehung von einer familienhaften vorliegen,
wobei unklare Vereinbarungen zu Lasten des Steuerpflichtigen gehen (vgl. VwGH 23.5.1978,
1943/77, 2557/77). Zur Aufklärung einer unklaren Vertragsgestaltung hat somit derjenige
beizutragen, der sich darauf beruft (VwGH 29.6.1995, 93/15/0115).
5.4.4.2.3 Fremdvergleich
1138
Hiebei ist die im allgemeinen Wirtschaftsleben geübte Praxis maßgeblich; erforderlichenfalls
sind entsprechende Ermittlungen durchzuführen (VwGH 4.10.1983, 83/14/0017;
VwGH 21.3.1996, 95/15/0092).
Ein Indiz für die Fremdunüblichkeit eines Vertrages liegt vor, wenn die Höhe der Entlohnung
bzw. der Arbeitsumfang vom Erreichen steuerlicher Grenzen abhängt (VwGH 21.3.1996,
92/15/0055, betr. Bagatellregelung des § 21 Abs. 6 UStG 1972).
1139
Der Fremdvergleich ist grundsätzlich anhand von Leistungsbeziehungen zwischen einander
fremd gegenüberstehenden Personen anzustellen, wobei von deren üblichem Verhalten in
vergleichbaren Situationen auszugehen ist (VwGH 1.12.1992, 92/14/0149, 92/14/0151). Nur
Leistungsbeziehungen, die ihrer Art nach zwischen einander fremd gegenüber stehenden
Personen nicht vorkommen (zB Schenkungen oder unentgeltliche Betriebsübergaben), sind
danach zu beurteilen, wie sich dabei üblicherweise andere Personen verhalten, die
zueinander in familiärer Beziehung stehen (VwGH 25.10.1994, 94/14/0067).
Auf dieser Basis ist die Vergleichsprüfung in zweifacher Form anzustellen:
. Die erste Prüfung erfolgt dahingehend, ob der entsprechende Vertrag auch zwischen
Fremden in der konkreten äußeren Form abgeschlossen worden wäre.
. Dann ist ein am Vertragsinhalt orientierter Fremdvergleich anzustellen
(VwGH 13.12.1988, 85/13/0041), wobei zu beachten ist, dass es nahen Angehörigen an
einem den Marktgesetzen unterliegenden natürlichen Interessensgegensatz fehlen kann.
1140
Hinsichtlich der Unangemessenheit von Leistungsentgelten als Ausfluss des Fremdvergleiches
siehe Rz 1228 ff.

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5.4.5 Rückwirkende Parteienvereinbarungen
1141
Diese sind im Steuerrecht ganz allgemein gesehen nicht zu beachten (VwGH 18.12.1973,
0979/72; VwGH 3.5.1983, 82/14/0277; VwGH 25.3.1999, 96/15/0079); umso mehr ist ihnen
daher bei Rechtsbeziehungen zwischen nahen Angehörigen die Anerkennung zu versagen.
Dabei ist jedoch eine Differenzierung zwischen einer - in keinem Fall zu berücksichtigenden -
rückwirkenden Gestaltung und einer unter der Voraussetzung der Fremdüblichkeit
anzuerkennenden bloßen späteren Fixierung eines nachgewiesenermaßen tatsächlich bereits
früher abgeschlossenen Vertrages vorzunehmen.
Beispiele aus der Judikatur für rückwirkende Vereinbarungen:
Rückwirkende Änderung der Gewinnaufteilung bei einer Mitunternehmerschaft selbst
bei Bezug auf den Beginn des noch nicht abgelaufenen Wirtschaftsjahres
(VwGH 3.5.1983, 82/14/0277; VwGH 7.6.1983, 82/14/0230);
nachträglich behaupteter Mietvertrag, der mehr als zwei Jahre nicht verbucht wurde
(VwGH 27.5.1987, 84/13/0221);
nachträgliche Aufstellung über erbrachte Leistungen in Verbindung mit der Bildung
einer Rückstellung für nicht ausbezahlte Honorare aus einem Werkvertrag
(VwGH 11.12.1990, 89/14/0109);
Erfassung von Werkvertragshonoraren erst bei Erstellung des Jahresabschlusses in
einer Nachbuchungsliste nach Ermittlung des Gewinnes und Berechnung der
Investitionsrücklage (VwGH 22.9.1999, 97/15/0005).
5.4.6 Mitarbeit im Betrieb des nahen Angehörigen
5.4.6.1 Mitarbeit im Rahmen eines rein familienhaften Verhältnisses
5.4.6.1.1 Allgemeines
1142
Die rechtliche Grundlage für Leistungen im Familienverband liegt regelmäßig nicht in
unmittelbar aktualisierten Entgeltsvorstellungen, sondern in anderen Beweggründen, wie zB
Erbringung eines eigenen Beitrages zur Befriedigung der Familienbedürfnisse, Erwerb von
Erfahrung oder Erweis der Tauglichkeit für die erwartete Position als künftiger Nachfolger in
der Führung des elterlichen Unternehmens. Bei einer derartigen Mitarbeit ohne besondere
vertragliche Verpflichtung, welche die oben in Rz 1141 dargestellten Erfordernisse nicht
erfüllt, sind die dadurch veranlassten Aufwendungen jedenfalls gemäß
§ 20 Abs. 1 Z 4 EStG 1988 nicht abzugsfähig (VwGH 4.9.1992, 91/13/0196).
1143
Ein familienhaftes Verhältnis liegt zB auch dann vor, wenn ein Kind im Betrieb der Eltern
ohne rechtliche Verpflichtung zur Erbringung einer bestimmten Arbeitsleistung bzw. zur
Einhaltung einer bestimmten Arbeitsleistung oder -zeit tätig ist und die Eltern nicht zur

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Zahlung eines bestimmten Entgeltes verpflichtet sind, sondern die Höhe des Taschengeldes
nach ihrem Ermessen bestimmen (VwGH 27.2.1959, 1371/57). In diesem Zusammenhang
werden auch Aushilfslöhne an minderjährige Kinder dann nicht als Betriebsausgabe
anerkannt, wenn bzw. weil eine schuldrechtliche Verpflichtung zur Arbeitsleistung nicht
besteht (VwGH 13.9.1989, 88/13/0042). Demzufolge gehört auch das Taschengeld selbst
dann nicht zu den Einkünften iSd § 2 Abs. 3 EStG 1988, wenn es als "Lohn" bzw. "Entgelt"
oder unter ähnlicher Bezeichnung für Verrichtungen des nahen Angehörigen zur Auszahlung
gelangt (VwGH 11.2.1970, 0943/68).
1144
Zahlungen für Aushilfstätigkeiten der Kinder sind jedoch nicht schon deshalb vom Abzug als
Betriebsausgabe ausgeschlossen, weil die Kinder familienrechtlich hiezu verpflichtet sind.
Entscheidend ist, ob die von ihnen verrichteten Tätigkeiten üblicherweise auch als Inhalt
eines mit einem Fremden zu begründenden Dienst- oder Werkvertragsverhältnisses in Frage
kommen. Die familiäre Beistandsleistung ist auf kein bestimmtes Alter des Leistenden
beschränkt (VwGH 25.2.1997, 92/14/0039).
1145
Weitere typische Beispiele einer familienhaften Mitarbeit sind die Rasenbetreuung,
Laubrechen, Streicharbeiten, PKW-Reinigung, usw. (VwGH 29.1.1991, 89/14/0098) sowie
Telefondienst, Terminvereinbarungen, gelegentliche Chauffeurdienste und Bankerledigungen
(VwGH 22.2.2000, 99/14/0082). Ein praktisch nur in der Freizeit sowie im Urlaub erfolgendes
Tätigwerden spricht für eine familienhafte Mitarbeit (VwGH 21.10.1986, 86/14/0042).
1146
Werden von einem Familienmitglied in einem Bereich fremdübliche, in einem anderen
Bereich jedoch lediglich familienhaft bedingte Leistungen erbracht, so ist eine getrennte
Betrachtung anzustellen (VwGH 21.10.1986, 86/14/0042), gegebenenfalls ist die auf die
familienhafte Mitarbeit entfallende Leistungstangente herauszurechnen (VwGH 30.1.1990,
89/14/0162).
5.4.6.1.2 Eheliche Beistandspflicht
1147
Diese ist als besonders ausgeprägte - ausdrücklich gesetzlich normierte - Form der
familienhaften Mitarbeit in den §§ 90 und 98 ABGB geregelt. § 90 ABGB bestimmt im
Wesentlichen, dass ein Ehegatte im Erwerb des Anderen im Rahmen der Zumutbarkeit und
Üblichkeit mitzuwirken hat, wofür er gemäß § 98 ABGB Anspruch auf angemessene
Vergütung hat. Liegt der Mitwirkung im Erwerb des anderen Ehegatten kein über diese
Verpflichtungen hinausgehendes Vertragsverhältnis vor, sind die geleisteten

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Abgeltungsbeträge iSd § 98 ABGB familienhaft bedingt und somit nicht als Betriebsausgaben
abzugsfähig, sondern als Zuwendungen an unterhaltsberechtigte Personen iSd
§ 20 EStG 1988 anzusehen (VwGH 26.3.1985, 84/14/0059, betreffend Hilfeleistungen der
Ehegattin in Form von Autofahrten; VwGH 21.7.1993, 91/13/0163; VwGH 23.4.1998,
95/15/0191).
5.4.6.2 Dienstvertrag
5.4.6.2.1 Allgemeines
1148
Ein Dienstvertrag, der gemäß § 47 EStG 1988 das Schulden der Arbeitskraft zum Inhalt hat,
setzt das Vorliegen einer besonderen Vereinbarung voraus, die über die im Familienrecht
begründete Mitwirkungspflicht hinausgeht (VwGH 5.12.1973, 0789/73), dh. es müssen alle
Merkmale eines echten Dienstverhältnisses vorliegen.
5.4.6.2.2 Publizitätswirkung
1149
Obwohl Schriftlichkeit nicht unbedingt erforderlich ist, ist sie doch ein wesentliches
Beweismittel. Der Anmeldung bei der Sozialversicherung sowie der Abfuhr von Lohnabgaben
kann zwar Indizfunktion für das Vorliegen eines Dienstverhältnisses zukommen (vgl. auch
VwGH 16.12.1997, 96/14/0099; VwGH 22.2.2000, 99/14/0082), doch ist zu beachten, dass
idR gerade bei vorgetäuschten Verträgen formale Belange beachtet werden (vgl. betr.
"Konstruktion" eines Dienstverhältnisses aus sozialversicherungsrechtlichen Gründen
VwGH 17.9.1996, 92/14/0161).
5.4.6.2.3 Inhalt der Vereinbarung
1150
Die wesentlichen Vertragsinhalte müssen eindeutig festgelegt sein, was auch für
abgrenzbare Gehaltsbestandteile gilt (vgl. VwGH 18.5.1977, 0346/77, betr. Bilanzgeld bzw.
VwGH 14.2.1978, 2488/77, betr. Überstundenpauschale). Somit ist zB ein Dienstvertrag, der
die wöchentliche Arbeitszeit nur in einem ungefähren Ausmaß und keine Bestimmungen über
die Vergütung allfälliger Mehrarbeit beinhaltet, nicht anzuerkennen.
Eine familienhafte Mitarbeit etwa als Ausfluss der ehelichen Mitwirkungspflicht darf nicht
Vertragsgegenstand sein, was zB bei der Beantwortung von Telefonanrufen durch die
Ehegattin angenommen werden kann (VwGH 29.10.1985, 85/14/0067, betreffend einen Arzt
sowie VwGH 22.2.2000, 99/14/0082, betr. einen Politiker; gilt gleichermaßen aber auch für
andere Berufsgruppen).
1151

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Widersprüchliche Angaben über den Vertragsinhalt führen idR zur Nichtanerkennung der
Vereinbarung (VwGH 15.3.1995, 92/13/0271, betrefffend ursprüngliche Behauptung einer
Ganztagesbeschäftigung und spätere Einschränkung auf Halbtagesbeschäftigung).
Zahlungen für gelegentliche Hilfeleistungen, die im Hinblick auf den geringen Zeitaufwand
nicht als Inhalt eines Arbeitsverhältnisses geeignet wären, sind nicht anzuerkennen (zB
VwGH 17.5.1989, 88/13/0038, betreffend Wartung des PKWs des Vaters; siehe auch
Rz 1142 ff).
5.4.6.2.4 Fremdvergleich
1152
Neben allgemein erforderlichen Kriterien (vgl. Rz 1138 ff) ist für die steuerliche Anerkennung
der Vereinbarung weiters erforderlich, dass der nahe Angehörige eine sonst notwendige
Arbeitskraft ersetzt (VwGH 29.10.1985, 85/14/0067).
1153
Ein Dienstvertrag hält etwa dann einem Fremdvergleich nicht stand, wenn keine
Vereinbarung über Dienstbeginn und -ende, Qualifikation der Entgegennahme von
Telefonanrufen als Bereitschaftsdienst oder Vollarbeitszeit sowie für den Fall besteht, dass
die tatsächlich erbrachte Arbeitszeit von der vereinbarten abweicht (VwGH 22.2.2000,
99/14/0082, betreffend einen Politiker, der seine Ehegattin als Teilzeitbeschäftigte angestellt
hatte; VwGH 23.3.2000, 96/15/0120, betreffend für ein einziges Unternehmen tätigen EDVBerater).
Eine vom Steuerpflichtigen selbst behauptete Unterbezahlung naher Angehöriger
spricht gegen das Vorliegen eines Dienstverhältnisses (VwGH 19.12.1990, 87/13/0053).
1154
Anhaltspunkte für die Angemessenheit der Gehaltshöhe sind vor allem auch durch die bei
verdeckten Ausschüttungen heranzuziehenden Kriterien zu gewinnen (vgl. Rz 6148 ff), wobei
vorrangig ein innerbetrieblicher Vergleich (VwGH 18.11.1987, 86/13/0113; VwGH 6.4.1995,
93/15/0064) und sodann ein außerbetrieblicher Vergleich (VwGH 8.11.1977, 1115/74, betr.
Stellenangebot in einer Wirtschaftszeitung bzw. übliches Lohn-Gewinnverhältnis)
herangezogen werden kann.
1155
Wird ein Bezug vereinbart, der wesentlich über dem zwischen Familienfremden Üblichen
liegt, ist der darüber liegende Betrag nicht abzugsfähig (vgl. VwGH 5.10.1982, 82/14/0006;
siehe auch Rz 1129).
1156
Ein sprunghaftes Ansteigen der Lohnbezüge ohne entsprechende Veränderung der
Arbeitszeit deutet auf eine Unangemessenheit hin (VwGH 17.1.1989, 88/14/0010).

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1157
Die Entlohnung hat sich an den Gesichtspunkten Qualität und Quantität der Arbeitsleistung
zu orientieren (VwGH 26.1.1999, 98/14/0095; VwGH 22.9.1999, 96/15/0232), wobei
allerdings die Überprüfung der Höhe einer Entlohnung zwangsläufig mit gewissen Unschärfen
verbunden ist (VwGH 13.3.1997, 95/15/0128). Eine gewisse Toleranzgrenze bzw. Bandbreite
ist daher zu berücksichtigen (VwGH 13.12.1989, 85/13/0041). Eine wesentlich höhere
Entlohnung des nahen Angehörigen mit kürzerer Vordienstzeit gegenüber jener eines
fremden Angestellten mit längerer Vordienstzeit ist jedoch keinesfalls anzuerkennen
(VwGH 6.4.1995, 93/15/0064). Ebenso rechtfertigt auch das Argument einer besonderen
Vertrauenswürdigkeit nicht eine wesentlich höhere Entlohnung (VwGH 18.11.1987,
86/13/0133). Die (behauptete) laufende Erbringung von Überstundenleistungen in einem die
arbeitsrechtlichen Höchstgrenzen übersteigenden Ausmaß ist ebenfalls nicht fremdüblich.
1158
Dem für die Berufsgruppe anzuwendenden Kollektivvertrag ist bei einer derartigen Prüfung
im Rahmen der amtswegigen Sachverhaltsermittlungspflicht eine entscheidende Bedeutung
beizumessen, wobei auch die Einstufung in die richtige Verwendungsgruppe zu prüfen und
darauf Bedacht zu nehmen ist, inwieweit sich die Entlohnung fremder Dienstnehmer daran
orientiert (VwGH 29.7.1997, 93/14/0056). Die Höhe eines fremdüblichen Arbeitslohnes muss
zwar nicht mit der im Kollektivvertrag festgelegten übereinstimmen, es ist jedoch davon
auszugehen, dass sie grundsätzlich nicht darunter liegen wird (VwGH 16.11.1993,
90/14/0083).
1159
Werden sämtliche Angestellte über dem Kollektivvertrag entlohnt, ist - bei Zutreffen der
sonstigen Voraussetzungen - auch das in gleicher Höhe darüber liegende Gehalt des
Angehörigen anzuerkennen.
1160
Eine Lohnfortzahlung an die geschiedene Ehegattin nach Verzicht auf ihre Arbeitsleistung ist
fremdunüblich und nicht durch den Betrieb veranlasst (VwGH 24.3.1981, 2857/80).
5.4.6.2.5 Gewährung von weiteren Vergütungen neben dem Grundlohn
5.4.6.2.5.1 Zurverfügungstellung einer Dienstwohnung
1161
Leben die Vertragspartner im gemeinsamen Haushalt, so stellen derartige "freiwillige
Sozialleistungen" im Hinblick auf § 20 Abs. 1 Z 1 EStG 1988 selbst bei an sich gegebener
Angemessenheit keine Betriebsausgaben dar, zumal Haushaltsaufwendungen diese
Eigenschaft nicht dadurch verlieren, dass zwischen nahen Angehörigen ein Vertrag

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abgeschlossen wurde (VwGH 20.9.1980, 1421/79). Wird eine Wohnung an eine
Arbeitnehmerin überlassen, mit der der Steuerpflichtige gemeinsame Kinder hat, so gehört
diese nicht zum betrieblichen Gebäudeteil (vgl. VwGH 24.6.1986, 85/14/0175).
1162
Die Zurverfügungstellung einer Dienstwohnung ist unter dem Aspekt des Fremdvergleiches
bei Betrieben mittlerer Größe (VwGH 22.9.1992, 88/14/0058; VwGH 30.9.1999, 98/15/0005)
sowie bei kleinen Familienbetrieben (VwGH 1.2.1980, 0732/79) unüblich. Kein betriebliches
Interesse liegt auch vor, wenn einem Arbeitnehmer eine Wohnung zur Verfügung gestellt
wird, um ihm eine Fahrtstrecke von 10 km zu ersparen (VwGH 22.9.1992, 88/14/0058).
Andererseits kann eine betriebliche Veranlassung der Wohnungsüberlassung dann vorliegen,
wenn diese nach der Verkehrsauffassung üblich ist (VwGH 17.10.1989, 88/14/0204, betr.
eine Nachtdienste verrichtende Apothekenhelferin).
1163
Auch wenn es zweckmäßig ist, dass ein zu unregelmäßigen Zeiten Wartungsarbeiten
verrichtender Arbeitnehmer direkt am Betriebsort wohnt, tritt die familiäre Veranlassung
dann noch nicht in den Hintergrund, wenn die dem Sohn zur Verfügung gestellte Wohnung
nicht auch für einen fremden Dienstnehmer errichtet worden wäre (VwGH 17.9.1990,
89/15/0019). Es ist fremdunüblich, dass ein Steuerpflichtiger der bei ihm teilzeitbeschäftigten
studierenden Tochter eine fast 100 m2 große Dienstwohnung zur Verfügung stellt, da damit
vorrangig die Wünsche einer erwachsenen Frau, ihre Wohnbedürfnisse nicht mehr in der
elterlichen Wohnung zu befriedigen, erfüllt werden (VwGH 14.1.1981, 2202/79).
1164
Wird für eine Tätigkeit im Ausmaß von 20 Wochenstunden der Ehegattin eine Entlohnung in
Form einer Dienstwohnung sowie eines monatlichen Barbetrages von ca. 1.000 S
(72,67 Euro) deshalb gewährt, weil ein über dem Existenzminimum liegendes Einkommen
den Gläubigern zufiele, so stellt diese Vertragskonstruktion keinen Sachbezug dar, sondern
die Gestattung der Benützung der Wohnung auf Basis faktischer ehelicher
Auseinandersetzung mit dem Ziel, den Zugriff der Gläubiger der Ehegattin auf deren
Einkommen zu verhindern (VwGH 25.1.1995, 93/15/0003).
5.4.6.2.5.2 Freie Verpflegung
1165
Üblicherweise zählen Aufwendungen, die mit der Übernahme von Lebenshaltungskosten für
einen nahen Angehörigen in Zusammenhang stehen, zu den nichtabzugsfähigen Kosten iSd
§ 20 Abs. 1 Z 1 EStG 1988, weil diese die Eigenschaft der Unterhaltsgewährung nicht
dadurch verlieren, dass ein Dienstverhältnis begründet wird (VwGH 30.9.1980, 1421/79).

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Nur wenn freie Verpflegung auch anderen Dienstnehmern gewährt wird, und eine derartige
Vereinbarung dem Fremdvergleich standhält, dh. branchenüblich ist, stellen derartige
Aufwendungen keinen Unterhalt iSd § 94 ABGB dar (VwGH 19.5.1987, 85/14/0118; VwGH
30.6.1987, 85/14/0190). Wird der Vorteil auch anderen Dienstnehmern gewährt, ist der
Fremdvergleich idR erfüllt; bei einem einzigen Dienstnehmer ist die Brachenüblichkeit zu
prüfen.
5.4.6.2.5.3 Weitere Vergütungen
1166
In folgenden Fällen wurden beispielsweise Vergütungen an nahe Angehörigen von der
Rechtsprechung nicht anerkannt:
1167
Abfertigung
Abfertigung, die an den Betriebsübernehmer im Rahmen einer unentgeltlichen
Betriebsübergabe geleistet wird (VwGH 1.12.1992, 89/14/0176).
Freiwillige zusätzlich zur gesetzlichen gewährte Abfertigung, die einem familienfremden
Arbeitnehmer nicht bezahlt würde (VwGH 10.9.1998, 93/15/0051).
1168
Aus- und Fortbildungskosten
Übernahme von Aus- und Fortbildungskosten, die einem fremden Dienstnehmer nicht
gewährt würde (VwGH 26.4.1994, 91/14/0066).
1169
Betriebsausflug
Gewährung eines Betriebsausfluges an Stelle des Jahresurlaubes (VwGH 24.6.1999,
97/15/0070).
1170
Dienstwagen
Unentgeltliche Zurverfügungstellung eines Dienstwagens an den Gesellschafter-
Geschäftsführer bei einem Betrieb mit ca. 3 Mio. S (218.018,50 Euro) Umsatz (VwGH
23.2.1994, 92/15/0158)
1171
Lebensversicherungsprämien

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Bezahlung der Prämien für eine Lebensversicherung, wenn in der Gesamtausstattung (dh.
inklusive Auszahlung eines bar ausbezahlten Gehaltsteiles) nicht gedeckt (VwGH 12.1.1983,
81/13/0004).
1172
Mitreise
Kostenübernahme für die Mitreise zu einer Kongressreise, die einem familienfremden
Arbeitnehmer nicht gewährt worden wäre (VwGH 17.11.1992, 92/14/0150).
1173
Pensionszusage
Eine Pensionszusage, die in der fremdüblichen Gesamtausstattung nicht gedeckt ist, stellt
einen verdeckte Ausschüttung dar (siehe hiezu ausführlich Rz 3391 ff).
1174
Prämienzahlung
Prämienzahlung in Höhe von 80% des Jahresgehaltes (VwGH 24.3.1998, 93/14/0009).
1175
Tantieme
Tantieme, deren Höhe sich nach dem Verhältnis der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft
richtet (VwGH 8.3.1994, 91/14/0151).
1176
Urlaubsablöse
Ablöse des Urlaubes in Geld statt Urlaubsgewährung (VwGH 24.6.1999, 97/15/0070; die
Urlaubsablöse ist weiters gemäß § 7 Urlaubsgesetz rechtsunwirksam).
5.4.6.3 Werkverträge und ähnliche Leistungsbeziehungen
1177
Bei einem Werkvertrag schuldet der Leistende aus zivilrechtlicher Sicht gemäß § 1165 ABGB
nicht seine Arbeitskraft, sondern einen bestimmten Arbeitserfolg ohne persönliche
Weisungsgebundenheit. Die für derartige Verträge geltenden Grundsätze sind analog bspw.
auch auf Vermittlungs- und Sponsorleistungen anwendbar.
1178
Der Abschluss eines derartigen Vertrages muss jedenfalls mit detaillierter, inhaltlich klarer
Darlegung der erbrachten Leistungen nachgewiesen werden und es hat ein fremdüblicher
Zahlungsverkehr (regelmäßige Rechnungslegung und Zahlung) zu erfolgen, was dann nicht
zutrifft, wenn ein von der Leistungserbringung unabhängiges Pauschalhonorar vereinbart

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wird (VwGH 10.7.1996, 95/15/0181). Dieses Erfordernis ist auch dann nicht erfüllt, wenn
Rechnungen über Leistungen erst anlässlich der Bilanzierung erstellt und auf das Jahresende
des jeweiligen Jahres rückdatiert werden (VwGH 21.7.1998, 93/14/0187).
1179
Geringfügige Zahlungen für Wartungsarbeiten sind zur Gänze nicht abzugsfähig
(VwGH 17.5.1989, 88/13/0038; siehe Rz 1142 ff). Überhöhten Provisionszahlungen für
tatsächlich erbrachte Leistungen ist hingegen nur im Ausmaß der überhöhten
fremdunüblichen Zahlung die Anerkennung zu versagen (VwGH 17.5.1989, 88/13/0038,
VwGH 27.5.1987, 86/13/0107). Der Abschluss von Werkverträgen mit drei nahen
Angehörigen durch einen praktischen Arzt (ua. für Belegsammlung bzw. für
Ordinationshilfetätigkeit) ist einerseits fremdunüblich, andererseits fehlt es auch an der
notwendigen Publizität, wenn das Leistungsentgelt nicht laufend als Kassaausgang erfasst,
sondern erst als Nachbuchung berücksichtigt wird (VwGH 22.9.1999, 97/15/0005).
1180
Sofern Schreibarbeiten für einen Schriftsteller fremdüblich honoriert werden, sind sie nicht
als Ausfluss der familienhaften Mitarbeit anzusehen (VwGH 27.5.1981, 1299/80). Unüblich
hohe Sponsorzahlungen an den als Sportler tätigen Lebensgefährten sprechen gegen eine
überwiegend betriebliche Veranlassung (VwGH 19.5.1992, 92/14/0032).
Im Übrigen siehe auch Rz 1148 ff.
5.4.7 Beteiligung am Betrieb
5.4.7.1 Mitunternehmerschaft
1181
Eine steuerlich beachtliche Mitunternehmerschaft liegt grundsätzlich dann vor, wenn die
Beteiligten zur Erreichung des Gesellschaftszweckes durch Mitarbeit, Hingabe von Kapital
oder Überlassung von Wirtschaftsgütern in der Form beitragen, wie es im wirtschaftlichen
Leben zwischen fremden Gesellschaftern üblich ist (vgl. hiezu allgemein Rz 5801 ff). Bei
Gestaltungen zwischen nahen Angehörigen ist mittels Fremdvergleichs zu prüfen, ob sie eine
Mitunternehmerschaft zu begründen vermögen (VwGH 18.12.1996, 94/15/0168). Ein
schriftlicher Vertrag ist nicht unbedingt erforderlich; ausreichend sind etwa - sofern die
sonstigen Kriterien erfüllt werden - ein mit ausreichender Deutlichkeit nach außen
dringendes konkludentes Verhalten (VwGH 13.10.1987, 87/14/0114) bzw. eine über die
Beistandspflicht hinausgehende Mitarbeit (VwGH 21.1.1986, 84/14/0057).
1182
Bezieht sich die Mitunternehmerschaft auf Vermögen iSd § 23 Abs. 2 UmgrStG, sind die
Regelungen des Art. IV UmgrStG zu beachten.

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1183
Vereinbarungen über eine von den §§ 1193 bzw. 1197 ABGB abweichende (dh. eine nicht
dem Verhältnis der Kapitalbeiträge entsprechende) Einkunftsverteilung, die dem Finanzamt
erst im Nachhinein mittels der Abgabe von Steuererklärungen bekannt gegeben werden,
erfüllen nicht das Merkmal der Publizität (VwGH 15.12.1987, 87/14/0163). Eine unübliche
unangemessene Gewinnverteilung ist auf eine angemessene zu korrigieren
(VwGH 5.10.1994, 94/15/0036). Ein Umlaufbeschluss, der eine vom Gesellschaftsvertrag
abweichende Gewinnverteilung zwischen den Kommanditisten und der als Geschäftsführerin
fungierenden Komplementär-GmbH beinhaltet, hat die für nahe Angehörige maßgeblichen
Kriterien iSd Rz 1130 ff zu erfüllen (VwGH 27.4.2000, 96/15/0185). Ein völlig unüblicher
Modus der Gewinnverteilung kann sogar zur Nichtanerkennung des
Gesellschaftsverhältnisses führen (VfGH 20.6.1984, B 514/79; VwGH 22.9.1987, 85/14/0033,
betreffend eine der alleinigen Entscheidungsbefugnis eines Gesellschafters vorbehaltene
Aufteilung des Gewinnes).
1184
Im Widerspruch zu einem behaupteten Gesellschaftsverhältnis stehende Handlungen (zB
keine Gewinnaufteilung, keine Führung entsprechender Konten) berechtigen zu Zweifeln am
klaren Inhalt eines Gesellschaftsvertrages (VwGH 20.1.1988, 87/13/0022, 87/13/0023); dies
gilt ebenso für eine differierende rechtliche Einstufung des Gesellschaftsverhältnisses
(VwGH 13.6.1989, 86/14/0037, betr. Wechsel zwischen stiller Gesellschaft und Gesellschaft
nach bürgerlichem Recht). Hinsichtlich einer rückwirkenden Änderung der Gewinnaufteilung
siehe Rz 5894 f.
1185
Bei Einbringung der Arbeitskraft ist zu prüfen, ob die Höhe des Gewinnanteiles des
eintretenden Angehörigen zur erbrachten Arbeitsleistung in einem angemessenen Verhältnis
steht; die Mitarbeit im Betrieb muss eine für die Unternehmereigenschaft typische sein
(VwGH 8.6.1982, 2994/78). Werden von allen Mitgliedern Arbeiten (im gleichen Umfang)
geleistet, so heben sich diese gegenseitig auf (VwGH 15.12.1987, 87/14/0163).
1186
Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit sind grundsätzlich demjenigen, der den Beruf ausübt,
zuzurechnen (VwGH 22.3.1963, 2052/62); eine gemeinsame Einkunftsquelle wäre nur dann
denkbar, wenn beide Ehegatten die gleiche Ausbildung oder Berufsbefugnis aufweisen oder
berufsrechtliche Vorschriften Gesellschaften mit Berufsfremden (dh. Personen, die nicht die
für einen freien Beruf erforderliche Vorbildung besitzen) zulassen (vgl. zB § 68 Abs. 1 Z 2,
WTBG, BGBl. I Nr. 58/1999, siehe Rz 5839 ff).

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1187
Bei freien Berufen ist idR jedoch davon auszugehen, dass der Gewinn fast ausschließlich
durch den Arbeitseinsatz des Berufsträgers erzielt wird und ein Gesellschaftsvertrag mit
einem nur mittätigen Fremden ohne entsprechende Vorbildung nicht abgeschlossen würde.
Aus dem Fremdvergleich kann daher - trotz gesetzlicher Zulässigkeit - die steuerliche
Nichtanerkennung eines solchen Gesellschaftsverhältnisses abzuleiten sein (VwGH
29.9.2004, 2001/13/0159). Für die Ermittlung des Ausmaßes der steuerlich zu
berücksichtigenden Gewinnbeteiligung ist hinsichtlich der Mitarbeit des nicht qualifizierten
Angehörigen der Fremdvergleich anzustellen. Kann der Betriebsinhaber keine hinreichenden
Aussagen darüber machen, wann, für welche konkreten Leistungen seiner Ehegattin und in
welchem Ausmaß er Vergütungen geleistet hat, ist die behauptete Gewinnbeteiligung
steuerlich nicht anzuerkennen (VwGH 27.4.1983, 2813/80).
1188
Von den gesetzlichen Ausnahmen abgesehen kann bei freien Berufen nur in besonders
gelagerten Fällen ein Gesellschaftsverhältnis unter Ehegatten begründet werden (zB wenn
die Ehegattin eines Arztes durch Kapitalbeteiligung für die Kosten der Ordinationseinrichtung
aufkommt); zur Frage, welche Einkünfte aus einer solchen Mitunternehmerschaft bezogen
werden, siehe Rz 5839 ff. Ist ein derartiges Gesellschaftsverhältnis steuerlich anzuerkennen,
ist für die Kapitalüberlassung nur eine Gewinnbeteiligung in Form einer angemessenen
Verzinsung zu berücksichtigen. Es wäre somit fremdunüblich, für die Zurverfügungstellung
der Hälfte des Betriebsvermögens eine Gewinnbeteiligung im Ausmaß von 40% oder 50%
einzuräumen (VfGH 20.9.1984, B 471/80; VwGH 27.4.1983, 2813/80; VwGH 6.3.1985,
84/13/0242).
Beispiel:
Nach erfolgreicher Ablegung der Steuerberaterprüfung eröffnet ein Steuerpflichtiger
eine Kanzlei. Seine keine entsprechenden Vorkenntnisse besitzende Ehegattin stellt ihm
dafür aus ererbten Mitteln 1 Mio. S zur Verfügung und verrichtet außerdem in einem
Ausmaß von 10 Wochenstunden administrative Tätigkeiten (Schreibarbeiten,
Postbearbeitung, usw.). Hiefür wird sie im Rahmen einer OEG mit 50% am Gewinn
beteiligt.
Die Gesellschaftsgründung ist gemäß den §§ 66 Z 1 und 68 Z 2 WTBG zwar zulässig,
die vorgenommene Gewinnaufteilung ist jedoch fremdunüblich.
Fremdüblich wäre allenfalls eine entsprechende angemessene Verzinsung des
hingegebenen Kapitals sowie eine Gewinnbeteiligung, die von der Höhe her ungefähr
einer angestellten Schreibkraft im selben Beschäftigungsausmaß entspricht.
1189
Eine Beteiligung eines Alleingesellschafters einer GmbH an dieser als atypisch stiller
Gesellschafter, lediglich zum Zwecke der Verlustübernahme, stellt einen

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Missbrauchstatbestand dar (VwGH 11.12.1990, 89/14/0140; VwGH 2.2.2000, 97/13/0199).
Bei der Einkunftszurechnung hinsichtlich einer behaupteten Mitunternehmerschaft zwischen
nahen Angehörigen sind ggf. auch Untersuchungen dahingehend anzustellen, ob einer der
Mitunternehmer allenfalls als Strohmann anzusehen ist (VwGH 27.5.1999, 97/15/0113).
5.4.7.2 Echte stille Gesellschaft
1190
Obwohl hier das Gesellschaftsverhältnis in der Geschäftswelt nicht in Erscheinung treten soll,
muss es dennoch jedenfalls dem zuständigen Finanzamt gegenüber ausreichend nach außen
zum Ausdruck kommen und auch die übrigen in Rz 1141 angeführten Merkmale erfüllen
(VwGH 11.2.1980, 3132/78; VwGH 13.2.1991, 89/13/0223). Eine Anzeige beim Finanzamt
für Gebühren und Verkehrsteuern bzw. bei den gemäß der Verordnung des BMF, BGBl.
II Nr. 459/1999, für die Erhebung von Gebühren und Verkehrsteuern zuständigen
Finanzämtern ist somit nicht ausreichend (VwGH 27.5.1998, 95/13/0171). Hat das stille
Gesellschaftsverhältnis jedoch seinen Niederschlag durch buchmäßige Erfassung der Einlage
gefunden, ist eine gesonderte Mitteilung an das Finanzamt nicht erforderlich (vgl.
VwGH 11.11.1980, 1175/80). Erfolgte keine laufende Aufzeichnung in den Büchern und wird
es erst nach Ablauf des Besteuerungszeitraumes, für den es Wirkung entfalten soll, dem
Finanzamt zur Kenntnis gebracht, kommt es nicht in einer jeden Zweifel ausschließenden
Form zum Ausdruck (VwGH 6.10.1992, 89/14/0078).
1191
Auch bei derartigen Gesellschaftsverhältnissen ist zu untersuchen, aus welchen Mitteln der
sich beteiligende nahe Angehörige die Einlage bestritten hat und ob bei Einbringung seiner
Arbeitskraft der Gewinnanteil angemessen ist. Für die Prüfung, ob eine Person als
Dienstnehmer oder Arbeitsgesellschafter anzusehen ist, sind die Gegebenheiten des
Einzelfalles maßgeblich. Wird die gesamte Entlohnung als wirtschaftliches Äquivalent für
erbrachte Arbeitsleistungen angesehen, liegt bei Fremdüblichkeit der Vereinbarung ein
Dienstverhältnis vor (VwGH 10.9.1998, 93/15/0051).
1192
Im Rahmen des Fremdvergleiches widerspricht es bspw. jeder Lebenserfahrung, dass ein
Lehrberechtigter einen (fremden) Lehrling bereits zu Beginn des Lehrverhältnisses mit 20%
des Gewinnes an seinem Unternehmen beteiligt (VwGH 13.2.1991, 89/13/0223).
1193
Auch bei Einkünften aus selbständiger Arbeit ist eine Unterbeteiligung an einem
Gesellschaftsanteil in Form einer Innengesellschaft nach Art einer echten stillen Gesellschaft

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möglich (VwGH 5.3.1979, 2217/78). Die Einkünfte des unterbeteiligten Angehörigen sind als
Einkünfte aus Kapitalvermögen zu qualifizieren.
1194
Die Umwandlung eines Darlehens, das einem überschuldeten Betrieb von einem nahen
Angehörigen des Betriebsinhabers gewährt wurde, in eine stille Beteiligung, ist dann nicht
anzuerkennen, wenn die Beteiligung auf längere Sicht nur zu Verlustanteilen führt
(VwGH 21.9.1983, 82/14/0049).
1195
Die Konstruktion einer "GmbH und Still(er Gesellschafter)" unterliegt auch dann dem
Fremdvergleich, wenn zwar keinerlei familiäre Verflechtung, aber entsprechende
gesellschaftsrechtliche Verflechtungen bestehen (VwGH 23.6.1998, 93/14/0192).
5.4.8 Rechtsbeziehungen zwischen einer Kapitalgesellschaft und ihren
Gesellschaftern
5.4.8.1 Rechtsbeziehungen Gesellschafter-Gesellschaft
1196
An die Anerkennung von Rechtsgeschäften zwischen einer Kapitalgesellschaft und ihren
Gesellschaftern sind im Abgabenrecht ebenso strenge Maßstäbe anzulegen, wie sie auch bei
Vereinbarungen zwischen nahen Angehörigen gelten. Sie müssen demnach nach außen
ausreichend zum Ausdruck kommen, von vornherein ausreichend klar sein und einem
Fremdvergleich standhalten (VwGH 14.4.1993, 91/13/0194; VwGH 28.5.1997, 94/13/0015;
VwGH 23.10.1997, 96/15/0180; 96/15/0204; VwGH 23.6.1998, 97/14/0075;
VwGH 31.3.2000, 95/15/0056).
1197
Das den Fremdvergleich erfordernde Naheverhältnis zwischen Gesellschafter und
Kapitalgesellschaft kann auch über eine dem Gesellschafter nahe stehende Person begründet
werden (VwGH 13.3.1998, 93/14/0023, betr. Ehegattin bzw. Mutter des Gesellschafters). Die
dargestellten Grundsätze gelten auch für Verträge, die zwischen Gesellschaften
abgeschlossen werden, die von der selben Person vertreten oder wirtschaftlich dominiert
werden (VwGH 26.5.1999, 99/13/0039, 99/13/0072).
1198
Nach der im Wirtschaftsleben geübten Praxis hält eine Bürgschaftsübernahme eines
Rechtsanwaltes für einen Klienten dann dem Fremdvergleich nicht stand, wenn zwar eine
Verknüpfung der Erlangung einer Syndikusposition mit dieser Bürgschaft besteht, die
getroffene Vereinbarung jedoch auch die Übernahme einer Beteiligung des Rechtsanwaltes
an jener GmbH enthält, deren Syndikus er werden soll (VwGH 30.9.1999, 97/15/0101).

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1199
Auch wenn im Wirtschaftsleben die Beauftragung von "Subunternehmern" üblich ist, darf
über die besonderen Umstände des Einzelfalles, wie zB das Verhältnis zwischen
Einzelunternehmer und einer von ihm als Gesellschafter-Geschäftsführer beherrschten
Kapitalgesellschaft, der im Wege von In-sich-Geschäften Aufträge zukommen, nicht
hinweggesehen werden. Fehlen bei derartigen Geschäften beachtliche außersteuerliche
Gründe, ist von Missbrauch iSd § 22 BAO auszugehen (VwGH 10.9.1998, 93/15/0051).
5.4.8.2 Rechtsbeziehungen Gesellschafter-Geschäftsführer und Gesellschaft
1200
Prinzipiell gelten die Ausführungen in Rz 1196 ff sinngemäß; im Folgenden werden Fälle, die
konkret für Gesellschafter-Geschäftsführer Geltung haben, dargestellt.
1201
Für die Anerkennung von Vereinbarungen zwischen einer Kapitalgesellschaft und ihrem
Gesellschafter-Geschäftsführer sind ebenso strenge Maßstäbe wie für die Anerkennung von
Rechtsbeziehungen zwischen nahen Angehörigen anzulegen (VwGH 15.3.1995, 94/13/0249;
VwGH 14.4.1993, 91/13/0194); sie sind insbesondere auch für Rechtsbeziehungen zwischen
einer GmbH und ihrem Ein-Mann-Gesellschafter (Geschäftsführer) von Bedeutung
(VwGH 14.12.1993, 90/14/0264).
1202
Fremdunübliche Beziehungen bzw. Vertragsgestaltungen können daher zu verdeckten
Ausschüttungen an den Gesellschafter-Geschäftsführer führen (vgl. zB VwGH 8.3.1994,
91/14/0151, 91/14/0152, betr. überhöhter Bezüge sowie VwGH 10.4.1997, 94/15/0210 und
VwGH 24.6.1999, 94/15/0185, jeweils betr. Pensionsrückstellung für entsprechende
Ansprüche des geschäftsführenden Gesellschafters, wenn die Pensionszusage, auf welcher
der Pensionsanspruch beruht, einem gesellschaftsfremden Geschäftsführer nicht gemacht
worden wäre; siehe hiezu ausführlich Rz 3391 ff).
1203
Die Angemessenheit von Geschäftsführerbezügen kann anhand eines äußeren und inneren
Betriebsvergleiches beurteilt werden (VwGH 22.9.1999, 96/15/0232, 96/15/0238,
96/15/0239). Es gibt hiebei keine festen Regeln. Beurteilungskriterien sind zB Art und
Umfang der Tätigkeit, Ertragsaussichten des Unternehmens, Verhältnis des
Geschäftsführergehaltes zum Gesamtgewinn und zur verbleibenden Kapitalverzinsung sowie
Art und Höhe der Vergütungen, die gleichartige Betriebe (gesellschaftsfremden)
Geschäftsführern für entsprechende Leistungen gewähren. Die Frage, ob einem fremden
Geschäftsführer eine Entlohnung in gleicher Höhe oder unter gleichen Bedingungen gewährt

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worden wäre, ist eine auf Grund entsprechender Erhebungen in freier Beweiswürdigung zu
lösende Sachverhaltsfrage (VwGH 8.3.1994, 91/14/0151, 91/14/0152).
1204
Eine fremdübliche Geschäftsführerentlohnung ist ohne Bedachtnahme auf eine allfällige
Beteiligung an der Gesellschaft zu vereinbaren. Die Interessenslage zwischen Gesellschaft
und Geschäftsführer ist insoweit gegensätzlich, als die Interessen der Gesellschafter in der
Ausschüttung eines möglichst hohen Gewinnes und jene des Geschäftsführers in einer
möglichst hohen Entlohnung liegen. Die Grenze dieser divergierenden Interessen wird bei
(teilweiser) Personenidentität von Gesellschafter und Geschäftsführer im Rahmen des
Fremdvergleiches erkennbar, weil davon auszugehen ist, dass einander fremd
gegenüberstehende Gesellschafter und Geschäftsführer ihre jeweilige Interessenslage
bestmöglich wahrnehmen (VwGH 25.10.1994, 94/14/0071).
1205
Ein Mietvertrag zwischen einer GmbH und ihrem (alleinigen) Gesellschafter-Geschäftsführer
ist dann fremdunüblich, wenn die Zahlungsmodalitäten nicht festgelegt sind
(VwGH 23.6.1998, 97/14/0075).
5.4.9 Weitere Rechtsbeziehungen zwischen nahen Angehörigen
5.4.9.1 Miet- und Pachtverträge
1206
Der rückwirkende Abschluss berechtigt auch bei einem Mietvertrag die Versagung der
steuerlichen Anerkennung (VwGH 27.5.1987, 84/13/0221).
1207
Das Naheverhältnis zwischen den Vertragsparteien rechtfertigt auch bei derartigen Verträgen
eine genaue Prüfung, ob sie durch eine Leistungsbeziehung oder familienhaft bestimmt sind
(VwGH 30.6.1994, 92/15/0221). Die Fremdüblichkeit ist aus Sicht beider Vertragsteile zu
beurteilen (VwGH 10.7.1996, 94/15/0039). Zwar bedarf der Abschluss (zivilrechtlich) nicht
der Schriftform (VwGH 16.4.1991, 90/14/0043), liegt jedoch kein schriftlicher Bestandvertrag
vor, so müssen die wesentlichen Vertragsbestandteile (zB Bestandgegenstand, zeitlicher
Geltungsbereich, Mietzinshöhe, Wertsicherungsklauseln, Schicksal von Mieterinvestitionen,
Instandhaltungspflichten, Tragung der Betriebskosten) mit genügender Deutlichkeit fixiert
sein, wobei diesen Kriterien Bedeutung im Rahmen der Beweiswürdigung zukommt
(VwGH 8.9.1992, 87/14/0186).
1208
Fremdunübliche Modalitäten (wie zB fehlende Vereinbarungen über Vergütung von
Eigenleistungen bei vorzeitiger Beendigung des Mietverhältnisses, Bezahlung von Mietzins

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bereits ein Jahr vor Bezug der Wohnung, Diskrepanz zwischen vereinbartem Mietzins und
Geldmittelflüssen) sprechen gegen eine eindeutige, jeden Zweifel ausschließende
Vereinbarung (VwGH 8.9.1992, 87/14/0186).
1209
Unregelmäßige Mietzinszahlungen bzw. Stunden der Forderungen über einen längeren
Zeitraum führen zur Versagung der steuerlichen Anerkennung (VwGH 27.5.1987,
84/13/0221); geringfügige Zahlungsrückstände sind jedoch unbeachtlich (VwGH 16.2.1988,
87/14/0036, betreffend einmonatigen Mietzinsrückstand). Eine Fremdunüblichkeit liegt auch
bei fehlendem Abschluss eines schriftlichen Mietvertrages sowie der Übernahme von
Zahlungsverpflichtungen des Vermieters (zB Betriebskosten, Abgabenforderungen,
Versicherungen) an Stelle der Zahlung von Mietentgelten (VwGH 24.2.1999, 96/13/0201)
bzw. auch dann vor, wenn bei einer Fremdvermietung Mietentgelte erzielt werden könnten,
die jene, die von nahen Angehörigen bezahlt werden, um ein Mehrfaches übersteigen (VwGH
12.9.1996, 94/15/0019).
1210
Unter Fremden wird der Pachtzins nach den bisherigen bzw. voraussichtlich zu
erwirtschaftenden Erträgen bemessen; eine von wirtschaftlichen Verhältnissen unabhängige
Pachtzinsvereinbarung ist daher fremdunüblich (VwGH 27.6.1989, 88/14/0131, 88/14/0132).
1211
Zu weiteren Einzelfällen aus der Judikatur betreffend fremdunübliche Bestandverträge vgl.
Abschn. 5.4.12, Stichworte "Mietvertrag" und "Pachtverhältnis"; siehe weiters auch die
Ausführungen bzw. Beispiele in Rz 6523 und 6533 f.
1212
Hinsichtlich der Verpachtung von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben zwischen nahen
Angehörigen siehe Rz 5154 ff.
1213
Ein Anwendungsfall des Missbrauches von Formen und Gestaltungsmöglichkeiten des
bürgerlichen Rechts liegt dann vor, wenn in einem im Hälfteeigentum von Ehegatten
stehendem Wohnhaus die gemeinsam benutzte eheliche Wohnung von der aus den
Ehegatten bestehenden Miteigentümergemeinschaft einem Ehegatten vermietet wird
(VwGH 13.10.1993, 93/13/0129). Aufwendungen für die gemeinsame eheliche Wohnung
sind ganz allgemein gesehen nicht abzugsfähig (VwGH 27.5.1998, 98/13/0084; siehe auch
Rz 6523 und 6533 f).
5.4.9.2 Darlehensverträge
1214

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Auch bei diesen Verträgen sind zB Schriftlichkeit und zivilrechtliche Wirksamkeit keine
unabdingbaren Voraussetzungen für deren steuerliche Anerkennung, ein bloßer
bilanzmäßiger Ausweis als Schuldpost ist jedoch nicht ausreichend (VwGH 14.9.1977,
0027/77). Bei Fehlen des Fixierens schriftlicher Vereinbarungen und des Treffens eindeutiger
Abmachungen über Rückzahlungsmodalitäten und Verzinsung bei einem Vertrag zwischen
Ehegatten ist davon auszugehen, dass dieser zwischen fremden Personen nie vereinbart
worden wäre (VwGH 14.9.1977, 0027/77). Unter dem Gesichtspunkt der Fremdüblichkeit ist
jedoch schon aus Gründen der Beweissicherung für den Darlehensgeber ein bloß mündlich
abgeschlossener Darlehensvertrag ohnehin unüblich. Weiters ist eine ausreichende
Dokumentation der Leistungsabwicklung (zB durch Überweisungen oder
Empfangsbestätigungen) erforderlich (VwGH 20.12.1982, 81/13/0036, 82/13/0207).
1215
Der Inhalt des Darlehensvertrages hat jedenfalls zu enthalten: Darlehensgeber und -nehmer,
Art der geliehenen Sachen (Geld- oder Sachwerte), Laufzeit, Höhe der Zins- oder
Wertsicherungsvereinbarung, Besicherung, sowie klare Kündigungs-, Tilgungs- und
Zahlungsmodalitäten (VwGH 4.10.1983, 83/14/0034; VwGH 1.10.1992, 92/14/0149,
92/14/0151; VwGH 25.10.1994, 94/14/0067). Von unklaren Darlehensbedingungen ist
demnach etwa dann auszugehen, wenn jahrelang keine Zinsen verrechnet sowie keine
Rückzahlungen vorgenommen wurden und keine Vereinbarung über die Besicherung erfolgte
(VwGH 10.2.1982, 81/13/0094, 82/13/0002, 82/13/0003, 82/13/0004).
1216
Als fremdunüblich sind beispielsweise zinsenlose Darlehen, unverzinsliche
Verrechnungsforderungen, durch verspätete Zinsenverrechnung entgangene Zinseszinsen,
der Verzicht auf die Einforderung abgereifter Zinsen (VwGH 30.5.1989, 88/14/0111) sowie
das Fehlen einer Vereinbarung über einen Rückzahlungstermin, die Nichtfestlegung der
Fälligkeit von Zinsen und eines Kreditrahmens (VwGH 24.11.1993, 92/15/0113) anzusehen.
5.4.9.3 Treuhandverhältnisse
1217
Zwischen Fremden würden derartige Verhältnisse nicht ohne eindeutige Festlegung seines
Inhaltes betr. Gegenstand, Dauer, Beendigung sowie beidseitige Rechte und Pflichten
eingegangen (VwGH 16.3.1989, 89/14/0024). Die nicht offen gelegten, die wahren
wirtschaftlichen Gegebenheiten widerspiegelnden Verhältnisse sind zu ermitteln
(VwGH 22.12.1988, 84/17/0069). Da der Inhalt einer derartigen Vereinbarung den
Abgabenbehörden nicht bekannt sein kann, trifft die Parteien die Pflicht zur Darlegung des
maßgeblichen Inhaltes (VwGH 16.3.1989, 89/14/0024).

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5.4.9.4 Kaufvertrag
1218
Nach außen nicht in Erscheinung tretende Kaufverträge sind steuerlich nicht anzuerkennen
(VwGH 23.10.1984, 84/14/0060). Weiters ist zu prüfen, ob überhaupt ein Wechsel des
(wirtschaftlichen) Eigentums stattgefunden hat und ob sie dem Fremdvergleich standhalten
(VwGH 7.2.1989, 88/14/0043). Eine mangelnde bzw. unklare Vereinbarung über die
Kaufpreisabstattung kann zur Nichtanerkennung der Vereinbarung führen (VwGH 7.2.1989,
88/14/0043).
1219
Zu hohe Anschaffungskosten sind hinsichtlich des den angemessenen Betrag übersteigenden
Ausmaßes unbeachtlich (VwGH 20.11.1990, 89/14/0090); bei zu geringen
Anschaffungskosten richtet sich die Beurteilung des Rechtsvorganges nach den für gemischte
Schenkungen geltenden Regeln.
1220
Zur Veräußerung von Gesellschaftsanteilen einer Kapitalgesellschaft an nahe Angehörige
siehe Rz 6673.
5.4.9.5 Schenkung
1221
Bei derartigen Rechtsbeziehungen ist primär zu prüfen, ob die erforderliche Publizität vorliegt
(VwGH 15.4.1980, 0019/79). Werden die zivilrechtlichen Erfordernisse nicht erfüllt,
berechtigt dies üblicherweise auch zur Annahme, dass wirtschaftlich kein Eigentumsübergang
stattgefunden hat (VwGH 24.9.1980, 2735/79). Der Übergang des wirtschaftlichen
Eigentums bedarf einer besonderen Prüfung und ist insbesondere in Fällen des Missbrauches
von Formen und Gestaltungsmöglichkeiten des bürgerlichen Rechts iSd § 22 BAO zu
verneinen (VwGH 29.9.1981, 81/14/0003; siehe hiezu Rz 1233, Stichwort "Schenkung"). Die
Schenkung von Gesellschaftsanteilen an nahe Angehörige unter Vereinbarung eines
Fruchtgenussrechtes ist nicht ungewöhnlich (VwGH 24.11.1982, 81/13/0021).
1222
Eine Einschränkung des Fremdvergleiches ergibt sich insoweit, als zwischen Fremden idR
keine Schenkungen erfolgen (VwGH 21.12.1989, 86/14/0173). Allerdings ist bei einer
unentgeltlichen Betriebsübergabe ein Fremdvergleich zulässig (VwGH 19.9.1989,
86/14/0157).
1223
Zur Frage von Abfertigungszahlungen bei Betriebsschenkungen siehe Rz 1167.

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5.4.9.6 Gütergemeinschaft zwischen Ehegatten
1224
Diese bewirkt allein nicht, dass Einkünfte von vornherein beiden Ehegatten als zugeflossen
gelten bzw. dass deshalb ein Gesellschaftsverhältnis besteht (VwGH 21.2.1996, 92/14/0041).
Erst der durch die Tätigkeit erzielte Vermögenszuwachs kann als jener Vermögenswert
angesehen werden, auf den die Vereinbarung über die Gütergemeinschaft wirksam wird.
Ein Gütergemeinschaftsvertrag über das gegenwärtige und künftig zu erwerbende Vermögen
führt nur zur Verwendung steuerrechtlich bereits zugeflossener Einkünfte, was bei
Einkünften aus einer freiberuflichen Tätigkeit besonders augenscheinlich ist
(VwGH 22.3.1963, 2052/62; VwGH 4.2.1975, 1400/74). Auch bei Einkünften aus Land- und
Forstwirtschaft und aus Gewerbebetrieb bewirkt eine Gütergemeinschaft nur unter der
Voraussetzung, dass der andere Ehegatte im Betrieb mitarbeitet, ein Zufließen von
Einkünften an beide Ehegatten bzw. eine Mitunternehmerschaft (VwGH 22.1.1965, 1535/64;
VwGH 21.10.1980, 2385/79), sofern sie über die Beistands- bzw. Mitwirkungspflicht nach
bürgerlichem Recht hinausgeht und nach außen hin ausreichend in Erscheinung tritt
(VwGH 22.3.1972, 1459/71; siehe oben Rz 1142 ff). Führt eine Gütergemeinschaft zum
Zufließen der Einkünfte an beide Ehegatten, kann dies grundsätzlich nur zu gleichen Teilen
erfolgen. Ein Dienstverhältnis ist bei Bestehen eines Gütergemeinschaftsvertrages
auszuschließen (VwGH 5.12.1973, 0789/73).

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5.4.10 Mehrfache vertragliche Vereinbarungen
1225
Derartige Vereinbarungen, wie zB Schenkung von Wirtschaftsgütern an den Ehegatten mit
anschließender Rückmiete oder Entlohnung des nahen Angehörigen mit anschließender
Darlehensgewährung, sind auf ein allfälliges Vorliegen eines Missbrauches von Formen und
Gestaltungsmöglichkeiten des bürgerlichen Rechtes (§ 22 BAO) oder eines Scheingeschäftes
(§ 23 Abs.1 BAO) zu überprüfen.
1226
Erhielt ein Ehegatte die Geldmittel für den Ankauf eines Grundstückes teils durch Schenkung,
teils durch langfristige Darlehen vom anderen und mietet es dieser für betriebliche Zwecke,
spricht das Gesamtbild für einen Missbrauchstatbestand (vgl. VwGH 29.9.1981, 81/14/0003).
Unter dem Aspekt des Fremdvergleiches ist ein Vorgang, bei dem auf einem erworbenen
Grundstück mit eigenen Mitteln ein Gebäude errichtet, die Vermietung einem anderen
überlassen und von diesem das Objekt zurückgemietet wird, sogar als "abwegig" zu
bezeichnen (VwGH 23.6.1998, 97/14/0075). Schenkt ein Steuerpflichtiger seinen Kindern
dem Betrieb entnommene Geldbeträge und nimmt er diese Beträge wieder als Darlehen für
betriebliche Zwecke auf, ist diese Vereinbarung nicht anzuerkennen (VwGH 29.6.1982,
3323/78).
1227
Der Verkauf und die anschließende Rückmietung von Wirtschaftsgütern ("Sale and lease
back") ist eine im heutigen Wirtschaftsleben gebräuchliche Vorgangsweise, die prinzipiell
nicht fremdunüblich ist (VwGH 31.3.1998, 97/13/0003). Auch die Schenkung von
Gesellschaftsanteilen an nahe Angehörige unter Vereinbarung eines Fruchtgenussrechtes ist
nicht ungewöhnlich (VwGH 24.11.1982, 81/13/0021). Andererseits kann beim
Zuwendungsfruchtgenuss (zur Definition vgl. Rz 116 ff) an nahe Angehörige Missbrauch
dann vorliegen, wenn der Fruchtnießer das Grundstück an den Fruchtgenussbelasteten
vermietet.
5.4.11 Rechtsfolgen eines unangemessenen Leistungsentgeltes
5.4.11.1 Mangelnde Leistungserbringung trotz Zahlung eines Leistungsentgeltes
1228
In einem derartigen Fall werden keine oder keine nennenswerten - allenfalls auf
familienhafter Mitarbeit beruhende - Leistungen erbracht. Das dennoch bezahlte
Leistungsentgelt ist zur Gänze nicht abzugsfähig. Anwendungsfälle sind insbesondere als
Dienst- oder Werkverträge bezeichnete Vereinbarungen. Stellt ein naher Angehöriger für von
ihm angeblich erbrachte Buchhaltungsleistungen Honorare in Rechnung, so ist die

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Aufforderung des Betriebsprüfers nach einer Demonstration seiner Fähigkeiten am PC zur
Prüfung eines möglichen Scheingeschäftes zumutbar (VwGH 9.12.2004, 99/14/0135).
5.4.11.2 Unangemessen hohes Leistungsentgelt
1229
In einem derartigen Fall wird ein im Verhältnis zur konkret erbrachten Leistung zu hohes -
einem Fremden in dieser Höhe nicht gewährtes - Leistungsentgelt ausbezahlt, was bei allen
Arten von Rechtsbeziehungen auftreten kann. Sofern die Vereinbarung überhaupt die
ansonsten erforderlichen Kriterien erfüllt, hat dies zu einer Kürzung des unangemessenen
Entgeltes zu führen (VwGH 5.10.1982, 82/14/0006; VwGH 6.4.1995, 93/15/0064), wobei
sich die Angemessenheit bspw. an gesetzlich vorgegebenen Entgelten oder Honoraren
orientieren kann (VwGH 20.11.1990, 89/14/0090). Bei der Beurteilung der Angemessenheit
eines Lohnaufwandes ist jedoch eine gewisse Bandbreite bzw. Toleranzgrenze zu
berücksichtigen (VwGH 13.12.1989, 93/14/0056).
Beispiel 1 (siehe hiezu auch VwGH 26.1.1999, 98/14/0095):
Die bei ihrem Ehegatten angestellte Ehegattin bezieht als Ordinationshilfe ein Gehalt,
das um 25% über jenem einer weiteren eine vergleichbare Tätigkeit ausübenden
Angestellten liegt. Sofern die Gattin keine über eine Ordinationshilfe hinausgehende
Qualifikation aufweist (was zB bei einer Diplomkrankenschwester, die ua. auch
Blutabnahmen oder Impfungen durchführt oder bei einer Zusatzausbildung als
medizinisch-technische Assistentin der Fall wäre), ist das Gehalt auf das Niveau der
eine vergleichbare Tätigkeit ausübenden weiteren Angestellten zu reduzieren. Bei
Vorhandensein der angeführten Zusatzqualifikationen ist eine Anerkennung eines
höheren Gehaltes zwar unbedenklich, eine wesentliche Überschreitung des Gehaltes
einer Angestellten mit einer derartigen Qualifikation führt aber ebenfalls wieder zur
Nichtanerkennung des unangemessen hohen Gehaltsteiles.
Beispiel 2 (siehe hiezu auch VwGH 20.11.1990, 89/14/0090):
Für die erfolgreiche Vermittlung eines Liegenschaftsverkaufes werden bei der
Ermittlung der Einkünfte aus einem Spekulationsgeschäft an einen nahen Angehörigen
14% des Verkaufspreises als Vermittlungsprovision gezahlt. Nach der Verordnung über
Ausübungsregeln für Immobilienmakler wären insgesamt lediglich 6% des Kaufpreises
als Höchstprovision zulässig.
Es hat daher eine Reduktion der Provision auf einen Betrag zu erfolgen, der den
verordnungsmäßig vorgegebenen Höchstsatz nicht übersteigen darf.
5.4.11.3 Unangemessen niedriges Leistungsentgelt
1230
Eine derartige Vereinbarung führt zu unterschiedlichen Rechtsfolgen:
. Ist das Entgelt derart niedrig, dass es nur noch taschengeldähnlichen Charakter aufweist,
ist es steuerlich überhaupt nicht anzuerkennen (vgl. etwa VfGH 27.9.1985, B 253/79;
VwGH 19.12.1990, 87/13/0053).

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. Ist das Entgelt zwar unangemessen niedrig, liegt betragsmäßig aber über einem
Taschengeld, ist es bei sonstiger steuerlicher Unbedenklichkeit der Vereinbarung in Höhe
der tatsächlichen Auszahlung anzuerkennen. Eine Korrektur eines derartigen Entgeltes
dahingehend, dass Ausgaben oder Einnahmen (in fremdüblicher Höhe) fingiert werden,
hat jedenfalls zu unterbleiben.
Beispiel:
Bei einem zwischen nahen Angehörigen abgeschlossenen Dienstvertrag im
Stundenausmaß der Normalarbeitszeit werden folgende Entgelte vereinbart:
a) 70% des entsprechenden Kollektivvertrages;
b) 10.000 S jährlich.
Es ist wie folgt vorzugehen:
a) Anerkennung der Gehaltsaufwendungen in der tatsächlichen Höhe (kein Ansatz
eines "angemessenen" - höheren - Kollektivvertragslohnes);
b) keine Anerkennung als Betriebsausgaben, da von einem taschengeldähnlichen
Charakter auszugehen ist
5.4.11.4 Unübliche Abwicklung der Leistungsbeziehung
1231
Erfolgen die Auszahlungsmodalitäten nicht in fremdüblicher Form (zB nicht regelmäßige
Lohnauszahlungen), spricht dies gegen den tatsächlichen Abschluss einer Vereinbarung
(VwGH 17.5.1989, 88/13/0038). So ist etwa das jahrelange Stunden von Gehaltsforderungen
unüblich (VwGH 25.2.1997, 92/14/0039). Leben beide Vertragspartner in einem
gemeinsamen Haushalt und wird das Leistungsentgelt oder ein Teil hievon durch
"Naturalleistungen" oder "freiwillige Sozialleistungen" (etwa durch Übernahme der
Wohnungs- und Verpflegungskosten) ausbezahlt, so können diese Aufwendungen - selbst bei
an sich gegebener Angemessenheit - im Hinblick auf § 20 Abs.1 Z 1 EStG 1988 - nicht als
Betriebsausgaben anerkannt werden (VwGH 20.9.1980, 1421/79; vgl. auch Rz 1165). Bei der
Unüblichkeit der Abwicklung der Leistungsbeziehungen ist weiters eine Beurteilung
vorzunehmen, ob nach dem Gesamtbild der Verhältnisse ein betriebliches oder privates Motiv
im Vordergrund steht (VwGH 25.1.1995, 93/15/0003).
Beispiel:
Die Ehegattin arbeitet im Rahmen eines Dienstverhältnisses in einem Ausmaß von fünf
Wochenstunden in der Rechtsanwaltskanzlei ihres Ehegatten. Die Lohnzahlungen
werden in der Form vereinbart, dass einerseits am Jahresende ein Stundenlohn von
50 S ausbezahlt wird und der Ehegatte andererseits für ihren gesamten Unterhalt
aufkommt, der mit monatlich 4.000 S bewertet wird. Hierüber wird ein schriftlicher
Vertrag verfasst; weiters werden Sozialversicherungsbeiträge abgeführt.
Infolge völlig fremdüblichen Auszahlungsmodus des Gehaltes sind die Aufwendungen
selbst dann nicht anzuerkennen, wenn sie der Höhe nach angemessen wären.

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1232
Eine Einstellung der Lohnzahlung aus bedeutsamen betrieblichen Gründen hat auf die
Anerkennung des Dienstverhältnisses zwar idR keinen Einfluss (VwGH 11.2.1970, 0943/68).
Ist dies jedoch nicht nur vorübergehend der Fall und erfolgt seitens des nahen Angehörigen
keine Reaktion (zB vorzeitiger Austritt gemäß § 26 AngG), ist unter dem Aspekt der
Fremdüblichkeit das Dienstverhältnis steuerlich nicht anzuerkennen.
5.4.12 ABC der Vereinbarungen zwischen nahen Angehörigen - Einzelfälle
aus der Judikatur
1233
Stichwort/Leitsatz Erkenntnisse
Abfertigung (siehe Rz 1167)
Fremdunüblichkeit einer freiwilligen - familienfremden
Dienstnehmern nicht gewährten - Abfertigung
VwGH 10.9.1998,
93/15/0051
Fremdunüblich, wenn an den Betriebsübernehmer im Rahmen
einer unentgeltlichen Betriebsübergabe geleistet
VwGH 1.12.1992,
89/14/0176
Abgeltungsbeträge gemäß § 98 ABGB (siehe Rz 1147)
familienhafter Natur, keine Betriebsausgaben
VwGH 21.7.1993,
91/13/0163
Allgemeine Kriterien für Angehörigenvereinbarungen
(siehe Rz 1130 ff)
Publizität, eindeutiger und klarer Inhalt, Fremdvergleich
VwGH 22.2.2000,
99/14/0082
Angehörige – Personenkreis (siehe Rz 1129)
Angemessenheit - Allgemein
Gehälter siehe "Gehaltszahlungen"
hinsichtlich der
Judikaturfundstellen vgl.
die bei den jeweiligen
Stichwörtern angeführten
Erkenntnis
Geschäftsführerbezüge siehe "Gesellschafter-Geschäftsführer"
Gewinnbeteiligung des echten stillen Gesellschafters siehe "Stille
Gesellschaft"
Mietzins siehe "Mietvertrag"

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Sponsorleistungen siehe "Sponsorzahlungen" VwGH 23.1.1996,
92/14/0034
Taschengeldähnliches Leistungsentgelt VwGH 19.12.1990,
87/13/0053
Unangemessen hohes Leistungsentgelt VwGH 6.4.1995,
93/15/0064
Bereitschaftsdienst (bei Dienstverhältnis)
Fremdunüblichkeit bei Nichtvorliegen einer Vereinbarung, ob
Telefondienst Bereitschaftsdienst oder Vollarbeitszeit darstellt
VwGH 22.2.2000,
99/14/0082
Fremdunüblichkeit bei Bestehen eines Großteiles der
Arbeitsleistung in Bereitschaftsdienst
VwGH 23.3.2000,
96/15/0120
Betriebsübergabe (siehe Rz 1221)
Zulässigkeit des Fremdvergleiches bei Unentgeltlichkeit
VwGH 19.9.1989,
86/14/0157
Beweiswürdigung (siehe Rz 1130 ff)
Vornahme anhand von Fremdvergleich, klarer Inhalt, Publizität
VwGH 6.10.1992,
89/14/0078
...ABC der Vereinbarungen:
Darlehensverhältnis (siehe Rz 1214)
Fremdunüblichkeit eines zinsenlosen Darlehens VwGH 30.5.1989,
88/14/0111
Fremdunüblichkeit einer verspäteten Zinsenverrechnung VwGH 30.5.1989,
88/14/0111
Fremdunüblichkeit des Verzichtes auf Einforderung fälliger
Zinsen
VwGH 30.5.1989,
88/14/0111
Fremdunüblichkeit des Fehlens klarer Kündigungs-, Tilgungsund
Zinszahlungsvereinbarungen
VwGH 25.10.1994,
94/14/0067
Erfordernis der Dokumentation der Leistungsabwicklung (zB
Überweisungen, Empfangsbestätigungen)
VwGH 20.12.1982,
81/13/0036

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Unglaubwürdigkeit einer schriftlichen Erklärung über eine 13
Jahre zuvor zustandegekommene mündliche Vereinbarung
mangels zeitnaher Erstellung
VwGH 1.12.1992,
92/14/0149
Umdeutung zinsenloser und nichtbesicherter Geldleistungen bei
personeller Verflechtung von Personengesellschaften in Einlagen
VwGH 1.12.1992,
92/14/0149, 92/14/0151
Umdeutung eines fremdunüblichen Bilanzpostens Darlehen in
Eigenkapital
VwGH 22.6.1993,
93/14/0067
Schenkung von dem Betrieb entnommenen Geldbeträgen und
anschließende Darlehensaufnahme dieser Beträge für
betriebliche Zwecke ist nicht anzuerkennen
VwGH 29.6.1982,
82/14/0173
Dienstverhältnis (siehe Rz 1148 ff)
zur Höhe des Gehaltes siehe Gehaltszahlungen, Kollektivvertrag
(mangelhafte) Beweiswürdigung iZm angeblich umfangreichen -
jede Freizeit ausschließenden - Bereitschaftsdiensten
VwGH 13.10.1999,
93/13/0074
Ersetzen einer sonst notwendigen Arbeitskraft VwGH 29.10.1985,
85/14/0067
Unklarer Inhalt und Fremdunüblichkeit bei Nichtvorliegen einer
Vereinbarung über Dienstbeginn und -ende
VwGH 22.2.2000,
99/14/0082
Unklarer Inhalt und Fremdunüblichkeit bei Nichtvorliegen einer
Vereinbarung für den Fall, dass vereinbarte und tatsächlich
erbrachte Arbeitsleistung auseinander fallen
VwGH 22.2.2000,
99/14/0082
Unklarer Inhalt und Fremdunüblichkeit bei Nichtvorliegen einer
Vereinbarung darüber, ob Telefondienst Bereitschaftsdienst oder
Vollarbeitszeit darstellt
VwGH 22.2.2000,
99/14/0082
Fremdunüblichkeit bei Bestehen eines Großteiles der
Arbeitsleistung in Bereitschaftsdienst
VwGH 23.3.2000,
96/15/0120
Fremdunüblichkeit der Gehaltsfortzahlung an die geschiedene
Gattin trotz Verzichtes auf ihre Arbeitsleistung
VwGH 24.3.1981,
2857/80
Keine Anerkennung bei Nichtauszahlung von Lohnzahlungen, VwGH 1.7.1992,

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trotz Einbehaltes von Lohnsteuer und Sozialversicherung 90/13/0169, VwGH
22.2.2000, 99/14/0082
Fremdunüblichkeit der Gewährung eines Betriebsausfluges
anstatt eines Urlaubes
VwGH 24.6.1999,
97/15/0070
Fremdunüblichkeit einer Urlaubsablöse statt Urlaubsgewährung VwGH 24.6.1999,
97/15/0070
Kein zwingender Schluss, dass Angestelltentätigkeit des nahen
Angehörigen deshalb nicht 20 Wochenstunden betragen kann,
weil eigene gewerbliche Tätigkeit (10 Wochenstunden)
ausgeübt und Haushalt mit Kind geführt wird
VwGH 18.11.1987,
86/13/0113
Dienstwagen (siehe Rz 1170)
Fremdunüblichkeit der unentgeltlichen Zurverfügungstellung an
den Geschäftsführer bei Betrieb mit 3 Mio. S (218.018,50 Euro)
Umsatz
VwGH 23.2.1994,
92/15/0158
Dienstwohnung (siehe Rz 1161 ff)
Unüblichkeit der Zurverfügungstellung einer Dienstwohnung bei
Betrieben mittlerer Größe
VwGH 30.9.1999,
98/15/0005
Üblichkeit der Zurverfügungstellung einer Dienstwohnung zB bei
Nachtdienstverrichtung
VwGH 17.10.1989,
88/14/0204
Familiäre Veranlassung trotz Zweckmäßigkeit des Wohnsitzes
am Betriebsort eines zu unregelmäßigen Zeiten
Wartungsarbeiten verrichtenden Arbeitnehmers, wenn Wohnung
nicht für Fremden errichtet worden wäre
VwGH 17.9.1990,
89/15/0019
Keine Betriebsvermögenszugehörigkeit hinsichtlich einer
Wohnung, die an eine Arbeitnehmerin überlassen wird, mit der
der Steuerpflichtige gemeinsame Kinder hat
VwGH 24.6.1986,
85/14/0175
Fremdunüblichkeit einer Entlohnung eines Teilzeitbeschäftigten
durch Auszahlung eines unter dem Existenzminimum liegenden
Gehaltes und Überlassung einer mit dem Sachbezugswert
bewerteten Wohnung
VwGH 25.1.1995,
93/15/0003

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Unüblichkeit der Zurverfügungstellung einer fast 100 m2 großen
Dienstwohnung an die teilzeitbeschäftigte studierende Tochter,
da damit vorrangig die Wünsche, die Wohnbedürfnisse nicht
mehr in der elterlichen Wohnung zu befriedigen, erfüllt werden
VwGH 14.1.1981,
2202/79
Kein betriebliches Interesse bei Zurverfügungstellung einer
Wohnung an einen Arbeitnehmer, um ihm Fahrtstrecke von 10
km zu ersparen
VwGH 22.9.1992,
88/14/0058
...ABC der Vereinbarungen:
Echte stille Gesellschaft (siehe Rz 1190 ff)
Erfordernis der Bekanntgabe gegenüber dem zuständigen
Finanzamt und des Erfüllens der sonstigen Kriterien
VwGH 13.2.1991,
89/13/0223
Erfordernis der Anzeige beim sachlich zuständigen Finanzamt VwGH 27.5.1998,
95/13/0171
Einer als Äquivalent für erbrachte Arbeitsleistungen
anzusehende Entlohnung liegt ein Dienstverhältnis zu Grunde.
VwGH 10.9.1998,
93/15/0051
"GmbH und Still(er Gesellschafter)" unterliegt auch dann dem
Fremdvergleich, wenn zwar keinerlei familiäre, aber
entsprechende gesellschaftsrechtliche Verflechtungen bestehen
VwGH 23.6.1998,
93/14/0192
Fremdunüblichkeit einer Beteiligung eines Lehrlings zu Beginn
des Lehrverhältnisses mit 20% des Gewinnes
VwGH 13.2.1991,
89/13/0223
Nach der Lebenserfahrung beteiligt sich ein gesellschaftsfremder
Dritter nicht zu einem Zeitpunkt, in dem der gänzliche Verlust
der Einlage absehbar war
VwGH 25.6.1997,
94/15/0118
Ehegattenvereinbarungen (siehe Rz 1134, 1147 und 1224)
Verstösse gegen das Notariatszwanggesetz führen nicht zur
Unbeachtlichkeit des Rechtsgeschäfts
VwGH 25.10.1994,
94/14/0067
Gütergemeinschaft bewirkt nicht, dass Einkünfte von vornherein
beiden Ehegatten als zugeflossen gelten bzw. dass deshalb ein
Gesellschaftsverhältnis besteht
VwGH 21.2.1996,
92/14/0041

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Ausschluss eines Dienstverhältnisses bei Gütergemeinschaft VwGH 5.12.1973,
0789/73
Abgeltungsanspruch gemäß § 98 ABGB VwGH 23.4.1998,
95/15/0191
Zurechnung von Einnahmen ist nicht davon abhängig, auf
welches Konto eine Zahlung überwiesen wurde
VwGH 24.1.1990,
88/13/0243
Eheliche Wohnung (siehe Rz 1161 ff und Rz 1206 ff)
Allgemeine Nichtabzugsfähigkeit von Aufwendungen
VwGH 27.5.1998,
98/13/0084
Einmann-GmbH (siehe Rz 1142 ff) VwGH 14.12.1993,
90/14/0264
Ermittlungsverfahren
oftmalig Voraussetzung für die Überprüfung von
Angehörigenvereinbarungen, wobei Verfahrensgrundsätze der
BAO zu beachten sind
VwGH 15.12.1992,
89/14/0154
Familienhafte Mitarbeit (siehe Rz 1142 ff)
Rechtsgrundlage sind nicht unmittelbar aktualisierte
Entgeltsvorstellungen, sondern zB Erbringung eines Beitrages
zur Befriedigung der Familienbedürfnisse, Erwerb von Erfahrung
oder Erweis der Tauglichkeit für Nachfolge als Betriebsinhaber
VwGH 4.9.1992,
91/13/0196
typische Tätigkeiten: zB Rasenmähen, Streicharbeiten VwGH 29.1.1991,
89/14/0088
typische Tätigkeiten: zB Reinigungsarbeit, Telefondienst,
Botengänge
VwGH 24.6.1999,
97/15/0070
typische Tätigkeiten: zB gelegentliche Chauffeurdienste,
Bankerledigungen
VwGH 22.2.2000,
99/14/0082
Tätigwerden ausschließlich in der Freizeit spricht für
familienhafte Mitarbeit
VwGH 21.10.1986,
86/14/0042
Getrennte Betrachtung bei Tätigwerden in einem
Dienstverhältnis in einem Bereich und in familienhafter Mitarbeit
VwGH 21.10.1986,
86/14/0042

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in anderem Bereich
Tätigwerden in der Freizeit oder im Urlaub VwGH 21.10.1986,
86/14/0042
Fremdunüblichkeit der Ausrichtung der Entlohnung an einer
gesetzlichen Regelung (betreffend Bagatellregelung des
§ 21 Abs. 6 UStG 1972)
VwGH 21.3.1996,
92/15/0055
Lohnzahlungen eines öffentlich Bediensteten für Telefondienst VwGH 27.6.1989,
88/14/0112
Familienhafte Mitarbeit in bäuerlichen Kreisen VwGH 30.6.1988,
87/16/0026
Wartungsarbeiten am väterlichen PKW gegen jährlichen
Einmalbetrag von S 3.000 (218,02 Euro) bis S 4.000
(290,69 Euro)
VwGH 17.5.1989,
88/13/0038
Aushilfslöhne an den die Mittelschule besuchenden Sohn für
einfachste Arbeiten (zB Kleben von Etiketten)
VwGH 13.9.1989,
88/13/0042
Hilfeleistung bei Errichtung einer Arztpraxis VwGH 30.1.1990,
89/14/0162
Bezahlung der Grabpflege als Entlohnung für Wäschereidienste
in einem Hotelbetrieb
VwGH 19.10.1988,
86/13/0155
Fallweise Lenkertätigkeit VwGH 26.3.1985,
84/14/0059
Keine Beschränkung der familiären Beistandsleistung auf ein
bestimmtes Alter
VwGH 25.2.1997,
92/14/0039
Abgeltungsbeträge iSd § 98 ABGB VwGH 21.7.1993,
91/13/0163
Taschengeldähnlicher Entgeltscharakter VwGH 25.2.1997,
92/14/0039
Firmenwert
Gründet sich die Leistung eines überhöhten Erwerbspreises auf
VwGH 21.10.1999,
94/15/0117

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ausserbetriebliche Umstände, kann sich ein Firmenwert nur
insoweit ergeben, als auch ein Fremder bereit wäre, einen den
Wert der Aktiva übersteigenden Wert aufzuwenden
Freie Verpflegung (siehe Rz 1165)
Wenn auch anderen Dienstnehmern gewährt und
branchenüblich, kein Unterhalt iSd § 94 ABGB
VwGH 19.5.1987,
85/14/0118
Üblicherweise Unterhaltsaufwendung gemäß § 20 EStG 1988 VwGH 30.9.1980,
1421/79
Fremdvergleich - Allgemeine Grundsätze (siehe Rz 1138 ff)
Erfordernis des Vorliegens zu Beginn der Vereinbarung VwGH 14.4.1993,
91/13/0194
Voraussetzung eines geklärten Sachverhaltes VwGH 15.3.1995,
92/13/0271
Grundsätzliche Bedachtnahme auf Leistungsbeziehungen
zwischen einander fremd gegenüberstehenden Personen
VwGH 25.10.1994,
94/14/0067
Zwischen Fremden nicht vorkommende Beziehungen sind nach
dem Verhalten anderer nahe stehender Personen zu beurteilen
VwGH 25.10.1994,
94/14/0067
Maßgeblichkeit der im Wirtschaftsleben geübten Praxis VwGH 21.3.1996,
95/15/0092
...ABC der Vereinbarungen:
Gehaltszahlungen (siehe Rz 1148 ff)
siehe auch "Dienstverhältnis" siehe Erkenntnis bei
Abschn. 5.4.6.2
siehe auch "Kollektivvertrag" VwGH 29.7.1997,
93/14/0056
Innerbetrieblicher Vergleich mit anderen Angestellten zulässig VwGH 3.3.1997,
95/15/0128
Orientierung der Angemessenheit bei äußerem Betriebsvergleich VwGH 8.11.1977,

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
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an Stellenangeboten in Wirtschaftszeitungen 1115/74
Unangemessenheit des sprunghaften Ansteigens von Bezügen VwGH 17.1.1989,
88/14/0100
Orientierung der Höhe an Qualität und Quantität der Leistungen VwGH 10.9.1998,
93/15/0051
Reduktion überhöhter Lohnzahlungen auf angemessene Höhe
(Erkenntnis betreffend Rechtsanwaltsanwärter; Ordinationshilfe;
ausgebildete Ärztin als Ordinationshilfe)
VwGH 5.10.1982,
82/14/0006;
VwGH 29.10.1985,
84/14/0087;
VwGH 30.1.1990,
89/14/0162
Unschärfen bei der Höhe einer Entlohnung VwGH 13.3.1997,
95/15/0128
bei der Überprüfung der Angemessenheit ist eine gewisse
Bandbreite zu berücksichtigen
VwGH 13.12.1989,
93/14/0056
Keine Anerkennung einer wesentlich höheren Bezahlung trotz
kürzerer Vordienstzeit
VwGH 6.4.1995,
93/15/0064
Eine besondere Vertrauenswürdigkeit rechtfertigt nicht ein das
allgemeine Gehaltsniveau wesentlich übersteigendes Gehalt
VwGH 18.11.1987,
86/13/0113
Nicht regelmäßige Lohnauszahlungen sprechen gegen den
Abschluss eines Dienstvertrages
VwGH 17.5.1989,
88/13/0038
Unüblichkeit des jahrelangen Stundens von Gehaltsforderungen VwGH 25.2.1997,
92/14/0039
Unüblichkeit des jahrelangen Unterbleibens von
Lohnauszahlungen
VwGH 25.2.1997,
92/14/0039
Gehaltshöhe - innerbetrieblicher Vergleich VwGH 18.11.1987,
86/13/0113
Gehaltshöhe - ausserbetrieblicher Vergleich VwGH 8.11.1977,
1115/74

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
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Angemessenheit von Geschäftsführerbezügen anhand eines
äußeren und inneren Betriebsvergleiches
VwGH 22.9.1999,
96/15/0232
Keine Anerkennung zu niedriger eklant unangemessener
Lohnzahlungen
VwGH 14.1.1986,
85/14/0186
Fremdunüblichkeit der Gehaltsfortzahlung an die geschiedene
Gattin trotz Verzichtes auf ihre Arbeitsleistung
VwGH 24.3.1981,
2857/80
Keine Anerkennung bei Nichtauszahlung von Teilen des
Nettolohnes trotz Einbehaltes von Lohnsteuer und
Sozialversicherung
VwGH 1.7.1992,
90/13/0169
Unangemessenheit eines sprunghaften Ansteigens des Lohnes
ohne Veränderung der Arbeitsleistung
VwGH 17.1.1989,
88/14/0010
Unangemessenheit eines sich an der ASVGHöchstbeitragsgrundlage
orientierenden Gehaltes
VwGH 13.5.1986,
85/14/0180
Gesellschafter-Geschäftsführer (siehe Rz 1200 ff)
Überhöhte Bezüge sind verdeckte Gewinnausschüttung VwGH 8.3.1994,
91/14/0151
Fremdvergleich bei Vereinbarungen zwischen Gesellschafter-
Geschäftsführer und Gesellschaft
VwGH 15.3.1995,
94/13/0249
Maßgebliche Kriterien für die Anerkennung von Beziehungen
zwischen Gesellschafter-Geschäftsführer und Gesellschaft
VwGH 14.4.1993,
91/13/0194
Beurteilung der Angemessenheit von Geschäftsführerbezügen
an Hand eines äußeren und inneren Betriebsvergleiches
VwGH 22.9.1999,
96/15/0232
Üblichkeit des Interessensgegensatzes zwischen Gesellschafter
und Geschäftsführer
VwGH 25.10.1994,
94/14/0071
Unüblichkeit der unentgeltlichen Zurverfügungstellung einer
Wohnung zusätzlich zum angemessenen Bezug
VwGH 17.2.1993,
89/14/0248
Keine Anerkennung der Abtretung eines Gesellschaftsanteiles an
die Ehegattin, wenn die Möglichkeit offen gelassen wird, den
Abtretungspreis auf unbestimmte Zeit nicht einzufordern
VwGH 7.2.1989,
88/14/0043

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Unüblichkeit der Vereinbarung von Nebenleistungen
(Dienstwagen, Pensionszusage, Versicherung) bei Unternehmen
mit Umsatz von ca. 3 Mio. S (218.018,50 Euro)
VwGH 23.2.1994,
92/15/0198
Unüblichkeit einer vom Beteiligungsausmaß abhängigen
Tantieme
VwGH 8.3.1994,
91/14/0151
Unüblichkeit der Bestellung eines Geschäftsführers, um allen an
der GmbH beteiligten Familien die Vertretung in der
Geschäftsführung zu ermöglichen
VwGH 8.3.1994,
91/14/0151
Keine Anerkennung einer Pensionszusage, die als Ganzes einem
fremden Geschäftsführer nicht gemacht worden wäre
VwGH 7.2.1990,
88/13/0241;
VwGH 24.6.1999,
94/15/0185
Gleichmäßigkeit der Besteuerung
Verletzung durch willkürliche Herbeiführung steuerliche
Wirkungen
VwGH 6.4.1995,
93/15/0064, VwGH
26.1.1999, 98/14/0095
Gütergemeinschaft (siehe Rz 1181 ff und Rz 1224)
Kein automatisches Zufliessen an beide Ehegatten VwGH 21.2.1996,
92/14/0041
Erfordernis der Mitarbeit im Betrieb VwGH 21.10.1980,
2385/79
Ausschluss des Dienstverhältnisses bei
Gütergemeinschaftsvertrag
VwGH 5.12.1973,
0789/73
...ABC der Vereinbarungen:
Kapitalgesellschaft (siehe Rz 1196 ff)
Kriterien zur steuerlichen Anerkennung sind auch für
Rechtsbeziehungen zwischen Kapitalgesellschaft und ihren
Gesellschaftern von Bedeutung
VwGH 26.5.1993,
89/13/0082
Fremdunüblichkeit der Bürgschaftsübernahme eines
Rechtsanwaltes bei Verknüpfung der Erlangung einer
VwGH 30.9.1999,
97/15/0101

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
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Syndikusposition und gleichzeitiger Übernahme einer Beteiligung
an jener GmbH, deren Syndikus er werden soll
Fremdüblichkeit von Verträgen zwischen Kapitalgesellschaft und
Gesellschaftern
VwGH 5.10.1994,
94/15/0036
Verdeckte Ausschüttung bei fehlender Darlehensverzinsung
einer GmbH gegenüber nahe stehenden Gesellschafter
VwGH 26.5.1999,
99/13/0039
Vereinbarungen zwischen Ein-Mann-Gesellschaft und
Gesellschafter unterliegen Fremdvergleich
VwGH 14.4.1993,
91/13/0194
Klarer Inhalt von Vereinbarungen - Allgemeines Grundsätze (siehe Rz 1130 ff)
Pflicht zur Aufklärung unklarer Vertragsgestaltungen durch den
sich darauf Berufenden
VwGH 29.6.1995,
93/15/0115
Erfordernis des Festhaltens wesentlicher Vertragspunkte VwGH 22.9.1992,
88/14/0074
Abweichen von allgemein üblichen Vertragsinhalten VwGH 6.10.1992,
88/14/0045
Keine laufende Aufzeichnung von Leistungsbeziehungen VwGH 6.10.1992,
89/14/0078
Kollektivvertrag (siehe Rz 1158)
Bei Gehaltszahlungen hinsichtlich der Einstufung in die richtige
Verwendungsgruppe und für deren Höhe (insb. im Hinblick auf
auch fremdübliche Überbezahlungen) heranzuziehen
VwGH 29.7.1997,
93/14/0056
Anhaltspunkt für Fremdüblichkeit der Entlohnung VwGH 15.3.1995,
92/13/0271
Fremdunüblichkeit von unter dem Kollektivvertrag liegenden
Gehaltszahlungen
VwGH 16.11.1993,
90/14/0083
Konkludentes Verhalten (siehe Rz 1181)
das mit ausreichender Deutlichkeit nach außen dringt, kann eine
Mitunternehmerschaft begründen
VwGH 13.10.1987,
87/14/0114

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Lebensversicherung
Unüblichkeit der Übernahme der Prämie, wenn in
Gesamtausstattung nicht gedeckt
VwGH 12.1.1983,
81/13/0004
Lohnzahlungen (siehe Rz 1148 ff)
siehe Gehaltszahlungen
siehe Erkenntnis bei
Abschn. 5.4.6.2 u
"Gehaltszahlungen"
...ABC der Vereinbarungen:
Mietvertrag (siehe Rz 1206 ff)
Naheverhältnis rechtfertigt Prüfung, ob Mietvertrag durch eine
Leistungsbeziehung oder familienhaft bestimmt ist
VwGH 30.6.1994,
92/15/0221
Fremdüblichkeit ist aus Sicht beider Vertragsteile zu beurteilen VwGH 10.7.1996,
94/15/0039
Vertragsabschluss bedarf (zivilrechtlich) nicht der Schriftform VwGH 16.4.1991,
90/14/0043
Bloße Meldung an die Abgabenbehörde nicht ausreichend VwGH 5.2.1992,
89/13/0111
Erfordernis der Festlegung wesentlicher Vertragsbestandteile bei
Nichtabschluss eines schriftlichen Vertrages
VwGH 8.9.1992,
87/14/0186
Unklare bzw. fehlende Vereinbarungen sprechen gegen
eindeutigen, dem Fremdvergleich standhaltenden Vertrag
VwGH 8.9.1992,
87/14/0186
Fremdunüblichkeit eines mündlichen Vertrages bei Orientierung
der Miethöhe an veränderlichen Nutzungsmöglichkeiten des
Mieters
VwGH 30.6.1994,
92/15/0221
Fremdübliche Mietzinshöhe wird von Amortisation des
eingesetzten Kapitals und angemessener Verzinsung bestimmt
VwGH 8.11.1988,
87/14/0197
Fremdunüblichkeit von durch Angehörige bezahlten
Mietentgelten, wenn bei einer Fremdvermietung ca. das Zweibis
Vierfache an Mieten erzielt werden könnte
VwGH 12.9.1996,
94/15/0019
Fremdunüblichkeit einer sich nach dem Geschäftsvolumen des VwGH 12.9.1996,

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Mieters richtenden Mietzinshöhe 94/15/0019
Fremdunüblichkeit, bei fehlendem Abschluss eines schriftlichen
Mietvertrages und Übernahme von Zahlungsverpflichtungen des
Vermieters (zB Abgabenforderungen, Versicherungen) an Stelle
der Zahlung von Mietentgelten
VwGH 24.2.1999,
96/13/0201
Fremdunüblichkeit, wenn Mietzins für nahe Angehörige nur ca.
10% bzw. 20% der von einem fremden Mieter für Objekte im
gleichen Haus bezahlten Miete ausmacht
VwGH 18.11.1991,
91/15/0043
Fremdunüblichkeit des jahrelangen Stundens eines
Untermietzinses ohne Zinsen und Sicherheiten
VwGH 27.5.1987,
84/13/0221
Fremdunüblichkeit eines Mietvertrages zwischen GmbH und
Gesellschafter-Geschäftsführer bei Nichtfestlegung der
Zahlungsmodalitäten
VwGH 23.6.1998,
97/14/0075
Fremdunüblichkeit des Erlasses von Mietzinsen während der
Dauer der Rückzahlung des für Mieterinvestitionen
aufgenommenen Kredites
VwGH 18.11.1991,
91/15/0043
Fremdunüblichkeit von Mietentgelten zwischen GmbH und
Gesellschafter-Geschäftsführer und Berichtigung auf
angemessene Mietzinse
VwGH 25.11.1999,
97/15/0036
Bei überhöhten Mietzahlungen ist bei Anerkennung einer
fremdüblichen Miete das Heranziehen von dem Steuerpflichtigen
bekannten Basisdaten zulässig
VwGH 10.7.1996,
94/15/0039
Fremdunüblichkeit des jahrelangen Stundens des
Untermietzinses ohne entsprechende Sicherheiten
VwGH 27.5.1987,
84/13/0221
Missbrauch gemäß § 22 BAO
Insichgeschäfte zwischen Einzelunternehmer und einer von
diesem als Gesellschafter-Geschäftsführer beherrschten
Kapitalgesellschaft ohne beachtliche außersteuerliche Gründe
VwGH 10.9.1998,
93/15/0051
Vermietung der gemeinsam benutzten ehelichen Wohnung in
einem im Hälfteeigentum der Ehegatten stehendem Wohnhaus
VwGH 13.10.1993,
93/13/0129

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durch die Miteigentümergemeinschaft an einen Ehegatten
Zurverfügungstellung von Geldmitteln an den Ehegatten für
Grundkauf durch Schenkung und langfristige Darlehen und
Miete dieses Grundstückes für betriebliche Zwecke
VwGH 29.9.1981,
81/14/0003
Atypisch stille Beteiligung des Alleingesellschafters einer GmbH
zwecks Verlustübernahme
VwGH 11.12.1990,
89/14/0140
Mitunternehmerschaft (siehe Rz 1181 ff)
Fremdüblichkeit von Gestaltungen zwischen nahen Angehörigen VwGH 18.12.1996,
94/15/0168
Keine Publizität bei im Nachhinein mit der Steuererklärung
bekannt gegebener Vereinbarung über eine von den §§ 1193
bzw. 1197 ABGB abweichende Einkunftsverteilung
VwGH 15.12.1987,
87/14/0163
Korrektur einer unangemessenen Gewinnaufteilung auf eine
angemessene
VwGH 5.10.1994,
94/15/0036
Unklarer Vertragsinhalt bei im Widerspruch zu einem
Gesellschaftsverhältnis stehenden Handlungen
VwGH 20.1.1988,
87/13/0022
Unklarer Vertragsinhalt bei wechselnder rechtlicher Qualifikation
des Gesellschaftsverhältnisses
VwGH 13.6.1989,
86/14/0037
aus dem Rechenwerk nicht ableitbare Ermittlung des
Gewinnanteiles
VwGH 13.6.1989,
86/14/0037
Fremdunüblichkeit, wenn Gewinnverteilung der alleinigen
Entscheidung eines Gesellschafters vorbehalten ist
VwGH 22.9.1987,
85/14/0033
Mitunternehmer kann auch Strohmann sein VwGH 27.5.1999,
97/15/0113
Begründen durch konkludentes Verhalten VwGH 13.10.1987,
87/14/0114
Unüblicher Modus der Gewinnverteilung VwGH 22.9.1987,
85/14/0033
Zu einem Gesellschaftsverhältnis in Widerspruch stehende VwGH 20.1.1988,

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
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Handlungen 87/13/0022
Differierende rechtliche Einstufung eines
Gesellschaftsverhältnisses
VwGH 13.6.1989,
86/14/0037
Keine Anerkennung einer auf den Beginn des Wirtschaftsjahres
bezogene Änderung der Gewinnaufteilung
VwGH 7.6.1983,
82/14/0340
...ABC der Vereinbarungen:
Nachbuchung
an Stelle Erfassung als laufender Kassaausgang erfüllt nicht das
Merkmal der Publizität
VwGH 22.9.1999,
97/15/0005
Notariatszwanggesetz (siehe Rz 1134)
Verstösse führen nicht zur Unbeachtlichkeit des Rechtsgeschäfts
VwGH 25.10.1994,
94/14/0067
Notwendigkeit einer Leistungserbringung
bewirkt für sich gesehen keine Publizität
VwGH 19.5.1993,
91/13/0045
Pachtverhältnis (siehe Rz 1210 ff)
Unüblichkeit einer von wirtschaftlichen Verhältnissen
unabhängigen Pachtzinsvereinbarung
VwGH 27.6.1989,
88/14/0131
Nichtanerkennung einer rückwirkenden Pachtvertragsänderung VwGH 27.3.1996,
93/15/0223
Nichtanerkennung einer Jahrespacht von 4.000 S (290,69 Euro)
bei einem Betriebskapital von 365.000 S (26.525,58 Euro)
VwGH 8.11.1988,
87/14/0197
Mangelnde Einkunftsquellenschaft bei Verpachtung einer
Liegenschaft an eine GmbH durch beherrschenden
Gesellschafter ohne Zufluss von Pachtzinsen
VwGH 28.10.1997,
95/14/0060
Pauschalhonorar
Unüblichkeit bei von der Leistungserbringung unabhängigem
Anfall
VwGH 10.7.1996,
95/15/0181
Prämienzahlung (siehe Rz 1174)
Fremdunüblichkeit bei einer Höhe von 80% des Jahresgehaltes
VwGH 24.3.1998,
93/14/0009

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Publizität - Allgemeine Grundsätze (siehe Rz 1132 f)
Vermeidung willkürlicher Herbeiführung steuerlicher Folgen VwGH 20.1.1988,
87/13/0022
Erfordernis eindeutiger schriftlicher Abmachungen VwGH 13.2.1991,
86/13/0071
Erfordernis der Anzeige beim sachlich zuständigen Finanzamt VwGH 27.5.1998,
95/13/0171
Bedeutsamkeit der Dokumentation in den Büchern für
Rechtsgrundlage einer Leistung
VwGH 21.7.1993,
91/13/0109
Erfordernis der zeitgerechten Anzeige stiller Zessionen VwGH 16.3.1989,
89/14/0024
Nachbuchung an Stelle Erfassung als laufender Kassaausgang VwGH 22.9.1999,
97/15/0005
Erstellung von Rechnungen anlässlich der Bilanzierung und
Rückdatierung auf das Jahresende
VwGH 21.7.1998,
93/14/0018
Kein Erfordernis der Schriftform bei Fixierung wesentlicher
Vertragsbestandteile und Beweis des Abschlusses
VwGH 16.2.1988,
87/14/0036
Rückstellungen
Bildung bei fremdunüblichen Aufwendungen unzulässig
VwGH 11.12.1990,
89/14/0109
Rückwirkende Rechtsgeschäfte (siehe Rz 1141)
im Steuerrecht ganz allgemein nicht anzuerkennen VwGH 25.3.1999,
96/15/0079
Erfordernis der Bekanntgabepflicht "pro futuro" (im Vorhinein) VwGH 21.10.1986,
84/14/0086
Unterlagenvorlage erst im Betriebsprüfungsverfahren VwGH 20.1.1988,
87/13/0022
rückwirkende Änderung der Gewinnaufteilung einer
Mitunternehmerschaft
VwGH 7.6.1983,
82/14/0230

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
© Bundesministerium für Finanzen 54 - 21
Nachträglich erstellte Aufstellung über erbrachte Leistungen VwGH 11.12.1990,
89/14/0109
nachträglich behaupteter zwei Jahre nicht verbuchter
Mietvertrag
VwGH 27.5.1987,
84/13/0221
...ABC der Vereinbarungen:
Sale and lease back (siehe Rz 1225 ff)
Verkauf und anschließende Rückmietung von Wirtschaftsgütern
ist eine gebräuchliche fremdübliche Vorgangsweise
VwGH 31.3.1998,
97/13/0003
Schenkung (siehe Rz 1221 ff)
Erfordernis der Publizität VwGH 25.4.1980,
0019/79
Nichterfüllen der zivilrechtlichen Erfordernisse VwGH 24.9.1980,
2735/79
Unter Fremden idR keine Schenkungen VwGH 21.12.1989,
86/14/0173
Vorbehalt eines Fruchtgenussrechtes VwGH 24.11.1982,
81/13/0021
Zulässigkeit des Fremdvergleichs bei unentgeltlicher
Betriebsübergabe
VwGH 19.9.1989,
86/14/0157
Sozialversicherungsrechtliche Bedürfnisse
des angestellten Angehörigen sind bei Lohnzahlungen nicht zu
berücksichtigen
VwGH 13.5.1986,
85/14/0180
Sponsorzahlungen (siehe Rz 1177 ff und Rz 1200 ff)
keine betriebliche Veranlassung bei Leistung in unüblicher Höhe
an den als Sportler tätigen Lebensgefährten
VwGH 19.5.1992,
92/14/0032
Angemessenheitsprüfung bei Gesellschafter und Möglichkeit
einer verdeckten Gewinnausschüttung
VwGH 23.1.1996,
92/14/0034
Stundung der Gehaltsforderungen auf unbestimmte Zeit VwGH 25.2.1997,

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
© Bundesministerium für Finanzen 54 - 22
nicht fremdüblich 92/14/0039
Tantieme
Unüblichkeit als Gehaltsbestandteil, wenn sie sich nach
Beteiligung an der Kapitalgesellschaft richtet
VwGH 8.3.1994,
91/14/0151
Telefondienst (siehe Rz 1145 und Rz 1152 ff)
Fremdunüblichkeit eines Dienstverhältnisses durch die Ehegattin
eines Arztes
VwGH 29.10.1985,
85/14/0067
Fremdunüblichkeit eines Dienstverhältnisses zur Erreichbarkeit
des sich auf Geschäftsreise befindlichen Ehemannes
VwGH 26.1.1999,
98/14/0107
Treuhandverhältnis (siehe Rz 1217)
Wahre nicht offen gelegte Verhältnisse sind zu erfragen
VwGH 22.12.1988,
84/17/0069
...ABC der Vereinbarungen:
Umlaufbeschluss
Maßgeblichkeit der für Verträge zwischen nahen Angehörigen
geltenden Kriterien
VwGH 27.4.2000,
96/15/0185
Keine Anerkennung im Rahmen der Beweiswürdigung, wenn
nicht zeitnah nach außen zum Ausdruck gekommen
VwGH 16.3.1989,
89/14/0024
Unangemessenes Leistungsentgelt (siehe Rz 1228 ff)
Zu hohes Entgelt VwGH 6.4.1995,
93/15/0064
Wesentlich zu niedriges Entgelt VwGH 19.12.1990,
87/13/0053
Unübliche Abwicklung der Leistungsbeziehung VwGH 25.1.1995,
93/15/0003
Orientierung an gesetzlich bzw. verordnungsmäßig festgelegten
Höchstentgelten (hier Maklerprovision)
VwGH 20.11.1990,
89/14/0090
Urlaub (siehe Rz 1176) VwGH 24.6.1999,
97/15/0070

EStR 2000 GZ 06 0104/9-IV/6/00 idF GZ BMF-010203/0704-VI/6/2009 vom 11. Dezember 2009
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Fremdunüblichkeit des Leistens einer (gesetzlich unwirksamen)
Urlaubsablöse statt Urlaubsgewährung
Verdeckte Ausschüttung (siehe Rz 1196 ff)
siehe Kapitalgesellschaften und Gesellschafter-Geschäftsführer
siehe Erkenntnis bei
Abschn. 5.4.8
Vortäuschung von Leistungen VwGH 15.3.1989,
88/16/0225
Werkvertrag (siehe Rz 1177 ff)
Wartungsarbeiten am PKW als familienhafte Mitarbeit VwGH 17.5.1989,
88/13/0038
Überhöhte Provisionszahlungen: im Ausmaß der überhöhten
Zahlung nicht abzugsfähig
VwGH 20.11.1990,
89/14/0090; VwGH
27.5.1987, 86/13/0107
Schreibarbeiten für einen Schriftsteller: kein Ausfluss
familienhafter Mitarbeit bei Fremdüblichkeit
VwGH 27.5.1981,
1299/80
Unüblichkeit von Werkvertragsabschlüssen mit drei nahen
Angehörigen durch einen praktischen Arzt
VwGH 22.9.1999,
97/15/0005
Keine Publizität bei Erstellung von Rechnungen anlässlich der
Bilanzierung und Rückdatierung auf das entsprechende Jahr
VwGH 21.7.1998,
93/14/0187
Fremdunüblichkeit eines leistungsunabhängigen
Pauschalhonorars
VwGH 10.7.1996,
95/15/0181
Wirtschaftliche Betrachtungsweise VwGH 10.5.1988,
87/14/0084
Zession
Erfordernis der zeitgerechten Anzeige
VwGH 16.3.1989,
89/14/0024

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5.5 Einzelne Betriebsausgaben
5.5.1 Beiträge zu betrieblichen Versicherungen
5.5.1.1 Pflichtbeiträge zu gesetzlichen Kranken-, Unfall- und
Pensionsversicherungen; Beiträge zur gesetzlichen Arbeitslosenversicherung
5.5.1.1.1 Pflichtversicherungsbeiträge iSd § 4 Abs. 4 Z 1 lit. a EStG 1988 im
engeren Sinn
1234
Der Betriebsausgabencharakter derartiger Beiträge ergibt sich nicht aus dem ansonsten
erforderlichen Zusammenhang der Versicherung mit der betrieblichen Tätigkeit, sondern aus
dem Zwangscharakter der Versicherung. Ausschlaggebend ist somit allein, ob die
Beitragsleistung den Steuerpflichtigen auf Grund einer zwingenden Vorschrift, der er sich
nicht entziehen kann, trifft (VwGH 2.3.1993, 93/14/0003).
1235
Als derartige Pflichtversicherungen sind Beträge auf Grund österreichischer
Sozialversicherungsgesetze abzugsfähig (VwGH 18.03.1991, 90/14/0265), wozu
insbesondere die gesetzliche Unfallversicherung sowie die Versicherungen nach dem
Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz, BGBl. Nr. 560/1978 (GSVG), dem Bauern-
Sozialversicherungsgesetz, BGBl. Nr. 559/1978 (BSVG), dem Sozialversicherungsgesetz
freiberuflich selbständig Erwerbstätiger, BGBl. Nr. 624/1978 (FSVG) sowie dem
Notarversicherungsgesetz, BGBl. Nr. 66/1972, zählen.
1235a
Als Betriebsausgaben sind auch Beiträge zur gesetzlichen Arbeitslosenversicherung
abzugsfähig. Versicherungspflicht in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung besteht für
freie Dienstnehmer. Andere Selbständige können gemäß § 3 Abs. 2 AlVG in die gesetzliche
Arbeitslosenversicherung optieren. Auf Grund dieses Opting-In ist der Steuerpflichtige für
einen Bindungszeitraum von acht Jahren in die Arbeitslosenversicherung unwiderruflich
einbezogen. Auch auf Grund einer derartigen Option zu leistende Beiträge sind als
Betriebsausgaben abzugsfähig.
1236
Beiträge zur ausländischen Pflichtversicherungen gelten auch als Beiträge zu einer
gesetzlichen Sozialversicherung iSd § 4 Abs. 4 Z 1 EStG 1988, wenn die ausländische
Pflichtversicherung einer inländischen gesetzlichen Sozialversicherung entspricht. Eine
gesetzliche Sozialversicherung ist auch dann gegeben, wenn im Rahmen einer gesetzlichen
Versicherungspflicht die Versicherung frei gewählt werden kann. Beiträge auf Grund einer

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Versicherungspflicht sind nur insoweit abzugsfähig, als sie der Höhe nach insgesamt
Pflichtbeiträgen in der gesetzlichen Sozialversicherung entsprechen.
1236a
Beiträge, die an eine ausländische Pensionskasse auf Grund einer gesetzlichen Verpflichtung
geleistet werden, gelten als Beiträge zu einer gesetzlichen Sozialversicherung iSd § 4 Abs. 4
Z 1 EStG 1988. Zahlungen, die ohne gesetzliche Verpflichtung geleistet werden, stellen
dagegen keine Betriebsausgaben, sondern Sonderausgaben dar. Pensionsbezüge auf Grund
solcher Beiträge sind Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit iSd § 25 Abs. 1 Z 2 lit. b
EStG 1988 (zur steuerlichen Behandlung der Pensionsbezüge im Falle der Berücksichtigung
der Beitragsleistung als Sonderausgabe siehe LStR 2002 Rz 680 ff).
1237
Pflichtbeiträge sind auch Beiträge zur Kranken-Selbstversicherung gemäß § 16 ASVG oder §§
14a, 14b GSVG, die ein Berufsangehöriger bestimmter Kammern der freien Berufe seiner ihm
gemäß § 5 Abs. 1 GSVG zustehenden Wahlmöglichkeit entsprechend leistet. Voraussetzung
dafür ist jedoch, dass die Kammer vom "opting out" (siehe Rz 1251 ff) Gebrauch gemacht
hat; dies ist bei den Wirtschaftstreuhändern, Tierärzten, Rechtsanwälten, Ziviltechnikern,
Notaren, Apothekern und Patentanwälten der Fall (zu den Ärzten siehe Rz 1247).
Wird von der in § 25 Abs. 6a GSVG vorgesehenen Option Gebrauch gemacht (Aufstockung
auf die jeweilige Höchstbeitragsgrundlage aus Anlass von Betriebsgründungsinvestitionen),
sind die bezahlten Beiträge insgesamt Pflichtversicherungsbeiträge.
1237a
Zum Service-Entgelt für die E-Card (E-Card-Gebühr) siehe Rz 1518a.
5.5.1.1.2 Freiwillige Beiträge zur Weiterversicherung in der gesetzlichen
Pensionsversicherung als Pflichtbeiträge
1238
Unter die als Betriebsausgaben abzugsfähigen Beiträge zu einer Pflichtversicherung gemäß
§ 4 Abs. 4 Z 1 lit. a EStG 1988 fallen auch Beiträge zu einer Weiterversicherung im Rahmen
der gesetzlichen Sozialversicherung, wie dies zB bei der Weiterversicherung nach dem
Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz, BGBl. Nr. 266/1956 (ASVG), der Fall ist, durch die
der Steuerpflichtige von der Pflichtversicherung nach dem GSVG oder dem BSVG oder dem
FSVG auf Antrag befreit wurde.
1239
Beiträge zu einer freiwilligen Weiterversicherung, auf die diese Voraussetzungen nicht
zutreffen, sind keine Betriebsausgaben, sondern gemäß § 18 Abs. 3 Z 2 EStG 1988
unbeschränkt abzugsfähige Sonderausgaben (vgl. zB VwGH 21.12.1989, 89/14/0103;

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VwGH 13.3.1991; 87/13/0260). Dies trifft bspw. auf Pensionsversicherungsbeiträge eines
Kommanditisten zu, sofern keine Versicherungspflicht nach dem ASVG oder GSVG besteht.
Die auf eine als Liebhaberei anzusehende Tätigkeit zurückzuführenden Pflichtbeiträge im
Rahmen der gesetzlichen Pensionsversicherung sind als freiwillige Weiterversicherung in der
gesetzlichen Pensionsversicherung anzusehen (VwGH 20.6.2006, 2004/15/0038).
1240
Der Nachkauf von Versicherungszeiten ist im Rahmen des § 18 Abs. 3 Z 2 EStG 1988 als
betraglich unbeschränkte Sonderausgabe abzugsfähig (VwGH 12.1.1983, 81/13/0206;
VwGH 27.9.1995, 92/15/0105). Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, die eine
Personengesellschaft wegen eines sozialversicherungsrechtlich anzuerkennenden
Dienstverhältnisses eines ihrer Gesellschafter entrichten muss, stellen Betriebsausgaben dar.
5.5.1.1.3 Freiwillige Höherversicherung in der gesetzlichen Sozialversicherung
1241
Derartige Beiträge stellen trotz öffentlich-rechtlicher Grundlage solche zu einer freiwilligen
Versicherung dar und fallen somit nicht unter den Betriebsausgabenbegriff des
§ 4 Abs. 4 Z 1 lit. a EStG 1988 (VfGH 28.9.1979, B 207/78). Dies gilt auch für
Beitragszahlungen auf Grund einer Höherreihung in die Geldleistungsberechtigung der GSVGKrankenversicherung.
1242
Beiträge für eine Familienversicherung gemäß § 10 GSVG, die Pflichtversicherte oder
Weiterversicherte für im § 10 GSVG genannte Personen leisten, stellen beim Pflicht- oder
Weiterversicherten keine Betriebsausgaben dar. Werden im Rahmen der
Familienversicherung diese Beiträge von den versicherten Familienmitgliedern selbst
getragen, können sie von diesen Personen im Rahmen ihrer Einkunftsermittlung als
Betriebsausgaben (Werbungskosten) in Höhe der selbstgetragenen Beträge oder allenfalls
als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Beiträge, die im Rahmen der
Familienversicherung für Personen, die dem begünstigten Personenkreis iSd § 18 Abs. 3 Z 1
EStG 1988 angehören, geleistet werden, stellen beim Beitragszahler Sonderausgaben iSd
§ 18 Abs. 1 Z 2 EStG 1988 dar.
1243
Beiträge für eine Zusatzversicherung gemäß § 9 GSVG sind als Beiträge zu einer
Taggeldversicherung zu qualifizieren. Die entsprechenden Leistungen aus einer solchen
Versicherung stellen steuerpflichtige Einkünfte bei jener Einkunftsart dar, bei der sie als
Betriebsausgaben abgezogen wurden. Die Beitragsleistungen sind beim Beitragszahler als
Betriebsausgaben abzugsfähig.

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5.5.1.2 Pflichtbeiträge zu Versorgungs- und Unterstützungseinrichtungen
(§ 4 Abs. 4 Z 1 lit. b EStG 1988)
1244
Derartigen Beitragsleistungen sind nur solche, denen sich der Steuerpflichtige nicht
entziehen kann, zu denen er also ohne bspw. einen Versicherungsvertrag abgeschlossen zu
haben, verpflichtet ist (VwGH 28.10.1975, 1708/75). Beiträge die darüber hinaus an eine
derartige Einrichtung geleistet werden, können ggf. Sonderausgaben darstellen
(VwGH 14.9.1977, 1952/75). Für die Berücksichtigung dieser Beiträge als Betriebsausgaben
gemäß § 4 Abs. 4 Z 1 lit. b EStG 1988 kommt es darauf an, ob deren Entrichtung auf Grund
eines Bescheides des zuständigen Kammerorganes zwingend vorgeschrieben wird.
Beitragsordnungen sehen zT für ihre Mitglieder die Möglichkeit einer Herabsetzung der
Pflichtbeiträge bis zu einem Mindestbeitrag vor (zB aus wirtschaftlichen oder sozialen
Gründen). Erfolgt in derartigen Fällen antragsgemäß eine reduzierte Beitragsvorschreibung,
stellt der vorgeschriebene reduzierte Betrag Betriebsausgaben dar.
Die Versorgungs- und Unterstützungseinrichtungen müssen zwar nicht nach dem
Versicherungsprinzip eingerichtet sein, sie müssen aber der Kranken-, Alters-, Invaliditätsund
Hinterbliebenenversorgung dienen.
Die auf eine als Liebhaberei anzusehende Tätigkeit zurückzuführenden Pflichtbeiträge an
Versorgungs- und Unterstützungseinrichtungen der Kammern der selbständig Erwerbstätigen
für künftige Pensionsleistungen sind als freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen
Pensionsversicherung anzusehen (VwGH 20.6.2006, 2004/15/0038).
5.5.1.3 Beiträge zu einer inländischen gesetzlichen Krankenversicherung sowie zu
den Einrichtungen der Krankenversorgung (§ 4 Abs. 4 Z 1 lit. b EStG 1988)
5.5.1.3.1 Allgemeines
1245
Unter diese Beiträge fallen
. freiwillige Beiträge zu einer inländischen gesetzlichen Krankenversicherung sowie
. freiwillige Beiträge zu Einrichtungen der Krankenversorgung.
Als Einrichtungen der Krankenversorgung kommen die Versorgungs- und
Unterstützungseinrichtungen der Kammern der selbständig Erwerbstätigen in Betracht.
Die Abzugsbeschränkung betrifft nur jenen Leistungsbereich dieser Einrichtungen, der mit
jenem einer gesetzlichen Krankenversorgung vergleichbar ist. Unberührt von der
Abzugsbeschränkung sind daher Beiträge zu Leistungsbereichen, im Rahmen derer aus dem

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Titel der Krankenversorgung Taggelder ausbezahlt werden. Dem unbeschränkten Abzug
solcher Beiträge entspricht es, dass die ausbezahlten Taggelder als steuerpflichtige
Einnahmen zu erfassen sind.
5.5.1.3.2 Höchstausmaß
1246
Freiwillige Beiträge zu einer inländischen gesetzlichen Krankenversicherung sowie zu den
Einrichtungen der Krankenversorgung sind nur insoweit abzugsfähig, als sie der Höhe nach
insgesamt Pflichtbeiträgen in der gesetzlichen Sozialversicherung entsprechen.
1247
Für die Berechnung des Höchstausmaßes kommt als Vergleichswert für Pflichtbeiträge in der
gesetzlichen Sozialversicherung einerseits der Höchstbetrag (Arbeitgeber- und
Arbeitnehmeranteil) in der Selbstversicherung für Angestellte nach dem ASVG und
andererseits der Höchstbetrag nach dem GSVG in Betracht. Aus dem arithmetischen Mittel
zwischen diesen beiden Höchstbeträgen ergibt sich somit die jeweilige Beitragsgrenze. Dabei
ist zur Ermittlung des monatlichen Höchstbeitrages nach dem ASVG der sich auf Grund der
Höchstbeitragsgrundlage ergebende monatliche Beitragssatz (und zwar sowohl
Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberanteil) auf eine Basis von 14 Bezügen hochzurechnen und
anschließend wiederum durch 12 Kalendermonate zu dividieren. Für die Ermittlung des
Höchstbeitrages nach dem GSVG ist der monatliche Höchstbeitragssatz (Grundbetrag und
Zusatzbeitrag) heranzuziehen.
Die Addition dieser beiden Werte und anschließende Halbierung dieses Betrages ergibt das
als Betriebsausgabe zu berücksichtigende arithmetische Mittel, wobei sich folgende
Rechtsfolgen ergeben können:
. Bei Steuerpflichtigen, die Pflichtbeiträge nur zur Krankenversorgung der Kammern der
selbständig Erwerbstätigen leisten (zB niedergelassene Ärzte), sind diese Pflichtbeiträge
bis zum so ermittelten monatlichen Grenzbetrag als Betriebsausgaben absetzbar.
. Bei Steuerpflichtigen, die Pflichtbeiträge zur Krankenversorgung der Kammern der
selbständig Erwerbstätigen sowie Beiträge zur Selbstversicherung in der
Krankenversicherung gemäß § 16 ASVG leisten, sind die Beiträge gemäß § 16 ASVG
insoweit absetzbar, als sie unter Berücksichtigung der Pflichtbeiträge im monatlichen
Grenzbetrag Deckung finden.
. Bei Steuerpflichtigen, die Pflichtbeiträge sowohl zur Krankenversorgung der Kammern der
selbständig Erwerbstätigen als auch zur Krankenversorgung in der gesetzlichen
Sozialversicherung leisten (zB angestellte Ärzte), sind die Pflichtbeiträge zur

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Krankenversorgung der Kammern der selbständig Erwerbstätigen bis zu einem
monatlichen Betrag in Höhe des aus dem Arbeitnehmeranteil bei der Sozialversicherung
abgeleiteten halben Grenzbetrages als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten
absetzbar.
. Bei Steuerpflichtigen, die im Rahmen der Krankenversorgung der Kammern der
selbständig Erwerbstätigen keiner Pflichtversicherung unterliegen, sind freiwillige
Beiträge zu dieser Versorgung als freiwillige Beiträge zu einer gesetzlichen
Krankenversicherung (Sozialversicherung) zu behandeln. Die freiwilligen Beiträge zur
Krankenversorgung der Kammern der selbständig Erwerbstätigen sowie die freiwilligen
Beiträge zu einer gesetzlichen Krankenversicherung sind insgesamt bis zu einem sich aus
dem arithmetischen Mittel ergebenden monatlichen Grenzbetrag als Betriebsausgaben
bzw. Werbungskosten absetzbar.
1248
Der nach der oben dargestellten Berechnung ermittelte monatliche Grenzbetrag erhöht sich
jährlich nach Maßgabe der Anhebung der für die Berechnung herangezogenen
Höchstbeiträge nach dem ASVG und dem GSVG. Im Rahmen der Beitragsgrenze sind
Pflichtbeiträge zur Sonderklasse der Krankenhäuser Betriebsausgaben oder Werbungskosten.
1249
Hinsichtlich der Grenzbeträge bei den Gruppenkrankenversicherungen von
Berufsangehörigen bestimmter Kammern von selbständig Erwerbstätigen ("Opting-Out")
siehe Rz 1256 bis 1263 f.
5.5.1.3.3 Beiträge an eine private Krankenversicherung
1250
Beiträge an private Krankenversicherungen fallen nicht unter § 4 Abs. 4 Z 1 lit. b EStG 1988.
Hinsichtlich der Behandlung von Beiträgen zu Gruppenkrankenversicherungen von
Berufsangehörigen bestimmter Kammern von selbständig Erwerbstätigen ("Opting-Out")
siehe Rz 1256 bis 1263 f.
5.5.1.4 Beiträge zu Gruppenkrankenversicherungen (Opting-Out)
1251
Seit 1. Jänner 2000 leisten Berufsangehörige bestimmter Kammern der selbständig
Erwerbstätigen (Wirtschaftstreuhänder, Tierärzte, Rechtsanwälte, Ziviltechniker, Notare,
Apotheker, Patentanwälte) Beiträge zu Gruppenkrankenversicherungen.
Die steuerliche Behandlung dieser Beiträge sowie der Leistungen aus der
Gruppenkrankenversicherung ist wie folgt vorzunehmen:

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5.5.1.4.1 Pflichtversicherung in der Krankenversicherung - Opting-Out
1252
Gemäß § 5 GSVG sind Personen von der Pflichtversicherung in der Krankenversicherung nach
dem GSVG unter den dort angeführten Bedingungen ausgenommen. Voraussetzung dafür
ist, dass diese Personen auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer gesetzlichen beruflichen
Vertretung (Kammer) und einer Tätigkeit iSd § 2 Abs. 1 Z 4 GSVG (dh. Erzielung von
Einkünften gemäß den §§ 22 Z 1 bis 3 und 5 und/oder 23 EStG 1988) gleichartige oder
zumindest annähernd gleichwertige Leistungsansprüche aus einer Einrichtung der
Berufsvertretung haben oder eine Selbstversicherung in der gesetzlichen Sozialversicherung
eingehen.
5.5.1.4.2 Steuerliche Leitlinien
1253
Machen gesetzliche berufliche Vertretungen von der Möglichkeit des Opting-Out Gebrauch
und liegt ein Bescheid des Bundesministers für Arbeit, Gesundheit und Soziales vor, so ist die
steuerliche Abzugsfähigkeit der Krankenversicherungsbeiträge (§§ 4 Abs. 4 Z 1 bzw.
16 Abs. 1 Z 4 lit. e EStG 1988) nach den folgenden Abschnitten zu beurteilen.
5.5.1.4.3 Gruppenkrankenversicherung als Versorgungseinrichtung
1254
Schafft eine Kammer der selbständig Erwerbstätigen im Hinblick auf § 5 GSVG sowie auf der
Grundlage gesetzlicher Regelungen
. durch eigene Bestimmungen ihrer jeweiligen Berufsordnung oder Satzung
Kammereinrichtungen
. und sind diese Kammereinrichtungen Gruppenkrankenversicherungen mit
Versicherungsunternehmen,
so handelt es sich dabei um eine Versorgungseinrichtung einer Kammer der selbständig
Erwerbstätigen, die der Krankenversorgung dient. Die Gruppenkrankenversicherung ist damit
eine Einrichtung iSd § 4 Abs. 4 Z 1 lit. b EStG 1988.
5.5.1.4.4 Beiträge zu Gruppenkrankenversicherungen als Betriebsausgabe
1255
Beiträge (Prämien) zu einer Gruppenkrankenversicherung iSd Rz 1254 sind insoweit
Betriebsausgaben gemäß § 4 Abs. 4 Z 1 lit. b EStG 1988, als
. es sich nach Maßgabe der auf gesetzlicher Grundlage beruhenden Bestimmungen der
Satzung bzw. anderer Verordnungen um Pflichtbeiträge handelt und

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. die Beiträge der Höhe nach Pflichtbeiträgen in der gesetzlichen Sozialversicherung
entsprechen.
5.5.1.4.5 Allgemeine Begrenzung des Betriebsausgabenabzugs bei
Krankenversicherungsbeiträgen
1256
Zur steuerlichen Anerkennung von Beiträgen zu Einrichtungen der Kammern der selbständig
Erwerbstätigen in der Krankenversorgung, und zwar im Hinblick auf die einer
Pflichtversicherung entsprechenden Höhe dieser Beiträge, wird grundsätzlich auf Rz 1245 ff
verwiesen. Im Bereich der Gruppenkrankenversicherungen auf Basis des § 5 GSVG gelten -
insoweit Abweichungen gegeben sind - an Stelle dieser Ausführungen die folgenden
Regelungen.
5.5.1.4.6 Begrenzung des Betriebsausgabenabzugs beim Opting-Out
1257
Hätten die betroffenen Berufsgruppen vom Opting-Out nicht Gebrauch gemacht, wären von
berufszugehörigen Erwerbstätigen die gesetzlichen (Pflicht-)Krankenversicherungsbeiträge
nach dem GSVG zu entrichten. Das Opting-Out "verdrängt" lediglich diese Beiträge.
Tabellarische Übersicht:
Jahr Höchstbeitragsgrundlage Beitragssatz Höchstbeitrag monatlich
2002 3.815 Euro 8,9 339,54 Euro
2003 3.920 Euro 8,9 348,00 Euro
2004 4.025 Euro 9,0 362,25 Euro
2005 4.235 Euro 9,1 385,39 Euro
2006 4.375 Euro 9,1 398,13 Euro
2007 4.480 Euro 9,1 407,68 Euro
2008 4.585 Euro 7,65 350,75 Euro
2009 4.690 Euro 7,65 358,79 Euro
2010 4.795 Euro 7,65 366,82 Euro
1258

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Bei Festlegung jener Höhe von Beiträgen zur Gruppenkrankenversicherung, die der Höhe von
Pflichtbeiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung entspricht, ist daher grundsätzlich vom
gesetzlichen (Pflicht-)Krankenversicherungshöchstbeitrag nach dem GSVG auszugehen.
Beiträge zu Gruppenkrankenversicherungen auf Basis des § 5 GSVG sind somit in tatsächlich
geleisteter Höhe, grundsätzlich aber höchstens mit einem Betrag von 4.523 S/328,70 Euro
(4.586,40 S/333,30 Euro für 2000 bzw. 4.610,20 S/335,04 Euro für 2001) monatlich als
Betriebsausgaben abzugsfähig. Dieser Betrag ist in den Folgejahren ab 2002 jährlich nach
Maßgabe der entsprechenden Änderungen im GSVG anzupassen.
5.5.1.4.7 Kalkulationsbedingtes Überschreiten des Grenzbetrages
1259
Die Versicherungsunternehmen, mit denen Gruppenkrankenversicherungsverträge
abgeschlossen werden, haben die Krankenversicherungsprämien auf Grundlage des
Versicherungsaufsichtsgesetzes und entsprechend vorgegebener Prämienkalkulationen
festzulegen. Bei der Kalkulation der Prämien ist dabei auf das jeweilige Eintrittsalter der
versicherten Person abzustellen. Daraus folgt, dass - bei gleichem Versicherungsschutz - die
Prämien mit steigendem Eintrittsalter höher werden. Die Beiträge zur
Gruppenkrankenversicherung können aus diesem Grund - auch bei gleichem
Versicherungsschutz wie im GSVG - bei höherem Eintrittsalter den Grenzbetrag von
4.523 S/328,70 Euro für 1999 (4.586,40 S/333,30 Euro für 2000 bzw.
4.610,20 S/335,04 Euro für 2001) überschreiten.
5.5.1.4.8 Alterszuschlag
1260
Die Betriebsausgabenbegrenzung des § 4 Abs. 4 Z 1 lit. b EStG 1988 hat den Zweck,
"überhöhte" Pflichtbeiträge vom Steuerabzug auszuschließen. Derart überhöhte
Pflichtbeiträge können insbesondere dann vorliegen, wenn im Rahmen von
Versorgungseinrichtungen der Kammern der selbstständig Erwerbstätigen über den
Versicherungsschutz der gesetzlichen Krankenversicherung liegende Leistungen vorgesehen
werden.
1261
Sind höhere Pflichtbeiträge hingegen lediglich auf eine versicherungsbedingte
Prämienkalkulation zurückzuführen, werden die aus diesem Grund höheren Pflichtbeiträge
vom Normzweck der Betriebsausgabenbegrenzung des § 4 Abs. 4 Z 1 lit. b EStG 1988 nicht
umfasst. Es bestehen daher keine Bedenken, die den Betrag von 4.523 S/328,70 Euro (für
1999) bzw. die die entsprechenden Jahresbeträge übersteigenden Prämien auch insoweit als
Betriebsausgaben anzuerkennen, als

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. das Eintrittsalter des Steuerpflichtigen über 50 liegt, und
. der übersteigende Beitragsteil nicht mehr als 20% des Höchstbetrages gemäß Rz 1257 f
(1999 20% von 4.523 S/328,70 Euro, also 905 S/65,77 Euro, 2000 20% von 4.586,40
S/333,30 Euro, also 917,30 S/66,66 Euro bzw. 2001 20% von 4.610,20 S/335,04 Euro,
also 922 S/67 Euro) beträgt ("Alterszuschlag").
Treffen diese Voraussetzungen zu, so kann somit ein Beitrag von insgesamt
5.428 S/394,47 Euro (Wert 1999), 5.503,70 S/399,97 Euro (Wert 2000) bzw.
5.532,20 S/402,04 Euro (Wert 2001) monatlich als Betriebsausgaben abgesetzt werden.
5.5.1.4.9 Sonderleistungen
1262
Bewegt sich die Höhe von Pflichtbeiträgen an die Gruppenkrankenversicherung innerhalb der
Beträge nach den Rz 1257 f und 1260 f, so ist nicht weiter zu untersuchen, welche
Leistungen durch die Einrichtungen erbracht werden (zB Übernahme von Kosten der
Sonderklasse). Die Beiträge sind in vollem Umfang Betriebsausgaben. Besteht ein Wahlrecht
zur Leistung höherer Prämien gegen (wahlweise) Beanspruchung von Zusatzleistungen (zB
Übernahme von Kosten der Sonderklasse), sind die entsprechenden Beiträge als freiwillig
geleistet nicht absetzbar. Dies gilt auch innerhalb der Betragsgrenzen, die sich aus den
Rz 1257 f und 1260 f ergeben.
Beispiel:
Der Pflichtbeitrag zur Gruppenkrankenversicherung beträgt bei einem 55-jährigen
monatlich 4.700 S. Der freiwillige Zuschlag zur Sonderklasse beläuft sich auf monatlich
300 S. Auf Basis 1999 ist für den Pflichtbeitrag (inklusive Alterszuschlag) maximal ein
Betrag von 5.428 S als Betriebsausgabe absetzbar. Der Pflichtbeitrag von 4.700 S ist
darin zur Gänze gedeckt und somit in vollem Umfang Betriebsausgabe. Der auf die
Sonderklasse entfallende Betrag von 300 S stellt hingegen keine Betriebsausgabe dar.
5.5.1.4.10 Angehörigenzuschlag
1263
Das Opting-Out nach § 5 GSVG setzt im Hinblick auf die geforderte Gleichartigkeit oder
zumindest annähernde Gleichwertigkeit der Leistungsansprüche eine dem § 83 GSVG
gleichkommende Anspruchsberechtigung für Angehörige voraus.
1264
Soweit ein Gruppenkrankenversicherungsvertrag keine kostenlose Mitversicherung von
Angehörigen iSd § 83 GSVG vorsieht, besteht daher die Verpflichtung, für die Angehörigen
durch Beitragsleistungen vorzusorgen. Diese Beiträge stellen somit Pflichtbeiträge dar. Da
das GSVG eine kostenlose Anspruchsberechtigung (Mitversicherung) der Angehörigen
vorsieht, geht insoweit der nach § 4 Abs. 4 Z 1 lit. b EStG 1988 anzustellende Vergleich mit

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einer der Höhe nach Pflichtbeiträgen in der gesetzlichen Sozialversicherung entsprechenden
Beitragsleistung ins Leere. Auf der Basis einer analogen Anwendung des Beitragsvergleiches
ist bei Beitragsleistungen für Angehörige iSd § 83 GSVG von einer steuerlichen Anerkennung
von 20% des Höchstbetrages gemäß Rz 1257 f, das sind 1999 20% von
4.523 S/328,70 Euro, somit also 905 S/65,77 Euro, 2000 20% von 4.586,40 S/333,30 Euro,
somit also 917,30 S/66,66 Euro und 2001 20% von 4.610,20 S/335,04 Euro, somit also
922 S/67 Euro an abzugsfähiger Betriebsausgabe pro im
Gruppenkrankenversicherungsvertrag beitragspflichtig mitversicherten Angehörigen
auszugehen ("Angehörigenzuschlag").
5.5.1.4.11 Steuerliche Behandlung von Sach- und Geldleistungen
1265
Sachleistungen aus Einrichtungen der Kammern der selbstständig Erwerbstätigen in der
Krankenversorgung unterliegen nicht der Steuerpflicht. Geldleistungen aus
Krankenversorgungseinrichtungen der Kammer der selbstständigen Erwerbstätigen sind
gemäß § 3 Abs. 1 Z 4 lit. b EStG 1988 nur steuerfrei, so weit sie den dort angeführten
Geldleistungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen.
5.5.1.4.12 Krankenversicherungsbeiträge von Pensionisten
1266
Berufsangehörige Erwerbstätige können nach Übertritt in den Ruhestand als
Werbungskosten gemäß § 16 Abs. 1 Z 4 lit. e EStG 1988 absetzen:
. Pflichtbeiträge (zB laut § 3 Abs. 2 der Satzung der Versorgungseinrichtung -
Krankenversicherung der Kammer der Wirtschaftstreuhänder) an eine
Krankenversorgungseinrichtung der Kammer der selbstständig Erwerbstätigen,
. bei Fehlen einer Pflichtversicherung freiwillige Beiträge zu einer inländischen gesetzlichen
Krankenversicherung.
5.5.1.4a Pflichtbeiträge an eine Betriebliche Vorsorgekasse (BV-Kasse, § 4 Abs. 4
Z 1 lit. c EStG 1988)
1266a
Pflichtbeiträge, die ein Unternehmer im Rahmen der Selbständigenvorsorge leistet, sind als
Betriebsausgaben abzugsfähig. Dies gilt nicht nur für jene Unternehmer, die aufgrund der
Krankenversicherung in der Gewerblichen Sozialversicherung zum Abschluss einer
Selbständigenvorsorge verpflichtet sind, sondern auch für Unternehmer, die vom "Opting-In"
in die Selbständigenvorsorge Gebrauch gemacht haben, weil auch in diesen Fällen nach
Optieren in die Selbständigenvorsorge die Beiträge verpflichtend geleistet werden müssen
und ein Widerruf nicht mehr möglich ist. Selbständig tätige Notariatskandidaten können

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ebenfalls vom "Opting-In" Gebrauch machen. Eine Aktivierung eines Anspruches gegenüber
der Vorsorgeeinrichtung hat zu unterbleiben.
5.5.1.5 Versicherungsprämien nach dem allgemeinen Betriebsausgabenbegriff
des § 4 Abs. 4 EStG 1988
5.5.1.5.1 Personenversicherungen
1267
Prämien zu freiwilligen Personenversicherungen sind grundsätzlich - auch bei einer gewissen
betrieblichen Mitveranlassung - als Aufwendungen der privaten Lebensführung nicht als
Betriebsausgaben absetzbar (vgl. VwGH 22.10.1991, 91/14/0043), sondern stellen allenfalls
Sonderausgaben dar. Dies gilt im Hinblick auf die gleichzeitige Absicherung persönlicher
Gefahrenmomente für Versicherungen, die zur Besicherung eines betrieblichen Kredites
abgeschlossen werden (VwGH 29.6.1995, 93/15/0110).
1268
In besonderen Fällen können Betriebsausgaben vorliegen:
. Prämien zu einer Er- und Ablebensversicherung stellen ausnahmsweise dann
Betriebsausgaben dar, wenn der Abschluss dieser Versicherung ausschließlich zwecks
Ansparens für die Tilgung eines Betriebskredites aufgenommen worden und mit der
Kreditlaufzeit abgestimmt ist. Sind diese Voraussetzungen erfüllt und ist die in der
Pauschalrate neben der Prämie enthaltene Zinskomponente eindeutig bestimmbar, kann
der auf die Zinsen entfallende Teil sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden;
hinsichtlich des Prämienanteils ist eine Aktivierung vorzunehmen. Wenn die
Versicherungsleistung höher als die Summe der aktivierten Prämien ist, unterliegt der
Unterschiedsbetrag selbst dann der Ertragbesteuerung, wenn er gleichfalls zur
Kredittilgung verwendet wird.
. Wird zur Besicherung eines betrieblichen Kredites eine Risikolebensversicherung
abgeschlossen (so genannte "kurze Ablebensversicherung" bzw.
Kreditrestschuldversicherung), so ist damit vorrangig die betriebliche Komponente
berührt, sodass Prämienleistungen absetzbar sind (VwGH 3.12.1986, 86/13/0098;
VwGH 26.3.1996, 92/14/0085). In einem derartigen Fall stellen jedoch geleistete
Versicherungsvergütungen Betriebseinnahmen dar (VwGH 26.3.1996, 92/14/0085).
. Prämien zu Personenversicherungen stellen Betriebsausgaben dar, wenn das Moment der
Freiwilligkeit in den Hintergrund tritt und die Beiträge zu dieser Versicherung anlässlich
der Erzielung von Einkünften mit einer gewissen beruflichen Notwendigkeit aufgewendet
werden müssen (zB wenn ein Artist ein Auslandsengagement nur bei Abschluss einer

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Unfallversicherung erhält; VwGH 28.11.1978, 1951/76; VwGH 28.4.1982, 2760/80;
VwGH 21.12.1989, 89/14/0103). Eine vergleichbare berufliche Notwendigkeit besteht
aber bspw. weder für einen operierenden Facharzt (VwGH 22.10.1991, 91/14/0043) noch
für einen Rechtsanwalt, weil dessen Einkünfte auch dann nicht verloren gingen, wenn er
freiwillige Krankenversicherungsbeiträge nicht entrichten würde (VwGH 21.12.1989,
89/14/0103).
. Prämien zu freiwilligen Versicherungen, die vom Betriebsinhaber zu Gunsten seiner
Arbeitnehmer abgeschlossen werden, führen idR zu Betriebsausgaben, zumal sie auch
ohne Rechtsanspruch der Arbeitnehmer aus Sicht des Betriebes Entgeltscharakter haben
(VwGH 11.6.1965, 1881/64). Werden sie jedoch auf Grund familienhafter Beziehungen
erbracht, sind die Prämien gemäß § 20 Abs. 1 Z 4 EStG 1988 nicht abzugsfähig (vgl.
Rz 1171).
5.5.1.5.2 Teilhaberversicherung
1269
Prämien zu einer Teilhaberversicherung, die von einer Personengesellschaft zu ihren Gunsten
für den Fall des Ablebens eines Mitgesellschafters abgeschlossen wird, stellen keine
Betriebsausgaben dar. Die finanzielle Auseinandersetzung mit den Erben eines verstorbenen
Teilhabers einer Personengesellschaft ist nicht durch den (im Erbweg erworbenen) Betrieb,
sondern durch den nicht der Einkommensteuer unterliegenden Erwerb von Todes wegen
veranlasst (vgl. VwGH 15.12.1992, 88/14/0093).
5.5.1.5.3 Betriebliche Sach- und Schadensversicherung
1270
Soweit derartige Versicherungen auf das Betriebsvermögen oder die Betriebsführung
bezogen sind, sind die Prämien als Betriebsausgaben abzugsfähig. Darunter fallen
insbesondere Feuerversicherungen und sonstige Sachversicherungen für Betriebsgebäude
und Maschinen, Einbruchsversicherungen, Transportversicherungen sowie
Haftpflichtversicherungen (zB Berufs- oder Betriebshaftpflicht).
5.5.1.5.4 Betriebsunterbrechungsversicherung
1271
Als Betriebsausgaben absetzbar sind auch Prämien zu einer
Betriebsunterbrechungsversicherung, welche den Schaden ersetzt, der durch eine gänzliche
oder teilweise Unterbrechung des Betriebes infolge eines Schadenereignisses, wie zB
Krankheit der den Betrieb leitenden Personen, Brand, Explosion, eintritt (VwGH 26.07.2007,
2006/15/0263). Dabei darf nur ein Ersatz in Höhe des tatsächlich entgangenen
Betriebsgewinnes einschließlich der laufenden Betriebskosten gewährt werden. Prämien zu

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einer bloßen Krankentagegeldversicherung sind hingegen nicht als Betriebsausgaben
absetzbar, wenn der Anspruch auf Tagegeld nach dem Versicherungsvertrag vom Bestehen
einer Betriebsunterbrechung unabhängig ist.
5.5.1.5.5 Berufsunfähigkeitsversicherung
1272
Prämien zu einer derartigen Versicherung sind nur dann Betriebsausgaben, wenn
ausschließlich ein typisches Berufsrisiko versichert wird, worunter jenes Risiko zu verstehen
ist, das mit der Berufsausübung verbunden ist. Versicherungsprämien sind dann nicht
abzugsfähig, wenn Versicherungsgegenstand auch eine Berufsunfähigkeit infolge jeglicher
Erkrankung, Körperverletzung oder Kräfteverfalles ist, weil diesfalls die allgemeine Vorsorge
für die Zukunft im Vordergrund steht (VwGH 22.10.1991, 91/14/0043). Dies gilt auch für
Versicherungsprämien zu so genannten Loss-of-Licence-Versicherungen (zB bei
Berufspiloten, VwGH 27.2.2002, 96/13/0101).
1273
Prämien für die Versicherung bestimmter Gliedmaßen oder Körperteile, die für die
Berufsausübung von besonderer Bedeutung sind (zB die Hände eines Pianisten, die Beine
eines Fußballers, das Gesicht eines Schauspielers oder die Stimme eines Opernsängers) sind
betrieblich bzw. beruflich veranlasst (vgl. VwGH 28.11.1978, 1951/76; siehe auch Rz 1270).
1274
Prämien für eine Invaliditätsversicherung sind idR nur als Sonderausgaben abzugsfähig.
5.5.1.5.6 Rückdeckungsversicherung für Abfertigungen
Siehe Rz 3330 ff.
5.5.2 Zuwendungen an Pensions- oder Unterstützungskassen sowie an den
Betriebsratsfonds
5.5.2.1 Pensionskassenbeiträge (§ 4 Abs. 4 Z 2 lit. a EStG 1988)
5.5.2.1.1 Allgemeines
1275
Beiträge an Pensionskassen iSd Pensionskassengesetzes, BGBl. Nr. 281/1990, sind nur dann
abzugsfähige Betriebsausgaben, wenn die Vorschriften des Betriebspensionsgesetzes (BPG),
BGBl. Nr. 282/1990, und BGBl. Nr. 754/1996, und des Pensionskassengesetzes (PKG)
eingehalten werden. Zu Beiträgen an ausländische Pensionskassen siehe Rz 1610.
5.5.2.1.2 Pensionskassenbeiträge iSd § 16 PKG
1276

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Pensionskassenbeiträge sind solche iSd § 16 Abs. 1 PKG. Das sind die (Vorsorge-)Beiträge
der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sowie die Verwaltungskostenbeiträge. Abzugsfähig
sind nur die vertraglich festgelegten Beiträge. Außerhalb des Vertrages geleistete Beiträge
können auch nicht unter den allgemeinen Betriebsausgabenbegriff des § 4 Abs. 4 EStG 1988
fallen. Betragsmäßig disponible Beiträge sind nur dann abzugsfähig, wenn sie
betriebspensionsgesetzlich gedeckt sind und auf Grund einer pensionskassenvertraglichen
Verankerung geleistet werden; es darf auch kein Missbrauch vorliegen, von dem
insbesondere dann auszugehen ist, wenn die Grundbeiträge zu keinen echten
Pensionsleistungen führen. Der Zeitpunkt des Abzuges von Pensionskassenbeiträgen als
Betriebsausgaben richtet sich nach den für den Arbeitgeber maßgebenden
Gewinnermittlungsvorschriften.
5.5.2.1.3 Begrenzung der Zusagen
1277
Die Zusagen dürfen 80% des letzten laufenden Aktivbezuges nicht übersteigen. Wenn in den
letzten Aktivjahren des Dienstnehmers eine Verminderung des Arbeitslohnes aus
wirtschaftlich beachtlichen Gründen erfolgt, ist das Überschreiten dieser Grenze insoweit
unbeachtlich.
5.5.2.1.4 Abzugsfähigkeit weiterer Aufwendungen des Arbeitgebers
1278
Weitere Aufwendungen des Arbeitgebers in Zusammenhang mit den in Rz 1276 genannten
Pensionskassenbeiträgen fallen unter den allgemeinen Betriebsausgabentatbestand des
§ 4 Abs. 4 EStG 1988. Dazu gehören im Wesentlichen die zweieinhalbprozentige
Versicherungssteuer und allfällige Zinsen für die Finanzierung des Kassenbeitritts oder für
rückständige Beiträge.
5.5.2.1.5 Ausschluss von Beiträgen des Arbeitgebers für sich
1279
Beiträge des Arbeitgebers als Einzelunternehmer oder Mitunternehmer für sich selbst sind
nicht abzugsfähig. Der Geschäftsführer einer Komplementär-GmbH, der Einkünfte nach
§ 25 EStG 1988 bezieht, fällt nicht unter diese Einschränkung.
Wird für Gesellschafter-Geschäftsführer mit Einkünften gemäß § 22 Z 2 EStG 1988 die
Leistung von Pensionskassenbeiträgen durch die Gesellschaft übernommen, gilt Folgendes:
Auf Seiten der Gesellschaft sind die Beiträge als Teil der Leistungsvergütung abzugsfähig [es
liegt kein Pensionskassenbeitrag iSd § 4 Abs. 4 Z 2 lit. a EStG 1988 vor, da für den
Gesellschafter-Geschäftsführer keine (Arbeitgeber-)Beiträge zu leisten sind], die
übernommene Beitragsleistung stellt für den Gesellschafter-Geschäftsführer einen

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steuerpflichtigen Vorteil im Rahmen seiner Einkünfte gemäß § 22 Z 2 EStG 1988 dar, der als
(Topf-)Sonderausgabe (§ 18 EStG 1988) abzugsfähig ist. Die Pensionskassenleistung ist
gemäß § 25 Abs. 1 Z 2 lit. a sublit. bb EStG 1988 mit 25% als Einkünfte aus
nichtselbständiger Arbeit zu erfassen.
5.5.2.1.6 Möglichkeiten der betrieblichen Vorsorge über Pensionskassen nach
dem PKG
1280
Das PKG ermöglicht betriebliche (Alters-) Vorsorge über Pensionskassen im Rahmen
. leistungsorientierter Veranlagungs- und Risikogemeinschaften (Rz 1282 ff) sowie
. beitragsorientierter Veranlagungs- und Risikogemeinschaften (Rz 1285),
. einer teils beitragsorientierten und teils leistungsorientierten Veranlagungs- und
Risikogemeinschaft (Rz 1286).
1281
Die Abzugsfähigkeit der Beiträge als Betriebsausgaben im Rahmen des
§ 4 Abs. 4 Z 2 EStG 1988 ist unabhängig davon gegeben, welcher Gemeinschaft die
Anwartschaftsberechtigten angehören oder ob eine belegschaftsorientierte oder
personenbezogene Mischung der beiden Systeme erfolgt.
5.5.2.1.7 Leistungsorientierte Veranlagungs- und Risikogemeinschaft
1282
Eine leistungsorientierte Veranlagungs- und Risikogemeinschaft liegt vor, wenn die
Pensionshöhe definiert ist und sich die zur Finanzierung der Gesamtverpflichtung der
Pensionskasse erforderlichen Beiträge (laufende Beiträge und Zusatzbeiträge aus
Nachschussverpflichtungen) aus den versicherungsmathematischen Grundsätzen ergeben.
Zur Rückstellung für künftig zu leistende Nachschüsse an Pensionskassen siehe Rz 3494a.
1283
Die in Rz 1287 ff beschriebene 10%-Grenze gilt nicht für leistungsorientierte Zusagen, wenn
sie in einem ausschließlich betraglich oder im Verhältnis zu sonstigen Bestimmungsgrößen
zugesagten Ausmaß zum Erbringen von Pensionsleistungen dienen (ausschließlich
leistungsorientierte Zusagen).
1284
Für leistungsorientierte Zusagen, die die Voraussetzungen der Rz 1283 nicht erfüllen (nicht
ausschließlich leistungsorientierte Zusagen), gilt die in Rz 1287 ff beschriebene 10%-Grenze.
Eine Ausnahme von der Abzugsbegrenzung besteht für diese Zusagen nur dann, wenn
. sich der Arbeitgeber vertraglich zur Beitragsanpassung verpflichtet hat,

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. in der Pensionskasse eine vorübergehende unvorhergesehene Deckungslücke zur
Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen entsteht und
. der Arbeitgeber dementsprechend höhere, die 10%-Grenze überschreitende Beiträge
leisten muss.
Der beschriebene Ausnahmefall liegt nicht vor, wenn das Überschreiten der Grenze bei
Abschluss des Pensionskassenvertrages feststeht oder mit großer Wahrscheinlichkeit
anzunehmen ist oder wenn die unvorhergesehene Deckungslücke nicht nur vorübergehender
Natur ist. Dabei ist auf den aufsichtsbehördlich genehmigten Geschäftsplan Bedacht zu
nehmen.
5.5.2.1.8 Beitragsorientierte Veranlagungs- und Risikogemeinschaft
1285
Eine beitragsorientierte Veranlagungs- und Risikogemeinschaft liegt vor, wenn die Beiträge
definiert sind und sich die Pensionshöhe durch Verrentung des in der Pensionskasse
angesammelten Kapitals ergibt. Diesbezüglich ist für die Frage der Abzugsfähigkeit § 3 Abs.
1 Z 2 BPG zu beachten, wonach die vom Arbeitgeber zu entrichtenden Beiträge
betragsmäßig oder in fester Relation zu laufenden Entgelten oder Entgeltbestandteilen
festzulegen sind. Bei beitragsorientierten Zusagen ist die in Rz 1287 ff beschriebenen 10%-
Grenze jedenfalls maßgeblich.
5.5.2.1.9 Teils beitrags- und leistungsorientierte Veranlagungs- und
Risikogemeinschaft
1286
Soweit eine Veranlagungs- und Risikogemeinschaft leistungsorientiert ist, gilt Rz 1282 ff
sinngemäß, soweit sie beitragsorientiert ist, gilt Rz 1285 sinngemäß.
5.5.2.1.10 Begrenzung mit 10% der Lohn- und Gehaltssumme
1287
Die in Rz 1276 mit Ausnahme der in Rz 1283 und 1284 genannten Pensionskassenbeiträge
des Arbeitgebers sind insoweit abzugsfähig, als der Jahresaufwand 10% der Lohn- und
Gehaltssumme der Anwartschaftsberechtigten (§ 5 Abs. 1 PKG) nicht übersteigt. Ob der
Pensionskassenbeitrag für den einzelnen Arbeitnehmer die 10%-Grenze überschreitet, ist
unbeachtlich. Die maßgebende Betriebsausgabengrenze wird auch dadurch nicht verändert,
dass der Arbeitgeber Beiträge in mehrere Pensionskassen leistet.
1288

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Lohn- und Gehaltssumme ist der Bruttolohnaufwand einschließlich weiterer den betreffenden
Arbeitnehmern konkret zurechenbarer steuerpflichtiger oder steuerfreier Bezugsteile sowie
der Abfertigungszahlungen.
Der Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Sozialversicherung, der Dienstgeberbeitrag zum
Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen, die Kommunalabgabe, Zuführungen zu
Abfertigungsrückstellungen und zu Pensionsrückstellungen sowie Pensionszahlungen zählen
nicht zur Lohn- und Gehaltssumme.
1288a
Betriebliche Kollektivversicherungen (§ 18f VAG) und ausländische Einrichtungen im Sinne
des § 5 Z 4 PKG sind mit BGBl. I Nr. 8/2005 steuerlich den inländischen Pensionskassen
gleichgestellt. Unter der Voraussetzung, dass der betriebliche Kollektivversicherungsvertrag
bzw. der Pensionskassenvertrag dem Betriebspensionsgesetz entspricht, die Zuwendungen
80% des letzten laufenden Aktivbezuges und 10% der Lohn- und Gehaltssumme der
Anwartschaftsberechtigten nicht übersteigen, sind die Beiträge als Betriebsausgaben
abzugsfähig (siehe auch Rz 756ff LStR 2002)
1289
Zuwendungen des Arbeitgebers für die Zukunftssicherung seiner Arbeitnehmer
(§ 3 Abs. 1 Z 15 EStG 1988) und eigene Beiträge der Arbeitnehmer werden auf die
Beschränkung mit 10% nicht angerechnet.
Beiträge des Arbeitgebers, die dieser auf Grund des Pensionskassenvertrages oder auf Grund
einer Betriebsvereinbarung trotz Wegfalls der Entgeltsverpflichtung (zB bei Karenzierung) für
derartige Arbeitnehmer an die Pensionskasse entrichtet, sind in die 10%-Grenze nicht
einzubeziehen.
5.5.2.2 Zuwendungen an betriebliche Unterstützungskassen und sonstige
Hilfskassen (§ 4 Abs. 4 Z 2 lit. b EStG 1988)
5.5.2.2.1 Allgemeines
1290
Auf Leistungen derartiger Versorgungseinrichtungen besteht kein Rechtsanspruch. Für den
Betriebsausgabenabzug ist die Körperschaftsteuerbefreiung dieser Kassen nicht erforderlich.
5.5.2.2.2 10%-Grenze
1291
Der Betriebsausgabenabzug ist unter Berücksichtigung der unmittelbaren Zuwendungen mit
10% der Lohn- und Gehaltssumme der Leistungsberechtigten der Kasse begrenzt.
Leistungsberechtigte sind jene Personen, die nach dem zu Grunde liegenden Vertrag

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gegenüber der Kasse anspruchsberechtigt sind, wobei sich der Umfang des begünstigten
Personenkreises mit § 6 Abs. 2 Z 1 und 2 KStG 1988 nicht decken muss (siehe Rz 1290). Im
Gegensatz zu Anwartschaftsberechtigten gegenüber Pensionskassen können dies neben
aktiven Arbeitnehmern auch ehemalige Arbeitnehmer sein. Die 10%-Grenze ist gegenüber
jener bei den Pensionskassenbeiträgen eigenständig. Für denselben Arbeitnehmer können
beide Grenzen daher unabhängig voneinander genützt werden. Diese 10%-Grenze darf nur
insoweit ausgenützt werden, als die Leistungen zu keinem unangemessenem
Kassenvermögen (Rz 1292 ff) führen. Wenn das Vermögen der Kasse unangemessen hoch
geworden ist, sind die Zuwendungen erst wieder abzugsfähig, wenn das Kassenvermögen
die Grenze des § 4 Abs. 4 Z 2 lit. b EStG 1988 nicht mehr übersteigt.
5.5.2.2.3 Angemessenes Kassenvermögen
5.5.2.2.3.1 Kassen mit laufenden Unterstützungszahlungen
1292
Als angemessen gilt bei Kassen mit laufenden Unterstützungszahlungen im Falle des Alters
oder der laufenden Invalidität das Deckungskapital für die bereits laufenden Unterstützungen
und für die Anwartschaften auf Witwen- und Waisenunterstützungen.
1293
Das Deckungskapital derartiger Unterstützungskassen
(§ 4 Abs. 4 Z 2 lit. b 1. Teilstrich EStG 1988) ist nach der Anlage 1 zum EStG 1988 zu
berechnen. Dabei sind nur die Personen zu berücksichtigen, die bereits laufende
Unterstützungen beziehen. Der Jahresbetrag der Unterstützung ist mit der Zahl zu
vervielfachen, die dem Alter der betreffenden Person (Spalte 1 der Anlage) entspricht. Diese
Zahl (Vervielfacher) ergibt sich aus Spalte 2 der Anlage zum EStG 1988.
Beispiel:
Ein ehemaliger Angestellter im Alter von 75 Jahren bezieht eine laufende Unterstützung
von jährlich 6.000 S. Das Deckungskapital für den Angestellten beträgt daher 6.000 S x
8 = 48.000 S.
Anwartschaften der Belegschaftsmitglieder sind bei der Berechnung des Deckungskapitals
nicht zu berücksichtigen.
1294
Die Vervielfacher der Spalte 2 der Anlage sind so festgesetzt, dass neben der laufenden
Unterstützung eine Anwartschaft auf Witwenunterstützung und Waisenunterstützung
berücksichtigt ist. Es kommt dabei nicht darauf an, wie groß die Witwenunterstützung oder
die Waisenunterstützung ist. Spalte 2 der Anlage ist auch in den Fällen anzuwenden, in
denen eine solche Anwartschaft nicht vorgesehen ist oder eine Witwenunterstützung oder

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Waisenunterstützung aus anderen Gründen nicht in Betracht kommt (zB weil der
Arbeitnehmer unverheiratet ist). Tritt der Fall der Witwenunterstützung ein, so ist nicht mehr
Spalte 2, sondern Spalte 3 der Anlage anzuwenden, wodurch auch eine allenfalls daneben
gewährte Waisenunterstützung berücksichtigt ist.
Beispiel:
Ein Angestellter ist im Jahr 2 in den Ruhestand getreten. Das Deckungskapital für ihn
ist nach Spalte 2 zu berechnen. Damit ist die Anwartschaft der Witwe berücksichtigt.
Der Angestellte stirbt im Jahr 3. Seine Witwe, die 58 Jahre alt ist, bezieht eine
Witwenunterstützung von jährlich 4.000,00 S. Das Deckungskapital ist nunmehr nach
Spalte 3 zu berechnen und beträgt 48.000,00 S (4.000,00 x 12). Das Deckungskapital
ändert sich nicht, wenn neben der Witwenunterstützung noch eine
Waisenunterstützung gewährt wird.
Stirbt die Witwe, so ist das Deckungskapital für eine allfällige Waisenunterstützung
unter Anwendung der Spalte 3 der Anlage zu errechnen.
1295
Die Anlage 1 zum EStG 1988 ist bei Kassen, die sich die Mittel für ihre Leistungen durch
einen Vertrag mit einem Lebensversicherungsunternehmen verschaffen, nicht anzuwenden.
Einer solchen Kasse kann nur ein Betrag in Höhe der Jahresprämie, die die Kasse an das
Versicherungsunternehmen zu zahlen hat, zugewendet werden.
5.5.2.2.3.2 Kassen ohne laufende Unterstützungszahlungen
1296
Bei Kassen, die keine laufenden Unterstützungen gewähren
(§ 4 Abs. 4 Z 2 lit. b 2. Teilstrich EStG 1988), ist der durchschnittliche Jahresbedarf nach
dem Durchschnitt der Leistungen zu bemessen, die die Kasse in den letzten drei Jahren vor
dem Zeitpunkt der Zuwendungen an ihre Unterstützungsempfänger bewirkt hat.
Beispiel:
Ein Unternehmer will im Wirtschaftsjahr 5 der Unterstützungskasse seines Betriebes
einen Betrag zuwenden. Die Leistungen der Kasse haben in den letzten drei Jahren
betragen:
Wirtschaftsjahr 2 350.000,00 S
Wirtschaftsjahr 3 300.000,00 S
Wirtschaftsjahr 4 400.000,00 S
Summe 1,050.000,00 S
Der durchschnittliche Jahresbedarf (Höchstbetrag der als Betriebsausgaben
absetzbaren Zuwendungen) beträgt 1,050.000,00 S : 3 = 350.000,00 S

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Die Zuwendungen an die Kassen sind auch dann abzugsfähig, wenn die Kasse noch nicht
drei Jahre bestanden hat. In solchen Fällen ist der Jahresbedarf zu schätzen.
5.5.2.3 Zuwendungen an den Betriebsratsfonds (§ 4 Abs. 4 Z 3 EStG 1988)
1297
Dem Grunde nach sind alle Zuwendungen an den Betriebsratsfonds als Betriebsausgabe
abzugsfähig,
. unabhängig davon, ob die Zuwendungen an den Fonds im Interesse aller, einer
bestimmten Gruppe oder nur einzelner Arbeitnehmer erfolgen und
. unabhängig davon, ob sie freiwillig oder auf Grund eines Rechtsanspruches gewährt
werden.
Die Abzugsfähigkeit ist mit 3% der Lohn- und Gehaltssumme begrenzt. Hinsichtlich der
Lohn- und Gehaltssumme wird auf Rz 1287 ff verwiesen.
5.5.3 Aufwendungen für volkswirtschaftlich wertvolle Erfindungen -
Forschungsfreibetrag (§ 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988; bis 2003: § 4 Abs. 4 Z 4
EStG 1988)
5.5.3.1 Allgemeines
1298
Der Forschungsfreibetrag für Aufwendungen für volkswirtschaftlich wertvolle Erfindungen ist
bis zur Veranlagung 2003 in § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 geregelt. Für Veranlagungen ab 2004
ist der Forschungsfreibetrag für Aufwendungen für volkswirtschaftlich wertvolle Erfindungen
- inhaltlich unverändert - in § 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988 geregelt.
Der Forschungsfreibetrag stellt eine fiktive Betriebsausgabe dar, deren Inanspruchnahme
dem Steuerpflichtigen freisteht. Das Wahlrecht bezieht sich sowohl auf die Inanspruchnahme
als solche als auch - im Rahmen des Höchstausmaßes von 25% bzw. 35% - auf die Höhe.
Der Forschungsfreibetrag steht bei der Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich,
bei vollständiger Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, nicht hingegen bei Teil- oder
Vollpauschalierung zu.
Ab der Veranlagung (Einkünftefeststellung) für das Jahr 2005 ist Voraussetzung, dass der
Freibetrag in der Steuererklärung an der dafür vorgesehenen Stelle ausgewiesen wird. Eine
Berichtigung einer trotz gewinnermittlungsmäßiger Geltendmachung unrichtigen oder
unterlassenen Eintragung ist bis zum Eintritt der Rechtskraft des Bescheides möglich; die
Berichtigung kann somit im Rahmen einer Berufung oder im Rahmen einer Wiederaufnahme
des Verfahrens erfolgen. Zur Berichtigung reicht es aus, wenn der in der jeweiligen Kennzahl

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einzutragende Betrag der Abgabenbehörde bekannt gegeben wird (keine Abgabe einer
berichtigten Erklärung erforderlich).
Ab der Veranlagung 2007 kann der Forschungsfreibetrag von Aufwendungen nicht geltend
gemacht werden, die einem Betrieb oder einer Betriebsstätte zuzurechnen sind, die
außerhalb der EU oder des EWR gelegen ist.
1299
Der Forschungsfreibetrag steht dem Erfinder zu, dem der volkswirtschaftliche Wert der
angestrebten oder abgeschlossenen Erfindung durch das Bundesministerium für
wirtschaftliche Angelegenheiten bescheinigt wird. Dies gilt auch in Fällen, in denen einzelne
Kostenkomponenten ausgelagert werden (zB Routinetests, Vornahme von Feldversuchen).
Auch für derartige ausgelagerte Kosten steht der Forschungsfreibetrag dem den Auftrag
erteilenden dem Erfinder zu.
Werden nicht einzelne Kostenkomponenten ausgelagert, sondern fremde Entwicklungs- und
Forschungsergebnisse zugekauft, gilt Rz 1310.
1300
Das Verrechnen von Forschungsumlagen durch die Konzernmutter stellt keinen
Forschungsaufwand der Konzerntochter dar, wenn die Forschung und Entwicklung von der
Konzernmutter selbst betrieben werden.
1301
Sind die Anspruchsvoraussetzungen des § 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988 (bis 2003: § 4 Abs. 4 Z 4
EStG 1988) erfüllt, steht der Forschungsfreibetrag auch dann zu, wenn die
Forschungsaufwendungen letzten Endes nicht zu einer Erfindung führen.
5.5.3.2 Begriff "Erfindung"
1302
Erfindungen iSd § 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988 (bis 2003: § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988) sind
Erfindungen iSd § 1 Patentgesetz 1970 (PatG) sowie des § 1 Gebrauchsmustergesetz (GMG).
1303
Nicht als Erfindung anzusehen sind insbesondere
. Entdeckungen sowie wissenschaftliche Theorien und mathematische Methoden,
. ästhetische Formschöpfungen,
. Pläne, Regeln und Verfahren für gedankliche Tätigkeiten oder
. die Wiedergabe von Informationen.
1304

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Nach § 1 Abs. 2 PatG zählen auch Programme für Datenverarbeitungsanlagen nicht zu den
Erfindungen (VwGH 5.4.1989, 87/13/0171). Dies deckt sich mit § 1 Abs. 3 GMG. In § 1 Abs.
2 GMG wird allerdings die Programmlogik, die Programmen für Datenverarbeitungsanlagen
zu Grunde liegt, als Erfindung angesehen und fällt daher unter § 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988
(bis 2003: § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988). Weiters kommt der Forschungsfreibetrag auch für
Softwareentwicklungen in Betracht, wenn diese in einem unmittelbaren Zusammenhang mit
einer volkswirtschaftlich wertvollen Erfindung stehen. Dies wäre etwa dann der Fall, wenn im
Rahmen einer so genannten Verfahrenserfindung der Nutzungsgrad einer Maschine durch
eine Softwareentwicklung wesentlich effizienter wird.
5.5.3.3 Nachweis des volkswirtschaftlichen Wertes
1305
Der volkswirtschaftliche Wert der angestrebten oder abgeschlossenen Erfindung ist durch
eine Bescheinigung des Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten (nunmehr:
Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit) nachzuweisen. Der Bundesminister für Wirtschaft
und Arbeit bescheinigt den volkswirtschaftlichen Wert der Erfindung, wobei ihm auch die
Entscheidung zukommt, ob es sich im konkreten Einzelfall überhaupt um eine Erfindung
handelt. Inwieweit tatsächlich Aufwendungen für die Entwicklung oder Verbesserung von
(angestrebten) Erfindungen vorliegen und inwieweit diese Aufwendungen auch tatsächlich
die für den jeweiligen Veranlagungszeitraum als volkswirtschaftlich wertvoll bescheinigten
(angestrebten) Erfindungen betreffen, ist unbeschadet der diesbezüglichen Erhebungen des
Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit, stets vom Finanzamt zu prüfen. Bescheinigungen
bzw. ergänzende Bescheinigungen gemäß § 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988 (bis 2003: § 4 Abs. 4 Z
4 EStG 1988) sind bis zur Rechtskraft der betreffenden abgabenrechtlichen Bescheide zu
berücksichtigen.
1306
Die Bescheinigung ist nicht erforderlich, wenn die Erfindung bereits patentrechtlich geschützt
ist. Unter einem patentrechtlichen Schutz ist nur eine Patenterteilung iSd Patentrechts zu
verstehen. Bis zur Patenterteilung ist die Bescheinigung des volkswirtschaftlichen Wertes
stets erforderlich. Für Aufwendungen zur Weiterentwicklung von Erfindungen, für die der
Patentschutz bereits abgelaufen ist, ist die Bescheinigung nicht mehr erforderlich. Allerdings
ist für die Weiterentwicklung und Verbesserung eines Patentes eine eindeutige
Kostenzuordnung erforderlich.
1307
Die Registrierung von Gebrauchsmustern im Gebrauchsmusterregister sowie die Ausstellung
der Gebrauchsmusterurkunde (§§ 22, 26 GMG) stellen keine Patenterteilung dar. Bei

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Erfindungen iSd Gebrauchsmustergesetzes (auch Programmlogik) kommt ein
Forschungsfreibetrag nur im Falle der Erteilung einer Bescheinigung über den
volkswirtschaftlichen Wert der Erfindung durch den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit
in Betracht.
1308
Die Bescheinigung des volkswirtschaftliche Wertes bzw. der Nachweis des aufrechten (bzw.
ehemals aufrechten) Patentschutzes sind materiellrechtliche Voraussetzung für die
Geltendmachung des Forschungsfreibetrages. Ohne Vorlage einer für den betreffenden
Veranlagungszeitraum geltenden Bescheinigung oder des Nachweises des bestehenden
(bzw. ehemals bestehenden) patentrechtlichen Schutzes kann die Begünstigung des § 4 Abs.
4 Z 4a EStG 1988 (bis 2003: § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988) nicht in Anspruch genommen
werden. Die nachträgliche Vorlage der Bescheinigung ist ein rückwirkendes Ereignis, das zur
nachträglichen Berücksichtigung des Forschungsfreibetrages gemäß § 295a BAO führt.
5.5.3.4 Bemessungsgrundlage
5.5.3.4.1 Allgemeines
1309
Der Forschungsfreibetrag wird von den Aufwendungen zur Entwicklung oder Verbesserung
volkswirtschaftlich wertvoller Erfindungen ausgenommen Verwaltungs- und Vertriebskosten
sowie Aufwendungen für Wirtschaftgüter des Anlagevermögens (Forschungsaufwendungen)
bemessen.
1310
Der Ankauf fremder Entwicklungs- und Forschungsergebnisse ist für sich keine Entwicklung
oder Verbesserung einer Erfindung und damit nicht begünstigt. Kommt es allerdings zu einer
Weiterentwicklung oder Verbesserung der angekauften Forschungs- und
Entwicklungsergebnisse, so sind insoweit die Voraussetzungen für den Forschungsfreibetrag
gegeben. Überwiegen die Aufwendungen für die Weiterentwicklung oder Verbesserung im
Verhältnis zu den zugekauften fremden Ergebnissen, so kann auch der Zukauf selbst in die
Bemessungsgrundlage einbezogen werden.
Zu den Aufwendungen für die Entwicklung und Verbesserung von Erfindungen gehören auch
solche, die dazu dienen, die Erfindung produktionsreif zu machen.
5.5.3.4.2 Forschungsaufwendungen
1311
Forschungsaufwendungen umfassen die Herstellungskosten der Erfindung. Dazu zählen zB
Fertigungslöhne (Löhne, Gehälter, Lehrlingsentschädigungen), Materialkosten, Energiekosten
oder zuordenbare Fremdkapitalkosten.

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Die Herstellungskosten der Erfindung umfassen nur Aufwendungen, die sowohl Kosten als
auch Aufwand darstellen. Die aus der betrieblichen Kostenrechnung abgeleiteten Kosten zur
Ermittlung der Herstellungskosten der Erfindung sind daher so zu modifizieren, dass den aus
der Kostenrechnung abgeleiteten Kosten auch tatsächlich Aufwendungen in der
Finanzbuchhaltung gegenüber stehen. Kalkulatorische Kosten (kalkulatorische Zinsen,
Mieten, Unternehmerlöhne etc.) sind bei der Überleitung von Kosten zu Aufwendungen
auszuscheiden. Kosten, denen entsprechende Aufwendungen in anderer Höhe in der
Finanzbuchhaltung gegenüber stehen, sind auf die Höhe der Aufwendungen in der
Finanzbuchhaltung anzupassen.
1312
Wurde im Rahmen einer auftragsbedingten Fertigung (zB Anlagenbau) ein
Forschungsfreibetrag bereits in Anspruch genommen, können für eine auf die Erst- oder
Vorgängererfindung aufbauende weitere Fertigung nur Forschungskosten in den
Forschungsfreibetrag einbezogen werden, die nicht bereits in die Bemessungsgrundlage der
Erst- oder Vorgängererfindung einbezogen worden sind. Dies gilt dann nicht, wenn das
Ergebnis der weiteren Fertigung unzweifelhaft als eigenständige Erfindung anzusehen ist.
1313
Keine Forschungsaufwendungen sind:
. Verwaltungs- und Vertriebskosten.
. Aufwendungen für Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens in Form einer AfA oder gemäß
§ 13 EStG 1988 sofort abgeschriebener Anschaffungs- oder Herstellungskosten.
Erhaltungsaufwendungen für in der Forschung und Entwicklung eingesetzten Anlagegüter
sind vom Ausschluss nicht betroffen. Entwicklungskosten für Prototypen und Pilotanlage
sind als Forschungsaufwendungen anzusehen.
. Aufwendungen, die durch steuerfreie Einnahmen (Subventionen, Bezüge oder Beihilfen
aus öffentlichen Mitteln, Förderungen des Forschungsförderungsfonds usw.) gedeckt
sind. Im Hinblick auf § 20 Abs. 2 EStG 1988 sind derartige Aufwendungen nicht
abzugsfähig und können daher nicht in die Bemessungsgrundlage für den
Forschungsfreibetrag einbezogen werden (VwGH 22.10.2002, 2002/14/0030). Zur
Vorgangsweise vorläufiger Veranlagung bei zeitverschobenen Subventionen siehe Rz
2564.
. Die auf Forschungsaufwendungen entfallende Umsatzsteuer, es sei denn es besteht
keine Berechtigung zum Vorsteuerabzug.

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Aufwendungen zur Sicherung von Erfindungen. Darunter fallen vor allem Patentgebühren
(auch Anmeldungsgebühren) und Prozesskosten für Patentstreitigkeiten.
. Mietaufwendungen für funktional wie Anlagevermögen eingesetzte angemietete
Wirtschaftsgüter, soweit sie auf die AfA-Komponente der angemieteten Wirtschaftsgüter
entfallen. Dies trifft nur auf Mietverhältnisse zu, bei denen im Entgelt eine eindeutig
abgrenzbare AfA-Komponente kalkuliert ist. Derartige Mietverhältnisse sind beim
Finanzierungsleasing anzunehmen. Mietaufwendungen aus anderen (schlichten)
Mietverhältnissen sind vom Ausschluss nicht betroffen.
5.5.3.5 Höhe des Forschungsfreibetrages
5.5.3.5.1 Allgemeines
1314
Der Forschungsfreibetrag beträgt grundsätzlich bis zu 25% der Forschungsaufwendungen.
Soweit die Forschungsaufwendungen über das im Rahmen eines im Verhältnis zur
Vergangenheit gleich bleibenden Forschungsniveaus hinausgehen, beträgt der
Forschungsfreibetrag höchstens bis zu 35% dieser (ausgeweiteten)
Forschungsaufwendungen. Es kann jedoch auch jeder beliebig niedrigere Prozentsatz
angenommen werden.
5.5.3.5.2 Erhöhter Forschungsfreibetrag
1315
Der höhere Satz von 35% kommt insoweit zur Anwendung, als das arithmetische Mittel der
Forschungsaufwendungen der letzten drei Wirtschaftsjahre (= Vergleichszeitraum) durch
Forschungsaufwendungen des laufenden Wirtschaftsjahres überschritten werden.
Rumpfwirtschaftsjahre gelten dabei als "volle" Wirtschaftsjahre. Ab der Veranlagung 2006
sind nicht nur Forschungsaufwendungen iSd § 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988, sondern auch
Forschungsaufwendungen iSd Z 4, für die ein Forschungsfreibetrag oder eine
Forschungsprämie nach § 108c EStG 1988 beansprucht wurde, mitzuberücksichtigen. Somit
wird als Zuwachs an Forschungsaufwand nur jener mit dem erhöhten Satz gefördert, der im
Vergleichszeitraum die Gesamtheit aus
. Forschungsaufwendungen gemäß Z 4a (bis zur Veranlagung 2003: Z 4) sowie
. Forschungsaufwendungen gemäß Z 4 (bis zur Veranlagung 2003: Z 4a), für die ein
Freibetrag oder eine Prämie beansprucht wurde,
übersteigen. Aufwendungen, für die ein Forschungsfreibetrag für Auftragsforschung (§ 4
Abs. 4 Z 4b EStG 1988) oder eine entsprechende Prämie in Anspruch genommen wurden,
bleiben außer Betracht.

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Beispiel:
Die Forschungsaufwendungen gemäß § 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988 des Jahres 04
betragen 0,5 Mio Euro. Die Forschungsaufwendungen in den Wirtschaftsjahren
betrugen
01: 0,3 Mio Euro (allgemeiner Forschungsfreibetrag)
02: 0,5 Mio Euro („Frascati“-Forschungsfreibetrag)
03: 0,4 Mio Euro (Forschungsprämie)
1. Rechtslage bis zur Veranlagung 2005:
Das arithmetische Mittel der relevanten Forschungsaufwendungen der Jahre 01 bis 03
(Vergleichszeitraum) beträgt ein Drittel von 0,3 Mio. Euro, also 0,1 Mio. Euro. Die
Forschungsaufwendungen des Jahres 04 unterliegen daher mit 0,1 Mio. Euro einem
Freibetrag von 25% und mit dem übersteigenden Betrag von 0,4 Mio. Euro einem
Freibetrag von 35%.
2. Rechtslage ab der Veranlagung 2006
Das arithmetische Mittel der relevanten Forschungsaufwendungen der Jahre 01 bis 03
(Vergleichszeitraum) beträgt ein Drittel von 1,2 Mio. Euro, also 0,4 Mio. Euro. Die
Forschungsaufwendungen des Jahres 04 unterliegen daher mit 0,4 Mio. Euro einem
Freibetrag von 25% und mit dem übersteigenden Betrag von 0,1 Mio. Euro einem
Freibetrag von 35%.
1316
Das arithmetische Mittel ist im Sinne einer gleitenden Dreijahresbetrachtung zu errechnen.
Beispielsweise sind für die Satzbestimmung des Forschungsfreibetrages des
Wirtschaftsjahres 2001 als Vergleichszeitraum die Wirtschaftsjahre 1998 bis 2000
maßgeblich; es ist somit das arithmetische Mittel aus den Forschungsaufwendungen dieser
Wirtschaftsjahre zu ermitteln. Sollten in einem Wirtschaftsjahr (mehreren Wirtschaftsjahren)
des Vergleichszeitraumes keine Forschungsaufwendungen angefallen sein, ist (sind) dieses
Wirtschaftsjahr (diese Wirtschaftsjahre) in den Berechnungszeitraum miteinzubeziehen. Bei
Ausmessung des arithmetischen Mittels ist hinsichtlich dieses Wirtschaftsjahres (dieser
Wirtschaftsjahre) von Forschungsaufwendungen im Ausmaß von Null auszugehen.
Beispiel:
In den Jahren 1997 und 1998 sind keine Forschungsaufwendungen angefallen. Im Jahr
1999 hat der Forschungsaufwand 1,8 Mio. S betragen. Die Forschungsaufwendungen
des Jahres 2000 belaufen sich auf 2 Mio. S. Das arithmetische Mittel der
Forschungsaufwendungen der Jahre 1997 bis 1999 (Vergleichszeitraum) beträgt ein
Drittel von 1,8 Mio. S, also 0,6 Mio. S. Die Forschungsaufwendungen des Jahres 2000
unterliegen daher mit 0,6 Mio. S einem Freibetrag von 25% und mit dem
übersteigenden Betrag von 1,4 Mio. S einem Freibetrag von 35%.
1317
Bei Ausmessung der für den höheren Prozentsatz in Betracht kommenden
Forschungsaufwendungen sind die in den vergangenen drei Wirtschaftsjahren angefallenen
Forschungsaufwendungen ungeachtet einer Geltendmachung des Forschungsfreibetrages in

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diesen Jahren einzubeziehen. "Forschungsaufwendungen" iSd § 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988 (bis
2003: § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988) liegen allerdings nur dann vor, wenn - neben den anderen
Voraussetzungen - eine Bescheinigung des Wirtschaftsministers über den
volkswirtschaftlichen Wert der Erfindung ausgestellt ist oder Patentschutz besteht. Bei Fehlen
dieser Voraussetzungen sind Forschungsaufwendungen für die Ermittlung des vergangenen
Durchschnittsaufwandes - unabhängig von der Nichtgeltendmachung des
Forschungsfreibetrages - irrelevant.
Beispiel:
Im Jahr 1997 sind Forschungsaufwendungen von 1,3 Mio. S angefallen und im Jahr
1998 solche von 1,5 Mio. S. Hinsichtlich der im Jahr 1997 angefallenen
Forschungsaufwendungen gibt es weder eine Bescheinigung des Wirtschaftsministers
betreffend deren volkswirtschaftlichen Wert noch besteht Patentschutz. Die im Jahr
1998 angefallenen Forschungsaufwendungen sind ebenfalls nicht als volkswirtschaftlich
wertvoll bescheinigt, Patentschutz besteht allerdings bei Aufwendungen von 600.000 S.
Weder für 1997 noch für 1998 sind FFB geltend gemacht worden. Im Jahr 1999 hat
der Forschungsaufwand 1,8 Mio. S betragen, ein FFB wurde bei Vorliegen aller
Voraussetzungen hiefür abgesetzt. Die Forschungsaufwendungen des Jahres 2000
belaufen sich auf 2 Mio. S. Das arithmetische Mittel der Forschungsaufwendungen der
Jahre 1997 bis 1999 (Vergleichszeitraum) beträgt ein Drittel von 600.000 S (aus 1998)
zuzüglich 1,8 Mio. S (aus 1999), also 0,8 Mio. S. Die Forschungsaufwendungen des
Jahres 2000 unterliegen daher mit 0,8 Mio. S einem Freibetrag von 25% und mit dem
übersteigenden Betrag von 1,2 Mio. S einem Freibetrag von 35%.
5.5.3.6 Fälle der Unternehmensgründung und der Unternehmensübertragung
5.5.3.6.1 Unternehmensgründung
1318
Wird ein Unternehmen neu gegründet und fallen in diesem Unternehmen sofort (also bereits
im Gründungsjahr) Forschungsaufwendungen an, so beträgt der Satz für den
Forschungsfreibetrag für diese Aufwendungen 35%.
5.5.3.6.2 Entgeltliche Unternehmensübertragung
1319
Der FFB soll die Forschungsintensität in betrieblichen Einheiten fördern. Bei der
Satzausmessung sind daher die Forschungsaufwendungen des Betriebsveräußerers beim
Betriebserwerber zu berücksichtigen.
Beispiel:
Ein Unternehmen wird am 30.6.2000 von A an B verkauft (daher bei A
Rumpfwirtschaftsjahr 1.1.2000 bis 30.6.2000, bei B Rumpfwirtschaftsjahr vom
1.7.2000 bis 31.12.2000). Die Forschungsaufwendungen des A haben betragen in den
Jahren
1998 1,2 Mio. S

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1999 1,6 Mio. S
2000 2,3 Mio. S
(Rumpfwirtschaftsjahr 1.1.2000 bis 30.6.2000)
B hat in seinem ersten Rumpfwirtschaftsjahr (1.7.2000 bis 31.12.2000)
Forschungsaufwendungen von 2,6 Mio. S getätigt. Für die Ermittlung des
Freibetragssatzes sind die Forschungsaufwendungen des A bei B miteinzubeziehen.
Das arithmetische Mittel der Forschungsaufwendungen der Jahre 1998, 1999 und des
Rumpfwirtschaftsjahres 1.1.2000 bis 30.6.2000 (Vergleichszeitraum) beträgt ein Drittel
von 5,1 Mio. S, also 1,7 Mio. S. Die Forschungsaufwendungen des B im
Rumpfwirtschaftsjahr 1.7.2000 bis 31.12.2000 unterliegen daher mit 1,7 Mio. S einem
Freibetrag von 25% und mit dem übersteigenden Betrag von 0,9 Mio. S einem
Freibetrag von 35%.
1320
Sollte lediglich ein Teilbetrieb veräußert werden, ist für den Vergleichszeitraum eine
teilbetriebsbezogene Betrachtung anzustellen. Dies gilt sowohl für übertragene wie auch für
zurückbehaltene Teilbetriebe.
Sollten die Forschungsaufwendungen im Falle einer Teilbetriebsveräußerung einem der
Teilbetriebe direkt "alleine" zugeordnet werden können, ist zu unterscheiden:
. Wird der betreffende Teilbetrieb übertragen, sind die Forschungsaufwendungen zur
Gänze beim Erwerber zu berücksichtigen; beim Veräußerer scheiden die
Forschungsaufwendungen für den Vergleichszeitraum zur Gänze aus.
. Wird der betreffende Teilbetrieb beim Veräußerer des (anderen) Teilbetriebes
zurückbehalten, sind die Forschungsaufwendungen beim Veräußerer (weiterhin) für den
Vergleichszeitraum in vollem Ausmaß miteinzubeziehen; beim Erwerber sind hinsichtlich
des erworbenen (anderen) Teilbetriebes für den Vergleichszeitraum keine
Forschungsaufwendungen anzusetzen.
1321
Sollte im Falle einer Teilbetriebsveräußerung eine direkte Zuordnung der vergangenen
Forschungsaufwendungen eine anteilige Zuordnung ergeben, sind die
Forschungsaufwendungen je nach Zuordnung für die Vergleichszeiträume der Teilbetriebe zu
berücksichtigen. Sollte eine direkte Zuordnung zu den Teilbetrieben nicht möglich sein, hat
eine schätzungsweise Zurechnung zu erfolgen. Ergeben sich keine anderen
Zuordnungskriterien, ist eine Aufteilung im Verhältnis der Verkehrswerte der einzelnen
Teilbetriebe vorzunehmen.
Beispiel:

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Ein Unternehmen besteht aus dem Teilbetrieb I (TB I) und dem Teilbetrieb II (TB II).
Der Teilbetrieb II wird am 31.12.2000 veräußert. Im Gesamtunternehmen sind an
Forschungsaufwendungen angefallen
1998 3 Mio. S
1999 3,6 Mio. S
2000 4,2 Mio. S.
Im Jahr 2001 - also nach Trennung der Teilbetriebe - werden im TB I 1,8 Mio. S
Forschungsaufwendungen, im TB II (beim Erwerber) 2,5 Mio. verausgabt. Die
Forschungsaufwendungen der Jahre 1998 bis 2000 können den Teilbetrieben (konkret
oder im Schätzungsweg) folgendermaßen zugeordnet werden: Es entfallen auf den
TB I ein Drittel und auf den TB II zwei Drittel des gesamten Forschungsaufwandes der
Jahre 1998 bis 2000. Die Forschungsaufwendungen sind auch für die Satzbestimmung
in den beiden (getrennten) Teilbetrieben in diesem Verhältnis zuzuordnen. Dies
bedeutet, dass der Inhaber des TB I im Jahr 2001 die durchschnittlichen
Eindrittelaufwendungen der Jahre 1998 bis 2000 ermitteln muss, der Erwerber des TB
die durchschnittlichen Zweidrittelaufwendungen dieser Jahre. Dies ergibt für den
Inhaber des TB I ein Drittel vom jährlichen Durchschnittsaufwand 1998 bis 2000, das
ist ein Drittel von 3,6 Mio. S 1998 bis 2000, also 1,2 Mio. S. Für den Erwerber des TB II
ergibt dies die restlichen zwei Drittel in Höhe von 2,4 Mio. S. Der Inhaber des TB I
kann vom Forschungsaufwand 2001 den Freibetrag von 25% von 1,2 Mio. S und den
Freibetrag von 35% von den restlichen 0,6 Mio. S geltend machen. Beim Erwerber des
TB II gehen lediglich 0,1 Mio. S in den erhöhten FFB ein, für 2,4 Mio. S an Aufwand
beträgt der FFB 25%.
5.5.3.6.3 Unentgeltliche Unternehmensübertragung
1322
Bei einer unentgeltlichen Unternehmensübertragung gelten die unter Rz 1319 ff getroffenen
Aussagen, einschließlich jener zu Teilbetriebsübertragungen.
5.5.3.6.4 Umgründungsvorgänge
1323
Bei Umgründungsvorgängen gelten die unter Rz 1319 ff und 1322 getroffenen Aussagen
sinngemäß. Auch im Fall von Aufwertungen kommt es im Hinblick auf die Auslegung in
Rz 1319 ff zu einem Einbeziehen der Verhältnisse vor dem Umgründungsvorgang.
5.5.3.7 Geltendmachen des Forschungsfreibetrages
1324
Die Geltendmachung des Forschungsfreibetrages kann im Rahmen der Gewinnermittlung
durch Betriebsvermögensvergleich im Jahr des Entstehens der Forschungsaufwendungen
und im Rahmen der Gewinnermittlung durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung im Jahr der
Verausgabung der Forschungsaufwendung erfolgen. Bei bilanzierenden Steuerpflichtigen
kann der Forschungsfreibetrag sowohl bilanzmäßig als auch außerbilanzmäßig geltend
gemacht werden. Die bilanzmäßige Geltendmachung erfolgt über die Bildung einer

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unversteuerten Rücklage (§ 205 UGB). Die außerbilanzmäßige Geltendmachung kann durch
einen gesonderten Abzug in der Abgabenerklärung oder in einer Beilage dargestellt werden.
1325
Das "nachträgliche" Geltendmachen des Forschungsfreibetrages oder Veränderungen an
einem geltend gemachten Forschungsfreibetrag (also Geltendmachen oder Veränderung
nach Abgabe der Abgabenerklärung) ist bei bilanzierenden Steuerpflichtigen bei
außerbilanzmäßigem Geltendmachen des Forschungsfreibetrages in analoger Anwendung
des § 4 Abs. 2 EStG 1988 nur nach den Kriterien der Bilanzänderung zulässig.
1326
Sollten im Zuge einer Betriebsprüfung die Forschungsaufwendungen im Vergleichszeitraum
betraglich geändert werden, ist nach Maßgabe der verfahrensrechtlichen Möglichkeiten
(§ 295 Abs. 3, § 303 BAO) eine Adaptierung der Grundlagen für die Geltendmachung eines
Forschungsfreibetrages von 35% vorzunehmen.
1327
Da es sich um eine abgabenrechtliche Begünstigung handelt, sind an den Nachweis erhöhte
Anforderungen hinsichtlich der Ermittlung des Forschungsfreibetrages zu stellen
(Grundaufzeichnungen, wie zB verlässliche Kostenrechnung, detaillierte
forschungsprojektbezogene Arbeitsaufschreibungen, Materialentnahmescheine usw.).
5.5.3.8 Wechselbeziehung zum Bildungsfreibetrag (BFB) und zum
Lehrlingsfreibetrag (LFB)
1328
Ein Ausschluss zwischen dem Bildungsfreibetrag und dem Forschungsfreibetrag besteht
nicht. Gegebenenfalls können daher spezifische Aus- und Fortbildungskosten im
Forschungsbereich sowohl zu einem Bildungsfreibetrag iSd § 4 Abs. 4 Z 8 EStG 1988 führen
als auch in die Bemessungsgrundlage für den Forschungsfreibetrag einbezogen werden.
1329
Es gibt keinen gesetzlichen Ausschluss des Einbeziehens von Lohnkosten für Lehrlinge in den
Forschungsfreibetrag, wenn für diese Lehrlinge ein Lehrlingsfreibetrag
(§ 124b Z 31 EStG 1988) in Anspruch genommen wird. Umgekehrt kann der
Lehrlingsfreibetrag für Lehrlinge auch dann geltend gemacht werden, wenn die Lohnkosten
der Lehrlinge in den Forschungsfreibetrag einbezogen werden.
Wegen des Fehlens einer Ausschlussregelung im Verhältnis von Bildungsfreibetrag und
Lehrlingsfreibetrag können ggf. auch alle drei Freibeträge nebeneinander geltend gemacht
werden. Ein solcher Fall wäre dann denkbar, wenn ein Lehrling im Forschungsbereich
eingesetzt wird und der Arbeitgeber für ihn forschungsspezifische Aus- oder

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Fortbildungskosten aufwendet, die die Voraussetzungen des § 4 Abs. 4 Z 7 EStG 1988
erfüllen.
5.5.3a Forschungsfreibetrag für Aufwendungen zur Forschung und
experimentellen Entwicklung (§ 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988; bis 2003: § 4 Abs.
4 Z 4a EStG 1988)
1329a
Ab der Veranlagung 2002 besteht neben dem Forschungsfreibetrag für Aufwendungen für
volkswirtschaftlich wertvolle Erfindungen ein Forschungsfreibetrag für "Aufwendungen zur
Forschung und experimentellen Entwicklung" (§ 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988; bis 2003: § 4 Abs. 4
Z 4a EStG 1988). Der Freibetrag für Aufwendungen zur Forschung und experimentellen
Entwicklung beträgt für Aufwendungen, die nach dem 31. Dezember 2001 anfallen, 10%. Ab
der Veranlagung 2003 (somit auch für Aufwendungen, die einem abweichenden
Wirtschaftsjahr 2002/2003 zuzuordnen sind) beträgt dieser Forschungsfreibetrag 15%.
Alternativ zu diesem Forschungsfreibetrag kann für ab dem Jahr 2002 anfallende
Aufwendungen zur Forschung und experimentellen Entwicklung eine Forschungsprämie (§
108c EStG 1988) beansprucht werden (siehe dazu Rz 8208 ff). Ab der Veranlagung 2004
(somit auch für Aufwendungen, die einem abweichenden Wirtschaftsjahr 2003/2004
zuzuordnen sind) beträgt dieser Forschungsfreibetrag 25%.
Der Forschungsfreibetrag kann von Aufwendungen nicht geltend gemacht werden, die
Grundlage eines Forschungsfreibetrages nach § 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988 sind
(aufwandsbezogener Ausschluss). Ab der Veranlagung 2007 kann der Forschungsfreibetrag
auch von Aufwendungen nicht geltend gemacht werden, die einem Betrieb oder einer
Betriebsstätte zuzurechnen sind, die außerhalb der EU oder des EWR gelegen ist.
1329b
Der Forschungsfreibetrag für Aufwendungen zur Forschung und experimentellen Entwicklung
stellt eine (fiktive) Betriebsausgabe dar. Von bilanzierenden Steuerpflichtigen kann er
bilanzmäßig (als unversteuerte Rücklage) oder außerbilanzmäßig geltend gemacht werden.
Er steht auch Einnahmen-Ausgaben-Rechnern zu (hier ist für den Zeitpunkt der
Berücksichtigung die tatsächliche Zahlung der Forschungsaufwendungen bzw. der Zeitpunkt
der Aktivierung - siehe Rz 1329e - maßgeblich). Ab der Veranlagung (Einkünftefeststellung)
für das Jahr 2005 ist Voraussetzung, dass der Freibetrag in der Steuererklärung an der dafür
vorgesehenen Stelle ausgewiesen wird. Eine Berichtigung einer trotz
gewinnermittlungsmäßiger Geltendmachung unrichtigen oder unterlassenen Eintragung ist
bis zum Eintritt der Rechtskraft des Bescheides möglich; die Berichtigung kann somit im
Rahmen einer Berufung oder im Rahmen einer Wiederaufnahme des Verfahrens erfolgen.

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Zur Berichtigung reicht es aus, wenn der in der jeweiligen Kennzahl einzutragende Betrag
der Abgabenbehörde bekannt gegeben wird (keine Abgabe einer berichtigten Erklärung
erforderlich).
1329c
Der Forschungsbegriff des Forschungsfreibetrages für Aufwendungen zur Forschung und
experimentellen Entwicklung ist grundsätzlich weiter gefasst als der Begriff der
"Forschungsaufwendungen" nach der Definition des Forschungsfreibetrages für
Aufwendungen für volkswirtschftlich wertvolle Erfindungen, der sich primär am
Erfindungsbegriff orientiert. Begriffsbestimmungen und Abgrenzungen im Bezug auf
"Forschung und experimentelle Entwicklung, die systematisch und unter Einsatz
wissenschaftlicher Methoden durchgeführt wird", sind der Verordnung BGBl. II Nr. 506/2002
zu entnehmen. Beide Forschungsfreibeträge können auch ergänzend zueinander in Anspruch
genommen werden. Die kumulative Geltendmachung für ein und denselben Aufwand ist
jedoch ausgeschlossen.
Zur Geltendmachung des Forschungsfreibetrages im Bereich der pharmazeutischen
Forschung gilt Folgendes:
Klinische Studien der Phasen I bis III (das sind klinische Studien, die vor Zulassung eines
Medikamentes erfolgen), stellen eine „angewandte Forschung“ im Sinne des § 4 Abs. 4 Z 4
EStG 1988 dar. Klinische Studien der Phase IV (das sind klinische Studien, die nach
Zulassung eines Medikamentes erfolgen), können als angewandte Forschung im Sinne des
§ 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 angesehen werden, wenn der Studie ein positives Votum der
zuständigen Ethikkommission zu Grunde liegt. Nach dem Arzneimittelgesetz bedürfen
klinische Studien der Phase IV einer Begutachtung durch eine Ethikkommission (vgl. § 2a
Abs. 6 Arzneimittelgesetz), die ein positives Votum nur erteilt, wenn der Studie auch ein
wissenschaftlicher Wert im Sinne des § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 zukommt (vgl. § 29 Abs. 3 in
Verbindung mit § 41a Abs. 1 Z 1 Arzneimittelgesetz). Bloße Anwendungsbeobachtungen im
Sinne des § 2a Abs. 3 Arzneimittelgesetz stellen regelmäßig keine angewandte Forschung im
Sinne des § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 dar.
1329d
Dem Forschungsfreibetrag für Aufwendungen zur Forschung und experimentellen
Entwicklung (der Forschungsprämie nach § 108c EStG 1988) sind (nicht durch steuerfreie
Zuwendungen gedeckte, vgl. VwGH 22.10.2002, 2002/14/0030) "Aufwendungen (Ausgaben)
zur Forschung und experimentellen Entwicklung" entsprechend der auf Grundlage des so
genannten "Frascati Manuals" der OECD-Definition ergangenen Verordnung BGBl. II Nr.

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506/2002 zu Grunde zu legen. Aufwendungen zur Forschung und experimentellen
Entwicklung sind:
. Löhne und Gehälter für in Forschung und experimenteller Entwicklung Beschäftigte
einschließlich Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Wohnbauförderungsbeiträge,
Kommunalsteuer, Dienstgeberbeiträge und -zuschläge und sonstige
Personalaufwendungen (zB freiwillige Sozialleistungen). Als „Löhne und Gehälter“ sind
auch Vergütungen zu verstehen, die beim Empfänger zu betrieblichen Einkünften führen
(zB bei einem im Werkvertrag beschäftigten Forscher). Für Beschäftigte, die nicht
ausschließlich in Forschung und experimenteller Entwicklung tätig sind, werden nur die
der Arbeitsleistung für Forschung und experimentelle Entwicklung entsprechenden
Anteile an diesen Aufwendungen (Ausgaben) herangezogen.
. Unmittelbare Aufwendungen (Ausgaben) und unmittelbare Investitionen (einschließlich
der Anschaffung von Grundstücken), soweit sie nachhaltig (siehe dazu Rz 1329e)
Forschung und experimenteller Entwicklung dienen
. Finanzierungsaufwendungen (-ausgaben), soweit sie der Forschung und experimentellen
Entwicklung zuzuordnen sind.
. Gemeinkosten, soweit sie der Forschung und experimentellen Entwicklung zuzuordnen
sind (zB Kosten des Lohnbüros, soweit sie auf Forschungspersonal entfallen, anteilige
Verwaltungskosten, nicht jedoch Vertriebskosten).
Keine Aufwendungen für Forschung und experimentelle Entwicklung sind externe
Aufwendungen (Ausgaben) für Forschung und experimentelle Entwicklung im Sinne der
Verordnung BGBl. II Nr. 506/2002 (Aufwendungen oder Ausgaben für Forschungs- und
Entwicklungsaufträge, die an Dritte außer Haus vergeben werden - Aufwendungen für
Auftragsforschung). Aufwendungen für Auftragsforschung, die Aufwendungen für Forschung
und experimentelle Entwicklung im Sinne der Verordnung darstellen, können beim
Auftraggeber ungeachtet des Umstandes, ob der Auftragnehmer einen Forschungsfreibetrag
(eine Forschungsprämie) in Anspruch nehmen kann bzw. in Anspruch nimmt, nicht in die
Bemessungsgrundlage für den Freibetrag (die Prämie) einbezogen werden. Jene
Aufwendungen für Auftragsforschung, die beim Auftragnehmer für sich betrachtet keine
Aufwendungen für Forschung und experimentelle Entwicklung im Sinne der Verordnung
BGBl. II Nr. 506/2002 darstellen, können beim Auftraggeber in die Bemessungsgrundlage
dann einbezogen werden, wenn sie bei diesem im Rahmen eines Forschungsvorhabens
anfallen, das eine Forschung und experimentelle Entwicklung im Sinne der Verordnung BGBl.
II Nr. 506/2002 darstellt.

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Beispiel:
Im Rahmen eines Forschungsprojektes, das den Voraussetzungen des § 4 Abs. 4 Z 4
EStG 1988 (bis 2003: § 4 Abs. 4 Z 4a EStG 1988) entspricht, wird der Auftrag zu einer
Softwarentwicklung an ein fremdes Unternehmen vergeben. Diese
Softwareentwicklung stellt für sich betrachtet
. Fall 1: eine Forschung im Sinne des § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 (bis 2003: § 4 Abs.
4 Z 4a EStG 1988) dar bzw.
. Fall 2: keine Forschung im Sinne des § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 (bis 2003: § 4 Abs.
4 Z 4a EStG 1988) dar.
Im Fall 1 kann der Aufwand für die Auftragsforschung beim Auftraggeber nicht in die
Bemessungsgrundlage einbezogen werden (wohl aber kann der Auftragnehmer einen
Forschungsfreibetrag in Anspruch nehmen). Im Fall 2 kann der Aufwand für die
Auftragsforschung beim Auftraggeber in die Bemessungsgrundlage einbezogen werden
(beim Auftragnehmer kommt die Geltendmachung eines Freibetrages nicht in
Betracht).
1329e
Investitionsaufwendungen gehen bei nachhaltiger Nutzung für Zwecke der Forschung und
experimentellen Entwicklung im Jahr der Anschaffung oder Herstellung (nach allfälliger
Kürzung um erhaltene oder zugesagte steuerfreie Subventionen, vgl. VwGH 22.10.2002,
2002/14/0030) entsprechend dem Nutzungseinsatz (bei Vollnutzung für Zwecke der
Forschung und experimentellen Entwicklung zur Gänze, sonst in dem dem Nutzungseinsatz
entsprechenden Ausmaß) in die Bemessungsgrundlage für den Forschungsfreibetrag (die
Forschungsprämie) ein; bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern ist daher eine AfA bei Ermittlung
der Bemessungsgrundlage nicht zu berücksichtigen. Eine Übertragung stiller Reserven (§ 12
EStG 1988) kürzt nicht die Bemessungsgrundlage, da die übertragene stille Reserve auf das
Ausmaß der „Investitionen“ (zum Unterschied von steuerfreien Zuschüssen) keinen Einfluss
hat.
Im Fall eines mehrjährigen Herstellungsvorganges sind nicht die jeweils anteiligen, sondern
im Wirtschaftsjahr der Fertigstellung die gesamten Herstellungskosten der Bemessung des
Forschungsfreibetrages (der Forschungsprämie) zu Grunde zu legen.
Eine nachhaltige Nutzung für Zwecke der Forschung und experimentellen Entwicklung liegt
vor, wenn
. abnutzbare Wirtschaftsgüter (ausgenommen Gebäude) mit einer betriebsgewöhnlichen
Nutzungsdauer von bis zu zehn Jahren für einen Zeitraum von mehr als der Hälfte ihrer
betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer,
. Grundstücke, Gebäude und andere abnutzbare Wirtschaftsgüter mit einer
betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mehr als zehn Jahren für zumindest zehn

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Jahre Zwecken der Forschung und experimentellen Entwicklung im Sinne der Verordnung
BGBl. II Nr. 506/2002
voraussichtlich dienen werden.
Beispiele:
1. Im Jahr 1 erfolgt die Anschaffung der Maschine A (betriebsgewöhnliche
Nutzungsdauer 4 Jahre, Anschaffungskosten 100.000 Euro). Die Maschine A wird
während der gesamten Nutzungsdauer zu 30% für Zwecke der Forschung und
experimentellen Entwicklung und zu 70% für andere betriebliche Zwecke verwendet.
30% der Anschaffungskosten (30.000 Euro) gehen in die Bemessungsgrundlage für
den Forschungsfreibetrag nach § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 des Jahres 1 ein.
2. Im Jahr 2 erfolgt die Anschaffung der Maschine B (betriebsgewöhnliche
Nutzungsdauer 3 Jahre, Anschaffungskosten 200.000 Euro). Die Maschine B wird nur
im Jahr 2 zur Gänze, sodann aber nicht mehr für Zwecke der Forschung und
experimentellen Entwicklung verwendet. Mangels Nachhaltigkeit sind die
Anschaffungskosten der Maschine B nicht in die Bemessungsgrundlage für den
Forschungsfreibetrag nach § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 des Jahres 2 einzubeziehen.
1329f
Die Aufwendungen zur Forschung und experimentellen Entwicklung eines Wirtschaftsjahres
sind in einem nach Maßgabe des Anhanges II Verordnung BGBl. II Nr. 506/2002, erstellten
Verzeichnis darzustellen. Das Verzeichnis hat die Ermittlung der Bemessungsgrundlage und
den daraus ermittelten Forschungsfreibetrag oder die daraus ermittelte Forschungsprämie zu
enthalten. Das Verzeichnis ist auf Verlangen der Abgabenbehörde vorzulegen und hat
folgenden Inhalt:
Forschungsaufwendungen (Art) Betrag
in Euro
1. Löhne und Gehälter für in Forschung und experimenteller Entwicklung
Beschäftigte einschließlich Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung,
Wohnbauförderungsbeiträge und sonstige Personalaufwendungen (zB freiwillige
Sozialleistungen). Für Beschäftigte, die nicht ausschließlich in Forschung und
experimenteller Entwicklung tätig sind, sind nur die der Arbeitsleistung für
Forschung und experimentelle Entwicklung entsprechenden Anteile an diesen
Aufwendungen (Ausgaben) einzubeziehen.
2. Unmittelbare Aufwendungen (Ausgaben) und unmittelbare Investitionen
(einschließlich der Anschaffung von Grundstücken), soweit wie nachhaltig
Forschung und experimenteller Entwicklung dienen (Anhang I, Teil A, Z 1).
3. Finanzierungsaufwendungen (-ausgaben), soweit sie der Forschung und

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experimentellen Entwicklung zuzuordnen sind (Anhang I, Teil A, Z 1).
4. Gemeinkosten, soweit sie der Forschung und experimentellen Entwicklung
zuzuordnen sind (Anhang I, Teil A, Z 1).
Forschungsaufwendungen gesamt (Summe aus 1 bis 4)
Forschungsfreibetrag gemäß § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988
Forschungsprämie gemäß § 108c EStG 1988
5.5.3b Forschungsfreibetrag für Auftragsforschung (§ 4 Abs. 4 Z 4b EStG
1988)
1329g
Nach § 4 Abs. 4 Z 4b EStG 1988 steht dem Auftraggeber für ab dem 1. Jänner 2005 erteilte
Aufträge für Forschung und experimentelle Entwicklung ein Forschungsfreibetrag zu;
alternativ zu diesem Freibetrag kann nach § 108c EStG 1988 auch eine Prämie für
Auftragsforschung geltend gemacht werden.
Ab der Veranlagung (Einkünftefeststellung) für das Jahr 2005 ist Voraussetzung, dass der
Freibetrag in der Steuererklärung an der dafür vorgesehenen Stelle ausgewiesen wird. Eine
Berichtigung einer trotz gewinnermittlungsmäßiger Geltendmachung unrichtigen oder
unterlassenen Eintragung ist bis zum Eintritt der Rechtskraft des Bescheides möglich; die
Berichtigung kann somit im Rahmen einer Berufung oder im Rahmen einer Wiederaufnahme
des Verfahrens erfolgen. Zur Berichtigung reicht es aus, wenn der in der jeweiligen Kennzahl
einzutragende Betrag der Abgabenbehörde bekannt gegeben wird (keine Abgabe einer
berichtigten Erklärung erforderlich).
Hinsichtlich der begünstigten Forschung und experimentellen Entwicklung knüpft dieser
Freibetrag (die Prämie) an den bisherigen Forschungsfreibetrag nach § 4 Abs. 4 Z 4
EStG 1988 ("Frascati-Freibetrag") an (siehe dazu Rz 1329a ff), allerdings mit dem
Unterschied, dass der Freibetrag (die Prämie) dem Auftraggeber zusteht. Der
"Forschungsbegriff" des Freibetrages ist durch die gesetzliche Anknüpfung an den "Frascati-
Freibetrag" nach § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 derselbe; der Freibetrag beträgt ebenfalls 25%
der Aufwendungen (Ausgaben) des Auftraggebers und stellt eine (fiktive) Betriebsausgabe
dar (Rz 1329b).
1329h
Der Freibetrag (die Prämie) steht nur für Aufwendungen (Ausgaben) des Auftraggebers in
Höhe von höchstens 100.000 Euro pro Wirtschaftsjahr zu. Im Fall eines
Rumpfwirtschaftsjahres ist der Höchstbetrag entsprechend der Kalendermonate des

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Wirtschaftsjahres zu aliquotieren, wobei angefangene Kalendermonate als volle
Kalendermonate gelten.
1329i
Voraussetzung für den Freibetrag (die Prämie) für Auftragsforschung ist, dass der
Auftraggeber mit der Forschung und experimentellen Entwicklung Einrichtungen oder
Unternehmen beauftragt, die mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben befasst sind und
deren Sitz in einem Staat der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraumes
gelegen ist. Ob die beauftragte Einrichtung (das beauftragte Unternehmen) seinen
Unternehmensschwerpunkt in der Forschung und experimentellen Entwicklung hat, ist ohne
Bedeutung. Grundsätzlich kommt unter den genannten Voraussetzungen jede Einrichtung
(zB Universitätsinstitut, Forschungsverein) bzw. jedes Unternehmen als Auftragnehmer in
Betracht. Es gilt allerdings ein Konzern- und Unternehmensgruppenausschluss: Steht der
Auftragnehmer unter beherrschendem Einfluss des Auftraggebers oder ist er Mitglied einer
Unternehmensgruppe nach § 9 KStG 1988, der auch der Auftraggeber angehört, kann der
Auftraggeber keinen Freibetrag in Anspruch nehmen (zum beherrschendem Einfluss siehe
KStR 2001 Rz 464).
1329j
Die Inanspruchnahme des Freibetrages setzt für den Auftraggeber voraus, dass er bis zum
Ablauf seines Wirtschaftsjahres dem Auftragnehmer nachweislich mitteilt, bis zu welchem
Ausmaß an Aufwendungen (Ausgaben) er den Forschungsfreibetrag in Anspruch nimmt.
Hinsichtlich der von der Mitteilung umfassten Aufwendungen (Ausgaben) kann der
Auftragnehmer seinerseits keinen Forschungsfreibetrag nach § 4 Abs. 4 Z 4 oder 4a
EStG 1988 oder eine Forschungsprämie gemäß § 108c EStG 1988 in Anspruch nehmen.
Damit ist eine "doppelte" steuerliche Geltendmachung von Aufwendungen (Ausgaben) für
Forschung und experimentelle Entwicklung ausgeschlossen. In der Praxis wird es sich
empfehlen, bereits bei Auftragsvergabe vertraglich zu regeln, wer den Freibetrag (die
Prämie) geltend machen darf.
Die Mitteilung hat bis zum Ablauf jenes Wirtschaftsjahres zu erfolgen, in dem dem
Auftraggeber aus dem erteilten Forschungsauftrag steuerliche Aufwendungen erwachsen.
Anzahlungen lösen daher bei einem Bilanzierer mangels Aufwandswirksamkeit, anders als
beim Einnahmen-Ausgaben-Rechner, keine Mitteilungspflicht aus.
Will der Auftraggeber den Forschungsfreibetrag in Anspruch nehmen, muss er dies dem
Auftragnehmer mitteilen, unabhängig davon, ob der Auftragnehmer selbst eine
Forschungsförderung in Anspruch nehmen könnte oder nicht. Es bestehen keine Bedenken,
vom Erfordernis der Mitteilung abzusehen, wenn ein ausländischer Auftragnehmer ohne

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inländische Betriebsstätte hinsichtlich der vom Forschungsauftrag umfassten Aufwendungen
in Österreich keine steuerliche Forschungsförderung in Anspruch nehmen kann.
Es bestehen keine Bedenken von einer rechtzeitigen Mitteilung auszugehen, wenn von
Auftraggebern mit einem abweichenden Wirtschaftsjahr 2004/2005 die Mitteilung bis zum
31. Jänner 2006 gegenüber dem (den) Auftragnehmer(n) erfolgt, sofern der Auftragnehmer
nicht seinerseits hinsichtlich der von der Mitteilung umfassten Aufwendungen eine
steuerliche Forschungsförderung nach § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 (Forschungsfreibetrag oder
Forschungsprämie) geltend macht.
Ohne Mitteilung bis zum Ende des Wirtschaftsjahres kann gegebenenfalls der Auftragnehmer
- bei Zutreffen der Voraussetzungen bei ihm - hinsichtlich seiner Aufwendungen oder
Ausgaben (ohne Gewinnspanne) eine steuerliche Forschungsförderung in Anspruch nehmen.
Beispiele:
1. Der Auftraggeber nimmt für einen Auftrag mit einem Volumen von 100.000 Euro die
steuerliche Forschungsförderung selbst in Anspruch indem er dies seinem
Auftragnehmer bis zum Ende des Wirtschaftsjahres mitteilt. Für etwaige Folgeaufträge
im selben Wirtschaftsjahr kann gegebenenfalls der Auftragnehmer die steuerliche
Förderung in Anspruch nehmen, da der Auftraggeber die Höchstgrenze von
100.000 Euro ausgeschöpft hat.
2. Bei einem Forschungsauftrag in Höhe von 100.000 Euro teilt der Auftraggeber dem
Auftragnehmer bis zum Ende des Wirtschaftsjahres mit, dass er den
Forschungsfreibetrag nur für die halben Aufwendungen in Höhe von 50.000 Euro in
Anspruch nimmt. Der Auftragnehmer kann seinerseits für die restlichen Aufwendungen
einen Forschungsfreibetrag nach § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 in Anspruch nehmen, wobei
die eigene Gewinnspanne beim Auftragnehmer nicht berücksichtigt werden kann.
1329k
Sollte der Auftragnehmer dem Forschungsfreibetrag nach § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 eine
Bemessungsgrundlage zu Grunde gelegt haben, die sich nachträglich deshalb als unrichtig
erweist, weil er erst nach Rechtskraft des Bescheides eine Mitteilung vom Auftraggeber
erhält, aus der sich die Unrichtigkeit (zu niedrige oder zu hohe Geltendmachung) ergibt,
stellt diese Tatsache ein rückwirkendes Ereignis iSd § 295a BAO dar, das eine Korrektur des
Bescheides hinsichtlich des geltend gemachten Forschungsfreibetrages ermöglicht.
Beispiel:
A (Auftragnehmer) mit Regelwirtschaftsjahr erhält von B mit abweichendem
Wirtschaftsjahr (Bilanzstichtag 30.9) am 1.11.01 einen Forschungsauftrag; das
Forschungsergebnis ist bis zum 30.6.02 von A an B zu liefern. A bezieht die das Jahr 01
betreffenden Aufwendungen aus diesem Forschungsauftrag in die
Bemessungsgrundlage für seinen Forschungsfreibetrag ein, weil er – mangels
vertraglicher Vereinbarung - davon ausgeht, dass B keinen Forschungsfreibetrag
hinsichtlich des Forschungsauftrages beanspruchen wird. Der Bescheid des Jahres 01
wird am 1.5.02 rechtskräftig. Am 25.9.02 erhält A eine Mitteilung, dass B für den
Forschungsauftrag des Jahres 01/02 den Forschungsfreibetrag beansprucht. Diese

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Mitteilung stellt ein rückwirkendes Ereignis dar; der Bescheid des Jahres 01 ist für A
hinsichtlich jener Forschungsaufwendungen des Jahres 01 zu korrigieren, die aus dem
von B erteilten Forschungsauftrag stammen.
Gleiches gilt in Fällen, in denen die Mitteilung deswegen "verspätet" erfolgt, weil die
Erfüllung des Forschungsauftrages erst zu einem Zeitpunkt erfolgt, zu dem Bescheide für den
Auftragnehmer bereits rechtskräftig geworden sind.
Beispiel:
C (Auftragnehmer mit Regelwirtschaftsjahr) erhält von D (Auftraggeber mit
Regelwirtschaftsjahr) am 1.11.01 einen bis zum 30.6.03 zu erfüllenden
Forschungsauftrag. C bezieht die die Jahre 01, 02 und 03 betreffenden Aufwendungen
aus diesem Forschungsauftrag in die Bemessungsgrundlage für seinen
Forschungsfreibetrag ein, weil er – mangels vertraglicher Vereinbarung - davon
ausgeht, dass D keinen Forschungsfreibetrag hinsichtlich des Forschungsauftrages
beanspruchen wird. Am 15.12.03 erhält C eine Mitteilung, dass D für den
Forschungsauftrag der Jahre 01, 02 und 03 den Forschungsfreibetrag beansprucht (der
Forschungsfreibetrag führt erst in diesem Jahr bei D zu einem steuerlichen Aufwand,
weil er erst in diesem Jahr der Auftrag erfüllt wird). Diese Mitteilung erfolgt zu einem
Zeitpunkt, zu dem die Bescheide für C hinsichtlich der Jahre 01 und 02 bereits
rechtskräftig sind. Sie stellt ein rückwirkendes Ereignis dar; die Bescheide des Jahres
01 und 02 sind für C hinsichtlich jener Forschungsaufwendungen der Jahre 01 und 02
zu korrigieren, die aus dem von D erteilten Forschungsauftrag stammen.
1329l
Beim Auftraggeber dürfen die Aufwendungen (Ausgaben) für die Auftragsforschung nicht
Grundlage für einen Forschungsfreibetrag gemäß § 4 Abs. 4 Z 4 oder Z 4a EStG 1988 oder
eine entsprechende Prämie sein. Die Freibeträge gemäß § 4 Abs. 4 Z 4 oder Z 4a EStG 1988
gehen dem Freibetrag nach § 4 Abs. 4 Z 4b EStG 1988 vor.
Die Abgrenzung der Forschungsfreibeträge hängt somit im Wesentlichen davon ab, ob es
sich bei der in Auftrag gegebenen Forschung um ein eigenes Forschungsprojekt handelt oder
ob bloß einzelne Komponenten ausgelagert werden, auf deren Grundlage oder mit deren
Hilfe der Auftraggeber weitere Forschung betreibt. Im Falle eines eigenen
Forschungsprojektes kommt nur der Forschungsfreibetrag für Auftragsforschung in Betracht.
Sollten hingegen nur einzelne Komponenten eines Forschungsprojektes extern ausgelagert
werden, kommt nur der Forschungsfreibetrag nach § 4 Abs. 4 Z 4 oder Z 4a EStG 1988 in
Betracht, dh die dem Auftraggeber entstandenen Kosten aus der Auftragsforschung fließen
in den Forschungsfreibetrag nach § 4 Abs. 4 Z 4 oder Z 4a EStG 1988 ein (siehe dazu auch
Rz 1299 und 1329d).
Entsprechend dem Forschungsfreibetrag gemäß § 4 Abs. 4 Z 4 EStG 1988 kann die
Geltendmachung des Freibetrages nach § 4 Abs. 4 Z 4b EStG 1988 auch außerbilanzmäßig
erfolgen.

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5.5.4 Abzugsfähige Zuwendungen aus dem Betriebsvermögen (Spenden)
an begünstigte Spendenempfänger (§ 4a EStG 1988)
5.5.4.1 Begriff der Zuwendungen (Spenden)
1330
Als Zuwendungen im Sinne des § 4a EStG 1988 sind nur freigebige Leistungen - "Spenden" -
anzusehen, die zu einer endgültigen wirtschaftlichen Belastung des "Spenders" führen.
Voraussetzung ist der Übergang des Eigentums; bloße Verwahrung genügt nicht (VwGH
09.10.1991, 90/13/0047). Keine freigebige Leistung liegt vor, wenn ein Pflichtbeitrag für
mildtätige Zwecke zweckgebunden wird (zB Zweckbindung des Kirchenbeitrages für
mildtätige Zwecke).
Geld- oder Sachspenden an Organisationen im Sinne des § 4a Z 1, Z 2 und Z 3 lit. a EStG
1988 sind im Rahmen der jeweiligen Höchstbeträge als Betriebsausgaben abzugsfähig.
Zuwendungen an Organisationen im Sinne des § 4a Z 3 lit. b EStG 1988
(Spendensammelvereine) sind nur in Form von Geldspenden abzugsfähig; auch die
Zuwendung eines Sparbuches kann als Geldspende angesehen werden.
Spenden aus dem Privatvermögen sind als Sonderausgaben abzugsfähig. Sie können an
Organisationen im Sinne des § 4a Z 1 und 2 EStG 1988 in Form von Geld- und
Sachzuwendungen erfolgen. Spenden an Organisationen gemäß § 4a Z 3 lit. a und b EStG
1988 sind nur dann als Sonderausgaben abzugsfähig, wenn sie in Form von
Geldzuwendungen erfolgen.
1330a
Aufwendungen und Ausgaben, die zu einer Gegenleistung des Empfängers führen, sowie
Mitgliedsbeiträge sind nicht begünstigt (siehe auch Rz 1330e). Steht der Zuwendung eine
Gegenleistung von völlig unerheblichem Wert gegenüber, ist von einer Spende auszugehen
(zB einem Spendenerlagschein angeschlossene Weihnachtskarten).
1330b
Keine als Betriebsausgabe oder Sonderausgabe abzugsfähige Spende im Sinne des § 4a EStG
1988 ist eine Geld- oder Sachzuwendung eines Gesellschafters an seine Kapitalgesellschaft,
auch wenn sie die formalen Voraussetzungen des § 4a EStG 1988 erfüllt; es liegt vielmehr
eine Einlage vor. Auch Geld- oder Sachzuwendungen einer Kapitalgesellschaft an ihren – die
Voraussetzungen des § 4a EStG 1988 erfüllenden – Gesellschafter sind keine als
Betriebsausgabe oder Sonderausgabe abzugsfähige Spende, sondern stellen eine (verdeckte)
Ausschüttung oder Einlagenrückzahlung dar.
1330c

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Wird eine Nutzungsmöglichkeit aus dem Betriebsvermögen unentgeltlich eingeräumt (zB ein
LKW wird aus dem Betriebsvermögen einer spendenbegünstigten Organisation unentgeltlich
überlassen), stellt der nach dem allgemeinen Betriebsausgabenbegriff nicht abzugsfähige
Aufwand eine Betriebsausgabe im Rahmen des § 4a Z 1, Z 2 und Z 3 lit. a EStG 1988 dar.
Der Ansatz eines fremdüblichen Nutzungsentgelts kommt für die Bemessung der
Betriebsausgabe nicht in Betracht.
1330d
Eine Zuwendung von Todes wegen (Vermächtnis, Erbschaft, Schenkung auf den Todesfall)
ist ebenfalls eine Zuwendung im Sinne des § 4a EStG 1988. Diese Zuwendungen sind -
unabhängig vom Zeitpunkt des tatsächlichen Abflusses – beim zuwendenden Erblasser im
Rahmen der Veranlagung des letzten Lebensjahres zu berücksichtigen. Dabei ist zu
beachten, dass nur der positive Saldo der von Todes wegen übertragenen Aktiva und Passiva
eine Zuwendung im Sinne des § 4a EStG 1988 darstellt.
1330e
Nicht als Zuwendungen abzugsfähig sind die Mitgliedsbeiträge jener Mitglieder, die am
Vereinsleben als vollberechtigte Mitglieder teilnehmen können und die lediglich auf Grund
der Mitgliedschaft bei der Körperschaft geleistet werden (echte Mitgliedsbeiträge eines
ordentlichen Mitgliedes). Auch Beiträge, die zur Erlangung einer von der Organisation
konkret erwarteten bzw. erbrachten Gegenleistung gefordert und entrichtet werden (unechte
Mitgliedsbeiträge), sind nicht abzugsfähig. Echte Mitgliedsbeiträge dienen vor allem der
laufenden Abdeckung des Aufwandes der Körperschaft. Anzeichen für das Vorliegen von
Mitgliedsbeiträgen eines ordentlichen Mitgliedes ist die allgemeine, statutengemäße Leistung
durch die Mitglieder, unabhängig von Art und Ausmaß der Inanspruchnahme der
Einrichtungen der Körperschaft (vgl. VereinsR 2001 Rz 339 und KStR 2001 Rz 692).
Beträge, die über diesen Mitgliedsbeitrag eines ordentlichen Mitgliedes hinaus vom Mitglied
freiwillig oder auf Grund einer gegenüber der Körperschaft eingegangenen
Einzelverpflichtung zur Förderung des Vereinszweckes geleistet werden, sind nicht als
Mitgliedsbeiträge eines ordentlichen Mitgliedes anzusehen und daher als Spenden
abzugsfähig (siehe auch UFS 11.08.2009, RV/1823-W/09).
Dies gilt auch für Zahlungen auf Grund einer Fördermitgliedschaft ohne
Mitgliedschaftsrechte.
5.5.4.2 Begünstigte Empfänger
1331
Abzugsfähig sind nur Spenden, die an eine Organisation geleistet werden, die entweder im
Gesetz selbst definiert ist oder zum Zeitpunkt der Spende in einer der gesetzlich

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vorgesehenen Listen der begünstigten Spendenempfänger angeführt ist. Bei diesen handelt
es sich im Einzelnen um folgende Organisationen:
1. Organisationen, die im Wesentlichen mit Forschungs- und Lehraufgaben auf
wissenschaftlichem Gebiet und damit verbundenen Publikationen oder Dokumentationen
befasst sind (§ 4a Z 1 lit. d und e EStG 1988).
2. Organisationen, die im Wesentlichen mildtätigen Zwecken iSd § 37 BAO, der Bekämpfung
von Armut und Not in Entwicklungsländern oder der Hilfeleistung in Katastrophenfällen
dienen (§ 4a Z 3 lit. a EStG 1988).
3. Spendensammelorganisationen für die in Rz 1338a genannten Zwecke (§ 4a Z 3 lit. b
EStG 1988).
Ist die Organisation weder
. ausdrücklich im Gesetz genannt, noch
. in der Liste für die unter Punkt 1 angeführten Organisationen einerseits, noch
. in der Liste für die unter Punkt 2 und 3 angeführten Organisationen andererseits
enthalten,
sind Spenden nicht abzugsfähig. Im Rahmen des § 4a Z 3 EStG 1988 sind auch Spenden an
Organisationen nicht abzugsfähig, die zu einem erheblichen Teil aus Mitteln von
zweckgebundenen bundesgesetzlich geregelten Abgaben finanziert werden (zB an freiwillige
Feuerwehren). Krankenanstalten, Pflegeheime usw. sind davon nicht betroffen.
1331a
Als begünstigte Spendenempfänger-Körperschaften nach § 4a Z 3 lit. a EStG 1988 kommen
neben juristischen Personen des privaten Rechtes (zB Vereine oder GmbHs) auch
Körperschaften des öffentlichen Rechts (zB kirchliche Organisationen mit ausschließlich
mildtätigem Zweck) oder Betriebe gewerblicher Art von Körperschaften öffentlichen Rechts in
Frage, wenn sie die in den §§ 34 ff BAO vorgesehenen Voraussetzungen erfüllen. Ebenso
begünstigungsfähig sind Organisationen aus EU- bzw. EWR-Mitgliedsstaaten, wenn sie in die
Spendenliste eingetragen sind. Die Voraussetzungen zur Eintragung solcher ausländischer
Organisationen entsprechen jenen für inländische Körperschaften.
1331b
Neben diesen direkt und unmittelbar der Erfüllung der in § 4a Z 3 EStG 1988 genannten
begünstigten Zwecke dienenden Organisationen kommen auch so genannte
"Spendensammeleinrichtungen" als begünstigte Spendenempfänger in Betracht. Wenn sie
den in § 4a Z 4 lit. b EStG 1988 genannten Anforderungen entsprechen, sind auch Spenden

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an solche Institutionen von der Abzugsfähigkeit umfasst, obwohl diese Organisationen, die
im Wesentlichen die Sammlung von Spenden für begünstigte Zwecke als Aufgabe haben -
mangels ausschließlicher und unmittelbarer Förderung eines begünstigten Zweckes - nicht in
den Anwendungsbereich der §§ 34 ff BAO fallen. Für diese Organisationen stellt § 4a Z 4
lit. b EStG 1988 eigene Regeln auf, die den Gemeinnützigkeitsvoraussetzungen im
Wesentlichen entsprechen. Sie müssen die gesammelten Mittel an in der Spendenliste
eingetragene Körperschaften weitergeben, wo diese Gelder zur Erfüllung von mildtätigen
Zwecken, Zwecken der Entwicklungszusammenarbeit oder der Hilfestellung in
Katastrophenfällen im Sinne der § 4a Z 3 EStG 1988 verwendet werden. Sie können aber
auch selbst oder durch Erfüllungsgehilfen (§ 40 Abs. 1 BAO) für die entsprechende
Verwendung des Spendenaufkommens sorgen (siehe auch VereinsR 2001 Rz 119 und
Rz 120). Es ist für die Begünstigung nach § 4a Z 4 lit. b EStG 1988 nicht schädlich, wenn der
Spendensammelverein auch selbst unmittelbar mildtätige Zwecke verfolgt (zB eigene
mildtätige Zwecke durchführt).
5.5.4.3 Begünstigte Zwecke
5.5.4.3.1 Zuwendungen an Empfänger iSd § 4a Z 1 EStG 1988
1332
Die Zuwendungen an die im § 4a Z 1 EStG 1988 genannten Empfänger müssen zur
Durchführung von Forschungs- oder Lehraufgaben sowie damit verbundenen
wissenschaftlichen Publikationen oder Dokumentationen bestimmt sein. Soweit sich die
Körperschaft mit Lehraufgaben befasst, müssen sich diese an Erwachsene richten, Fragen
der Wissenschaft oder der Kunst zum Inhalt haben und nach Art ihrer Durchführung den
Lehrveranstaltungstypen des Universitätsgesetzes 2002 entsprechen.
1333
Da § 4a Z 1 EStG 1988 die Förderung von Wissenschaft und Forschung bezweckt, muss die
Durchführung von Forschungs- bzw. Lehraufgaben die vorrangige Aufgabe des
Spendenempfängers sein. Ob die Durchführung von Forschungs- oder Lehraufgaben als
vorrangige Aufgabe der betreffenden Einrichtung anzusehen ist, wird nicht ausschließlich
nach den verursachten Aufwendungen, sondern unter Bedachtnahme auf die Gesamttätigkeit
dieser Einrichtung zu beurteilen sein. Einrichtungen, deren vorrangige Aufgabe etwa die
Durchführung von Ausstellungen ist, sind nicht begünstigt.
1334
Bei juristischen Personen iSd § 4a Z 1 lit. e EStG 1988, an denen keine Gebietskörperschaft
zumindest mehrheitlich beteiligt ist, ist darüber hinaus erforderlich, dass sie iSd § 39 BAO
ausschließlich wissenschaftliche Zwecke verfolgen (VwGH 09.07.1997, 95/13/0110). Der

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Umstand der Gemeinnützigkeit darf sich nur aus dem Titel der Förderung wissenschaftlicher
Zwecke (§ 35 Abs. 2 BAO) ergeben. Dabei ist nicht nur die Satzung oder sonstige
Rechtsgrundlage, sondern auch die tatsächliche Geschäftsführung zu prüfen. Die bloße
Sammlung und Schaustellung von Gegenständen kultureller Bedeutung ist noch keine
wissenschaftliche Betätigung. Ob die Gestaltung eines Museums geeignet ist, der
Vermehrung menschlichen Wissens im Interesse der Allgemeinheit zu dienen, ist im Einzelfall
danach zu beurteilen, ob die Ausgestaltung dem Aufbau (ihrer Methode) und dem Inhalt
(ihrem Niveau) nach einer wissenschaftlichen Arbeit gleichzuhalten ist (VwGH 26.06.2001,
97/14/0170).
Die Zuwendungen dürfen vom Spendenempfänger nicht in einem Betrieb, ausgenommen
einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gemäß § 45 Abs. 2 BAO, verwendet werden.
Eine Jagdpacht dient bei einem Verein, der sich mit Forschungsprojekten zur Lösung von
Umweltproblemen (Boden-, Luft- und Wasserreinhaltung, Lärmbekämpfung,
Landschaftspflege und Raumordnung) befasst, nicht ausschließlich der Verwirklichung des
begünstigten Zweckes (der Umweltforschung), sodass die Begünstigung nicht in Betracht
kommt (VwGH 30.1.2001, 95/14/0135).
1335
Die Forschungs- und Lehraufgaben sowie die Publikationen und Dokumentationen müssen,
soweit es sich nicht um die in § 4a Z 1 lit. b EStG 1988 genannten Fonds handelt, vom
Spendenempfänger unmittelbar selbst durchgeführt werden. Die bloße Finanzierung von
Forschungs- und Lehraufgaben sowie von Publikationen und Dokumentationen, die nicht
vom Spendenempfänger selbst durchgeführt werden, reicht daher - von den in § 4a Z 1 lit. b
EStG 1988 genannten Fonds abgesehen - für die Inanspruchnahme der
Spendenbegünstigung nicht aus. Der Spendenempfänger hat dafür zu sorgen, dass seine
Tätigkeit nach außen hin ausreichend zum Ausdruck kommt. Allfällige Verwertungsrechte an
Forschungsergebnissen müssen bei ihm verbleiben und dürfen daher nicht etwa seinen
Mitgliedern zugute kommen.
1336
Die Publikation oder Dokumentation von Forschungs- oder Lehraufgaben, die von anderen
durchgeführt wurden bzw. werden, stellt daher keinen begünstigten Verwendungszweck dar,
es sei denn, dass der Ankauf wissenschaftlicher Publikationen bzw. Dokumentationen oder
die Dokumentation, die der Spendenempfänger selbst vornimmt oder vornehmen lässt,
Voraussetzung für eine konkrete Forschungs- oder Lehraufgabe des Spendenempfängers
bildet und damit einen integrierenden Bestandteil jener Kosten darstellt, die vom

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Spendenempfänger für die Eigendurchführung einer bestimmten Forschungs- oder
Lehraufgabe aufzuwenden sind.
1337
Wissenschaftliche Durchführung von Publikationen und Dokumentationen bedeutet eine
Durchführung nach den Kriterien des heutigen Standes der Wissenschaften
(VwGH 22.10.1997, 95/13/0275). Es kann daher zB die Präsentation von Kunstwerken im
Rahmen von Verkaufsveranstaltungen nicht als gesetzlich begünstigter Verwendungszweck
angesehen werden. Unter wissenschaftlicher Dokumentation ist die wissenschaftliche
Präsentation von Ergebnissen von Forschungs- und Lehraufgaben zu verstehen.
5.5.4.3.2 Zuwendungen an Empfänger im Sinne des § 4a Z 2 EStG 1988
1338
Die Zuwendungen an die im § 4a Z 2 lit. a EStG 1988 genannten Empfänger müssen zur
Durchführung der diesen Einrichtungen gesetzlich obliegenden Aufgaben bestimmt sein.
Diese sind in den §§ 24 (Österreichisches Archäologisches Institut), 26 (Institut für
Österreichische Geschichtsforschung) Forschungsorganisationsgesetz, BGBl. Nr. 341/1981, in
§ 13 Bundesmuseen-Gesetz 2002, BGBl. I Nr. 14/2002 (Österreichische Nationalbibliothek),
sowie in § 2 Bundesgesetz über die "Diplomatische Akademie Wien", BGBl. Nr. 178/1996,
festgelegt. Für Zuwendungen an Museen von Körperschaften des öffentlichen Rechts und an
Museen von anderen Rechtsträgern sowie an das Bundesdenkmalamt besteht keine
gleichartige Einschränkung.
Werden von einer Gebietskörperschaft lediglich die Abgänge eines ein Museum führenden
Vereines in Form von Subventionen getragen, bedeutet das noch nicht, dass diese
Gebietskörperschaft iSd § 4a Z 1 lit. e EStG 1988 an dem Verein mehrheitlich beteiligt wäre
(VwGH 26.06.2001, 97/14/0170).
5.5.4.3.3 Zuwendungen an Empfänger im Sinne des § 4a Z 3 EStG 1988
1338a
Die Zuwendungen an die in § 4a Z 3 EStG 1988 genannten Empfänger müssen für folgende
Bereiche verwendet werden:
. Mildtätige Zwecke, die überwiegend im Inland, in Mitgliedstaaten der Europäischen Union
oder in Staaten des Europäischen Wirtschaftsraumes verfolgt werden. Mildtätige Zwecke
sind solche, die auf die Unterstützung materiell oder persönlich hilfsbedürftiger Personen
gerichtet sind (vgl. VereinsR 2001 Rz 28 f und die demonstrative Aufzählung in VereinsR
2001 Rz 82 bis Rz 94). Ausschlaggebend für die Beurteilung als "mildtätig" ist die
Tätigkeit selbst, nicht deren Finanzierung.

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Beispiel:
Ein Pflegeheim wird durch Eigenleistungen der Pfleglinge und/oder durch Tagsätze von
Sozialversicherungen und Körperschaften öffentlichen Rechtes ausfinanziert. Das
Pflegeheim ist als mildtätig anzusehen.
. Die Bekämpfung von Armut und Not in Entwicklungsländern durch Förderung der
wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, welche zu einem Prozess des nachhaltigen
Wirtschaftens und des wirtschaftlichen Wachstums, verbunden mit strukturellem und
sozialem Wandel führen soll (ähnlich § 1 Abs. 3 Z 1
Entwicklungszusammenarbeitsgesetz). Dem entspricht auch die Erfüllung von mildtätigen
Zwecken in Entwicklungsländern oder zB die Errichtung von Schulen. Dabei sind als
Entwicklungsländer jene Staaten anzusehen, die in der Liste der ODA-Empfängerstaaten
des Entwicklungshilfeausschusses der OECD (DAC) als solche genannt sind. Begünstigt
sind nur solche Organisationen, die Projekte in einer Größenordnung fördern, die eine
effektive Wirkung im Sinne der Zielsetzungen des nachhaltigen Wandels ermöglichen und
sich als allgemeine Fördermaßnahme darstellen, also nicht auf eine kleine Anzahl von
Einzelpersonen fokussiert sind. Dies erscheint jedenfalls gegeben, wenn der Umfang der
Einzelprojekte oder Programme, an denen die Organisation mitwirkt, 30.000 Euro
erreicht, wobei sich die Projekte oder Programme auch über einen mehrjährigen
Zeitraum erstrecken können. In Einzelfällen kann auch bei geringerer Projektgröße eine
allgemeine Förderungsmaßnahme gegeben sein.
. Hilfestellung in Katastrophenfällen. Neben den gesetzlich beispielhaft genannten
Katastrophenfällen (Hochwasser-, Erdrutsch-, Vermurungs- und Lawinenschäden)
kommen weiters insbesondere in Betracht (vgl. Rz 4836): Schäden durch Flächenbrand,
Strahleneinwirkung, Erdbeben, Felssturz oder Steinschlag, technische Katastrophen
(zB Brand- oder Explosionskatastrophen), kriegerische Ereignisse, Terroranschläge oder
sonstige humanitäre Katastrophen (zB Seuchen, Hungersnöte, Flüchtlingskatastrophen).
Voraussetzung ist aber wie bei den bisher vorgesehenen Spendenbegünstigungen, dass die
begünstigten Spendenempfänger die Maßstäbe der §§ 34 ff BAO erfüllen und die Förderung
eigennütziger Zwecke ausgeschlossen wird.
1338b
Um für den Spender oder die Spenderin die Abzugsfähigkeit der Spende sicherzustellen,
werden sowohl die nach § 4a Z 3 lit. a EStG 1988 (unmittelbar humanitäre Einrichtungen) als
auch die nach § 4a Z 3 lit. b EStG 1988 (Spendensammelvereine) spendenbegünstigten
Organisationen zumindest einmal jährlich in einer Liste erfasst und veröffentlicht. Die
Veröffentlichung erfolgt auf der Homepage des Bundesministeriums für Finanzen, wobei
sämtliche begünstigte Organisationen in einer Liste zusammengefasst sind.

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1338c
Sind die Voraussetzungen für die Anerkennung als begünstigte Organisation nicht (mehr)
gegeben, hat das Finanzamt Wien 1/23 den das Vorliegen der
Begünstigungsvoraussetzungen feststellenden Bescheid zu widerrufen und dies in der Liste
zu veröffentlichen. Ab dem Tag nach der Veröffentlichung des Widerrufs sind Spenden nicht
mehr abzugsfähig.
1338d
Für jede spendenbegünstigte Organisation ist in der Liste ein Zeitraum ("gültig ab – gültig
bis") angegeben. Dieser Zeitraum bezeichnet den aufrechten Bestand der
Spendenbegünstigungsfähigkeit. Die Spende ist abzugsfähig, wenn sie innerhalb des
angegebenen Zeitraumes erfolgt.
5.5.4.3.4 Materielle Voraussetzungen für Empfänger im Sinne des § 4a Z 4
EStG 1988
1338e
Für die begünstigten Spendenempfänger im Sinne der § 4a Z 3 EStG 1988 sieht § 4a Z 3
lit. a EStG 1988 in Verbindung mit § 4a Z 4 lit. a EStG 1988 vor, dass die
Empfängerkörperschaft alle in den §§ 34 ff BAO festgelegten grundlegenden
Voraussetzungen für die Erlangung von Abgabenbegünstigungen erfüllen muss, um als
begünstigter Spendenempfänger in Betracht zu kommen. Die VereinsR 2001, insbesondere
die Rz 6 bis Rz 9 und Rz 105 bis Rz 135, sind zu beachten.
1338f
Zur Erlangung der Spendenbegünstigung ist es erforderlich, dass die Rechtsgrundlage der
antragstellenden Organisation den allgemeinen Anforderungen der §§ 34 ff BAO entspricht.
Zusätzlich muss sie aber hinsichtlich Art und Umfang der begünstigten Tätigkeit an die
Vorgaben des § 4a Z 4 EStG 1988 angepasst sein. Dies betrifft vor allem die Konzentration
auf im Wesentlichen begünstigte Zwecke (siehe Rz 1338g), aber auch die
Vermögensbindung an solche Zwecke.
Als Rechtsgrundlage kommen zB in Betracht:
. Vereinssatzungen oder Statuten
. Gesellschaftsverträge von Kapitalgesellschaften
. das nach kanonischem Recht ergangene Einsetzungsdekret
. Rechtsgrundlagen, die auf einem Gesetz basieren
. Beschlüsse der Leitungsgremien von Körperschaften öffentlichen Rechtes

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Eine mangelhafte Rechtsgrundlage schließt die Aufnahme in die Liste aus. VereinsR 2001
Rz 111 ist in Zusammenhang mit der Erteilung einer Spendenbegünstigung in Hinblick auf
den speziellen Zweck und den Spenderwillen nicht anwendbar. Die Aufnahme in die Liste
kann erst nach der tatsächlichen Behebung der Mängel erfolgen. Als behoben ist ein Mangel
dann anzusehen, wenn das zur Gestaltung der Rechtsgrundlage berufene Gremium die
entsprechenden Änderungen beschlossen hat und gegebenenfalls eine entsprechende
Meldung bei der zuständigen Stelle (zB Vereinsbehörde) erfolgt ist.
Da in Zusammenhang mit der "Spendenbegünstigung" vor allem auch der Spenderwille
beachtlich ist, hat sich die Vermögensbindung nicht allgemein an begünstigten Zwecken iSd
§§ 34 ff BAO zu orientieren, sondern auf jenen Zweck zu fokussieren, der sich aus dem von
den begünstigten Rechtsträgern gegenüber dem Spender gemachten Angaben über den
Zweck der Spende ergibt. Daher ist auch eine Vermögensbindung für den Fall der Aufhebung
der Körperschaft vorzusehen. Zur Anpassung der Rechtsgrundlage siehe Rz 1345e.
1338g
Die in § 4a Z 3 EStG 1988 verankerten begünstigten Zwecke (siehe Rz 1338a) müssen den
Hauptzweck der begünstigten Rechtsträger darstellen. Die Empfängerkörperschaften müssen
sich im Wesentlichen direkt auf mildtätigem Gebiet, in der Bekämpfung von Armut und Not
in Entwicklungsländern oder in der Hilfestellung in Katastrophenfällen betätigen, wobei auch
eine Kombination dieser Zwecke möglich ist. Eine wesentliche Betätigung ist dann gegeben,
wenn sie zumindest 75% der Gesamtressourcen (Arbeitsleistung, Sachaufwand und
Geldeinsatz) bindet (siehe UFS 11.08.2009, RV/1823-W/09). Als Tätigkeiten zur direkten
Erfüllung des Hauptzweckes können nur solche betrachtet werden, die dessen Erfüllung
unmittelbar dienen. Dazu gehört auch die Ausbildung von eigenem Personal für den Einsatz
im wesentlichen Tätigkeitsbereich (zB für Behindertenpflege oder Katastropheneinsätze
usw.). Daneben kann auch das Personal anderer mildtätiger Organisationen in die
Ausbildung einbezogen werden. Tätigkeiten, die nicht unmittelbar auf die Verwirklichung
begünstigter Zwecke gerichtet sind (zB Erste-Hilfe-Kurse für Führerscheinwerber), stellen
keine Erfüllung des Hauptzweckes dar und zählen daher zu den Nebentätigkeiten.
Daneben sind dem begünstigten Rechtsträger - abgesehen von völlig untergeordneten
Nebentätigkeiten - nur Nebenzwecke erlaubt, die den Begünstigungsvorschriften der §§ 34 ff
BAO entsprechen. Alle vom begünstigten Rechtsträger unterhaltenen Nebentätigkeiten
dürfen in Summe die Grenze von 25% der Gesamtressourcen nicht übersteigen. Als solche
Nebenzwecke sind neben der reinen Vermögensverwaltung auch betriebliche Tätigkeiten, die
keine Zweckverwirklichungsbetriebe (unentbehrlicher Hilfsbetrieb) im Sinne des § 45 Abs. 2
BAO darstellen, zulässig (siehe Rz 1338j).

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1338h
Um einen effizienten Mitteleinsatz zu garantieren, wird eine Kontinuität der begünstigten
Betätigung über einen zumindest dreijährigen Zeitraum vorausgesetzt, wobei auch Zeiten
einer allfälligen Vorgängerorganisation in diese Bestandsdauer einzubeziehen sind.
Unter Vorgängerorganisationen sind Körperschaften zu verstehen, die ihren Tätigkeitsbereich
im Sinne der Spendenbegünstigungsregel ganz oder teilweise auf eine andere auch neu
entstandene Rechtsperson übertragen oder übertragen haben. Als Vorgängerorganisation im
Sinne des § 4a EStG 1988 gelten aber auch unselbständige Einheiten, wie
Teilorganisationen, als eigene Abteilungen geführte Aktivitäten oder als eigene
Verwaltungseinheiten geführte Tätigkeitsfelder.
Die Anerkennung als Vorgängerorganisation im Sinne des § 4a Z 4 lit. a zweiter Teilstrich
und § 4a Z 4 lit. b sechster Teilstrich EStG 1988 setzt voraus, dass die bisherige Tätigkeit der
Vorgängerorganisation den begünstigten Zwecken im Sinne des § 4a Z 3 EStG 1988 bzw.
dem Sammeln von Spenden für derartige Zwecke entsprochen hat und dass ihre Tätigkeit in
einem eigenen Rechnungskreis erfasst wurde.
1338i
Um den historisch gewachsenen Strukturen Rechnung zu tragen, besteht gemäß § 4a Z 4
lit. a iVm § 124b Z 152 EStG 1988 die Möglichkeit der organisatorischen Bereinigung dieser
Strukturen ohne begünstigungsschädliche Folgen. Diese Möglichkeit zur Umgliederung ist
nicht auf den Übergangszeitraum beschränkt, sondern kann auch zur Bereinigung zukünftig
entstehender Strukturen benutzt werden. Für diese Bereinigungen kommen vor allem
Ausgliederungen von Tätigkeitsfeldern aus dem Rechtsträger in Betracht. Dabei ist
unerheblich, ob eine oder mehrere neue Organisationen entstehen, oder lediglich eine
Abspaltung vorgenommen wird. Voraussetzung für die erfolgreiche Bereinigung ist lediglich,
dass für jene Tätigkeitsfelder, die in den Bereich der Spendenbegünstigung fallen sollen,
bereits seit drei vollen Rechnungsjahren der Vorgängerorganisation ein eigener klar
abgegrenzter Rechnungskreis bestanden hat und die Tätigkeit selbst den
Begünstigungsvorschriften des § 4a Z 3 und Z 4 EStG 1988 entspricht. Zur Prüfung der
Vorgängerorganisation siehe Rz 1338m.
1338j
Um eine Bündelung der Spendenmittel auf die "begünstigten" Zwecke zu erreichen, sind
andere gemäß den §§ 34 ff BAO nicht begünstigten Zwecke für die Erlangung oder den
Fortbestand der Stellung als begünstigter Spendenempfänger unschädlich, wenn sie ein
völlig untergeordnetes Ausmaß nicht überschreiten.

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Eine betriebliche Tätigkeit darf gemäß § 4a Z 4 lit. a dritter Teilstrich EStG 1988 nur in einem
sehr eingeschränkten Rahmen erfolgen: Unschädlich sind nur Tätigkeiten, die entweder
. als unentbehrlicher Hilfsbetrieb im Sinne des § 45 Abs. 2 BAO oder
. als entbehrlicher Hilfsbetrieb im Sinne des § 45 Abs. 1 BAO zu qualifizieren sind, oder
. die Voraussetzungen des § 45a BAO erfüllen oder
. nicht über die bloße Verwaltung eigenen Vermögens hinausgehen (§ 47 BAO).
Dies soll eine Vermischung des mildtätigen Zweckes oder des Zweckes der
Entwicklungszusammenarbeit oder der Hilfestellung in Katastrophenfällen mit
erwerbswirtschaftlichen Zwecken ausschließen, ohne aber jegliche mit dem eigentlichen
Zweck der Organisation in Zusammenhang stehende betriebliche Tätigkeit zu verhindern.
Daher betrifft das Verbot erwerbswirtschaftlicher Tätigkeit solche Betriebe nicht, die
regelmäßig steuerpflichtige Wirtschaftstätige nicht konkurrenzieren. Ebenso ist die bloße
Verwaltung eigenen Vermögens (§ 47 BAO) unschädlich.
1338k
Aus den Begünstigungsvoraussetzungen der BAO ergibt sich, dass die satzungsgemäße
Tätigkeit grundsätzlich vom begünstigten Rechtsträger selbst - also unmittelbar -
durchgeführt werden muss. Da es sich bei den genannten Rechtsträgern ausschließlich um
juristische Personen handelt, sind sie zur Zweckerfüllung auf so genannte Erfüllungsgehilfen
angewiesen. Dies sind im Normalfall meist Funktionäre, Mitglieder oder Bedienstete des
Rechtsträgers. Es ist aber auch ein fremder (auch entgeltlich tätiger) Dritter als
Erfüllungsgehilfe zu betrachten und dessen Tätigkeit unmittelbar dem begünstigten
Rechtsträger zuzurechnen, wenn das Verhältnis zwischen begünstigtem Rechtsträger und
Erfüllungsgehilfen auf einer Rechtsgrundlage beruht, die dem begünstigten Rechtsträger
bestimmenden Einfluss auf die Gestaltung der Ausführung ermöglicht (zB bedient sich das
ÖRK zur Ausführung einer internationalen Hilfsaktion des internationalen Roten Kreuzes
Genf). Dieser Einfluss kann durch eine zivilrechtliche Vertragsgestaltung hergestellt werden
oder auch durch eine auf gesellschaftsrechtlicher Basis bestehende Einflussnahmemöglichkeit
gegeben sein (siehe dazu auch VereinsR 2001 Rz 119 und Rz 120). Hat zB die Organisation
eine beherrschende Gesellschafterstellung in einer GmbH mit entsprechendem
satzungsmäßigem Zweck, kann sie sich der GmbH als Erfüllungsgehilfe bedienen, wobei die
Tätigkeit der Gesellschaft als Eigentätigkeit der Organisation anzusehen ist. Gleiches gilt für
den Fall, dass Körperschaften des öffentlichen Rechtes bestimmte Tätigkeiten über eine
weitere Körperschaft öffentlichen Rechtes abwickeln, der durch ihre Rechtsgrundlage eben
diese dienende Funktion für die anderen Körperschaften öffentlichen Rechtes zugewiesen ist

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und in deren Leitungsgremium die Mitglieder der Leitungsgremien der beauftragenden
Körperschaften vertreten sind.
Beispiel:
Eine Hilfsorganisation hat neun Landesorganisationen, die Körperschaften öffentlichen
Rechts sind. Eine weitere Körperschaft öffentlichen Rechts wird für Zwecke der
internationalen Katastrophenhilfe errichtet. Diese stellt einen Erfüllungsgehilfen für die
9 Landesorganisationen dar.
Die Tätigkeit eines Rechtsträgers als Erfüllungsgehilfe schließt dessen eigene
"Gemeinnützigkeit" nicht aus, wenn er auch selbst eine den Erfordernissen der §§ 34 ff BAO
entsprechende Tätigkeit ausübt und die Betätigung als Erfüllungsgehilfe nicht auf
entgeltlicher Basis mit Gewinnerzielungsabsicht erfolgt.
1338l
Begünstigte Rechtsträger können ihre begünstigten Zwecke auch durch Kooperation mit
anderen begünstigten Rechtsträgern (so genannte Arbeitsgemeinschaften) erfüllen, wenn
gewährleistet ist, dass der einzelne Kooperationspartner auf die Erreichung des
Kooperationsziels direkt Einfluss nehmen kann. Voraussetzung ist es dabei auch, dass die
rechtlichen Verhältnisse zwischen den Partnern durch eine klare Kooperationsvereinbarung
geregelt sind. Aus abgabenrechtlicher Sicht sind in diesem Zusammenhang alle
"transparenten" Vereinigungen wie OG, KG oder Gesellschaft bürgerlichen Rechts geeignet.
Dass einem der Partner das Projektmanagement übertragen wird, ändert daran nichts.
5.5.4.3.5 Formelle Voraussetzungen für Empfänger im Sinne des § 4a Z 4
EStG 1988
1338m
Zusätzlich zu den sich aus der Anwendung der §§ 34 ff BAO ergebenden Erfordernissen
(Satzung, Gewinnausschluss, Vermögensbindung usw.) muss die Erfüllung der in § 4a Z 3
EStG 1988 vorgesehenen gesetzlichen Voraussetzungen jährlich von einem Wirtschaftsprüfer
bestätigt werden. Siehe dazu Rz 1345d.
Die Prüfung des Wirtschaftsprüfers hat neben der Prüfung des Rechnungs- oder
Jahresabschlusses, die mit einem förmlichen Bestätigungsvermerk abgeschlossen werden
muss, auch die Prüfung der in § 4a Z 4 lit. a und b EStG 1988 festgelegten Voraussetzungen
zu umfassen. Sie hat den Anforderungen der §§ 268 ff UGB zu entsprechen, wobei die
üblichen Prüfungsgrundsätze und die Haftungsbeschränkungen des § 275 Abs. 2 UGB
anzuwenden sind.
Die auf Grund der entsprechenden Prüfung erteilte Bestätigung hat folgende
Mindestangaben zu enthalten:

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. Bestätigung der Ordnungsmäßigkeit des Rechnungs- oder Jahresabschlusses.
. Bestätigung der Ausgestaltung der Rechtsgrundlage (zB Satzung) iSd § 4a Z 4 EStG
1988.
. Bestätigung über die zumindest dreijährige gesetzentsprechende Tätigkeit der
Organisation.
. Bestätigung über die Prüfung der tatsächlichen Geschäftsführung der Organisation und
deren Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben.
. Bestätigung über die Einhaltung der Obergrenze der Verwaltungskosten.
Siehe auch die Musterbestätigung in Anhang IV.
Sind Gegenstand der Prüfung auch Abschlüsse von Vorgängerorganisationen, kann sich die
Prüfung auf die entsprechenden Teilorganisationen, Abteilungen oder Tätigkeitsfelder
beschränken.
Beispiel:
Ein gemeinnütziger Verein ist in der Forschung im Bereich des Gesundheitswesens
tätig. Daneben führt er in einem eigenen Rechungskreis die medizinische
Unterstützung von bedürftigen Personen durch. Dieser Bereich wird ab dem Jahr 2009
als eigenständiger mildtätiger Verein geführt. Die Prüfung der Jahre 2006 und 2007
muss nicht den gesamten Vorgängerverein umfassen, sondern kann sich auf den
mildtätigen Bereich dieses Vereins beschränken.
5.5.4.4 Mittelverwendung durch die Spendenempfänger
1339
Zu den für die Durchführung von Forschungs- und Lehraufgaben erforderlichen
Aufwendungen gehören Anschaffungs- und Herstellungskosten für die benötigten Gebäude
und deren Einrichtung, für Maschinen und Laboreinrichtungen, für Vorführ- und
Testapparate usw. sowie die unmittelbar mit der Durchführung dieser Forschungs- und
Lehraufgaben im Zusammenhang stehenden Personalaufwendungen samt Kostenersätzen
für erforderliche Reisen. Darunter fallen auch Aufwendungen für Studierende für deren
Mitwirkung bei der Durchführung von Forschungsaufgaben, nicht hingegen Zahlungen von
Gratifikationen oder ähnliche freiwillige Personalaufwendungen und Stipendien an
Studierende, deren Zweck es ist, den Lernenden zu unterstützen.
Es bestehen keine Bedenken, wenn der Spendenempfänger zugewendete Mittel
zwischenveranlagt, soweit eine sofortige und unmittelbare Verwendung für begünstigte
Zwecke nicht möglich ist.
5.5.4.4.1 Sparsame Verwaltung - Mittelverwendung durch die Spendenempfänger
1339a

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Für Empfänger im Sinne des § 4a Z 4 EStG 1988 ist eine weitere materielle Voraussetzung
für die Spendenbegünstigung eine sparsame Verwaltung hinsichtlich der mit dem Einsatz der
Spenden notwendigen Aktivitäten.
Die im Zusammenhang mit der Verwendung der Spenden stehenden Verwaltungskosten
dürfen 10% der Spendeneinnahmen nicht übersteigen. Dies soll sicherstellen, dass
Spendengelder nicht mehr als unbedingt erforderlich in die Verwaltung umgeleitet werden.
Zu den in die Berechnung der 10%-Grenze einzubeziehenden Verwaltungskosten zählen jene
Kosten, die im Zusammenhang mit der Verwaltung der Spendengelder (zB Bankspesen,
Kosten der Büros des mit der Verwaltung befassten Personals) sowie damit in
Zusammenhang stehenden Personalkosten anfallen. Direkte Projektkosten (zB Personal- und
Sachaufwand, Transportkosten, Kosten für Projektcontrolling) und Fundraisingkosten sind
von dieser Begrenzung nicht umfasst; ebenso wenig fallen darunter Kosten der gesetzlich
vorgesehenen Prüfung sowie Kosten, die für die (für Spenden ab dem Jahr 2011
vorgesehene) Übermittlung der Daten der Spender an die Finanzverwaltung anfallen.
Beispiel:
Die Organisation beschäftigt eine Arbeitskraft mit der Erledigung der notwendigen
Verwaltungsarbeiten. Die Arbeitszeit dieser Arbeitskraft teilt sich im Verhältnis von 30
zu 70 auf die Bereiche allgemeine Organisationsverwaltung (zB Mitgliederverwaltung)
und Spendenverwaltung auf. In diesem Fall sind 70% der Kosten der Arbeitskraft in die
Berechnung der 10%-Grenze einzubeziehen.
5.5.4.5 Zuwendung im Weg der Treuhandschaft
1340
Lässt der Spender eine Zuwendung dem begünstigten Spendenempfänger nicht unmittelbar,
sondern im Wege eines Treuhänders zukommen, so ist für die Abzugsfähigkeit der
Zuwendung (Spende) zu beachten:
. Besteht das Treuhandverhältnis zwischen dem Spender und dem Treuhänder, so ist die
Zuwendung gemäß § 24 Abs. 1 lit. b BAO dem Spender als Treugeber so lange
zuzurechnen, als nicht die Zuwendung an den Spendenempfänger weitergegeben wird.
Die Zuwendung ist für den Spender daher erst mit der Weitergabe durch den Treuhänder
als Betriebsausgabe bzw. Sonderausgabe abzugsfähig, und zwar nur in der Höhe, in der
die Zuwendung weitergegeben wurde. Wird die Zuwendung vom Treuhänder bis zur
Übergabe an den Spendenempfänger verzinslich angelegt, so erhöht sich der
abzugsfähige Betrag nur insoweit, als die Zinsen an den Spendenempfänger
weitergegeben werden. Unkosten, die der Treuhänder dem Spender anlastet, sind nicht
abzugsfähig.

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. Besteht das Treuhandverhältnis zwischen dem Spendenempfänger und dem Treuhänder
und tritt sonach der Treuhänder als treuhändig Empfangsberechtigter des
Spendenempfängers auf, so ist die Zuwendung ab dem Zeitpunkt der Übergabe an den
Treuhänder gemäß § 24 Abs. 1 lit. c BAO dem Spendenempfänger zuzurechnen und
damit als Betriebsausgabe bzw. Sonderausgabe abzugsfähig. Unkosten, die der
Treuhänder dem Spendenempfänger allenfalls anlastet, kürzen nicht die abzugsfähigen
Sonderausgaben.
. Sollte im Zeitpunkt der Übernahme der Zuwendung der Spendenempfänger zwar schon
rechtlich existent, jedoch das Treuhandverhältnis noch nicht begründet worden sein, so
kann der Treuhänder als Geschäftsführer ohne Auftrag (§§ 1035, 1037 und 1039 ABGB)
angesehen werden, wenn die treuhändige Übernahme der Zuwendung von dem
Spendenempfänger nachträglich genehmigt wird; diesfalls ist die Zuwendung ebenso
bereits im Zeitpunkt der Übergabe an den Treuhänder gemäß § 24 Abs. 1 lit. c BAO dem
Spendenempfänger zuzurechnen und damit als Betriebsausgabe bzw. Sonderausgabe
abzugsfähig.
. Besteht ein Treuhandverhältnis sowohl zwischen dem Spender und dem Treuhänder
einerseits als auch zwischen dem Spendenempfänger und demselben Treuhänder
andererseits, sind die Ausführungen zum Treuhandverhältnis zwischen dem
Spendenempfänger und dem Treuhänder zu beachten.
5.5.4.6 Bestätigung des Spendenempfängers
1341
Für die begünstigte Absetzung der Zuwendungen als Betriebsausgabe gemäß § 4a EStG
1988 hat sich der Spender vom Spendenempfänger eine Bestätigung ausstellen zu lassen,
aus der die Höhe der Geldzuwendung oder die genaue Bezeichnung der Sachzuwendung, der
Zeitpunkt der Zuwendung und der Verwendungszweck der Spende hervorgehen. Bei
Vorliegen einer Treuhandschaft sind auch der Name und die Anschrift des Treuhänders
anzugeben. Bei unmittelbaren Geldzuwendungen ist ein entsprechender Zahlungsbeleg
ausreichend.
1342
Solange eine Empfangsbestätigung des Spendenempfängers nicht vorliegt, kann die
Zuwendung vom Spender nicht abgesetzt werden. Ohne Vorlage der Empfangsbestätigung
des Spendenempfängers kommt nur eine vorläufige Veranlagung (§ 200 Abs. 1 BAO) in
Betracht, wobei die Zuwendung unberücksichtigt zu bleiben hat.
5.5.4.7 Listen begünstigter Spendenempfänger gemäß § 4a EStG 1988
1343

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Die Abzugsfähigkeit von Spenden an die im § 4a Z 1 lit. d EStG 1988 und im § 4a Z 1 lit. e
EStG 1988 genannten Empfänger setzt darüber hinaus voraus, dass bereits vor Hingabe der
Spende ein Bescheid des Finanzamtes Wien 1/23 ausgestellt wurde, in dem bestätigt wird,
dass die betreffende Einrichtung bzw. juristische Person dem begünstigten Empfängerkreis
angehört. Dieser Bescheid wird für die jeweils begünstigte Einrichtung bzw. juristische
Person ausgestellt. Es handelt sich dabei um einen Begünstigungsbescheid, dessen Spruch
Bedingungen und Auflagen, wie die jährliche Beibringung eines Tätigkeitsberichts, beinhalten
kann.
1344
Mit dem im § 4a Z 1 EStG 1988 vorgesehenen Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs des
Bescheides soll dem Finanzamt Wien 1/23 die Möglichkeit eingeräumt werden, bei Wegfall
der Voraussetzungen, die für die Bescheiderteilung maßgeblich waren, eine Begünstigung für
Spenden auszuschließen. Für Widerruf bzw. Änderung gilt § 294 BAO. Bei einem solchen
Widerruf können - ungeachtet eines im Bescheid angegebenen früheren Widerrufstermins -
ab dem der Bescheidzustellung folgenden Tag keine steuerlich begünstigten Spenden an die
betreffende Einrichtung bzw. juristische Person mehr getätigt werden. Erlangt ein Spender
auf Grund besonderer Umstände - zB auf Grund der Ausübung einer Funktion beim
Spendenempfänger - vom Wegfall der für die Bescheiderteilung maßgeblichen
Voraussetzungen schon vor dem Bescheidwiderruf Kenntnis, ist die Spende bereits zu einem
entsprechend früheren Zeitpunkt nicht mehr abzugsfähig.
1345
Sämtliche Einrichtungen bzw. juristische Personen, für die ein Bescheid des Finanzamtes
Wien 1/23 betreffend die Zugehörigkeit zum begünstigten Spendenempfängerkreis
ausgestellt worden ist, werden zumindest einmal jährlich auf der Homepage des
Bundesministeriums für Finanzen verlautbart (www.bmf.gv.at). Über allfällige bis zur
nächstfolgenden Veröffentlichung auf der Homepage sich ergebende Änderungen der Liste
der begünstigten Empfänger kann sich der Spender dadurch informieren, dass er vor
Entrichtung der Spende beim Spendenempfänger rückfragt, ob ein aufrechter Bescheid des
Finanzamtes Wien 1/23 hinsichtlich der Zugehörigkeit zum begünstigten Empfängerkreis
vorliegt. Die Finanzämter haben sich, soweit Rückfragen hinsichtlich der Zugehörigkeit des
Spendenempfängers zum begünstigten Empfängerkreis erforderlich erscheinen, an das
Finanzamt Wien 1/23 zu wenden.
5.5.4.7.1 Aufnahme in die Liste begünstigter Spendenempfänger gemäß § 4a Z 4
EStG 1988
1345a

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Dem Antrag auf Aufnahme in die Liste begünstigter Spendenempfänger gemäß § 4a Z 3
EStG 1988 sind auf Grund ausdrücklicher gesetzlicher Anordnung die Bestätigung des
Wirtschaftsprüfers und eine aktuelle Fassung der Rechtsgrundlage der Organisation
beizulegen (siehe dazu Rz 1345d). Bei mangelhaften Anträgen (zB Fehlen der Bestätigung)
ist ein Mängelbehebungsverfahren nach § 85 Abs. 2 erster Satz BAO durchzuführen.
Der Antrag auf Verbleib in der Liste ist jährlich innerhalb von neun Monaten nach dem
Stichtag des jeweiligen Rechnungs- oder Jahresabschlusses beim Finanzamt Wien 1/23
einzureichen.
Das Finanzamt hat über den Antrag mittels Feststellungsbescheid abzusprechen.
1345b
Grundsätzlich müssen alle in die Liste aufgenommenen Organisationen unter einer
Steuernummer erfasst sein. Für Organisationen, die bereits eine allgemeine Steuernummer
haben, tritt keine Änderung ein; es werden auch hinsichtlich der normalen steuerlichen
Belange keine Zuständigkeiten verschoben, weil sich die vom Gesetz angeordnete
Zuständigkeit des Finanzamtes Wien 1/23 ausschließlich auf die Wartung der Liste bezieht.
Antragsteller, die noch nicht unter einer Steuernummer erfasst sind und in der Liste
aufgenommen werden, werden vom Finanzamt unter einer Steuernummer erfasst.
Das Finanzamt Wien 1/23 hat eingegangene Anträge zunächst auf ihre Vollständigkeit zu
prüfen. Weiters ist die Übereinstimmung der Satzung mit den gesetzlichen Vorgaben zu
überprüfen. Hinsichtlich der tatsächlichen Geschäftsführung ist zunächst die Bestätigung des
Wirtschaftsprüfers für die Beurteilung des Antrages heranzuziehen. Das Finanzamt hat
jedenfalls in Fällen, in denen Zweifel an der Begründung des Antrages bestehen, einen
Bescheid erst zu erlassen, nachdem die Zweifel durch geeignete Maßnahmen (zB
Vorhaltsverfahren) geklärt sind. Das Finanzamt ist berechtigt, Prüfungshandlungen auch
dann vorzunehmen, wenn eine positive Bestätigung des Wirtschaftsprüfers vorliegt.
1345c
Grundsätzlich sind nur solche Spenden abzugsfähig, die nach Veröffentlichung der
Eintragung in der Liste geleistet wurden.
Wird außerhalb des in Rz 1345e f beschriebenen Verfahrens (Antragstellung bis 15. Juni
2009) die Aufnahme in eine Liste erstmalig beantragt, sind die aktuelle Rechtsgrundlage, die
Bestätigungen des Wirtschaftsprüfers für die vorangegangenen drei Wirtschaftsjahre und die
Daten, unter denen die Körperschaft im Zentralen Vereinsregister oder im Firmenbuch
erfasst ist, dem Finanzamt Wien 1/23 zu übermitteln. Sind die Voraussetzungen für die
Anerkennung als spendenbegünstigte Organisation gegeben und wird dies vom Finanzamt

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Wien 1/23 bescheidmäßig festgestellt, erfolgt die Aufnahme der Organisation in die Liste. Ab
dem Tag der Erteilung des Begünstigungsbescheides geleistete Spenden sind abzugsfähig.
5.5.4.7.2 Voraussetzungen für den Verbleib auf der Liste gemäß § 4a Z 4
EStG 1988
1345d
Das Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen für die Anerkennung als
spendenbegünstigte Organisation ist von einem Wirtschaftsprüfer jährlich im Rahmen einer
den Anforderungen der §§ 268 ff UGB entsprechenden Prüfung des Rechnungs- oder
Jahresabschlusses zu bestätigen. Die Haftungsbeschränkung des § 275 Abs. 2 UGB ist
anzuwenden.
Die Prüfungspflicht umfasst dabei neben der Überprüfung des von der Organisation zu
erstellenden Jahresabschlusses oder Rechnungsabschlusses (Einnahmen-Ausgaben-
Rechnung mit Vermögensaufstellung) auch die Überprüfung der auf der Satzung oder einer
sonstigen Rechtsgrundlage beruhenden Organisationsverfassung und die Übereinstimmung
der tatsächlichen Geschäftsführung mit den Vorgaben des § 4a Z 3 und 4 EStG 1988. Die
Prüfung hat den (gesamten) Jahresabschlusses zu erfassen. § 22 Abs. 3 und 4 des
Vereinsgesetzes 2002 sind nicht anzuwenden.
Die Bestätigung des Wirtschaftsprüfers ist dem Finanzamt Wien 1/23 jährlich innerhalb von
neun Monaten nach dem Abschlussstichtag gemeinsam mit einer aktuellen Fassung der
Rechtsgrundlage (wie Satzung, Gesellschaftsvertrag) vorzulegen. Das Finanzamt Wien 1/23
hat die Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen jährlich mit Bescheid zu bestätigen.
Liegen die Voraussetzungen für die Anerkennung als begünstigte Organisation nicht (mehr)
vor, hat das Finanzamt Wien 1/23 dies bescheidmäßig auszusprechen und den
Begünstigungsbescheid zu widerrufen. Ein Widerruf hat auch dann zu erfolgen, wenn die
Bestätigung dem Finanzamt Wien 1/23 nicht fristgerecht (neun Monate nach dem
Abschlussstichtag) vorgelegt wird.
Spenden, die ab dem Tag der Veröffentlichung der Aberkennung des Status als begünstigter
Spendenempfänger geleistet wurden, sind nicht mehr absetzbar.
5.5.4.7.3 Erstmalige Aufnahme in die Liste gemäß § 4a Z 4 EStG 1988 für 2009 -
§ 124b Z 152 EStG 1988
1345e
Gemäß § 124b Z 152 EStG 1988 sind § 4a Z 3 und 4 sowie § 18 Abs. 1 Z 8 EStG 1988 auf
alle im Kalenderjahr 2009 erfolgten Zuwendungen anzuwenden. Die Spendenabzugfähigkeit
ist grundsätzlich an die Eintragung der empfangenden Organisation in der Liste gebunden.

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Grundsätzlich sind nur solche Spenden abzugsfähig, die nach Veröffentlichung der
Eintragung in der Liste geleistet wurden.
Für das Jahr 2009 führt die (erstmalige) Veröffentlichung der Liste zum 31. Juli 2009 dazu,
dass auch Spenden, die im Jahr 2009 vor diesem Tag geleistet wurden, abzugsfähig sind.
Dazu ist folgendes Verfahren vorgesehen:
. Die spendensammelnde Organisation muss bis 15. Juni 2009 den Antrag auf Aufnahme
in die Liste stellen. Diese Frist ist nicht verlängerbar; die vollständigen Anträge müssen
bis Ablauf des 15. Juni 2009 dem Finanzamt Wien 1/23 zukommen (15. Juni 2009 = Tag
der Postaufgabe). Für die Aufnahme in die Liste für das Jahr 2009 ist eine Bestätigung
eines Wirtschaftsprüfers über das Vorliegen der gesetzlich vorgesehenen
Voraussetzungen zu den Abschlussstichtagen der Jahre 2006 und 2007 (nicht aber des
Jahres 2008) und die Vorlage der dem Gesetz entsprechenden Rechtsgrundlage
erforderlich.
. Kann auf Grund der kurzen für die Anpassung der Rechtsgrundlage an die speziellen
Voraussetzungen des § 4a Z 3 und 4 EStG 1988 zur Verfügung stehenden Zeit eine
Änderung nicht bis 15. Juni 2009 erfolgen, ist folgende Vorgangsweise zu wählen: Die
vorgesehene Änderung der Rechtsgrundlage ist zusätzlich zur bestehenden vorzulegen.
Dazu ist eine nach der Satzung rechtsgültige Verpflichtungserklärung der
antragstellenden Organisation beizubringen, dass dieser Änderungsvorschlag dem
befugten Gremium zur Beschlussfassung vorgelegt und dass ein Beschluss darüber bis
zum 31. Dezember 2009 herbeigeführt wird. Das Ergebnis des Beschlusses ist dem
Finanzamt Wien 1/23 umgehend mitzuteilen. Nur unter dieser Voraussetzung kann eine
Bescheiderteilung erfolgen.
1345f
Die Versäumung der Frist bis 15. Juni 2009 schließt die Aufnahme in die Liste mit Stichtag
31. Juli 2009 aus, verhindert aber nicht die spätere Aufnahme in die Liste. In diesem Fall
bedarf es des Vorliegens einer Bestätigung eines Wirtschaftsprüfers über das Vorliegen der
gesetzlich vorgesehenen Voraussetzungen zu den Abschlussstichtagen der Jahre 2006, 2007
und 2008 (siehe Rz 1345c).
Das Finanzamt Wien 1/23 hat die Liste erstmalig bis zum 31. Juli 2009 auf der Homepage
des Bundesministeriums für Finanzen zu veröffentlichen.
5.5.4.8 Bewertung von Sachzuwendungen
1346

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Sachzuwendungen sind für Zwecke des Spendenabzugs mit dem gemeinen Wert des
zugewendeten Wirtschaftsgutes zu bewerten. Daneben ist der Restbuchwert nicht zusätzlich
als Betriebsausgabe abzusetzen. Andererseits ist der Teilwert des Wirtschaftsgutes nicht als
Betriebseinnahme anzusetzen. Zur Vermeidung einer Besteuerungslücke ist insoweit eine
Nachversteuerung vorgesehen, als auf das zugewendete Wirtschaftsgut stille Reserven iSd
§ 12 EStG 1988 übertragen worden sind.
1347
Für die Bestimmung des gemeinen Wertes einer Sachspende (zB einem Kunstwerk) kommen
verschiedene Anhaltspunkte in Betracht. Wurde das gespendete Kunstwerk käuflich
erworben, ist der Kaufpreis für die Festsetzung des gemeinen Wertes der Sachspende
heranzuziehen, sofern der Kauf nicht allzu weit zurückliegt. Als Anhaltspunkte kommen auch
der Versicherungswert des gespendeten Kunstwerkes oder ein Schätzgutachten in Frage.
5.5.4.9 Begrenzung des Spendenabzugs
1348
Aus dem Betriebsvermögen geleistete Zuwendungen an Forschungs- oder Lehreinrichtungen
iSd § 4a Z 1 EStG 1988 und an die in § 4a Z 2 EStG 1988 genannten Empfänger sind
insgesamt nur insoweit als Betriebsausgaben abzugsfähig, als sie 10% des Gewinnes des
unmittelbar vorangegangenen Wirtschaftsjahres nicht übersteigen. Dabei ist eine Zuwendung
aus dem Betriebsvermögen noch anzunehmen, wenn ein Wirtschaftsgut aus betrieblichen
Mitteln angeschafft und unmittelbar danach übereignet wird (VwGH 22.03.1993,
91/13/0060). Es ist auf den jeweiligen Betrieb abzustellen, aus dessen Betriebsvermögen die
Zuwendung erfolgt. Bei einem Vorjahresverlust ist ein Spendenabzug als Betriebsausgabe zur
Gänze ausgeschlossen.
1348a
Zuwendungen im Sinne des § 4a Z 3 EStG 1988 sind als Betriebsausgaben in Höhe von bis
zu 10% des steuerpflichtigen Vorjahresgewinnes, als Sonderausgaben ebenfalls in Höhe von
bis zu 10% des Gesamtbetrages der Vorjahreseinkünfte abzugsfähig. Die zulässige Höhe der
Zuwendungen an derartige Organisationen ist für sich ohne Einbeziehung in die
Höchstgrenze der Z 1 und 2 zu ermitteln. Dementsprechend können neben Zuwendungen
gemäß § 4a Z 1 und 2 EStG 1988 (zB an das Bundesdenkmalamt) bis maximal 10% des
Vorjahresgewinnes nochmals 10% des Vorjahresgewinnes an Organisationen gemäß § 4a
Z 3 EStG 1988 (zB für einen begünstigten Spendensammelverein) als Betriebsausgaben
abgesetzt werden. Daneben können Zuwendungen gemäß § 4a Z 3 iVm § 18 Abs. 1 Z 8
EStG 1988 bis maximal 10% des Gesamtbetrages der Vorjahreseinkünfte (inklusive
Vorjahresgewinne) als Sonderausgaben abgesetzt werden.

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Beispiel:
1. Der Vorjahresgewinn beträgt 100. Es können einerseits 10 für begünstigte Zwecke
gemäß § 4a Z 1 oder 2 EStG 1988 (zB an eine Universität), andererseits 10 für
begünstigte Zwecke gemäß § 4a Z 3 EStG 1988 (zB für einen begünstigten
Spendensammelverein) zugewendet, insgesamt somit 20 als Betriebsausgabe
abgesetzt werden.
2. Der Vorjahresgewinn beträgt 100, der Gesamtbetrag der Vorjahreseinkünfte 150. Es
können Zuwendungen gemäß § 4a Z 3 EStG 1988 (zB für einen begünstigten
Spendensammelverein) von bis zu 10 als Betriebsausgabe und zusätzlich Zuwendungen
gemäß § 4a Z 3 EStG 1988 iVm § 18 Abs. 1 Z 8 EStG 1988 von bis zu 15 als
Sonderausgabe steuerlich geltend gemacht werden. Zusätzlich können für begünstigte
Zwecke gemäß § 4a Z 1 und Z 2 EStG 1988 (zB an eine Universität) bis zu 10 als
Betriebsausgabe und der Restbetrag nach § 18 Abs. 1 Z 7 EStG 1988 auf insgesamt 15
als Sonderausgabe abgesetzt werden (also zB 10 Betriebsausgabe und 5
Sonderausgabe oder 3 Betriebsausgabe und 12 Sonderausgabe).
"Vorjahresgewinn" ist der steuerpflichtige Gewinn des der Zuwendung unmittelbar
vorangegangenen Wirtschaftsjahres, auch eines allfälligen Rumpfwirtschaftsjahres.
Steuerliche Vorjahresverluste schließen einen Spendenabzug als Betriebsausgaben aus,
ebenso können neu eröffnete Betriebe im ersten (Rumpf-)Wirtschaftsjahr noch keine als
Betriebsausgaben absetzbare Zuwendungen iSd § 4a EStG 1988 tätigen (es könnte aber ein
Werbeaufwand im Zusammenhang mit der Hilfeleistung in Katastrophenfällen iSd § 4 Abs. 4
Z 9 EStG 1988 vorliegen, aus dem Betriebsvermögen geleistete Zuwendungen iSd § 4a Z 1
oder 2 EStG 1988 können jedoch bis zu 10% des Gesamtbetrags der Vorjahreseinkünfte als
Sonderausgaben abgesetzt werden).
Der Gesamtbetrag der Einkünfte des Vorjahres ist der im Bescheid des vorangegangenen
Veranlagungsjahres als solcher ausgewiesene Betrag.
1349
Bei einem Übersteigen des genannten Grenzbetrages kann der Überhang ggf. im Rahmen
des § 18 Abs. 1 Z 7 EStG 1988 berücksichtigt werden. Danach kommt ein Abzug von
Zuwendungen als Sonderausgabe nur insoweit in Frage, als die gesamten Ausgaben
zusammen mit Zuwendungen aus dem Betriebsvermögen 10% des sich nach
Verlustausgleich ergebenden Gesamtbetrages der Einkünfte des unmittelbar
vorangegangenen Kalenderjahres nicht übersteigen. War der Gesamtbetrag der Einkünfte
des Vorjahrs negativ, kann kein Abzug erfolgen.
5.5.4a Zuwendungen in Katastrophenfällen (4 Abs. 4 Z 9 EStG 1988)
1349a
Ab der Veranlagung 2002 sind gemäß § 4 Abs. 4 Z 9 EStG 1988 Geld- und
Sachzuwendungen im Zusammenhang mit der Hilfestellung in Katastrophenfällen
(insbesondere Hochwasser-, Erdrutsch-, Vermurungs- und Lawinenschäden), wenn sie der

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Werbung dienen, ohne betragliche Begrenzung als Betriebsausgaben abzugsfähig. Siehe
dazu Rz 4836 ff.
5.5.5 Aus- und Fortbildungsmaßnahmen
1350
§ 4 Abs. 4 Z 7 EStG 1988 deckt sich mit § 16 Abs. 1 Z 10 EStG 1988. Die Ausführungen in
den LStR 2002, Rz 358 bis 366, gelten daher sinngemäß.
1351
§ 4 Abs. 4 Z 7 EStG 1988 erfasst nur Aufwendungen des Betriebsinhabers selbst als Einzeloder
Mitunternehmer, nicht aber solche, die der Steuerpflichtige (Betriebsinhaber) für in
seinem Betrieb tätige Personen vornimmt. Diese unterliegen dem allgemeinen
Betriebsausgabenbegriff des § 4 Abs. 4 EStG 1988.
5.5.6. Bildungsfreibetrag (§ 4 Abs. 4 Z 8 und 10 EStG 1988)
5.5.6.1. Wirkungsweise des Bildungsfreibetrages
1352
Der Bildungsfreibetrag (BFB) stellt eine fiktive Betriebsausgabe dar, deren Inanspruchnahme
dem Arbeitgeber (§ 47 EStG 1988) freisteht. Das Wahlrecht des Arbeitgebers bezieht sich
sowohl auf die Inanspruchnahme als solche als auch - im Rahmen des Höchstausmaßes von
20% - auf die Höhe. Der BFB steht bei der Gewinnermittlung durch
Betriebsvermögensvergleich, bei vollständiger Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, nicht
hingegen bei Teil- oder Vollpauschalierung zu (der BFB gilt nicht als Lohnaufwand zB im
Sinne des § 17 Abs. 1 EStG 1988). Der Bildungsfreibetrag führt nur dann zu einer
endgültigen Gewinnminderung, wenn die (Bildungs)Aufwendungen vom Steuerpflichtigen
wirtschaftlich selbst getragen werden (siehe dazu und zur Nachversteuerung Rz 1370 ff).
Ab der Veranlagung (Einkünftefeststellung) für das Jahr 2005 ist Voraussetzung, dass der
Freibetrag in der Steuererklärung an der dafür vorgesehenen Stelle ausgewiesen wird. Eine
Berichtigung einer trotz gewinnermittlungsmäßiger Geltendmachung unrichtigen oder
unterlassenen Eintragung ist bis zum Eintritt der Rechtskraft des Bescheides möglich; die
Berichtigung kann somit im Rahmen einer Berufung oder im Rahmen einer Wiederaufnahme
des Verfahrens erfolgen. Zur Berichtigung reicht es aus, wenn der in der jeweiligen Kennzahl
einzutragende Betrag der Abgabenbehörde bekannt gegeben wird (keine Abgabe einer
berichtigten Erklärung erforderlich).
1352a
Das EStG 1988 unterscheidet einen "externen" BFB (§ 4 Abs. 4 Z 8) und - ab der
Veranlagung für das Jahr 2003 - einen "internen" (innerbetrieblichen) BFB (§ 4 Abs. 4 Z 10).

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Das Höchstausmaß des internen BFB beträgt 20% der (internen) Bildungsaufwendungen.
Das Höchstausmaß des externen BFB beträgt für Aufwendungen, die ab dem
Kalenderjahr 2002 anfallen 20% (§ 124b Z 65 EStG 1988), für davor angefallene
Aufwendungen 9%. Alternativ zur Geltendmachung als Freibetrag können Aufwendungen,
die Anspruch auf den externen BFB begründen und die ab dem Kalenderjahr 2002 anfallen,
im Rahmen einer Bildungsprämie in Höhe von 6% berüc